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15 juni 2013

Edvard Evers und die religiösen Literatur des 19. Jahrhunderts

Edvard Evers wurde am 12. Mai 1853 als Sohn des Stadtkassierers Per Emil Evers und dessen Frau Mathilda Nordström in Uddevalla im Västergötland geboren und starb am 22. Oktober 1919 in Norrköping. Evers war in erster Ehe mit Sigfrida (Frida) Swartz und nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Karin Mathilda Swartling verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Edvard Evers ist nur wenig bekannt, so dass seine Biografie im Jahre 1874 beginnt, als Evers in Uppsala Theologie zu studieren beginnt und die Kritik seiner Lehrer auf sich zieht, da sich der Student nicht intensiv genug mit der Theologie beschäftigt, sondern auch zu Ästhetik und anderen humanwissenschaftlichen Fächern greift. Seine Einstellung zur Religion ist daher sehr liberal und stellt zu dieser Zeit mehr den idealisierten protestantischen Glauben dar als die offiziellen Lehrmeinungen.

Edvard Evers, Foto: K . L. Lindelöw, Norrköping, 1912

Im Jahre 1878 schließt Edvard Evers seine theologischen Studien ab und ein Jahr später wird er in Strängnäs zum Priester geweiht, wo er ein Jahr lang arbeitet bevor er der jüngste Priester Stockholms wird. Evers griff bei seinen Ideen zum Priesteramt vor allem zu jenen von Esaias Tegnér und Johan Olof Wallin, da er wie diese beiden Bischöfe der Überzeugung war, dass Worte wichtig sind und eine Predigt daher literarisch sein muss, aber gleichzeitig auch die Gefühle der Zuhörer ansprechen soll, eine Eigenschaft, die bei Evers nur bedingt zutrafen, da er zwar die Menge fesseln konnte, jedoch bei Einzelgesprächen unsicher wurde.

In Stockholm begann auch Edvard Evers literarische Karriere, auch wenn er seinen Gedichte und Aufsätzen zu Beginn noch unter dem Pseudonym Ahasverus Christianus in Vårt Land veröffentlichte und erst 1881 mit seinem historischen Drama Kristian den andre offen hervortrat. Wann Evers dieses Drama schrieb, ist nicht bekannt, sicher ist jedoch, das es am 23. Februar 1881 am Nya Teatern in Stockholm Premiere hatte. Dieses Drama wie auch Gustaf Baner, ein Drama, das der Autor im Folgejahr veröffentlichte, können jedoch nicht als Meisterwerke betrachtet werden und sie dem Aufbau und der Versform an Friedrich Schiller angelehnt sind und auch bald wieder vergessen waren.

Auch die Gedichte, die Edvard Evers schreibt kurz bevor er ab 1886 nach Norrköping kam, zeigen mehr einen angelernten Stil als die literarische Persönlichkeit des Autors. Erst als Evers in Norrköping beginnt Psalmen zu schreiben, zeigt sich die wahre Größe des Schriftstellers. Die Leistung bei seinen Psalmen ist nicht nur die literarische Qualität, sondern auch die Abwendung von der Tradition und das Schaffen moderner Psalmen, auch wenn Evers dabei weitaus weiter geht als die Befürworter einer Psalmenreform wünschen.

Auch bei der Verbreitung seiner Psalmen geht Edvard Evers einen eigenen Weg, da er das Gefühl hat, dass die Versuche der Modernisierung in den Diskussionen stecken bleiben. Bereits 1899 veröffentlicht der Autor daher seine eigene Psalmsammlung ohne sie einem Gremium unterbreitet zu haben, daher jedoch auch nicht in der Kirche verwendet wurden. 

Bereits 1892 erschien dann eine weitere Psalmsammlung, die Edvard Evers selbst verfasst hatte. Die Sammlung von 640 Psalmen legte er unter dem Titel Förslag till reviderad Psalmbok vor, da er dieses Mal ein offizielles Werk veröffentlichen wollte, das vor allem das Psalmbuch von Wallin ersetzen sollte, da Evers der Meinung war, dass Wallin zu sehr von der ursprünglichen protestantischen Lehre abwich. Evers wollte den Gedanken des 17. Jahrhunderts erneuern indem er die traditionelle Lehre mit der modernen Einstellung der Bevölkerung verbinden dachte, was bedeutete, dass er die Pietät reduzieren wollte und die Gläubigen davon abbringen wollte Untergebene der Kirche zu sein, eine Anschauung, die sehr stark kritisiert wurde.

Auch wenn Edvard Evers sehr viele Psalmen schrieb, so hatte er öffentlich wenig Erfolg damit, denn bei der folgenden Neuausgabe wurde nicht eines seiner Werke aufgenommen und erst ab den Auflagen ab 1914 gelang es dem Autor einige seiner Psalmen veröffentlicht zu sehen, wobei insgesamt nur knapp 20 seiner Schöpfungen in den offiziellen Sammlungen der Svenska Kyrkan aufgenommen wurden. Die restlichen seiner Psalmen konnte man nur in Privatauflagen finden.

Bekannt wurde Edvard Evers aber auch durch einige Weihnachtslieder, unter anderem dem Lied Jul, jul, strålande jul, das in Schweden noch heute gesungen und in zahlreichen Liedersammlungen aufgenommen wird. Auch in diesem Bereich erschienen nur wenige Werke des Autors, da sein Den svenska kyrkans sångbok nie fertiggestellt wurde.

Eine Sonderstellung in der schwedischen Literatur nimmt Edvard Evers lyrisches Werk Fosterjord. Ett folkepos ein, da der relativ konservative Autor hier eine kulturhistorische Geschichte der Jahrhundertwende des Bohuslän bietet, denn hier zeichnet der Autor die Welt der Zukunft aus der Sicht eines um diese Zeit konservativen Priesters. Evers beschreibt die Industrialisierung, die Auswanderungswelle, die Situation der Landwirtschaft und andere Bewegungen dieser Epoche in positiver Weise und vermittelt dem Leser den Eindruck, dass er an die Zukunft glaubt.

Die sichtbare Rolle von Edvard Evers innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist minimal, auch wenn der Schriftsteller durch seine rege literarische Aktivität die religiöse Literatur Schwedens erneuerte. Evers vertrat seine Meinung auch offen und war in Gremien aktiv, auch wenn es in einer religiösen Atmosphäre sehr lange dauert bis neue Ideen auch umgesetzt werden. Einige seiner besten Psalmen wurden sogar erst in der letzten Auflage des schwedischen Psalmbuches aufgenommen.

Copyright: Herbert Kårlin

11 juni 2013

Edvard Fredin, ein Volksdichter der Arbeiterbewegung Schwedens

Edvard Fredin wurde am 8. Juni 1857 als Sohn des Beamten Nils August Fredin und dessen Frau Margaretha Theresia Lieberath in Stockholm geboren und starb am 27. Juni 1889 in Södertälje. Fredin war nie verheiratet.

Da der Vater von Edvard Fredin starb als der Junge gerade einmal ein Jahr alt war, übernahm die Mutter, die eine literarische Bildung hatte und ein starkes Interesse für das Theater zeigte, die Erziehung Fredins und seiner Schwester Anna Maria. Bereits als Fredin im Jahre 1870 in die Grundschule kam, hatte er ein Lungenleiden, das immer wieder zur Abwesenheit vom Unterricht führte und der Grund dafür war, dass der Übersetzer und Schriftsteller bereits nach der fünften Klasse von der Nya Elementarskolan abging.

Edvard Fredin, Vår Daniel, Förlag Wilhelm Bille, Stockholm, 1889

Aber auch wenn Edvard Fredin nur wenige Jahre lang die Schule besuchte, so versuchte er anschließend ein Maximum an Bildung zu gewinnen und beschäftigte sich vor allem mit Geschichte, Literatur und modernen Sprachen und begann seine ersten Gedichte zu schreiben, die noch noch stark von Esaias Tegnér, Viktor Rydberg und Carl Snoilsky beeinflusst waren. Erst Ende der 70er Jahre spürt man, dass sich Fredins Lyrik den modernen Strömungen anschließt, die um diese Zeit vor allem von August Strindberg und Georg Brändes getragen wurden.

Seine literarische Aktivität begann Edvard Fredin ebenfalls noch in den 70er Jahren, wobei seine Werke um diese Zeit vor allem in der lokalen Presse, in Zeitschriften und den literarischen Kalendern der schwedischen Hauptstadt veröffentlicht wurden.

Zu Beginn der 80er Jahre schloss sich Edvard Fredin der Bewegung von Anton Nyström an und trug mit zahlreichen Vorlesungen an der Entwicklung des Stockholmer Arbeiterinstituts teil, wirkte in mehreren liberalen Bewegungen, wurde Mitarbeiter der Enzyklopädie Folkets bok und schrieb für mehrere radikale Zeitungen jener Zeit. Außer eigenen Gedichten zur Arbeiterbewegung übersetze Fredin in jenen Jahren auch zahlreiche politische und soziale Werke aus anderen Ländern, was der Arbeiterbewegung Schwedens eine größere Bedeutung gab und diese in eine internationale Bewegung einordnete.

Als sich Edvard Fredin im Frühjahr 1885 zu Vorträgen in Göteborg aufhielt, machte er nicht nur die Bekanntschaft der modernen journalistischen und literarischen Bewegung, sondern er entschied sich auch ein Angebot Ture Malmgrens anzunehmen und ein Jahr lang für die Zeitung Bohuslänning zu arbeiten, die unter ihm eine neue Richtung annahm, da Fredin nicht nur Artikel schrieb, sondern auch zahlreiche Rezensionen und vor allem schöngeistige Beiträge.

Im Bohuslän begann Edvard Fredin auch eine literarische Karriere vorzubereiten, sowohl als Lyriker als auch als Romanautor. Als er jedoch 1886 Bonnier eine Gedichtsammlung unter dem Titel Försommar anbot, lehnte der Verlag das Werk ab, mit dem Argument, dass junge Autoren schlecht verkäuflich seien. Da sich an der Westküste auch die Krankheit des Autors verschlechterte, war er nach einem Jahr gezwungen zu einem Freund ins Hälsingland zu ziehen, da der Süden für ihn aus finanziellen Gründen unerreichbar war.

