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2 juli 2013

Björn Hodell und die humoristische Satire

Björn Hodell wurde am 2. Juli 1885 als  Sohn des Redakteurs Carl Julius Mårten Hodell und dessen Frau Ida Wilhelmina Åstrand in Stockholm geboren und starb am 22. Juni 1957 im Alter von 71 Jahren ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Hodell war ab 1916 mit Elsa Margareta Jäderström verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte Björn Hodell in einem bürgerlich künstlerischen Milieu auf Östermalm, wobei sich der Autor, nach eigenen Aussagen, als Urstockholmer fühlte, der fest mit der Stadt verwurzelt war. Während Hodell die Grundschule noch auf Östermalm besuchte, machte er seine Hochschulreife im Jahre 1907 in Nyköping.

Björn Hodell, Tack för sist gamle skämtare, Sohlmans, Stockholm, 1947

Nach der Hochschulreife begann Björn Hodell erst beim Östergötlands dagblad zu arbeiten, wechselte jedoch schon bald zur Östersunds-Posten. Schon 1909 entschied sich dann der Journalist eine Arbeitsstelle beim Stockholmer Elektrizitätswerk zu akzeptieren und setzte seine journalistische Tätigkeit nur noch in seiner Freizeit fort. Diese Anstellung sollte Hodell bis zum Jahre 1926 behalten. In dieser Zeit begann der Schriftsteller auch seine ersten Revuen zu schreiben und wendete sich dem Theater zu.

Bereits im Jahre 1916 übernahm Björn Hodell, neben seinem Beruf, die Redaktion der satirischen Zeitschrift Nya Nisse, die sein Vater gegründet hatte, jedoch zwei Jahre später wegen schlechten Verkaufsziffern eingestellt wurde. 1922 wurde Hodell Direktor des Folkets hus teatern, das er bis 1929 leitete. Dass Hodell zum Theaterchef ernannt wurde, lag vor allem daran, dass er um diese Zeit bereits einige Revuen geschrieben hatte und sein När byskräddaren och byskomakaren gifte bort sin pojke bereits bei der Eröffnung des Tantolundens Freilufttheaters in Stockholm bedeutend Aufmerksamkeit erregt hatte und der Autor zum Humor neigte, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts a besten beim Publikum ankam.

Als Björn Hodell im Jahre 1932 das Vanadislundens Freilufttheater und ein Jahr später auch das Skansenteatern, wurde Hodell immer mehr mit dem Theater und der Revue verknüpft, obwohl er weiterhin auch schriftstellerisch und literarisch, insbesondere als Autor von Lustspielen, aktiv war, aber die Regie war das sichtbare Ergebnis und trat daher für die Umwelt in den Vordergrund.

Auch wenn Björn Hodell mit seinen eigenen Revuen, seinen Beiträgen im Rundfunk und den Aufführungen, die er als Regisseur übernahm, keinerlei Risiken einging und moderne Strömungen vermied, überschätzte er sich bei seiner Satzung im Circus in Stockholm, denn 1936 brach sein Imperium zusammen und 1939 musste er persönlich in Konkurs gehen.

Nach dieser Niederlage griff Björn Hodell, einer der bedeutendsten Pioniere der schwedischen Satire des 20. Jahrhunderts, zum Alkohol. Nach einer zwangsweisen Einweisung ins Krankenhaus zur Abgewöhnung, kam Hodell nicht mehr zum Theater zurück, was allerdings auch damit zusammenhing, dass das Volkstheater immer weniger gefragt wurde und Hodell daher einer der letzten Repräsentanten dieses schwedischen volksnahen Theaters war.

In den 40er Jahren wandte sich Björn Hodell dann ganz dem Rundfunk, der Presse und der Schriftstellerei zu, wobei der Journalist und Schriftsteller hier zeigt, dass er den Humor und die Satire nicht verloren hatte, auch wenn Hodell nun weitaus sparsamer damit umging. Der Autor wird in den 40er Jahren einer der bedeutendsten Schilderer Stockholms, wobei er auch hier volkstümlich bleibt und die Alltagswelt der Stadt zum Thema hat. Das bedeutendste Werk in diesem Bereich wurden die Samlade Stockholmshistorier aus dem Jahre 1948.

Björn Hodell schrieb neben seinen humoristisch-satirischen Beiträgen für den Rundfunk und die Presse und seinen Lustspielen auch drei Filmmanuskripte, wobei bei zwei der Filmen Gustaf Molander die Regie hatte. Auch wenn Hodell zeit seines Lebens sehr viel schrieb und zu einem großen Teil den schwedischen Humor in Literatur, Film und Theater prägte, erschienen zwischen 1944 und 1949 nur einige wenige seiner Werke. Seine Bedeutung und sein Einfluss innerhalb der Literaturgeschichte Schwedens liegen daher mehr an seinem Einfluss, den er indirekt durch Radiosendungen und Theater ausübte und weniger an den veröffentlichten Schriften, was leider auch dazu führte, dass Hodell in den meisten Veröffentlichungen zur schwedischen Literaturgeschichte nicht einmal genannt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

30 maj 2013

Hjalmar Gullberg und das klassische Hörspiel in Schweden

Hjalmar Gullberg wurde am 30. Mai 1898 als Sohn des Großhändlers Gustaf Robert Alexander Brand und dessen Frau Hilda Lovisa Amalia Jonsson in Malmö geboren und nahm sich am 19. Juli 1961 im Alter von 63 Jahren bei Holmeja in Skåne das Leben. Gullberg war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere bekannte Affären und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens gemeinsam mit Greta Thott.

Da die Eltern von Hjalmar Gullberg ihren Sohn nie anerkannten und auch wenig mit ihm zu tun haben wollten, wuchs er bei Pflegeeltern in Malmö auf. Seine wahre Herkunft wurde erst 1928, nach dem Tode der Eltern, einem Erbprozess und Zeugenaussagen, offiziell anerkannt. Da der Vater zum Wohlstand gekommen war, bot die Erbschaft Gullberg, der das Geld auf sichere Weise investierte, eine gewisse Garantie.

Hjalmar Gullber, Ögon, Läppar, Norstedts Förlag, Stockholm, 1959

Sein Abitur machte Hjalmar Gullberg im Jahre 1917 in Malmö, dem er ein neunjähriges Studium in Latein, Griechisch und Literaturgeschichte an der Universität Lund anschloss. Seine Begabung und seine künstlerische Neigung kamen überwiegend aus der elterlichen Linie, die Erziehung kam jedoch von den Pflegeeltern, was eine gute Mischung für den Schriftsteller war. Andererseits traf er seine Eltern hin und wieder und bekam Geschenke von ihnen, so dass sich bei Gullberg auch sehr früh das Gefühl der Ausgeschlossenheit bemerkbar macht, denn er lebte mit Eltern, die nicht seine waren und erfuhr, dass ihn die wahren Eltern ihn als „Kind ohne Mutter und Vater“ eintragen lassen hatten.

Das literarische Interesse zeigte sich bei Hjalmar Gullberg bereits im Gymnasium in Malmö, wo er nicht nur ein starkes Interesse für Schwedisch und die klassischen Sprachen zeigte, sondern sich auch mit den meisten Klassikern der Weltliteratur vertraut machte und begann Novellen zu schreiben.

Während seines Studiums in Lund traf Hjalmar Gullberg seinen Jugendfreund, den Historiker Ingvar Andersson, und kam mit dem Journalisten Ivar Harrie und dem Schriftsteller Sigrid (Tristan) Lindström in Kontakt. Die gesamte Gruppe spielte für die damals neu gegründete Studentenzeitschrift Lundagård eine wichtige Rolle. Gullberg trug als Redakteur mit Poesie, Scherzeinlagen und Prosa bei der Gestaltung der Zeitschirft bei. Gegen Ende seines Studiums begann sich Gullberg, neben der Poesie und der Prosa, insbesondere für das Theater zu interessieren und schrieb seine ersten Theatertexte.

Was die Gedichte von Hjalmar Gullberg besonders stark beeinflusste, waren die zahlreichen Reisen, die der Schriftsteller ab dem Jahre 1922 unternahm, die lediglich von Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, denn bei diesen Reisen sammelte er Eindrücke und in jedem Land, das er besuchte, beschäftigte er sich mit der Kultur und verfasste dort auch einige Gedichte. In der Lyrik des Autors entdeckt man in dieser Zeit sehr deutlich, dass Gullberg nicht nur von den verschiedenen Landschaften und den kulturellen Entwicklungen beeindruckt wurde, sondern er sich auch für die sozialen Strukturen und das Leben der Menschen dieser Länder interessierte. Das Erscheinen seiner Liebesgedicht, die während der Reisen entstanden, sind in der Regel mit einer bestimmten Frau zu verknüpfen, die er dort traf, auch wenn er keines dieser Verhältnisse aufrecht halten konnte.

Gegen Ende der 20er Jahre und ebenfalls unter dem Eindruck der Reisen, begann Hjalmar Gullberg mehrere antike Dramen von Euripides, Aristophanes und von Sophokles zu übersetzen, Dramen, die damals kaum auf schwedischen Bühnen gespielt worden waren. Dank Gullberg wurde Medea im Jahre 1934 erstmals in Schweden aufgeführt und fand den Zugang zum Stockholmer Dramaten. Im gleichen Jahr wurde Hjalmar Gullberg, auf Grund der Erfolge der klassischen Aufführungen, dann auch zum literarischen Berater des Dramaten ernannt.

