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30 juni 2013

Carl Grimberg und die schwedische Geschichte für Jedermann

Carl Grimberg wurde am 22. September 1875 als Sohn des Volksschullehrers Joel Grimberg und dessen Frau Charlotta Andersson in Göteborg geboren und starb am 11. Juni 1941 in Djursholm bei Stockholm. Grimberg war ab 1919 mit Freiherrin Eva Carlsdotter Sparre verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Carl Grimberg ist nichts bekannt, so dass seine Biographie im Jahre 1893 mit der Hochschulreife in Göteborg beginnt. Noch im gleichen Jahr schrieb sich Grimberg an der Universität Göteborg ein um dort Geschichte und nordische Sprachen zu studieren. Im Jahre 1896 machte er die Kandidatur in Philosophie, sechs Jahre später das Lizenziat und 1903 schloss er seine Studien endgültig mit einer Doktorarbeit ab.

Carl Grimberg, Svenska folkets underbara öden, Oscar II:s tid, Ungdomsupplaga, Norstedt, Stockholm, 1928

Wie um diese Zeit die Mehrheit der Absolventen humanistischer Studien, so wählte auch Carl Grimberg nach der Universität die Lehrerlaufbahn. Während er während seiner Studien noch in Göteborg unterrichtete, ging er nach dem Doktorat an die Lundsbergs skola, die er jedoch bereits 1906 gegen eine Dozentur in Geschichte an der Universität in Göteborg eintauschte, wobei Grimberg ab 1907 zusätzlich mit einem Lektorat in Uppsala betraut wurde. Aber schon 1908 gab er das Lehramt auf und akzeptierten das Angebot Norstedts dort als literarischer Berater zu arbeiten.

Seine literarische Aktivität begann Carl Grimberg im Jahre 1907 mit Lehrbüchern für die Grundschule, die Realschule und das Gymnasium. Während der rechte Flügel des Landes diese Werke nahezu überschwänglich lobte, zeigte sich der linke Flügel unter Hjalmar Branting eher kritisch und verurteilte die Werke als nationalistisch und als Kriegsverherrlichung. Dies ging schliesslich so weit, dass die Werke Grimbergs im Parlament diskutiert wurden, was jedoch seinen positiven Ruf nur vergrößerte. Da Grimberg sich jedoch politisch unabhängig zeigen wollte, begann er die nationalistische Tendenz der Werke abzumindern und erreichte damit eine umfassende Popularität.

Im Jahr 1910 hatte Carl Grimberg dann die Idee eine komplette Geschichte Schwedens zu schreiben, die zwischen 1913 und 1924 unter dem Titel Svenska folkets underbara öden erschien. Sein Verleger war nicht sehr leicht von der Idee zu überzeugen, aber als der Schriftsteller auf jeden Vorschuss verzichtete, wagte er im Jahr 1913 das erste Heft der Reihe.

Die Bedenken des Verlegers waren berechtigt, da um diese Zeit sehr viele Autoren eine schwedische Geschichte schrieben, aber keiner unter ihnen auch den Durchbruch erreichte. Hier zeigte sich der Vorteil von Carl Grimberg, der nicht nur extrem belesen war und die gesamte Geschichte des Landes kannte, sondern auch in der Lage war den Stoff auf eine unterhaltsame populärwissenschaftliche Weise darzustellen, was keinem seiner Konkurrenten gelungen war.

Der Erfolg von Carl Grimberg lag allerdings nicht nur an seiner Fähigkeit die schwedische Geschichte lebendig zu machen, sondern er folgte auch den Spuren von Anders Fryxell, dessen Geschichtswerk mittlerweile veraltet war, aber den gleichen Enthusiasmus spiegelte und der steigende Erfolg lag auch daran, dass Grimberg im Jahre 1919 die Verlagsfrau Eva Sparre heiratet, wodurch auch der Schriftsteller ein Mitglied des ältesten Hochadel Schwedens wurde, was ihm jede Tür öffnete.

Im Gegensatz zu Fryxell lieferte Carl Grimberg eine nahezu vollständige Geschichte Schwedens in der auch das Bergwerk, die Landarbeit, das Schulwesen oder die Hexenverfolgungen zu finden sind, was letztendlich auch dazu führte, dass das Werk in zahlreichen Auflagen veröffentlicht wurde und noch heute eines der wichtigsten kulturgeschichtlichen Werke Schwedens ist, zumal der Schriftsteller immer wieder Originaldokumente zitiert und Quellen nennt.

Natürlich darf dieses Sammelwerk nicht als moderne populärwissenschaftliche Geschichte betrachtet werden, denn Carl Grimberg schreibt im Geiste der Zeit und macht die schwedische Bevölkerung zum Übermenschen, während Dänen und Russen eher zu Gaunern und Schurken gehören. Grimberg verherrlicht natürlich auch kritiklos die Errungenschaften von Engelbrekt Engelbrektsson, Gustav Vasa oder Gustav II. Adolf und spiegelt daher die schwedische Gedankenwelt und wissenschaftliche Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Auf Grund des enormen Erfolges des Werkes Svenska folkets underbara öden erlaubte ihm Norstedt sich ab 1926 ganz dem Verfassen eines Folgewerkes zu widmen, einer Weltgeschichte. Mit diesem Sonderabkommen wurde Carl Grimberg einer der ersten schwedischen Schriftsteller, die ausschließlich vom Schreiben leben konnten und dabei auch noch gut lebten, denn einen Großteil des Werkes schrieb der Autor auf seinem Segelboot mit dem er oft im Mittelmeer unterwegs war.

Allerdings konnte Carl Grimberg seine Weltgeschichte nicht mehr zu Ende führen und kam nur noch bis zum Jahre 1715 da er dann in seinem Heim in Djursholm starb.

Copyright: Herbert Kårlin

9 maj 2013

Sophie Elkan und der menschliche historische Roman Schwedens

Sophie Elkan, geborene Salomon, wurde am 3. Januar 1853 als Tochter des Kaufmanns Alexander Salomon und dessen Frau Henriette Abrahamson in Göteborg geboren und starb am 5. April 1921 ebenfalls in Göteborg. Elkan war ab 1872 mit ihrem Cousin Nathan Elkan verheiratet.

Die spätere Schriftstellerin wuchs in gut bürgerlichem Milieu auf, wobei der Vater erst wenige Jahre vor der Geburt von Sophie Elken von Stockholm nach Göteborg gezogen war und die Großeltern aus Deutschland eingewandert waren. Die Erziehung war daher etwas offener als jene der meisten schwedischen Frauen jener Zeit. Allerdings machte ihr ihre Herkunft auch einige Probleme, da die junge Elkan Schweden als ihr Heimatland betrachte, sie aber immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass ihre Vorfahren nicht aus diesem Land kommen.

Sophie Elkan, Säve, Kurt & comp., Booklund Förlag, Lund, 1990

Sophie Elkan besuchte Frau Bruenechs Privatschule in Göteborg und machte sich dort damit bemerkbar, dass sie sehr wissbegierig war und sehr früh die Gedichte von Esaias Tegnér las, was die Lehrerin wiederum wenig befürwortete, da ein Mädchen um diese Zeit sich auf die Ehe vorbereiten sollte und zu viel Bildung eher als Nachteil gesehen wurde. Elkan beschreibt diese Erfahrungen in ihrer Novelle Två fågelungar ausführlich, wobei ihr die Meinung der Lehrerin jedoch wenig anhaben konnte, da sie auch von zu Hause zum Lesen angehalten wurde.

Mit 19 Jahren heiratete Sophie Elkan ihren Cousin, der eine Musikbuchhandlung in Stockholm hatte. Ab 1877 begann die Familie, die mittlerweile auch eine Tochter hatte, ihre Reisen in den Süden, die dem Ehemann gegen ein Lungenproblem helfen sollten. Gegen Weihnachten 1879 starb er jedoch an Tuberkulose in französischen Nice und nur einen Tag später starb auch die Tochter. Elkan kehrte nach Göteborg zurück und suchte nun nach einer neuen Beschäftigung.

Nach dem Tod ihres Mannes begann Sophie Elkan zuerst für ihren Bruder als Übersetzerin der Serie Skrifter av uppfostringskonstens stormän, aber schon 1889 erschienen dann Elkans erste Novellen in der Göteborgs Handelstidning, allerdings unter dem Pseudonym Rust Roest. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte Elkan dann auch ihr erstes Buch mit dem Titel Dur och moll. In den darauf folgenden Jahren war die Schriftstellerin ungemein aktiv und veröffentlichte mehrere Bücher mit Novellen, zwei Romane und arbeitete für literarische Kalender.

