Visar inlägg med etikett Lieder. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Lieder. Visa alla inlägg

10 juni 2013

Leonhard Fredrik Rääf und die altschwedische Kultur und Tradition

Leonhard Fredrik Rääf, bekannt unter dem Namen Ydredrotten, wurde am 18. September 1786 als Sohn des Juristen Leonhard Henrik Rääf und dessen Frau Hedvig Charlotta Grönhagen auf dem Gut Tomestorp in Kisa, Östergötland, geboren und starb am 9. Juni 1872 im Alter von 85 Jahren auf dem Gut Forsnäs in Sund. Rääf war ab 1833 mit Christina Jacobina (Jacquette) von Heijne verheiratet.

Wie in jener Zeit sehr üblich in der gehobenen Schicht Schwedens wurde Leonhard Fredrik Rääf zu Hause von Privatlehrern unterrichtet. Bereits mit 16 Jahren erreichte Rääf die Hochschulreife und begann an der Universität Uppsala zu studieren. Im Jahre 1805 machte er das Kanzleiexamen, das ihm Zugang zu einer staatlichen Anstellung bot. Von 1805 bis 1807 teilte er seine Zeit zwischen einer administrativen Tätigkeit und weiteren Studien in Uppsala. In diesem Jahr disputierte er dann an der Universität um anschließend in der Kriegsexpedition zu arbeiten.


In Uppsala verkehrte Leonhard Fredrik Rääf in den literarischen Kreisen, die sich der Romantik und dem Idealismus anschlossen und damit den deutschen und dänischen Strömungen zuwandten. Aber im Gegensatz zu anderen Dichtern jener Zeit, unter anderem Per Daniel Amadeus Atterbom, der in der gleichen Gruppe verkehrte, hatte Rääf seine eigene Vorstellung von Literatur und neigte bei seinen ersten Werken bereits mehr zur Philosophie von Jean Jacques Rousseau und suchte das Natürliche und Einfache in der Natur, ein Ideal, das man oft dem Primitiven zuordnet.

Die literarische Karriere von Leonhard Fredrik Rääf begann nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1810, als der Schriftsteller seine Amtsaufgaben und die politischen Ambitionen ruhen ließ und das väterliche Gut übernahm. Rääf benötigte jedoch das kulturelle Leben Stockholms und pflegte daher seine Kontakte, die er während seines Studiums geschaffen hatte. Der Schriftsteller besuchte daher regelmäßig Stockholm um dort an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen und auch Bücher zu kaufen.

Während eines Aufenthalts in Stockholm im Jahre 1811 wurde der Götiska Förbundet gegründet bei dem Leonhard Fredrik Rääf Mitglied Nummer 15 und Redakteur der Zeitschrift Iduna wurde. Obwohl Rääf sehr viel in Stockholm und Uppsala war und ihn seine Bekannten auch zu Hause besuchten, versuchte der Schriftsteller die Bande noch enger zu halten, was sich an über 7000 Briefen, die er an Freunde, Kollegen und Familienangehörige schrieb, sehr deutlich zeigt.

Als Leonhard Fredrik Rääf aufs Land zog, begann nicht nur seine aktive Tätigkeit als Sammler und Forscher von historischem Gut und Traditionen, sondern er entwickelte sich auch zu einem extremen Feind jedes Fortschritts und jeder Demokratiebewegung, da in seinen Augen dadurch jedes schwedische Ideal und die Ausgeglichenheit der Natur zerstört wird. Sein Einfluss und seine Dominanz in Ydre führten auch dazu, dass Rääf bald den Namen Ydrekungen und Ydredrotten erhielt.

In seiner ersten Schaffensphase interessierte sich Leonhard Fredrik Rääf vor allem für Volksweisen, die er gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Erik Drake und Joachim Nicolas Eggert sammelte und deutete. Diese Arbeiten gingen insbesondere in Erik Gustaf Geijers Svenska folkvisor från forntiden und in Atterboms Nordmansharpan ein und sollten belegen, dass die Urzeit eine harmonische Zeit war in der die schwedische Bevölkerung der Natur nahe stand und dieses Ideal durch den Fortschritt zerstört wird.