Nur zwei Jahre später wurde Hjalmar Gullberg auch Direktor für Hörspiele des Schwedischen Rundfunks und bearbeitete zahlreiche seiner Übersetzungen, die im Dramaten gespielt worden waren, auch für den Rundfunk und schuf damit ein neues kulturelles Hörspiel, was allerdings nicht immer sehr positiv von seinen Kollegen aufgenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs gelangte Hjalmar Gullberg auf seinen Höhepunkt und entwickelte sich zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes, was jedoch auch mit seinem Engagement beim Radio zusammenhing, da er weitgehend versuchte durch das Gedicht des Tages eine politische Aussage zu verbreiten ohne dass die Zensur eingreifen konnte. Sehr diskutiert wurde dabei die Wahl des Gedichtes Det eviga von Esaias Tegnér am Tag der deutschen Invasion in Norwegen. Niemand wagte ein Gedicht eines so bedeutenden schwedischen Autors zu verbieten, auch wenn Gullberg damit eine sehr eindeutige politische Position einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hjalmar Gullberg seine Reisen wieder auf, die er ab 1950 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Greta Thott unternahm. Die letzte Reise sollte das Paar Gullberg-Thott im Jahre 1958 nach Sizilien führen, wo der Schriftsteller plötzlich Erlahmungserscheinungen spürte. Die Reise wurde abgebrochen und die beiden kehrten nach Schweden zurück. Im Krankenhaus in Lund stellte man dann fest, dass Gullberg an einer seltenen, unheilbaren Krankheit litt, die ihn langsam vollständig erlahmen lassen sollte. Als er aus diesem Grunde eine längere Zeit in einem Respirator leben musste, entschied er sich zu sterben und ertränkte sich im See Yddingen bei Holmeja.

Hjalmar Gullberg wurde im Jahre 1940 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Selma Lagerlöf, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm. Vier Jahre später wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

11 maj 2013

Ernst Gustaf Lundquist und die literarische Entdeckung Italiens

Ernst Gustaf Lundquist wurde am 3. Februar 1851 als Sohn des Arztes Gustaf Mauritz Lundquist und dessen Frau Catharina Charlotta Rydström in Nyköping geboren und starb am 18. Januar 1938 in Stockholm. Lundquist war ab 1882 mit Ida (Iris) Amalia Hoflund verheiratet.

Bereits bevor Ernst Gustaf Lundquist in Norrköping seine Hochschulreife machte und sein Studium an der Universität Uppsala begann, zeigte er seine Neigung zur Literatur. Seine Lehrer lobten seine Fantasie und die Lokalzeitungen im Södermanland druckten zahlreiche seiner Novellen. Acht dieser Novellen erschienen noch 1869 unter dem Pseudonym Stern unter dem Titel Första försöken.

Foto: UUB, Schwedisches Reichsarchiv

Das Studium in Uppsala machte kaum Fortschritte und Ernst Gustaf Lundquist verließ die Universität nach einigen Jahren ohne jeden Abschluss. Dafür hatte er in dieser Zeit den Einakter Cornelius Nepos geschrieben, der wiederum einige Jahre später Premiere im Nya teatern in Stockholm hatte. Die Aufführung seines Stückes nahm Lundquist auch zum Anlass sich ganz dem Schreiben zu widmen, sowohl als Literat als auch als Dramaturg.

Da Ernst Gustaf Lundquist noch während seines Studiums einige Zeit Theater in Paris studiert hatte und gut Französisch sprach, wurde er allerdings weniger als Manuskriptschreiber beschäftigt, sonder überwiegend als Übersetzer französischer Salon-Drama, die er auch für die schwedische Bühne anpasste. Auf Grund seiner Leistungen und dem Erfolg einiger eigener Stücke wurde Lundquist 1881 literarischer Ratgeber des Dramaten in Stockholm.

Parallel zu seiner Arbeit an den Stockholmer Theatern schrieb Ernst Gustaf Lundquist auch für verschiedene Zeitungen Schwedens mit literarischem Einschlag, unter anderem für das Svenska Familj-Journalen, Idun, Nornan und für die Ny Illustrerad tidning. Bereits die Wahl der Zeitschriften für die Lundquist arbeitete, zeigt, dass der Schriftsteller eine einfache Sprache wählte um eine möglichst große Schicht an Lesern anzusprechen. Viele Literaturwissenschaftler bezeichnen den Autor daher als einen der letzten Erzähler des 19. Jahrhunderts und vergleichen ihn in gewisser Weise mit August Blanche und mit Emilie Flygare-Carlén.

Während der ersten Phase seiner literarischen Karriere bleibt Ernst Gustaf Lundquist auch bei seinen Novellen und Romanen dem Theater treu, da er dieses Leben am besten kennt. Werke wie Smink, Skuggor och ljusglimtar oder Konstnärsblod sind daher glaubwürdige Erzählungen und erlauben dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen des Theaters und dessen Philosophie.

Die wahre Stärke von Ernst Gustaf Lundquist zeigt sich jedoch in seinen späteren Werken, die in Italien spielen und mit Påskägget im Jahre 1902 eingeleitet werden, denn hier bietet der Schriftsteller die Wärme und die Farben des Landes jenseits der Alpen und schafft sehr persönliche Werke, die eine Mischung aus Kulturgeschichte, Reiseschilderung und Essay sind. Der Schriftsteller lässt hier Worte spielen, auch wenn man bei einigen der Novellen und Romane dieser Zeit noch den Einfluss von Paul Heyse spürt, der ebenfalls mit seinen Italien-Romanen den großen Durchbruch hatte.

Die literarische Karriere von Ernst Gustaf Lundquist begann in der Jugend und endete erst kurz vor seinem Tod. Auch wenn man deutlich eine Steigerung seiner Leistungen und seiner Ausdrucksfähigkeit sieht, so findet man bei diesem Schriftsteller keinerlei Beeinflussung von literarischen Strömungen. Der Autor verzichtet auch auf deutliche Tendenzen zur Religion oder eine politischen Linie, sondern er bleibt sich selbst treu. Dies hatte allerdings auch den Nachteil, dass Lundquist außerhalb der literarischen Kreise Schwedens blieb, die ihm den Weg zu einem bedeutenden Platz in der schwedischen Literaturgeschichte geboten hätte.

Heute ist die Literatur von Ernst Gustaf Lundquist nahezu vergessen, nicht jedoch seine Leistung als unermüdlicher Übersetzer von Belletristik und von Theaterstücken aus sieben Sprachen, denn noch heute sind einige seiner Übersetzungen von Oscar Wilde und Jack London in Schweden im Handel.

Ernst Gustaf Lundquist übersetzte parallel zu seinem eigenen literarischen Schaffen etwa 300 Werke und brachte dem schwedischen Publikum insbesondere Alphonse Daudet, Émile Zola, Pierre Louÿs und Jack London näher, die erst durch den Schriftsteller ihren Weg nach Schweden fanden. Lundquist war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der zuverlässigsten literarische Übersetzer Schwedens, der auch dafür bekannt war, dass seine Übersetzungen den Originalen sehr nahe kamen und der Autor die Seele des ursprünglichen Schriftstellers fühlen konnte.

Copyright: Herbert Kårlin

26 april 2013

Axel Krook, der Meinungsmacher des 19. Jahrhunderts

Axel Krook wurde am 9. August 1831 als Sohn des Kaufmanns Anders Georg Krook und dessen Frau Fredrika Sager in Sölvesborg geboren und starb am 26. April 1893 in Göteborg. Krook war ab 1855 mit Selma Madelaine Warberg verheiratet.

Da über die Kindheit und die Jugend von Axel Krook nahezu nichts bekannt ist, beginnt seine Biographie mit seiner Hochschulreife in Lund, der Stadt in der er 1850 ein Medizinstudium begann, das er auch mit einem ersten Examen abschloss, obwohl er sich diesem Studium wenig widmete, da er sich von der schöngeistigen Literatur angezogen fühle und dieser sehr viel Zeit widmete.


Stich: Schwedisches Reichsarchiv

Bereits 1851 schloss sich Axel Krook einer Gruppe literarisch interessierter Studenten der Universität Lund an, die die Gesellschaft Sjustjärnan gründeten. Nicht ganz klar ist dabei ob Krook oder Viktor Rydberg dabei die treibende Kraft war, aber sicher ist, dass beide eine wichtige Rolle innerhalb der Gesellschaft einnahmen. Sjustjärnan musste allerdings bereits ein Jahr später seine Aktivitäten einstellen, da sowohl Krook als auch Rydberg die Universität, aber auch Lund, aus finanziellen Gründen vorübergehend verlassen mussten.

Ab 1854 arbeitete Axel Krook für die sehr progressiven Zeitungen Allmänna tidningen und der umstrittenen antisemitischen Folkets röst. Im gleichen Jahr begann Krook zusätzlich Märchen im Stil von Hans Christian Andersen zu schreiben, zum Beispiel Skogsflickans sagor, und er arbeitete an satirischen Lustspielen unter denen Blekingsflickan und En julafton i Blekinge am bekanntesten wurden, Stücke, die im Humlegårdsteatern und dem Södra teatern in Stockholm aufgeführt wurden.

In den ersten Jahren seiner journalistischen Aktivität arbeitete Axel Krook bei verschiedenen Zeitungen ohne jedoch davon leben zu können - bis er 1859 nach Göteborg zog. Nur ein Jahr nach seinem freiberuflichen Beginn bei der Göteborgs-Posten wurde er dort fest angestellt und konnte seine Arbeit als Telegraphieassistent aufgeben.

In Göteborg nahm Axel Krook seine Beziehungen zu Viktor Rydberg unmittelbar wieder auf und traf den Journalisten und späteren Reichstagspolitiker Sven Adolf Hedlund. Gemeinsam wurde die Gruppe als die treibende Kraft des politischen und literarischen Geschehens Göteborgs betrachtet, deren Einfluss jedoch weit über die Grenzen Westschwedens hinausreichten.

Noch in den 60er Jahren engagierte sich der nach wie vor liberal-konservative Axel Krook in der Arbeitervereinigung und führte dort eine Krankenkasse, eine Begräbniskasse und andere Neuerungen ein. 1868 gründete Krook dfann die Zeitung Arbetare, ohne jedoch seine Tätigkeit bei der Göteborgs-Posten aufzugeben.

Die literarische Aktivität Krooks war in den 60 und 70er Jahren sehr beschränkt, da er politisch sehr aktiv war. Bedeutend aus dieser Zeit sind lediglich seine beiden Werke Tro och otro aus dem Jahre 1864 und Sokrates, das zwei Jahre später erschien, da sich Krook in diesen beiden Werken kritisch zur Religion ausdrückte und damit stark kritisierte Bücher vorlegte, deren Ziel und Inhalt erst Jahrzehnte später erfasst wurde.

