Visar inlägg med etikett Viktor Rydberg. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Viktor Rydberg. Visa alla inlägg

24 maj 2013

Hilma Angered-Strandberg und die schwedischen Auswanderer

Hilma Angered-Strandberg, geborene Strandberg, wurde am 10. Juni 1855 als Tochter des Justizienrates Karl Gustav Strandberg und dessen Frau Eva Helleday in Stockholm geboren und starb am 23. Januar 1927 in Meran in Südtirol. Angered-Strandberg war ab 1888 mit dem Landschaftsmaler Hjalmar Angered verheiratet.

Während der Vater poetisch veranlagt war, seiner Tochter Gedichte vorlas und die Sagen Homers erzählte, war die Mutter streng religiös und versuchte die Tochter von ihrer Phantasie zu befreien, was dazu führte, dass die Erziehung in zwei entgegengesetzte Richtungen lief, eine Situation, die Hilma Angered-Strandberg bis zum Lebensende nicht vollständig überwunden hatte und ihre Werke stark beeinflusste.

Hilma Angered-Strandberg, Foto: J. Hammarstrand, Falköping, aus Idun Nr. 20, 1912

Erst besuchte Hilma Angered-Strandberg die Volksschule in Stockholm, anschließend hatte sie in Småland Privatunterricht und als die Eltern im Jahre 1874 starben, arbeitete die spätere Schriftstellerin einige Jahre lang in reichen Gütern Skånes als Gesellschaftsdame. In dieser Zeit begann Angered-Strandberg romantische Novellen für die Göteborgs Handelstidning zu schreiben, die Viktor Rydberg als pubertäre Schreiberei bezeichnete und zu der auch die Schriftstellerin selbst später nicht mehr stand. Alle ihre Werke dieser ersten Schreibphase erschienen allerdings auch unter einem Pseudonym.

In der Zeit, in der Hilma Angered-Strandberg als Gesellschaftsdame arbeitete, machte sie auch eine Ausbildung als Telegrafistin, einem der wenigen Berufe, der einer Frau zu dieser Zeit offen stand und eine hohe Allgemeinbildung voraussetzte. Diese Ausbildung führte die Schriftstellerin 1883 nach Fjällbacka, wo sie in die zweite und weitaus reifere Phase als Schriftstellerin eintrat.

Der Umzug nach Fjällbacka stürzte die für jene Zeit modern denkende Frau in eine Welt, die sie sie nicht kannte und die wie das Mittelalter auf sie wirken musste. Da Hilma Angered-Strandberg kein Gefühl für die Tabus des Landes hatte, schrieb sie realistische Novellen über das Leben in Fjällbacka, die in der Göteborgs Handelstidning veröffentlicht wurden. Auch wenn die Schriftstellerin sowohl den Ortsnamen als auch die Namen der Handelnden veränderte, wusste man in Fjällbacka sehr schnell wovon die Autorin sprach und wer bei einer Erzählungen die Hauptfigur war. Als Skandalautorin gebrandmarkt und allgemein von der Gemeinschaft ausgestoßen konnte Angered-Strandberg nach einigen schwerwiegenden Drohungen nur noch aus Fjällbacka fliehen. Im Jahre 1887 sammelte die Autorin dann jedoch alle Novellen zu Fjällbacka und legte das Buch Västerut vor, die vermutlich beste neutrale Schilderung Fjällbackas aus dem Ende des 19. Jahrhundert, die man heute in der schwedischen Literatur findet.

Von 1888 bis 1894 lebte Hilma Angered-Strandberg mit ihrem Mann, den sie bei einem seiner Aufenthalte in Fjällbacka kennengelernt hatte, in den USA. Als die Schriftstellerin jedoch wegen einer Krankheit zurück nach Schweden kam, machte sich Angered-Strandberg unmittelbar daran ihre Eindrücke und Erlebnisse aufzuzeichnen. Das Ergebnis waren drei Bücher über die „Neue Welt“, die nicht das Idyll in Amerika zeigten, sondern amerikanische Schicksale und Schicksale der Einwanderer. Die schwedischen Kritiker bezeichnen diese Bücher geradezu als Meisterwerke, da sie nüchtern über das Leben in den USA berichten und vom Stil und Inhalt her den Leser fesselten.