Im Hälsingland verbesserte sich nicht nur Edvard Fredins Gesundheitszustand wieder, sondern Artur Hazelius verhalf ihm auch zu einem einem Auftrag von Seiten der Svenska Akademien zur Dialektforschung und zu folkloristischen Studien. Außer zahlreichen Übersetzungen, Forschungen und unabhängigen Gedichten entstand im Hälsingland dann auch das bedeutendste Werk des Schriftstellers, der Gedichtzyklus Vår Daniel, die Schilderung der pazifistischen Bewegung des Geistlichen Daniel Buscovius aus dem Jahre 1644. Für dieses Werk wurde Fredin mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet.

Die letzten drei Jahre des Lebens von Edvard Fredin waren nicht nur die fruchtbarsten, sondern auch die erfolgreichsten, denn sein Schauspiel Biltog wurde im Theater aufgeführt, und der höchste Preis der Svenska Akademien garantierte ihm einen Platz unter den modernen Autoren Schwedens. 1889 erhielt der Schriftsteller für seine Leistungen selbst die staatliche Autorenunterstützung verliehen. Sein Gesundheitszustand erlaubte dem Autor jedoch keine öffentlichen Auftritte mehr und noch im gleichen Jahr starb er in einer Badeanstalt.

Edvard Fredin war einer der bedeutendsten Dichter der 70er und 80er Jahre, auch wenn er, auf Grund seines kurzen Lebens, nur relativ wenige Werke veröffentlichte. Er wurde nie ein Romanautor, sondern blieb ein Dichter, der sowohl gefühlsmäßige persönliche Werke schrieb als auch engagierte politische Lyrik verfasste. Ähnlich Strindberg und Albert Ulrik Bååth schilderte Fredin in seinen Werken auch die Umgebung, die Natur und das Milieu. Fredin wurde damit der erste Dichter Schwedens, der die Stimmung Nordschwedens in die Literatur einfließen ließ, lange bevor Autoren Nordschwedens ebenfalls zu dieser Ausdrucksmöglichkeit griffen.

Copyright: Herbert Kårlin

9 juni 2013

Nils Hasselskog und die Weltsprache Transpiranto

Nils Hasselskog wurde am 10. April 1892 als Sohn des Prosten Karl Adolf Anton Hasselsskog und dessen Frau Maria Matilda Nordström in Broddetorp bei Falköping geboren und starb am 20. Juni 1936 in Mölndal, einem Nachbarort Göteborgs.  Hasselskog war ab 1922 mit Kerstin Molin verheiratet.

Die ersten Jahre wurde Nils Hasselskog nicht nur verzogen, sondern ihm wurde auch die Schule geschenkt, da die Mutter offiziell die gesamte Erziehung übernahm. Die Qualität war jedoch so schlecht, dass Hasselskog anschließend sechs Jahre benötigte um die vom Vater geleitete fünfklassige Montessorischule zu schaffen. Und im Gymnasium in Skara wurde er nach zwei Jahren nach Hause geschickt. Nachdem Hasselskog anschließend auch in  Alingsås das Realschulexamen nicht schaffte, besuchte der Schriftsteller ab 1910 ein Privatgymnasium in Göteborg an dem er 1912 schließlich die Hochschulreife erhielt.

Nils Hasselskog, Det klassiska Grönköping : idyller och paniker, Förlag Fischer & Co., Stockholm, 1997

Nach der Hochschulreife schrieb sich Nils Hasselskog an der Universität in Uppsala ein um dort Recht zu studieren. Sehr bald wechselte er dann zur Universität Stockholm und schließlich kam er nach Göteborg. Als der Vater im Jahre 1919 starb und damit die finanzielle Absicherung verschwand, begann Hasselskog als Lehrer zu arbeiten, besuchte 1921 für ein Jahr die Pädagogische Hochschule in Göteborg und wurde offiziell Lehrer, eine Arbeit, die dem Schriftsteller zusagte.

Die Wende im Leben von Nils Hasselskog kam im Jahre 1925, als er an Hüfttuberkulose erkrankte, denn während der langen Krankheitsphase begann er für Hasse Zetterströms Grönköpings Veckoblad zu arbeiten. Sein erster humoristischer Beitrag erschien unter dem Titel Upprörande nedrighet mot svärmoder, ein Beginn, der anschließend zu rund 600 Artikeln und Novellen sowie etwa 100 Gedichten für die Zeitschrift führen sollte.

Seinen Stoff nahm Nils Hasselskog aus Alingsås und seiner Kindheit. Seine Artikel im Grönköpings Veckoblad, das unter seiner Feder immer mehr Alingsås glich, waren so erfolgreich, dass der Verlag bereits 1927 die erste Sammlung der Arbeiten Hasselskogs als Buch herausgeben konnte.

Der Erfolg von Nils Hasselskog war jedoch kein Zufall, denn der Schriftsteller hatte bereits als Schüler an der humoristischen Zeitschrift Kurre mitgearbeitet und in den Folgejahren immer wieder Artikel für die Elfsborgs Nyheter und die Alingsås Tidning geschrieben und dabei die Parodie und die Satire geübt. Als Hasselskog daher beim Grönköping Veckoblad begann, wusste er bereits auf welche Ironie die Leser positiv reagieren und auf welche Art von Scherzen man besser verzichtet.

Ursprünglich waren die Personen der satirischen Wochenzeitschrift Grönköpings Veckoblad aus den Orten Hjo und Skövde und viele der handelnden Personen waren bereits identifiziert. Nils Hasselskog wollte die Handlungen jedoch mehr und mehr nach Alingsås verlegen und schuf daher zusätzliche Personen, die in etwas abweichender Form in Alingsås existieren und veränderte damit die Richtung der Zeitung, was sich noch deutlicher dadurch ausdrückte, dass Hasselskog einem Lehrer des Ortes die neue Weltsprache Transpiranto erfinden ließ.

Der Erfolg von Nils Hasselskog als Schriftsteller lag aber auch daran, dass er innerhalb der schwedischen Literatur den Antihelden schuf, denn die Personen, die er für das Grönköpings Veckoblad schuf, hatten alle auch einige Züge des Autors selbst, der nicht zögerte seine eigenen Schwächen und all sein Versagen in satirischer Weise darzustellen.

Beachtenswert  sind  allerdings die Gedichte, die Nils Hasselskog erst in der Wochenzeitschrift und später als separate Bücher veröffentlichte, denn an dieser Lyrik zeigt sich, dass Hasselskog extrem belesen war, er die schwedische Poesie sehr gut kannte und zusätzlich noch selbst stilfest war. Der erste, der die Fähigkeiten Hasselskogs in vollem Umfang erkannte, war Gunnar Ekelöf, der sich auch zum Bewunderer des Poeten entwickelte.

Wenn man die literarische Fähigkeit von Nils Hasselskog erkennen will, so muss man nur jeder seiner Personen zu folgen, denn der Schriftsteller hatte die Fähigkeit sich in jede Figur hineinzuversetzen und sie als Individuum zu behandeln, das in seiner Eigenart als Lehrer, Postbeamter oder Priester auch zu persönlichen Sprache greift. Leider gingen große Teile des Werkes Hasselskogs verloren, da sich Hasselskog nie die Mühe machte als Schriftsteller anerkannt zu werden, denn er war vom Volk geliebt und war bereits gegen Ende seines Lebens zu einer Legende geworden.


Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

1 juni 2013

Johan Runius, der erste Mundartdichter Schwedens

Johan Runius wurde am 1. Juni 1679 als Sohn des Priesters Arvidus Runius und dessen Frau Annika Levander in Larvs in Västergötland geboren und starb am 1. Juni 1713 an seinem 34. Geburtstag in Stockholm. Runius war nie verheiratet.

Nach den wenigen Überlieferungen war Johan Runius bereits als Kind ein Genie das mit vier Jahren in der Schule in Skara begann und 1694 ins Gymnasium in Göteborg wechselte, wo er gegen den Jahrtausendwechsel die Hochschulreife machte um anschließend ein Studium an der Universität in Uppsala zu beginnen, das er wiederum 1706 beendete. Bekannt ist insbesondere seine Abschlussrede am Gymnasium, denn hierbei lieferte er eine der ältesten Beschreibungen Göteborgs und bietet Sprachwissenschaftlern das älteste Dokument mit dem Dialekt der westschwedischen Stadt.

Johan Runius, Stich nach einer Zeichnung von Sophia Elisabet Brenner

Bereits als Grundschüler und vor allem als Gymnasiast arbeitete Johan Runius sehr häufig als Privatlehrer, teilweise im Bohuslän, der Grund, warum er insgesamt mindestens 16 Jahre Schulzeit hinter sich hatte bevor er in Uppsala zu studieren begann.

Schon im Gymnasium in Göteborg zeigte sich die lyrische Fähigkeit von Johan Runius, denn er wurde regelmäßig gebeten Hochzeitsgedichte und Verse zu Beerdigungen zu verfassen. Neben diesem positiven Ruf folgte ihm jedoch noch ein weniger vorteilhafter, denn Runius war nicht nur chronisch arm, sondern war auch bekannt dafür, dass er schon als Jugendlicher bedeutende Alkoholprobleme hatte, eine Eigenschaft, die ihn das ganze Leben lang verfolgen sollte und ein gemeinsamer Zug mit seinem Vater war.

Ursprünglich wollte Johan Runius Rechtswissenschaften an der Universität Uppsala studieren, aber der permanente Geldmangel und die abgelehnten Anträge auf Stipendien zwangen ihn immer mehr dazu bei adeligen Familien als Privatlehrer unterzukommen. Erst 1712, ein Jahr vor seinem Tod, wagte es Runius den Unterricht ganz aufzugeben um von seinen Gedichten zu leben, was bedeutete sie öffentlich vorzutragen.