Im Jahre 1894 lernte Sophie Elkan bei einem Aufenthalt in Stockholm Selma Lagerlöf kennen. Obwohl die beiden Frauen literarisch eine entgegengesetzte Auffassung hatten, da Lagerlöf nach Romantik suchte und Elkan den Realismus, entwickelte sich eine enge Freundschaft, ein langer Briefwechsel und mehrere Reisen, die die beiden Frauen gemeinsam machten, wobei sie sich hier ergänzten, da Elkan ab ihrem 19. Lebensjahr viel unterwegs war und die etwas jüngere Lagerlöf nie zuvor Auslandsreisen gemacht hatte.

Vor allem die gemeinsame Reise in den Mittleren Osten war für beide Frauen auch literarisch ergiebig, denn Lagerlöf schrieb anschließend den Roman Jerusalem und Sophie Elkan den Roman Drömmen om österlandet, die kaum unterschiedlicher sein können und deutlich den Charakter und die Denkweise der Reisegefährtinnen zeigen.

Die literarische Stärke von Sophie Elkan zeigt sich in ihren historischen Romanen, die gewissermaßen mit ihrem Werk John Hall, en historia från det gamla Göteborg aus dem Jahre 1899 einsetzte und wie auch ihre späteren historischen Romane nicht nur auf eine ausführliche Archivarbeit aufbaut, sondern auch auf Legenden mit einer gewissen literarischen Freiheit, denn für Elkan war es wichtig eine historische Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt.

Die Geschichtsromane von Sophie Elkan unterscheiden sich aber auch noch in anderen Punkten von den historischen Romanen jener Zeit, denn die Schriftstellerin schreibt Romane über einzelne Personen, die sie alle als unglückliche Menschen mit einem unglücklichen Schicksal sieht. Und gerade in dieser ausgesetzten Situation macht sie die handelnde Person für den Leser sympathisch, denn in ihrem Buch ist Jacob Johan Anckarström kein verbrecherischer Revolutionär und Gustav IV. Adolf kein Übermensch. Ohne die Geschichtsschreibung zu verfälschen, lässt Sophie Elkan den Menschen mit seinen Schwächen und seinen Fehlern erscheinen.

Sophie Elkan ist für viele Literaturwissenschaftler nahezu ein Anhang zu Selma Lagerlöf und wird deshalb, zu Unrecht, nur mit wenigen Worten in der schwedischen Literaturgeschichte genannt, aber wer einige ihrer historischen Romane gelesen hat, stellt sehr schnell fest, dass Elkan eine ausgereifte Schriftstellerin ihrer Zeit war und sie lediglich die Freundschaft mit Selma Lagerlöf verband.

Sophie Elkan wurde im jüdischen Friedhof in Göteborg begraben. Ihr gesamtes Vermögen hatte sie Selma Lagerlöf vermacht, die nach dem Tode der Autorin einen Raum in Mårbacka mit Elkans Möbel und Bildern einrichtete und damit den sogenannten Elkanrummet schuf.

Copyright: Herbert Kårlin

27 april 2013

Mia Leche-Löfgren und die autobiographische Literatur Schwedens

Mia Leche-Löfgren, geborene Leche, wurde am 10. Oktober 1878 als Tochter des Zoologen Wilhelm Leche und dessen Frau Minchen Sager in Lund geboren und starb  am 8. April 1966 im Alter von 87 Jahren in Stockholm. Leche-Löfgren war von 1900 bis 1908 in erster Ehe mit der Schreibkraft Fredrik von Friesen und ab 1909 mit dem Politiker und Rechtsanwalt Eliel Löfgren verheiratet.

Ihre Kindheit verbrachte Mia Leche-Löfgren in einem sehr bürgerlichen Elternhaus, das ihr jedoch große Freiheiten ließ und sie sehr früh mit dem kulturellen und politischen Leben der Stadt vertraut machte. Leche-Löfgren bezeichnete sich selbst als Kind des Liberalismus der 90er Jahre.

Mia Leche-Löfgren,  Ellen Key: Hennes liv och verk, Förlag Naturoch Kultur, 1930

Die Eltern schickten Mia Leche-Löfgren in die sehr progressive Whitlockska Skolan in Stockholm in der Ellen Key eine ihrer Lehrerinnen war, was einen tiefen Eindruck bei der Schriftstellerin hinterließ. An die Öffentlichkeit tritt Leche-Löfgren erstmals im Jahre 1906, als die Ehe mit ihrem ersten Mann bereits in der Krise war. Ihre erste Aufgabe bei der konservativen Zeitschrift Vårt land, wo sie sie zwei Jahre lang als Literaturkritikerin arbeitete, war Bücher zu rezensieren um die sich Carl David af Wirsén nicht kümmerte. Die Journalisten überzeugte bei ihren Kritiken mit ihrer Offenheit, auch wenn sie bald feststellte, dass die Zeitung nicht ihre Ideen vertrat.

Zwischen 1908 und 1930, nach ihren Erfahrungen mit Vårt land, erscheinen nur wenige kleinere Werke und Pamphlete von Mia Leche-Löfgren, die in dieser Zeit auch den Journalismus ziemlich ruhen lässt. Dafür ist Leche-Löfgren nun politisch sehr aktiv, denn 1914 findet man sie unter den Gründerinnen der Frisinnade kvinnor und ein Jahr später taucht ihre Name unter der Gründerinnen der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit auf. Ihre Aktivitäten für die Freiheit der Frau und die Friedensbewegung führen die Journalisten und Schriftstellerin durch mehrere Länder und sie entwickelt sich in dieser Zeit zu einer der bedeutendsten Rednerinnen der schwedischen Frauenbewegung.

Erst 1930, als Mia Leche-Löfgren bereits 52 Jahre alt war, erscheint ihr erstes Buch, eine Biographie über Ellen Key. Diesem Buch folgen in den nächsten Jahren einige autobiographische Werke, die jedoch weitaus weniger Beachtung fanden als ihr Buch über Ellen Key.

Ab 1934 kehrte Mia Leche-Löfgren auch voll zum Journalismus zurück und beginnt ihre Arbeit bei Idun. Die Mitarbeit bei dieser Zeitschrift macht die Journalistin und Schriftstellerin auf nationaler Ebene bekannt, zumal sie dort über sehr unterschiedliche Themen berichtet und mit ihrem einfachen Stil überzeugt. In dieser Zeit intensiviert sich auch ihre Arbeit mit der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning wieder, die einzige Zeitung für die sie auch die vorhergehenden Jahre immer wieder aktiv war. Sehr bald wechselte Leche-Löfgren dann jedoch zur damals aufsteigenden Göteborgs-Posten über.

Im Verhältnis zu ihrer politischen Aktivität als Journalistin kam die literarische Aktivität von Mia Leche-Löfgren immer erst an zweiter Stelle, was sich auch in den 30er Jahren sehr deutlich zeigte, denn sie zeigte während des Aufstiegs von Adolf Hitler sowohl in ihren journalistischen Beiträgen als auch als Rednerin eine beißende Kritik gegen den Antisemitismus und macht jede Sekunde auf die Probleme Unterdrückter aufmerksam, wobei die Journalistin und Schriftstellerin sich auch an zahlreichen humanitären Einsätzen beteiligt.

Als 1940 der Ehemann von Mia Leche-Löfgren stirbt, zieht sie nach Göteborg um Torgny Segerstedt näher zu kommen und um ihn in seinem Kampf gegen den Nazismus zu unterstützen. Diese freundschaftliche Verbindung führt auch zu ihrem Buch Hård tid aus dem Jahre 1946 in dem sie Segerstedt, seine Umgebung und die Atmosphäre Göteborgs um diese Zeit auf vortreffliche Weise schildert.

Mia Leche-Löfgren versuchte bei ihrem literarischen Schaffen auf jede tiefsinnige Betrachtung und Analyse zu verzichten und wollte einen Realismus zeigen, den der Leser nachfühlen kann. Die Schriftstellerin benutzte daher bei allem was sie schrieb eine relativ einfache Sprache, die ein weiter Leserkreis verstehen konnte und leistete damit einen bedeutenden Beitrag zur Unterhaltungskultur, auch wenn Leche-Löfgren keine Neigung zur Belletristik hatte, sondern zum Reportageroman neigte.