Um den Mangel an literarischer Arbeit zu kompensieren, schrieb Axel Krook in dieser Zeit allerdings hunderte von Rezensionen überwiegend über ausländische Werke und beeinflusste damit das kulturelle Denken Schwedens in sehr bedeutendem Masse, denn Krook schrieb nicht nur über Literatur, sondern auch über Musik, Kunst, Theater und alle anderen kulturellen Bereiche. Parallel dazu schrieb der Journalist und Schriftsteller in dieser Epoche auch einige kurze Theaterstücke, die er für eine von ihm geplante  Arbeiterbühne vorsah, aber weder die Idee des Arbeitertheaters zeigte einen größeren Erfolg, noch seine Theaterstücke, die er unter dem Pseudonym Nils Andersson veröffentlicht hatte, da die Stücke schnell geschrieben und entsprechend oberflächlich waren.

Der Erfolg und die Vielseitigkeit von Axel Krook verhinderte gewissermaßen einen bedeutenden Erfolg als Schriftsteller. Wenn man seine Aktivität der 70er Jahre betrachtet, so stellt man fest, das er Mitgründer der Göteborger Volksbank und dessen Direktor war, dass er künstlerischer Direktor des Stora Teatern in Göteborg war, im Stadtrat saß, als Journalist arbeitete und zusätzlich Novellen, Gedenkschriften und anderes für das Svenska familj-journalen und den Svea-Kalender schrieb. Nebenbei war Krook auch noch als Übersetzer tätig.

Die Rolle von Axel Krook innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist daher weniger in seiner Rolle als Literat zu sehen, da er in diesem Bereich nur wenige bedeutend Werke veröffentlichte. Seine Bedeutung liegt jedoch an seiner Arbeit ala Journalist, da er einer der bedeutendsten Autoren Ende des 19. Jahrhunderts war, der die Meinung der Schweden und ihre Einstellung zur Literatur bedeutend beeinflusste. In gewissen Jahren war es Krook der dem schwedischen Volk vorschrieb welche ausländischen Bücher übersetzt und gelesen werden sollten.

Copyright: Herbert Kårlin

22 mars 2013

Tor Hedberg und der psychologische Roman

Tor Hedberg wurde am 23. März 1862 als Sohn des Schriftstellers Frans Hedberg und dessen Frau, der Schauspielerin Julia Amanda Carolina Broman, in Stockholm geboren und starb am 13. Juli 1931 ebenfalls in der Hauptstadt Schwedens. Hedberg war mit der Schauspielerin Amanda Kristina (Stina) Sofia Ulrika Holm verheiratet.

Bereits mit elf Jahren soll Tor Hedberg seinem Vater ein Gedicht zum Geburtstag geschrieben haben nach dem er dem Weg des Vaters gehen wollte und sich entschieden hatte später Schriftstellers zu werden. Wie viel der junge Hedberg dann in den Folgejahren jedoch schrieb, ist unbekannt, denn 1880 schrieb er sich an der Universität Uppsala für Philosophie ein und seine ältesten erhaltenen Schriften gehen lediglich bis zu dieser Zeit zurück.


Die ersten Jahre in Uppsala schrieb Tor Hedberg auch seine ersten Romane, die noch vollständig unter dem Einfluss von Émile Zola standen und daher dem nachdenklichen Realismus der 80er Jahre folgten. Die Schwermut Hedbergs, die sich bereits in seiner Jugend zeigte, wirkt sich auch auf das Schreiben aus, denn die ersten Romane werden zu psychologischen Charakterstudien, die sich bis zu seinem Roman Judas im Jahre 1886 hinziehen.

Nach dem Roman Judas und unter dem Einfluss seiner Freunde Oscar Levertin und Karl Staaff, mit denen er auch den Verein Verdani gründet, geht Tor Hedberg zur Nationalromantik über. Eine große Bedeutung hat hierbei sicher auch seine unglückliche Verbindung zur zehn Jahre älteren Freiherrin Sigrid von Mecklenburg, denn in seinen folgenden Romanen sind die Hauptmotive oft Einsamkeit und eine unglückliche Liebe, von den Problemen Vater-Sohn, die man während der gesamten Schaffensphase des Schriftsteller finden kann, abgesehen.

Die Bindung zum Vater spürt man bei Tor Hedberg sehr deutlich, wobei man oft das Gefühl bekommt, dass er gleichzeitig unter dem Druck des Vaters leidet, der bereits 1881 Tors Einakter I lugnet im Stora Teatern in Göteborg aufführen ließ, wo Frans Hedberg zu dieser Zeit als Theaterdirektor arbeitete. Aber auch die Novellen, die Hedberg die ersten Jahre über schrieb spielten meist im gleichen Milieu, das der Vater für seine eigenen Werke bereits benutzt hatte.

Zeit seines Lebens gelang es Tor Hedberg nicht eine klare Linie in sein Schaffen zu bringen, so dass er teilweise parallel für die Presse sowie für das Theater schreibt und neben schöngeistigen Roman auch Gedichte verfasste.

Eine sehr ähnliche Linie zeigt sich auch bei seinem beruflichen Werdegang, dann nach seinem Studium in Uppsala wird Tor Hedberg erst Privatlehrer, von 1897 bis 1907 arbeitet er als Kunst- und Literaturkritiker für das Svenska Dagbladet (SvD), von 1910 bis 1922 wird er Chef des Dramaten um anschließend als Kunstkritiker für die Dagens Nyheter (DN) zu schreiben. Seine letzte Aufgabe übernimmt er dann als Intendant bei der Thielska Galerie in Stockholm.

Den größten Erfolg hatte Tor Hedberg nicht als Autor von Romanen, Gedichten und Kunstmonographien, sondern als Dramatiker, da er durch sein Interesse für die Psychologie in der Lage war jeder handelnden Person auch die am besten geeigneten Charakterzüge zu verleihen.

Am häufigsten gespielt und am bekanntesten wurde unter den zahlreichen Theaterstücken von Tor Hedberg das Stück Johan Ulfstjerna, das später auch verfilmt wurde. Auch in seinen Dramas behandelt Hedberg sehr häufig das Vater-Sohn-Problem, das für ihn erst 1927 mit dem Stück Rembrandts son als abgeschlossen gelten kann und auch bei Johan Ulfstjerna eine tragende Rolle spielt.

Als Dramatiker hat Tor Hedberg die Arbeiten von Hjalmar Bergman und Pär Lagerkvist sehr stark beeinflusst, die vom Ausdruck, den Hedberg seinen Personen gab, stark beeindruckt waren. Seine Arbeit im Dramaten, wo er die Möglichkeit hatte seine Stücke so aufzuführen wie er sie selbst sehen wollte, war weniger erfolgreich, denn sehr schnell wurde kritisiert, das er alle wichtigen Positionen auf und hinter der Bühne seiner Familie und seinen Freunden gab. Diese Machenschaft führte letztendlich auch dazu, dass der die Leitung des Dramaten im Jahre 1921 nicht mehr fortführen durfte.

Tor Hedberg wurde 1922 in die Svenska Akademien gewählt und nahm dort, nach Ivar Afzelius, auf dem Stuhl Nummer 4 Platz. 1927 wurde Hedberg auch die Ehrendoktorwürde der Universität Stockholm verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

15 mars 2013

Abraham Niclas Edelcrantz, der Skalde des Königs Gustav III.

Abraham Niclas Edelcrantz wurde am 29. Juli 1754 als Sohn des Professors Carl Abraham Clewberg und dessen Frau Agatha Charlotta Fahlenius im finnischen Åbo (Turku) geboren und starb am 15. März 1821 in Stockholm. Nachdem die irische Schriftstellerin Maria Edgeworth seinen Heiratsantrag ablehnte, blieb Edelcrantz unverheiratet.

Wie üblich in bürgerlichen Kreisen, wurde Abraham Niclas Edelcrantz von Privatlehrern unterrichtet mit deren Hilfe er bereits 1766, gerade einmal elf Jahre alt, in der Königlichen Akademie in Åbo aufgenommen wurde und dort sein Studium 1772 mit einem Magister beendete. Mit 18 wurde Edelcrantz, der diesen Namen erst annahm, nachdem er von Gustav III. in den Adelstand aufgenommen worden war, an der gleichen Hochschule Dozent für Physik und Literaturgeschichte.


Sehr bald schloss sich Abraham Niclas Edelcrantz der nationalistischen Aurorasällskapet in Åbo an, einer Gesellschaft, die die erste finnische Zeitung gründete und an der nicht nur Edelcrantz, sondern auch Johan Henric Kellgren aktiv war. Trotz der Karriere, die Edelcrantz in Finnland zu erwarten hatte, entschied dieser sich 1780 nach Stockholm umzuziehen.

Inwieweit Abraham Niclas Edelcrantz bereits 1775 seinen Umzug nach Stockholm plante, ist ungewiss. Sicher ist dagegen, dass in diesem Jahr König Gustav III. nach Åbo kam und Edelcrantz sich, trotz seinen sehr jungen Alters, als hervorragender Skalde bemerkbar machte. Um diese Zeit äußerte sich Edelcrantz auch häufig über den Zukunft des Theaters, das dem „Theaterkönig“ besonders am Herzen lag. Zahlreiche Autoren vermuten, dass Edelcrantz sehr früh seine Karriere am königlichen Hof in Stockholm vorbereitete und hierfür auch seine Beziehungen in der wissenschaftlichen und der kulturellen Welt spielen ließ.