Während seiner Tätigkeiten als Privatlehrer schrieb Johan Runius regelmäßig Gedichte, auch wenn die gesammelten Werke Dudaim erst nach seinem Tod erscheinen sollten und einen so großen Erfolg hatten, dass der ersten Ausgabe unmittelbar eine zweite folgen musste. Auf Grund seines kurzes Lebens erstreckt sich das Gesamtwerk jedoch nur über drei Bände, die jedoch eine bedeutende Rolle in der Literaturgeschichte Schwedens spielen.

Zum einen zeigt die Dichtkunst von Johan Runius eine sehr große Breite und reicht von religiösen Gedichten und Hochzeitsreden bis zu Liedern, die man als Vorläufer zu den Werken von Carl Michael Bellman bezeichnen kann. Auch bei Versmaß und Stilistik zeigt sich Runius als Meister und gehört zu jenen wenigen Schriftstellern, die im 18. Jahrhundert die Sprache und die verschiedenen Versmaße am besten beherrschten.

Aber noch bedeutender ist die Tatsache, dass Johan Runius auch ein Vorreiter der Mundartdichtung war, einer literarischen Technik, die er erstmals bei seiner Abschlussrede am Gymnasium anwandte. In einer Zeit, in der manche Dichter noch zu Latein griffen um die Dichtkunst auf ein klassisches Niveau zu heben und sich ein literarisches Werk nur an die Oberschicht des Landes richtete, war diese Entscheidung von Runius nahezu als Revolution zu sehen.

Auch wenn Johan Runius vermutlich einer der begabtesten Dichter der schwedischen Literatur war und jedes Versmaß nutzen konnte, so sind seine Gedichte und seine Einstellung zum Leben als nahezu naiv und einfach zu betrachten, denn im Gegensatz zu anderen Dichtern seiner Zeit zeigte Runius eine kindhafte Begeisterung für Gott und die Linie seiner Werke kann von einer lustigen Weise zum Pessimismus wechseln. Gerade diese Eigenschaft war es jedoch, die seine Gedichte so einzigartig machten und Runius zu einem Lyriker machten, der abseits der akademischen Literatur existieren konnte. Die Gefühle in seinen Werken waren nicht angelernt, sondern sie waren authentisch. 

Obwohl Johan Runius in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer der meist gelesenen Dichter seiner Zeit war, wurde er denn nahezu ein Jahrhundert lang vergessen, bis ihn der Literaturwissenschaftler Fredrik Böök im Jahre 1910 neu entdeckte und auf die Brillianz des Dichters aufmerksam machte.


Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg Göteborger Flugschau 2013

31 maj 2013

Erik Lindegren und die modernistische Lyrik Schwedens

Erik Lindegren wurde am 5. August 1910 als Sohn des Ingenieurs Ernst Tullius Lindegren und dessen Frau Alma Elisabet Elfgren in Luleå geboren und starb am 31. Mai 1968 in Stockholm. Lindegren war in erster Ehe mit Laila Bill und in zweiter Ehe mit der Museumschefin Karin Bergqvist verheiratet.

Da der Vater von Erik Lindegren Ingenieur bei der Eisenbahn war, zog die Familie sehr häufig um und der Junge entdeckte sehr früh nahezu ganz Schweden. Die Schule begann er in Malmö, setzte sie jedoch in Kiruna fort um jedoch in Östersund die Hochschulreife abzulegen, da es in Kiruna kein Gymnasium gab. Das Elternhaus war bürgerlicher gehobener Mittelstand, der es der Familie erlaubte die Sommer jeweils im Badeort Ängelholm zu verbringen.

Erik Lindegren, Mannen utan väg, Podium Förlag, Stockholm, 2000

Die literarischen Interessen von Erik Lindegren zeigten sich bereits sehr früh, denn er begann bereits im Gymnasium Gedichte für Heimdall, die Zeitschrift der Schule, zu schreiben und wurde auch deren Redakteur. Lindegrens Lyrik zeigte vom ersten Tag an eine modernistische Richtung, die er in gewisser Weise sein Leben lang fortsetzte.

Nach seinem Abitur und seinem Militärdienst in Gävle zog Erik Lindegren nach Stockholm und begann an der dortigen Universität Literaturgeschichte und Philosophie zu studieren, ohne jedoch je einen Abschluss zu machen. Statt der Universitätsstudien beschäftigte sich Lindegren einige Jahre lang privat mit Literatur, auch wenn unter seinen Werken dieser Zeit nur wenig veröffentlicht wurde und einige Romane nur als Fragmente entstanden. Lindegren beschäftigte sich mit dem europäischen Modernismus, lernte aber ab 1939 auch viel durch seine persönlichen Kontakte mit Artur Lundkvist und war insbesondere angezogen von der Lyrik Rabbe Enckells, den er 1937 in einer Künstlerkolonie getroffen hatte.

Im Jahre 1935 erschien dann mit Posthum ungdom die erste Gedichtsammlung von Erik Lindegren, ein Werk, das man mehr als Übungsbuch des Autors betrachten muss, da er hier eine rein akademische Dichtung bietet, die das Bild eines Dandy liefert, der das Leben nicht kennt. Später sollte der Autor dieses Werk, das nur durch die Unterstützung von Anders Österling erschienen war, kaum noch als sein eigenes erkennen.

Bei Kriegsausbruch zog Erik Lindegren, gemeinsam mit Lundkvist und Maria Wine in eine Villa in Dalarö, wo sie Rainer Maria Rilke übersetzten und eine Serie mit ausländischen Modernisten planten, die jedoch nie realisiert wurde. In diesen Jahren reifte jedoch auch die Dichtkunst Lindegrens und im August 1940 beendete er mit dem Lyrikband Mannen utan väg sein bedeutendstes Werk mit einer modernistischen, disharmonischen Bildsprache, die man in den 40er Jahren nur noch bei Gunnar Ekelöf in dieser Perfektion finden kann.

Das fertige Manuskript reichte Erik Lindegren bei Bonniers ein. Nach der Lektüre einiger der Gedichte lehnte der Verlag die Veröffentlichung jedoch ab, da die Lektoren die Lyrik Lindegrens für unverständlich hielten und den Dichter intern als Verrückten bezeichneten. Ein Jahr später konnte der Schriftsteller dann einige der Gedichte in der Zeitschrift Horisont veröffentlichen und 1942 entschied er sich, mit Hilfe des Geldes seines Vaters, das Werk im Selbstverlag zu veröffentlichen. Das Werk blieb nahezu unbeachtet, da, außer seinen Freunden, weder Kritiker noch das Publikum die Bedeutung von Mannen utan väg verstanden. Erst gegen Mitte der 40er Jahre entdeckten dann, unter anderem auch Bonniers, die Bedeutung dieses Meisterwerkes.

Im Jahre 1942 wurde Erik Lindegren bei der Kulturredaktion der Aftontidningen beschäftigt. Parallel dazu übersetzte er Werke von T. S. Elliot, William Faulkner, Saint-John Perse und erneut Rilke und er veröffentlichte eigene Essays und Gedichte bei Bonniers litterära magasin (BLM), Vi, Kulturfront und anderen kulturellen Zeitschriften. Als 1947 Lindegrens Gedichtsammlung Sviter erschien, war er einer der anerkanntesten modernistischer Dichter Schwedens geworden.

Nahezu gleichzeitig mit seinem Lyrikband Sviter erschien auch Deviser, ein Buch bei dem Erik Lindegren Gemälde der Halmstadgruppe mit eigenen Gedichten ergänzt und das als eines der Meisterwerke des Schriftstellers betrachtet wird. Im Folgejahr vertont Karl-Birger Blomdahl seine Gedichtsuite Pastoralsvit und Lindegran wird als Chefredakteur der neuen Kulturzeitschrift Prisma eingestellt.

Nach 1950 erscheint nur noch ein einziger Gedichtband von Erik Lindegren, da der Lyriker sich immer mehr auf Übersetzungen verlegt, als Opernlibrettist aktiv wird und für die Dagens Nyheter als Kulturrezensent zu arbeiten beginnt. Zu den wichtigsten Übersetzungen Lindegrens gehören in dieser Zeit Werke von Saint-John Perses, Nelly Sachs und Zbigniew Herbert.

Im Jahr 1962 wird Erik Lindegren, nach Dag Hammerskjöld, auf den Stuhl Nummer 17 der Svenska Akademien gewählt, einer Zeit in der er sich auch sehr im Nobelpreiskomitee engagierte. Bereits 1969 starb der Dichter dann jedoch, nach längerer Krankheit, an Krebs.

Copyright: Herbert Kårlin

30 maj 2013

Hjalmar Gullberg und das klassische Hörspiel in Schweden

Hjalmar Gullberg wurde am 30. Mai 1898 als Sohn des Großhändlers Gustaf Robert Alexander Brand und dessen Frau Hilda Lovisa Amalia Jonsson in Malmö geboren und nahm sich am 19. Juli 1961 im Alter von 63 Jahren bei Holmeja in Skåne das Leben. Gullberg war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere bekannte Affären und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens gemeinsam mit Greta Thott.

Da die Eltern von Hjalmar Gullberg ihren Sohn nie anerkannten und auch wenig mit ihm zu tun haben wollten, wuchs er bei Pflegeeltern in Malmö auf. Seine wahre Herkunft wurde erst 1928, nach dem Tode der Eltern, einem Erbprozess und Zeugenaussagen, offiziell anerkannt. Da der Vater zum Wohlstand gekommen war, bot die Erbschaft Gullberg, der das Geld auf sichere Weise investierte, eine gewisse Garantie.

Hjalmar Gullber, Ögon, Läppar, Norstedts Förlag, Stockholm, 1959

Sein Abitur machte Hjalmar Gullberg im Jahre 1917 in Malmö, dem er ein neunjähriges Studium in Latein, Griechisch und Literaturgeschichte an der Universität Lund anschloss. Seine Begabung und seine künstlerische Neigung kamen überwiegend aus der elterlichen Linie, die Erziehung kam jedoch von den Pflegeeltern, was eine gute Mischung für den Schriftsteller war. Andererseits traf er seine Eltern hin und wieder und bekam Geschenke von ihnen, so dass sich bei Gullberg auch sehr früh das Gefühl der Ausgeschlossenheit bemerkbar macht, denn er lebte mit Eltern, die nicht seine waren und erfuhr, dass ihn die wahren Eltern ihn als „Kind ohne Mutter und Vater“ eintragen lassen hatten.

