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7 juli 2013

Henrik Bernhard Palmær und die schwedische Satire

Henrik Bernhard Palmær wurde am 21. August 1801 als Sohn des Propstes Isac Magnus Palmær und dessen Frau Catharina (Karin) Maria Kinberg in Frinnaryd bei Jönkping geboren und starb am 7. Juli 1854 im Alter von 52 Jahren in Linköping. Palmær war ab 1847 mit Emilie Charlotta Schylander verheiratet.

Da die Mutter von Henrik Bernhard Palmær sehr früh starb, wurde er von einem strengen Vater erzogen, der in seinem Sohn ein Genie sah und ihn deshalb bereits 1809 in die höhere Schule in Linköping schickte. Erst zehn Jahre später legte Palmær dann jedoch seine Hochschulreife ab und begann ein Philosophiestudium an der Universität Uppsala, das er 1830 beendete.

Henrik Bernhard Palmær, Lithographi in der Zeitung Nordstjernan, 1848

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Henrik Bernhard Palmær drei Jahre lang als Adjunkt für Chemie und Pharmazie am Karolinska Institutet in Stockholm. Da er jedoch seine Aufgabe wenig ernst nahm und weitaus mehr an Literatur und dem Müßiggang interessiert war, gab er sein Amt sehr bald wieder auf.

Die literarische Karriere von Henrik Bernhard Palmær kann man bis zu seinem Studium in Uppsala zurückverfolgen, da man im Poetiska kalender des Jahres 1822 bereits vier seiner frühen Gedichte findet. Diese ersten Gedichte schrieb Palmær noch unter dem Einfluss seiner Freunde Per Daniel Amadeus Atterbom und Vilhelm Fredrik Palmblad mit denen er die neuromantischen Ideale teilte. Schon ein Jahr später näherte sich der Schriftsteller allerdings den Fosforisten und damit insbesondere dem Autor Vitalis (Erik Sjöberg).

Während seiner Zeit als Adjunkt verkehrte Henrik Bernhard Palmær insbesondere mit Autoren wie Karl August Nicander oder Gustaf Henrik Mellin ohne sich jedoch als Literat hervorzuheben. Erst als Lars Johan Hierta im Jahre 1834 einen literarischen Journalisten für das Aftonbladet suchte, taucht Palmær wieder unter der Abkürzung P auf. Auch wenn der Journalist und Schriftsteller um diese Zeit seinen romantischen Stil noch nicht abgelegt hatte, zeigte er sich 1834 mit Fyra brev till Svenska Minerava als satirischer Humorist und wurde in ganz Schweden bekannt, denn dieser Beitrag legte einige Schwächen des Nationaldichters Esaias Tegnér auf lustige und ironische Weise offen.

Sehr bald langweilte jedoch Henrik Bernhard Palmær die Arbeit beim Aftonbladet und er bewarb sich als Lehrer nach Linköping, allerdings ohne jeden Erfolg. Und erneut kommt Palmær zum Journalismus, denn 1838 gründete er den Östgöta Correspondenten, den er vor allem dadurch in die Höhe brachte, da er hier seine Feinde mit allen ihren Schwächen angriff und so dem Skandalblatt zum Erfolg verhalf.

Bereits 1841 übergab Henrik Bernhard Palmær den Östgöta Correspondenten und gründete die Monatszeitschrift Herr Lars, die der Schriftsteller jedoch wegen einer Anstellung als Lehrer für Landwirtschaftschemie aufgab. Nachdem ihn auch diese Aufgabe bald langweilte, wurde Palmær dann Buchdrucker und schließlich übte er zwei Jahre lang seinen Einfluss in der nationalen Politik aus. Aber sobald Palmær dem Erfolg nahe war, verlor er jedes Interesse und begann ein neues Projekt. Auch nach seiner Vertretung von Linköping und Vimmerby im Reichstag im Jahre 1847 und 1848 ließ er seine Freunde wieder im Stich und begann für die Zeitungen Friskytten, das Dagbladet und schließlich das damalige „Skandalblatt“ Söndagsblade zu schreiben, bis er 1853 nach Linköping zurückkehrte und dort die Östgöta-Gazetten gründete, erneut um vor allem seiner persönlichen Meinung Gehör zu verschaffen.

Auch wenn Henrik Bernhard Palmær sehr viel schrieb, so trat er erst am 1848 als Schriftsteller hervor und veröffentlichte anschließend einige wenige Werke, die jedoch eine große Beachtung fanden. Nach seinem Tod geriet Palmær jedoch nahezu unmittelbar in Vergessenheit, denn er hatte sich vor allem durch seine spontanen Reaktionen als Journalist bekannt gemacht und Satire war um diese Zeit literarisch nicht anerkannt, da man diese nur der Presse zuordnete.

Erst ab dem 20. Jahrhundert entdeckten Literaturwissenschaftler die tatsächliche Leistung von Henrik Bernhard Palmær, man begann seine bedeutendsten Werke und Briefe zu sammeln und brachte dann mehrere Sammelwerke des Journalisten und Schriftstellers auf den Markt, der, wenn auch aus sehr persönlichen Motiven, der Satire in Schweden zum Durchbruch verholfen hat.

Copyright: Herbert Kårlin

23 maj 2013

Pär Lagerkvist und ein Leben ohne Gott

Pär Lagerkvist wurde am 23. Mai 1891 als Sohn des Eisenbahnvorarbeiters Anders Johan Lagerquist und dessen Frau Johanna Blad in Växjö geboren und starb am 11. Juli 1974 in Danderyd. Lagerkvist war in erster Ehe mit der Dänin Karen Dagmar Johanne Sørensen verheiratet und in zweiter Ehe mit der Lehrerin Elin (Elaine) Luella Hallberg.

Die Kindheit von Pär Lagerkvist war von einem konservativ religiösen Elternhaus geprägt in dem es außer der Bibel und den Psalmbüchern keine Literatur gab, da diese Bücher alle Weisheiten bereits enthielten. Da der spätere Schriftsteller der Jüngste unter den sieben Geschwistern waren, war er der einzige unter ihnen denen die Eltern eine Ausbildung finanzieren konnten. Lagerkvist machte daher 1910 in Växjö die Hochschulreife und schrieb sich ein Jahr später an der Universität in Uppsala für Kunstgeschichte ein, ohne jedoch das Studium je zu Ende zu machen. Seine Jugend beschreibt der Schriftsteller später in seinem autobiographischen Werk Gäst hos verkligheten.

Pär Lagerkvist, Gäst hos verkligheten, Albert Bonnier Förlag (Serie Delfin), Stockholm, Originalausgabe 1925

Bereits am Gymnasium in Växjö machte Pär Lagerkvist die Bekanntschaft des Sozialismus und des Darwinismus, was sehr schnell dazu führte, dass er die religiöse  Lehre seiner Eltern ablehnte und Religion als Unterdrückung empfand, die die Angst vor dem freien Leben schürt. In diesen Jahren entwickelte sich Lagerkvist auch zu einem Revolutionär, der nicht mehr ohne rotes Tuch um den Hals zu sehen war und ab 1912 revolutionäre Gedichte zu veröffentlichen begann.

Schon als Jugendlicher hatte sich Pär Lagerkvist dafür entschieden Schriftsteller zu werden, was jedoch ein langer Weg werden sollte, da ihn seine Eltern nicht unterstützen konnten. Nach der Hochschulreife lebte Lagerkvist vor allem von seinem Bruder, der als Lehrer ein regelmäßiges Einkommen hatte und an die Zukunft seines Bruders als Schriftsteller glaubte. Über eine längere Epoche hinweg wohnte der Autor nahezu ausschließlich bei seinem Bruder in Vittinge.

Außer einer kurzen Anstellung als Theaterkritiker beim Svenska Dagbladet hatte Pär Lagerkvist nie ein regelmäßiges Einkommen oder eine Anstellung und nahezu zwanzig Jahre lang war es ihm nahezu unmöglich vom Schreiben zu leben, denn seine ersten Bücher waren keinerlei Verkaufserfolg. Erst während der 30er Jahre, als Lagerkvist seine zweite Ehe eingegangen war, begann sich das Blatt für den Schriftsteller zu wenden und insbesondere sein Roman Bödeln kam in mehreren kurz aufeinander folgenden Auflagen heraus. Auch wenn Lagerkvist nun halbwegs vom Schreiben leben konnte, so erschien selbst sein Roman Dvärgen in erster Auflage gerade einmal mit 7000 Exemplaren, was kaum mit dem Erfolg eines Vilhelm Moberg zu vergleichen war, der um diese Zeit sein Hauptwerk über die schwedischen Auswanderer ebenfalls noch nicht geschrieben hatte.

Auch wenn Pär Lagerkvist die Religion hinter sich gelassen hatte, so zeigte er sein Leben lang ein großes Interesse an biblischen und mythologischen Erzählungen, was sich auf seine gesamte Produktion auswirkte. Im Gegensatz zu religiösen Autoren setzt der Schriftsteller jedoch den Menschen in Situationen, die kein Gott mehr steuert und die Existenz des Menschen unter der Philosophie von C. G. Jung betrachtet wird und sozialistische Theorien die Umstände regeln.

Der literarische Aufstieg von Pär Lagerkvist nahm mit der Machtübernahme Hitlers, dem Jahr als Lagerkvist seinen Roman Bödeln veröffentlichte, einen starken Rückschlag, denn das nationalistische Schweden der Zeit steht mehrheitlich auf Hitlers Seiten und Lagerkvists antifaschistischer Kampf lässt den Autor nahezu als Feind des Landes erscheinen, was auch dazu führt, dass die Studenten des Landes verhindern, dass der Schriftsteller den Fröding-Preis erhält.

Auch wenn Pär Lagerkvist bereits 1940 in die Svenska Akademien gewählt worden war, wo er nach Verner von Heidenstam auf dem Stuhl Nummer 8 Platz nahm, kam seine Anerkennung als Schriftsteller erst mit Barabbas im Jahr 1950, als Lagerkvist nahezu 60 Jahre alt war. In Barabbas zeigt Lagerkvist das Leben ohne Gott in seiner letzten Konsequenz. Das Werk hinterlässt in Schweden einen so starken Eindruck, dass es innerhalb von zwölf Jahren zweimal verfilmt wird.