In den Folgejahren sammelte Leonhard Fredrik Rääf dann alles, was in irgendeiner Weise mit Volkskunde und Tradition zu tun hatte, also auch Sagen, Rätsel, regionale Ausdrücke und schuf damit die größte regionale ethnographische Sammlung Ydres, zumal Rääf einen extrem hohen Wert darauf setzte so weit wie möglich auch die Ursprünge jedes Liedes und jeder Sage zu finden. Diese Arbeiten erschienen zwischen 1834 und 1842 in der Sammlung Svenska fornsånger, eine Arbeit, die als authentisch gesehen werden muss, da Rääf die Arbeiten der Gebrüder Grimm nicht kannte, also auch nicht davon beeinflusst war wie andere Volksschriftsteller Schwedens.

Ethnographische Aufzeichnungen, regionale Forschungsergebnisse und archäologische Arbeiten von Leonhard Fredrik Rääf, die nicht in die Gruppe von Sagen und Liedern fielen, veröffentlichte der Schriftsteller zwischen 1856 und 1865 in vier Bänden, eine Aufzeichnung, die bis heute für jede Forschung Ydres herangezogen wird. Nach dem Tode des Autors wurde noch ein fünfter Band der Serie veröffentlicht, obwohl auch dieser Band nicht das Gesamtwerk Rääfs in diesem Bereich umfasst.

Während die wissenschaftliche Seite des Werkes von Leonhard Fredrik Rääf von extrem hohem kulturhistorischem Wert ist, muss man bei der Lektüre jedoch beachten, dass der Autor der Meinung war, dass der Adelsstand von Geburt an erworben wird und mit Weisheit verbunden ist, während alle Bauern nur von Sklaven (Träl) abstammen, die keine Bildung benötigen. In seinen Augen waren allgemeine Schulbildung, Industrialisierung und Pressefreiheit die größten Feinde der Entwicklung Schwedens.

Leonhard Fredrik Rääf muss heute daher aus zwei verschiedenen Aspekten betrachtet werden, denn seine wissenschaftlich-literarische Arbeit zur Vergangenheit Ydres leistet noch heute einen wichtigen Beitrag zur Volkskunde Schwedens. Auf der anderen Seite findet man die ultrakonservative Person Rääf, die gegen Dampfer, Eisenbahn, Demokratie und jede Art von Schulbildung für das Volk kämpfe und, wenn auch aus einem idealisierten Denken, Schweden zurück in die Urzeit versetzen wollte, da dort der Ursprung der Welt zu finden war.

Copyright: Herbert Kårlin

4 februari 2013

Carl Michael Bellman, der Nationalskalde Schwedens

Carl Michael Bellman wurde am 4. Februar 1740 als Sohn des Sekretärs Johan Arent Bellman und dessen Frau Katarina Hermonia Hermöhia in Stockholm geboren und starb am 11. Februar 1795 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Bellman war ab dem 19. Dezember 1777 mit Lovisa Fredrika Grönlund verheiratet.

Wie in jener Zeit in der gehobenen Schicht üblich, besuchte Carl Michael Bellman nur kurz die Maria Kyrkoskolan, wurde jedoch überwiegend von Privatlehrern unterrichtet. Ein wichtiger Teil der Erziehung bestand im Musikunterricht, wobei Bellman sehr früh die Cister, eine Art Laute, zu spielen lernte und dazu Psalmen vortragen musste.


Im Jahre 1757 wurde Carl Michael Bellman probeweise bei der Reichsbank angestellt. Ein Jahr später schrieb er sich an der Universität in Uppsala ein, die er jedoch sehr bald wieder verließ um zurück an die Reichsbank zu kehren. Da der Skalde mit Geld nicht umgehen konnte, das Gut des Vaters wegen Schulden beschlagnahmt wurde und Carl Michael eine Neigung zum Leben eines Bohemien hatte, musste er jedoch 1759 nach Norwegen fliehen, wo er bis 1863 blieb. Wieder zurück in Schweden konnte er jedoch nicht mehr in der Reichsbank arbeiten und musste sich mit anderen Stellen zufrieden geben.

Die literarische Karriere von Carl Michael Bellman setzte 1757 ein, als er religiöse Gedichte zu schreiben begann, Psalmen verfasste und religiöse Texte übersetzte, eine Tätigkeit, die sich bald änderte, da Bellman es liebte in der Gesellschaft der schwedischen Hauptstadt umzugehen. Da er jedoch das nötige Kapital nicht hatte, bezahlte er ab den 60er Jahren oft mit improvisierten Liedern, die oft um gutes Essen, reichhaltiges Trinken und die Liebe kreisten und das Publikum vergnügten. Bekannt sind auch seine Bibelparodien jener Epoche, vor allem Gubben Noak, ein Lied, das später auch zu einem Kinderlied umgeschrieben wurde.

