Visar inlägg med etikett Übersetzer. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Übersetzer. Visa alla inlägg

20 juni 2013

Arnold Norlind und die Faszination für Dante Alighieri

Arnold Norlind wurde am 17. Juni 1883 als Sohn des Priesters Lars Christensson und dessen Frau Johanna Norlind in Vellinge in Skåne geboren und starb am 17. Februar 1929 im Alter von 45 Jahren in Stockholm. Norlind war ab 1922 mit der Schriftstellerin Emilie Maria Fogelklou verheiratet.

Durch den Privatunterricht im Haus und seinen Vater kam Arnold Norlind sehr früh in Berührung mit den klassischen Sprachen, was vermutlich auch der Anlass dazu war, dass er 1901 nach seiner Hochschulreife an der Universität Lund Geografie, Literaturgeschichte,  Kunstgeschichte, romanische Sprachen, Geschichte, Deutsch, Astronomie und Ästhetik studierte.

Arnold Norlind, Skapande liv - Studier och bekännelser, Albert Bonnier Förlag, Stockholm, 1929

Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1912 wurde Arnold Norlind Dozent für Geografie in Lund. Als 1922 sein Dozentenstipendium auslief, verließ Norlind die Universität um Lehrer an der Birkagårdens Volkshochschule Lehrer zu werden. Allerdings dauerte diese Tätigkeit nur wenige Jahre, da Norlind an einer TBC an der Luftröhre erkrankte an der er wenige Jahre später auch sterben sollte.

Auch wenn Arnold Norlind bereits ab Ende seiner Studienzeit als Autor bekannt wurde, so erschienen bis 1917 nur wissenschaftliche Werke, insbesondere zur Geografie, später auch zur Entdeckungsgeschichte und der Kolonisation. Ob Norlind um diese Zeit bereits Gedichte schrieb, ist nicht zu sagen, da zahlreiche Gedichte und Essays erst sehr viel später nach Manuskripten veröffentlicht wurden. Auch die Tagebuchaufzeichnungen des Schriftstellers erschienen erst posthum.

Das erste rein literarische Werk von Arnold Norlind ist das Buch Grekiska hjältesagor aus dem Jahre 1917, dem Jahr, in dem er auch sein Lebenswerk, seine Arbeiten über Dante Alighieri, beginnt, wobei der Schriftsteller hierbei nur einige Teile der Divina Commedia übersetzt, da ihm wichtiger ist dem Gesamtwerk des philosophischen Schriftstellers eine neue Deutung zu bieten und das Leben und Wirken Dantes zu beleuchten.

Dantes Werk faszinierte Arnold Norlind nicht nur von philosophischen und psychologischen Aspekten, sondern er konnte auch seine wissenschaftlichen Kenntnisse in Geographie einbinden, was man bereits beim ersten dieser Werke feststellen kann, denn Norlinds erstes Werk über Dante behandelt die Beziehungen zwischen Wasser und Erde in der bekannten Welt.

Da Arnold Norlind jedoch alle Aspekte beschreiben wollte, die Dante beeinflussten und dabei selbst die politischen und sozialgeographischen Beziehungen der Zeit für wichtig nahm, konnte der Schriftsteller das Werk durch seinen frühen Tod nicht mehr zu Ende führen, auch wenn seine Arbeiten zu jener Zeit die bedeutendsten waren, die über Dante existierten und heute noch eine wichtige Quelle für Dante-Forscher aus aller Welt sind.

Auch die Reisen von Arnold Norlind, die vor allem seinem Interesse an Geografie galten, führten zu einer Reihe an populärwissenschaftlichen Abenteuerbüchern von kulturhistorischem Treffen, da der Schriftsteller nicht erfinden wollte, sondern seine Werke nach Dokumenten schrieb. Sein Buch Henrik Sjöfararen aus dem Jahre 1918 beschrieb, zum Beispiel, eine Reise rund um Afrika aus dem 15. Jahrhundert und seine Studie Fernäo Magalhäes bietet eine Übersicht über die bedeutendsten Forschungsreisen der Vergangenheit.

Eine gewisse Sonderrolle nehmen einige Übersetzungen Arnold Norlinds ein, die er bereits während seiner Studienzeit ausführte und die vor allem in Zeitschriften veröffentlicht wurden. Da es sich dabei vor allem um holländische Gedichte und einige Übersetzungen von Friedrich Hölderlin handelt, die wenig mit den Hauptinteressen des Autors zu tun haben, ist es schwer zu sagen ob diese Übersetzung nur der Geldeinnahme dienten oder aber ob Norlind um diese Zeit vorhatte Schriftsteller zu werden.

Erst im Jahre 1944, 15 Jahre nach dem Tod von Arnold Norlind, veröffentlichte seine Frau, die Schriftstellerin Emilie Maria Fogelklou, das Buch „Arnold“ in dem sie ihr Leben mit dem Autor erzählt. Dieses Buch entwickelte sich zu einem Kultwerk und wird regelmäßig neu aufgelegt, letztmals im Jahre 2009, was zeigt, wie bedeutend Norlind innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich war.

Copyright: Herbert Kårlin

31 maj 2013

Erik Lindegren und die modernistische Lyrik Schwedens

Erik Lindegren wurde am 5. August 1910 als Sohn des Ingenieurs Ernst Tullius Lindegren und dessen Frau Alma Elisabet Elfgren in Luleå geboren und starb am 31. Mai 1968 in Stockholm. Lindegren war in erster Ehe mit Laila Bill und in zweiter Ehe mit der Museumschefin Karin Bergqvist verheiratet.