Seinem Meisterwerk Barabbas verdankte Pär Lagerkvist letztendlich auch den Nobelpreis in Literatur, was dem Autor endgültig eine internationale Anerkennung bringt. Auch in Schweden hat man mittlerweile die Tiefe seiner Werke verstanden und der Nationalismus Schwedens der 30er Jahre war mittlerweile auf dem Weg in das Sozialstaatdenken.

Die Werke von Pär Lagerkvist können als zeitlos betrachtet werden, da er die Themen, die er aus dem Zeitgeschehen nimmt so verarbeitet, dass sie allgemeingültig werden, denn die Gruben in Barabbas erinnern an die Konzentrationslager oder Guantanamo, das Dilemma der Kernphysiker in De vises sten bleibt bis heute unbeantwortet und das Böse, das der Schriftsteller in seinen Werken behandelt ist ohnehin zeitlos.

Copyright: Herbert Kårlin

22 maj 2013

Walter Ljungquist und der psychologische Roman Schwedens

Walter Ljungquist (offiziell Valter Bertil Ljungqvist) wurde am 11. Juni 1900 als Sohn des Kaufmanns Erik Josef Ljungqvist und dessen Frau Edla Josefina Cecilia Pettersson in Kisa in Östergötland geboren und starb am 22. Mai 1974 ebenfalls in Kisa. Ljungquist war in erster Ehe mit der Journalistin Claire Eva Edla Neuman verheiratet und in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Gerda Sofia Antti.

Seine Kindheit verbrachte Walter Ljungquist in einem Elternhaus mit einer herzkranken Mutter und einem psychisch labilen Vater, der zwischen Enthusiasmus und Verzweiflung pendelte. Die Wirtschaftslage der Familie war kaum stabil. Es war daher kaum verwunderlich, dass sich Ljungquist, der zudem Hörprobleme hatte, in eine eigene Welt floh. Als der Junge zwölf Jahre alt war, starb die Mutter und die Situation verschlechterte sich zunehmend, da der Vater zu trinken begann und der Konkurs bald nicht mehr zu vermeiden war.

Walter Ljungquist, Erika, Erika, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, 1963

Sehr früh musste Walter Ljungquist bei seinem Vater mitarbeiten und nach fünf Jahren Volksschule begann für ihn das Berufsleben, erst im Büro, dann in der kleinen Druckerei, die Ljungquist später übernahm und bis in die 30er Jahre fortführte. Diese Kindheit und die verpasste Jugend sollten später die Hauptthemen seiner Werke werden, eine Art Suche nach seiner eigenen Vergangenheit und die Suche nach dem verlorenen Paradies.

Der junge Walter Ljungquist, der bereits früh seine künstlerische Neigung entdeckt hatte, versuchte bereits mit etwa 20 seine verpasste Bildung nachzuholen und beschäftigte sich mit allen Strömungen der Zeit, angefangen von der Literatur bis zur Philosophie und Psychologie. Als vollkommener Autodidakt und ohne Fremdsprachenkenntnisse versucht Ljungquist selbst Autoren wie Marcel Proust, Joseph Priestley und Katherin Mansfield zu verstehen. Verständlicherweise gewann der Schriftsteller dadurch eine persönliche Vorstellung der Literatur und folgte nicht den akademisch vorgegebenen Linien.

Im Jahre 1926 begann Walter Ljungquist als Novellist bei der Bonniers veckotidning, wenn auch mit geringem Erfolg und gleichzeitig begann er an an einem Monumentalwerk im Geiste von Proust zu schreiben. Ljungquist wollte damit den ersten modernen Roman Schwedens schaffen, was ihm jedoch nicht gelang, da der Roman von den Verlagen, ebenso wie seine zwei zeitkritischen Folgeromane, abgelehnt wurde.

Erst als Bonniers Litteräre Magasin ab 1932 erschien und damit auch die modernere Prosa veröffentlichte, gelang es Walter Ljungquist unter den Literaten Schwedens aufgenommen zu werden und 1933 erhielt er einen geteilten ersten Preis für seinen Kurzroman Ombyte av tåg. Gleichzeitig machte Ljungquist durch die Zeitschrift auch die Bekanntschaft mit den Werken von Hermann Hesse in dessen Werken er Parallelen zu seinem eigenem Schicksal entdeckte.

Nachdem Walter Ljungquist sich auch der Anthroposophie genähert hatte, die sich in Schweden ab Mitte der 30er Jahre verbreitete, änderte sich die Betrachtungsweise des Schriftstellers und Ljungquist fand zur Erzählung, die auf persönliche Erinnerungen aufbaut. Bereits 1938 kam dann mit dem Roman Resande med okänd bagage sein absoluter Durchbruch. 

Als in den 40er Jahren der Aufstieg des schwedischen Films einsetzte, nahm die Aktivität des kaum etablierten Schriftstellers etwas ab, da er sich, vor allem gemeinsam mit Hasse Ekman, an das Schreiben von Filmmanuskripten machte und dadurch über 20 Filmen seinen Stempel gab. So nebenbei wurden dann zwischen 1943 und 1950 auch drei seiner eigenen Romane verfilmt, was ihm zu einem bedeutenden Ruhm als Schriftsteller verhalf.

In den 50er Jahren schreibt der literarische Außenseiter Walter Ljungquist einige der bedeutendsten Romane dieser Zeit, die den Lesern einen Blick in die Seelen seiner Hauptpersonen führen und ihnen den psychologischen Roman Schwedens präsentiert.

Als Walter Ljungquist 1951 Stockholm verlässt, das Schreiben für den Film aufgibt und keine Auftragsarbeit mehr annimmt, entsteht das Meisterwerk des Schriftstellers, ein Bildungsroman, der sich langsam entwickelt und letztendlich aus elf Büchern bestand. Ljungquist wechselt bei dieser Serie immer wieder die Betrachtungsweise und der Leser findet sich in den verschiedensten Personen wieder. Diese 100-jährige „Geschichte“ des Småland mit seinen Naturbetrachtungen wird immer wieder mit dem Werk von Johann Wolfgang von Goethe verglichen, da Ljungquist zu sehr ähnlichen Stilmitteln und Ausdrucksweisen greift wie der deutsche Schriftsteller.

Walter Ljungquist, der bisweilen als Entwicklungspsychologe bezeichnet wird, gehört als Autodidakt in keinerlei Gruppe von Schriftstellern und er folgte keiner einzigen der offiziellen literarischen Linien, was ihn innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte nahezu einzigartig macht. Die Personen in seinen Büchern sind immer auf dem Weg sich zu finden, auf dem Weg etwas zu erreichen oder auf dem Weg das Leben zu verstehen, auch wenn der Ausgang danach meist offen bleibt. Ljungquist interessierte die Entwicklung des Menschen, was den Einfluss der Anthroposophie auf seine Werke zeigt ohne dass der Schriftsteller jedoch das gesamte Dogma dieser Philosophie übernahm.

Copyright: Herbert Kårlin

22 januari 2013

August Strindberg, der schwedische Schrifststeller der Konflikte

August Strindberg wurde am 22. Januar 1849 als Sohn des Kräuterhändlers und Dampferkommissionärs Carl Oscar Strindberg und dessen Frau Ulrica Eleonora Norling in Stockholm geboren und starb am 14. Mai 1912 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Strindberg war dreimal verheiratet. Erst mit Siri von Essen, anschließend mit Frida Uhl und schließlich mit Harriet Bosse, wobei jedoch nur die erste Ehe über eine längere Epoche hielt.

Über die Kindheit und Jugend von August Strindberg weiß man relativ wenig, da Strindberg ein relativ ruhiges Kind war und im Elternhaus Disziplin und Gottesfurcht dominierten. Er besuchte ab 1857 die Klara-Schule, legte am 25. Mai 1867 die Hochschulreife ab und schrieb sich im gleichen Jahr an der Universität Uppsala ein, wechselte hier mehrmals die Ausbildung, arbeitete zwischenzeitlich als Lehrer und als Bibliothekar, war 1869 am Königlichen Theater Statist und kehrte wieder an die Universität in Uppsala zurück ohne je einen Abschluss zu machen, was jedoch weniger an mangelnden Fähigkeiten lag, sondern an seinem aufbrausenden Charakter und dass er Lehrmeinungen nicht einfach akzeptieren konnte.


Die literarische Karriere von August Strindberg begann während seiner Studienzeit in Uppsala. 1871 hatte der Autor bereits drei Theaterstücke geschrieben, die ihm selbst die Aufmerksamkeit des Königs Karl XI. brachten, der Strindberg wegen seinem Talent ein Stipendium bewilligte, damit dieser seine Studien beenden konnte, aber zwei Jahre später war das Geld erneut zu Ende und das Studium zum Arzt lag immer noch in weiter Ferne. Bevor Strindberg 1877 die Novellensammlung Från Fjerdingen och Svartbäcken und 1978 seinen Mäster Olof schrieb, arbeitete er als Kunstkritiker für die Dagens Nyheter und beschäftigte sich mit der chinesischen Sprache.

Allerdings sollte das Theaterstück Mäster Olof dem Schriftsteller August Strindberg nicht den Durchbruch bringen, denn die Svenska Akademien hatte wenig Verständnis für die nihilistischen Gedanken des Autors und das Königliche Theater lehnte fünf aufeinander folgende korrigierte Versionen kategorisch ab. Erst sein Roman Röda rummet im Jahre 1879 lag dann in der Zeit und die Schilderungen der bohemischen Epoche des Schriftstellers in Stockholm machten Strindberg allgemein bekannt, wobei er sich mit seinen unmittelbar folgenden Werken den Erfolg nahezu wieder verscherzte, da er zwei Bücher veröffentlichte, die als Angriff auf die schwedische Gesellschaft gewertet wurden. Man entschuldige den Autor jedoch etwas damit, dass er keine Fachbücher schreiben könne und daher bei der Literatur bleiben solle.

Die schwedische Gesellschaft war jedoch so aufgebracht über die Kritik, dass sich August Strindberg genötigt fühlte das Land zu verlassen, was sich für ihn und Siri von Essen zu einer sechsjährigen „Pilgerreise“ durch die Schweiz und durch Frankreich entwickelte, was allerdings auch die Ehe an den Abgrund brachte.

Mit der Scheidung von Siri von Essen im Jahre 1891 geriet August Strindberg in seine erste große künstlerische Krise, die er in Berlin zu überwinden versuchte. Dort entwickelte sich jedoch eine Paranoia, die Strindberg im autobiografischen Werk Inferno schildert. In diese Zeit der „Infernokrise“ fällt auch die Ehe mit der österreichischen Schriftstellerin Frida Uhl, wobei hierbei der Verfolgungswahn Strindbergs die Scheidung im Jahre 1897 verursachte.