Auf Grund der Stärke der Amerika-Bücher verlieren die Folgewerke von Hilma Angered-Strandberg an Wirkung, auch wenn ihr autobiographisches Fragment När vi började einen Einblick in das bürgerliche Stockholm-Leben ihrer Kindheit bietet und auch die Italien-Schilderungen in der Zeitströmung lagen. Das Problem, dass der Stern der Autorin um diese Zeit sank, lag vor allem daran, dass ihre Bücher von Elend, Armut und Leid dominiert waren und die Schriftstellerin zu viel in ihren Romane unterbringen wollte. Hilma Angered-Strandberg gelingt es mit ihren letzten Büchern immer weniger einen großen Leserkreis anzusprechen, da sie ihrem Charakter und ihren Ideen treu bleibt, der Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch eine Zeit des Umbruchs ist und die Leser von Büchern erheitert werden wollen.Auch die politischen Änderungen lassen vielen das Elend anderer vergessen.

Hilma Angered-Strandberg war, trotz einiger bedeutender Werke kurz vor der Jahrtausendwende, gegen Ende ihres Lebens nahezu vergessen und wurde erst in den letzten zehn Jahren wieder neu entdeckt, da sich immer mehr Schweden für die Geschichte des Landes interessieren und auch Camilla Läckberg mit ihren Kriminalromanen Fjällbacka wieder in aller Munde brachte, einen Ort, über den bereits 130 Jahre vorher eine Frau eine Art Krimi geschrieben hat, auch wenn der damalige Krimi aus dem tatsächlichen Leben gegriffen war und die Autorin als „Hexe“ vertrieben wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

26 april 2013

Axel Krook, der Meinungsmacher des 19. Jahrhunderts

Axel Krook wurde am 9. August 1831 als Sohn des Kaufmanns Anders Georg Krook und dessen Frau Fredrika Sager in Sölvesborg geboren und starb am 26. April 1893 in Göteborg. Krook war ab 1855 mit Selma Madelaine Warberg verheiratet.

Da über die Kindheit und die Jugend von Axel Krook nahezu nichts bekannt ist, beginnt seine Biographie mit seiner Hochschulreife in Lund, der Stadt in der er 1850 ein Medizinstudium begann, das er auch mit einem ersten Examen abschloss, obwohl er sich diesem Studium wenig widmete, da er sich von der schöngeistigen Literatur angezogen fühle und dieser sehr viel Zeit widmete.


Stich: Schwedisches Reichsarchiv

Bereits 1851 schloss sich Axel Krook einer Gruppe literarisch interessierter Studenten der Universität Lund an, die die Gesellschaft Sjustjärnan gründeten. Nicht ganz klar ist dabei ob Krook oder Viktor Rydberg dabei die treibende Kraft war, aber sicher ist, dass beide eine wichtige Rolle innerhalb der Gesellschaft einnahmen. Sjustjärnan musste allerdings bereits ein Jahr später seine Aktivitäten einstellen, da sowohl Krook als auch Rydberg die Universität, aber auch Lund, aus finanziellen Gründen vorübergehend verlassen mussten.

Ab 1854 arbeitete Axel Krook für die sehr progressiven Zeitungen Allmänna tidningen und der umstrittenen antisemitischen Folkets röst. Im gleichen Jahr begann Krook zusätzlich Märchen im Stil von Hans Christian Andersen zu schreiben, zum Beispiel Skogsflickans sagor, und er arbeitete an satirischen Lustspielen unter denen Blekingsflickan und En julafton i Blekinge am bekanntesten wurden, Stücke, die im Humlegårdsteatern und dem Södra teatern in Stockholm aufgeführt wurden.

In den ersten Jahren seiner journalistischen Aktivität arbeitete Axel Krook bei verschiedenen Zeitungen ohne jedoch davon leben zu können - bis er 1859 nach Göteborg zog. Nur ein Jahr nach seinem freiberuflichen Beginn bei der Göteborgs-Posten wurde er dort fest angestellt und konnte seine Arbeit als Telegraphieassistent aufgeben.

In Göteborg nahm Axel Krook seine Beziehungen zu Viktor Rydberg unmittelbar wieder auf und traf den Journalisten und späteren Reichstagspolitiker Sven Adolf Hedlund. Gemeinsam wurde die Gruppe als die treibende Kraft des politischen und literarischen Geschehens Göteborgs betrachtet, deren Einfluss jedoch weit über die Grenzen Westschwedens hinausreichten.