In den 60er Jahren begann Carl Michael Bellman, der in den Bacchi orden aufgenommen wurde, als Alleinunterhalter bei Festen der gehobenen Stockholmer Schicht aufzutreten, da er nicht nur unterhalten konnte, sondern auch in die Gesellschaft passte und alles was dort stattfand für sich behalten konnte und die Vorfälle beim nächsten Treffen lediglich als Parodie wiedergab, im geschlossenen Kreis selbstverständlich.

Zwischen 1765 und 1769 verkehrte Carl Michael Bellman sehr viel im Hause von Anders Lissander, wo sich auch eine Affäre zwischen Bellman und Ingrid Margareta Lissander anzubahnen schien. Bellman widmete Ingrid Margareta zahlreiche seiner Schöpfungen, die die Angebetete leider alle verbrannte als Bellman sich zu einer anderen Frau hingezogen fühlte.

Ab Frühling 1770 widmete sich Carl Michael Bellman dem Verfassen der Lieder, die als Fredmans epistlar bekannt wurden, die hervorragende Parodien auf die Bibel von Karl XII. waren und erst von acht nicht biblischen Liedern ergänzt wurden, denen später weitere 25 Lieder folgten, die ebenfalls keine biblischen Motive trugen, sondern Personen der Gegenwart im Visier hatten.

Als Gustav III. im Jahre 1772 einen Staatscoup durchführte, nahm Carl Michael Bellman die Seite des Monarchen ein und schrieb das Kampflied Gustafs skål, was ihm eine gut bezahlte Stelle bei Gustav III. einbrachte und ab 1775 eine Pension von 100 Reichstalern, die der König aus seiner eigenen Kasse bezahlte.

Auch wenn Carl Michael Bellman sehr früh mit seiner vielseitigen und sehr reichhaltigen Dichtkunst begonnen hatte und seine Werke veröffentlicht sehen wollte, dauerte es bis 1780 bevor seine religiösen Werke erschienen, allerdings zehn Jahre lang kaum verkauft wurden, da Johan Henric Kellgren den Skalden in einem Gedicht auf das Schärfste angriff und behauptete, dass Bellman all sein Wissen über die Liebe von einem damals bekannten Bordell habe. Dieses Gedicht versperrte dem Skalden über längere Zeit hinweg nahezu alle Türen der bürgerlichen Gesellschaft Schwedens.

Diese Situation hinderte Carl Michael Bellman jedoch nicht daran im Jahre 1783 Bacchi Tempel zu veröffentlichen und 1790 die Fredmans epistlar sowie ein Jahr später Fredmans sånger, ein Buch, das vor allem seine frühen Bibelparodien enthielt. Als 1790 die Fredmans epistlar erschienen, veröffentlichte Bellman diese mit einem Vorwort von Johan Henric Kellgren, der mittlerweile seine Einstellung zum Skalden geändert hatte, ohne dass jedoch die Ursache dieser Wandlung je bekannt wurde.

Die Bedeutung von Carl Michael Bellman muss man vor allem darin sehen, dass er der erste schwedische Humorist war, dem es auch gelang, das Leben im Rinnstein und der Kneipe in die gehobene soziale Schicht zu bringen, denn kein Literat vor ihm konnte sich in diesen Kreisen über die Bibel lustig machen oder die Prostitution als humoristisches Lied präsentieren. Dieser Einzigartigkeit Bellmans verdankt man es, dass der Skalde noch heute international bekannt ist, seine Lieder immer noch aufgenommen werden und er zahlreichen Skalden Schwedens als Vorbild diente.