Noch während der Krise und der Ehe mit Frida Uhl begann August Strinberg Mitte der 90er Jahre seine wissenschaftlichen und alchemistischen Experimente, die, in seinen Augen, damit enden sollten, dass der Schriftsteller Gold schaffen konnte. Diese Neigung spürt man auch in den Werken, die er um diese Zeit veröffentlicht, denn immer häufiger zeigen sich nun mystische, okkulte Zeichen und die Sprache wird teilweise zu einer abstrakten Symbolik.

Als August Strindberg Ende des 19. Jahrhunderts wieder ganz nach Stockholm zurückkehrt, ist er ein angesehener Schriftsteller und Dramatiker, der allerdings, trotz mittlerweile hoher Einnahmen, unter chronischer Geldnot leidet. Als Strindberg 1901 dann die Schauspielerin Harriet Bosse heiratet, mietet er ein Haus auf der Schäreninsel Furusund, eine Insel, die man in mehreren seiner Werke wiederfindet. Wie bereits bei früheren Aufenthalten auf den Schären vor Stockholm, beruhigt in das Inselleben und fördert seinen Schaffensdrang.

Nach einer weiteren gescheiterten Ehe kehrte August Strindberg zurück nach Stockholm und 1908 zog er in den sogenannten Blauen Turm in der Drottninggatan 85, wo man heute das Strindberg-Museum findet. Ab dieser Zeit fühlt sich der Schriftsteller jedoch krank, sein Arbeitsrhythmus verlangsamt sich und er nimmt seine gesellschaftskritische Kritik wieder auf, die parallel zur Arbeiterbewegung jener Epoche läuft. In der Zeitschrift Stormklockan nimmt der Autor noch einmal einen erbitterten Kampf gegen die konservative und liberale Bewegung Schwedens auf, die vor allem die junge aufstrebende Schickt der schwedischen Hauptstadt anspricht.

Kurz bevor August Strindberg am 14. Mai 1912 stirbt, machte der Albert Bonniers Verlag mit dem Schriftsteller noch das Geschäft seines Lebens, denn er kaufte für insgesamt rund 200.000 Kronen alle noch freien Rechte an der Veröffentlichung seiner Werke und erwirbt wenig später für 100.000 Kronen auch noch die Rechte, die andere Verlage von Strindberg erworben hatten.

August Strindberg, der nach seinem Tod auch als Fotograf und Maler anerkannt wurde, gilt als der Erneuerer der schwedischen Prosa, denn er schrieb seine Werke aus der Warte der Arbeiterklasse und schildert dabei Situationen, die die Mehrheit der Schweden nachvollziehen konnten, wobei der Schriftsteller nicht zögerte auch auf Missstände aufmerksam zu machen.

Im Ausland wurde August Strindberg vor allem durch seine Dramen bekannt, insbesondere Fadren und Fröken Julie, bei denen der Dramatiker Strindberg zur tatsächlich gesprochenen Sprache greift und sich von der Theatersprache des Bürgertums abwendet.

Über kaum einen schwedischen Autor wurde so viel geschrieben wie über August Strindberg, da der Schriftsteller in keine der üblichen Schablonen zu pressen ist und es schaffte sich selbst und seine permanente Entwicklung auszudrücken und sich seinen Weg nie vorschreiben ließ. Strindberg war ein Revolutionär der schwedischen Literatur und ist vermutlich der einzige unter ihnen, der direkt oder indirekt eine bedeutende Menge an späteren Autoren beeinflusst hat, von der anarchistischen Seite bis zur Schicht der konservativen Autoren.

Copyright: Herbert Kårlin

19 november 2012

Staffan Heimerson, ein Globetrotter als Schriftsteller

Staffan Heimerson wurde am 7. November 1935 als Sohn von Sven Heimer Svensson und Märta Wieslander in Karlstad geboren, bezeichnet sich als Weltreporter und wohnt seit mehreren Jahren in der französischen Provence.

Der Journalist und Schriftsteller Staffan Heimerson bezeichnet sich selbst als Weltreporter, Abenteurer, Philanthrop, Schriftsteller und fügt dieser Aufzählung in der Regel noch einige andere hinzu. Wenn man ihn fragt, wann er zu schreiben begann, so antwortet er, dass er mit acht Jahren begann und weitere zwanzig Jahre damit fortsetzen wird.


Auch wenn Staffan Heimerson mittlerweile von seiner Pensionierung profitieren könnte, schreibt er weiterhin für die Webredaktion der schwedischen Abendzeitung Aftonbladet, der Zeitung, für die er aus Auslandskorrespondent etwa 140 Länder besuchte um von Krisen zu berichten oder um die wichtigsten Leute des Landes für ein Gespräch zu treffen.

Nachweislich begann Staffan  Heimerson seine journalistische Karriere in den 50er Jahren bei den Nordvästra Skånes Tidningar in Ängelholm, wo er seine Jugend verbrachte und als „pågen från Tockarp“ bekannt war, da er vorher bei seinen Großeltern in Tockarp bei Örkelljunga wohnte.

Staffan Heimerson ist vor allem als Journalist bekannt, da er in diesem Rahmen in der Presse, im Radio und beim Fernsehen aktiv war, was allerdings dazu führt, dass man oft vergisst, dass er bisher, teilweise in Kollaboration, über 30 Bücher veröffentlichte, die in gewisser Weise seine journalistische Arbeit ergänzen, denn hier tritt Heimerson als Ratgeber für Auswanderer ebenso auf wie als Katzenfreund, schreibt Nachschlagewerke oder wird zum Autor, der von seinen Auslandsaufenthalten und historischen Treffen berichtet. Es ist völlig unmöglich bei der schriftstellerischen Tätigkeit Heimersons eine klare Linie zu sehen.

Die Kritiker sind sich bei Staffan (eigentlich Sven) Heimerson nicht einig, ob sie ihn als hervorragenden Autor darstellen sollen oder als Person, die sich zu wichtig nimmt. Sie fragen sich auch ob seine Art zu schreiben eher eine Neuerung innerhalb der literarischen Welt ist oder zeigt, dass Heimerson keine langen Texte schreiben kann, denn seine Bücher sind alle entweder in Form von Reportagen oder im Plauderton geschrieben, eine Eigenheit, die Staffan Heimerson mit sehr wenigen anderen schwedischen Autoren gemein hat.

Aber unabhängig davon, ob man Staffan Heimerson den Status eines ernsthaften Schriftstellers gibt oder nicht, so sind seine Bücher leicht zu lesen, da der Autor auf jede tiefere Strukturation oder stilistische Spiele verzichtet und damit den Regeln von gutem Journalismus folgt, der noch heute von vielen Schriftstellern als Zerstörer der Sprache gesehen werden.

Copyright: Herbert Kårlin

10 november 2012

Beppe Wolgers, der Schriftsteller und Künstler mit dem Vollbart

Beppe Wolgers (John Bertil Wolgers) wurde am 10. November 1928 als Sohn von John und Gerda Wolgers in Stockholm geboren und starb am 8. August 1986 an einem Zwölffingerdarmgeschwür im Krankenhaus in Östersund. Beppe Wolgers war von 1953 bis 1960 mit seiner ersten Frau Inger verheiratet, der er den ersten Gedichtband widmete, und von 1962 bis zu seinem Tod mit der Schauspielerin und Tänzerin Kerstin Dunér, die er 1960 kennengelernt hatte.

Wann Beppe Wolgers begann Gedichte zu schreiben, ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Jedenfalls legte er 1946 seine erste Gedichtsammlung beim Verlag Bonniers vor, die, wie auch die fünf folgenden, abgelehnt wurde. Nachdem Beppe, der 1945 die Schule abgebrochen hatte kurze Zeit auf der Malerschule verbracht hatte, zog er erst mit seinem Bruder durch Europa und verbrachte ein Jahr in den USA, wo er vor allem den Jazz entdeckte. Zurück in Schweden verdient er sich sein Geld anschließend durch Gitarre spielen.


Auch wenn Beppe Wolgers insgesamt acht Gedichtsammlungen, fünf Prosabücher, sieben Kinderbücher und etwa 1000 Texte von Liedern veröffentlichte, so war er nicht nur Schriftsteller, sondern war auch Schauspieler, unter anderen in den Filmen „Pippi Langstrumpf“, und mit seinem Vollbart ein Original, das zudem Kabarettnummern schrieb, als Unterhalter tätig war, als Künstler arbeitete und für zahlreiche Übersetzungen unterschiedlicher Art zuständig war.

Nach sechs Ablehnungen gelang es Beppe Wolgers schließlich mit seiner Gedichtsammlung Jag sjunger i skon bei Bonniers zu erscheinen. Der Erfolg des ersten Bandes führt bereits ein Jahr später zu seiner zweiten Lyriksammlung Bilden av vattnet. Beide Bände zeichnen sich dadurch aus, dass Beppe eine Art zu schreiben hat, die dem Leser das Gefühl vermittelt, dass der Autor die Welt in dem Moment entdeckt an dem er zu schreiben beginnt.

Der echte Erfolg kommt für Beppe Wolgers dann mit seinem dritten Buch Djur som inte in dem er von der Lyrik zur Prosa wechselt. Auch hier ist seine Art zu schreiben neu, denn er verwendet einen Humor, den man bis dahin nicht bei schwedischer Literatur finden konnte. Beppe sieht alles mit den Augen eines Kindes und hilft dem Leser dabei die gleiche Entdeckung nachzuvollziehen.

Auch wenn Beppe Wolgers bereits mit seinen Büchern und Liedern relativ bekannt in Schweden war, so wurde er erst mit zwei Fernsehsendungen an denen er mitwirkte, zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten Schwedens, denn 1963 wirkte er bei der humoristischen Sendung Skäggen mit, die zu einer wahren Katastrophe wurde, weil die Sendung mit ihrem kritischen Humor der Zeit um zehn Jahre voraus war. Das Publikum war so erbost darüber, dass man Witze über historische Personen machte, dass das Studio gestürmt wurde.

Nahezu das Gegenteil war dann die Sendung Beppes godnattstund, die zwischen 1968 und 1974 übertragen wurde. Diese Gute-Nacht-Geschichten präsentierte Beppe Wolgers, bekleidet mit Nachthemd und Schlafmütze, in einem überdimensionalen Bett. Die Gespräche führte er mit den Puppen, die ihm Gesellschaft leisteten. Beppe wurde damit der Liebling aller Kinder Schwedens.