Da der Vater von Erik Lindegren Ingenieur bei der Eisenbahn war, zog die Familie sehr häufig um und der Junge entdeckte sehr früh nahezu ganz Schweden. Die Schule begann er in Malmö, setzte sie jedoch in Kiruna fort um jedoch in Östersund die Hochschulreife abzulegen, da es in Kiruna kein Gymnasium gab. Das Elternhaus war bürgerlicher gehobener Mittelstand, der es der Familie erlaubte die Sommer jeweils im Badeort Ängelholm zu verbringen.

Erik Lindegren, Mannen utan väg, Podium Förlag, Stockholm, 2000

Die literarischen Interessen von Erik Lindegren zeigten sich bereits sehr früh, denn er begann bereits im Gymnasium Gedichte für Heimdall, die Zeitschrift der Schule, zu schreiben und wurde auch deren Redakteur. Lindegrens Lyrik zeigte vom ersten Tag an eine modernistische Richtung, die er in gewisser Weise sein Leben lang fortsetzte.

Nach seinem Abitur und seinem Militärdienst in Gävle zog Erik Lindegren nach Stockholm und begann an der dortigen Universität Literaturgeschichte und Philosophie zu studieren, ohne jedoch je einen Abschluss zu machen. Statt der Universitätsstudien beschäftigte sich Lindegren einige Jahre lang privat mit Literatur, auch wenn unter seinen Werken dieser Zeit nur wenig veröffentlicht wurde und einige Romane nur als Fragmente entstanden. Lindegren beschäftigte sich mit dem europäischen Modernismus, lernte aber ab 1939 auch viel durch seine persönlichen Kontakte mit Artur Lundkvist und war insbesondere angezogen von der Lyrik Rabbe Enckells, den er 1937 in einer Künstlerkolonie getroffen hatte.

Im Jahre 1935 erschien dann mit Posthum ungdom die erste Gedichtsammlung von Erik Lindegren, ein Werk, das man mehr als Übungsbuch des Autors betrachten muss, da er hier eine rein akademische Dichtung bietet, die das Bild eines Dandy liefert, der das Leben nicht kennt. Später sollte der Autor dieses Werk, das nur durch die Unterstützung von Anders Österling erschienen war, kaum noch als sein eigenes erkennen.

Bei Kriegsausbruch zog Erik Lindegren, gemeinsam mit Lundkvist und Maria Wine in eine Villa in Dalarö, wo sie Rainer Maria Rilke übersetzten und eine Serie mit ausländischen Modernisten planten, die jedoch nie realisiert wurde. In diesen Jahren reifte jedoch auch die Dichtkunst Lindegrens und im August 1940 beendete er mit dem Lyrikband Mannen utan väg sein bedeutendstes Werk mit einer modernistischen, disharmonischen Bildsprache, die man in den 40er Jahren nur noch bei Gunnar Ekelöf in dieser Perfektion finden kann.

Das fertige Manuskript reichte Erik Lindegren bei Bonniers ein. Nach der Lektüre einiger der Gedichte lehnte der Verlag die Veröffentlichung jedoch ab, da die Lektoren die Lyrik Lindegrens für unverständlich hielten und den Dichter intern als Verrückten bezeichneten. Ein Jahr später konnte der Schriftsteller dann einige der Gedichte in der Zeitschrift Horisont veröffentlichen und 1942 entschied er sich, mit Hilfe des Geldes seines Vaters, das Werk im Selbstverlag zu veröffentlichen. Das Werk blieb nahezu unbeachtet, da, außer seinen Freunden, weder Kritiker noch das Publikum die Bedeutung von Mannen utan väg verstanden. Erst gegen Mitte der 40er Jahre entdeckten dann, unter anderem auch Bonniers, die Bedeutung dieses Meisterwerkes.

Im Jahre 1942 wurde Erik Lindegren bei der Kulturredaktion der Aftontidningen beschäftigt. Parallel dazu übersetzte er Werke von T. S. Elliot, William Faulkner, Saint-John Perse und erneut Rilke und er veröffentlichte eigene Essays und Gedichte bei Bonniers litterära magasin (BLM), Vi, Kulturfront und anderen kulturellen Zeitschriften. Als 1947 Lindegrens Gedichtsammlung Sviter erschien, war er einer der anerkanntesten modernistischer Dichter Schwedens geworden.

Nahezu gleichzeitig mit seinem Lyrikband Sviter erschien auch Deviser, ein Buch bei dem Erik Lindegren Gemälde der Halmstadgruppe mit eigenen Gedichten ergänzt und das als eines der Meisterwerke des Schriftstellers betrachtet wird. Im Folgejahr vertont Karl-Birger Blomdahl seine Gedichtsuite Pastoralsvit und Lindegran wird als Chefredakteur der neuen Kulturzeitschrift Prisma eingestellt.

Nach 1950 erscheint nur noch ein einziger Gedichtband von Erik Lindegren, da der Lyriker sich immer mehr auf Übersetzungen verlegt, als Opernlibrettist aktiv wird und für die Dagens Nyheter als Kulturrezensent zu arbeiten beginnt. Zu den wichtigsten Übersetzungen Lindegrens gehören in dieser Zeit Werke von Saint-John Perses, Nelly Sachs und Zbigniew Herbert.

Im Jahr 1962 wird Erik Lindegren, nach Dag Hammerskjöld, auf den Stuhl Nummer 17 der Svenska Akademien gewählt, einer Zeit in der er sich auch sehr im Nobelpreiskomitee engagierte. Bereits 1969 starb der Dichter dann jedoch, nach längerer Krankheit, an Krebs.