Das literarische Interesse zeigte sich bei Hjalmar Gullberg bereits im Gymnasium in Malmö, wo er nicht nur ein starkes Interesse für Schwedisch und die klassischen Sprachen zeigte, sondern sich auch mit den meisten Klassikern der Weltliteratur vertraut machte und begann Novellen zu schreiben.

Während seines Studiums in Lund traf Hjalmar Gullberg seinen Jugendfreund, den Historiker Ingvar Andersson, und kam mit dem Journalisten Ivar Harrie und dem Schriftsteller Sigrid (Tristan) Lindström in Kontakt. Die gesamte Gruppe spielte für die damals neu gegründete Studentenzeitschrift Lundagård eine wichtige Rolle. Gullberg trug als Redakteur mit Poesie, Scherzeinlagen und Prosa bei der Gestaltung der Zeitschirft bei. Gegen Ende seines Studiums begann sich Gullberg, neben der Poesie und der Prosa, insbesondere für das Theater zu interessieren und schrieb seine ersten Theatertexte.

Was die Gedichte von Hjalmar Gullberg besonders stark beeinflusste, waren die zahlreichen Reisen, die der Schriftsteller ab dem Jahre 1922 unternahm, die lediglich von Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, denn bei diesen Reisen sammelte er Eindrücke und in jedem Land, das er besuchte, beschäftigte er sich mit der Kultur und verfasste dort auch einige Gedichte. In der Lyrik des Autors entdeckt man in dieser Zeit sehr deutlich, dass Gullberg nicht nur von den verschiedenen Landschaften und den kulturellen Entwicklungen beeindruckt wurde, sondern er sich auch für die sozialen Strukturen und das Leben der Menschen dieser Länder interessierte. Das Erscheinen seiner Liebesgedicht, die während der Reisen entstanden, sind in der Regel mit einer bestimmten Frau zu verknüpfen, die er dort traf, auch wenn er keines dieser Verhältnisse aufrecht halten konnte.

Gegen Ende der 20er Jahre und ebenfalls unter dem Eindruck der Reisen, begann Hjalmar Gullberg mehrere antike Dramen von Euripides, Aristophanes und von Sophokles zu übersetzen, Dramen, die damals kaum auf schwedischen Bühnen gespielt worden waren. Dank Gullberg wurde Medea im Jahre 1934 erstmals in Schweden aufgeführt und fand den Zugang zum Stockholmer Dramaten. Im gleichen Jahr wurde Hjalmar Gullberg, auf Grund der Erfolge der klassischen Aufführungen, dann auch zum literarischen Berater des Dramaten ernannt.

Nur zwei Jahre später wurde Hjalmar Gullberg auch Direktor für Hörspiele des Schwedischen Rundfunks und bearbeitete zahlreiche seiner Übersetzungen, die im Dramaten gespielt worden waren, auch für den Rundfunk und schuf damit ein neues kulturelles Hörspiel, was allerdings nicht immer sehr positiv von seinen Kollegen aufgenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs gelangte Hjalmar Gullberg auf seinen Höhepunkt und entwickelte sich zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes, was jedoch auch mit seinem Engagement beim Radio zusammenhing, da er weitgehend versuchte durch das Gedicht des Tages eine politische Aussage zu verbreiten ohne dass die Zensur eingreifen konnte. Sehr diskutiert wurde dabei die Wahl des Gedichtes Det eviga von Esaias Tegnér am Tag der deutschen Invasion in Norwegen. Niemand wagte ein Gedicht eines so bedeutenden schwedischen Autors zu verbieten, auch wenn Gullberg damit eine sehr eindeutige politische Position einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hjalmar Gullberg seine Reisen wieder auf, die er ab 1950 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Greta Thott unternahm. Die letzte Reise sollte das Paar Gullberg-Thott im Jahre 1958 nach Sizilien führen, wo der Schriftsteller plötzlich Erlahmungserscheinungen spürte. Die Reise wurde abgebrochen und die beiden kehrten nach Schweden zurück. Im Krankenhaus in Lund stellte man dann fest, dass Gullberg an einer seltenen, unheilbaren Krankheit litt, die ihn langsam vollständig erlahmen lassen sollte. Als er aus diesem Grunde eine längere Zeit in einem Respirator leben musste, entschied er sich zu sterben und ertränkte sich im See Yddingen bei Holmeja.

Hjalmar Gullberg wurde im Jahre 1940 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Selma Lagerlöf, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm. Vier Jahre später wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

29 maj 2013

Nils Fredrik Sander und populärwissenschaftliche Mythologie

Nils Fredrik Sander wurde am 26. September 1828 als Sohn des Landwirts Lars Nilsson und dessen Frau Cathrina Larsdotter in Vintrosa in Närke geboren und starb am 30. Mai 1900 im Alter von 71 Jahren in Stockholm. Sander war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Nils Fredrik Sander ist nichts bekannt, außer dass er in  Örebro die Schule besuchte, dort 1850 die Hochschulreife ablegte um anschließend an der Universität Uppsala zu studieren. Sander beendete sein Studium im Jahre 1857 mit einem Magister in Philosophie und begann anschließend als Notar im Priesterstand zu arbeiten.

Nils Fredrik Sander, Foto: Ölands Hembygdsförbund, Himmelsberga, Fotograf: W. A. Eurenius & P. L. Quist, Stockholm, Sammlung: Familjen Hildebrand, Skedemosse, Köping, Öland

Wann Nils Fredrik Sander zu schreiben begann, ist ebenfalls nicht bekannt, sicher ist jedoch, dass er 1853, im Alter von 25 Jahren, der Svenska Akademien ein Manuskript mit 600 Seiten vorlegte damit diese seine Gedichte bewerten sollte. Die Lyrik von Sanders wurde nicht nur für sehr gut befunden, sondern die Akademie wählte auch 33 seiner Gedichte aus und verlieh ihm dafür den großen Preis der Svenska Akademien. Das gesamte Werk sollte dann jedoch erst im Jahre 1858 unter dem Titel Den fallande stjernan: sånger till Selma erscheinen.

Bereits am 1855 arbeitete Nils Fredrik Sander, gemeinsam mit Robert von Kraemer, Carl Rupert Nyblom und Carl August Strandberg am Poetischen Kalender Qvartetten mit und wiederum ein Jahr später veröffentlichte Sander seinen ersten Gedichtband unter dem Titel Karlvagnen in dem auch einige seiner Werke des Selma-Zyklus zu finden waren.

Dass Nils Fredrik Sander, der vom Elternhaus her keinerlei Beziehungen aufbauen konnte, bereits mit seinen Liebesgedichten an Selma einen so bedeutenden Erfolg hatten, kann mehrere Gründe haben, denn zum einen waren diese Gedichte sehr stark von Frans Michael Franzén und von Bernhard Elis Malmström beeinflusst, die beide bereits früher den großen Preis der Svenska Akademien erhalten hatten, und zum anderen konnte er bereits während seines Studiums die Bekanntschaft von Oscar II. machen, dem Sander wertvolle Tipps gab als dieser eine Gedichtsammlung bei der Akademie einreichen wollte.

Nach der Veröffentlichung der Gedichtsammlung an Selma im Jahre 1958 bleibt der Dichter längere Zeit stumm. Als Nils Fredrik Sander dann 1870 erneut an die Öffentlichkeit tritt, hat er eine bedeutende Wandlung erlebt, denn Sander hat sich in der Zwischenzeit sehr intensiv mit der neugriechischen Literatur und vor allem mit der nordischen Mythologie beschäftigt und er wirkt sowohl als Übersetzer als auch als wissenschaftlicher Autor, der mehrere sehr bedeutende Studien über die Edda vorlegt. Mit seiner Übertragung der Sage Sämund den Vises Skaldeverk gelingt es Sanders nicht nur ein historisches Werk in modernem Schwedisch zu präsentieren, sondern er kann auch 25 Künstler dazu gewinnen, das Werk mit 170 Zeichnungen zu ergänzen.

In dieser zweiten Schreibphase von Nils Fredrik Sander entstehen nur noch wenige Gedichte und der Autor entwickelt sich mehr und mehr zu einem wissenschaftlichen Schriftsteller, der die schwedische Vorzeit wieder lebendig macht. Da Sanders jedoch nur mit den ältesten Texten arbeitet und die Sagen und Skaldenstücke auf eine neue Weise interpretiert und übersetzt, gewinnt er in dieser Zeit zahlreiche Feinde, die den „klassischen“ Weg Schwedens in der Mythologie sehen wollen und keine Modernisierung.

Die modernen Übersetzungen der nordischen Mythologie waren auch das größte Hindernis für eine Wahl in die Svenska Akademien, denn diese Werke wurden damals als persönliche Phantasie des Autors betrachtet. Erst als Nils Fredrik Sander davon Abstand genommen hatte, wurde er 1889, nach Vilhelm Erik Svedelius, auf den Stuhl Nummer 7 der Akademie gewählt.

Als Nils Fredrik Sander seine mythologischen Werke schrieb, schuf er im Grunde, parallel zu Viktor Rydberg, eine neue Art der Literatur, denn er bearbeitete historischen Stoff mit romantechnischen Methoden und legte daher mehr Wert auf das Verständnis eines Textes als seine wörtliche Übersetzung, was auch Ende des 19. Jahrhunderts noch einen Widerstand unter den Historikern und Politologen verursachte, die in der nordischen Mythologie immer noch den Ursprung der Welt sahen und für die die Edda mit einer Bibel oder einem Koran verglichen werden muss, die nicht interpretiert werden durften.