In Stockholm wurde Abraham Niclas Edelcrantz unmittelbar am königlichen Hof angestellt und machte dort sehr schnell Karriere, wobei zu seinem Aufstieg nicht nur seine Dichtkunst und seine Arbeit im Theater eine wichtige Rolle spielt, sondern auch sein technisches Interesse, wobei er sich hierbei vor allem für die Herstellung von Eisen und Branntwein interessierte. Von einer Reise nach England brachte er 1804 vier Dampfmaschinen mit nach Schweden, wobei eine davon für seine eigene Mühle Eldkvarn in Stockholm bestimmt war, zwei die Herstellung von Branntwein in der schwedischen Hauptstadt vereinfachen sollten und die vierte für eine Textilfabrik auf Lidingö bestimmt war.

Gustav III. sah in Abraham Niclas Edelcrantz allerdings mehr den Dichter als den Techniker, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Edelcrantz der romantischen Dichtung Englands dieser Epoche folgte und Abstand von Heldengedichten nahm. Seine Gedichte wirken heute nahezu so, als wären sie für den damaligen Herrscher bestimmt gewesen, da er das Edle hervorhob nach dem auch der König strebte.

Den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erreichte Abraham Niclas Edelcrantz bereits zwischen 1784 und 1786, als der Skalde seine Ode til svenska folket schrieb, ein Werk in dem er die nordische Mythologie mit der Dichtkunst der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbindet und seiner Liebe zu seinem Heimatland Ausdruck verleiht. Dieses Gedicht spielte sicher auch eine große Rolle dafür, dass Edelcrantz 1786 in die Svenska Akademien aufgenommen wurde.

In der Theaterwelt war Abraham Niclas Edelcrantz weniger der künstlerische Leiter als vielmehr derjenige, der als Organisator dem König dabei half das Theater als kulturelle Einrichtung in Schweden zu festigen und der schwedischen Sprache auch in Theaterstücken zum Durchbruch zu verhelfen. Leider waren seine Gedanken im Jahre 1804, als er zum Leiter des königlichen Theaters ernannt wurde und die Oper mit dem Schauspiel verbinden sollte, bereits in anderen Bereichen und Edelcrantz versagte bei dieser Aufgabe. Als dann Gustav IV. Adolf an die Macht kam, der von von Theater nicht viel wissen wollte, legte Edelcrantz sein Amt nieder.

Welche Rolle Abraham Niclas Edelcrantz innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte tatsächlich spielt, ist sehr umstritten, denn auch wenn einige seiner Werke in jener Zeit allgemein bekannt waren und seine Übersetzung von God save the King (Bevare Gud vår kung) 60 Jahre lang Schwedens Nationalhymne war, so hat Edelcrantz im Laufe seines Lebens sehr wenig veröffentlicht und sein Schaffen mehr auf die Interessen von Gustav III. abgestimmt als wirklich eine persönliche Dichtung zu schaffen, so dass der Schriftsteller heute mehr wegen seinem technischen Errungenschaften bekannt ist als für seine Dichtkunst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Situation sicher eine andere, da Edelcrantz während der Regierungszeit von Gustav III. das kulturelle Leben Schwedens maßgeblich beeinflusste und auch der Lyrik neue Wege gab. 

Abraham Niclas Edelcrantz war Mitglied sämtlicher Akademien seiner Epoche und folgte im Jahre 1786 Carl Fredrik Scheffer auf dem Stuhl Nummer 2 der Svenska Akademien und war damit das erste Mitglied der Akademie, das zu Ehren seines Vorgängers eine Erinnerungsrede hielt.

Copyright: Herbert Kårlin

2 mars 2013

Frans Theodor Hedberg, ein Leben für das Theater

Frans Theodor Hedberg wurde am 2. März 1828 in Stockholm unehelich und mit unbekanntem Vater geboren. Da sich seine Mutter, Greta Hedberg, die als Schauspielerin arbeitete, nicht um ihn kümmern konnte, wuchs Hedberg zum Teil im Kinderheim Pro Patria auf. Der Schriftsteller und Theaterintendant starb am 8. Juni 1908 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Hedberg war mit der Schauspielerin Julia Amanda Carolina Broman verheiratet.

Nach sechs Jahren im Kinderheim der Freimaurer kam Frans Theodor Hedberg zur verheirateten Schwester der Mutter, ging erst drei Jahre in die Jakobs Schule und dann zwei Jahre ins Deutsche Gymnasium. Da dann das Geld ausging, hatte Hedberg keine andere Wahl als mit der Arbeit zu beginnen. Erst arbeitete er in einer Destillerie, anschließend bei einem Kleinhändler und schließlich bei einem Perückenmacher, wo er nicht nur die Welt des Theaters entdeckte, sondern auch das Interesse zum Schreiben wuchs. Bereits 1949 entschied sich Hedberg dann die Laufbahn eines Schauspielers zu ergreifen.


Noch während Frans Hedberg als Perückenmacher arbeitete, hatte er begonnen Gedichte und Novellen zu schreiben, die vor allem in der Zeitschrift Friskytten veröffentlicht wurden. Parallel zu seinen ersten Auftritten als Schauspieler hatte der Schriftsteller auch sein erstes Theaterstück Hafvets son geschrieben, das unmittelbar aufgeführt wurde, da Hedberg von Beginn an den Rhythmus des Theaters verstanden hatte. Sehr schnell sah der Autor ein, dass er als Schauspieler nie die Leistung bringen konnte zu der er als Schriftsteller in der Lage war. Diese Einsicht führte dazu, dass Hedberg bereits 1854 den Beruf als Schauspieler aufgab.

Die Karriere des Vielschreibers Frans Theodor Hedberg, der hunderte von Schauspielen schrieb und etwa 200 übersetzte und der schwedischen Bühne anpasste, ging rapide nach oben, denn neben seiner Tätigkeit als Manuskriptschreiber war Hedberg ab 1862 Deklamationslehrer am Königlichen Theater in Stockholm, ab 1870 auch Lehrer am Konservatorium, ab 1871 Intendant am Königlichen Theater und danach Direktor beim Stora Teatern in Göteborg. Nebenbei verfasste der Schriftsteller auch noch Gedichte und kurze Prosastücke, denen jedoch die literarische Größe fehlt.

Für seine Theaterstücke, die das gesamte Spektrum von Volksweisen bis zu Tragödien umfassen, griff Frans Hedberg oft zu Anekdoten und Volksreimen von Anders Fryxell, Arvid August Afzelius oder Adolf Ivar Arwidsson, um die er dann seine Manuskripte baute, die meist zur Romantik neigten. Da sich Hedberg jedoch nicht an die universitären Normen des Schreibens und des Ablaufs eines Theaterstücks hielt, sondern für ihn wichtig war das Publikum in seinen Bann zu ziehen und nicht zu langweilen, war der Schriftsteller im wissenschaftlichen Kreis sehr umstritten und hatte seine Freunde mehr im Volk als der Elite der literarischen Theaterwelt.

Diese Einstellung zeigte sich bereits beim ersten historischen Schauspiel von Frans Theodor Hedberg, denn Kung Martha aus dem Jahre 1860 ist alles andere als eine historische Darstellung in Schauspielform und beleuchtet mehr die mögliche private Seite von Märta Eriksdotter als sich auf historische Tatsachen zu berufen. Diese Art des Theaters beeinflusste auch die Arbeit von August Strindberg, dem Hedberg auch dazu verhalf seine ersten Stücke auf die Bühne zu bringen.

Frans Hedberg war nicht nur der Autor, der im 19. Jahrhundert am meisten Theaterstücke geschrieben hat, sondern auch der Autor, der am häufigsten auf den schwedischen Bühnen gespielt wurde und dadurch dem Theater seine Schwere nahm und zahlreiche junge Manuskriptschreiber und modernere Intendanten beeinflusste. Wenig bekannt ist, dass Hedberg auch Opern schrieb, die teilweise noch heute aufgeführt werden und dass er Richard Wagners Lohengrin übersetzte und an die schwedische Oper brachte.

Seine literarisches Wirken, neben dem Theater, nimmt in der Literaturgeschichte Schwedens nur eine Nebenrolle ein, nicht zuletzt auch deswegen, weil er für diese Werke Pseudonyme wie Esbern Snare, Palle Block und Paul Qvitt erfand und es lange dauerte bis man diese Namen mit Frans Theodor Hedberg in Verbindung brachte, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Die wenigen Romane, die Frans Hedberg schrieb, spielen überwiegend in Stockholm und auf den Schären vor der schwedischen Hauptstadt, wobei dar Roman Stockholmslif och Skärgårdsluft aus dem Jahre 1886 nicht nur ein viel gelesenes Werk Hedbergs war, denn einige Elemente dieses Buches nimmt Strindberg ein Jahr später auch in seinem Roman Hemsöborna auf.

Frans Theodor Hedberg, der 1879 in die Kungliga Musikaliska Akademien aufgenommen wurde, verfasste auch den ersten Roman über die Arbeiterbewegung Schwedens, der 1892 unter dem Titel Arbetarlif erschien, und liefert damit ein Zeitdokument von höchster Bedeutung, das jeder spätere Arbeiterliterat gelesen hat und die Situation der schwedischen Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts sehr deutlich beschreibt.

Copyright: Herbert Kårlin

2 januari 2013

Jonas Hassen Khemiri und das multikulturelle Schweden

Jonas Hassen Khemiri wurde am 27. Dezember 1978 in Stockholm geboren. Sein Vater kommt aus Tunesien, seine Mutter aus Schweden, eine Mischung, die dem Schriftsteller einen Blick auf zwei Seiten des Lebens in Schweden gleichzeitig bietet und sein literarisches Schaffen prägt.

Auch wenn Jonas Hassen Khemiri relativ wenig von seiner Kindheit und seiner Jugend spricht, so findet man seine Denkweise in seinen Büchern, die sicher in vielen Punkten auf seine eigenen Erlebnisse und die seiner Freunde aufbaut. Khemiri wuchs in Stockholm auf, besuchte das Gymnasium Södra Latin, eine Schule der Mittelklasse, und studierte anschließend Literaturwissenschaft und Internationale Ökonomie in Stockholm und Paris. Sein Praktikum machte Khemiri im Sicherheitsrat der UN in New York.