Diese Neigung zu einer verständlichen Sprache zu greifen und auf tiefsinnige Gedanken zu verzichten, zeigt sich auch an den autobiographischen Werken der Autorin, denn für Mia Leche-Löfgren sind die Handlungen, die Geschehnisse und die einfache Sprache wichtiger als eine wirklich chronologische Darstellung oder ihre Einordnung in eine Zeitlinie. Diese Eigenart unterscheidet auch die autobiographischen Werke von Leche-Löfgren von jenen anderer Autoren, denn sie ist um diese Zeit die einzige Schriftstellerin, die autobiographische Romane zur Literatur macht.

Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Mia Leche-Löfgren wieder in Stockholm, wo sie erneut in den intellektuellen Kreisen der Stadt aufgenommen wurde und eine Art Vertrauensstellung einnahm. Noch bei ihrem letzten Buch Bokslut aus dem Jahre 1962 findet man die gleichen Ideen der Autorin, die ihr ganzes Leben formten, denn sie schrieb eine Art Protestbuch und warnte von der Infiltration kommunistischer Kräfte innerhalb der Friedensbewegung, da die Friedensbewegung unabhängig von einer Parteirichtung sein muss, wenn sie Erfolg haben soll.

Copyright: Herbert Kårlin

26 april 2013

Axel Krook, der Meinungsmacher des 19. Jahrhunderts

Axel Krook wurde am 9. August 1831 als Sohn des Kaufmanns Anders Georg Krook und dessen Frau Fredrika Sager in Sölvesborg geboren und starb am 26. April 1893 in Göteborg. Krook war ab 1855 mit Selma Madelaine Warberg verheiratet.

Da über die Kindheit und die Jugend von Axel Krook nahezu nichts bekannt ist, beginnt seine Biographie mit seiner Hochschulreife in Lund, der Stadt in der er 1850 ein Medizinstudium begann, das er auch mit einem ersten Examen abschloss, obwohl er sich diesem Studium wenig widmete, da er sich von der schöngeistigen Literatur angezogen fühle und dieser sehr viel Zeit widmete.


Stich: Schwedisches Reichsarchiv

Bereits 1851 schloss sich Axel Krook einer Gruppe literarisch interessierter Studenten der Universität Lund an, die die Gesellschaft Sjustjärnan gründeten. Nicht ganz klar ist dabei ob Krook oder Viktor Rydberg dabei die treibende Kraft war, aber sicher ist, dass beide eine wichtige Rolle innerhalb der Gesellschaft einnahmen. Sjustjärnan musste allerdings bereits ein Jahr später seine Aktivitäten einstellen, da sowohl Krook als auch Rydberg die Universität, aber auch Lund, aus finanziellen Gründen vorübergehend verlassen mussten.

Ab 1854 arbeitete Axel Krook für die sehr progressiven Zeitungen Allmänna tidningen und der umstrittenen antisemitischen Folkets röst. Im gleichen Jahr begann Krook zusätzlich Märchen im Stil von Hans Christian Andersen zu schreiben, zum Beispiel Skogsflickans sagor, und er arbeitete an satirischen Lustspielen unter denen Blekingsflickan und En julafton i Blekinge am bekanntesten wurden, Stücke, die im Humlegårdsteatern und dem Södra teatern in Stockholm aufgeführt wurden.

In den ersten Jahren seiner journalistischen Aktivität arbeitete Axel Krook bei verschiedenen Zeitungen ohne jedoch davon leben zu können - bis er 1859 nach Göteborg zog. Nur ein Jahr nach seinem freiberuflichen Beginn bei der Göteborgs-Posten wurde er dort fest angestellt und konnte seine Arbeit als Telegraphieassistent aufgeben.

In Göteborg nahm Axel Krook seine Beziehungen zu Viktor Rydberg unmittelbar wieder auf und traf den Journalisten und späteren Reichstagspolitiker Sven Adolf Hedlund. Gemeinsam wurde die Gruppe als die treibende Kraft des politischen und literarischen Geschehens Göteborgs betrachtet, deren Einfluss jedoch weit über die Grenzen Westschwedens hinausreichten.

Noch in den 60er Jahren engagierte sich der nach wie vor liberal-konservative Axel Krook in der Arbeitervereinigung und führte dort eine Krankenkasse, eine Begräbniskasse und andere Neuerungen ein. 1868 gründete Krook dfann die Zeitung Arbetare, ohne jedoch seine Tätigkeit bei der Göteborgs-Posten aufzugeben.

Die literarische Aktivität Krooks war in den 60 und 70er Jahren sehr beschränkt, da er politisch sehr aktiv war. Bedeutend aus dieser Zeit sind lediglich seine beiden Werke Tro och otro aus dem Jahre 1864 und Sokrates, das zwei Jahre später erschien, da sich Krook in diesen beiden Werken kritisch zur Religion ausdrückte und damit stark kritisierte Bücher vorlegte, deren Ziel und Inhalt erst Jahrzehnte später erfasst wurde.

Um den Mangel an literarischer Arbeit zu kompensieren, schrieb Axel Krook in dieser Zeit allerdings hunderte von Rezensionen überwiegend über ausländische Werke und beeinflusste damit das kulturelle Denken Schwedens in sehr bedeutendem Masse, denn Krook schrieb nicht nur über Literatur, sondern auch über Musik, Kunst, Theater und alle anderen kulturellen Bereiche. Parallel dazu schrieb der Journalist und Schriftsteller in dieser Epoche auch einige kurze Theaterstücke, die er für eine von ihm geplante  Arbeiterbühne vorsah, aber weder die Idee des Arbeitertheaters zeigte einen größeren Erfolg, noch seine Theaterstücke, die er unter dem Pseudonym Nils Andersson veröffentlicht hatte, da die Stücke schnell geschrieben und entsprechend oberflächlich waren.

Der Erfolg und die Vielseitigkeit von Axel Krook verhinderte gewissermaßen einen bedeutenden Erfolg als Schriftsteller. Wenn man seine Aktivität der 70er Jahre betrachtet, so stellt man fest, das er Mitgründer der Göteborger Volksbank und dessen Direktor war, dass er künstlerischer Direktor des Stora Teatern in Göteborg war, im Stadtrat saß, als Journalist arbeitete und zusätzlich Novellen, Gedenkschriften und anderes für das Svenska familj-journalen und den Svea-Kalender schrieb. Nebenbei war Krook auch noch als Übersetzer tätig.

Die Rolle von Axel Krook innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist daher weniger in seiner Rolle als Literat zu sehen, da er in diesem Bereich nur wenige bedeutend Werke veröffentlichte. Seine Bedeutung liegt jedoch an seiner Arbeit ala Journalist, da er einer der bedeutendsten Autoren Ende des 19. Jahrhunderts war, der die Meinung der Schweden und ihre Einstellung zur Literatur bedeutend beeinflusste. In gewissen Jahren war es Krook der dem schwedischen Volk vorschrieb welche ausländischen Bücher übersetzt und gelesen werden sollten.

Copyright: Herbert Kårlin

14 april 2013

Johan Simmingsköld, ein homosexueller Schriftsteller im 18. Jahrhundert

Johan Simmingsköld, Simming bevor er, gleichzeitig mit seinem Vater, geadelt wurde, wurde am 22. April 1748 als Sohn des Assessors Markus Simmingsköld und dessen Frau Magdalena Elisabet Holstein in Göteborg geboren und starb am 30. März 1796 auf der Festung Königstein in Sachsen. Simmingsköld war nie verheiratet.

Noch bevor Johan Simmingsköld im Jahre 1766 seine zweijährigen Studien an der Universität Uppsala begann, hatte er bereits einige Gedichte in den damaligen Zeitungen veröffentlicht, eine Tätigkeit, die er auch in Uppsala fortsetzte, was zu ironischen Kommentaren in den Tagebüchern von Seiten Johan Gabriel Oxenstiernas führte, der Simmingsköld für einen Süßholzraspler und Schleimer hielt, der die Poesie ohne jede Gegenliebe liebte, eine Aussage, die man jedoch mit Vorsicht genießen muss, da Oxenstierna ein staatstreuer Beamter war und Simmingsköld sehr früh offen zu seiner homosexuellen Neigung stand.


