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12 maj 2013

Emilie Flygare-Carlén und der Regionalroman der Westküste

Emilie Flygare-Carlén, geborene Smith, wurde am 8. August 1807 als Tochter des Seekapitäns und Händlers Roger Smith und dessen Frau Margareta Stiegler im westschwedischen Strömstad geboren und starb am 5. Februar 1892 im Alter von 84 Jahren in Stockholm. Flygare-Carlén war in erster Ehe mit dem Arzt Axel Flygare verheiratet, nach seinem Tod mit dem Rechtsbeistand Jakob Reinhold Dalin verlobt und nach dessen Tod mit dem Schriftsteller Johan Gabriel Carlén verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Emilie Flygare-Carlén weiss man relativ wenig. Sie war die Jüngste unter 14 Geschwistern und wuchs in einem der wohlhabendsten Häusern Strömstads auf. Der Vater hatte einen Handelsbetrieb und eine Reederei, was bedeutete, dass auch die Kinder relativ früh mithelfen mussten und nur über jene Bildung verfügten, die in einem wohlhabenden Haus als absolut notwendig betrachtet wurde.

Emilie Flygare-Carlén, Rosen på Tistelön, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, Titel: Eva Lindeberg

Bereits als Emilie Flygare-Carlén zwölf Jahre alt war, folgte sie mit ihrem Vater bei den kürzeren Handelsreisen entlang dem Bohuslän und mit 17 war die junge Frau für ein eigenes Schiff verantwortlich. Diese Erfahrungen auf See und mit den Handelspartnern haben Flygare-Carlén stark geprägt. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen findet man in den Büchern, die sie über das Bohuslän geschrieben haben und eine Kulturgeschichte der Bewohner dieses Küstenstreifens darstellen.

Noch als Emilie Flygare-Carlén den Arzt Axel Flygare heiratete, mit dem sie ins Småland zog, gab es kaum ein Zeichen, dass Flygare-Carlén eine schriftstellerische Karriere anstrebte. Da jedoch die Ehe einer Katastrophe glich, da die beiden Partner gegensätzliche Interessen zeigten, begann die junge Frau viel zu lesen und suchte in den Romanfiguren ihre Zuflucht. Da der Ehemann nicht mit Geld umgehen konnte, verbrauchte er das eigene Kapital und jenes seiner Frau noch bevor er 1833 starb. Flygare-Carlén kehrte ins Bohuslän zurück, wo sie Reinhold Dahlin traf, der sie dazu ermunterte zu schreiben und nicht nur zu lesen. Dahlin starb jedoch noch kurz vor der Ehe, hatte jedoch seiner Verlobten noch den Wunsch zu schreiben vermitteln können.

Ob Emilie Flygare-Carlén bereits um diese Zeit zu Schreiben begann, ist ungewiss, denn offiziell schrieb sie ihren ersten Roman Valdemar Klein erst im Jahre 1837, der dann ein Jahr später unter dem Pseudonym Fru F. erschien und auf den Aufenthalt von Fredrika Bremer in Strömstad hinweist, die der jungen Schriftstellerin zahlreiche Ratschläge gab, auch wenn Flygare-Carlén nie die philosophischen Gedanken Bremers verstand, da die Bildung der Frauen zu unterschiedlich war und sie in zwei völlig unterschiedlichen Gesellschaftsschichten lebten.

Nach dem ersten Buch von Emilie Flygare-Carlén folgten zahlreiche weitere Bücher, die man jedoch zu Beginn mehr als Studienwerke der Schriftstellerin sehen muss, denn Flygare-Carlén versucht die ersten Jahre Bücher im Stil von Margareta von Knorring zu schreiben ohne dass sie in dieser Art der Literatur je zu Hause war. Die Ursache dazu ist mit Sicherheit ihr Umzug nach Stockholm ihm Jahre 1839, wo sie vor allem in den Kreisen liberaler Autoren verkehrt, einer Welt, die sie fasziniert und die von ihrer Art des Schreibens begeistert sind, so dass es einige Jahre dauert bis die Schriftstellerin ihren eigenen Weg findet.

