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9 maj 2013

Sophie Elkan und der menschliche historische Roman Schwedens

Sophie Elkan, geborene Salomon, wurde am 3. Januar 1853 als Tochter des Kaufmanns Alexander Salomon und dessen Frau Henriette Abrahamson in Göteborg geboren und starb am 5. April 1921 ebenfalls in Göteborg. Elkan war ab 1872 mit ihrem Cousin Nathan Elkan verheiratet.

Die spätere Schriftstellerin wuchs in gut bürgerlichem Milieu auf, wobei der Vater erst wenige Jahre vor der Geburt von Sophie Elken von Stockholm nach Göteborg gezogen war und die Großeltern aus Deutschland eingewandert waren. Die Erziehung war daher etwas offener als jene der meisten schwedischen Frauen jener Zeit. Allerdings machte ihr ihre Herkunft auch einige Probleme, da die junge Elkan Schweden als ihr Heimatland betrachte, sie aber immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass ihre Vorfahren nicht aus diesem Land kommen.

Sophie Elkan, Säve, Kurt & comp., Booklund Förlag, Lund, 1990

Sophie Elkan besuchte Frau Bruenechs Privatschule in Göteborg und machte sich dort damit bemerkbar, dass sie sehr wissbegierig war und sehr früh die Gedichte von Esaias Tegnér las, was die Lehrerin wiederum wenig befürwortete, da ein Mädchen um diese Zeit sich auf die Ehe vorbereiten sollte und zu viel Bildung eher als Nachteil gesehen wurde. Elkan beschreibt diese Erfahrungen in ihrer Novelle Två fågelungar ausführlich, wobei ihr die Meinung der Lehrerin jedoch wenig anhaben konnte, da sie auch von zu Hause zum Lesen angehalten wurde.

Mit 19 Jahren heiratete Sophie Elkan ihren Cousin, der eine Musikbuchhandlung in Stockholm hatte. Ab 1877 begann die Familie, die mittlerweile auch eine Tochter hatte, ihre Reisen in den Süden, die dem Ehemann gegen ein Lungenproblem helfen sollten. Gegen Weihnachten 1879 starb er jedoch an Tuberkulose in französischen Nice und nur einen Tag später starb auch die Tochter. Elkan kehrte nach Göteborg zurück und suchte nun nach einer neuen Beschäftigung.

Nach dem Tod ihres Mannes begann Sophie Elkan zuerst für ihren Bruder als Übersetzerin der Serie Skrifter av uppfostringskonstens stormän, aber schon 1889 erschienen dann Elkans erste Novellen in der Göteborgs Handelstidning, allerdings unter dem Pseudonym Rust Roest. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte Elkan dann auch ihr erstes Buch mit dem Titel Dur och moll. In den darauf folgenden Jahren war die Schriftstellerin ungemein aktiv und veröffentlichte mehrere Bücher mit Novellen, zwei Romane und arbeitete für literarische Kalender.

Im Jahre 1894 lernte Sophie Elkan bei einem Aufenthalt in Stockholm Selma Lagerlöf kennen. Obwohl die beiden Frauen literarisch eine entgegengesetzte Auffassung hatten, da Lagerlöf nach Romantik suchte und Elkan den Realismus, entwickelte sich eine enge Freundschaft, ein langer Briefwechsel und mehrere Reisen, die die beiden Frauen gemeinsam machten, wobei sie sich hier ergänzten, da Elkan ab ihrem 19. Lebensjahr viel unterwegs war und die etwas jüngere Lagerlöf nie zuvor Auslandsreisen gemacht hatte.

Vor allem die gemeinsame Reise in den Mittleren Osten war für beide Frauen auch literarisch ergiebig, denn Lagerlöf schrieb anschließend den Roman Jerusalem und Sophie Elkan den Roman Drömmen om österlandet, die kaum unterschiedlicher sein können und deutlich den Charakter und die Denkweise der Reisegefährtinnen zeigen.