Carl Michael Bellman, der als der Nationalskalde Schwedens bezeichnet wird und in seinem Einfluss auf die Nachwelt von manchen Literaturwissenschaftlern in der Bedeutung mit William Shakespeare verglichen wird, hatte Zeit seines Lebens finanzielle Probleme, der trotz der Unterstützung von Freunden und des Königs ständig mit seiner Familie umziehen musste und jedes Mal in eine schlechtere Wohnung kam. Als Gustav III. starb, verschwand auch noch seine Pension, die ihm bis dahin zumindest das Überleben garantiert hatte. Als Bellman 1794 wegen unbezahlten Schulden erneut im Stockholmer Schloss eingesperrt wurde, verschlimmerte sich auch sein Gesundheitszustand und wenig später starb der Skalde im Alter von 55 Jahren. Im Jahre 1851 ließ die Svenska Akademien im Klara Friedhof, wo Carl Michael Bellman begraben wurde, einen Erinnerungsstein errichten. Der Nationalskalde  beeinflusste maßgeblich die Werke von Evert Taube, Gunnar Wennerberg, Cornelis Vreeswijk und Fred Åkerström.

Copyright: Herbert Kårlin

6 januari 2013

Johnny Bode, der schwedische Skandalschriftsteller

Johnny Bode wurde am 6. Januar 1912 als Sohn des Strohhutfabrikanten Alvar Bode und dessen Frau Judit Kilander in Falköping geboren und starb am 25. Juli 1983 in Malmö, wo er die letzten Jahre seines Lebens in größter Armut verbrachte.

Seinen Vater traf Johnny Bode allerding nie, da die Eltern bereits in Scheidung lebten als er zur Welt kam. Die ersten Lebensjahre verbrachte Bode daher bei seinem Großvater. Als die Mutter jedoch wenige Jahre später einen neue Ehe einging, so zog die neue Familie mit Johnny Bode nach Stockholm. Die Charakterzüge des jungen Bode, die er vom biologischen Vater hatte, traten jedoch schon bald zu Tage, denn mit zwölf leerte er den Barschrank des Stiefvaters und wurde nahe eines Koma entdeckt. Mit 15 wurde ein Mädchen vom ihm schwanger um das sich der Jugendliche allerdings wenig kümmerte und seinen Sohn Sigurd wollte er nie kennenlernen.


Mit 17 Jahren begann Johnny Bode Lieder zu schreiben, Melodien zu komponieren und viele Lieder auch selbst vorzutragen. Insgesamt schrieb Bode während seines Lebens hunderte von Liedern, die zum Teil heute noch gesungen werden und das gesamte musikalische Spektrum umfassen, denn für Lapp-Lisa schrieb er religiöse Lieder und Jussi Björling trug seine Opernkompositionen vor. Allerdings wussten zu Beginn beide Künstler nicht wer hinter den Liedern stand, da Bode um diese Zeit bereits gezwungen war unter den verschiedensten Pseudonymen zu arbeiten, damit seine Werke auch nur von einem Sänger in Schweden akzeptiert wurden. Sicher war seine Qualität hoch, aber mit dem Namen Johnny Bode wollte ab den 40er Jahren niemand mehr in Schweden verknüpft werden.

Die Person Johnny Bode hatte in Schweden nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg, als er offen für Hitler eintrat, einen schlechten Ruf, denn schon vorher war er dadurch aufgefallen, dass er Lügen von Wahrheiten nicht unterschieden konnte, überall als Zechpreller auffiel, Hotelrechnungen nicht bezahlte und selbst bei Freunden Diebstähle begann, vom Bezahlen mit gefälschten Schecks ganz abgesehen. Auf Grund seines Lebenswandels wurde Bode mehrmals in die Psychiatrie eingewiesen, wo er letztendlich auch zwangsweise sterilisiert wurde.

Auch wenn Johnny Bode mehr als Komponist, Liederdichter und Sänger bekannt wurde, wobei er auch einige Gedichte von Nils Ferlin vertonte, so schrieb Bode außer den Liedern und acht Operetten auch fünf Romane und stahl einen sechsten von seinem Freund Per Meurling, einem Religionshistoriker und Priester, der in seiner Freizeit unter einem Pseudonym pornographische Romane schrieb.

Das erste Buch, das Johnny Bode veröffentlichte, erschien im Jahre 1948 unter dem Titel Han friade i badkaret. Nur zwei Jahre später erschienen bereits Min kärlek var till salu und Dö i tid, wobei alle drei unter den Büchern unter unterschiedlichen Pseudonymen erschienen, die einzige Chance für Bode veröffentlicht zu werden. Das Besondere dieser Bücher ist die Mischung zwischen Literatur, Fiktion und Erotik, was insbesondere bei Dö i tid auffällt, einem bizarren Okkupationsroman in dem nicht nur erotische Exzesse eine Rolle spielen, sondern Bode im Nazideutschland auch „Affenzwerge“ als Druckmittel auftauchen lässt und seiner Phantasie freien Lauf lässt.