Nils Fredrik Sander gehört zu den schwedischen Schriftstellern, die heute nahezu vergessen sind und nur noch wenige seiner Gedichte werden in den Anthologien zur schwedischen Dichtkunst aufgenommen. Dies liegt jedoch nicht nur daran, dass er ab 1870 zur populärwissenschaftlichen Literatur überging, sonder auch daran, dass er sich damit mehr und mehr von den einflussreichen Kreisen des Landes entfernte, ein Problem, das ihn gewissermaßen bis heute verfolgt, da Literaturwissenschaft selten Forschung bedeutet, sondern herkömmliche Linien zu übernehmen.

Copyright: Herbert Kårlin

27 maj 2013

Walter Hülphers, vom sozialkritischen Autor des Nordens zur Mystik

Walter Hülphers wurde am 29. Juli 1871 als Sohn des Buchhalters Walter Sebastian Hülphers und dessen Frau Charlotta Bergöö in Styrnäs in Västernorrland geboren und starb am 7. Mai 1957 in Hagfors im Värmland. Hülphers war ab 1907 mit Oktavia Flora Grey verheiratet.

Die Kindheit und Jugend verbrachte Walter Hülphers in einem extrem konservativen religiösen Milieu aus dem er sich erst nach seiner Hochschulreife im Jahre 1890 in Hörnösand befreite, als er erst an der Universität in Uppsala und anschließend jener in Stockholm Naturwissenschaften studierte und die er 1895 beendete, ohne sich jedoch in irgendeiner Weise auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet zu haben.

Walter Hülphers, Ockulta noveller, Svenska teosofiska Bokförlaget, Stockholm, 1921

Während Walter Hülphers nach Abschluss seiner Studien erst bei der Västernorrlands Allehanda (1896 - 1898) und anschließend beim Nyaste Kristianstadsbladet (1889 - 1899) als Journalist arbeitete, begann seine literarische Karriere im Jahre 1899 mit der Novellensammlung Linier och dagar, die sehr stark von den romantischen Wildmarkserzählungen von Pelle Molin beeinflusst waren.

Bei seinen folgenden Werken blieb Walter Hülphers zwar bei Wildmarkserzählungen, die in gewisser Weise die industrielle Entwicklung des Ångermanälven als Ausgangspunkt hat, aber Hülphers entfernt sich vom Einfluss Molins und seine Bücher nehmen einen sozialen Einschlag an, was ihn zwar nicht zu einem Arbeiterschriftsteller macht, ihn aber auf die Seite der Arbeiterbewegung stellt, der in seinen Werken sehr früh die Entwicklung der Forstwirtschaft kritisiert. Am deutlichsten tritt dies bei seinem Roman Timmer aus dem Jahre 1906 hervor, der von manchem Literaturwissenschaftler auch als sein Hauptwerk bezeichnet wird.

Bei den lyrischen Werke von Walter Hülphers ab 1910 spürt man, dass diese Gedichte mit autobiographischen Zügen nicht nur von der Philosophie Friedrich Nietzsches beeinflusst wurden, sondern auch seinen ständigen Kampf mit der religiösen Erziehung, die er erhielt, und seinen Bestrebungen sich vollkommen von Religion zu lösen, ohne dass ihm dies in letzter Konsequenz gelingt. Die Werke, die Hülphers in diesen Jahren veröffentlicht, zeigen eine enorme Breite, die von der selbstgewählten Isolation bis zum revolutionären Kampf der Arbeiter reichen. Neben der Lyrik beginnt der Schriftsteller nun allerdings auch Dramen zu schreiben, die alle einen politischen Einschlag unter geschichtlichen Aspekten haben.

Während des Ersten Weltkriegs und vor allem während des Finnischen Bürgerkriegs im Jahre 1918, an dem Walter Hülphers auch als Freiwilliger teilnimmt, entwickelt sich der Schriftsteller immer mehr zu einem nationalen Fanatiker, der in seinem Roman Med svenska brigaden beschreibt, dass er ein Gewehr ebenso zärtlich behandelt wie eine geliebte Frau. Diese nationalistische Einstellung wird von seinen Freunden aus den literarischen Kreisen Schwedens allerdings kaum geschätzt und einer nach dem anderen wendet sich von Hülphers ab.

Die Isolation in der sich Walter Hülphers anschließend befand, führte ihn erst zu Gott zurück und anschließend in die Mystik und den Okkultismus. Auch hier wählt der Schriftsteller wieder die extremste Seite und in einem Brief an Carl Lindhagen bezeichnet er sich als der Führer des Geheimbundes der Rosenkreuzer im nordischen Raum. Unter diesem Einfluss entstehen dann auch die letzten Bücher Hülphers, die von der Überzeugung des Autors sprechen, dass das Leben der Menschen von unerklärlichen Kräften beeinflusst und gesteuert wird.

So unterschiedlich seine Werke mit ihren Aussagen sind, so unterschiedlich waren auch die politischen und religiösen Meinungen von Walter Hülphers im Laufe seines Lebens, denn der Schriftsteller konnte sich mit keiner der Denkweisen oder Philosophien seiner Zeit vollkommen anfreunden. Während der Hülpher innerlich ständig mit dem Zweifel kämpft, sind seine Werke eine Art Chronologie seiner Entwicklung.

Mit dem Mystizismus verlor Walter Hülphers allerdings auch einen Großteil seiner Leser, da diese der Denkweise des Autors nicht mehr folgen konnten und der Zweite Weltkrieg sie auch weit von der Mystik und dem Okkultismus entfernt hatten. Um weiterhin vom Schreiben leben zu können, war Hülphers daher nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen als Kritiker für Film und Literatur für verschiedene schwedische Zeitschriften und Zeitungen zu arbeiten, sowie für die Västmanland Läns Tidning tägliche Verse zu schreiben.

Auch wenn nahezu jeder Literaturwissenschaftler die literarischen Leistungen von Walter Hülphers beachtlich findet, wird der Autor nur in wenigen Abhandlungen zur schwedischen Literaturgeschichte behandelt, denn er kann in keiner Gruppe an Autoren untergebracht werden und er folgte keiner der offiziellen literarischen Linien. Erst in den letzten Jahren gewinnt der Autor in Nordschweden wieder einen gewissen Ruhm, da man versucht die Leistungen der Dichter und Schriftsteller des nördlichen Schwedens innerhalb der schwedischen Literatur erneut hervorzuheben.

Copyright: Herbert Kårlin

26 maj 2013

Kerstin Hed, die erste Bauerndichterin Schwedens

Kerstin Hed, das Pseudonym von Hilda Gunilla Olsson (geborene Fredriksson), wurde am 21. Mai 1890 als Tochter des Landwirts Kers Fredrik Jansson und dessen Frau Johanna Ersdotter in Hedemora geboren und starb am 15. August 1961 ebenfalls in Hedemora in Dalarna. Die Schriftstellerin war ab 1916 mit dem Landwirt Anders Olsson verheiratet übernahm mit ihrem Mann den Hof der Eltern.

Hilda Gunilla Olsson setzte ihr Pseudonym aus dem Namen des Hofes der Famile, Kers, und dem Gemeindenamen Hedemora zusammen. Obwohl Kerstin Hed als einfache Bauerntochter nur eine minimale Bildung hatte, die sie 1909 mit einem dreimonatigen Kurs an der Volkshochschule etwas verbesserte, schrieb sie ihr erstes ländlich geprägtes Gedicht bereits im Alter von neun Jahren, das bereits in der Södra Dalarnes Tidning veröffentlicht wurde. Wie das Mädchen auf die Idee kam Gedichte zu schreiben, ist leider nicht bekannt, da es im elternhaus kaum Bücher gab.

Kerstin Hed, Kvinnor vid älven, LTs förlag, 1955

Noch bevor Kerstin Hed ihren Mann getroffen hatte, erschien 1913 ihr erster Gedichtband Från stigarna, ein Band der vor allem dadurch überzeugt, weil Hed zu einer beschreibenden ländlichen Dichtkunst greift, der jede Nostalgie abgeht. Da die Lyrikerin keinerlei Kontakte mit anderen Schriftstellern hat und über keine literarische Ausbildung verfügt, von der kurzen Begegnung mit der Literatur an der Volkshochschule abgesehen, sind ihre Gedichte authentisch und wuchsen aus Beobachtungen, denen Hed eine poetische Form gibt.

Da Kerstin Hed auch nach der Ehe weiterhin auf dem Hof arbeiten muss, bedeutete dies, dass an erster Stelle Tiere, Ernte und Hausarbeit kamen und die Dichtkunst nur in den wenigen Momenten zwischen zwei Arbeiten Platz hatte. Hed entwickelte ihre Gedichte irgendwann im Laufe des Tages und zeichnete sie nachts auf, dann wenn alle anderen schliefen und sie sich ungestört an die Formulierungen machen konnte. Trotz dieser Schwierigkeit der literarischen Tätigkeit ist die Anzahl ihrer Gedichtbände beachtlich, denn sie veröffentlichte 17 Lyrikbände, zwei Romane und arbeitete an drei Gedichtanthologien mit.

Die Gedichte von Kerstin Hed kreisen ausschließlich um das Landleben und verleihen dem ländlichen Denken und Leben eine Tiefe, die in der schwedischen Literatur ungewöhnlich ist, zumal die großen Dichter des Landes das schwedische Land in der Regel idealisieren oder missachten. Hed ist auf dem Lande aufgewachsen, sie hat es nie verlassen, sie gehört selbst zur Schicht der Bauern und man spürt daher mit jedem Vers, dass sie dieses Leben liebt und auch den einfachsten Dingen Poesie abgewinnen kann ohne sie zu idealisieren.

Ähnlich wie das Landleben Sonne, Regen und Schnee kennt, so vielfältig sind auch die Themen, die Kerstin Hed bearbeitet, denn man findet in ihren Gedichten Hoffnung, Gemeinschaft und Ironie ohne dass die Lyrikerin dabei in die Vergangenheit blickt. In ihren Werken findet man das einfache Landleben, die Armut nach einer Missernte, die Freude eines Festes und das Erwachen der Natur. Hed malt in ihren Werken die Portraits der Landbevölkerung, ein Bild, das nahezu einmalig innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist.