Stich von F. F. Martin, Foto: Reichsarchiv Schweden

Nach seinem Studium an der Universität Uppsala, ging Johan Simmingsköld 1768 nach Stockholm und wollte dort eine literarische Karriere beginnen, die über einen Bibliothekar, Geschichtsschreiber und einen juristischen Auftrag ging, aber dadurch unterbrochen wurde, dass Simmingsköld am 19. September 1784 aus Schweden fliehen musste, in Leipzig unterkommen wollte, dort aber festgenommen wurde und in der Festung Königstein landete, was ihn auch den Adelstitel wieder kostete.

Seine Verbindungen zum Publizisten und Psalmenverfasser Carl Christoffer Gjörwell verhalfen Johan Simmingsköld zu einer Mitarbeit in den zahlreichen Zeitschriften, für die Gjörwell verantwortlich zeichnete, aber waren vermutlich auch der Grund dafür, warum Simmingsköld in den Jahren 1769 und 1770 die Reichstagschronik schreiben durfte.

Obwohl Johan Simmingsköld versicherte die Chronik des Reichstags mit Kommentaren zu versehen aus denen hervorgeht aus welchem Grund welche Person eine gewisse Meinung vorbringt und welchem Ziel diese Meinung dient, so lieferte er eine nahezu neutrale Chronik, die mehr den Mitgliedern des Reichstags diente als wirklich einen gewissen Sprengstoff zu verbergen.

Sehr ähnlich war die Situation, als Johan Simmingsköld zwei Jahre später den Karbasen, eine Zeitschrift für Prosa und Poesie, herausgab und schrieb, denn auch hier versprach der Schriftsteller und Journalist alle Neuigkeiten aus der Volksschicht und alle Gerüchte zu verbreiten, was sich auf so kurze Anmerkungen begrenzte, dass Simmingsköld seine eigene Idee boykottierte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Karbasen nur neunmal erschien und seine Folgewerke Billiga anmärkningar mot en otidig Karbas und Til den som tog i Karbasen ein noch kürzeres Dasein hatten.

Nach dem Staatsstreich im Jahre 1772 erklärte sich Johan Simmingsköld zum Hofdichter und er verfasste einige seiner bedeutendsten lyrischen Werke, die das Königshaus in den siebten Himmel hoben, ihm aber auch bedeutende Feinde machten, da Simmingsköld keiner politischen oder literarischen Gruppe angehörte. Auf Grund seiner immer wieder aufkommenden Homosexualität wurde der Dichter zudem zu einem beliebten Ziel für üble Nachrede. Sein Aufstieg wurde dann vor allem von Axel von Fersen gebremst, da dieser das Gerücht verbreitete, dass Simmingsköld freien Zugang zum Schlafzimmer des ermordeten Königs Gustav III. hatte und nur wegen seinem ausschweifenden und schmutzigen Leben in den Adelstand erhoben wurde.

Mit dem Jahre 1679 kam dann der entgültige Sturz von Johan Simmingsköld und damit das Ende seines literarischen Aufstiegs, denn es wurde bekannt, dass er zahlreiche Schuldscheine mit falschen Namen unterzeichnet hatte, insbesondere mit Namen seiner Gönner und Freunde, aber auch den Unterschriften zahlreicher einflussreichen Händler Göteborgs. Simmingsköld floh wegen der bevorstehenden Verhaftung aus Schweden und wurde in Deutschland sehr positiv aufgenommen, da dir Flucht in Absprache mit dem schwedischen König stattgefunden hatte.

Im Jahre 1985 hatte Johan Simmingsköld bereits gute Kontakte mit der literarischen und publizistischen Szene Deutschlands geschaffen, beging jedoch den größten Fehler seines Lebens, denn er forderte von Schweden eine lebenslange Pension. Sollte ihm diese nicht gewährt werden, so wollte er eine Zeitschrift gründen, die alle Geheimnisse des schwedischen Adels und Hochadels aufdeckt. Nun war der König gezwungen den Schriftsteller zu stoppen und bat den Kurfürsten Fredrik August von Sachsen einzugreifen, was zur Verhaftung und einer lebenslangen Gefängnisstrafe für Simmingsköld führte.

In der Festung Königstein wurde Johan Simmingsköld isoliert gehalten, so dass seine Kenntnisse über die noble Schicht Schwedens nicht an die Öffentlichkeit geraten konnten. Während dieser Zeit schrieb der Dichter noch einige kürzere unbedeutende religiösen Schriften und man versuchte ihn in Schweden ganz zu vergessen, was auch dazu führte, dass viele seiner Werke spurlos verschwanden. Noch heute wird Simmingsköld nur sehr zögernd wieder innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte erwähnt, da nur wenige Literaturwissenschaftler bereits sind eine neue Literaturgeschichte zu schreiben, die von alten Vorurteilen abweicht.

Copyright: Herbert Kårlin

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11 februari 2013

Marianne Fredriksson und die christliche Frauenliteratur Schwedens

Marianne Fredriksson wurde am 28. März 1927 als Tochter des Arbeiters Hugo Persson und dessen Frau Hilda in Göteborg geboren und starb am 11. Februar 2007 im Alter von 79 Jahren nach einer Herzattacke innerhalb von nur zehn Minuten in ihrem Heim in Österskär bei Stockholm. Mit 20 Jahren heiratete die Schriftstellerin Sven Fredriksson, von dem sie sich jedoch noch einige Jahre vor ihrem Tod scheiden ließ.

Als die Familie aus einer Arbeitergegend Göteborgs in den Stadtteil Långedrag zog, einen bürgerlichen Teil der Stadt, begann für das Mädchen die schlimmste Zeit ihres Lebens, denn als einziges Arbeiterkind der Schule wurde sie gemobbt bis sie von ihrem Vater lernte sich mit den Fäusten zu verteidigen. Auch wenn es um diese Zeit nicht üblich war, dass ein Arbeitermädchen, das ohnehin heiratet, eine höhere Bildung erhält, legten die Eltern Fredrikssons einen hohen Wert auf die Ausbildung, die Marianne ohne jedes Problem schaffte.


Im selben Jahr als Marianne Fredriksson ihren Ehemann kennenlernte, begann sie als Korrektorin bei der Göteborgs-Tidningen (GT) zu arbeiten, wo sie langsam zur Journalistin aufstieg um später zum Svenska Dagbladet zu gehen, wo sie trotz ihrer Erfahrung von den Kollegen mit großem Misstrauen empfangen wurde, jedoch sehr bald mit der Gründung der Idagsidan den Journalismus erneuerte, indem sie die Oberklassenjournalistik verliess und eine Seite schuf, die auch den Arbeiter berührte und die die Strömungen der Zeit beleuchtete. Für das Svenska Dagbladet arbeitete die Schriftstellerin in der Redaktionsleitung von 1974 bis 1988.

Obwohl Marianne Fredriksson bereits sehr früh davon träumte als Schriftstellerin zu arbeiten, erfolgte der Aufstieg vorerst nur bei der Presse, denn ihr Ideenreichtum, der Leser verhalf ihr 1962 zu einer leitenden Stellung bei Allt i hemmet, einer Zeitschrift, der sie zum Erfolg verhalf und für die sie 15 Jahre lang arbeitete und sie führte parallel dazu zur Gründung von Vi föräldrar und Allt om mat, zu denen Fredriksson mit den wichtigsten Leitideen als Mitgründerin beitrug.

Erst im Jahre 1980, als Marianne Fredriksson bereits 53 Jahre alt war, erschien ihr erster Roman Evas bok, das mittlerweile nahezu jede Frau Schwedens gelesen hat, und ein Teil der Männer. Fredriksson geht in diesem Werk zurück ins Paradies und beschreibt die Bibel auf eine neue Weise, denn der Leser findet Eva in voller Verzweiflung im Paradies, denn einer ihrer Söhne war eben erst zum Mörder geworden. Eva will verstehen wie dies möglich war und welche Fehler sie eventuell mit ihrer Erziehungsmethode machte.

Bereits in diesem ersten Buch von Marianne Fredriksson treffen wir auf den tiefen Glauben der Autorin, den wir in allen ihren Romanen wiederfinden. Fredriksson selbst bekennt sich auch öffentlich immer wieder zu ihrem festen Glauben, will ihn jedoch nicht eingebettet in eine Kirche sehen, die den Glauben institutionalisiert und ihm die Persönlichkeit raubt.

