Visar inlägg med etikett Tradition. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Tradition. Visa alla inlägg

10 juni 2013

Leonhard Fredrik Rääf und die altschwedische Kultur und Tradition

Leonhard Fredrik Rääf, bekannt unter dem Namen Ydredrotten, wurde am 18. September 1786 als Sohn des Juristen Leonhard Henrik Rääf und dessen Frau Hedvig Charlotta Grönhagen auf dem Gut Tomestorp in Kisa, Östergötland, geboren und starb am 9. Juni 1872 im Alter von 85 Jahren auf dem Gut Forsnäs in Sund. Rääf war ab 1833 mit Christina Jacobina (Jacquette) von Heijne verheiratet.

Wie in jener Zeit sehr üblich in der gehobenen Schicht Schwedens wurde Leonhard Fredrik Rääf zu Hause von Privatlehrern unterrichtet. Bereits mit 16 Jahren erreichte Rääf die Hochschulreife und begann an der Universität Uppsala zu studieren. Im Jahre 1805 machte er das Kanzleiexamen, das ihm Zugang zu einer staatlichen Anstellung bot. Von 1805 bis 1807 teilte er seine Zeit zwischen einer administrativen Tätigkeit und weiteren Studien in Uppsala. In diesem Jahr disputierte er dann an der Universität um anschließend in der Kriegsexpedition zu arbeiten.


In Uppsala verkehrte Leonhard Fredrik Rääf in den literarischen Kreisen, die sich der Romantik und dem Idealismus anschlossen und damit den deutschen und dänischen Strömungen zuwandten. Aber im Gegensatz zu anderen Dichtern jener Zeit, unter anderem Per Daniel Amadeus Atterbom, der in der gleichen Gruppe verkehrte, hatte Rääf seine eigene Vorstellung von Literatur und neigte bei seinen ersten Werken bereits mehr zur Philosophie von Jean Jacques Rousseau und suchte das Natürliche und Einfache in der Natur, ein Ideal, das man oft dem Primitiven zuordnet.

Die literarische Karriere von Leonhard Fredrik Rääf begann nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1810, als der Schriftsteller seine Amtsaufgaben und die politischen Ambitionen ruhen ließ und das väterliche Gut übernahm. Rääf benötigte jedoch das kulturelle Leben Stockholms und pflegte daher seine Kontakte, die er während seines Studiums geschaffen hatte. Der Schriftsteller besuchte daher regelmäßig Stockholm um dort an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen und auch Bücher zu kaufen.

Während eines Aufenthalts in Stockholm im Jahre 1811 wurde der Götiska Förbundet gegründet bei dem Leonhard Fredrik Rääf Mitglied Nummer 15 und Redakteur der Zeitschrift Iduna wurde. Obwohl Rääf sehr viel in Stockholm und Uppsala war und ihn seine Bekannten auch zu Hause besuchten, versuchte der Schriftsteller die Bande noch enger zu halten, was sich an über 7000 Briefen, die er an Freunde, Kollegen und Familienangehörige schrieb, sehr deutlich zeigt.

Als Leonhard Fredrik Rääf aufs Land zog, begann nicht nur seine aktive Tätigkeit als Sammler und Forscher von historischem Gut und Traditionen, sondern er entwickelte sich auch zu einem extremen Feind jedes Fortschritts und jeder Demokratiebewegung, da in seinen Augen dadurch jedes schwedische Ideal und die Ausgeglichenheit der Natur zerstört wird. Sein Einfluss und seine Dominanz in Ydre führten auch dazu, dass Rääf bald den Namen Ydrekungen und Ydredrotten erhielt.

In seiner ersten Schaffensphase interessierte sich Leonhard Fredrik Rääf vor allem für Volksweisen, die er gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Erik Drake und Joachim Nicolas Eggert sammelte und deutete. Diese Arbeiten gingen insbesondere in Erik Gustaf Geijers Svenska folkvisor från forntiden und in Atterboms Nordmansharpan ein und sollten belegen, dass die Urzeit eine harmonische Zeit war in der die schwedische Bevölkerung der Natur nahe stand und dieses Ideal durch den Fortschritt zerstört wird.