Da Kerstin Hed ohne „Leitfaden“ zur Dichtkunst gefunden hat, sind ihre Werke nicht in die Schablonen der Literaturwissenschaftler zu pressen, was allerdings auch dazu führt, dass die Autorin nur in wenigen Darstellungen der schwedischen Literatur erwähnt wird, obwohl Hed 1955 mit der begehrten Medaille Illis quorum ausgezeichnet wurde und Mitte des letzten Jahrhunderts noch als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen Schwedens betrachtet wurde.

Den größten Erfolg hatte Kerstin Hed mit ihrem Gedicht Spel-Olles gånglåt aus dem Jahre 1923, das nicht nur mehrmals vertont wurde und dem es 1963 gelang 30 Wochen lang in den Svensktoppen zu bleiben, ein Lied das noch heute jeder Schwede kennt, auch wenn dabei nur noch wenige an die Bauerndichterin Kerstin Hed denken.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

16 maj 2013

Lars Gustafsson und die gesellschaftskritische Literatur der Gegenwart

Lars Gustafsson wurde am 17. Mai 1936 in Västerås geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte und die Hochschulreife ablegte. Anschließend studierte Gustafsson  Literaturgeschichte, Philosophie, Ästhetik und Soziologie an der Universität in Uppsala. Das Studium, dem er 1978 ein Doktorat anschloss, beendete er im Jahre 1960 mit einem Lizenziat in Philosophie. Gustafsson war in erster Ehe mit der Schriftstellerin Madeleine Lagerberg verheiratet, in zweiter Ehe mit der amerikanischen Jüdin Alexandra Chasnoff und wohnt gegenwärtig mit seiner dritten Frau Agneta Blomqvist, die er 2005 heiratete, in Stockholm.

Nach eigenen Aussagen beschäftigte sich Lars Gustafsson bereits in seiner Jugend mit den Existenzfragen des Lebens und der Gesellschaft, was dazu führte, dass er sehr wenig mit seinen gleichaltrigen Schülern gemein hatte und sich immer abseits der Gesellschaft fühlte. Mit 14 entschied sich Gustafsson Poet zu werden, auch wenn es dann weitere sieben Jahre dauern sollte bis sein erster Roman Vägvila erschien.

Lars Gustafsson, Fantastiska berättelser. Förberedelser till flykt ; Det sällsamma djuret från norr, Bokförlag Atlantis, 2008

Allerdings betrachtete Lars Gustafsson sein erstes von über 70 Büchern, Vägvila, mehr als Versuch und bezeichnet erst sein nächstes Werk Poeten Brumbergs sista dagar och död, das 1959 erschien, also zwei Jahre später, als seinen literarischen Beginn. Auf den ersten Gedichtband des Philosophen und Schriftstellers musste man dann noch bis 1962 warten, als er den Lyrikband Ballongfararna veröffentlichte.

Der literarische Durchbruch kam für Lars Gustafsson jedoch erst im Jahre 1977 mit seiner satirischen Erzählung Tennisspelarna in dem er das Verhältnis zwischen Europa und den USA in den 70er Jahren auf ironische Weise behandelt. Dieser Roman war der erste von Gustafsson, der auch ins Englische übersetzt wurde, bedeutendes Aufsehen erregte und heute in den Tausend schwedischen Klassikern zu finden ist.

Das Privatleben von Lars Gustafsson kann man in mehrere Teile zerlegen, denn von 1962 bis 1972 war er, neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, Chefredakteur des Bonniers Litteräre Magasin, dem er einen marxistischen Einschlag gab und das deswegen nahezu seine Glaubwürdigkeit, und seine Auflage, als wichtigstes Organ der schwedischen Literatur verlor, eine Situation, die sich erst wieder änderte als Gustafsson seine Arbeit beim BLM (Bonniers Litteräre Magasin) abgab.

Die nächste bedeutende Phase von Lars Gustafsson kam mit den 80er Jahren, als er vom protestantischen Glauben zum jüdischen übertrat, Schweden als die literarische Provinz bezeichnete und einen Kampf gegen die „totalitäre“ Sozialdemokratie des Landes führte, die die Gedanken der Bürger steuern will und als er auch eine Professur in Amerika akzeptierte. Gustafsson nahm 1983 die amerikanische Staatsbürgerschaft an und kehrte erst 2006 wieder endgültig nach Schweden zurück.

Lars Gustafsson gehört zu den produktivsten Schriftstellern seit August Strindberg, wobei seine literarische Breite sich von Poesie über Romane bis zu gesellschaftskritischen Essays erstreckt. Für seine Werke erhielt er im Laufe der Jahre zahlreiche bedeutende Preise. Seine Bücher sind mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt, auch wenn - oder gerade weil - sie nicht sehr einfach zu verstehen sind und überwiegend einen philosophischen und gesellschaftspolitischen Aspekt in sich tragen, der allgemeingültig ist.

Der literarische Weg von Lars Gustafsson folgte in großer Linie den Strömungen der jeweiligen Epoche, wobei man hierbei beachten muss, dass Gustafsson dabei sowohl die literarischen als auch die philosophischen Strömungen der Zeit in seinen Büchern einarbeitet und damit einer kontinuierlichen Entwicklung der Gesellschaft folgt ohne sich jedoch in eine Schablone pressen zu lassen, denn der Schriftsteller geht seit Beginn seiner Karriere als Schriftsteller seinen eigenen Weg, unabhängig von jeder Kritik, die nicht immer positiv ausfällt.

Als Lars Gustafsson in den 60er Jahren begann auch Lyrik zu schreiben, so gehörte er, gemeinsam mit Poeten wie Göran Palm, Björn Håkanson und Sonja Åkesson, zu den Dichtern der Postmoderne und der Neuen Einfachheit bei denen Poesie bedeutet zur Alltagssprache zu greifen um mit dem Leser kommunizieren zu können. Gustafsson will sich damit, trotz der teilweise mystischen Themen, vollkommen von der Einstellung lösen, dass Dichtkunst etwas Überirdisches sei, das durch eine unerklärte oder göttliche Eingebung entsteht.

Lars Gustafsson, der sich als Person die nicht glaubt, sondern sucht bezeichnet, gehört heute zu jenen Schriftstellern, die in vielen Ländern als Repräsentanten der schwedischen Literatur betrachtet werden und damit einen großen Teil des literarischen Schwedens im Ausland prägen. In Schweden wird der Erfolgsautor nicht immer von der gleichen Warte aus gesehen und oft zögern Kritiker ihm ein bestimmtes Prädikat zu geben, da die ideale Welt des Philosophen Gustafsson nicht immer die persönlich empfundene Realität des Einzelnen zeigt. Seine etwas eigenwillige Einstellung verhinderte bisher auch, dass er in bedeutende literarische Organe Schwedens gewählt wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

15 maj 2013

Christopher Ekeblad und die religiöse Poesie Schwedens

Christopher Ekeblad, oft auch Christoffer geschrieben, wurde am 16. Mai 1592 als Sohn des Rittmeisters Johan Andersson Ekeblad und dessen Frau Anna Christophersdotter auf dem Gut Stola bei Skaraborg geboren und starb am 28. März 1664 im Alter von 71 Jahren ebenfalls auf seinem Gut. Ekeblad war ab 1622 mit Brita Uggla verheiratet.

Aus der Jugend von Christopher Ekeblad ist nur wenig bekannt. Nach seiner Autobiografie wurde er jedoch von Nils Classon Bielke auf Pennungby, in Kalmar und in Norrköping erzogen, wobei er auch in den Dienst Bielkes trat bis dieser beim König in Ungnade fiel. Da Ekeblad für den Militärdienst ausgebildet war, ließ er sich 1605, im Alter von gerade einmal 13 Jahren, von Herzog Karl anwerben, dem er zu den Kämpfen nach Livland folgte. Als Herzog Karl König wurde, schickte dieser Ekeblad zu seinem Schwager, Herzog Johann Friedrich von Holstein, nach Bremen, wo er nicht nur weiter für den Kriegsdienst ausgebildet wurde, sondern auch die deutsche und die lateinische Sprache lernte, was ihm während des 30-jährigen Krieges zu Gute kam.


Foto eines Ölgemäldes, Schwedisches Reichsarchiv, SPA
 
Aber auch wenn Christopher Ekeblad bis 1655 dem König diente und die letzten Jahre Regimentschef in Göteborg war, so war er nie eine herausragender Stratege oder Kämpfer, da seine Interessen in der Ahnenforschung, der Poesie und vor allem der Religion lagen. Ekeblad gehörte zu jenen Schriftstellern und Übersetzern, die zu ihrer Zeit das Christentum als das wichtigste Gut sahen und daher nur im christlichen Sinne schrieben.

Seine religiöse Neigung gewann Christopher Ekeblad vermutlich während seines sechsjährigen Aufenthalts in Deutschland, da sein Erzieher Johann Friedrich von Holstein auch Erzbischof des Bistums Bremen war. Bei den überlieferten Aufzeichnungen Ekeblads zeichnet sich dieser sehr früh als ausgezeichneter Bibelkenner aus, was darauf schließen lässt, dass er in Bremen eine intensive Bibelforschung unter Anleitung des Bischofs betrieb.

Bereits im Jahre 1620 stellte Christopher Ekeblad dann sein erstes Gebetbuch zusammen, das sich bis 1644 zum Catechismus Biblia seu manuale militis christiani entwickelte, einem Gebetbuch für Soldaten, das 1644 in Leipzig gedruckt wurde. Wie stark dieses Werk verbreitet war und welche Bedeutung es hatte ist jedoch unbekannt.

Die Einflüsse für seine Gedichte mit religiösen Motiven fand Christopher Ekeblad ebenfalls in Gebetbüchern und der Bibel, wobei er mindestens sechs Gebetbücher jener Epoche in Deutschland erworben hatte um drei davon ins Schwedische zu übersetzen, unter anderem das Manuale militantium von Sigismund Scherertz mit dem er die Soldaten auf den vorausgesagten Weltuntergang im Jahre 1670 vorbereiten wollte.

