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11 maj 2013

Ernst Gustaf Lundquist und die literarische Entdeckung Italiens

Ernst Gustaf Lundquist wurde am 3. Februar 1851 als Sohn des Arztes Gustaf Mauritz Lundquist und dessen Frau Catharina Charlotta Rydström in Nyköping geboren und starb am 18. Januar 1938 in Stockholm. Lundquist war ab 1882 mit Ida (Iris) Amalia Hoflund verheiratet.

Bereits bevor Ernst Gustaf Lundquist in Norrköping seine Hochschulreife machte und sein Studium an der Universität Uppsala begann, zeigte er seine Neigung zur Literatur. Seine Lehrer lobten seine Fantasie und die Lokalzeitungen im Södermanland druckten zahlreiche seiner Novellen. Acht dieser Novellen erschienen noch 1869 unter dem Pseudonym Stern unter dem Titel Första försöken.

Foto: UUB, Schwedisches Reichsarchiv

Das Studium in Uppsala machte kaum Fortschritte und Ernst Gustaf Lundquist verließ die Universität nach einigen Jahren ohne jeden Abschluss. Dafür hatte er in dieser Zeit den Einakter Cornelius Nepos geschrieben, der wiederum einige Jahre später Premiere im Nya teatern in Stockholm hatte. Die Aufführung seines Stückes nahm Lundquist auch zum Anlass sich ganz dem Schreiben zu widmen, sowohl als Literat als auch als Dramaturg.

Da Ernst Gustaf Lundquist noch während seines Studiums einige Zeit Theater in Paris studiert hatte und gut Französisch sprach, wurde er allerdings weniger als Manuskriptschreiber beschäftigt, sonder überwiegend als Übersetzer französischer Salon-Drama, die er auch für die schwedische Bühne anpasste. Auf Grund seiner Leistungen und dem Erfolg einiger eigener Stücke wurde Lundquist 1881 literarischer Ratgeber des Dramaten in Stockholm.

Parallel zu seiner Arbeit an den Stockholmer Theatern schrieb Ernst Gustaf Lundquist auch für verschiedene Zeitungen Schwedens mit literarischem Einschlag, unter anderem für das Svenska Familj-Journalen, Idun, Nornan und für die Ny Illustrerad tidning. Bereits die Wahl der Zeitschriften für die Lundquist arbeitete, zeigt, dass der Schriftsteller eine einfache Sprache wählte um eine möglichst große Schicht an Lesern anzusprechen. Viele Literaturwissenschaftler bezeichnen den Autor daher als einen der letzten Erzähler des 19. Jahrhunderts und vergleichen ihn in gewisser Weise mit August Blanche und mit Emilie Flygare-Carlén.

Während der ersten Phase seiner literarischen Karriere bleibt Ernst Gustaf Lundquist auch bei seinen Novellen und Romanen dem Theater treu, da er dieses Leben am besten kennt. Werke wie Smink, Skuggor och ljusglimtar oder Konstnärsblod sind daher glaubwürdige Erzählungen und erlauben dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen des Theaters und dessen Philosophie.

Die wahre Stärke von Ernst Gustaf Lundquist zeigt sich jedoch in seinen späteren Werken, die in Italien spielen und mit Påskägget im Jahre 1902 eingeleitet werden, denn hier bietet der Schriftsteller die Wärme und die Farben des Landes jenseits der Alpen und schafft sehr persönliche Werke, die eine Mischung aus Kulturgeschichte, Reiseschilderung und Essay sind. Der Schriftsteller lässt hier Worte spielen, auch wenn man bei einigen der Novellen und Romane dieser Zeit noch den Einfluss von Paul Heyse spürt, der ebenfalls mit seinen Italien-Romanen den großen Durchbruch hatte.

Die literarische Karriere von Ernst Gustaf Lundquist begann in der Jugend und endete erst kurz vor seinem Tod. Auch wenn man deutlich eine Steigerung seiner Leistungen und seiner Ausdrucksfähigkeit sieht, so findet man bei diesem Schriftsteller keinerlei Beeinflussung von literarischen Strömungen. Der Autor verzichtet auch auf deutliche Tendenzen zur Religion oder eine politischen Linie, sondern er bleibt sich selbst treu. Dies hatte allerdings auch den Nachteil, dass Lundquist außerhalb der literarischen Kreise Schwedens blieb, die ihm den Weg zu einem bedeutenden Platz in der schwedischen Literaturgeschichte geboten hätte.

Heute ist die Literatur von Ernst Gustaf Lundquist nahezu vergessen, nicht jedoch seine Leistung als unermüdlicher Übersetzer von Belletristik und von Theaterstücken aus sieben Sprachen, denn noch heute sind einige seiner Übersetzungen von Oscar Wilde und Jack London in Schweden im Handel.