Zurück in Schweden begann Jonas Hassen Khemiri allerdings keine Karriere in der Wirtschaft, sondern er schrieb das Buch Ett öga rött (Das Kamel ohne Höcker), das im Jahre 2003 beim Verlag Norstedts erschien und dem jungen Autor unmittelbar einen Platz in der literarischen Welt Schwedens bot, da Khemiri in der Lage war ein neues Gesicht Stockholms zu zeigen, das man nicht sehen, sondern nur fühlen kann. Ett öga rött erreichte sensationelle Verkaufsziffern, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und wenig später auch verfilmt, was bei einem Erstlingswerk nur extrem selten ist.

Der Erfolg des Buches Ett öga rött liegt jedoch darin, dass alle Ereignisse nur im Kopf der Hauptperson Halim geschehen und Jonas Hassen Khemiri dem Leser nur eine Welt der Träume und der Gedanken bietet, die bisweilen von einem Thema zum anderen schweifen und eine reiche Gefühlswelt ausdrücken. Halim lebt in einer Welt, deren Werte nicht zu greifen sind und zwischen der modernen schwedischen Kultur und dem Fundamentalismus des Islam liegen.

Jonas Hassen Khemiri verstärkt diesen Eindruck des Zerrissenen indem der teilweise gebrochenes Schwedisch benutzt und Stil und Grammatik ein eigenes Leben verleiht, das eine Gesellschaft Schwedens zeigt, die für die Jugend der verschiedenen Städte des Landes Alltag ist, aber der Mehrheit der Bürger verschlossen und unverständlich bleibt.

Die folgenden Romane von Jonas Hassen Khemiri behalten ihr Niveau und bringen dem Schriftsteller internationale Anerkennung, wobei die Welt seiner Werke weiterhin in Stockholm konzentriert ist, was insbesondere der Roman Jag ringer mina bröder ausdrückt, der 2012 erschien und auf das Attentat in Stockholm im Jahre 2010 anspielt, das in jedem, der nicht „schwedisch weiß“ aussieht, eine unbegründete Kollektivangst entstehen lässt, die dazu führt, dass die Hauptperson Amor Kontakt mit seinen Brüdern sucht, Brüdern, die nicht mit ihm verwandt sind, aber ihn verstehen und seine Angst teilen. Das Hauptthema ist auch hier die Frage nach einer übergreifenden Moral, die sich durch die Fragen ausdrückt „Was denke ich eigentlich?“ und „Was denken die anderen eigentlich?“.

Ab 2006 konzentriert sich Jonas Hassen Khemiri auch auf das Schreiben von Theaterstücken, wobei sein erstes Stück Invasion!, eine Suche nach einer Identität der Hauptfigur Abulkasem, am 10. März 2006 im Stockholmer Theater Premiere hat und so gut besucht ist, dass es bis 2008 auf dem Spielplan bleibt um anschließend auch in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA die Bühne zu erobern. In den USA erhält Khemiri für Invasion! den Village Voice Obie Award, den bedeutendsten Preis für off-Broadway Theaterstücke.

Diesem ersten Theaterstück folgen Fem gånger Gud, Vi som är hundra und Apatiska för nybörjare, die sich alle dem Erfolg seines ersten Werkes anschließen und auf den bedeutendsten Bühnen Schwedens aufgeführt werden. Bereits 2012 ist Khemiri nicht nur ein Begriff für die Leser von zeitnahen Büchern, sondern auch in der Welt des internationalen Theaters ein anerkannter Name.

In nicht einmal zehn Jahren ist es Jonas Hassen Khemiri gelungen zu einem der meist gelesenen Schriftsteller des Landes und einem anerkannter Dramatiker zu werden, der einen Bruch in der Literaturgeschichte Schwedens einleitete, der ebenso bedeutend ist wie jener der ersten Arbeiterliteraten des Landes oder der Beginn der feministischen Literatur, da Khemiri nicht nur die Sprache erneuert, sondern auch den Fokus auf ein multikulturelles Zusammenleben legt, das in ganz Europa zur Normalität wird.

Copyright: Herbert Kårlin

11 december 2012

Frida Stéenhoff und die Revolution der Frau

Frida Stéenhoff (Helga Frideborg Maria Stéenhoff), geborene Wadström, wurde am 11. Dezember 1865 als Tochter des Priesters Carl Bernhard Wadström und seiner Frau Helga Louise Westdahl in Stockholm geboren und starb am 22. Juni 1945 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt.

Die Schriftstellerin wuchs in einem streng christlichen und wohlhabenden Haus auf, besuchte erst die Åhlinska Mädchenschule in Stockholm und verbrachte das Studienjahr 1883/84 in der Schweiz um Malerei und Französisch zu studieren. Zurück in Schweden entschied sie sich im Mädchengymnasium die Hochschulreife zu machen, ohne allerdings ein Studium anzuhängen, denn bereits 1887 heiratete sie den Arzt Gotthilf Stéenhoff.


Das Ehepaar Stéenhoff zog nach der Ehe von 1887 bis 1905 nach Sundsvall wo der Ehemann von Frida Stéenhoff als Stadtarzt zu arbeiten begann. Während die Schriftstellerin bereits in ihrer Jugend an Gott zu zweifeln begonnen hatte und sich nach dem Aufenthalt in der Schweiz nahezu ganz von der Religion abgewandt hatte, lernte sie in Sundsvall auch die extrem schwierige Situation der Arbeiter kennen, was ihr Schaffen bedeutend beeinflusste.

Die literarische Karriere von Frida Stéenhoff begann im Jahre 1896 mit dem Drama Lejonets unge, das sie unter dem Pseudonym Harold Gote veröffentlicht hatte, auch wenn sie bereits vorher einige kürzere Veröffentlichungen in Idun hinter sich hatte. Kurz vor der Premiere ein Jahr später und vor ausverkauftem Haus wurde bekannt wer sich hinter dem Pseudonym versteckte. Wenn die Autorin nicht nur Elite der Stadt angehört hätte, wäre dies sicher zu einer Katastrophe geworden, denn Frida Stéenhoff befürwortete in ihrem Stück ein Liebesverhältnis ohne Ehe und sprach im Theaterstück wie selbstverständlich von Verhütungsmitteln. In diesem Stück kam auch der Satz Nästa århundrade blir barnets århundrade vor, den Ellen Key später ihrem Buch gab, das in Deutschland unter "Das Jahrhundert der Kinder" erschien.

Nach diesem Theaterstück wurde Frida Stéenhoff nicht nur eine sehr aktive Schriftstgellerin und Verfechterin der Freiheit und der Unabhängigkeit der Frau, sondern begann ihre Theorien auch in öffentlichen Debatten zu verteidigen. Sie lehnte die Ehe als Institution ab, forderte, dass sich die Frau selbst versorgen darf und befürwortete die freie Liebe. Als Stéenhoff im Jahre 1903 das Werk Feminismens moral veröffentlichte, führte sie damit auch den Begriff Feminismus in Schweden ein, auch wenn die Forderungen der Autorin weitaus weiter gingen als jene, die die damaligen Frauenbewegungen hatten.

Sehr bedeutend für ihre weitere Arbeit als Schriftstellerin war ihr Treffen mit Ellen Key im Jahre 1888. Die Frauenrechtlerin Key hatte ihr Stück Lejonets unge, das in 20 verschiedenen Orten Schwedens gespielt wurde, gesehen und war vermutlich eine der wenigen Zuschauer, die nicht nur die Forderung nach der sexuellen Freiheit sahen, sondern die dahinter steckende Forderung Frida Stéenhoffs, die vielmehr um die Befreiung der Frau als solches ging. Key überzeugte daher die Autorin weiter zu schreiben und die Malerei, die diese bisher parallel laufen liess, aufzugeben.

Frida Stéenhoff begnügte sich jedoch nicht nur mit Theaterstücken, Novellen, Debatten und ähnlichem, sie schloss sich auch zahlreichen anderen Bewegungen an, die die medizinische Versorgung der Armen garantieren sollte, sie forderte das Stimmrecht der Frau, kämpfte gegen Alkohol und unterstützte die Bewegung der Geburtenkontrolle. Es gab kaum eine humanitäre Bewegung in Schweden an der sich Stéenhoff nicht engagierte.

Auch wenn Frida Stéenhoff grundsätzlich zu den Feministinnen Schwedens gezählt wird, so muss man dies unter der heutigen Warte sehen, denn während für die Frauenbewegung Schwedens jener Zeit der Einfluss der Frau innerhalb der Gesellschaft und das Wahlrecht am wichtigsten war, war für Stéenhoff die Gleichstellung zwischen Mann und Frau, die Infragestellung der Institution Ehe, eine andere Kindererziehung, Abtreibung, eine geregelte Prostitution und ähnliche Werte wichtig. Stéenhoff galt daher als Revolutionärin mit Werten, denen sich die Mehrheit der Frauenrechtlerinnen um diese Zeit noch nicht anschließen wollten, da diese die Ehe als solches als Grundpfeiler der Gesellschaft sahen.

Als die Familie Stéenhoff im Jahre 1908 von Sundsvall nach Oskarshamn zog, wo Gotthilf Stéenhoff zum Provinzarzt ernannt worden war, begann die aktivste literarische Zeit der Schriftstellerin. Während der Zeit in Oskarshamn veröffentlichte Frida Stéenhoff neun Bücher, darunter drei Dramen. Um diese Zeit war die Schriftstellerin bereits weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt geworden, wobei in Deutschland nahezu alle ihre Werke übersetzt wurden, da die radikalen Frauengruppen Deutschlands die gleichen Forderungen stellten wie Stéenhoff in Schweden.

Die Vielseitigkeit von Frida Stéenhoff zeigte sich auch an ihrem Schauspiel Stridbar ungdom, mit dem sie im Jahre 1907 das erste pazifistische Theaterstück Schwedens veröffentlichte. Mit über 70 engagierte sich die Schriftstellerin dann noch in antifaschistischen Gruppen um gegen Stalin und Hitler zu kämpfen. Ihr letztes Buch wurde im Jahre 1944 eine Art Biografie über die englische Feministin und Antialkoholikerin Josephine Butler.