Ebenfalls 1950 erscheint auch das autobiographische Buch Brokiga förflutna von Johnny Bode, in dem man die Denkweise des Schriftstellers vielleicht noch am ehesten verfolgen kann, inwieweit dies bei einem Mythomanen wie Bode möglich ist, der selbst allen Ernstes behauptete das Lied „Die schöne blaue Donau“ unter dem Pseudonym Johann Strauss geschrieben zu haben.

Auch wenn Johnny Bode Anfang der 60er Jahre erneut in die Psychiatrie eingewiesen worden war und als unzurechnungsfähig erklärt wurde, so war damit seine Karriere nicht zu Ende, denn kaum, unter gewissen Aufsichtsregeln, entlassen, veröffentlichte er den Skandalroman Jag var en kärlekskonstens mästare, der bedeutend Aufsehen erregte und im Grunde nur einen Nachteil hatte, dass er nämlich von Per Meurling in den 50er Jahren geschrieben worden war und nicht von Bode. Der Rechtsstreit endete jedoch mit einem Vergleich, so dass das Werk nach wie vor unter dem Autoren Johnny Delgada erscheint, einem der mindestens 20 Pseudonyme, die Bode benutzte.

Nach Erscheinen des gestohlenen Buches kam Johnny Bode in Kontakt mit der Underground-Kultur Schwedens. Bode veröffentliche nun, neben seiner bekanntesten Schallplatte Bordellmammas Visor, auch das Buch Sex och Svek, erneut einen erotischen Roman. Der Roman ist auch Ende der 60er Jahre noch so umstritten wie auch seine Schallplatte, was jedoch nur dazu führt, dass beides auch übersetzt wird und auch in anderen Ländern erscheint. Die nicht zu unterschätzende Leistung dabei ist, dass der unzurechnungsfähige Johnny Bode hier auch erstmals in Schweden Homosexualität zu einem öffentlichen Thema macht.

Über die tatsächlichen Leistungen und die Geschichte des Schriftstellers Johnny Bode wurde erste Jahre nach dem Tode Bodes diskutiert ohne dass man bis heute eine klare Linie ziehen könnte. Mittlerweile kamen bereits drei aktuelle Biographien über den Skandalautor des 20. Jahrhunderts auf den Markt, die Bode in gewisser Weise unsterblich machen, nicht zuletzt auch als einen bedeutenden Repräsentanten der erotischen Literatur Schwedens mit der Bode eine bedeutenden Beitrag leistete, der das „sündige Schweden“ der 60er Jahre weltweit ins Gespräch brachte. Der schwedische Staatsfunk widmete Johnny Bode zum 100. Geburtstag ebenfalls eine eigene Sendung, einem Mann, der in den 40er und 50er Jahren nicht mehr im Rundfunk auftauchen durfte.

Copyright: Herbert Kårlin

6 december 2012

Birger Sjöberg, vom Volkslied zum Modernismus

Birger Sjöberg wurde am 6. Dezember 1885 als Sohn der Bekleidungshändler Gustaf Sjöberg und seiner Frau Anna Elisabeth Thorsberg in Vänersborg geboren und starb am 30. April 1929 in Växjö an Lungenentzündung. Die Stadt seiner Jugend war die einzige am Vänern, die damals auf jede moderne Einrichtung verzichtete und in den Werken des Schriftsteller und Poetens eine wichtige Rolle spielt.

Die Kindheit verbrachte Birger Sjöberg in einem gehobenen bürgerlichen Milieu, was sich jedoch mit seinem dreizehnten Lebensjahr änderte, da die Eltern wegen der steigenden Konkurrenz um diese Zeit ihren Laden aufgeben mussten und daher ihre drei Kinder an die eigene Versorgung denken mussten. Für Sjöberg verursachte dies einige Probleme, da er sich nie mit der Schule anfreunden konnte und keinerlei Abschluss hatte.