Der Durchbruch als Schriftstellerin kam für Marianne Fredriksson jedoch nicht mit diesem ersten Buch, das das Grundthema der Menschen als Basis hat, sondern im Jahre 1985 mit dem Roman Simon och ekarna, der nicht nur in Göteborg handelt, sondern sehr deutliche autobiographische Züge der Schriftstellerin trägt und zahlreiche Personen ihrer Umgebung, sowie ihr Kriegstrauma, sehr deutlich schildert. Simon och ekarna wurde 2011 von Lisa Ohlin verfilmt und gehört zu den Kinoerfolgen Schwedens. Das Buch wurde in die schwedische Liste der 100 besten Bücher weltweit aufgenommen.

Auch wenn Marianne Fredrikssons Bücher in mehr Sprachen übersetzt wurden als jene von August Strindberg oder Selma Lagerlöf und Rekordauflagen in zahlreichen Ländern erzielte, war die Schriftstellerin für die schwedischen Kritiker kein Thema und jedes neue Buch wurde nur mäßig beachtet ohne je eine wirklich gute Besprechung zu erfahren. Die Ursache war unter Umständen, dass Fredriksson die Öffentlichkeit und fremde Menschen mied wenn nur möglich und es dauerte lange bis sie jemandem ihr Vertrauen schenkte.

Auch als Autorin nimmt Marianne Fredriksson eine Sonderrolle ein, nicht nur, weil sie relativ spät als Schriftstellerin begann, sondern weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren, ihre Manuskripte nicht mehr überarbeitete. Für Fredriksson war das Schreiben eine Art Eingebung und das Ergebnis hatte bereits die beste Form. Obwohl ihre Lektoren bisweilen Änderungen vorschlugen, damit der Verkauf gefördert wird, so beweisen die Verkaufszahlen, dass die Schriftstellerin recht hatte und das Manuskript immer ein fertiges Produkt war.

Marianne Fredriksson war keine Vielschreiberin unter den Autoren, verfolgte jedoch eine eiserne Disziplin, die sie jeden Tag um neun Uhr vor eine neue weiße Seite führte, die sie in ihrem Gartenhaus füllte. Nur selten schrieb sie mehr als vier Seiten am Tag, aber Fredriksson wollte mit jedem Satz ihr Bestes geben und formulierte ihn daher so oft im Kopf hin und her bis sie zufrieden war und ihn niederschreiben konnte. Trotz ihrer Einmaligkeit, den verschiedenen Frauenthemen, die sie immer wieder behandelte und dem großen Erfolg, ist Marianne Fredriksson noch heute eine Nebenfigur der schwedischen Literaturgeschichte, der man sehr wenig Beachtung schenkt.

Copyright: Herbert Kårlin

30 november 2012

Johan Anders Wadman, der Skalde, der an Alkoholmangel stirbt

Johan Anders Wadman wurde am 27. September 1777 als Sohn der Prosten (höherer Priester) Nils Adolf Wadman und seiner Frau Hedvig Sofia Blomstet auf Drottningskär in Karlskrona geboren und starb am 6. Februar 1837 in Göteborg, der Stadt, in der er nahezu als Nationalskalde verehrt wurde.

Der Skalde Johan Anders Wadman wuchs in einer bürgerlichen und sehr religiösen Atmosphäre in Blekinge auf bevor er 1794 erst in Lund und 1800 in Åbo (Turku) studierte. Trotz seiner chronischen Geldnot machte Wadman auf Grund einer Krankheit gegen 1804 eine Reise ins Ausland, was jedoch dazu führte, dass er Schattenschnitte anfertigen musste, damit er genügen Geld zusammenbrachte um nach Schweden zurückkehren zu können.


Auch wenn Johan Anders Wadman von seinem Vater eine gewisse Summe geerbt hatte, so zerrann ihm das Geld zwischen den Fingern, da er nie gelernt hatte damit Haus zu halten. Hinzu kam sein sehr starker Alkoholgenuss, dem er nahezu sein ganzes Leben lang verfallen war.

Zu seinem Glück war Wadman jedoch auch sehr freigiebig und lieh seinem Studienkameraden Carl Fredrik Weltzin eine größere Summe. Dieser konnte dem Skalden und Poeten zwar nicht die geliehenen Gelder zurückzahlen, aber durch seinen Einfluss konnte er Johan Anders Wadman durch die Vermittlung von Arbeitsstellen immer wieder das Überleben ermöglichen.

Von 1806 bis 1807 arbeitete Johan Fredrik Wadman als Bezirksschreiber und Privatlehrer sowohl in Finnland wie in Schweden. Auf Empfehlung von Weltzin wurde er 1807 Lehrer in Karlskoga im Värmland, wo er bis 1810 blieb. Anschließend zog der Skalde nach Göteborg, wo er sein Leben lang bleiben sollte und 1812 wurde er, erneut auf Empfehlung von Weltzin Krankenhausschreiber mit einem festen Lohn von zehn Reichstalern im Monat.

Von 1813 bis 1814 wurde Johan Fredrik Wadman dann leitender Krankenhausbeamter während des Feldzugs in Deutschland, Belgien und Norwegen, da Weltzin in dieser Zeit Chefarzt der Armee war und seinem Freund erneut helfen konnte. Wadman war in dieser Zeit überwiegend für die Leitung des provisorischen Krankenhauses auf Känsö in den Schären vor Göteborg verantwortlich.

Nach dem Krieg versuchte Johan Fredrik Wadman mit Gelegenheitsgedichten, Auftragsgedichten, mit Schreibarbeiten und als Privatlehrer zu überleben, was ihm jedoch nur unter schwierigsten Umständen gelang, denn Wadman wurde zu sehr vom Wein und dem geselligen Zusammensein angezogen als dass er an ein Morgen dachte. Während dieser Gelage trug Wadman mit spontanten Gedichten und Gesang bei, was ihm den Ruf des Göteborger Bellman einbrachte.

Johan Fredsrik Wadman war bereits zu seiner Studentenzeit bekannt für seine Gedichte und Gesänge, auch wenn man heute nicht mehr sagen kann wann seine Karriere als Poet und Skalde wirklich begann, denn die meisten seiner Gedichte gingen verloren und ein Großteil wurde nie aufgezeichnet, da Wadman sehr häufig aus der Situation heraus ein Gedicht schuf, das schon am nächsten Tag wieder vergessen war.

Die erhaltenen Gedichte von Johan Fredrik Wadman wurden erstmals in den Jahren 1830 und 1835 veröffentlicht. Die beiden Bände hatten den Namen Lekochalfwar und wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts immer wieder aufgelegt und erinnern in vielen Punkten an die Schöpfungen von Carl Michael Bellman.

Als Skalde zeige Johan Fredrik Wadman seine Fähigkeit zur Improvisation und einem ausgezeichneten Humor. Er verfügte über alle Eigenschaften eines guten Skalden und zeigte in seinen Werken immer wieder zynische Züge, wobei sein Erfolg in Göteborg auch damit zusammenhing, dass seine Poesie eine lokale Anknüpfung mit ironischen Spitzen zeigte, die sehr geschätzt war. Wadmans Gedichte umfassen das gesamte Spektrum eines Skalden, auch wenn einige seiner besten Werke, ähnlich wie bei Bellman, um den Genuss von Wein gehen. Im Gegensatz zu Bellman, verzichtete Wadman jedoch weitgehend auf Erotik in seinen Werken, denn auch wenn Wadman dem Wein zugeneigt war, so war ihm die Oberflächlichkeit der Gesellschaft ziemlich gleichgültig.

Ironischerweise starb Johan Fredrik Wadman indirekt daran, dass er die letzten Jahre seines Lebens keinen Schluck Alkohol mehr trank, da ihm ein kleinerer Schlaganfall einen Denkanstoß gegeben hatte und der Skalde lange leben wollte. Da sich jedoch Wadman vor allem flüssig ernährt hatte und der Körper ohne Alkohol auch nicht mehr Nahrung zugeführt bekam als vorher, starb er an Unterernährung und Erschöpfung.

Copyright: Herbert Kårlin

26 oktober 2012

Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin

Karin Boye wurde am 26. Oktober 1900 als Tochter des Ingenieurs Carl Fredrik Boye und Signe Liljestrand in Göteborg geboren und starb am 23. oder 24. April 1941 durch Selbstmord in Alingsås. Die ersten neun Jahre verbrachte die Schriftstellerin und Poetin in Göteborg, anschließend zog die Familie nach Stockholm und ab 1915 wohnte sie fünfköpfige Familie schließlich in Huddinge.