Beppe Wolgers sprach, selbst als er von seiner Krankheit erfuhr, nicht über diese und seinen nahen Tod, sondern arbeitete bis zum letzten Tag weiter und beendete noch den dritten Band seiner Memoiren, Cabaret - Mina memoarer del 5, auch wenn der Schriftsteller und Allroundkünstler die Herausgabe dieses Buches im Jahre 1986 nicht mehr erlebte, sondern kurz zuvor verstarb. Auch wenn Beppe diese Memoiren  als fünften Teil bezeichnete, so gibt es weder einen Teil zwei noch einen Teil vier.

Die Ehefrau von Beppe Wolgers, Kerstin Dunér, öffnete im Jahr 1999 das Beppemuseum auf der Insel Öhn, die etwas außerhalb Strömsund im Jämtland liegt, wo man das Leben des Schriftstellers und Schauspielers endecken kann. Das Ehepaar verbrachte die letzten Jahre des Künstlers auf Öhn. In Nyköping feiern die Studenten der Stadt am Walpurgisabend den Beppemössedagen und 2007 wurde im schwedischen Fernsehen eine Dokumentation über Beppe Wolgers übertragen.

Copyright: Herbert Kårlin

7 november 2012

Johan Lindström Saxon, der Heimatautor Närkes

Johan Lindström Saxon wurde am 17. Februar 1859 in Gällersta (Närke) als Sohn des Landwirts Lars Johan Larsson und Kristina Lovisa Olsdotter geboren und starb am 7. November 1935 in Stocksund.

Die Eltern von Johan Lindström Saxon gehörten einer konservativen Freikirche an und waren absolute Antialkoholiker, was sich auch sehr deutlich auf die Arbeiten und das Leben des Schriftstellers, Journalisten und Verlegers auswirkte, der seine Zukunft bereits als Jugendlicher im Journalismus sah. Seine Ausbildung machte Lindström Saxon von 1879 bis 1880 an der Volkshochschule in Örebro, das etwa zehn Kilometer südlich von Gällersta liegt.


Unmittelbar nach seiner Ausbildung begann Johan Lindström Saxon bei der Örebroer Zeitung Nerike als Redakteur zu arbeiten. In den Folgejahren wechsele er mehrmals die Arbeitgeber, wobei er 1881 bei der Arboga-Posten begann, noch im gleichen Jahr zur Arboga Tidning wechselte, vier Jahre später bei der Jämtlandposten begann, 1887 zur Norrlänningen kam, wo er bis 1890 tätig war, um dann nach bereits einem Jahr bei der Arbetet in Malmö zu arbeiten.

Ab 1891 will Johan Lindström Saxon denn nicht mehr als gebundener Journalist arbeiten, sondern aktiv auf die Gesellschaft einwirken und die Menschen auf einen positiveren Weg bringen. Der erste Schritt in diese Richtung ist, dass er Jämtlands Allehanda übernimmt und als Signatur nicht mehr Johan Lindström nimmt, sondern Saxon wählt. Drei Jahre später verlässt der Zeitungsverleger Lindström Saxon Östersund und lässt sich in Stockholm nieder, wo er unmittelbar die Wochenzeitschrift Såningsmannen gründen, die 1928 zum Saxon & Lindströms Verlag wurde. Dieser Verlag, den er gemeinsam mit seinen Brüdern David und Edvin führte, veröffentlichte, unter anderem, die Zeitschriften Lektyr und Svensk Damtidning.

Johan Lindström Saxon kam relativ spät zur Schriftstellerei und veröffentlichte während seiner Zeit als Journalist lediglich das Buch Bondfolk, das 1887 erschien. Seine aktive Zeit als Schriftsteller begann jedoch erst 1915 mit dem Buch Gällersta, einer Darstellung seines Heimatorts in Närke. Diesem Buch folgten dann regelmäßig Romane und Sachbücher, die überwiegend eine Verbindung zu Närke haben. Seine letzten beiden Bücher Skomakarn, skräddarn och smed aus dem Jahre 1934 und Jakt och jägare i gamla tiders Närke von 1935 zählen mit zu den wichtigsten Büchern, die das Leben und die Geschichte Närkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchten.

Auch wenn Johan Lindström Saxon heute nahezu in Vergessenheit geraten ist, so war er im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine schwedische „Institution“, was sich auch daran zeigte, dass er bei einer Umfrage der Tageszeitung Dagens Nyheter im Jahre 1920 nach Hjalmar Branting, die bekannteste Person Schwedens war und bedeutend zur Meinungsbildung dieser Epoche beitrug.

Als Schriftsteller und Journalist war Johan Lindström Saxon kein Erneuerer, sondern vielmehr ein guter Beobachter, der ein Gefühl für jede Zeitströmung hatte und sich sehr klar und überzeugend ausdrücken konnte. Seine literarischen Werke sind insbesondere in einem lokalen Kontext zu sehen, der jedoch umso interessanter ist, da er hervorragend beobachtete und ein ausgezeichnetes Gedächtnis hatte.

Johan Lindström Saxon, der von 1886 bis 1888 mit Hedvig Lundcrantz und ab 1895 mit Anna Maria Bergström verheiratet war, konnte seine Meinungen an seine Leser vermitteln, da er, ohne je aktiv in der Politik tätig zu werden, auch persönlich klar zu seinen Meinungen bekannte und überzeugen konnte, was allerdings den persönlichen Umgang mit ihm nicht sehr einfach machte. Lindström Saxon war absoluter Antialkoholiker, setzte sich für Bauern und Arbeiter ein, gehörte zu den strikten Vegetariern seiner Zeit, forderte einen bedingungslosen Tierschutz und setzte sich für den Erhalt historischer Gebäude ein. Am 13. Februar 1903 gründete er auch die schwedische vegetarische Vereinigung (Svenska vegetariska föreningen), die noch heute aktiv ist.

Copyright: Herbert Kårlin

29 oktober 2012

Lars Gyllensten, philosphische Gedanken zum Alltagsleben

Lars Gyllensten wurde am 12. November 1921 als Sohne des Direktors Carl Gyllensten und Ingrid Rangström in Stockholm geboren und starb am 25. Mai 2006 um Karolinska Universitätskrankenhaus ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt.

Bevor sich Lars Gyllensten dazu entschied hauptberuflich als Schriftsteller zu arbeiten, arbeitete er erst als Arzt an der Universitätsklinik und später als Assistenzprofessor am Karolinska Institut in Stockholm. Mehrere seiner literarischen Werke erschienen jedoch schon während seiner Studienzeit, allen voran das lyrische Werk Camera obscura, das er zusammen mit Torgny Greitz unter dem Pseudonym Jan Wictor veröffentlichte.


Lars Gyllensten führte seit seiner Studentenzeit ein Parallelleben als Schriftsteller und Arzt, wobei seine Werke bereits sehr früh offiziell sehr hoch eingestuft wurden, weswegen er schon 1966 auf den Stuhl Nummer 14 der Svenska Akademien gewählt wurde, wo er Ragnar Josephson nach seinem Tod folgte. Ebenfalls noch bevor er hauptberuflich Schriftsteller wurde, war er auch Mitglied des Nobelkomitee geworden. Später wurde Lars Gyllenststen zusätzlich in den Vitterhetsakademien und die Kungliga Vetenskapsakademien gewählt. Lars Gyllensten verließ allerdings, gemeinsam mit Kerstin Ekman und Werner Aspenström, die Svenska Akademien aus Protest dagegen, dass sich die Akademie weigerte Ayatolla Khomeini zu kritisieren.

Der Lyrikband Camera obscura war aus mehreren Gründen eine Schlüsselwerk des Autors, denn als der Lyrikband 1946 erschien, wurde er wegen seiner literarischen Leistung von Kritikern gelobt, aber als wenig später bekannt wurde, dass zwei Medizinstudenten in wenigen Stunden die Sammlung verfasst hatten um lediglich die Oberflächlichkeit die Lyrik dieses Jahrzehnts ironisierte, waren die Namen der beiden Autoren bekannter geworden als durch den Lob der Kritiker.

Von Beginn an war Lars Gyllensten ein sehr aktiver Autor, der sich von Beginn an bei seinen Werken an die Philosophie von Søren Kierkegaard anlehnte und die existentiellen Grundfragen des Lebens ins Zentrum stellte, was für ihn bedeutete einen übergreifenden Gott zu finden. Gyllensten versuchte in seinen Werken in die Tiefe der menschlichen Seele einzutauchen, was bei Romanen wie Carnivora oder Senilia am deutlichsten zu Tage tritt, aber diese Werke auch auf eine Ebene versetzt, die sie nicht allgemein zugänglich machen. Um dieses Problem auszugleichen, veröffentlichte Lars Gyllensten gegen Ende seines Lebens dann einige Romane, die er in einer etwas einfacheren Sprache formulierte. Unter diesen Romanen findet man I skuggan av Don Juan und Sju vise mästare om kärlek.

Als Lars Gyllensten den Litteraturfrämjamdets stora pris erhalten hatte, gab er 1973 seinen Beruf am Karolinska Institutet auf und begann nur noch als Schriftsteller zu arbeiten, wobei er sich dann jedoch nicht mehr nur auf das Schreiben verlegte, sondern er auch als Debatteur und in in der Presse aktiv wurde. Besonders bedeutend ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass Gyllensten seine Theorien auch in die Praxis übersetzte und sich aktiv in Verkehrsfragen, Umweltfragen und Fragen der Entwicklungshilfe  einmischte.

Wer einen Zugang zu Lars Gyllensten sucht, sollte mit seinen Memoiren Minnen, bara minnen beginnen in denen er seine Standpunkte verteidigt und auch seine Kritik gegenüber der Svenska Akademien und gegen Olof Lagercrantz darstellt.

Copyright: Herbert Kårlin

24 oktober 2012

Lars Widding, der Vielschreiber des 20. Jahrhunderts

Lars Widding wurde am 31. Oktober 1924 in Umeå geboren und er starb am 3. März 1994 in Stockholm. Der Autor wuchs in Umeå auf, wo sein Vater als Rechtsberater arbeitete. Nach der Hochschulreife in seinem Heimatort, ging Widding nach Stockholm um dort zwischen 1946 und 1950 an der Universität zu studieren.