Ernst Gustaf Lundquist übersetzte parallel zu seinem eigenen literarischen Schaffen etwa 300 Werke und brachte dem schwedischen Publikum insbesondere Alphonse Daudet, Émile Zola, Pierre Louÿs und Jack London näher, die erst durch den Schriftsteller ihren Weg nach Schweden fanden. Lundquist war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der zuverlässigsten literarische Übersetzer Schwedens, der auch dafür bekannt war, dass seine Übersetzungen den Originalen sehr nahe kamen und der Autor die Seele des ursprünglichen Schriftstellers fühlen konnte.

Copyright: Herbert Kårlin

22 mars 2013

Tor Hedberg und der psychologische Roman

Tor Hedberg wurde am 23. März 1862 als Sohn des Schriftstellers Frans Hedberg und dessen Frau, der Schauspielerin Julia Amanda Carolina Broman, in Stockholm geboren und starb am 13. Juli 1931 ebenfalls in der Hauptstadt Schwedens. Hedberg war mit der Schauspielerin Amanda Kristina (Stina) Sofia Ulrika Holm verheiratet.

Bereits mit elf Jahren soll Tor Hedberg seinem Vater ein Gedicht zum Geburtstag geschrieben haben nach dem er dem Weg des Vaters gehen wollte und sich entschieden hatte später Schriftstellers zu werden. Wie viel der junge Hedberg dann in den Folgejahren jedoch schrieb, ist unbekannt, denn 1880 schrieb er sich an der Universität Uppsala für Philosophie ein und seine ältesten erhaltenen Schriften gehen lediglich bis zu dieser Zeit zurück.


Die ersten Jahre in Uppsala schrieb Tor Hedberg auch seine ersten Romane, die noch vollständig unter dem Einfluss von Émile Zola standen und daher dem nachdenklichen Realismus der 80er Jahre folgten. Die Schwermut Hedbergs, die sich bereits in seiner Jugend zeigte, wirkt sich auch auf das Schreiben aus, denn die ersten Romane werden zu psychologischen Charakterstudien, die sich bis zu seinem Roman Judas im Jahre 1886 hinziehen.

Nach dem Roman Judas und unter dem Einfluss seiner Freunde Oscar Levertin und Karl Staaff, mit denen er auch den Verein Verdani gründet, geht Tor Hedberg zur Nationalromantik über. Eine große Bedeutung hat hierbei sicher auch seine unglückliche Verbindung zur zehn Jahre älteren Freiherrin Sigrid von Mecklenburg, denn in seinen folgenden Romanen sind die Hauptmotive oft Einsamkeit und eine unglückliche Liebe, von den Problemen Vater-Sohn, die man während der gesamten Schaffensphase des Schriftsteller finden kann, abgesehen.

Die Bindung zum Vater spürt man bei Tor Hedberg sehr deutlich, wobei man oft das Gefühl bekommt, dass er gleichzeitig unter dem Druck des Vaters leidet, der bereits 1881 Tors Einakter I lugnet im Stora Teatern in Göteborg aufführen ließ, wo Frans Hedberg zu dieser Zeit als Theaterdirektor arbeitete. Aber auch die Novellen, die Hedberg die ersten Jahre über schrieb spielten meist im gleichen Milieu, das der Vater für seine eigenen Werke bereits benutzt hatte.

Zeit seines Lebens gelang es Tor Hedberg nicht eine klare Linie in sein Schaffen zu bringen, so dass er teilweise parallel für die Presse sowie für das Theater schreibt und neben schöngeistigen Roman auch Gedichte verfasste.

Eine sehr ähnliche Linie zeigt sich auch bei seinem beruflichen Werdegang, dann nach seinem Studium in Uppsala wird Tor Hedberg erst Privatlehrer, von 1897 bis 1907 arbeitet er als Kunst- und Literaturkritiker für das Svenska Dagbladet (SvD), von 1910 bis 1922 wird er Chef des Dramaten um anschließend als Kunstkritiker für die Dagens Nyheter (DN) zu schreiben. Seine letzte Aufgabe übernimmt er dann als Intendant bei der Thielska Galerie in Stockholm.

Den größten Erfolg hatte Tor Hedberg nicht als Autor von Romanen, Gedichten und Kunstmonographien, sondern als Dramatiker, da er durch sein Interesse für die Psychologie in der Lage war jeder handelnden Person auch die am besten geeigneten Charakterzüge zu verleihen.

Am häufigsten gespielt und am bekanntesten wurde unter den zahlreichen Theaterstücken von Tor Hedberg das Stück Johan Ulfstjerna, das später auch verfilmt wurde. Auch in seinen Dramas behandelt Hedberg sehr häufig das Vater-Sohn-Problem, das für ihn erst 1927 mit dem Stück Rembrandts son als abgeschlossen gelten kann und auch bei Johan Ulfstjerna eine tragende Rolle spielt.