Noch in den 60er Jahren engagierte sich der nach wie vor liberal-konservative Axel Krook in der Arbeitervereinigung und führte dort eine Krankenkasse, eine Begräbniskasse und andere Neuerungen ein. 1868 gründete Krook dfann die Zeitung Arbetare, ohne jedoch seine Tätigkeit bei der Göteborgs-Posten aufzugeben.

Die literarische Aktivität Krooks war in den 60 und 70er Jahren sehr beschränkt, da er politisch sehr aktiv war. Bedeutend aus dieser Zeit sind lediglich seine beiden Werke Tro och otro aus dem Jahre 1864 und Sokrates, das zwei Jahre später erschien, da sich Krook in diesen beiden Werken kritisch zur Religion ausdrückte und damit stark kritisierte Bücher vorlegte, deren Ziel und Inhalt erst Jahrzehnte später erfasst wurde.

Um den Mangel an literarischer Arbeit zu kompensieren, schrieb Axel Krook in dieser Zeit allerdings hunderte von Rezensionen überwiegend über ausländische Werke und beeinflusste damit das kulturelle Denken Schwedens in sehr bedeutendem Masse, denn Krook schrieb nicht nur über Literatur, sondern auch über Musik, Kunst, Theater und alle anderen kulturellen Bereiche. Parallel dazu schrieb der Journalist und Schriftsteller in dieser Epoche auch einige kurze Theaterstücke, die er für eine von ihm geplante  Arbeiterbühne vorsah, aber weder die Idee des Arbeitertheaters zeigte einen größeren Erfolg, noch seine Theaterstücke, die er unter dem Pseudonym Nils Andersson veröffentlicht hatte, da die Stücke schnell geschrieben und entsprechend oberflächlich waren.

Der Erfolg und die Vielseitigkeit von Axel Krook verhinderte gewissermaßen einen bedeutenden Erfolg als Schriftsteller. Wenn man seine Aktivität der 70er Jahre betrachtet, so stellt man fest, das er Mitgründer der Göteborger Volksbank und dessen Direktor war, dass er künstlerischer Direktor des Stora Teatern in Göteborg war, im Stadtrat saß, als Journalist arbeitete und zusätzlich Novellen, Gedenkschriften und anderes für das Svenska familj-journalen und den Svea-Kalender schrieb. Nebenbei war Krook auch noch als Übersetzer tätig.

Die Rolle von Axel Krook innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist daher weniger in seiner Rolle als Literat zu sehen, da er in diesem Bereich nur wenige bedeutend Werke veröffentlichte. Seine Bedeutung liegt jedoch an seiner Arbeit ala Journalist, da er einer der bedeutendsten Autoren Ende des 19. Jahrhunderts war, der die Meinung der Schweden und ihre Einstellung zur Literatur bedeutend beeinflusste. In gewissen Jahren war es Krook der dem schwedischen Volk vorschrieb welche ausländischen Bücher übersetzt und gelesen werden sollten.

Copyright: Herbert Kårlin

21 september 2012

Viktor Rydberg, der Autor zwischen Mythologie und Philosophie

Viktor Rydberg wurde am 18. Dezember 1828 in Jönköping geboren und starb am 21. September 1895 in Djursholm, dem heutigen Danderyd. Sein Vater, Johan Rydberg, war Schlosswächter und seine aus Polen stammende Mutter, Hedvig Kristina Duker, war Hebamme.

Allerdings verbrachte Viktor Rydberg seine Kindkeit kaum mit seinen Eltern, da die Mutter bereits 1834 an Cholera starb und Viktor wenig später mehr oder oder weniger von einer Pflegefamilie zur anderen kam und daher eigentlich erst an der Universität in Lund wirklich zu sich fand, auch wenn er weiterhin dafür arbeiten musste um sein Studium durchführen zu können. An der Universität Lund holte er erst die Hochschulreife nach und begann dann Jura zu studieren, ohne jedoch je ein Examen abzulegen.