Das Haus des Ehepaares Carlén wird Mitte des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten literarischen Salons Stockholms in dem Autoren wie August Blanche, Gustaf Henrik Mellin, Oscar Patric Sturzen-Becker, Wilhelm von Braun und andere bedeutende Autoren der Zeit verkehrten. Das Positive dieser Zeit war, dass Johan Gabriel Carlén ein guter Ratgeber seiner Frau war und ihre Werke daher immer weniger auf Klischees aufbauten und die Schriftstellerin ernsthaft an ihrem Stil arbeitete, was eine bedeutende Leistung war, wenn man bedenkt, dass Emilie Flygare-Carlén keinerlei literarische Bildung hatte, sondern als Autodidaktin und als Frau in die Welt der Literatur geriet, die um diese Zeit von einer hoch gebildeten Schicht geprägt wurde.

Ab 1842 begann Emilie Flygare-Carlén ihre Romane über die Schären des Bohuslän zu schreiben, aber obwohl dies das Leben war, das sie kannte und sie geprägt hatte, zögerte sie lange ihr erstes Buch zu diesem Thema, Rosen på Tistelön, zu veröffentlichen, denn sie wusste, dass dies ein Neuland der schwedischen Literatur war und nicht den literarischen Linien der Zeit folgte. Flygare-Carlén hatte Angst davor, dass dieser Roman zu provinziell sei. In gewisser Weise hatte die Schriftstellerin auch recht in ihrer Angst, denn die Kritiker konnten mit dem realistischen Regionalroman nichts anfangen, auch wenn Flygare-Carlén mit dieser Gattung des Romans, den sie bis zu ihrem Lebensende fortsetzte, den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht hatte.

Mitte des 19. Jahrhunderts galt Emilie Flygare-Carlén, dann jedoch neben Esaias Tegnér und Fredrika Bremer zu den bedeutendsten Autoren der zeitgemäßen schwedischen Literatur. Ihre Werke wurden in zwölf Sprachen übersetzt und zogen die Leser in zahlreichen Länder in ihren Bann. Einige ihrer Bücher über das Bohuslän werden noch heute regelmäßig aufgelegt.

Nach Emilie Flygare-Carléns Feuilleton Ett köpmanshus i skärgården, das ab 1858 im Aftonbladet erschien, wurden ihre Werke seltener, denn auch wenn dieses Epos des Bohuslän erneut ein Meisterwerk war, so hatten persönliche Probleme und die Kritik an ihren zu freizügigen Beschreibungen des Küstenlebens ihre Spuren gesetzt. In den Folgejahren erscheinen daher vor allem autobiografische Werke und Erinnerungen.

Emilie Flygare-Carlén, der viele Literaturwissenschaftler nur noch einige Zeilen in der Literaturgeschichte Schwedens widmen, da sie in der Sprache des Volkes schrieb und sich mit Regionalliteratur beschäftigte, starb nach dem Konkurs der Bank in der sie ihr gesamtes Vermögen angelegt hatte, verarmt und als einzige Überlebende ihrer Familie, denn ihr Ehemann starb 1875 und alle ihre Kinder waren um diese Zeit bereits tot.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

5 september 2012

Ebba Lindqvist, Gedichte vom Meer und dem Bohuslän

Ebba Lindqvist wurde am 7. April 1908 in Göteborg geboren und starb am 5. September 1995 in Varberg. Ebba wuchs in Grebbestad im westschwedischen Bohuslän auf, wo ihr Vater, Johan Anton Lindqvist, Lehrer war und eine Abteilung der Guttempler gründete. Hier entdeckte Ebba Lindqvist das Meer und eine Natur, die sie ihr Leben lang prägen sollte.

Ebba Lindqvist besuchte die Volksschule in Grebbestad, die Realschule in Strömstad und machte anschließend ihr Abitur in Göteborg. Im Herbst 1927 schrieb sie sich dann in der philosophischen Fakultät der Universität Uppsala ein, wo ihre beiden Brüder bereits Medizin, beziehungsweise Jura, studierten. Zwischen 1929  und 1933 setzte Ebba ihre Studien jedoch an der Universität in Göteborg fort, wo sie Deutsch, Französisch, Nordische Sprachen, Literaturwissenschaft und Psychologie studierte. Unterbrochen wurde diese Zeit von einem einjährigen Studienaufenthalt im Jahre 1930 in Frankreich und in Leipzig, wo sie die Bekanntschaft der Schriftstellerin Karin Boye machte, der sie auch ihre ersten Gedichte zeigte.