Da nur sehr wenige Werke von Christopher Ekeblad erhalten sind, vor allem sein Fader wår kiär, das 1643 in Frankfurt an der Oder gedruckt wurde, ist der Einfluss, den Ekeblad auf die Literatur seiner Zeit ausübte, schwer einzuschätzen. Sicher scheint jedoch zu sein, dass der Autor nicht unbedingt dem Dogma der Kirche folgte, sondern zur Mystik neigte und vom baldigen Untergang der Welt überzeugt war. Das Heil war daher nur durch ein frommes Leben und das Gebet zu finden.

Die Religiosität von Christopher Ekeblad erreichte nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1651 den Höhepunkt, was sich auch dadurch ausdrückte, dass er ab dieser Zeit  immer mehr Zeit auf seinem Gut Stola verbrachte und sich dort mit historischen Forschungen und Ahnenforschung beschäftigte. Außer seinen eigenen Anschaffungen an Büchern und Dokumenten, befand sich auch die gesamte Sammlung seiner Vorgänger dort, da die Mutter, die 1648 gestorben war, das Gut als Morgengabe erhalten hatte und entweder selbst umfangreiches Material sammelte oder sich dieses bereits in der Bibliothek des Gutes befand.

Obwohl man durch zeitgenössische Aufzeichnungen weiß, dass Christopher Ekeblad zahlreiche christlichen Texte übersetzte sowie zahlreiche eigene Texte und Gedichte schrieb, gingen nahezu alle seine Aufzeichnungen verloren und nur einige Gedichte, einzelne Übersetzungen und einige Psalmen können ihm noch heute eindeutig zugeordnet werden. Das Besondere seines Schaffens war jedoch, dass Ekeblad nicht der gebildeten geistlichen Linie entstammte, sondern ein Kriegsherr war, der dadurch eine weitaus freiere Einstellung zu Religion und Poesie hatte als die religiöse Schicht. Ekeblad wollte nie die klassische Lehre der damaligen Kirche verbreiten, sondern einen Glauben wie er ihn sah und fühlte. In gewisser Weise war Ekeblad daher einer der ersten Schriftsteller des Volkes, auch wenn er rangmäßig über dem Volk stand, nicht jedoch dem Kirchenstand angehörte.

Copyright: Herbert Kårlin

13 maj 2013

Östen Sjöstrand, der Dichter, der Antike und Gegenwart verbindet

Östen Sjöstrand wurde am 16. Juni 1925 in Göteborg geboren und starb am 13. Mai 2006 in Stockholm. Sjöstrand war von 1949 bis 1974 mit der Schriftstellerin und Literaturkritikerin Ella Hillbäck verheiratet. Der Schriftsteller gehört zu den wenigen Autoren, die bereits sehr jung zur katholischen Kirche übergetreten sind.

Wie bei sehr vielen Autoren der Gegenwart, so weiß man über die Kindheit und die Jugend von Östen Sjöstrand relativ wenig. Nach seinen eigenen Aussagen interessierte sich der Schriftsteller während des Gymnasiums für Naturwissenschaft und hielt die Poesie für eine Art Philosophie mit der man undefinierbare Gefühle ausdrückt, die außer dem Autor nur wenige begreifen können.

Östen Sjöstrand, Ensamma stjärnor, en gemensam horisont. Dikter i urval av författaren, Svalans lyrikklubb, ALbert Bonnier Förlag, Stockholm, 1970

Diese Einstellung zur Lyrik sollte sich für Östen Sjöstrand jedoch im Laufe der 40er Jahre ändern, als er die Werke von Paul Valéry entdeckte. Ganz plötzlich zeigte sich für Sjöstrand, dass Lyrik ähnlich der Naturwissenschaft nach Perfektion strebt und jedes Wort eine wichtige Rolle spielt, er entdeckte, dass ein Gedicht erst dann zur Literatur wird, wenn seine Aussage auf keine andere Weise ausgedrückt werden kann. Da sich Sjöstrand zudem zur Musik hingezogen fühlte, wollte er seiner Lyrik auch eine Melodie verleihen, die die Aussage jedes Werkes noch gefühlsmäßig überträgt.

Im Jahre 1949 legte Östen Sjöstrand dann seine erste Sammlung an Gedichten unter dem Titel Unio vor, Gedichte, die sehr deutlich von der französischen Poesie beeinflusst wurden und, wie auch jene von Lars Forssell, die Angst der Nachkriegszeit in Schweden ausdrücken. Auch wenn die beiden Dichter anschließend eigene Wege in der Lyrik gehen, so spürt man in Unio und Ryttaren die gleiche Dunkelheit und die gleiche Zukunftsangst, die das lyrische Schaffen Ende der 40er Jahre dominierte.

Die nächsten drei Werke von Östen Sjöstrand zeigen die Auseinandersetzung des Dichter mit der Religion, genauer genommen dem Katholizismus, dem er sich in dieser Zeit anschließt und man spürt in manchen der Gedichte den Kampf des Dichters zwischen Mystik und tiefem katholischem Glauben, die sich in gewisser Weise sehr nahe stehen und dennoch auf ein anderes Dogma aufbauen. Am deutlichsten tritt dies in seinem Werk Återvändo zu Tage, das Sjöstrand im Jahre 1953 veröffentlichte.

Erst nachdem sich Östen Sjöstrand Mitte der 50er Jahre endgültig klar über seinen religiösen Weg ist, wird er auch zu einem Dichter, der sich selbst gefunden hat. Mit seiner Gedichtsammlung Främmande mörker spürt man, dass der Schriftsteller nun eine Verbindung zwischen dem aufstrebenden Europa und der Antike sieht und er greift in seinen Gedichten zur Ästhetik, die ihre Wurzeln noch in der griechischen Dichtung haben, wobei er seine Themen jedoch aus der Gegenwart holt. Diese Entwicklung, die von den Kritikern stark gelobt wird, verhelfen Sjöstrand auch dazu als einer der bedeutendsten Dichter der Mitte des 20. Jahrhunderts anerkannt zu werden.

Etwa zur gleichen Zeit beginnt  Östen Sjöstrand auch die damals modernen französischen Poeten zu übersetzen um diese dem schwedischen Publikum näher zu bringen. Die erste Anthologie der französischen Lyrik veröffentlicht Sjöstrand gemeinsam mit Gunnar Ekelöf unter dem Titel Berömda franska berättare. Während der 60er Jahre gelang es dem Lyriker zahlreiche der in Schweden bis dahin vollkommen unbekannten französischen Dichter einem neuen Publikum vorzustellen.

In den Folgejahren veröffentlicht Östen Sjöstrand nur noch relativ wenige Werke, was mit Sicherheit damit zusammenhängt, dass er erst Redakteur für die von der Svenska Akademien gegründeten kulturellen Zeitschrift Artes wurde und wenig später auch in die Akademie gewählt wurde um nach Pär Lagerkvist auf dem Stuhl Nummer 8 Platz zu nehmen. In der Svenska Akademien, insbesondere auch dem Nobelkomitee, nahm Sjöstrand eine sehr wichtige Rolle ein, obwohl er wenig an die Öffentlichkeit trat. Nahezu 20 Jahre lang übte er hier seinen Einfluss bei der Wahl der Nobelpreisträger in Literatur aus, wobei er dabei insbesondere auf Ästhetik Wert legte, die einen bleibenden Eindruck in der Welt der Literatur behalten sollte.

Östen Sjöstrand, dem zahlreiche der bedeutenden Literaturpreise Schwedens überreicht wurden, beschränkte sich bei seinem Schaffen jedoch nicht nur auf Lyrik, Essays und Übersetzungen, sondern er schrieb auch mehrere Librettos für moderne Opern, wobei er bei einigen der wichtigsten Werke, zum Beispiel der Oper Gästabudet aus dem Jahre 1962, mit dem Komponisten Sven-Erik Bäck zusammenarbeitete.

Dem Lyriker Östen Sjöstrand gelang es nie ein volksnaher Dichter wie sein französisches Vorbild Paul Veléry zu werden, denn die erlesene Sprachwahl berührte nie das breite Publikum. Sjöstrands Wortwahl wurde von dieser Gruppe als hochtrabend und nahezu weltfremd empfunden. Umso größer ist seine Bedeutung bei der Elite der europäischen Dichtkunst, die im akademischen Kreis gesucht wird.

Copyright: Herbert Kårlin

6 maj 2013

Bertel Gripenberg und die finnlandschwedische politische Dichtkunst

Bertel Gripenberg wurde am 19. September 1878 als Sohn des Freiherren und Senators Johan Gripenberg und dessen Frau Sigrid Maria Aminoff in Sankt Petersburg geboren und starb am 6. Mai 1947 im Sävsjö Sanatorium im Småland. Gripenberg war ab 1915 mit Hanna Mathilda Brummer verheiratet.

Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Bertel Gripenberg im aristokratischen Milieu in Sankt Petersburg, das stark schwedisch geprägt war. Als der Vater jedoch 1889 nach S:t Michels län (Mikkelin lääni) versetzt wurde, wurde Gripenberg von seinem Vater dort in das finnischsprachige Gymnasium gesteckt und zwei Jahre später, als die Familie nach Helsingfors (Helsinki) zog, in das dortige finnische Gymnasium. Der Jugendliche empfand dies geradezu als Verrat, was sich dadurch ausdrückte, dass er ab diesem Zeitpunkt geradezu fanatisch für die schwedische Sprache und die schwedische Kultur eintrat.

Bertel Gripenberg, På Dianas vägar, Björck & Börjesson Förlag, Stockholm, 1925

Als Bertel Gripenberg 14 Jahre alt war, starb sein Vater und der Jugendliche begann eine militärische Laufbahn, die jedoch nur von relativ kurzer Dauer war, da der verweichlichte Gripenberg den Strapazen des Militärs nicht gewachsen war. Von sich selbst schwer enttäuscht und in der Meinung die Tradition der Familie geschändet zu haben, floh er 1895 von der Ausbildung zu seiner Mutter nach Helsingfors, wo er sich an einer schwedischen Privatschule auf die Hochschulreife vorbereitete, die er im Herbst 1898 ablegte. Im folgenden Jahr begann er an der Universität in Helsingfors ein Jurastudium, das er jedoch nie zu Ende führte.