Als die Familie nach Huddinge zog, begann Karin Boye zu schreiben und zu malen, wobei sie bei der Malerei vor allem zu mythischen Figuren neigte. Literarisch versuchte sich Karin an Lyrik, Novellen und Theaterstücken. Nach ihrer Hochschulreife im Jahre 1920 legte sie bereits ein Jahr später auch die Prüfung als Volksschullehrerin ab, ohne jedoch diesen Beruf auszuüben, denn sie setzte ihr Studium an der Universität Uppsala mit nordischen Sprachen, Griechisch und Literaturwissenschaft fort. 1926 wechselte die Schriftstellerin die Hochschule um in Stockholm Geschichte zu studieren. 1928 verließ sie die Universität, da sie dem hohen Stress nicht gewachsen war. Über die näheren Ursachen sprach Karin Boye jedoch nie. Eine der Ursachen suchte man in der lesbischen Neigung, die die Autorin sehr früh entdeckte, aber zu bekämpfen versuchte, da sie, sehr bürgerlich erzogen, ein „normales“ Leben führen wollte.


Karin Boyes Karriere als Lyrikerin begann gleichzeitig mit ihrem Studium in Uppsala und der Veröffentlichung ihrer Gedichtsammlung Moln (Wolken). Der Stil der Gedichte war den Formen der isländischen Sagen angepasst und der Inhalt sprach die damalige Jugend Schwedens an, denn Boyes Gedichte zeigten den Zweifel an Gott, die Zweifel an der Zukunft und wie wenig das Leben Idealen folgte. Das Werk ist eine Mischung aus traditionellen Ideen und dem Umbruch, den die schwedische Gesellschaft während dieser Epoche erlebte.

1927 wurde Karin Boye Mitglied der sozialistischen Zeitschrift Clarté, wenig später gründete sie, gemeinsam mit Josef Riwkin, Erik Mesterton, Gunnar Ekelöf und anderen die Zeitschrift Spektrum und 1931 wurde die Schriftstellerin in den Samfundet De Nio gewählt.

Trotz ihrer lesbischen Neigung hatte Karin Boye bereits 1928 Leif Björk geheiratet, was sie immens unter Druck setzte und sich erst löste als die Schriftstellerin 1932 für ein Jahr in das zu jener Zeit weitaus offenere Berlin kam und entdeckte, dass die Homosexualität auch normal sein kann. Sie löste daher die Ehe auf und begann anschliessend weitaus freier zu schreiben, ohne den gesellschaftlichen Druck in gleicher Weise zu spüren wie vrher. Zurück in Schweden lud sie die deutsche Jüdin Margot Hanel ein mit der sie in Berlin ein Verhältnis begonnen hatte. Margot blieb bis zum Tod der Schriftstellerin an ihrer Seite, was einen gewissen Skandal verursachte, zumal Homosexualität um dieses Zeit in Schweden noch unter Strafe stand.

Karin Boye gehört, neben Pär Lagerkvist und Birger Sjöberg zu den sogenannten Erneuerern der schwedischen Literatur, die stark von der Psychologie Freuds beeinflusst waren und Gefühlen eine wichtige Rolle gegeben haben.

Auch wenn Karin Boye heute vor allem für ihre Gedichte bekannt ist, allen voran Ja, visst gör det ont när knoppar brister, so schrieb sie auch zahlreiche Essays und Romane, wobei zwei davon autobiographischen Züge tragen und ein Schlüssel zu ihr sind: Kris und Kallocain.

Über den Tod von Karin Boye haben sich viele Schriftsteller Gedanken gemacht, da man die Motive nicht sehen konnte. Die Schriftstellerin hatte in Alingsås ihre Jugendfreundin Anita Nathorst besucht, die an Krebs erkrankt war und kurz vor ihrem Tod stand. Karin Boye pflegte die Kranke und verbrachte daher viel Zeit mit ihr und dem Tod an ihrer Seite. Am 23. April 1941 verließ sie das Haus der Freundin, ging auf eine Anhöhe von Alingsås und nahm eine Überdosis an Schlaftabletten. Als sie am nächsten Tag gefunden wurde, war sie bereits tot. Die Lebensgefährtin Margot Hanel war nicht mit in Alingsås, beging jedoch nur einen Monat später ebenfalls Selbstmord.

Sehr vieles um den Tod von Karin Boye und ihr Verhältnis zu Frauen wird für immer verborgen bleiben, da die Mutter der Schriftstellerin nach dem Tod ihrer Tochter und jener von Margot Hanel den gesamten Schriftwechsel der beiden Frauen verbrannte, inklusive der Gedichte, die Karin für ihre Lebensgefährtin geschrieben hatte.

Karin Boyes Prosa wurde und wird, im Gegensatz zu den Gedichten und den Essays, oft als abstrakt und unrealistisch empfunden, da die Autorin keine realistischen Personen benutzte, sondern ihnen die Eigenschaften von mehreren Personen gleichzeitig gab um dadurch die Gesellschaft auszudrücken und nicht eine bestimmte Person, eine Technik, die sicher den Zugang zu den Romanen etwas erschwert, aber Karin Boye am deutlichsten beschreibt, denn sie lebte nahezu ihr ganzen Leben in mehreren Welten gleichzeitig, da sie nur in wenigen intimen Momenten sie selbst sein konnte und immer auf der Wacht vor der teils anonymen Gesellschaft sein musste.

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21 september 2012

Viktor Rydberg, der Autor zwischen Mythologie und Philosophie

Viktor Rydberg wurde am 18. Dezember 1828 in Jönköping geboren und starb am 21. September 1895 in Djursholm, dem heutigen Danderyd. Sein Vater, Johan Rydberg, war Schlosswächter und seine aus Polen stammende Mutter, Hedvig Kristina Duker, war Hebamme.

Allerdings verbrachte Viktor Rydberg seine Kindkeit kaum mit seinen Eltern, da die Mutter bereits 1834 an Cholera starb und Viktor wenig später mehr oder oder weniger von einer Pflegefamilie zur anderen kam und daher eigentlich erst an der Universität in Lund wirklich zu sich fand, auch wenn er weiterhin dafür arbeiten musste um sein Studium durchführen zu können. An der Universität Lund holte er erst die Hochschulreife nach und begann dann Jura zu studieren, ohne jedoch je ein Examen abzulegen.


Seine Karriere als Autor begann Viktor Rydberg im Jahre 1847 als Journalist beim Jönköpingsbladet um später auch bei der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning fortzusetzen, beide Male unter dem Chefredakteur Johan Sandwall, der in gewisser Weise auch Mäzen des Schriftstellers wurde und die ersten Werke Viktor Rydbergs veröffentlichte und ihm damit die Tür zur literarischen Welt öffnete. In Göteborg fand er unter S. A. Hedlund, dem Herausgeber der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning einen weiteren Wegbereiter.

Neben seiner Arbeit als Journalist in Göteborg arbeitete Viktor Rydberg an einigen seiner bekanntesten Werke, die er jedoch im Laufe der Jahre bei Neuauflagen teilweise ergänzte oder auch erheblich änderte. Sein romantischer Sagen-Roman Singoalla erschien 1857 im Göteborger Kalender Aurora und erst acht Jahre später als Buch. Mit Den sista athenaren führte er im Jahre 1859 in Schweden den Feuilletonroman ein, der gleichzeitig zur Zeitkritik und als Diskussionsbasis benutzt werden konnte und mit Bibelns lära om Kristus legte er sich 1862 mit der konservativen Kirche Schwedens an, da er Jesus die Göttlichkeit nahm und die Dreifaltigkeit verleugnete. Mit diesem Roman gelang es Viktor Rydberg, gehasst oder bewundert, in aller Munde zu geraten.

Ein gewisser Bruch entstand in Viktor Rydbergs Werken mit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere, denn 1876 wurde er an die Universität Göteborg berufen, 1877 in die Svenska Akademien gewählt, 1884 Professor an der Universität Stockholm und 1887 wurde er in die Vetenskapsakademien gewählt, was auch bedeutete, dass seine Werke in den wissenschaftlichen Bereich gezählt wurden, dem Schriftsteller jedoch andererseits auch erlaubte kritische Themen auf anerkannte Weise aufzugreifen.