Lars Widding, der seinen Arbeitgebern immer die Treue hielt, hatte im Privatleben etwas weniger Beständigkeit, denn er war dreimal verheiratet. Die erste Ehe mit Ulla Fredriksson, die er noch Student einging, dauerte von 1947 bis 1970. Zwischen 1975 und 1987 war er dann mit der Kulturanthropologin Anita Jacobson verheiratet und zwischen 1987 bis zu seinem Tod im Jahre 1994 mit der Schauspielerin Fillie Elsava Lyckow.


Unmittelbar nach seinem Studium begann Lars Widding beim Expressen zu arbeiten, eine Tätigkeit, die er, neben seiner Arbeit als Schriftsteller, bis 1985 fortsetzte. Mit Ausnahme seiner ersten drei Bücher, die die Jugend des Schriftstellers zum Thema haben, seiner Autobiografie Min historia und seiner Kleinstadtchronik Pigan och härligheten, die in vier Bänden das Umeå seiner Jugend zum Thema haben, arbeitete Lars Widding nahezu ausschließlich mit geschichtlichen Themen.

Seinen literarischen Durchbruch hatte Lars Widding mit dem Buch Årstafrun, eine dreiteilige Romansuite, die er zwischen 1964 und 1966 veröffentlichte und die auf die 25 Bände des „Årstafruns dagbok“ aufbauen, also die Tagebücher von Märta Helena Reenstierna, die täglich einen Eintrag in ihr Tagebuch machte und dabei die gesamte Schicht Stockholms von ihrer Warte aus beschreibt, angefangen von den einfachsten Dienern bis zum Adel, der in den verschiedenen Salons verkehrte.

Bereits in diesem Buch, einem von über 50 Werken, die Lars Widding im Laufe seines Lebens schrieb, zeigt sich die Stärke des Schriftstellers, denn er kann geschichtliche Ereignisse so verarbeiten, dass sie spannend werden und nicht mehr als reine Geschichte aufgefasst werden. Lars Widding hält sich dabei an tatsächliche Ereignisse und taucht bei Årstafrun sogar nur als Erzähler der Geschichte auf, aber er gibt den Tagebüchern Leben.

Mehrmals verfügt Lars Widding über so viel Stoff, dass er aus einem Thema mehrere Romane macht. Eines dieser Beispiele ist die Karolinersviten in der er die schwedischen Soldaten und ihr Leben unter den Königen Karl XI. und Karl XII. zum Leben erweckt, die Infanterie, die durch ihre blauen Uniformen mit goldenen Umschlägen in vielen Museen des Landes den historischen schwedischen Soldaten als solches darstellen.

Lars Widding gilt als einer der produktivsten schwedischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der außer seiner Tätigkeit als Journalist beim Expressen und der Redaktion seiner über 50 Romane zusätzlich 13 Filmmanuskripte schrieb und ständig Aufträge von Radio und Fernsehen übernahm. Einige seiner Bücher wurden in andere nordische Sprachen und ins Englische übersetzt.

Copyright: Herbert Kårlin

14 oktober 2012

Hjalmar Söderberg und die schwedische Doppelmoral

Hjalmar Söderberg wurde am 2. Juli 1869 als Sohn des Buchhalters Fredrik Söderberg und Emilia Brander im Stockholmer Stadtteil Östermalm geboren und starb am 14. Oktober 1941 unter der Okkupation in Kopenhagen, wo er seit 1917 mit seiner zweiten Frau, Emelie Voss, lebte.

Seine Schulzeit beschreibt Hjalmar Söderberg als eine einzige Verfolgung durch Mitschüler, wobei er als Erwachsener dann jedoch einige unter ihnen als Freunde entdeckte. Sein Studium an der Universität Stockholm im Herbst 1890 dauerte nur wenige Monate und unterbrach kaum seine Arbeit beim Zollamt. 1891 arbeitete Söderberg für ein Jahr als Kulturjournalist in Kristianstad. Anschließend kehrte er nach Stockholm zurück um für Dagens Nyheter, Svenska Dagbladet und Ord & Bild zu schreiben, wobei er sich vor allem als Kritiker einen Namen machte.


Als Hjalmar Söderberg dann im Jahre 1895 seinen ersten Roman Förvillelser veröffentlichte, hatte er bereits einen breiten Leserkreis, überrasche jedoch Kritiker und Leser mit einem Buch, das geradezu als unmoralisch angesehen wurde, obwohl es nur eines der Bilder der damaligen Gesellschaft spiegelte. Die Hauptfigur, der Medizinstudent Tomas Weber, bekommt mit einem Mädchen der Oberschicht ein Kind, während er gleichzeitig mit einer Verkäuferin ein Verhältnis hat. Der Durchbruch als Schriftsteller kam, vielleicht gerade wegen dem Skandal, unmittelbar.

Die folgenden Bücher, insbesondere die Novellensammlung Historietter, schließen an den ersten Erfolg an, auch wenn sich Hjalmar Söderberg hier mit der Beschreibung der schwedischen Doppelmoral etwas zurückhält. Sein bedeutendstes Werk erscheint dann im Jahre 1905, ein Buch, das noch heute in literarischen Kreisen Schwedens eine wichtige Rolle spielt. Mit Doktor Glas schreibt Söderberg einen Tagebuchroman und benutzt damit einen Stil, den später viele von Autoren ihm übernommen haben.

In Doktor Glas tötet die Ich-Person, der Doktor, Pfarrer Gregorius, eine Person, die Doktor Glas als unmoralisch betrachtet. Im Laufe des Romans stellt sich immer wieder die Frage, ob es ein Recht zum Mord gibt, wobei Gregorius fast zu einer Nebenfigur wird. Das Mordmotiv gibt jedoch dem Leser zu denken, denn Doktor Glas will die Frau des Pfarrers von den moralischen ehelichen Pflichten befreien, damit sie mit ihrem Geliebten glücklich werden kann.

Im Jahre 1906 erscheint dann das sehr häufig gespielte Drama Gertrud bei dem sich Hjalmar Söderberg als hervorragender Dramatiker zeigt. Auch hier spielen die moralischen Fragen eine wichtige Rolle, denn die willensstarke Hauptfigur Gertrud verzichtet bewusst auf die halbherzige Liebe ihres Mannes und ihrer beiden Geliebten und zieht die Einsamkeit einer unvollkommenen Liebe vor.

Zwischen 1925 und 1940 arbeitete Hjalmar Söderberg immer wieder für die Göteborgs Handels- och Sjöfarts- Tidning, wo er neben Torgny Segerstedt sehr kritische Artikel gegen das deutsche Nazisystem veröffentlichte, obwohl er im besetzten Kopenhagen mit Folgen rechnen musste, was jedoch ausblieb.

Seine klare Art zu schreiben und das Bild der Doppelmoral verhinderten vermutlich, dass Hjalmar Söderberg in die Svenska Akademien aufgenommen wurde, obwohl er mehrmals vorgeschlagen wurde, denn seine Literatur bewegte sich zu sehr im gelebten Leben und versuchte keine Ideale zu schaffen. Hinzu kam, dass sich so mancher in einer der Figuren Söderbergs wiedererklannte. Auch seine Sprache war klar und einfach gehalten, damit eine möglichst große Schicht in der Lage war seine Bücher zu lesen.

Hjalmar Söderberg gehört zu jenen Autoren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Hauptwerke schrieben, die bis heute nicht vergessen sind und weiterhin verlegt werden. Sein Leben wurde bisher zweimal verfilmt und unter dem Titel Jag har valt mina ord och menat allvar med dem erstmals 1987 von TV2 übertragen und unter dem Titel Hjärtats oro im Jahre 2002 ebenfalls von TV2. Pernilla August kündigte an, dass sie 2013 das Werk Den allvarsamma leken verfilmen wird.

Als Hjalmar Söderberg am 14. Oktober 1941 in Kopenhagen starb, erhielten seine schwedischen Kinder lediglich für den Tag der Beerdigung am 18. Oktober eine Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark.

Copyright: Herbert Kårlin

10 oktober 2012

Per Olof Sundman und die Sehnsucht nach dem Norden

Per Olof Sundman wurde am 4. September 1922 in Vaxholm bei Stockholm geboren, verbrachte jedoch seine frühe Kindheit mit seiner Mutter beim Onkel, da der Vater bereits starb als Per Olof gerade einmal zwei Jahre alt war. 1927 zog die Familie dann jedoch nach Stockholm zurück, wo Per Olof Sundman seine Schulzeit begann, die jedoch in keinem Moment wirklich zufriedenstellend war, so dass Per Olof die Schule noch ohne Realschulreife verlassen musste.

Die Verbindung zum Onkel hatte für Per Olof Sundmans Zukunft allerdings die größte Bedeutung, denn dieser hatte ihn während seiner Jugend öfter mit auf seine Reisen durch Schweden genommen, was, nach Aussagen Sundmans, dem Schriftsteller die Liebe zu Nordschweden brachte, die er in nahezu allen seinen späteren Büchern ausdrückte.


Nach einiger Flucht von zu Hause und der Ableistung seiner Wehrpflicht verließ Per Olof Sundman im Jahre 1945 Stockholm in Richtung Norden, wo er verschiedenen Arbeiten nachging und erstmals zu schreiben begann. Als der Onkel 1946 starb, musste Sundman dann jedoch zurück nach Stockholm, wo er sich einige Jahre lang als Büroangestellter versuchte. Aber der Ruf in den Norden war stärker und schon 1949 ging er nach Jormlien im nördlichen Jämtland um dort eine Pension zu führen, eine Aktivität, die er bis 1963 beibehielt.

Im Jämtland begann dann auch die Karriere von Per Olof Sundman als Schriftsteller, die mit der Novellensammlung Jägarna im Jahre 1957 einsetzte, einem Buch das an Hand von Novellen mehrere Konfliktsituationen im Jämtland beschreibt. Nur drei Jahre später wird der Schriftsteller dann mit dem Roman Skytten in ganz Europa bekannt, einem Buch, das sich darum dreht, dass ein Kommunalpolitiker während der Elchjagd einen Menschen tötet. 1967 erscheint dann sein Bestseller, Ingenjör Andrées luftfärd, ein Buch, das ihm endgültig einen Platz in der literarischen Welt Schwedens bietet, ihm die besten Kritikern brachte und im Jahre 1982 von Jan Troell verfilmt wurde.