Copyright: Herbert Kårlin

11 maj 2013

Ernst Gustaf Lundquist und die literarische Entdeckung Italiens

Ernst Gustaf Lundquist wurde am 3. Februar 1851 als Sohn des Arztes Gustaf Mauritz Lundquist und dessen Frau Catharina Charlotta Rydström in Nyköping geboren und starb am 18. Januar 1938 in Stockholm. Lundquist war ab 1882 mit Ida (Iris) Amalia Hoflund verheiratet.

Bereits bevor Ernst Gustaf Lundquist in Norrköping seine Hochschulreife machte und sein Studium an der Universität Uppsala begann, zeigte er seine Neigung zur Literatur. Seine Lehrer lobten seine Fantasie und die Lokalzeitungen im Södermanland druckten zahlreiche seiner Novellen. Acht dieser Novellen erschienen noch 1869 unter dem Pseudonym Stern unter dem Titel Första försöken.

Foto: UUB, Schwedisches Reichsarchiv

Das Studium in Uppsala machte kaum Fortschritte und Ernst Gustaf Lundquist verließ die Universität nach einigen Jahren ohne jeden Abschluss. Dafür hatte er in dieser Zeit den Einakter Cornelius Nepos geschrieben, der wiederum einige Jahre später Premiere im Nya teatern in Stockholm hatte. Die Aufführung seines Stückes nahm Lundquist auch zum Anlass sich ganz dem Schreiben zu widmen, sowohl als Literat als auch als Dramaturg.

Da Ernst Gustaf Lundquist noch während seines Studiums einige Zeit Theater in Paris studiert hatte und gut Französisch sprach, wurde er allerdings weniger als Manuskriptschreiber beschäftigt, sonder überwiegend als Übersetzer französischer Salon-Drama, die er auch für die schwedische Bühne anpasste. Auf Grund seiner Leistungen und dem Erfolg einiger eigener Stücke wurde Lundquist 1881 literarischer Ratgeber des Dramaten in Stockholm.

Parallel zu seiner Arbeit an den Stockholmer Theatern schrieb Ernst Gustaf Lundquist auch für verschiedene Zeitungen Schwedens mit literarischem Einschlag, unter anderem für das Svenska Familj-Journalen, Idun, Nornan und für die Ny Illustrerad tidning. Bereits die Wahl der Zeitschriften für die Lundquist arbeitete, zeigt, dass der Schriftsteller eine einfache Sprache wählte um eine möglichst große Schicht an Lesern anzusprechen. Viele Literaturwissenschaftler bezeichnen den Autor daher als einen der letzten Erzähler des 19. Jahrhunderts und vergleichen ihn in gewisser Weise mit August Blanche und mit Emilie Flygare-Carlén.

Während der ersten Phase seiner literarischen Karriere bleibt Ernst Gustaf Lundquist auch bei seinen Novellen und Romanen dem Theater treu, da er dieses Leben am besten kennt. Werke wie Smink, Skuggor och ljusglimtar oder Konstnärsblod sind daher glaubwürdige Erzählungen und erlauben dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen des Theaters und dessen Philosophie.

Die wahre Stärke von Ernst Gustaf Lundquist zeigt sich jedoch in seinen späteren Werken, die in Italien spielen und mit Påskägget im Jahre 1902 eingeleitet werden, denn hier bietet der Schriftsteller die Wärme und die Farben des Landes jenseits der Alpen und schafft sehr persönliche Werke, die eine Mischung aus Kulturgeschichte, Reiseschilderung und Essay sind. Der Schriftsteller lässt hier Worte spielen, auch wenn man bei einigen der Novellen und Romane dieser Zeit noch den Einfluss von Paul Heyse spürt, der ebenfalls mit seinen Italien-Romanen den großen Durchbruch hatte.

Die literarische Karriere von Ernst Gustaf Lundquist begann in der Jugend und endete erst kurz vor seinem Tod. Auch wenn man deutlich eine Steigerung seiner Leistungen und seiner Ausdrucksfähigkeit sieht, so findet man bei diesem Schriftsteller keinerlei Beeinflussung von literarischen Strömungen. Der Autor verzichtet auch auf deutliche Tendenzen zur Religion oder eine politischen Linie, sondern er bleibt sich selbst treu. Dies hatte allerdings auch den Nachteil, dass Lundquist außerhalb der literarischen Kreise Schwedens blieb, die ihm den Weg zu einem bedeutenden Platz in der schwedischen Literaturgeschichte geboten hätte.

Heute ist die Literatur von Ernst Gustaf Lundquist nahezu vergessen, nicht jedoch seine Leistung als unermüdlicher Übersetzer von Belletristik und von Theaterstücken aus sieben Sprachen, denn noch heute sind einige seiner Übersetzungen von Oscar Wilde und Jack London in Schweden im Handel.

Ernst Gustaf Lundquist übersetzte parallel zu seinem eigenen literarischen Schaffen etwa 300 Werke und brachte dem schwedischen Publikum insbesondere Alphonse Daudet, Émile Zola, Pierre Louÿs und Jack London näher, die erst durch den Schriftsteller ihren Weg nach Schweden fanden. Lundquist war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der zuverlässigsten literarische Übersetzer Schwedens, der auch dafür bekannt war, dass seine Übersetzungen den Originalen sehr nahe kamen und der Autor die Seele des ursprünglichen Schriftstellers fühlen konnte.