Während der letzten 20 Jahre seines Lebens schrieb Viktor Rydberg einerseits zahlreiche Gedichte, unter anderem auch das sehr bekannte Betlehems stjärna, das 1893 von Alice Tegnér vertont wurde. Andererseits begann er immer tiefer in der Forschung der germanischen und vor allem nordischen Mythologie aufzugehen, was auch zu den Werken Studier i germansk mytologi und Fädarnas gudasaga führte, die noch heute als bedeutende Quelle der Mythologie dienen.

In diesem Rahmen muss man jedoch bedenken, dass Viktor Rydberg nie in erster Linie Forscher war, sondern Schriftsteller, was natürlich dazu führte, das er auch bei wissenschaftlichen Werken seine Phantasie walten ließ und, ähnlich wie beim Roman Bibelns lära om Kristus eine sehr persönliche Meinung vertrat sowie Handlungen zu einem logischen Verlauf verarbeiten wollte, eine Forderung, die bei germanischer und nordischer Mythologie nicht immer zu erfüllen ist. Die wichtigste Frage, die sich Viktor Rydberg in diesem Zusammenhang stellte, war jedoch, in welcher Weise das wachsende Christentum im frühen Mittelalter die nordische Sagenwelt bereits manipuliert hatte um einen Übergang der Götterwelten zu ermöglichen.

Die geistige Einstellung Viktor Rydbergs wird auch an einem weiteren Ereignis deutlich, denn als er 1890 mit seiner Frau, Susen Emilia Hasselblad, in die Villa Ekeliden in Djursholm (heute Danderyd) zog, ein Neubaugebiet, setzte sich der Schriftsteller dafür ein, dass alle Straßen in seiner Umgebung eine Beziehung zur nordischen Welt der Götter bekamen.

Viktor Rydberg war in gewisser Weise ein Erneuerer der Literatur, aber er sucht im nationalen Zeitstrom des 19. Jahrhunderts seine Themen aus der Vergangenheit des Nordens, was man beim Lesen seiner Werke heute manchmal vergisst.

Am 21. September 1895 starb Viktor Rydberg nach kurzer Krankheit in der Villa Ekeliden. Das Haus wurde nur wenige Jahre später von der Kinderbuchautorin und Künstlerin Elsa Beskow bezogen und Anfang der 50er Jahre abgerissen. Rydbergs Grabmonument mit seiner Statue findet man im Östra kyrkogården in Göteborg.

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16 september 2012

Dan Andersson, zwischen Arbeitergedichten und Wildmark

Dan Andersson wurde am 6. April 1888 in Skattlösberg in Dalarna geboren und starb am 16. September 1920 in einem Hotelzimmer in Stockholm. Auch wenn Dan Andersson meist als Arbeiterdichter bezeichnet wird, so erstrecken sich seine Werke weit darüber hinaus. Hinzu kommt, dass Dan nicht nur Dichter war, sondern auch Prosa schrieb und einige seiner Werke selbst vertonte.

Der Vater Dan Anderssons, Adolf Andersson, war Grundschullehrer im Ort, wo auch Augusta Scherp, seine Mutter, arbeitete. Die väterliche Seite war aus Finnland in Dalarna eingewandert, die Mutter kam aus dem südlichen Belgien, was gleichzeitig bedeutete, dass die Familie zur ärmeren Schicht Schwedens gehörte und Dan Andersson daher früh ins Arbeitsleben einsteigen musste, was seinen Bildungswerk stark beeinflusste.



Seine Grundausbildung erhielt der Schriftsteller vom Vater, für die fortgesetzte Bildung zeigte sich der Künstler aus Autodidakt geeignet, denn ohne großartige Unterstützung lernte er bereits mit acht Jahren Englisch und Violine spielen. Mit 13 wurde er „Blåbandist“, was bedeutet, dass er sich der Bewegung der Antialkoholiker anschloss, die zu jener Zeit auch Volksbildung vermittelten.

Als Dan Andersson im Jahre 1902 gerade einmal 14 Jahre alt wurde, schickte ihn der Vater zu Verwandten nach Amerika um zu erkunden wie das Leben jenseits des Atlantiks war, in der Hoffnung, auswandern zu können und damit der Misere in Schweden zu entkommen. Die Nachrichten, die Dan aus Amerika schickte, zerstörten jedoch die Hoffnungen und am 16. Dezember 1902 war Dan Andersson wieder zurück in der Heimat.

Im Jahre 1905 gab der Vater seinen Beruf als Lehrer auf und zog mit der Familie nach Mårtenstorp um Holzkohle herzustellen. Auch wenn sich die ganze Familie dort mit Schwerstarbeit über dem Wasser halten konnte, so scheiterte das Unternehmen. Das Positive war jedoch, dass Dan Andersson zu dieser Zeit seine ersten Gedichte schrieb an die auch seine Gedichtsammlung Kolvaktarens visor erinnert, die 1915 erschienen.

Auch wenn sich Dan Andersson um diese Zeit bereits eine gewisse Bildung angeeignet hatte, so kam die bedeutendste Wende mit seinen Reisen durch Schweden in den Jahren 1912 und 1913, die er als Vertreter des Templerorden unternahm, denn bei diesem Auftrag war er auch mit der Volksbildung beauftragt. Die Erfahrungen, die Dan Andersson während dieser Zeit machten, waren entscheidend dafür, dass er sich ganz dem Schreiben widmen wollte, sowohl als Journalist, als auch als Autor.

In den Jahren 1914 und 1915 schrieb Dan Anderssson dann nicht nur mehrere Gedichte, die noch heute andere Künstler inspirieren und immer wieder erneut vertont werden, sondern er besuchte auch die Volkshochschule in Brunnsvik um seine Ausbildung zu vervollständigen.

Anschließend begann der Schriftsteller, neben der Arbeit an seinen eigenen Gedichten, Werke von Charles Baudelaire und Rudyard Kipling zu übersetzen. Diese extreme Leistung und sein Können verhalfen ihm 1917 zu einer Anstellung bei der sozialdemokratischen Zeitung Ny Tid in Göteborg, was ihm auch Zeit für weitere Übersetzungen ließ und zu seinen Werken Det kallas vidskepelse und Svarta ballader führte.

Dan Andersson arbeitete nur ein Jahr bei der Ny Tid, wobei sich in dieser Zeit auch seine Art des Schreibens veränderte, denn Dan griff nun immer mehr zu Visionen, zur Mystik und zur Metaphysik um seine Gedanken auszudrücken, die Figuren wurden Menschen, die mit der Existenz kämpfen müssen um in einer grausamen Welt überleben zu können. Es geht immer mehr darum, das Vergangene abzuschließen und ein neues Leben zu beginnen.

Am 19 Juni 1918 Juni heiratete Dan Andersson die Kindergärtnerin Olga Turesson, die Schwester des Troubadours Gunnar Turesson. In diesem Jahr erscheint auch sein Roman De tre hemlösa, eine Auseinandersetzung mit dem starken Glauben jener Zeit, der die freien Gedanken des Einzelnen verhinderte. Nach diesem Werk begann sich der Stil des Autors erneut zu ändern, nicht zuletzt auch durch den Einfluss von Vilhelm Ekelund, denn in den folgenden Gedichten Dan Anderssons wird die Sprache immer komprimierter und drückt nur noch das Wichtigste aus.

Als Dan Andersson am 16. September 1920 im Hotel Hellman in Stockholm übernachtete, weil er sich am kommenden Tag bei der Zeitung Social-Demokraten vorstellen wollte, war das Zimmer vorher mit Zyanid gegen Ungeziefer behandelt worden, jedoch mit einer so großen Menge, dass Dan Andersson in der Nacht davon vergiftet wurde und starb. Zwei Monate nach seinem Tod wurde sein Sohn geboren.

Dan Andersson gehört zu den schwedischen Schriftstellern, die der künstlerischen Welt bis heute ihren Stempel auftragen, denn zahlreiche Musiker interpretieren immer wieder aufs Neue seine Gedichte und in Ludvika gedenkt man des Autors durch eine jährliche Dan-Andersson-Festwoche, die jeweils in der ersten Woche im August organisiert wird.

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6 september 2012

Stefan Oljelund und die Arbeiterbewegung Schwedens

Stefan Oljelund wurde am 6. September 1893 in Sala geboren und starb am 4. Juli 1971 in Göteborg, wo er ab 1921 in den verschiedensten Bereichen aktiv war. Auch wenn man in Biografien zu Stefan Oljelund regelmäßig die Beifügung findet, dass er Journalist und Schriftsteller war, so trifft dies im Grunde nur die halbe Wahrheit, denn Oljelund war in erster Linie ein Verfechter der schwedischen Gewerkschaftsbewegung. Seine Arbeiten als Journalist und Schriftsteller kreisten daher immer um dieses sozialdemokratische Thema.