Bereits während der letzten Schuljahre hatte Birger Sjöberg begonnen Gedichte und Satiren zu schreiben, die er in der handgeschriebenen „Zeitung“ Frän veröffentlichte, die er jedoch 1902 einstellte. Zwischen 1902 und 1907 erschienen dann jedoch etwa 30 seiner Werke in der humoristischen Zeitschrift Karbasen.

Im Jahre 1899 begann Birger Sjöberg in Vänersborg als Fotografenlehrling, ein Jahr später begann er in Stockholm eine Lehre als Goldschmied, die er bald gegen eine Arbeit als Verkäufer tauschte. Bereits 1901 war Sjöberg zurück in Vänersborg, wo er anschliessend einige Jahre lang in einer Eisenhandlung Verkäufer war. Bereits 1906 verließ er jedoch Vänersborg endgültig und ging erneut nach Stockholm, wohin er auch seine Eltern holte und seine beiden Brüder arbeiteten. Dort arbeitete er sich langsam zum Journalisten im Stockholms Dagblad hoch, der Zeitung in der er auch mehrere seiner Gedichte über Frida veröffentlichte.

Nur ein Jahr später kehrte Birger Sjöberg für einige Tage zurück nach Vänersborg und bat seine Jugendliebe Karin Lustine um ihre Hand, die ihm allerdings von seiner Angebeteten verweigert wurde, eine Geschichte, die nicht zuletzt dadurch mehrmals in der schwedischen Literatur verarbeitet wurde.

Einige Jahre später zog Birger Sjöberg, begleitet von seinen beiden Brüdern, nach Helsingborg, wo er als Redaktionssekretär in der Helsingborgs-Posten arbeitete. Seine Gedichte hatten dort allerdings weitaus weniger Erfolg als in Stockholm, so dass er sie nur noch im kleinen Kreis vortragen konnte ohne sie jedoch veröffentlichen zu können.

Im Jahre 1918 zog Birger Sjöberg nach Ramlösa und drei Jahre später kaufte er sich dort die Villa Daghill, die er den Rest seines relativ kurzen Lebens bewohnte. In Ramlöse begann Sjöberg wieder aktiver zu schreiben und 1922 erschien dann sein erster Gedichtband Fridas bok, Gedichte, die Sjöberg auch vertont hatte. Sjöberg versuchte das Werk eine Zeitlang bei öffentlichen Auftritten zu verkaufen, was er jedoch wegen seiner Panik vor Publikum bald einstellte, obwohl die Vorstellungen den Verkauf bedeutend förderten.

Zwei Jahre später erschien Birger Sjöbergs Roman Kvartetten som sprängdes, der unmittelbar zu einem großen Erfolg wurde, da der Schriftsteller in diesem Roman das Kleinstadtleben auf unterhaltsame und amüsante Weise beschrieb und damit im gleichen volksnahen Stil blieb wie bei Fridas bok.

Als dann 1926 die Gedichtsammlung Kriser och kransar von Birger Sjöberg erschien, kam für den Dichter die kalte Dusche, denn Kritik und Leser konnten mit dem schwer zu lesenden Werk nicht viel anfangen, da diese Poesie nichts mit dem amüsanten Geplätscher der vorherigen Werke zu tun hatte. Sjöberg hat mit diesen Gedichten vermutlich die größte Leistung gebracht und sich in einen ernsthaften Dichter der modernen Zeit verwandelt, aber der Schock für das Publikum, das etwas anderes erwartete, war zu groß.

Nach der niederschmetternden Kritik zog sich Birger Sjöberg weitgehend zurück ohne jedoch auf das Schreiben zu verzichten, wobei er in diesen letzten drei Jahren vor allem modernere Gedichte schrieb, die zum Großteil bis heute nicht veröffentlicht wurden.

Als Birger Sjöberg im Jahre 1929 im Stadthotel in Växjö an einer Lungenentzündung stirbt, hinterlässt er eine Vielzahl an Aufzeichnungen und Gedichten, die heute in der Universitätsbibliothek in Göteborg aufbewahrt werden. Da diese jedoch nicht datiert sind und zudem selbst für Literaturwissenschaftler teilweise unverständlich sind, erschien nach dem Tod des Schriftstellers lediglich noch Fridas andra bok und Fridas tredje bok.