Copyright: Herbert Kårlin

19 april 2013

Sigfrid Lindström und die moderne Welt der Sagen

Sigfrid Lindström wurde am 19. April 1892 als Sohn des Kaplans Peter Lindström und dessen Frau Anna Aquilina Wickelgren in Lidhult geboren und starb am 1. Mai 1950 im Alter von 58 Jahren in Lund. Lindström war nie verheiratet.

Der junge Sigfrid Lindström wuchs in einer damals angesehenen Priesterschicht auf in der der humanistische Geist lebte. Noch während seiner Schulzeit am Gymnasium in Halmstad schloss sich Lindström der literarischen Vereinigung Concordia an und wirkte regelmäßig in der gleichnamigen Zeitschrift mit. Erhalten ist aus dieser Zeit ein Vortrag, den Lindström über Gustaf Fröding hielt, den er für den größten Dichter Schwedens hielt und seine Prosasage Den möderne Judas, die er später überarbeitete und in seinem Werk Vindsröjning enthalten ist.

Sigfrid Lindström, Sagor på vers och prosa, Hugo Gebers Förlag

Nach seiner Hochschulreife im Jahre 1911 in Halmstad, ging Sigfrid Lindström nach Lund und begann an der dortigen Universität Literaturgeschichte, nordische Sprachen, Philosophie, Pädagogik, Englisch und Französisch zu studieren. Da ein Teil seines Studiums mit dem Ersten Weltkrieg zusammenfiel, schloss er es erst im Jahre 1918 mit einem Magister ab. In den „Studienpausen“ schrieb er Lieder für Revuen und, gemeinsam mit Alf Ahlberg, das Theaterstück Näktergalarna i Wittenberg. Seinen Vornamen Sigfrid tauschte der Schriftsteller ab 1912 gegen „Tristan“ aus. Seine Werke erschienen daher um diese Zeit unter dem Namen Tristan Lindström.

Nach seinem Studium wollte Sigfrid Lindström ursprünglich die Laufbahn eines Lehrers ergreifen, aber nachdem bereits sein Praktikum ein Desaster war, entschied er sich Journalist und Schriftsteller zu werden. Ab 1920 bekam Lindström eine eigene Spalte in der neu gegründeten Studentenzeitschrift Lundagård, wobei er dabei gleichzeitig die Bekanntschaft von Frans G. Bengtsson, Hjalmar Gullberg, Ingvar Andersson und Ivar Harrie machte.

Im gleichen Jahr erhielt Sigfrid Lindström zusätzlich einen Vertrag beim Lunds dagblad, allerdings als nächtlicher Korrekturleser, der nur hin und wieder auch literarische Kritiken und kulturelle Artikel schreiben durfte. Sehr bald verstand Lindström jedoch, dass er nicht für die journalistische Laufbahn geeignet war. 1925 verließ er daher die Zeitung und gleichzeitig auch Lund.

Als Schriftsteller trat Sigfrid Lindström erstmals im Jahre 1922 mit seinem Werk Sagor och meditationer an die Öffentlichkeit, das jedoch kaum Beachtung fand, obwohl Lindström bereits hier seine Stärke zeigte, nämlich die alte Sagenwelt neu aufzunehmen und in eine neue eigene Geschichte zu verwandeln, die Sagen auszuarbeiten und zu modernisieren.

Erst 1927 erschien dann ein weiteres Werk von Sigfrid Lindström. Diese Mal handelte es sich um Gedichte, die der Autor bereits ab 1916 geschrieben hatte und unter dem Titel De besegrade erschien. Bei diesem Werk verband Lindström die Sagenwelt und führte den Antihelden ein. Man spürt bei der Lektüre, dass sich der Autor der Generationen der Verlierer angehörig fühlt, denen, nicht zuletzt durch den Weltkrieg, die Zukunft genommen wurde und die ohne Hoffnung leben muss. Dieses Buch wurde von Kritikern und Lesern extrem positiv aufgenommen und führte dazu, dass Lindström als Literat anerkannt war.

In den Folgejahren schrieb Sigfrid Lindström sehr wenig und selbst wenn man die Bücher, die nach seinem Tod noch veröffentlicht wurden, hinzuzählt, so kommt man auf knapp zehn Werke, was für einen anerkannten Schriftsteller sehr wenig ist, zumal der Umfang der Bücher ebenfalls sehr bescheiden ist.

Sigfrid Lindström, der sich durch eine außerordentliche Phantasie und eine ausgewählte Wortwahl auszeichnete, hinterließ, neben seinen offiziellen Werken, ein detailreiches Tagebuch und zahlreiche Briefe in denen man sein Schaffen verfolgen kann, denn Lindström ist einer der letzten schwedischen Autoren bei denen selbst Briefe noch Literatur sind in denen er Sagen skizzierte und eine literarische Sprache benutzte.

Auch wenn Sigfrid Lindström sehr wenige eigene Bücher veröffentlichte, so war die Literatur dennoch sein Leben, da er vor allem Werke von Albert Camus, Gérard de Nerval und D. H. Lawrence ins Schwedische übersetzte und dabei eine Mischung aus Übersetzung und eigenem Werk schuf, da er versuchte die Ursprungswerke dem schwedischen Publikum wirklich zugänglich zu machen, ohne jedoch das Gefühl und den Geist des Ursprungswerkes zu zerstören.