Stefan Oljelund wuchs in Stockholm als Sohn des Typographen Ferdinand Oljelund und Ida Pettersson auf, was in jener Zeit bedeutete, dass auch Stefan Arbeiter wurde. Mit 15 begann der daher als Metallarbeiter in Eskilstuna, wo er neun Jahre lang tätig war. Um diesem Leben zu entkommen, besuchte er neben der Arbeit die Technische Abendschule, was ihn dann jedoch vollkommen vom Leben als Arbeiter abbrachte, denn 1919 wurde Stefan als Journalist bei der sozialdemokratischen Tageszeitung Folket in Eskilstuna beschäftigt, was im Jahre 1921 wiederum das Sprungbrett zur Göteborger Ny Tid war, ebenfalls eine sozialdemokratische Tageszeitung. Unter dem Kürzel Frid arbeitete Stefan Oljelund dort bis 1961 und endete dort als stellvertretender Chefredakteur.

Aber auch wenn Stefan Oljelund sich sein Leben lang für die sozialdemokratische Bewegung und einen verstärkten Einfluss der Gewerkschaften einsetzte, so verfolgte er eine gewisse Gratwanderung, denn er suchte ab 1936 auch im politischen, im kirchlichen und im wirtschaftlichen Bereich Einfluss zu gewinnen, was natürlich zu Kompromissen führen musste und ihn zu einer etwas moderaten Kraft der schwedischen Arbeiterbewegung machte und seine Vorteile, aber auch seine Nachteile hatte.

Schweden war ab den 20er Jahren in einer Umbruchphase, was die Entwicklung der Sozialdemokratie förderte und letztendlich selbst zum Schwedischen Modell führte. In diesem Rahmen hatte Stefan Oljelund auch ein gutes Publikum für seine Bücher, wobei er hierbei die intellektuelle Lösung wählte und nicht zum Umsturz aufrief, sondern über Erklärungen der geschichtlichen Entwicklung und Fakten eine intellektuelle Schicht der Arbeiter von den Vorteilen des Sozialismus in Schweden überzeugte. Titel wie Arbetare och företagare, Fri eller kontrollerad demokrati oder Arbetarrörelse i Norden zeigen deutlich den Weg den Oljelund gehen wollte und zeichnen ihn auch als einen der bedeutendsten Schriftsteller der schwedischen Arbeiterbewegung aus. Leider war Stefan Oljelund nach dem Zweiten Weltkrieg so stark mit der praktischen politischen Arbeit in Göteborg beschäftigt, dass er ab dieser Zeit die Schriftstellerei vernachlässigte.

Stefan Oljelund heiratete 1926 Nea Olsson mit der er zwei Söhne bekam. Hannes Oljelund arbeitet heute als führende Person beim Schwedischen Fernsehen und Anders Oljelund wurde Diplomat und gilt als Kenner des Sudan.

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5 september 2012

Ebba Lindqvist, Gedichte vom Meer und dem Bohuslän

Ebba Lindqvist wurde am 7. April 1908 in Göteborg geboren und starb am 5. September 1995 in Varberg. Ebba wuchs in Grebbestad im westschwedischen Bohuslän auf, wo ihr Vater, Johan Anton Lindqvist, Lehrer war und eine Abteilung der Guttempler gründete. Hier entdeckte Ebba Lindqvist das Meer und eine Natur, die sie ihr Leben lang prägen sollte.

Ebba Lindqvist besuchte die Volksschule in Grebbestad, die Realschule in Strömstad und machte anschließend ihr Abitur in Göteborg. Im Herbst 1927 schrieb sie sich dann in der philosophischen Fakultät der Universität Uppsala ein, wo ihre beiden Brüder bereits Medizin, beziehungsweise Jura, studierten. Zwischen 1929  und 1933 setzte Ebba ihre Studien jedoch an der Universität in Göteborg fort, wo sie Deutsch, Französisch, Nordische Sprachen, Literaturwissenschaft und Psychologie studierte. Unterbrochen wurde diese Zeit von einem einjährigen Studienaufenthalt im Jahre 1930 in Frankreich und in Leipzig, wo sie die Bekanntschaft der Schriftstellerin Karin Boye machte, der sie auch ihre ersten Gedichte zeigte.


Durch die Aufmunterung von Karin Boye beendete Ebba ihre erste Gedichtsammlung, die bereits 1931 unter dem Namen Jord och rymd bei Bonniers veröffentlicht wurde. Im folgenden Jahr, als Ebba Lindqvist ihr Schlussexamen in Göteborg ablegte, heiratete sie Ivar Galéen, der einen jüdischen Vater in Berlin hatte, was Ebbas zukünftige Leben bedeutend beeinflussen sollte.

Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Göteborg veröffentlichte Ebba Lindqvist im Jahre 1933 den Gedichtband Lava och året, ein Jahr später den Poesieband Liv und 1937 erschien ihr Werk Lyrisk dagbok, die alle mit einem gewissen Erfolg verkauft wurden. Der wahre Durchbruch gelang Ebba dann jedoch 1939 mit Fiskläge, ihrem vermutlich persönlichsten Werk in dem das Meer ihrer Kindheit und ihre Gefühle zum Bohuslän am deutlichsten zum Ausdruck kommen.

1939 wurde die Lage in Berlin für jüdische Bürger extrem kritisch. Ebbas Ehemann konnte seinen Vater gewissermaßen in letzter Minute aus der Stadt retten, da jedoch auch Schweden nicht als sicher galt, wanderten die beiden nach Amerika aus. Ebba Lindqvist folgte ihrem Ehemann mit den beiden gemeinsamen Töchtern nur ein Jahr später. Während der fünf Jahre, die die Familie dann in New York verbrachte, gehörten zu Ebbas Bekanntenkreis Personen wie Nils von Dardel, Yehudi Menuhin oder Sigrid Undset, was ihr den Blick in die menschliche Seele erweiterte. Die Werke Ebba Lindqvists, die diese Zeit am besten ausdrücken, sind Manhattan und Vägen till Jeriko.

Im Jahre 1945 kehrte die Familie zurück nach Schweden, wo Ebba Lindqvist erneut als Lehrerin zu arbeiten begann und bald auch als Kritikerin für die Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning zu arbeitete. Das Ende der 40er Jahre war jedoch von der Rezession, dem Unfall der Tochter, einem häufig kranken Sohn und einer an Asthma leidenden Mutter der Autorin geprägt, eine Zeit, die Ebba in ihrer Gedichtsammlung Labyrint verarbeitet, die 1949 erschien, ein Werk, das ihr den Lyrikpreis der Zeitschrift Ny Tid einbrachte.

Die 50er Jahre waren für Ebba Lindqvist mit zwei längeren Auslandsaufenthalten verbunden, zuerst im Libanon und später in Nairobi, wohin sie ihrem Ehemann jeweils folgte. Auch diese Zeit führte zu neuen Wegen in ihrer Dichtung, was sich in den beiden Poesiwerken Karavan und Resa mellan fyra väggar ausdrückt. Bereits 1966 erschien dann jedoch bereits das letzte Buch Ebbas, Mässa får måsar, mit dem sie auf poetische Weise zurück ans Meer kehrt. Ebba erklärte bei dieser Gelegenheit auch, dass dies ihr letztes Buch sei, da ihr Lebenskamerad sie jetzt benötigen würde. In der Tat arbeitete Ebbe Lindquist dann nur noch kurze Zeit für die staatliche Radioanstalt, schrieb jedoch keine Gedichte mehr.

Nach einem Unfall bekam Ebba Lindqvist eine frühzeitige Pension und 1968 bekam auch ihr Mann nach einem Schlaganfall die Rente. 1974 zog das Ehepaar dann nach Alicante, wo Ivar Galéen 1975 einen zweiten Schlaganfall erlitt, der ihn nahezu lähmte. 1991 kehrte Ebba, sechs Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes, zurück nach Schweden und setzte sich in Varberg zur Ruhe, wo sie 1995 starb.

Die Gedichte von Ebba Lindqvist leben jedoch nicht nur in ihren immer wieder neu aufgelegten Gedichtsammlungen weiter, sondern zahlreiche Gedichte wurden in Ton gesetzt und werden allein daher immer wieder weitergetragen.

Copyright: Herbert Kårlin