Per Olofs Drang zum Norden spürt man auch in den Büchern, die er zurück in Stockholm schrieb, denn 1980 nahm er an der Forschungsfahrt des Eisbrechers Ymer in die Arktis teil, was zur Reportage Ishav im Jahre 1982 führte, aber auch in seinen Reportagen über die Lofoten zum Ausdruck kommt.

Sprachlich wird Per Olof Sundman oft mit Ernest Hemingway verglichen, da er eine knappe und präzise Sprache benutzt, auf psychologische Motivationen verzichtet und den Landschaftsbeschreibungen eine wichtige Rolle innerhalb der Erzählung gibt. In dieser Hinsicht hat man oft The Old Man and the Sea mit Ingenjör Andrées luftfärd verglichen.

Gewisse Probleme verursachten dem Autor, der auf dem Stuhl Nummer sechs der Svenska Akademien saß und eine gewisse Rolle in der Stockholmer Politik spielte, als 1995 bekannt wurde, dass Per Olof Sundman in seiner Jugend aktives Mitglied der nazistischen Nordisk Ungdom war. Da sich Sundman sein Leben lang sehr stark für die nordische Mythologie interessierte und sein letzter Roman Berättelsen om Såm eine Modernisierung einer isländischen Sage war, wurden von einigen Kritikern anschließend alle seine Werke unter einem nationalistischem Aspekt betrachtet. Da Per Olof Sundman selbst keinerlei Aussagen zu diesem Thema machte, bleibt diese Diskussion allerdings offen, führte jedoch zu einem Rückgang des Verkaufs der Bücher.

Per Olof Sundman war zweimal verheiratet. Im Jahre 1948 heiratete er Ulla Britt Sundman mit der er zwei Söhne bekam und 1975 heiratete der Schriftsteller, der sich um diese Zeit immer mehr für die Politik interessierte, Anna Karin Sundman, die Tochter des bekannten Runenforschers Sven B. F. Jansson, mit der er ebenfalls zwei Söhne bekam. Per Olof Sundman starb am 9. Oktober 1992 in Stockholm.

Copyright: Herbert Kårlin

8 oktober 2012

Lars Jansson und die Familie Mumintroll

Lars Jansson wurde am 8. Oktober 1926 im finnischen Helsingfors (Helsinki) in einer Künstlerfamilie geboren, denn der Vater, Viktor Jansson, war Bildhauer und die Mutter, Signe Hammasten-Jansson, arbeitete als Illustratorin. Lars Jansson starb am 31. Juli 2000 in Helsinki.

Obwohl Lars Jansson heute fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Familie Mumintroll genannt wird, an der er ab 1961 mit seiner Schwester Tove Jansson arbeitete, die den Troll bereits 1945 geschaffen hatte, so hatte  der Autor  um diese Zeit bereits zwei Kinderbücher, vier Romane, einen Band mit Novellen und ein Lehrbuch zur englischen Handelskorrespondenz veröffentlicht. Sein erstes Buch erschien im Jahre 1941und hatte den Titel Skatten på Tortuga. Aber auch nachdem er bereits die Texte für Mumintroll zu schreiben begann, arbeitete Lars Jansson weiterhin als Schriftsteller, denn noch 1967 kam sein Kriminalroman Fem tusen pund auf den Markt. Leider verblassten alle seine Werke durch den Erfolg, die die Familie Mumintroll rund um die Welt errang.


Dass Lars Jansson mit seinen Werken keinen bedeutenden Platz in der schwedischen Literaturgeschichte erhielt, liegt allerdings auch an seiner Herkunft, denn als finnisch-schwedischer Autor, dessen Werke in Finnland veröffentlicht wurden, wenn auch in schwedischer Sprache, erschwerte ihm den Zugang nach Schweden, obwohl er für die schwedischsprachige Schicht Finnlands eine wichtige Rolle spielte. Noch heute wird Lars Jansson in Finnland mehr Platz in der Literaturgeschichte gewidmet als in Schweden.

Als Tove Jansson ab 1958 die Arbeit mit der Familie Mumintroll kaum noch schaffen konnte, begannen sich die Geschwister die Arbeit zu teilen und Lars begann sämtliche Texte zu schreiben und als 1961 Toves Vertrag mit Associated Newspapers endete, begann er die Trolle auch zu zeichnen und übernahm den Vertrag mit Associated Newspapers. Die Arbeit an Mumintroll wurde für die Geschwister so intensiv, dass Lars Jansson immer mehr Arbeiten übernehmen musste und dadurch immer weniger Zeit für literarische Werke blieb. Der Schriftsteller hatte sich zum Fachmann für Mumintroll entwickelt. Als Tove Jansson ab 1970 die Arbeit an den Trollen aufgab um sich der Literatur zuzuwenden, übernahm Lars Jansson nicht nur die Familie Mumintroll, die er bis 1975 weiterleben ließ, sondern es kam die Arbeit an den Zeichentrickserien hinzu, er handelte Lizenzen aus und wurde künstlerischer Berater für jede Art von Veröffentlichung der Familie Mumintroll, so dass Lars Jansson ab den 70er Jahren seine andere schriftstellerische Tätigkeit ganz aufgeben musste.

Copyright: Herbert Kårlin

7 oktober 2012

Gunnar Brusewitz, Naturerlebnisse in Wort und Bild

Am 7. Oktober 1924 wurde Gunnar Brusewitz als Sohn des Sekretärs Per-Emil Brusewitz und seiner Frau Fanny Andersson in Ekerö am Mälaren geboren. Der Schriftsteller starb am 10. Juli 2004 in Rimbo bei Norrtälje.

Bereits mit sechs Jahren kam Gunnar Brusewitz in eine Internatschule, wo er sich weniger mit anderen Schülern beschäftigte als vielmehr seine Liebe zur Natur und zum Zeichnen entdeckte, zwei Dinge, die ihn sein Leben lang nicht mehr verlassen sollten, auch wenn die Liebe zur Natur eventuell als Ersatz für ein normales Familienleben betrachtet werden muss.


Zwischen 1941 und 1945 studierte Gunnar Brusewitz an der Lena Börjessons skulpturskola und der Signe Barths målarskola in Stockholm Skulptur, Malerei und Grafik, eine Studium, das er 1949 an der Königlichen Akademie für freie Künste fortsetzte. Anschließend begann der Künstler für die Stockholms-Tidningen, das Svenska Dagbladet und die Upsala Nya Tidning zu arbeiten, sowohl als Zeichner als auch als Journalist.

Obwohl Gunnar Brusewitz in erster Linie als darstellender Künstler ausgebildet war, veröffentlichte er sein erstes Buch Jägarsång bereits 1950, das er natürlich auch gleichzeitig bebilderte. Dieses Werk sollte das erste von über 50 Büchern werden, die überwiegend Reiseschilderung sind oder in irgendeiner Weise eine Beziehung zur Natur haben. Der Schriftsteller hat in diesen Büchern durch die Verbindung von Worten und eigenen Bildern eine außerordentliche Nähe zur Natur und zu Naturbeobachtungen geschaffen, die unzähligen Schweden dabei geholfen haben die Umwelt mit neuen Augen zu betrachten und die schwedische Tier- und Pflanzenwelt zu entdecken.

Das Gefühl für die Natur in seinen Zeichnungen brachte Gunnar Brusewitz allerdings mehr Aufträge als malender Naturkenner als als Autor, denn er wurde gebeten Carl von Linnés Landskapsresor zu bebildern, ebenso wie einige Werke von Frans G. Bengtsson. Er illustrierte Briefmarken, sprach im Fernsehen über Naturerlebnisse und realisierte einige Naturfilme. Da er tausende von Bildern malte, die man heute zum Teil auch in einigen der größten Museen der Welt betrachten kann, muss man sich fragen, wo Brusewitz die Zeit fand selbst noch so zahlreiche Bücher zu schreiben, da er im Durchschnitt jedes Jahr ein neues Buch vorlegte.

Eines seiner bekanntesten Reisebücher gab Gunnar Brusewitz nach seiner Polarreise mit dem Forschungsschiff Ymer heraus, denn in Arktisk sommar findet man alle Eindrücke einer einzigartigen Natur, die Brusewitz als Expeditionsleiter sammeln konnte. Die persönlichen Illustrationen machen das Werk zu einem individuellen Erlebnis, das man mit Hilfe der Fotografie kaum erreichen kann, da man bei einer Illustration keine Sekundenaufnahme macht, sondern aus der Erinnerung eine einzigartige Aufnahme schaffen kann.

Mit 70 Jahren begann Gunnar Brusewitz dann seine Memoiren zu schreiben, die dem Leser in drei Bänden seine ganze Lebensgeschichte näherbringen. 1994 erschien Vågens bar, 1996 Den otåliga pennan und 1998 schloss er die Serie mit Upptecknat och nedskrivet ab.

Copyright: Herbert Kårlin

4 oktober 2012

Frans G. Bengtsson, Militärromantik und antidemokratische Gedanken

Frans Gunnar Bengtsson wurde am 4. Oktober 1894 auf dem Schloss Rössjöholm in Ribbingsfors als Sohn des Schlossverwalters Sven Bengtsson und seiner Frau Elsa Maria Ljunggren geboren und starb am 19. Dezember 1954 in Ribbingsfors.

Aus der Kindheit und der Jugend von Frans G. Bengtsson ist nicht sehr viel bekannt, außer dass er wegen chronischen Nierenproblemen immer wieder eine längere Zeit krank war und auf Grund der Krankheit keinerlei körperlichen Leistungen bringen durfte. Auf Grund dieser Krankheit wurde Bengtsson auch vom Militärdienst befreit, konnte allerdings auch keine akademische Laufbahn einschlagen.


Frans Gunnar Bengtsson begann 1912 ein Literaturstudium in Lund, ohne jedoch einem klaren Studienplan zu folgen, wobei er als Abschlussarbeit eine Übersetzung des Werkes Walden von Henry David Thoreau vorlegte und 1931 seine Studien mit dem höchst möglichen Niveau beendete.

Seine literarische Karriere begann Frans G. Bengtsson im Jahre 1923 mit der Gedichtsammlung Tärningkast, das von den Kritikern, im Gegensatz zu seinem zweiten Gedichtband, sehr positiv aufgenommen wurde, was jedoch dazu führte, dass der Schriftsteller dadurch seine stärkste Seite entdeckte und vor allem Essays zu schreiben begann. Seine Essays wurden auf Grund seines historischen Wissens und der ausgewählten Stilistik viel gelesen und als Meisterwerke betrachtet.