In den Folgejahren sammelte Leonhard Fredrik Rääf dann alles, was in irgendeiner Weise mit Volkskunde und Tradition zu tun hatte, also auch Sagen, Rätsel, regionale Ausdrücke und schuf damit die größte regionale ethnographische Sammlung Ydres, zumal Rääf einen extrem hohen Wert darauf setzte so weit wie möglich auch die Ursprünge jedes Liedes und jeder Sage zu finden. Diese Arbeiten erschienen zwischen 1834 und 1842 in der Sammlung Svenska fornsånger, eine Arbeit, die als authentisch gesehen werden muss, da Rääf die Arbeiten der Gebrüder Grimm nicht kannte, also auch nicht davon beeinflusst war wie andere Volksschriftsteller Schwedens.

Ethnographische Aufzeichnungen, regionale Forschungsergebnisse und archäologische Arbeiten von Leonhard Fredrik Rääf, die nicht in die Gruppe von Sagen und Liedern fielen, veröffentlichte der Schriftsteller zwischen 1856 und 1865 in vier Bänden, eine Aufzeichnung, die bis heute für jede Forschung Ydres herangezogen wird. Nach dem Tode des Autors wurde noch ein fünfter Band der Serie veröffentlicht, obwohl auch dieser Band nicht das Gesamtwerk Rääfs in diesem Bereich umfasst.

Während die wissenschaftliche Seite des Werkes von Leonhard Fredrik Rääf von extrem hohem kulturhistorischem Wert ist, muss man bei der Lektüre jedoch beachten, dass der Autor der Meinung war, dass der Adelsstand von Geburt an erworben wird und mit Weisheit verbunden ist, während alle Bauern nur von Sklaven (Träl) abstammen, die keine Bildung benötigen. In seinen Augen waren allgemeine Schulbildung, Industrialisierung und Pressefreiheit die größten Feinde der Entwicklung Schwedens.

Leonhard Fredrik Rääf muss heute daher aus zwei verschiedenen Aspekten betrachtet werden, denn seine wissenschaftlich-literarische Arbeit zur Vergangenheit Ydres leistet noch heute einen wichtigen Beitrag zur Volkskunde Schwedens. Auf der anderen Seite findet man die ultrakonservative Person Rääf, die gegen Dampfer, Eisenbahn, Demokratie und jede Art von Schulbildung für das Volk kämpfe und, wenn auch aus einem idealisierten Denken, Schweden zurück in die Urzeit versetzen wollte, da dort der Ursprung der Welt zu finden war.

Copyright: Herbert Kårlin

2 februari 2013

August Bondeson, der Schriftsteller des schwedischen Volkes

August Bondeson wurde am 2. Februar 1854 als Sohn des Schuhmachers Carl Bondesson und dessen Frau Lisa Beata Nygren in Vessingebro in Halland geboren und starb am 23. September 1906 in Göteborg. Bondeson war nie verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte August Bondeson in Vessingebro und vor allem in Halmstad, wo er auch die Grundschule besuchte bevor er 1876 in Göteborg die Hochschulreife machte. Ab 1876 studierte Bondeson Medizin in Uppsala, setzte dieses Studium ein Jahr lang am Karolinska Institutet in Stockholm fort um dann erneut an die Universität Uppsala zurückzukehren, wo er 1887 sein Medizinstudium beendete und mit der praktischen Ausbildung begann. Am 7. Juni 1889 war Bondeson dann offiziell Arzt.


Auch wenn August Bondeson bereits im Gymnasium eine kleine Gedichtsammlung unter dem Titel Knäppar på lyran veröffentlicht hatte und ab 1871 begann die Sagen Hallands aufzuzeichnen, die er von seinem Vater gehört hatte, so folgte Bondeson seinem Weg als Arzt auf die intensivste Weise. Er vervollständigte seine Kenntnisse in Dermatologie in Kopenhagen, Berlin und Wien, arbeitete im medizinischen Bereich in Stockholm, Uppsala und Falkenberg und ließ sich dann im Jahre 1889 als Arzt in Göteborg nieder.