Als Dramatiker hat Tor Hedberg die Arbeiten von Hjalmar Bergman und Pär Lagerkvist sehr stark beeinflusst, die vom Ausdruck, den Hedberg seinen Personen gab, stark beeindruckt waren. Seine Arbeit im Dramaten, wo er die Möglichkeit hatte seine Stücke so aufzuführen wie er sie selbst sehen wollte, war weniger erfolgreich, denn sehr schnell wurde kritisiert, das er alle wichtigen Positionen auf und hinter der Bühne seiner Familie und seinen Freunden gab. Diese Machenschaft führte letztendlich auch dazu, dass der die Leitung des Dramaten im Jahre 1921 nicht mehr fortführen durfte.

Tor Hedberg wurde 1922 in die Svenska Akademien gewählt und nahm dort, nach Ivar Afzelius, auf dem Stuhl Nummer 4 Platz. 1927 wurde Hedberg auch die Ehrendoktorwürde der Universität Stockholm verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

13 november 2012

Werner Aspenström und die Poesie der 40er Jahre

Werner Aspenström wurde am 13. November 1918 als Sohn des Landwirts Karl A. und seiner Frau Anna Eriksson in Norrbärke in Dalarna geboren. Der Poet starb am 25. Januar 1997 in Stockholm. Da der Vater nur wenige Monate nach der Geburt von Aspenström starb, wuchs dieser, gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern, in ärmlichen Verhältnissen mit der Mutter auf.

Die finanzielle Situation der Familie ließ Werner Aspenström nicht an eine höhere Ausbildung denken, sondern zwang ihn nach der sechsjährigen Volksschule in Stimmerbo unterschiedliche Arbeiten in der Forstwirtschaft und dem Bergbau anzunehmen und die Familie finanziell unterstützen.


Zwischen 1936 und 1938 besuchte Werner Aspenström die Volkshochschule in Sigtuna, wenig später ging er nach Stockholm, wo er erst die Hochschulreife nachmachte und ab 1841 Philosophie studierte. Noch während seines Studiums stellten sich dann die Weichen für Aspenström, denn auf der Stockholmer Schäreninsel Kymmendö lernte er seine spätere Frau Signe Lund kennen, er veröffentlichte seinen ersten Gedichtband Förberedelse. In der gleichen Zeit begann er auch für die literarische Zeitschrift 40-tal zu schreiben.

Mit seinem zweiten Gedichtband Skriket och tystnaden im Jahre 1946 zeigte Werner Aspenström dann deutlich seine Zugehörigkeit zu den Literaten der 40er Jahre, die die klassische Einstellung zu Lyrik und Prosa aufgaben um neue Wege zu suchen.  Und mit Snölegend mit seiner ausgeprägten Symbolsprache im Jahre 1949 kam der große Durchbruch für den Poeten, der allerdings bereits wieder auf der Suche nach einer neuen Ausdrucksmöglichkeit war, die von der symbolischen Bildsprache zum Realismus und Naturalismus führten.

Obwohl Werner Aspenström außer vierzehn Gedichtbänden auch Prosa, ein Kinderbuch, Essays und fünf Bände mit Theaterstücken schrieb, war seine Poesie so stark und ausdrucksstark, dass seine anderen Werke dadurch kaum beachtet wurden, auch wenn mehrere dieser Werke bedeutend sind wenn man einen Zugang zum Autor Aspenström finden will. Insbesondere seine autobiografischen Werke, allen voran das Prosawerk Bäcken aus dem Jahre 1958 und Sommar aus dem Jahre 1968, zeigen ein mehr realistisches Bild des Poeten und Schriftstellers als seine poetischen Werke.

In den 60er Jahren blieb Werner Aspenström seiner um diese Zeit „klassischen“ Schreibweise treu, was ihn den akademischen Schriftstellern näherte, aber auch bedeutete, dass er von den Arbeiterschriftsteller, die um diese Zeit dominierten, als elitär abgestempelt wurde und kaum neue Leser gewinnen konnte.

Im Jahre 1976 wurde Werner Aspenström die Ehrendoktorwürde in Philosophie verliehen und 1981 wurde er auf den Stuhl Nummer 12 der Svenska Akademien gewählt, wo er Sten Lindroth ersetzte. 1989 gehörte er zur Gruppe der Schriftsteller, die nicht mehr an den Aktivitäten der Vereinigung teilnahmen, da die Akademie im Fall Salman Rushdie keine Position einnehmen wollte. Im gleichen Jahr trat er auch aus dem Författerförbundet und dem schwedischen PEN-Klub aus.

Werner Aspenström starb kurz nachdem er seinen letzten Gedichtband Israpport beendet hatte, der bereits vom nahen Tod erzählt. Der Gedichtband wurde erst nach seinem Tode veröffentlicht.

Copyright: Herbert Kårlin