Die größten Erfolge hatte Frans G. Bengtsson allerdings mit zwei anderen Werken, die heute noch eine bedeutende Leserschicht anziehen. Das erste Werk behandelt das Leben und die Kriegszüge des schwedischen Königs Karl XII., das 1935 und 1936 in zwei Bänden  mit insgesamt 652 Seiten erschien und den König nahezu zum bedeutendsten Herrscher Schwedens macht. Das zweite Werk erschien ebenfalls in zwei Bänden, wobei es sich bei Röde Orm um zwei Abenteuerromane handelt, die während der Zeit der Wikinger spielen und seit der ersten Erscheinung in den Jahren 1941 und 1945 immer wieder neu aufgelegt werden und zu den bedeutendsten schwedischen Bücher des vorigen Jahrhunderts gelten. 

Frans G. Bengtsson wird auf Grund aller seiner Werke als Militärromantiker bezeichnet, obwohl er selbst nicht einmal den Militärdienst leistete, und in mehreren Essays brechen auch extrem rassistische und antidemokratische Meinungen des Schriftstellers hervor. Dennoch ist es nicht ganz einfach Bengtsson in die Liste der rechtsextremen Autoren einzuordnen, da er sich bei anderen Veröffentlichungen deutlich gegen totalitäre Regierungen ausspricht und die Hauptfigur in Röde Orm der Jude Salaman spielt, der in jedem Zug als sympathisch und positiv empfunden wird.

Der etwas gespaltene Charakter des Schriftstellers wird auch an einigen seiner Briefe, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden, deutlich, denn als ein norwegischer Verlag einige kleinere Änderungen für die norwegische Ausgabe vorschlug, damit das Buch besser verkauft werden kann, zog Bengtsson die Genehmigung zur Übersetzung mit den verletzendsten Worten zurück, die er vermutlich formulieren konnte. Eine sehr ähnliche Erfahrung musste auch ein Verleger aus Prag machen, das damals von Deutschland besetzt war.

Copyright: Herbert Kårlin

1 oktober 2012

Anders Larsson, der Autor mit der Neigung zum Absurden

Anders Larsson wurde am 1. Oktober 1952 in Västervik geboren, wuchs aber überwiegend in Tranås auf. Sein Vater arbeitete als Buchhalter in einem Schlachthaus und seine Mutter im Pflegedienst. Anders Larsson arbeitet dann einigen Jahren am Schwedischen Theater in Åbo (Turku) und lebt mitlerweile im finnischen Helsinki.

Der Autor ist über seine Leben bis 1976 relativ verschwiegen, so dass man im Grunde nur weiß, dass er nach dem Abitur zuerst auf See ging, ein halbes Jahr auf einer Missionsstation in Malaysia arbeitete und nach der Rückkehr nach Schweden ein Theologiestudium in Uppsala begann, das er jedoch ohne Abschluss abbrach um als Bühnentechniker und Requisiteur zu arbeiten.


Da sich Anders Larsson in der Welt des Theaters wohl fühlte, begann er 1976 ein Studium an der Hochschule für Bühne und Musik in Göteborg, das er 1979 abschloss. 1982 begann er dann als Dramatiker zu arbeiten und leitete seine literarische Karriere als Autor für Theater, Radio und Fernsehen ein, was dazu führte, dass er bereits über 20 Manuskripte für die Bühne und das Fernsehen schrieb, sowie einige Hörspiele verfasste.

Im Jahre 1975 veröffentlichte Anders Larsson dann sein erstes Buch, Fiskbilen och andra fabuletter, eine Sammlung an Novellen in der sich mehrere Personen im gleichen Niveau bewegen und sich dem Leser während der Lektüre eine absurde Welt auftut.

Zum 150. Jahrestag der ersten kompletten Herausgabe der Kalevala veröffentlichte Anders Larsson das Buch Kalevala för lata, wo er das klassische finnische Epos nahezu respektlos in den Alltag verlegt und das kleine Volk und den Jugendlichen in der Pubertät eine größere Rolle gibt als die klassische Überwelt.

Erst 2004 erscheint dann Larssons erster Roman, En liten man i norr, ein Roman, den man in der Linie Kafkas sehen kann, denn die Hauptperson versagt in jedem Punkt seines Lebens und wird durch eine unbedeutende graue Figur dargestellt, die weder seine Arbeit, noch sich selbst, seine Frau oder seine Kinder verstehen kann. Anders Larsson schafft hier einen kompletten Antihelden, dessen Leben nicht gelingen kann.

Auch die Novellensammmlung Din klara sol aus dem Jahre 2009 geht den gleichen Weg, nur dass sich hier jede Handlung in der Welt der Kunst abspielt, wo man die Absurdität eher als Normalität betrachten kann, da dies neue Ideen wachsen lässt, aber auch zur Verzweiflung führen kann.

Anders Larsson gehört zu jenen schwedischen Schriftstellern, die sowohl in Schweden als auch in Finnland Erfolg haben, auch wenn seine Werke, Kalevala för lata ausgenommen, keine Bestseller wurden, da sein nahezu hoffnungsloser schwarzer Humor zwar von der Kritik erkannt wird, aber die Leserschicht dennoch einschränkt.

Copyright: Herbert Kårlin

30 september 2012

Ragnar Thoursie, ein Autor wider seinen Willen

Ragnar Thoursie wurde am 30. September 1919 als Sohn des Lokführers Johan Algot Thoursie und seiner Frau Signe in Katrineholm geboren und starb am 12. Juli 2010 in Nacka. Ragnar wurde streng im Glauben der Zeugen Jehovas erzogen, was auch bedeutete, dass Literatur für den jungen Ragnar Thoursie kaum greifbar war, da die Wahrheit nur in der Bibel zu finden war und Gedichte oder Belletristik im Elternhaus als etwas Negatives betrachtet wurden.

Nach der Hochschulreife, die er über eine externe Prüfung erlangte, studierte Ragnar Thoursie Deutsch, Psychologie und Religionsgeschichte an der Universität Stockholm, was jedoch nur relativ wenig mit seinem zukünftigen Arbeitsplatz zu tun hatte, da Thoursie ab 1945 bei der Reichsversicherungsanstalt zu arbeiten begann, eine Arbeitsstelle, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1985 behielt, da er, trotz seiner Erfolge, die Literatur als Freizeitvergnügen sah und nie hauptberuflich als Schriftsteller arbeiten wollte.


Im gleichen Jahr, als er seine Arbeitsstelle antrat, erschien auch das erste Werk Ragnar Thoursies, das den Titel Emaljögat trug und der erste Schritt dazu war, dass er zum Repräsentant der Literatur der 40er Jahre wurde und selbst Tomas Tranströmer beeinflusste. Kaum jemanden gelang eine so große Leistung mit so wenig Werken, denn Ragnar Thoursie veröffentlichte zwischen 1945 und 1952 nur drei Gedichtbände, bevor er eine schriftstellerische Pause bis zum Jahr 1987 einlegte.

Ragnar Thoursie gelang es durch seine bildliche Art zu schreiben und die graphische Art der Zusammensetzung der Sätze, was bisweilen darauf zurückgeführt wird, dass Thoursie eigentlich Zeichner werden wollte, im Jahre 1952 den Literaturpreis der Tageszeitung Svenska Dagbladet zu erhalten und Olof Palme so zu beeindrucken, dass dieser in mehreren seiner politischen Reden ein Gedicht des Poeten, Sundbybergsprologen, zitierte.

Erst 1989 kam wieder dann ein Gedichtband von Ragnar Thoursie auf den Markt. Dieses Mal nennt er den Band Kråkorna skrattar. Thoursie behält bei diesem Werk zwar seine Bildsprache, aber die Art des Schreibens hat sich verändert und wird persönlicher, wobei der Autor hier auch erstmals das „Ich“ verwendet. Aber Ragnar Thoursie verlässt nun auch den reinen Weg der Poesie und veröffentlicht auch Prosa, so den autobiografischen Roman Ditt ord är ljus im Jahre 2001, Elefantsjukan im Jahre 2003, wobei er bei diesem Werk über seine Zeit am Schreibtisch erzählt, und Igelkottsfrid, eine Autobiografie mit der er die Schriftstellerei als für beendet betrachtet. Für diese späten Werke wird Ragnar Thoursie mit dem königlichen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet.

Aber Ragnar Thoursie überrascht die literarische Welt Schweden erneut, denn 2009 erschient noch sein Buch Sånger från äldreomsorgen, ein Mischung aus Gedichten, Aufzeichnungen und kurzer Prosa, die er im Altersheim schreibt wo er mittlerweile lebt. Das Buch ist sachlicher als seine anderen Werke und Thoursie scheint verbittert über die Wege der Sozialdemokraten zu sein, deren Wege er als ideal ansah. So taucht bei ihm die Frage auf wohin das schwedischen Folkhemmet verschwunden ist, das er selbst mit aufgebaut hatte.

Bereits 2007 hatte Ragnar Thoursie sein gesamtes Forschungsmaterial, seine Briefe, seine Manuskripte und anderes mehr der Universität Växjö geschenkt, die dadurch über ein bedeutendes Archiv über den Schriftsteller verfügt, wo auch Material eingeht, das nie veröffentlicht wurde und die Wege zur Gedankenwelt Thoursies erfasst werden können.

Ragnar Thoursie sprach nie über seine Familie, da er zeit seines Lebens klar zwischen Literatur, Arbeitswelt und Privatwelt trennte. Deshalb weiß man nicht, warum seine Ehe nur 18 Jahre hielt und warum sich seine drei Kinder kaum noch für ihn interessierten als er ins Altersheim musste, wo er mit 90 Jahren vereinsamt starb.

Copyright: Herbert Kårlin

26 september 2012

Ola Hansson, der schwedische Schriftsteller ohne Heimat

Ola Hansson wurde am 12. November 1860 als jüngster Sohn eines wohlhabenden Landwirts in Hönsinge, Skåne, geboren und begann bereits gegen Ende seiner Schulzeit unter dem Pseudonym Runmar für die Zeitung Nya Skåne zu schreiben. Nach der Hochschulreife schrieb sich Hansson an der Universität Lund an der philosophischen Fakultät ein, wobei er in dieser Zeit auch seine ersten Gedichte schrieb und auch bald mit Schriftstellern wie Herman Bang, Axel Lundegård und Victoria Benedictsson Kontakt aufnahm und als Journalist beim Aftonbladet in Stockholm arbeitete.