Obwohl sich August Bondeson voll auf die Medizin konzentrierte, hatte er 1889 bereits 15 Bücher veröffentlicht. Seine gesamte Freizeit hatte Bondeson damit verbracht die Sagenwelt und die Volksweisen Schwedens zu erforschen und zu sammeln, wobei ihm hier auch die Landschaften und selbst Volkstänze, andere Traditionen und die Geschichte der verschiedenen Regionen Schwedens wichtig waren. Der Schriftsteller-Arzt war Ende des 19. Jahrhunderts die Person, die die Volkstraditionen des Landes am besten kannte und sie auf literarische Weise für die Nachwelt konservierte.

Bei seiner literarischen Arbeit überließ August Bondeson nichts dem Zufall, sondern er zeigte sich als Forscher des ländlichen Lebens und der Traditionen, der den Leser in die Räume der Bewohner holte um ihnen dort die Sagenwelt und die Sprichworte des Volkes näher zu bringen. Da Bondeson auch in traditionellen Tanzvereinigungen und mit Mundartforschern verkehrte, gelang es ihm im Laufe seines Lebens jeden Aspekt der schwedischen Traditionen zu beleuchten, wobei der Schriftsteller jedoch nicht nur ein Sammler dieser Kenntnisse war, sondern als Spielmann auch Lieder aufzeichnen und sie spielen konnte. Auf der einen Seite arbeitete daher Bondeson an der Sagenwelt und den Traditionen, die er in Novellen einbettete und zum anderen spielte und überlieferte er die Volkslieder des 19. Jahrhunderts. Seine bedeutendsten Werke in diesem Zusammenhang sind das Liederbuch Visbok und die Novellensammlung Historiegubbar på Dal. Einige der von ihm aufgezeichneten Lieder findet man noch heute in jedem Liederbuch Schwedens.

Ein Schlüsselwerk zu August Bondeson sind die fiktiven Erinnerungen in Skollärare John Chronschoughs momoarer von denen der Autor drei Bände plante, jedoch nur zwei fertigstellen konnte bevor er geistig verwirrt wurde. Diese Memoiren schildern auf die deutlichste Weise die Probleme der ländlichen Bevölkerung bei der Suche nach Bildung, da diese ohne in die Stadt zu ziehen, meist auf halbem Wege stehen blieb und den Betroffenen nur in einen Besserwisser verwandelten.

August Bondeson gehört zu den wenigen Autoren des 19. Jahrhunderts, die Stil und Sprache nicht nur beherrschten, sondern auch mit allen Feinheiten anzuwenden wusste, was man bereits sehr deutlich in seinem Buch Hallings Anna, berättelse ur folklivet sehr deutlich spürt, da hier die Novellenform dabei hilft ein Gesamtbild zu bekommen, da man als Leser mit den verschiedensten Eindrücken in kurzer Folge konfrontiert wird.

Der Schriftsteller August Bondeson gehört, neben August Strindberg, Gustav af Geijerstam und Ernst Ahlgren zu den bedeutendsten Autoren Schwedens, die in den 80er Jahren das Landleben mit in die schwedische Literatur einfließen ließen und damit auch einen Übergang in die literarische Wende der 90er Jahre ermöglichten. Bondeson war jedoch der einzige, der das Leben, das er beschreibt, selbst kannte und in ihm aufgewachsen ist. Die Werke Bondesons sind daher als authentisch zu betrachten und nicht nur als Literatur.

Auch wenn August Bondeson sowohl im Jahre 1881 als auch 1883 ein Stipendium der Svenska Akademien erhielt und damit offiziell im Kreise der Schriftsteller aufgenommen wurde, wird er in der schwedischen Literaturgeschichte kaum genannt. Dies liegt vermutlich daran, dass Bondeson zu einer einfachen Sprache griff und regionale Themen aufnahm, was sich innerhalb der offiziellen Literaturbewegungen immer als ein Hindernis zeigt, da Literaturwissenschaftler die Regionalliteratur meist als nebensächliche Literatur werten.

Copyright: Herbert Kårlin