Bereits nach Erscheinen des Buches Fridas bok wurde Birger Sjöberg allgemein mit Carl Michael Bellman und Evert Taube verglichen, auch wenn seine Gedichte nicht so leicht zu vertonen waren wie jene von Bellman und Taube und sich seine Ironie vor allem auf das Leben in einer schwedischen Kleinstadt bezog.

Copyright: Herbert Kårlin

3 oktober 2012

Lina Sandell-Berg und 1700 Gedichte

Lina Sandell wurde am 3. Oktober 1832 in Fröderyd (heute Vetlanda) im Småland als Tochter des Priester Jonas Sandell und seiner Frau Fredrika geboren und starb am 28. Februar 1938 in Stockholm. Während Lina Sandell ihre Werke normalerweise nur mit L.S. unterschrieben hat, wird Carolina Wilhelmina Sandell von Autoren unterschiedlich als Lisa Sandell, Lisa Berg (wie sie nach der Ehe hieß) oder auch Lina Sandell-Berg bezeichnet. Sie selbst benutzte allerdings nie den Doppelnamen.

Die am 13. Juli 1863 geborene Schauspielerin Lina Sandell hat nichts mit der Schriftstellerin zu tun, auch wenn sie in der Öffentlichkeit den gleichen Namen trug.


Über die Kindheit und Jugend von Lina Sandell ist sehr wenig bekannt, außer dass sie sehr häufig krank war und als gebrechlich galt. In dieser Zeit begann sie auch Gedichte zu schreiben. Im Laufe ihres Lebens entstanden über 1700 Gedichte, die sie überwiegend in Kalendern veröffentlichte ohne dass diese jedoch je in Buchform veröffentlicht wurden. An diese Epoche erinnert jedoch ein kleines Museum, das im Fröderyds Pfarrhof eingerichtet ist und ihre Skulptur, die 50 Jahre nach ihrem Tod unter ihrem Lieblingsbaum aufgestellt wurde.

Lina Sandells Leben war eine einzige Prüfung, denn nicht nur, dass sie als Kind ständig krank war, ihr Vater ertrank 1858 im Vättern, die Mutter starb zwei Jahre später und das ihr einziges Kind überlebte die Geburt nicht. Die letzten Jahre ihres Lebens wurde sie zusätzlich dement und verlor ihre Sprache vollständig. Ihr Mann starb ein halbes Jahr nach ihrem Tod an Diabetes.

Die schriftstellerische Karriere begann für Lina Sandell nur zwei Jahre bevor sie 1867 den um sieben Jahre jüngeren Kaufmann und Politiker Oscar Berg heiratete und in seinem Verlag in Stockholm als Redakteurin zu arbeiten begann, denn schon 1865 hatte die Schriftstellerin für den christlichen Kalender Korsblomman Gedichte und Novellen geschrieben, eine Tätigkeit, die sie bis 1902 fortsetzte. Diese Kalender erzielen heute antiquarisch beachtliche Preise.

Für den Verlag ihres Ehemannes schrieb Lina Sandell überwiegend Texte und Lieder, die für die Sonntagsschule bestimmt waren, wobei 1874 ihr Werk Berättelser för söndagsskolan erschien und zwischen 1882 und 1892 die drei Bände Samlade sånger. Da sehr viele Gedichte, die Lina Sandell schrieb, einen christlichen Inhalt haben, wurden hunderte von ihnen zu Psalmen der Svenska Kyrkan, wobei jedoch auch einige davon die gesamte Welt eroberten. Werke wie Blott en dag oder Jag frågar ej werden nicht nur in Kirchen, sondern auch von bekannten Künstlern in Konzerthallen aufgeführt.

Da Lina Sandell ihre Arbeit, auch ihre zahlreichen Übersetzungen, nie selbst als literarische Werke betrachtete und weder sie noch ihr Ehemann an eine Vermarktung dachten, gehört die Schriftstellerin zu jenen, die in der schwedischen Literaturgeschichte nahezu vergessen ist, obwohl ein Teil ihrer Werke in Form von Psalmen und Liedern noch heute weiterleben und manchen Menschen Kraft geben. Wenig bekannt ist auch die Zensur, der die Werke der Autorin unterlagen, denn jedes „Mutterherz“, das sie schrieb und jede „Mütterlichkeit Gottes“ wurden noch in den 70er Jahren von Brüderlichkeit und Vaterherz ersetzt.

Copyright: Herbert Kårlin