Noch in Stockholm kam Ola Hanssons erste Gedichtsammlung Dikter auf den Markt, aber trotz seiner Kontakte in Stockholm, war er schon 1886 wieder zurück in Skåne, wo er Stella Kleve (Pseudonym für Mathilda Malling) kennen lernte und dieser auch einen Heiratsantrag machte, den die Schriftstellerin allerdings ablehnte. Wenig später traf er dann die deutschsprachige Schriftstellerin Laura Mohr aus Lettland mit dänischer Herkunft, die er, nach gemeinsamen Ferien, bereits im Jahre 1889 heiratete.


Die Zeit zwischen 1886 und 1889 reiste Ola Hansson sehr viel, wobei er sich  insbesondere in Deutschland, der Schweiz und Italien aufhielt. Während dieser ersten Jahre seiner Reisen veröffentlichte er sein berühmtes Buch Sensitiva amorosa, das der literarischen Welt Schwedens jahrelang Gesprächsstoff gab, da das Buch mit seiner sensuellen Dekadenz der Mittelklasse einen Skandal verursachte, was den Verkauf des Werkes nur anregen konnte.

Nach der Ehe mit Laura Mohr, die ihre Werke unter dem Pseudonym Laura Marholm veröffentlichte, begann ein unstetes Leben, denn das Paar zog nach Berlin, dann nach Paris und in die Schweiz: Als ein Jahr später der gemeinsame Sohn geboren wurde, kehrte das Ehepaar kurz nach Skåne zurück, um jedoch bald wieder aufzubrechen, wobei die Reise sie nun zuerst nach Riga und dann nach Berlin führte, das sie jedoch nach zwei Jahren wieder verließen um nach Schliersee in Bayern zu ziehen.

In diesen Jahren arbeitete Ola Hansson sehr viel für die deutsche Presse, aber auch in regelmäßigem Abstand an seinen Gedichtsbänden und dem autobiografische Werk Resan hem, das allerdings erst 1894 erschien. In Deutschland bekam Hansson den Ruf eines Fachmanns für Nietzsche, dessen Verfechter der Autor war und dort brach er auch endgültig mit August Strindberg, der einige Tage bei ihm verbracht hatte.

In Schliersee blieb das Ehepaar bis 1899, wobei dies die ruhigste und produktivste Phase von Ola Hansson war. Trotz der hohen Leistung, die beide Schriftsteller brachten, kam es jedoch zu extremen finanziellen Problemen, zu paranoiden Anfällen und einer plötzlichen  Zuwendung zum Katholizismus, zu dem beide 1898 übertraten. 1899 verließen dann beide Schliersee um nach München zu ziehen, wobei sie den Sohn zurückließen, damit er in Schliersee zur Schule gehen konnte.

In München kam zur Paranoia der beiden noch ein steigender Alholkonsum, was dazu führte, dass Laura 1905 zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Ola Hansson fand durch diese Situation wieder etwas zurück in die Realität, was ihm auch dabei half seine Frau ein Jahr später aus der Psychiatrie befreien zu können, allerdings unter der Auflage, dass beide für mindestens drei Jahre Bayern verließen. Zwischen 1905 und 1919 reiste das Ehepaar dann mehr oder weniger durch Europa, abgesehen von einigen längeren Aufenthalten bei Bern und in Meudon. Obwohl beide sehr viel schrieben und veröffentlichten, so kamen sie wegen der permanenten Reisen nicht aus den finanziellen Schwierigkeiten, die auch Stipendien der Svenska Akademien und der Fröding-Stiftung, die Ola Hansson in dieser Zeit erhielt, nicht verhindern konnten. Der Verwirrungszustand von Ola Hansson, der merkwürdiger Weise in seiner Prosa und seiner Lyrik nicht zu finden ist, erreicht seinen Höhepunkt, als er in einem Brief an Esaias Tegnér den Nobelpreis für sich und seine Frau fordert.

Von 1919 bis 1922 wohnte das Paar dann zuerst im dänischen Espergaerde, dann in Mölle in Skåne. Als jedoch die Vorbereitungen für Ola Hanssons Samlade Skrifter beendet war, verschwand das Ehepaar wieder Richtung Süden. Dieses Mal hielten sich die beiden erneut in der Schweiz auf, dann in der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Griechenland und schließlich der Türkei, wo Ola Hansson noch sein Werk Psyke och hemma beenden konnte, bevor er am 26. September 1925, vermutlich an einem geplatzten Blinddarm, in Buyukdere in der Türkei starb.

Wenn man die zahlreichen Werke von Ola Hansson liest, so spürt man in ihnen die Unruhe in der er lebte und die ihn dazu zwang nahezu von Ort zu Ort ziehen, aber man spürt auch die Einflüsse, die die verschiedensten Länder auswirkten und Hansson aus der klar zu definierenden Schicht von Schriftstellern herausragen lässt. Die Stärke seiner Arbeit liegt daher in einer Mischung aus französischer Philosophie, Heimatgefühl aus Skåne und den ständig wechselnden Gefühlseindrücken, die jeder neue Ort Ola Hansson aufdrückte.

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21 september 2012

Viktor Rydberg, der Autor zwischen Mythologie und Philosophie

Viktor Rydberg wurde am 18. Dezember 1828 in Jönköping geboren und starb am 21. September 1895 in Djursholm, dem heutigen Danderyd. Sein Vater, Johan Rydberg, war Schlosswächter und seine aus Polen stammende Mutter, Hedvig Kristina Duker, war Hebamme.

Allerdings verbrachte Viktor Rydberg seine Kindkeit kaum mit seinen Eltern, da die Mutter bereits 1834 an Cholera starb und Viktor wenig später mehr oder oder weniger von einer Pflegefamilie zur anderen kam und daher eigentlich erst an der Universität in Lund wirklich zu sich fand, auch wenn er weiterhin dafür arbeiten musste um sein Studium durchführen zu können. An der Universität Lund holte er erst die Hochschulreife nach und begann dann Jura zu studieren, ohne jedoch je ein Examen abzulegen.


Seine Karriere als Autor begann Viktor Rydberg im Jahre 1847 als Journalist beim Jönköpingsbladet um später auch bei der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning fortzusetzen, beide Male unter dem Chefredakteur Johan Sandwall, der in gewisser Weise auch Mäzen des Schriftstellers wurde und die ersten Werke Viktor Rydbergs veröffentlichte und ihm damit die Tür zur literarischen Welt öffnete. In Göteborg fand er unter S. A. Hedlund, dem Herausgeber der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning einen weiteren Wegbereiter.

Neben seiner Arbeit als Journalist in Göteborg arbeitete Viktor Rydberg an einigen seiner bekanntesten Werke, die er jedoch im Laufe der Jahre bei Neuauflagen teilweise ergänzte oder auch erheblich änderte. Sein romantischer Sagen-Roman Singoalla erschien 1857 im Göteborger Kalender Aurora und erst acht Jahre später als Buch. Mit Den sista athenaren führte er im Jahre 1859 in Schweden den Feuilletonroman ein, der gleichzeitig zur Zeitkritik und als Diskussionsbasis benutzt werden konnte und mit Bibelns lära om Kristus legte er sich 1862 mit der konservativen Kirche Schwedens an, da er Jesus die Göttlichkeit nahm und die Dreifaltigkeit verleugnete. Mit diesem Roman gelang es Viktor Rydberg, gehasst oder bewundert, in aller Munde zu geraten.

Ein gewisser Bruch entstand in Viktor Rydbergs Werken mit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere, denn 1876 wurde er an die Universität Göteborg berufen, 1877 in die Svenska Akademien gewählt, 1884 Professor an der Universität Stockholm und 1887 wurde er in die Vetenskapsakademien gewählt, was auch bedeutete, dass seine Werke in den wissenschaftlichen Bereich gezählt wurden, dem Schriftsteller jedoch andererseits auch erlaubte kritische Themen auf anerkannte Weise aufzugreifen.

Während der letzten 20 Jahre seines Lebens schrieb Viktor Rydberg einerseits zahlreiche Gedichte, unter anderem auch das sehr bekannte Betlehems stjärna, das 1893 von Alice Tegnér vertont wurde. Andererseits begann er immer tiefer in der Forschung der germanischen und vor allem nordischen Mythologie aufzugehen, was auch zu den Werken Studier i germansk mytologi und Fädarnas gudasaga führte, die noch heute als bedeutende Quelle der Mythologie dienen.

In diesem Rahmen muss man jedoch bedenken, dass Viktor Rydberg nie in erster Linie Forscher war, sondern Schriftsteller, was natürlich dazu führte, das er auch bei wissenschaftlichen Werken seine Phantasie walten ließ und, ähnlich wie beim Roman Bibelns lära om Kristus eine sehr persönliche Meinung vertrat sowie Handlungen zu einem logischen Verlauf verarbeiten wollte, eine Forderung, die bei germanischer und nordischer Mythologie nicht immer zu erfüllen ist. Die wichtigste Frage, die sich Viktor Rydberg in diesem Zusammenhang stellte, war jedoch, in welcher Weise das wachsende Christentum im frühen Mittelalter die nordische Sagenwelt bereits manipuliert hatte um einen Übergang der Götterwelten zu ermöglichen.

Die geistige Einstellung Viktor Rydbergs wird auch an einem weiteren Ereignis deutlich, denn als er 1890 mit seiner Frau, Susen Emilia Hasselblad, in die Villa Ekeliden in Djursholm (heute Danderyd) zog, ein Neubaugebiet, setzte sich der Schriftsteller dafür ein, dass alle Straßen in seiner Umgebung eine Beziehung zur nordischen Welt der Götter bekamen.

Viktor Rydberg war in gewisser Weise ein Erneuerer der Literatur, aber er sucht im nationalen Zeitstrom des 19. Jahrhunderts seine Themen aus der Vergangenheit des Nordens, was man beim Lesen seiner Werke heute manchmal vergisst.

Am 21. September 1895 starb Viktor Rydberg nach kurzer Krankheit in der Villa Ekeliden. Das Haus wurde nur wenige Jahre später von der Kinderbuchautorin und Künstlerin Elsa Beskow bezogen und Anfang der 50er Jahre abgerissen. Rydbergs Grabmonument mit seiner Statue findet man im Östra kyrkogården in Göteborg.

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