Durch die Aufmunterung von Karin Boye beendete Ebba ihre erste Gedichtsammlung, die bereits 1931 unter dem Namen Jord och rymd bei Bonniers veröffentlicht wurde. Im folgenden Jahr, als Ebba Lindqvist ihr Schlussexamen in Göteborg ablegte, heiratete sie Ivar Galéen, der einen jüdischen Vater in Berlin hatte, was Ebbas zukünftige Leben bedeutend beeinflussen sollte.

Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Göteborg veröffentlichte Ebba Lindqvist im Jahre 1933 den Gedichtband Lava och året, ein Jahr später den Poesieband Liv und 1937 erschien ihr Werk Lyrisk dagbok, die alle mit einem gewissen Erfolg verkauft wurden. Der wahre Durchbruch gelang Ebba dann jedoch 1939 mit Fiskläge, ihrem vermutlich persönlichsten Werk in dem das Meer ihrer Kindheit und ihre Gefühle zum Bohuslän am deutlichsten zum Ausdruck kommen.

1939 wurde die Lage in Berlin für jüdische Bürger extrem kritisch. Ebbas Ehemann konnte seinen Vater gewissermaßen in letzter Minute aus der Stadt retten, da jedoch auch Schweden nicht als sicher galt, wanderten die beiden nach Amerika aus. Ebba Lindqvist folgte ihrem Ehemann mit den beiden gemeinsamen Töchtern nur ein Jahr später. Während der fünf Jahre, die die Familie dann in New York verbrachte, gehörten zu Ebbas Bekanntenkreis Personen wie Nils von Dardel, Yehudi Menuhin oder Sigrid Undset, was ihr den Blick in die menschliche Seele erweiterte. Die Werke Ebba Lindqvists, die diese Zeit am besten ausdrücken, sind Manhattan und Vägen till Jeriko.

Im Jahre 1945 kehrte die Familie zurück nach Schweden, wo Ebba Lindqvist erneut als Lehrerin zu arbeiten begann und bald auch als Kritikerin für die Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning zu arbeitete. Das Ende der 40er Jahre war jedoch von der Rezession, dem Unfall der Tochter, einem häufig kranken Sohn und einer an Asthma leidenden Mutter der Autorin geprägt, eine Zeit, die Ebba in ihrer Gedichtsammlung Labyrint verarbeitet, die 1949 erschien, ein Werk, das ihr den Lyrikpreis der Zeitschrift Ny Tid einbrachte.

Die 50er Jahre waren für Ebba Lindqvist mit zwei längeren Auslandsaufenthalten verbunden, zuerst im Libanon und später in Nairobi, wohin sie ihrem Ehemann jeweils folgte. Auch diese Zeit führte zu neuen Wegen in ihrer Dichtung, was sich in den beiden Poesiwerken Karavan und Resa mellan fyra väggar ausdrückt. Bereits 1966 erschien dann jedoch bereits das letzte Buch Ebbas, Mässa får måsar, mit dem sie auf poetische Weise zurück ans Meer kehrt. Ebba erklärte bei dieser Gelegenheit auch, dass dies ihr letztes Buch sei, da ihr Lebenskamerad sie jetzt benötigen würde. In der Tat arbeitete Ebbe Lindquist dann nur noch kurze Zeit für die staatliche Radioanstalt, schrieb jedoch keine Gedichte mehr.

Nach einem Unfall bekam Ebba Lindqvist eine frühzeitige Pension und 1968 bekam auch ihr Mann nach einem Schlaganfall die Rente. 1974 zog das Ehepaar dann nach Alicante, wo Ivar Galéen 1975 einen zweiten Schlaganfall erlitt, der ihn nahezu lähmte. 1991 kehrte Ebba, sechs Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes, zurück nach Schweden und setzte sich in Varberg zur Ruhe, wo sie 1995 starb.

Die Gedichte von Ebba Lindqvist leben jedoch nicht nur in ihren immer wieder neu aufgelegten Gedichtsammlungen weiter, sondern zahlreiche Gedichte wurden in Ton gesetzt und werden allein daher immer wieder weitergetragen.

Copyright: Herbert Kårlin