Copyright: Herbert Kårlin

22 november 2012

Harald Molander, ein Leben für das Theater

Harald Molander wurde am 17. März 1858 als Sohn des Arztes Johan Molander und seiner Frau Augusta Dybeck in Stockholm geboren und starb am 22. November 1900 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt in der er, mit einer siebenjährigen Unterbrechung, auch arbeitete.

Bereits in der Kindheit wurde der asthmakranke Harald Molander von seinen Eltern zum Schreiben animiert und sollte gesellschaftliche Theaterstücke aufführen. Diese Erziehung legte auch die Basis für sein späteres Schaffen und die Wahl des Theaters als Ausdrucksfeld, da dort die Phantasie über einen weitaus größeren Freiraum verfügt als in der reinen Schriftstellerei.


Zwischen 1877 und 1881 studierte Harald Molander an der Universität Uppsala, aber da er sich bereits dort mehr für das Studententheater interessierte als für die Vorlesungen, verließ er die Universität ohne Abschluss und widmete sich ab 1881 ganz dem Schreiben.

Harald Molander widmete sich von Beginn an dem Theater und schrieb 1881 seine erste Komödie für das Dramatiska Teatern in Stockholm. Rococo, das im französischen Milieu spielte, wurde allgemein mehr als Übungsstück betrachtet, zeigte keinerlei Persönlichkeit des Autors und blieb ohne Bedeutung für Molander.

Mit den folgenden Stücken Gogol aus dem Jahre 1883 und Vårflod im darauf folgenden Jahr kam dann jedoch der Durchbruch, da Harald Molander nun mehr den Nihilismus und den Realismus der Zeit zur Diskussion stellte. Der Erfolg des Autors lag indes weniger an seiner Individualität, sondern vielmehr daran, dass seine Stücke auf der bedeutendsten Bühne des Landes aufgeführt wurden. Was ihm fehlte, war jedoch das Bekenntnis einer klaren Richtung als Theaterschriftsteller. Weder die jungen schwedischen Autoren, noch die Akademiker rühmten seine ersten Theatertexte oder fühlten sich von ihnen angesprochen.

Aber auch wenn Kritiker und Literaten die Texte von Harald Molander nur für eine mittelmäßige Leistung hielten, so waren die Theaterbesucher anderer Meinung und nahezu alle Stücke konnten vor vollem Haus aufgeführt werden.

Aber auch hier muss man die gesamte Leistung Harald Molanders sehen, denn auch wenn seinen Texten die Persönlichkeit fehlte und der Dramatik die Tiefe, so konnte er als Regisseur aus jedem Stück ein Erfolgsstück schaffen. Das Problem Molanders war jedoch, dass er sich für ein übergreifendes Schreibgenie hielt und sich daher an jede Art von Theaterstücke wagte statt sich auf die Komödie zu beschränken, die er am besten beherrschte. Auf der anderen Seite hat der Autor durch diese Vielseitigkeit natürlich bewiesen, dass er die Stilistik und den Inhalt der Sprache beherrschen kann.

Den größten Erfolg Harald Molanders brachten allerdings nicht die Theaterstücke, sondern sein Roman En lyckoriddare aus dem Jahre 1896, wo er das Leben des Glücksritters und Schriftstellers Lars Wiwallius (Lauritz Wiwalts) darstellt, die Abenteuer eines Vagabunden, der während des 30-jährigen Krieges in Schweden und Deutschland unterwegs war.

Als er seinen Roman im Jahre 1900 in ein Drama für die Theaterbühne verwandelte, wurde das Stück auf allen größeren Bühnen Schwedens aufgeführt und zum größten Erfolg des Schriftstellers. Im Jahre 1921 wurde das Buch En lyckoriddare dann auch von John W. Brunius verfilmt und  hatte nicht nur in Schweden, sondern auch in den USA und anderen Ländern einen bedeutenden Erfolg.

Lars Molander, der ab 1888 mit Lydia Wessler verheiratet war, machte sich auch als Übersetzer von Theaterstücken einen Namen. Von 1884 bis 1886 war Molander Regisseur beim Nya Teatern in Stockholm, zwischen 1886 und 1893 Intendant beim Svenska Teatern in Helsingfors (Helsinki). Bis 1894 war Molander er auf Theatertournee, 1896 bis 1898 arbeitete er als Intendant beim Vasateatern in Stockholm und ab Mai wurde er beim Svenska Teatern (früheres Nya Teatern) in Stockholm Intendant.

Copyright: Herbert Kårlin

15 november 2012

Kristina Lugn, Poesie und Drama einer Außenseiterin

Kristina Lugn wurde am 14. November 1948 als Tochter des Generalmajors Robert Lugn und seiner Frau Brita-Stina Alinder in Tierp im Uppland geboren, lebt heute in Stockholm und ersetzt seit dem 5. Oktober 2006 den Schriftsteller Lars Gyllensten auf dem Stuhl Nummer 14 der Svenska Akademien.

Ihre Kindheit verbrachte Kristina Lugn in Skövde, wo ihr Vater damals stationiert war. Nach eigenen Aussagen entschied sie sich bereits mit sechs Jahren Schriftstellerin zu werden, nachdem ein Gedicht von ihr in Kalle Anka & C:o (Micky Maus) veröffentlicht worden war.


Kristina Lugn besuchte ging in Skövde auf das Mädchengymnasium und studierte anschließend an den Hochschulen in Uppsala und Stockholm, wo sie 1972 ihren Abschluss als Magister in der philosophischen Fakultät machte. Ich gleichen Jahr begann mit dem Gedichtband Om jag inte die literarische Karriere der Schriftstellerin, mit Gedichten, der bereits ihren trockenen Humor ausdrücken, der sie literarisch bis heute begleitet. Ihr Thema war und blieb die ewige Angst vor dem Tod, dem von Bekannten, aber auch ihrem eigenen.

Bevor Kristina Lugn dann im Jahre 1983 mit ihrem Gedichtband Bekantskap önskas med äldre bildad herre ihren großen Durchbruch hatte, veröffentlichte die Autoren weitere vier Gedichtbände, die alle sehr positiv aufgenommen wurden und vom Standpunkt eines gesellschaftlichen Außenseiters geschrieben wurden, auch wenn ihr etwas spezieller Humor in jedem Buch vorhanden ist, der den Werken die Schwermut nimmt.

Kristina Lugn arbeitet sehr langsam an ihren Gedichten und die Liebhaber ihrer Werke müssen immer lange auf einen Folgeband warten, wobei ihr bisher letzter Band Hej då, ha det så bra! nahezu wie ein Abschied wirkt, denn tatsächlich hat die Autorin seit 2003 keine Poesie mehr veröffentlicht.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass Kristina Lugn in dieser Zeit nicht literarisch tätig war, denn bereits zwischen Bekantskap önskas med äldre bildad herre aus dem Jahre 1983 und dem nächsten Gedichtband Hundstunden im Jahre 1989 schrieb sie mehrere Stücke für das Theater, die teilweise auch in Buchform erschienen.

Auch wenn die meisten Stücke von Kristina Lugn auf der kleineren Bühne Teater Brunnsgatan Fyra in Stockholm gespielt werden und wurden, dem Theater, das sie nach dem Tod von Allan Edwalls im Jahre 1997 als künstlerische Leiterin übernahm, so wurden ihren Stücke Tant Blomma, Titta en älg!, Kvinnorna vid Svansjön und Idla-flickorna auch im Dramaten aufgeführt.

Wie schon die Gedichte von Kristina Lugn, so kreisen auch ihre Theaterstücke, die nahezu wie parallele Monologe wirken, um die Angst vor dem Tod und fordern vom Zuschauer sehr viel Aufmerksamkeit. An zahlreichen Momenten streift die Dramaturgin Lugn das Absurde, das auf der Bühne bisweilen wie ein gesteuertes Chaos wirken kann.

Kristina Lugn gehört heute mit zu den einflussreichsten Dramaturginnen Schwedens, die, zum Beispiel, für die Hochzeit von Kronprinzessin Victoria mit Prinz Daniel das Stück Vilar glad i din famn schrieb, das an diesem Tag aufgeführt wurde und die den Text zur Komposition von Benny Andersson schrieb, das während der Einweihungswoche Orgel Acusticum an der Technischen Universität in Luleå vorgetragen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

13 november 2012

Werner Aspenström und die Poesie der 40er Jahre

Werner Aspenström wurde am 13. November 1918 als Sohn des Landwirts Karl A. und seiner Frau Anna Eriksson in Norrbärke in Dalarna geboren. Der Poet starb am 25. Januar 1997 in Stockholm. Da der Vater nur wenige Monate nach der Geburt von Aspenström starb, wuchs dieser, gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern, in ärmlichen Verhältnissen mit der Mutter auf.

Die finanzielle Situation der Familie ließ Werner Aspenström nicht an eine höhere Ausbildung denken, sondern zwang ihn nach der sechsjährigen Volksschule in Stimmerbo unterschiedliche Arbeiten in der Forstwirtschaft und dem Bergbau anzunehmen und die Familie finanziell unterstützen.


Zwischen 1936 und 1938 besuchte Werner Aspenström die Volkshochschule in Sigtuna, wenig später ging er nach Stockholm, wo er erst die Hochschulreife nachmachte und ab 1841 Philosophie studierte. Noch während seines Studiums stellten sich dann die Weichen für Aspenström, denn auf der Stockholmer Schäreninsel Kymmendö lernte er seine spätere Frau Signe Lund kennen, er veröffentlichte seinen ersten Gedichtband Förberedelse. In der gleichen Zeit begann er auch für die literarische Zeitschrift 40-tal zu schreiben.

Mit seinem zweiten Gedichtband Skriket och tystnaden im Jahre 1946 zeigte Werner Aspenström dann deutlich seine Zugehörigkeit zu den Literaten der 40er Jahre, die die klassische Einstellung zu Lyrik und Prosa aufgaben um neue Wege zu suchen.  Und mit Snölegend mit seiner ausgeprägten Symbolsprache im Jahre 1949 kam der große Durchbruch für den Poeten, der allerdings bereits wieder auf der Suche nach einer neuen Ausdrucksmöglichkeit war, die von der symbolischen Bildsprache zum Realismus und Naturalismus führten.