Die literarische Stärke von Sophie Elkan zeigt sich in ihren historischen Romanen, die gewissermaßen mit ihrem Werk John Hall, en historia från det gamla Göteborg aus dem Jahre 1899 einsetzte und wie auch ihre späteren historischen Romane nicht nur auf eine ausführliche Archivarbeit aufbaut, sondern auch auf Legenden mit einer gewissen literarischen Freiheit, denn für Elkan war es wichtig eine historische Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt.

Die Geschichtsromane von Sophie Elkan unterscheiden sich aber auch noch in anderen Punkten von den historischen Romanen jener Zeit, denn die Schriftstellerin schreibt Romane über einzelne Personen, die sie alle als unglückliche Menschen mit einem unglücklichen Schicksal sieht. Und gerade in dieser ausgesetzten Situation macht sie die handelnde Person für den Leser sympathisch, denn in ihrem Buch ist Jacob Johan Anckarström kein verbrecherischer Revolutionär und Gustav IV. Adolf kein Übermensch. Ohne die Geschichtsschreibung zu verfälschen, lässt Sophie Elkan den Menschen mit seinen Schwächen und seinen Fehlern erscheinen.

Sophie Elkan ist für viele Literaturwissenschaftler nahezu ein Anhang zu Selma Lagerlöf und wird deshalb, zu Unrecht, nur mit wenigen Worten in der schwedischen Literaturgeschichte genannt, aber wer einige ihrer historischen Romane gelesen hat, stellt sehr schnell fest, dass Elkan eine ausgereifte Schriftstellerin ihrer Zeit war und sie lediglich die Freundschaft mit Selma Lagerlöf verband.

Sophie Elkan wurde im jüdischen Friedhof in Göteborg begraben. Ihr gesamtes Vermögen hatte sie Selma Lagerlöf vermacht, die nach dem Tode der Autorin einen Raum in Mårbacka mit Elkans Möbel und Bildern einrichtete und damit den sogenannten Elkanrummet schuf.

Copyright: Herbert Kårlin

20 november 2012

Selma Lagerlöf, christliche Literatur und Frauenbewegung

Selma Lagerlöf wurde am 20. November 1858 auf Mårbacka in Östra Ämtervik, Värmland, als Tochter des Leutnants Gustaf Lagerlöf und seiner Frau Lovisa Wallroth geboren. Die Schriftstellerin starb am 16. März 1940 im Alter von 81 Jahren im gleichen Ort, auch wenn sie zwischenzeitlich viele Jahre in Falun lebte.

Bereits bei Geburt hatte Selma Lagerlöf einen Hüftschaden, der unter Umständen dazu führte, dass sie mit dreieinhalb Jahren vorübergehend auf beiden Beinen gelähmt war und sich nie so frei bewegen konnte wie andere Kinder. Wie um diese Zeit üblich im bürgerlichen Milieu, besuchte die Schriftstellerin keine öffentliche Schule, sondern hatte Privatlehrer, die nach Mårbacka kamen und Selma, außer dem üblichen Stoff, auch Englisch und Französisch beibrachten.


Nach eigenen Erzählungen wollte Selma Lagerlöf bereits mit sieben Jahren Schriftstellerin werden, auch wenn sie in dieser Zeit zwar viel las, aber von ihr selbst keine literarischen Anfangswerke vorhanden sind. Als Selmas Vater im Jahre 1868 schwer krank wurde, bat sie Gott ihm das Leben zu lassen und las zu diesem Zweck die gesamte Bibel, was später mehrere ihrer Werke stark beeinflusste. Der Vater wurde gesund und lebte weitere 17 Jahre.

Mit Zwölf begann Selma Lagerlöf ernsthaft Gedichte zu schreiben, wobei sie dabei zur klassischen Versform griff. Erst als ihre Wohltäterin Sophie Adlersparre sie dazu anregte in Prosa zu schreiben und die klassische Schreibart zu verlassen, begann sich Selma von der Lyrik zur Prosa zu bewegen.

Im Jahre 1882 entschied sich Selma Lagerlöf, entgegen der Meinung des Vaters, für ein Lehrerstudium in Stockholm, das sie drei Jahre später mit Erfolg beendete. In dieser Zeit ging es finanziell für die Familie Lagerlöf abwärts und das Gut Mårbacka musste verkauft werden. Selma Lagerlöf begann daher nach dem Studium in der Grundschule in Landskrona zu arbeiten, wo sie bis 1895 blieb.