Auch wenn Sigfrid Lindström innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte nahezu als Klassiker der Literatur betrachtet wird, ist der Schriftsteller mittlerweile fast schon vergessen, nicht zuletzt auch deswegen weil die ausgewählte Sprache des Autors heute als hochtrabend betrachtet wird und die Welt der Sagen immer mehr in die Vergessenheit gerät.

Copyright: Herbert Kårlin

17 april 2013

Bengt Anderberg, der Schriftsteller der schwedischen Erotik

Bengt Anderberg wurde am 17. April 1920 als Sohn des Redakteurs N. A. Anderberg und dessen Frau Lillemor Stranberg auf Hisingen, heute ein Stadtteil Göteborgs, geboren und starb am 24. September 2008 im Alter von 88 Jahren nach einer längeren Krankheit in Rønne auf Bornholm in Dänemark, wo das Ehepaar seit 1973 lebte. Anderberg war ab 1947 mit der Keramikerin Astrid Nordlind verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte Bengt Anderberg auf einem ehemaligen Bauernhof im Lundby Kyrby auf Hisingen. Anderberg galt bereits als Kind als sehr intelligent und übersprang die vierte Klasse wegen seiner extrem guten Leistungen. Zu schreiben begann er nach seinem Abitur im Jahre 1937.

Bengt Anderberg, Amorina, Albert Bonniers Förlag

Zu Beginn schrieb Bengt Anderberg vor allem kurze Novellen für die Göteborgs Morgonpost und die ebenfalls lokale Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning, verfasste jedoch auch kulturelle Artikel und schrieb Kritiken. Im Jahre 1945, als der Schriftsteller gerade 25 Jahre alt war, erschien seine erste Novellensammlung En kväll om våren, die zwar positiv aufgenommen wurde, dem Autor jedoch noch nicht zum Durchbruch verhalf.

In den beiden folgenden Jahren veröffentlichte  Bengt Anderberg die Gedichtsammlung Fåglar, das für die Zeit ungewöhnliches romantisches Werk Kristofer, die Romane Fanny und Nisse Bortom und ab 1947 begann der Schriftsteller auch regelmäßig als Kritiker für Bonniers Litterära Magasin zu arbeiten. Anderberg reihte sich damit in die Reihe der offiziellen Literaten Schwedens ein, aber es war ihm noch nicht gelungen sich besonders aus der Reihe derer, die alle schreiben können, hervorzuheben.

Alles änderte sich jedoch als Bengt Anderberg im Jahre 1948 den Roman Kain veröffentlichte, der Roman eines Bibelkenners, der in seinem Werk die konservative Haltung der Kirche und die christliche Verstocktheit angreift, die militärische Dummheit zeigt und all dies in einem Stil der sexuellen Freizügigkeit. Das Buch schlug wie eine Bombe ein und nur knapp entkam der Schriftsteller einer Anzeige, da er mit seinem Buch gegen die guten Sitten verstoßen hatte.

Aber auch wenn sich Bengt Anderberg mit diesem Werk sehr viele Feinde machte, er zeigte sich damit als stilsicherer Autor, der sich zudem sehr intensiv mit den Hintergründen des Buches, also der Religion, dem Krieg und der Bibel beschäftigt hat. Hinzu kommt, dass Anderberg mit dem Erscheinen des Romans Kain nahezu über Nacht in ganz Schweden ein Begriff wurde.

Nach dem Erfolg von Kain blieb Bengt Anderberg ein Außenseiter der schwedischen Literatur, der sich keiner literarischen Richtung anschloss, sondern auch die kommenden Jahrzehnte Prosa, Essays, Kritiken, Theaterstücke, Kinderbücher und Manuskripte für Film, Fernsehen und Radio schrieb, immer wieder unterbrochen durch alkoholische Probleme unter denen der Schriftsteller immer wieder litt und von denen er sich nicht befreien konnte.

Es war daher auch nicht verwunderlich, dass Bengt Anderberg in den 60er Jahren zu den wichtigsten Erneuerern der erotischen Literatur Schwedens gehörte und die 14-bändige Anthologie Kärlek herausgab. Auch wenn die Auswahl und seine eigenen Werke in der heutigen Zeit nur gerade einmal als erotisch bezeichnet werden können, so wurde Anderberg in den 60er Jahren von großen Gruppen der Bevölkerung als der Pornograph des Landes bezeichnet. Anderberg war jedoch der Meinung, dass gerade die Erotik, die im täglichen Leben und jeder Ehe eine wichtige Rolle spielt, auch in der Literatur seinen Platz finden muss.

Bengt Anderberg gehörte zu den Schriftstellern, die ihre Werke nicht im stillen Kämmerchen schrieben, sondern er gehörte zu jenen, die ihre Meinung auch sehr gekonnt in der Öffentlichkeit verteidigen konnten und ein sehr häufiger Gast im Fernsehen und im Rundfunk war, was seine Beliebtheit und seinen Erfolg zudem steigerte, da in der öffentlichen Diskussion auch seine Belesenheit und seine Kenntnisse zur allgemeinen Situation Schwedens immer wieder klar zu Tage trat.

Als Bengt Anderberg im Jahre 1999 seinen Roman Amorina präsentierte, war sich die Kritik darüber einig, dass es sich dabei um ein Meisterwerk des Schriftstellers handelt, der in seinem Werk rund 100 Jahre Träume zur Liebe bietet in denen die Frauen die Heldinnen sind, eingebettet in die Träume des jugendlichen Anderberg.