Obwohl Werner Aspenström außer vierzehn Gedichtbänden auch Prosa, ein Kinderbuch, Essays und fünf Bände mit Theaterstücken schrieb, war seine Poesie so stark und ausdrucksstark, dass seine anderen Werke dadurch kaum beachtet wurden, auch wenn mehrere dieser Werke bedeutend sind wenn man einen Zugang zum Autor Aspenström finden will. Insbesondere seine autobiografischen Werke, allen voran das Prosawerk Bäcken aus dem Jahre 1958 und Sommar aus dem Jahre 1968, zeigen ein mehr realistisches Bild des Poeten und Schriftstellers als seine poetischen Werke.

In den 60er Jahren blieb Werner Aspenström seiner um diese Zeit „klassischen“ Schreibweise treu, was ihn den akademischen Schriftstellern näherte, aber auch bedeutete, dass er von den Arbeiterschriftsteller, die um diese Zeit dominierten, als elitär abgestempelt wurde und kaum neue Leser gewinnen konnte.

Im Jahre 1976 wurde Werner Aspenström die Ehrendoktorwürde in Philosophie verliehen und 1981 wurde er auf den Stuhl Nummer 12 der Svenska Akademien gewählt, wo er Sten Lindroth ersetzte. 1989 gehörte er zur Gruppe der Schriftsteller, die nicht mehr an den Aktivitäten der Vereinigung teilnahmen, da die Akademie im Fall Salman Rushdie keine Position einnehmen wollte. Im gleichen Jahr trat er auch aus dem Författerförbundet und dem schwedischen PEN-Klub aus.

Werner Aspenström starb kurz nachdem er seinen letzten Gedichtband Israpport beendet hatte, der bereits vom nahen Tod erzählt. Der Gedichtband wurde erst nach seinem Tode veröffentlicht.

Copyright: Herbert Kårlin

3 november 2012

Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen

Magnus Stenbock, oder richtiger gesagt Graf Magnus Stenbock, wurde am 28. September 1911 in Stockholm geboren und starb am 2. Mai 2007 in Sankt Anna im Östragötaland. Der Schriftsteller gehörte einem alten Adelsgeschlecht an, was sich auch in seiner Weltanschauung ausdrückte.  Stenbock, den man grundsätzlich mit seinem Adelstitel ansprechen musste, war der Sohn des Stiftbibliothekars in Linköping, Carl Magnus Stenbock, und dessen Frau Louise Mörner af Morlanda. Magnus Stenbock selbst, der sein Leben überwiegend auf dem Gut Herrborum verbrachte, war nie verheiratet.

Nach seiner Schulzeit in Linköping und Sigtuna studierte Magnus Stenbock an den Kunstschulen Gotfrid Larsson (Skulptur) und Edward Berggrens (Malerei). Im Gegensatz zu seinen Schriften stellte der Künstler seine Werke jedoch erst 1993 erstmals in Söderköping aus, zumal sich Magnus Stenbock auch mehr als Schriftsteller als als Künstler betrachtete.


Auch wenn sich Magnus Stenbock als Schriftsteller betrachtete, so wird seine Rolle innerhalb der Literaturgeschichte Schwedens kaum bemerkt, denn seine Leistung lag nicht im Schreiben, sondern am Inhalt, der eine längst vergangene Welt schildert, die an den Adelstand des 18. Jahrhunderts erinnert und damit mehr als rückblickendes Zeitdokument betrachtet werden muss.

Als Magnus Stenbock im Jahre 1961 erstmals das Buch Tankar och Synpunkter i några av tidens frågor veröffentlichte, erregte es Aufmerksamkeit, weil es bereits um diese Zeit eine so veraltete Gedankenwelt verteidigte und als Vorbild nahm, dass es unter allen anderen Produktionen auffallen musste, denn für den Autor war die Rolle der Frau nach wie vor auf Kind und Herd beschränkt und die einzige Abwechslung die Krankenpflege im Haus.

Als Vorbild für seine, in seinen Augen, moderne Ideenwelt, nahm Magnus Stenbock seinen Vorfahre, den Feldmarschall Magnus Stenbock, Albert Schweitzer und Dalai Lama, die er jedoch ausschließlich in ihrem konservativen Kontext betrachtete, wobei die Ideen dieser drei Personen jedoch in seine Gegenwart einflossen.

Da Literatur die gesamte Breite der Denkweisen einer Gesellschaft einnehmen soll, so ist das Buch von Magnus Stenbock so zu betrachten wie die ersten Bücher der Frauenbewegung oder der Arbeiterliteratur, denn der Graf war, wenn auch auf seine Weise, ein Revolutionär, was sich nicht nur in seinem „Basiswerk“ ausdrückt, sondern auch auf seinem Alltag auswirkte.

Magnus Stenbock vertrat eine Mischung aus vergangenem Adelsdenken und richtungsweisenden Ideen, denn während er nahezu forderte, dass seine Gäste mit einem Pferdewagen vorfahren, verbot er auf seinen Gütern jede Art von Fischfang, genehmigte auf den Gewässern nur Ruderboote oder Elektromotoren und zeigte sich als radikaler Tierschützer nach der altindischen Philosophie Ahimsa.

Den literarisch größten Erfolg hatte Magnus Stenbock mit seinen Theaterstücken Östgötarna und Onsdagsbröllopet, die in humoristischer Weise eine ideale, jedoch vergangene, Gesellschaftsordnung im historischen Aspekt spiegelten und als Publikumserfolge zu bewerten sind, auch wenn sie mittlerweile seit 60 Jahren nicht mehr aufgeführt werden.

Copyright: Herbert Kårlin

28 oktober 2012

Alfhild Agrell und die Situation der Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Alfhild Agrell, geborene Martin, wurde am 13. Januar 1849 als Tochter des Konditors Martin und Karolina Adolphson in Härnösand geboren und starb am 8. November 1923 in Flen. Von 1868 bis 1895 war sie mit dem Großhändler Albert Agrell verheiratet mit dem sie dann nach Sundsvall zog. Die Ehe mit dem zehn Jahre älteren Agrell gilt als von den Eltern arrangiert.

Der literarische Durchbruch kam für Alfhild Agnell, die mit zur Gruppe der schwedischen Autorinnen gehört, die die Frauenliteratur in den den Jahren 1880 in Schweden salonfähig machte, jedoch erst über zehn Jahre nach der Ehe, als das Paar von Sundsvall nach Stockholm zog, literarisch an die Öffentlichkeit trat.


Der erste große Erfolg für Alfhild Agnell kam mit ihrem Drama Räddad, das als Antwort auf Henrik Ibsens Ett dockhem (Ein Puppenheim), allerdings extrem pessimistisch in ihrer Beschreibung der Situation der Frau dieser Epoche, wobei die Autorin dabei das Thema der Selbstverwirklichung der Frau in der Ehe hat. Wie so viele andere Frauen der Epoche schrieb sie dieses Drama unter einem Pseudonym für das sie Thyra wählte. Später wandte sie dann häufig den Namen Lovisa Petterqvist an, um erst Jahre später ihren tatsächlichen Namen zu verwenden.

Mit ihren nächsten beiden Dramen Dömd aus dem Jahr 1884 und Ensam, das zwei Jahre später erschien, wollte sie auf die Situation von allein erziehenden Müttern aufmerksam machen, nahm jedoch als Hauptthema die Doppelmoral der schwedischen Gesellschaft mit der Forderung, dass ein Mann, der ein Kind macht ohne die Frau zu heiraten von der Gesellschaft gleichermaßen ausgestoßen werden muss wie die allein erziehende Mutter, ein Thema, das am Ende des 19. Jahrhunderts als absolutes Tabuthema betrachtet wurde.

Alfhild Agnells Problem in der literarischen Welt der 80er und der 90er Jahre war nicht nur, dass sie eine Frau war und damit eine schwierige Position in einer Männerwelt einnahm, sondern auch, dass die Theaterwelt über gesellschaftliche Themen in Schweden von August Strindberg und Henrik Ibsen dominiert wurden und Frauenthemen oft als nicht relevant betrachtet wurden. Selbst wenn Alhild Agnell als Frau jener Zeit einen sehr beachtlichen Erfolg hatte, so wurden ihre Stücke weitaus seltener von Theatern aufgenommen als jene August Strindbergs, der mit seinen Werten die Bühnen Schwedens für sich beanspruchte.

Nahezu unbemerkt blieb daher auch, dass Alfhild Agnell sehr viele humoristische Einschläge in der Tagespresse schrieb, Novellen und Reiseschilderungen über Nordschweden veröffentlichte  und 1904 den Roman Guds drömmare erschien, ein Meisterwerk der schwedischen Literatur, das mit den Büchern Selma Lagerlöfs verglichen werden kann.

In Guds drömmare wird der Leser mit der Suche nach einem Glauben an Gott konfrontiert, das sich jenseits des kirchlichen Dogmas befindet, wo Gott jede Glaubensrichtung akzeptiert.

Auch wenn man man versucht Alfhild Agrell eine Rolle in der Frauenbewegung Schwedens zu geben, so war ihr Ziel weniger ein Kampf für die Rechte der Frau, sondern vielmehr die Darstellung des damaligen Gesellschaftssystems in dem eine Frau im Grunde keinen Platz hatte, außer als Ehefrau Kinder zu gebären und zu erziehen.

Jedes Drame der Autorin stellt ein System in Frage in dem die Frau kein Recht hat zu wählen, keine Handlung ohne Genehmigung ihres Ehemanns ausführen darf, Sexualität nur eine eheliche Pflicht ist und eine Frau, die unehelich ein Kind bekommt, eine Schande darstellt. Alfhild Agrell schreibt ihre Werke nicht für Frauen, die diese Probleme kennen, sondern für Männer, die sich dafür einsetzen den Frauen dabei zu helfen, dass sie eine Existenzberechtigung in der Gesellschaft bekommen. Der Schriftstellerin ist vollkommen bewusst, dass das Frauenproblem zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht von den Frauen allein gelöst werden kann, sondern fortschrittliche Männer eingreifen müssen.