Nachdem Selma Lagerlöf bei einem literarischen Preisausschreiben der Zeitschrift Idun gewonnen hatte, begann sie ernsthaft zu schreiben, was 1891 zur Veröffentlichung der Gösta Berlings saga führte, einer Beschreibung des Värmlands des 19. Jahrhunderts. Um genügend Zeit für das Buch zu finden, erhielt die Schriftstellerin ein Stipendium von Sophie Adlersparre. Das Buch wurde wegen seinem sachlichen Stil allerdings mit wenig Begeisterung von der Kritik aufgenommen, auch wenn es heute als Meisterwerk der Weltliteratur betrachtet wird.

Ab 1895 widmete sich Selma Lagerlöf ganz der Schriftstellerei und 1897 zog sie mit ihrer Tante Kajsa Lovisa Lagerlöf nach Falun um ihrer Schwester Gerda näher zu sein. In dieser Epoche begann die Schriftstellerin auch mehrere Reisen in Begleitung ihrer Freundin Sophie Elkan durch Europa zu machen, die sie 1900 selbst bis in den Mittleren Osten führten. Die Eindrücke, die Selma während der Reise sammelte, führten zu ihrem Roman Jerusalem.

Im Jahre 1906 wollte Selma Lagerlöf dann ein Geografiebuch über Schweden schreiben, das im Unterricht verwendet werden konnte. Leider vergass sie dabei die Region Halland, was dazu führte, dass Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige nur Belletristik wurde und nicht als Schulbuch anerkannt werden konnte. 

Nach mehrmaliger Nominierung erhielt Selma Lagerlöf im Jahre 1909 als erste Frau Schwedens den Nobelpreis der Literatur. Die Preissumme half ihr dann das geliebte Mårbacka wieder zu erwerben, ohne jedoch dort wieder permanent einzuziehen. 1914 wurde die Schriftstellerin dann auch auf den Stuhl Nummer Sieben der Svenska Akademien gewählt wo sie Albert Theodor Gellerstedt folgte. Auch hier war Selma Lagerlöf wieder die erste Frau, der diese Ehre zuteil wurde.

Selma Lagerlöf hatte jedoch nicht nur als Schriftstellerin eine große Bedeutung, sondern sie engagierte sich in der Lokalpolitik, setzte sich für das Wahlrecht der Frauen ein, war Mitgründerin der Volkspartei und half der Jüdin Nelly Sachs 1940 bei der Flucht nach Schweden. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte sich Lagerlöf, obwohl sie eine Fürsprecherin der Rassenbiologie war, gegen die Judenverfolgung in Deutschland ausgesprochen, was ihre Bücher dort auf die Schwarze Liste brachte. Die Ursache für den Widerstand der Judenverfolgung ist allerdings in ihrem intimen Verhältnis zu Sophie Elkan zu suchen, die ebenfalls jüdischer Herkunft war.

Der sehr intime Briefwechsel Selma Lagerlöfs mit Sophie Elkan und Valborg Olander, die beide Frauenrechtlerinnen waren, zeigt ziemlich deutlich, dass Selma Lagerlöf lesbische Neigungen hatte, die jedoch nie an die Öffentlichkeit gerieten, was von der heutigen Warte aus sehr positiv zu betrachten ist, da Homosexualität in Schweden um diese Zeit noch eine Straftat war. Bei einem offenen oder auch indirekten Bekenntnis zur Homosexualität hätte Selma Lagerlöf weder den Nobelpreis erhalten, noch wäre sie in die Svenska Akademien aufgenommen worden, sondern ihr gesamtes Leben und Schaffen wäre dadurch in andere Bahnen geraten.

Selma Lagerlöf, die bereits zu Lebenszeiten weltberühmt geworden war, starb am 16. März 1940 an einer Lungenentzündung und einer Gehirnblutung, nachdem sie bereits eine Woche lang bewusstlos im Bett gelegen hatte. Nils Holgerssons Reise wurde mittlerweile in 60 Sprachen übersetzt und die Gösta Berlings saga in knapp 50 Sprachen.

Copyright: Herbert Kårlin