Aber Bengt Anderberg hat nicht nur eigene Werke geschrieben, sondern er brachte auch zahlreiche Werke von Botho Strauss, Bertold Brecht und August Schade dem schwedischen Publikum näher. Aus dem englischen Raum übersetzte Anderberg insbesondere Charles Dickens und William Shakespeare. Einige wenige Werke übersetzte der Schriftsteller auch aus dem Altgriechischen und dem Lateinischen. In Deutschland wurde vor allem die erotische Literatur des Autors verbreitet.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer Göteborgs Tanz- und Theaterfestival

15 februari 2013

Fredrik August Dahlgren, der Forscher der schwedischen Sprache

Fredrik August Dahlgren wurde am 20. September 1816 als Sohn des Grubenverwalters und Gutsbesitzers Bartold Dahlgren und dessen Ehefrau Anna Karolina Svensson in Nordmark im Värmland geboren und starb am 16. Februar 1895 in Djursholm bei Stockholm. Dahlgren war mit Ulrika Magdalena von Heland verheiratet.

Die Kindheit verbrachte Fredrik August Dahlgren in einem Gut in dem immer reges Leben herrschte, nicht zuletzt auch, weil außer den zahlreichen Geschwistern auch die Nachbarn mit ihrer Kinderschar dort verkehrte. Die Schule besuchte Dahlgren in Karlstad, wo er auch die Hochschulreife ablegte bevor er sich an der Universitä Uppsala einschrieb und unter Per Daniel Amadeus Atterbom Literaturwissenschaft studierte. Statt jedoch nach seiner Disputation im Jahre 1839, wie geplant, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, wählte Dahlgren die Laufbahn eines Staatsdieners.


Während seiner Arbeit im Reichsarchiv beschäftigte sich Fredrik August Dahlgren vor allem mit geschichtlichen Abhandlungen des Landes und war in den Anfangsjahren verantwortlich für die Herausgabe von Handschriften. Diese Tätigkeit, die ihn faszinierte, brachte ihm einen guten Einblick in die Geschichte Schwedens, was auch einen bedeutenden Einfluss auf seine Werke ausübte.

Außer seinen beiden wissenschaftlichen Werken an der Universität Uppsala und einem Aufsatz mit dem Thema Det yngsta Sverige, hat Fredrik August Dahlgren relativ wenige Werke unter seinem Namen veröffentlicht und ist damit einer der bedeutendsten schwedischen unpersönlichen Autoren, der mehr als Herausgeber, Übersetzer und Lektor arbeitete, aber in diesem Rahmen eine maßgebliche Arbeit innerhalb der schwedischen Literatur leistete für die sich vor allem die Svenska Akademien interessierte.

Als Fredrik August Dahlgren im Jahre 1866 seine Anteckningar om Stockholms theatrar veröffentlichte, so umfasste dieses Werk nicht nur ein Verzeichnis aller Theaterstücke, die das Königliche Theater zwischen 1737 und 1863 aufführte, sondern man findet auch die Interpretationen Dahlgrens zu den Schauspielen. Als Übersetzer hatte der Schriftsteller dabei unter anderem Pedro Calderón de la Barcas Lifvet en dröm und William Shakespeares Romeo och Julia auf die schwedische Bühne gebracht und damit der Theaterkunst Schwedens neue Wege gewiesen.

Als Schriftsteller als solches trat Fredrik August Dahlgren vor allem mit dem Lustspiel Wermlänningarne im Jahre 1846 und mit seinen Viser på varmlanske tongmåle im Jahre 1875 hervor, wobei sein Theaterstück Wermlänningarne bis Mitte des 20. Jahrhunderts regelmäßig neu aufgelegt wurde und als Bestseller zu bezeichnen ist, auch wenn das Werk heute nahezu vergessen scheint. Der Erfolg des Stückes lag allerdings nicht an seiner Einmaligkeit, denn die Idee nimmt Dahlgren sehr deutlich von „Romeo und Julia“, aber er stellt die Handlung in das Bergwerkmilieu des Värmlands und gibt ihm daher eine völlig andere Aussage, ähnlich dem Werk „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller, der ebenfalls das Thema Shakespeares als Basis hatte.

Welche Bedeutung Fredrik August Dahlgren für die schwedische Literaturgeschichte spielt, sieht man auch an seinem Werk Glossarium öfver föråldrade ord, das er bereits während seiner Pension zusammenstellte, aber das jedoch erst rund zehn Jahre nach seinem Tode erschien. Dahlgren lieferte hier ein Handbuch der vergangenen Sprache Schwedens, das die Grundlage für das Standardwerk der Svenska Akademien wurde und dem Leser einen tiefen Einblick in die Entwicklung der schwedischen Sprache bietet. In diesem Rahmen darf man auch nicht vergessen, dass der Schriftsteller die älteren Auflagen der Svenska akademiens ordlista redigierte und damit jedem Schriftsteller des Landes das Handwerkzeug zur korrekten Sprachanwendung bot.

Fredrik August Dahlgren erhielt für seine Leistungen als Dramatiker mehrere Preise der Svenska Akademien und wurde 1871 auch in die Akadamie gewählt, wo er Anders Grafström auf dem Stuhl Nummer 6 folgte.

Auch wenn heute nur noch wenigen Schweden der Name Fredrik August Dahlgren etwas sagt, so gibt es keinen Schweden, der ihn nicht indirekt kennt und kaum ein Besucher des Landes wird nicht indirekt an den Schriftsteller erinnert, denn in seinem Werk Wermlänningarne findet man den Text zu einem der bekanntesten Volkslieder Schwedens, nämlich Ack Värmeland, du sköna, das aus der Feder von Fredrik August Dahlgrens und Anders Fryxells stammt.

Copyright: Herbert Kårlin

10 februari 2013

Nils Lovén, der schreibende Priester Skånes

Nils Lovén, auch bekannt unter dem Pseudonym Nicolovius, wurde am 18. Juni 1796 als Sohn des Priesters Pehr Magnus Lovén und dessen Frau Clara Lidbeck in Räng in Skåne geboren und starb am 10. Februar 1858 in Östra Klagstorp bei Trelleborg. Lovén war von 1824 in erster Ehe mit seiner Kusine Hedvig Emilia Lovén verheiratet und nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Juliana Maria Fredrika Skytte.

Da die Vorväter von Nils Lovén seit 1729 ununterbrochen die Priester des Ortes Räng stellten, so gab es auch für den jungen Lovén im Grunde keine Wahl und seine Erziehung richtete sich vollkommen auf das zukünftige Priesteramt aus. Am 24 Dezember 1810, also mit 14 Jahren, schrieb sich Lovén an der Universität Uppsala ein und mit 21 legte er sein Examen als Magister in Ästhetik ab.


Einer der Lehren von Nils Lovén, Esaias Tegnér, hatte zwar die Fähigkeiten und die Interessen des Studenten entdeckt und ihn dazu bewegt auch Literaturgeschichte zu studieren, aber aus finanziellen Gründen konnte Lovén dieses Studium nicht abschließen und machte 1822 das Examen als Priester, dem eine erste Anstellung beim Militär folgte.

Bereits während seiner Tätigkeit als Regimentspriester kam Nils Lovén in Kontakt mit der literarischen Welt und den entsprechenden Publikationen in Stockholm, insbesondere der Stockholms-Posten. Auch wenn er in den verschiedenen Publikationen jener Zeit einige seiner eigenen Gedichte veröffentlichte, so beschäftigte er sich insbesondere mit Übersetzungen, insbesondere den Werken von Thomas Moore, Luís Vaz de Camões und Dante Alighieri. Für die Übersetzung der Lusiaden von Luís Vaz de Camões verlieh ihm die Svenska Akademien 1852 den königlichen Preise.

Wie mehrere Manuskripte des Poeten beweisen, war Nils Lovén bereits ab 1825 literarisch aktiv und wurde als der Stadtpoet von Kristianstad betrachtet, der zu allen öffentlichen Angelegenheit Gelegenheitsgedichte verfasste und Lobreden schrieb. Aus einem Brief an einen Cousin im Jahres 1827 geht allerdings hervor, dass Lovén seine schriftstellerischen Leistungen mehr als Schwäche betrachte und nicht als Stärke.

Nur wenige Jahre später muss sich jedoch die Einstellung Nils Lovéns geändert haben, denn ab der ersten Nummer der Skånska Posten am 21. Juli 1839 liest man in der Zeitung regelmäßig Beiträge des Autors, angefangen von Übersetzungen und eigenen Gedichten bis zu moralischen Beiträgen. Besonders hervorzuheben sind in diesem Rahmen seine Artikel über das Brauchtum und die Traditionen auf dem Lande, die einen tiefen Einblick in das Denken der Bauern jener Zeit bieten.

Das bedeutendste Werk von Nils Lovén wurde das Buch Folklivet i Skytts härad i Skåne, das im Jahre 1847 erschien und das einzige vollständig erhaltene Werk des Schriftstellers ist. Dieses Werk, das bereits im 19. Jahrhundert in seinem vollen Umfang anerkannt wurde, gehört zu den Romanen, die tatsächliche Ereignisse eines Dorfes in Skåne schildern und, im Unterschied zu anderen Büchern der Zeit, nicht das gehobene Leben der Priester und Lehrer ins Zentrum setzt, sondern die Bauern zum Thema hat, die in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts nur sehr wenig Platz bekamen, da man sie als ungebildete Arbeitstiere betrachtete, die der Gesellschaft nichts anderes bieten konnten als Ernährung.

Folklifvet i Skytts härad i Skåne vid början af detta århundrade: barndomsminnen wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts mehrmals aufgelegt und baut auf die Erinnerungen von Nils Lovén auf. Auch wenn der Roman nahezu chaotisch aufgebaut ist, keiner klaren Linie folgt und der Schriftsteller ständig von der Linie abweicht, ist das Werk das beste Dokument zum Landleben in Skåne zu Beginn des 19. Jahrhunderts, da sich Lovén dabei das gesamte Landleben in den Bauernhöfen beschreibt, das er als Sohn des Priesters und später als Priester erleben konnte. Der Leser erfährt wie ein Bauernhof eingerichtet war, aber auch jeden Lebenszyklus von der Geburt über die Verlobung, die Hochzeit und den Tod. Kein anderes Buch dieser Zeit beschreibt so im Detail die Denkweise der Bauern und ihre Struktur innerhalb einer Gemeinde bei der natürlich die Kirche das Zentrum des Glaubens und des Wissens ist, da der Priester in kleinen Gemeinden auch als Lehrer tätig war.

Obwohl Nils Lovén seinen Heimatort als Basis hatte, so beschreibt er nur wenige Personen des Ortes im Detail und „holt“ viele aus anderen Gemeinden, denn sein Ziel ist nicht einen Ort zu beschreiben, sondern die Lebensweise und die Denkweise der Landbevölkerung darzustellen. Nach Lovén richtete sich dieses Buch in erster Linie an die Landbevölkerung, die mit Hilfe des Werkes ihre Tradition aufrecht halten sollten. Vermutlich war Lovén bei der Verfassung dieses Buches gar nicht bewusst, dass er einen Klassiker von sehr hohem ethnologischen Wert schrieb, der noch heute gelesen wird und einen Einblick in das Bauernleben im früheren Skåne bietet.

Copyright: Herbert Kårlin

22 oktober 2012

Carl Anders Kullberg, der unsichere Dichter

Carl Anders Kullberg wurde am 26. Oktober 1815 als Sohn des Prosten Olof Kullberg und Maragreta Christina Otter bei Skövde geboren und starb am 22. Oktober 1897 in Skövde, wo er die letzten Jahre sehr zurückgezogen lebte.

Seine Jugend verbrachte Carl Anders Kullberg in der gehobenen Schicht Skövdes, wobei er als sehr begabt galt, aber auch forderte, dass diese Begabung von allen in größtem Masse anerkannt wurde. Nach der Hochschulreife studierte der Schriftsteller, der 1865 auf den Stuhl Nummer 13 der Svenska Akademien gewählt wurde, von 1833 bis 1844 humanistische Wissenschaften an der Universität Uppsala, insbesondere die Philosophie Hegels und alte Sprachen.

Bild: Riksarkivet
Obwohl Carl Anders Kullberg eine große Karriere als Wissenschaftler vorausgesagt wurde, brach er seine Studien nach zehn Jahren ab, nur weil einer seiner Professoren seinen Lateinkenntnissen nicht die gleichen Werte zuordnete wie Kullberg selbst. Nach dem Abbruch seiner Studien kehrte Carl Anders Kullberg dann zurück nach Skövde, wo er ein Leben ohne die geringsten Geldsorgen führen konnte und sich ganz seiner Dichtkunst und dem Übersetzen klassischer Texte widmete.

Auch nach dem Tod der Eltern musste sich Carl Anders Kullberg nie Gedanken über seine finanzielle Zukunft machen, was auch dazu führte, dass der Poet sehr unregelmäßig arbeitete. Seine literarische Karriere baute insbesondere auf einige Gedichte auf, die er bereits während seiner Studienzeit geschrieben hatte. Sowohl für das Gedicht „Kvinnans skapelse“ als auch für „Sonetter till Julia“, die beide in Uppsala entstanden, wurde er mit dem Poesiepreis der Svenska Akademien ausgezeichnet. Beide Gedichte erschienen jedoch erst 1850 in der ersten Gedichtsammlung Kullbergs, die allerdings ohne großen Enthusiasmus von seinen Lesern aufgenommen wurde und lediglich von der Svenska Akademien mit den besten Worten gelobt wurden.

Auch nun zeigt sich der Charakter des Dichters, der den Misserfolg wenig verkraftet, denn nach diesem Gedichtband schreibt er nur noch einige einzelne Gedichte, die jedoch zu keinem zweiten Band mehr führen. Einige Literaturwissenschaftler legen dies auf eine hohe Selbstkritik, andere darauf, dass er Kritik und Misserfolg nicht verkraftete.

Carl Anders Kullberg beginnt sich nun immer mehr auf klassische Übersetzungen zu spezialisieren, wobei er auch dieses Mal wieder die Svenska Akdademien auf seiner Seite hat, denn für das zweibändige Werk Befriade Jerusalem erhält Kullberg im Jahre 1857 den bedeutendsten Preis der Schwedischen Akademie für seine einfühlsame Interpretation überreicht. 1860 erhielt er für seine großen Leistungen den Carl Johans Pris, den ebenfalls die Svenska Akademien vergab und sowohl 1865 als auch 1871 erhält Carl Anders Kullberg den Letterstedtska Priset der schwedischen Vetenskapsakademien überreicht.

Auch wenn Carl Anders Kullberg in dieser Epoche zahlreiche Preise sammeln konnte, so drückten seine Übertragungen der Texte mehr eine korrekte Fleißarbeit als ein hohes literarisches Vermögen aus, denn die Übersetzungen wirken akademisch steif und sind daher kaum dafür geeignet ein breites Publikum anzusprechen. Bereits zu Lebenszeit wurde daher auch, außerhalb der Svenska Akademien, seine größte Schwäche kritisiert, die die singende italienische Lyrik zu einem steifen schwedischen poetischen Werk machte. Aber erst lange nach seinem Tode wurde diese Meinung auch offiziell übernommen, nicht zuletzt auch deswegen, weil zu jener Zeit nur wenige an der Unfehlbarkeit der Svenska Akademien zweifeln wollten. Carl Anders Kullberg konnte sich keiner modernen schwedischen Sprache anpassen, sondern er sah Literatur immer eingebettet in eine bereits damals überholte erstrebenswerte Klassik in der Gefühle nur zweitrangig sind.

Einige Persönlichkeiten, die Carl Anders Kullberg kannten, bezeichneten ihn als warmherzigen Menschen, aber sie waren sich auch einig darüber, dass er sehr schnell aufbrausend sein konnte und eine Art hatte, die von einer Überheblichkeit zeugte, eine Eigenschaft, die verhinderten, dass er je ein Meisterwerk schrieb. Da Kullberg nur ein einziges wirklich eigenes Werk vorlegte, kann man davon ausgehen, dass er nur dank der Svenska Akademien in die schwedische Literaturgeschichte einging.

Carl Anders Kullberg wurde 1877 die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala verliehen. Der Autor hatte zeit seines Lebens nie ein festes Verhältnis zu einer Frau und war nie verheiratet.

Copyright: Herbert Kårlin