Dass Alfhild Agrell auch zu ihrer Zeit nicht die Bekanntheit errang, die ihr im Grunde zustand, lag natürlich auch daran, dass sie zu den verschiedensten Pseudonymen greifen musste um ihr Publikum zu erreichen. Ihre Reisebeschreibung Nordanifrån veröffentlichte sie, zum Beispiel, unter dem männlichen Namen Stig Stigson, so dass viele ihrere Leser nie erfuhren, dass es sich auch bei diesem Werk um Alfhild Agrell handelte. Die gleiche Situation entstand bei den Büchern Hemma i Jokkmokk, En skildring ur småstadslifvet oder I Stockholm. Också en resebeskrifning, den am häufigsten von ihr verkauften Büchern, die alle nicht ihren wirklichen Namen auf dem Titel stehen hatten.

Copyright: Herbert Kårlin

27 oktober 2012

John Wigforss, vom Bohème-Revolutionär zum Konservatismus

John Wigforss wurde am 4. Oktober 1872 in Karlshamn als Sohn des Eisenhändlers Johan August Wigforss und Anna Sofia Pålsson geboren und starb am 7. September 1909 im Alter von 37 Jahren und nach längerer Krankheit in Karlstad.

Der Journalist und Schriftsteller John Wigforss wird bereits während seiner Jugend als sehr intelligent beschrieben und legte die Hochschulreife bereits mit 16 Jahren ab. Es wird ihm auch nachgesagt, dass er seinen Zulassungsaufsatz bei der Universität Lund in Versform schrieb, was sehr selten vorkam. John Wigforss studierte klassische Sprachen, Geschichte und Ästhetik, allerdings ohne größere Überzeugung und aus finanziellen Gründen mit einem Jahr Unterbrechung.

Foto: Dagens Nyhetershistoria, 1952
 
An der Universität in Lund schloss sich John Wigforss den Tuabohemen an, einer linken Studentengruppe, die sich um Bengt Lidforss gebildet hatte und seine Ideen vor allem durch die Herausgabe von Studentenkalendern propagierte. In dieser Gruppe traf Wigforss auch den humoristischen Schriftsteller Axel Wallengren mit dem er mehrere literarische Projekte realisierte.

Als der Vater von John Wigforss im Jahre 1892 plötzlich starb, musste dieser sein Studium abbrechen und begann als Journalist zu arbeiten, wobei er seine Laufbahn bei der Folkets Tidning in Lund begann, dann aber bald zur Varbergsposten wechselte, später dann zur Nya Dagligt Allehande und schliesslich zur Nya Wermlands-Tidningen kam, wo er bis kurz vor seinem Tod beschäftigt war.

Seine literarische Karriere begann John Wigforss mit der Novellensammlung Tattare - några historier från Halland im Jahre 1899, ein relativ dünnes Werk, das vor allem lokal eine gewisse Bedeutung erlangte.

Weitaus bekannter wurden seine Komödien über Sten Stensson från Eslöf für das Theater. Nach dem immensen Erfolg des ersten Stückes verfasste John Wigforss zwei weitere Komödien mit der gleichen Hauptfigur, die zwar ebenfalls einen bedeutenden Erfolg errangen, aber nicht an das erste Werk heranreichten, jedoch ebenfalls auf den bekanntesten Bühnen Schwedens aufgeführt wurden, da sie auf humoristische Weise die Gesellschaft darstellten bei der ein zukünftiger Bürgermeister allen Zusagen macht, damit er gewählt wird, ohne auch nur eine Sekunde an das Einhalten der Versprechen zu denken.

In den Folgejahren schreibt John Wigforss, neben seiner Arbeit als Journalist, noch mehrere Theaterstücke, die sich alle durch den typischen Humor des Autors ausdrücken. 1906 erschien das autobiographische Werk Då vi lågo i Uppsala och Lund und 1907 Antika nätter, eine Sammlung von Gedichten und Dramen des Autors. Bevor jedoch John Wigforss auch literarisch an den Erfolg seiner Komödien anschließen konnte, starb er an Herzversagen. John Wigforss hatte bereits seit Jahren Herz- und Nierenprobleme, die ihn auch gezwungen hatten sich die letzten Wochen seines Lebens von der Nya Wermlands-Tidningen zurückzuziehen.

Während John Wigforss sich in Lund geradezu als Revolutionär zeigte, der die Welt modernisieren und verändern wollte, zeigte er in seinen späteren Arbeiten immer konservativere Züge, die so weit gingen, dass er forderte, dass jede sportliche Veranstaltung während der Zeit von Gottesdiensten grundsätzlich verboten werden müsse. Im Sozialismus sah Wigforss den Untergang des schwedischen Reiches.

Copyright: Herbert Kårlin

13 oktober 2012

Ernst Didring und die schwedische Gesellschaft gegen 1900

Ernst Didring wurde am 18. Oktober 1868 in Stockholm als Sohn des Lithographen Anders Gustav Andersson und Juliana Maria Hellberg geboren und starb in der schwedischen Hauptstadt am 13. Oktober 1931 im Alter von 62 Jahren. Didring war seit 1899 mit der dänischen Künstlerin Jeanne Rye verheiratet.

Aus finanziellen Gründen musste Ernst Didring vorzeitig von der Schule abgehen und ab 1884 begann er als Schreiber bei der schwedischen Eisenbahn SJ (Statens Järnvägar), wo er im Laufe der Jahre zum Buchhalter aufstieg und langsam der Chefetage näher kam. Im Jahre 1914 gab er diese Tätigkeit jedoch ganz auf um sich der Schriftstellerei zu widmen.


Bereits 1889 hatte Ernst Didring begonnen Theaterstücke zu schreiben, wobei allerdings sein erstes Werk, Ahasverus, abgelehnt wurde. Auch seine nächsten Stücke wie Midnattssol im Jahre 1897 und Stigare-Mats im Jahre 1900 waren nicht unbedingt die größten Erfolge, aber die Stücke waren so einmalig, dass sie von der Kritik aufgenommen wurden und positiv bewertet wurden. Midnattssol war vermutlich das erste Theaterstück Schwedens, das den Kampf der Sami ums Überleben auf die Bühne brachte und Stigare Mats schilderte den Konflikt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern in den nordschwedischen Gruben.

Ernst Didring schreibt in den Folgejahren zahlreiche Dramen, die alle gemeinsam haben, dass sie die Warte des Arbeiters und des Ausgebeuteten beleuchten und eine Stärke zeigen, die auch die Arbeiterschicht ins Theater lockt. Der Autor hinterlässt mit diesen Dramen ein bedeutendes Stück schwedischer Geschichte.

Als Ernst Didring dann zwischen 1914 und 1919 seine Romantrilogie Malm veröffentlicht, bleibt er seinem Thema treu und wird damit der wichtigste Repräsentant der schwedischen Arbeiterliteratur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine Romane lassen den Leser das schwedische Leben von vor über 100 Jahren miterleben und man findet Hinweise, die zeigen, dass sich manches bis heute nicht wirklich geändert hat.

Als literarischen Höhepunkt Didrings kann man seine Trilogie Grålögan aus den Jahren 1925 bis 1927 betrachten, obwohl der Schriftsteller nach dem zweiten Weltkrieg nur noch wenige herausragende Werke schrieb und in gewisser Weise mit der Welt abgeschlossen hatte, deren Zukunft er nur noch schwarz sah. Mehrere seiner Werke waren auch abgelehnt worden, denn wer wollte schon ein Drama über Kriegsflüchtlinge sehen oder an den Ersten Weltkrieg mit der Hungersnot erinnert werden.

Grålögan erschien dann wie ein neuer Anfang Didrings, denn in dieser Trilogie schildert er das Leben auf den Stockholmer Schären mit einer beispiellosen Beobachtungsgabe. Der Schriftsteller schildert die dortigen Bewohner genau so wie sie sind, mit ihren täglichen Problemen, ihren Freuden und der Natur, die das tägliche Leben bestimmt. Manche Kritiker gehen bei dieser Trilogie so weit zu behaupten, dass es sich dabei um die besten drei Bücher handelt, die je über die Schären vor Stockholm geschrieben wurden.

Die Stärke des Schriftstellers Ernst Didring zeigt sich an den detailreichen Beschreibungen von Kleinigkeiten und seinem Einsatz für Menschlichkeit, die auf das Gefühl einer Zusammengehörigkeit baut. Für Didring ist es wichtig die sozialen Aspekte in seinen Romanen und Dramen einzubinden ohne zu übertreiben und damit die Wirklichkeit deutlich zu machen. Um den Leser oder den Besucher des Theaters zu fesseln, greift Ernst Didring auch zu ironischen Ansätzen, die jedoch die handelnden Personen persönlicher machen und das Geschehen nicht in einen schwarzen Hintergrund stellt.

Sein soziales Engagement zeigte Didring jedoch nicht nur in seinen Werken, sondern er engagierte sich während des Ersten Weltkriegs auch beim Roten Kreuz, wobei hier seine organisatorische Fähigkeit seine Bedeutung zeigte. Nach dem Ende des Weltkriegs bereiste Didring mit seiner Frau zwei Jahre lang Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz, die sich alle in einem desolaten Zustand befanden und vermutlich die negative Einstellung des Autors noch verstärkten.

Nach der Trilogie Grålögan kam im Jahre 1929 erschien von Ernst Didring nur noch ein einziges Werk von größerer Bedeutung, das Theaterstück Vilddjuret, in dem der Zuschauer zurück nach Lappland kehrt. Das Drama zeigt eines der kritischsten Bilder Nordschwedens, wobei sich hier das Leiden des Nordens mit jenem des Schriftstellers kreuzt.

Copyright: Herbert Kårlin