Seine Karriere als Autor begann Viktor Rydberg im Jahre 1847 als Journalist beim Jönköpingsbladet um später auch bei der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning fortzusetzen, beide Male unter dem Chefredakteur Johan Sandwall, der in gewisser Weise auch Mäzen des Schriftstellers wurde und die ersten Werke Viktor Rydbergs veröffentlichte und ihm damit die Tür zur literarischen Welt öffnete. In Göteborg fand er unter S. A. Hedlund, dem Herausgeber der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning einen weiteren Wegbereiter.

Neben seiner Arbeit als Journalist in Göteborg arbeitete Viktor Rydberg an einigen seiner bekanntesten Werke, die er jedoch im Laufe der Jahre bei Neuauflagen teilweise ergänzte oder auch erheblich änderte. Sein romantischer Sagen-Roman Singoalla erschien 1857 im Göteborger Kalender Aurora und erst acht Jahre später als Buch. Mit Den sista athenaren führte er im Jahre 1859 in Schweden den Feuilletonroman ein, der gleichzeitig zur Zeitkritik und als Diskussionsbasis benutzt werden konnte und mit Bibelns lära om Kristus legte er sich 1862 mit der konservativen Kirche Schwedens an, da er Jesus die Göttlichkeit nahm und die Dreifaltigkeit verleugnete. Mit diesem Roman gelang es Viktor Rydberg, gehasst oder bewundert, in aller Munde zu geraten.

Ein gewisser Bruch entstand in Viktor Rydbergs Werken mit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere, denn 1876 wurde er an die Universität Göteborg berufen, 1877 in die Svenska Akademien gewählt, 1884 Professor an der Universität Stockholm und 1887 wurde er in die Vetenskapsakademien gewählt, was auch bedeutete, dass seine Werke in den wissenschaftlichen Bereich gezählt wurden, dem Schriftsteller jedoch andererseits auch erlaubte kritische Themen auf anerkannte Weise aufzugreifen.

Während der letzten 20 Jahre seines Lebens schrieb Viktor Rydberg einerseits zahlreiche Gedichte, unter anderem auch das sehr bekannte Betlehems stjärna, das 1893 von Alice Tegnér vertont wurde. Andererseits begann er immer tiefer in der Forschung der germanischen und vor allem nordischen Mythologie aufzugehen, was auch zu den Werken Studier i germansk mytologi und Fädarnas gudasaga führte, die noch heute als bedeutende Quelle der Mythologie dienen.

In diesem Rahmen muss man jedoch bedenken, dass Viktor Rydberg nie in erster Linie Forscher war, sondern Schriftsteller, was natürlich dazu führte, das er auch bei wissenschaftlichen Werken seine Phantasie walten ließ und, ähnlich wie beim Roman Bibelns lära om Kristus eine sehr persönliche Meinung vertrat sowie Handlungen zu einem logischen Verlauf verarbeiten wollte, eine Forderung, die bei germanischer und nordischer Mythologie nicht immer zu erfüllen ist. Die wichtigste Frage, die sich Viktor Rydberg in diesem Zusammenhang stellte, war jedoch, in welcher Weise das wachsende Christentum im frühen Mittelalter die nordische Sagenwelt bereits manipuliert hatte um einen Übergang der Götterwelten zu ermöglichen.

Die geistige Einstellung Viktor Rydbergs wird auch an einem weiteren Ereignis deutlich, denn als er 1890 mit seiner Frau, Susen Emilia Hasselblad, in die Villa Ekeliden in Djursholm (heute Danderyd) zog, ein Neubaugebiet, setzte sich der Schriftsteller dafür ein, dass alle Straßen in seiner Umgebung eine Beziehung zur nordischen Welt der Götter bekamen.

Viktor Rydberg war in gewisser Weise ein Erneuerer der Literatur, aber er sucht im nationalen Zeitstrom des 19. Jahrhunderts seine Themen aus der Vergangenheit des Nordens, was man beim Lesen seiner Werke heute manchmal vergisst.

Am 21. September 1895 starb Viktor Rydberg nach kurzer Krankheit in der Villa Ekeliden. Das Haus wurde nur wenige Jahre später von der Kinderbuchautorin und Künstlerin Elsa Beskow bezogen und Anfang der 50er Jahre abgerissen. Rydbergs Grabmonument mit seiner Statue findet man im Östra kyrkogården in Göteborg.

Copyright: Herbert Kårlin