Im Jahre 1903 erschien der erste Gedichtband, Dikter, von Bertel Gripenberg, der der Beginn der ersten literarischen Phase des Autors war, die Literaturwissenschaftler als die Jugendlyrik Gripenbergs bezeichnen. Die Bedeutung des Schriftstellers war jedoch gerade in dieser Phase außerordentlich hoch, da er einer der Vorreiter der modernen Zeit war und sowohl privat als auch lyrisch gegen Traditionen und jede moralische Begrenzung aufstand. Er lebte in dieser Zeit einige Jahre mit der Schauspielerin Elli Tompuri zusammen, sprach sich für freie Liebe aus und bezeichnete das Christentum als Unterdrücker des Menschen. Mit diesem Gedankengut beeinflusste Gripenberg eine bedeutende Anzahl an modernen Autoren.

Gegen 1910 begann die zweite literarische Phase von Bertel Gripenberg mit der romantischen Verherrlichung des Tavastlandes (Häma), zu dem der Dichter immer eine besondere Beziehung hatte, einer Landschaft des zentralen Finnland. Allerdings veröffentlichte Gripenberg in dieser Phase nur einige wenige Werke, da er sich auf Grund der politischen Situation des Landes immer mehr politisch engagierte und einen immer größeren Hass gegen jede linke Bewegung spürte, was sich auch dadurch ausdrückte, dass er während des ersten Weltkriegs deutlich die Position Deutschlands einnahm und verteidigte.

Als dann der finnische Bürgerkrieg ausbrach, entwickelte sich Bertel Gripenberg nicht nur zu einem Kriegsdichter mit einer Verherrlichung des Vaterlandes, sondern er nahm im Nylands Dragonregiment auch aktiv auf der weißen Seite der Auseinandersetzungen teil und führte noch 1930 die Schutzorganisation im Tavastland. Sehr deutlich wird der Dichter Gripenberg dabei in seinen Prosawerk En dröm omfolkviljan aus dem Jahre 1918, dem Gedichtband Kanonernas röst, der vier Jahre später erschien oder auch Efter striden aus dem Jahre 1923.

Der nationalistische Fanatismus, den der finnlandschwedische Autor Bertel Gripenberg ab 1914 in seinen Werken ausdrückte, führte allerdings auch dazu, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu vergessen wurde, da man seinen Einfluss und seine literarische Fähigkeit nicht separat betrachtete. Sein literarischer Untergang, trotz seiner rund 50 Bücher und dem Einfluss, den er die ersten 40 Jahre des 20. Jahrhunderts auf die kulturelle Welt Schwedens und Finnlands ausübte, begann in den 30er Jahren, als sich Bertel Gripenberg der finnischen antikommunistischen Bewegung Lapporörelse anschloss und für die rechtsradikale Wochenzeitung Svensk Botten zu schreiben begann. Während Gripenberg noch 1940 den ersten Preis der literarischen Gruppe De Nios erhielt, wurde er ab 1943, als der Schriftsteller noch ein Manifest unterzeichnete, das forderte, dass Finnland so lange auf deutscher Seite weiterkämpfen solle bis Hitlers Endsieg erreicht sei, wurde es um Gripenberg ruhig, denn sowohl Finnland als auch Schweden hatten sich in dieser Zeit vom nationalistischen Gedanken Hitlers getrennt und Gripenberg war daher mit seiner politischen Dichtung unbeliebt geworden.

Bertel Gripenberg erhielt mehrere Preise, da er ein Meister der schwedischen Sprache war und in seinen Gedichten immer die richtigen Worte an der richtigen Stelle benutzte. Der Dichter benutzte bei mehreren seiner Veröffentlichungen auch Pseudonyme, die in der Regel erst Jahre später aufgedeckt wurden.

Neben seinen eigenen Gedichten, seiner Prosa und einigen dramatischen Werken für das Theater, zeichnete sich Bertel Gripenberg auch als Übersetzer aus, wobei er insbesondere Eino Leino und Olavi Paavolainen dadurch einem schwedischen Leserkreis näher brachte. Aus dem angelsächsischen Raum übersetzte Gripenberg insbesondere Werke von Oscar Wilde und Edgar Lee Masters.

Copyright: Herbert Kårlin

5 maj 2013

Carl August Adlersparre, vom Dichter zum politischen Schriftsteller

Carl August Adlersparre wurde am 7. Juni 1810 als Sohn des Offiziers und Schriftstellers Georg Adlersparre und dessen Frau Lovisa Magdalena Linroth in Kristinehamn geboren und starb am 5. Mai 1862 im Alter von 51 Jahren in Stockholm. Adlersparre war ab 1848 mit Charlotte Aurore Jeanette von Platen verheiratet.

Mit 13 Jahren begann Carl August Adlersparre die militärische Laufbahn und mit 18 legte er die Offiziersprüfung ab. Aber wie bereits sein Vater, so hatte Adlersparre zwar eine militärische Karriere in Erwägung gezogen, aber wie auch der Vater, so träumte er in Wirklichkeit von einer Anerkennung und Ruhm als Literat. Sein Leben kreiste bereits im Alter von 20 weitaus mehr um Literatur als um militärische Aktivitäten, auch wenn Adlersparre diese Laufbahn erst 1845, im Alter von 35 Jahren, beendete.

Carl August Adlersparre, Tidsfaflor 1809 och 1810, Nabu Press, 2012, Originalausgabe 1850

Als Carl August Adlersparre 20 Jahre alt war, veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband unter dem Titel Ungdoms-dikter, der mehr oder weniger auch nur aus Jugendgedichten bestand, die an die Werke von Esaias Tegnér und Erik Johan Stagnelius erinnern, aber kaum die Persönlichkeit von Adlersparre zum Ausdruck bringen.

Bereits ein Jahr später lobte die Svenska Akademien das Werk Albano von Carl August Adlersparre, was den Dichter dazu bewegte ab diesem Zeitpunkt unter dem Pseudonym Albano zu arbeiten. Mit einer überarbeiteten Version seines Gedichtes gelang es Adlersparre im Jahr 1834 den zweiten Preis der Akademie zu gewinnen, der von weiteren vier zweiten Preisen gefolgt war.

Carl August Adlersparre war von seinen übergreifenden Fähigkeiten als Schriftsteller überzeugt und veröffentlichte bereits 1833 seinen zweiten Gedichtband Poemer i Vinterblommor und acht Jahre später Smärre samlade dikter in dem allerdings auch einige Novellen des Autors enthalten waren. Seine Werke aus dieser Epoche wurden mit Wohlwollen aufgenommen und fanden auch ein breites Publikum, aber zur literarischen Größe von der Adlersparre träumte, fehlte die Persönlichkeit in seinen Werken. Die Dichtkunst von Adlersparre blieb auf einem technischem Niveau stehen.

Sehr früh nahm Carl August Adlersparre auch mit Dichtern wie Esaias Tegnér, Frans Michael Franzén, Erik Gustaf Geijer, Carl Adolph Agardh, Johan Henrik Thomander oder auch Frithiof Grafström Kontakt auf um deren Werke, gemischt mit seinen eigenen, in der vom Vater geerbten literarischen Zeitschrift Läsning zu veröffentlichen, ein Unternehmen, das jedoch nur geringen Erfolg zeigte, denn nach nur fünf Nummern stellte der Verlag die Herausgabe ein.

Eine Änderung im literarischen Schaffen von Carl August Adlersparre kann man nach dem Erscheinen seines Bandes Smärre samlade dikter aus dem Jahre 1841, nach dem ihn Bernhard Elis Malmström als Dilettanten bezeichnete, der keine Ahnung von Grammatik hat, was erst zu einer literarischen Auseinandersetzung zwischen Adlersparre und Malmström führte, die Adlersparre in gewisser Weise zur Aufgabe des poetischen Strebens brachte.

Nach dieser Niederlage begann Carl August Adlersparre erst einige romantische Geschichtsromane zu veröffentlichen, die jedoch kaum besser bewertet wurden als seine Gedichte und den Schriftsteller zu einem Umdenken brachten, das ihn letztendlich zu seinem eigentlichen Können führte, nämlich dem Verfassen von historisch-politischen Werken, einer Kategorie bei der er sein Wissen und seine literarische Stärke zeigen konnte und statt gefühlsmässiger Eingebung und Erfahrung Fakten zählten.

Vielleicht gerade weil Carl August Adlersparre keine klare politische Einstellung hatte, wurden seine Arbeiten der letzten 17 Lebensjahre zu bedeutenden Zeitdokumenten, denn in den fünfbändigen Tidstaflor erfährt der Leser die Situation Schwedens während und nach der Revolution des Jahres 1809, das das Land zu bedeutenden Veränderungen führte.

Das vermutliche bedeutendste Werk von Carl August Adlersparre wurde dann jedoch das dreibändige Werk Anteckningar om bortgångne samtida aus den Jahren 1859 bis 1862, denn Adlersparre war in den Besitz von zahlreichen Briefen, Manuskripten und anderen Dokumenten bedeutender schwedischer Persönlichkeiten der Epoche geraten und veröffentlichte daher eine weitaus neutrale Darstellung über die kulturelle Entwicklung Schwedens der Jahrtausendwende, eine Kulturgeschichte, die bis heute ihre Bedeutung nicht verloren hat.

Aber obwohl Carl August Adlerspanne ab 1845, als er seine militärische Laufbahn ganz aufgab, seine wahre Begabung gefunden hatte , konnte er durch seinen frühen Tod nicht mehr all die Werke veröffentlichen, die er geplant hatte. Nach seinem Tod wurden seine Aufzeichnungen und Briefe leider zerstückelt, so dass man selbst heute in den Sammlungen der Universitätsbibliotheken in Lund und in Uppsala nur noch einen Teil seiner begonnenen Arbeiten und andere Aufzeichnungen finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin