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10 mars 2013

Olof Lagercrantz, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens

Olof Lagercrantz wurde am 10. März 1911 als Sohn des Bankdirektors Carl Fredrik Gustafsson Lagercrantz und dessen Frau, Gräfin Agnes Elvine Margareta Hamilton, in Stockholm geboren und starb am 23. Juli 2002 im Alter von 91 Jahren in Drottningholm bei Ekerö. Lagercrantz war mit Martina Ruin verheiratet, der Tochter des berühmten Essayisten Hans Ruin.

Auch wenn Lagercrantz in der wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft aufwuchs, der seine Kindheit und seine Jugend in Falköping verbrachte, so zeigte er bereits in seiner Jugend einen sehr starken und zeitweise aufbrausenden Charakter, der sich nahezu sein Leben lang gegen seinen Vater auflehnte, wenig Kritik akzeptierte und für die Werte der extrem linken Bewegungen eintrat.


Die Kindheit von Olof Lagercrantz wurde jedoch nicht nur von einem dominanten und strengen Vater geprägt und von seiner TBC, sondern auch von den regelmäßigen Depressionen seiner Mutter und später dem Selbstmord seiner Schwester, die mit 19 aus dem Fenster sprang und noch auf dem Sterbebett die Anwesenheit des Vaters ablehnte. Lagercrantz führte nahezu sein gesamtes Leben lang Tagebuch, das zwar seinen Lebensweg verfolgen lässt, jedoch relativ wenig Aufschluss über den Schriftsteller als Menschen bietet.

Seine literarische Karriere begann Olof Lagercrantz im Jahre 1935 mit der Gedichtsammlung Den döda fågeln, einer Sammlung von schwermütigen Naturgedichten, die mehr über seine bürgerliche Herkunft aussagen als seine spätere literarische Größe, da der Autor erst später einen eigenen Weg innerhalb der schwedischen Lyrik fand. Die Reife eines Poeten entdeckt man erstmals im Jahre 1943 mit Dikter från mossen, der dritten veröffentlichten Gedichtsammlung des Autors. Die Stärke dieser Gedichte beruht in weitem Sinne darin, dass er hier seine eigenen Erfahrungen und seine persönliche Entwicklung verarbeitet, ein Zug, den man auch im einzigen Roman des Autors findet, denn in Trudi entdeckt man sehr viele Züge aus der Vergangenheit von Lagercrantz, die sowohl an die Mutter als auch die Schwester erinnern.

Die Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft spürt man bei Olof Lagercratz sehr deutlich ab dem finnischen Winterkrieg im Jahre 1939, als er am Aufruf Finlands sak är vår mitarbeitete und zur Gruppe jener Personen gehörten, die forderten, dass Schweden auf der Seite Finnlands gegen Russland ziehen muss. Auch wenn der Autor hier Propaganda schrieb und keine Literatur, so wurde er jedoch damit in ganz Schweden bekannt.

Mit zwei Gedichtbänden, dem Roman Trudi und der Karlfeldtstudie Jungfrun och demonerna als Gepäck gelang es Olof Lagercrantz in den Folgejahren als freier Kulturkritiker Zugang zu Zeitungen wie Svenska Dagbladet oder Nya Dagligt Allehanda und zur Zeitschift Bonniers Litterära Magasin zu finden, was in sich einen bedeutenden Widerspruch im Charakter von Lagercrantz zeigt, denn während er sich zur Arbeiterliteratur hingezogen fühlt und sich gegen die Bourgeoisie auflehnt, schreibt er für konservative Zeitungen und vertritt eine extrem konservative Stellung zur Literatur Schwedens.

Im Jahr 1951 steht Olof Lagercrantz an einer bedeutenden Wende seiner Karriere, denn zum einen wird der Autor Kulturredakteur der Tageszeitung Dagens Nyheter und zum anderen legt er seine Biografie über Agnes von Krusenstjerna als Doktorarbeit vor und beginnt damit eine Karriere als Autor von Biografien.

Als Kulturredakteur bei der damals größten Tageszeitung Schwedens gewinnt Olof Lagercranz einen Einfluss über das literarische Geschehen in Schweden, das das gesamte kulturelle Bild Schwedens bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1975 steuern sollte, denn Lagercranz hat kein Mitgefühl für Autoren und er akzeptierte keine andere Linie als seine eigene. Da er zudem eine Vorliebe dafür hat Bücher von Autoren zu besprechen, die er persönlich kennt, zerstört er nicht nur einige seiner Freundschaften dauerhaft, sondern macht sich auch die Hälfte der literarischen Welt zum Feind. Die Rezensionen des Schriftstellers zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass er nicht am Thema Halt macht, sondern persönliche Meinungen einfließen lässt um den Besprechungen Stärke zu verleihen, was ihm nicht nur viele Autoren negativ auslegen.

Seine Arbeit als Biograf begann für Olof Lagercrantz mit einem Buch über Agnes von Krusenstjerna, einem Werk, das vollkommen aus persönlicher Sicht geschrieben wurde und nicht nur auf ihre hinterlassenen Schriften aufbaut, sondern vor allem auf seine persönliche Bekanntschaft mit der Schriftstellerin und Erinnerungen des gemeinsamen Familienkreises. Das Buch ist daher gefärbt von eigenen Eindrücken, was dazu führte, dass die Meinung über die Qualität dieses Buches bis heute gespalten ist.

Auch seine späteren Monografien über Stig Dagerman, Gunnar Ekelöf, Joseph Conrad und vor allem August Strindberg kann man nicht tatsächlich als Darstellung der Autoren bezeichnen, denn Olof Lagercrantz versucht die besprochenen Personen zu analysieren, gibt ihnen Charakterzüge, die er selbst in ihnen sehen will, vermittelt eine Atmosphäre, die nur in ihm selbst gewachsen ist. In gewisser Weise erfindet Lagercrantz dabei die Roman-Biografie, die man min gewissem Vorbehalt lesen muss, denn man steigt vor allem in die Welt von Lagercrantz ein und nicht immer in jene des behandelten Autors.

In seiner Rolle als Chefredakteur der Dagens Nyheter war Olof Lagercrantz jedoch nicht nur in der Welt der schwedischen Literatur eine gefürchtete Person, sondern er arbeitete auch an einer Änderung der gesamten Gesellschaft und öffnete daher neue Blickwinkel, die ihm jedoch erneut mehr Feinde als Freunde machte. Als er offen für die Sexualität eintrat, erklärte ihn Sara Lidman als den Bahnbrecher der Pornografie in Schweden und als er sein Unverständnis gegen den Kampf gegen den Kommunismus in Südvietnam ausdrückte und Amerika für sein Eingreifen kritisierte, wurde er ein Symbol der kommunistischen Bewegung und ein Feind der schwedischen Regierung, die seit Jahren einen Hass gegen die Sowjetunion aufgebaut hatte.

Olof Lagercrantz war eine Person, die bewusst Konflikte provozierte, nicht zuletzt dadurch, das er Personen wie Astrid Lindgren, Dag Hammarskjöld oder den vorherigen Chefredakteur der Dagens Nyheter, Herbert Tingsten, persönlich angriff, aber auch dadurch, dass er sich negativ zur Svenska Akademien, dem Königshaus und der Svenska Kyrkan aussprach. Für Lagercrantz gab es nur eine einzige Wahrheit, nämlich seine persönliche.

Copyright: Herbert Kårlin

26 februari 2013

Gustaf Hellström und das gesellschaftliche Leben in Kristianstad

Gustaf Hellström wurde am 28. August 1882 als Sohn des Unteroffiziers Erik August Hellström und dessen Frau Johanna Jönsson in Kristianstad geboren und starb am 27. Februar 1953 in Stockholm. Hellström war in erster Ehe mit der Modezeichnerin Louise Shoemaker verheiratet, in zweiter Ehe mit Carin Wærn Frisell und in dritter Ehe mit Tanja Esther Birgit Helén.

An seine Kindheit erinnerte sich Gustaf Hellström ungern, da sein Vater ein Mann mit klaren Prinzipien war und selbst für jene Zeit als sehr streng galt. Zudem wuchs der Schriftsteller in einem streng eingegrenzten Milieu auf bei dem er nur auf der Schwelle zur bürgerlichen Gesellschaft stand, auch wenn die Familie in Kristianstad sehr geachtet war. Hellström legte die Hochschulreife im Jahre 1900 im Söderportsgymnasium in Kristianstad ab und besuchte anschließend die Universität Lund, die er 1903 mit dem niedrigsten Examen in Literaturgeschichte, Philosophie und Staatswissenschaft verließ.


Die Neigung zur Literatur kann man bei Gustaf Hellström bis ins Gymnasium zurückverfolgen, wo er bei der Zeitschrift Adieneum mit Gedichten seine ersten Versuche als Autor unternahm. In Lund machte Hellström dann die Bekanntschaft von Bengt Lidforss, der ihn sowohl mit seinen politischen linken Einstellungen und seinem Leben als Bohemien beeindruckte.

Als Gustaf Hellström nach seinem Studium nach Stockholm geht um dort seine Lizentiatsarbeit über Clas Livijn zu schreiben, so blieb diese Arbeit bald auf der Strecke, da sich Hellström dazu entschied Schriftsteller zu werden. Bereits 1904 erschien sein autobiografischer Roman Ungkarlar, dem noch zwei weitere Romane in kurzer Zeit folgen sollten. Parallel dazu gelang es ihm auch einige literarische Werke in den Zeitungen Svenska Dagbladet, Dagens Nyheter und Söndags-Nisse unterzubringen, ohne jedoch mit diesen Arbeiten den Durchbruch zu schaffen.

Bevor jedoch Gustaf Hellström in Stockholm unterging, bekam er von Dagens Nyheter das Angebot als Korrespondent in London zu arbeiten. Ab 1907 nahm bei Hellström daher die Arbeit als Journalist die Oberhand und es sollte bis zu den 20er Jahren dauern bis Hellström dann seinen Schwerpunkt wieder auf das literarische Schaffen legte. Nach London folgte ein Aufenthalt in Paris mit zahlreichen erotischen Abenteuern, dem während des Ersten Weltkriegs ein Aufenthalt in den USA und die erste Ehe mit einer Amerikanerin folgte, einer Ehe, die gerade einmal zehn Jahre lang hielt.

Die wenigen Bücher, die Gustaf Hellström zwischen 1907 und 1920 veröffentlichte konnten kein größeres Publikum anziehen und zählen, trotz der zeitnahen Themen, nicht zu den ausgereiftesten Büchern des Schriftstellers und werdet von seinen Reportagen für die Dagens Nyheter überschattet, die den Autor international bekannt machen.

Zurück in Schweden ändert sich diese Situation für Gustaf Hellström nahezu schlagartig, denn seine autobiographische Romansuite über Stellan Petreus überzeugt die Leser und die Kritiker vom ersten Band an, nicht zuletzt auch deshalb, weil Hellström schon im ersten Band Dagdrömmar im Jahre 1921 das Leben und die Gesellschaft Kristianstads mit großem Können schildert. Die Serie dieser Romane endet erst im Jahre 1952 mit I morgon är en skälm, dem Roman, der die Zeit des Autors in den USA und den Besuch in der Sowjetunion mit zum Thema hat.

Der wirkliche Durchbruch für Gustaf Hellström kam im Jahre 1927 mit Snörmakare Lekholm får en idé. Dieses Buch macht Hellström nahezu über Nacht zum bekanntesten Schriftsteller Schwedens dieser Epoche, denn er trifft damit den Traum der Mehrheit der Schweden, nämlich das Problem des gesellschaftlichen Aufstiegs durch Bildung, die Geschichte eines Arbeiters, der seinen Kindern den Weg zur Hochschule ermöglicht, in der Hoffnung, dass sie damit auch den Einstieg in die bürgerliche Gesellschaft erreichen können.

Obwohl Gustaf Hellström immer zur Gruppe der Tiotalister Schwedens gezählt wird, zu denen man vor allem Elin Wägner, Sigfrid Siwertz und Hjalmar Bergman zählt, so ging Hellström seine eigenen Wege, die sich durch seine langen Aufenthalte in anderen Ländern und einer Art Hassliebe zu Kristianstad ausdrücken. Von seinen Ideen und der Art seiner Erzählkunst kommt er vermutlich Bergman noch am nächsten.

Trotz seiner enormen Erfolge als Schriftsteller während der 20er und der 30er Jahre, gehört Gustaf Hellström heute zu den nahezu vergessenen Schriftstellern Schwedens. Dies ist um so erstaunlicher, da dem Autor noch heute eine bedeutender Platz in der Literaturgeschichte Schwedens gewidmet wird, er über 30 Bücher veröffentlichte und Hellström 1942 in die Svenska Akademien gewählt wurde, wo er Gunnar Mascoll Silfverstolpe auf Stuhl Nummer 18 folgte.

Gustaf Hellström, der offiziell zu den Klassikern der schwedischen Literatur gehört, gehört zu jenen Autoren Schwedens, die die Anfangszeit Hitlers aus nächster Nähe erlebt haben und 1933 eine Reportage in Berlin machten, die bereits die Gefahren durch Hitler andeuteten und aus Hellström einen absoluten Gegner des Nazismus machten. Im Jahre 1945 wurde Hellström die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

7 januari 2013

Elin Wägner, eine Kämpferin für die Rechte der Frauen

Elin Wägner wurde am 16. Mai 1882 als Tochter des Rektors Sven Wägner und dessen Ehefrau Anna Mathilda Elisabeth Ekedahl in Lund geboren und starb am 7. Januar 1949 in Rösås im Kirchdorf Berg im Småland. Zwischen 1910 und 1922 war die Schriftstellerin und Feministin mit dem Literaturwissenschaftler John Landquist verheiratet.

Die Mutter Elin Wägners starb als das Mädchen gerade einmal drei Jahre alt war. Zwei Jahre später bekam der Vater eine Stelle als Rektor in Nyköping, dem neuen Wohnort, wo der Vater auch seine zweite Frau Augusta Ulfsparre traf, die bald darauf die Stiefmutter von Wägner wurde. Erst als der Vater 1897 als Rektor nach Helsingborg berufen wurde, besuchte Wägner die Mädchenschule Appelgren. 1899 gewann sie einen ersten literarischen Preis für eine Novelle, die in der Jugendzeitschrift Linnéa veröffentlicht worden war. Im Jahre 1900 stellte sie der Vater in der Schule als Schreibhilfe an.


In der gleichen Zeit begann Elin Wägner unter einem Pseudonym Novellen für die Helsingborgs-Posten zu schreiben und als Wägner 1901 über ihren Vater den Redakteur der Tageszeitung, Gustaf E. Ericson, traf, wurde die 19-jährige dort fest angestellt um Reportagen, Novellen und andere Beiträge zu schreiben, allerdings unter dem Pseudonym Cafour und Pytia, da niemand die Identität der Journalistin erfahren sollte.

Die Zeit bis 1907 war für Elin Wägner sehr turbulent, da sie sich in den untreuen Hjalmar Jönsson verliebt hatte, ihre Halbschwester ertrank, die Arbeit als freie Journalisten im Frühlung und Sommer 2004 in London wenig einbrachte und eine Arbeitsstelle in Vårt land in Stockholm unbefriedigend war. Einige Jahre zog die Journalistin dann zu ihren Verwandten in Småland, wo sie ihre Erlebnisse in ihrem Tagebuch aufzeichnete und mehrere Erzählungen unter dem Pseudonym The Laughing Water für die Wochenzeitschift Idun schrieb, die im Jahre 1907 in ihrem ersten Buch Från det jordiska museet ebenfalls veröffentlicht wurden.

Der Schaffensbruch bei Elin Wägner begann im Jahre 1907, als sie Redaktionsassistentin bei der feministisch engagierten Frauenzeitschrift Idun wurde, gleichzeitig aber auch unter dem Pseudonym Elisabeth und Devinez für die Dagens Nyheter schrieb und unter Manon für die humoristische politische Zeitschrift Puck zu arbeiten begann. Man spürt ab dieser Zeit sehr deutlich, dass sich Elin Wägner für das Recht der Frauen engagiert, was sich noch deutlich verstärkt als sie 1908 Ellen Key interviewt, im gleichen Jahr mit Signe Bergman spricht und im Folgejahr mit der weiblichen Friedensbewegung in Kontakt kommt. Das politische Wahlrecht und die Selbstbestimmung der Frau wird für die Journalistin und Schriftstellerin geradezu eine persönliche Angelegenheit. Es ist daher nicht erstaunlich, dass 1910 ihr Roman Pennskaftet erscheint, der von der Journalistin Barbro Magnus handelt, die bereit ist auch persönlich gegen alle Konventionen der Männergesellschaft zu verstossen und eine freie Partnerschaft eingeht.

Im Jahre 1910 hatte Elin Wägner den Journalisten John Landquist geheiratet, eine Liebe, die bereits 1912 sehr abgekühlt war, da Wägner nicht daran dachte nun die Rolle einer Ehefrau einzunehmen, sondern sich in die Arbeit stürzte und sehr aktiv für das Wahlrecht der Frau eintrat und den Internationalen Kongress für das Recht der Frauen vorbereitete. 1911 hatte Wägner zudem ihr neues Buch Helga Wisbeck begonnen, in dem eine Frau die Hauptrolle spielte, die freiwillig auf eine Ehe verzichtete um den beruflichen Erfolg nicht zu gefährden, ein Roman, der zwei Frauen aus ihrem Bekanntenkreis als Vorbild hatte.

Als Elin Wägner dann 1914 den Verein Frisinnade kvinnor gründete, einen Verein, der sich deutlich gegen den rechten Reichstag richtete, der sich gegen das Wahlrecht der Frauen ausgesprochen hatte, war die Ehe nur noch auf dem Papier vorhanden und Wägner wird auch politisch immer aktiver, auch außerhalb der Frauenbewegung, da sie die Regierung auch als Gegner jeden Friedensbestrebens betrachtet. Wägners Einstellung zur schwedischen Politik während des ersten Weltkriegs kann man am besten ihren beiden Romanen Släkten Jerneploogs framgång und Åsa-Hanna entnehmen, die beide Probleme von Frauen behandeln, die zwischen ihren Idealen und der männlichen Gesellschaft wählen müssen.

Schon 1916 hatte Elin Wägner ihre Arbeit bei Idun aufgegeben um Zeit für ihre politischen Aktivitäten zu haben und um literarisch aktiver werden zu können. In Hinblick auf die Not, die die Nachkriegskinder erlebten, gründete Wägner 1919, gemeinsam mit vier anderen Frauen, die Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen und schrieb bei einem Aufenthalt in Österreich so nebenbei noch den Liebesroman Den förödda vingården, eine Liebesgeschichte zwischen einer Schwedin und einem österreichischen Offizier.

Da Elin Wägner im Laufe ihres Lebens mehrere Liebesromanzen hatte, die sie alle in ihren Büchern verarbeitete, wenn sie auch den Männern andere Namen und andere Berufe gab, so kann man auch ihren verlängerten Aufenthalt in Wien unter diesem Aspekt sehen. Keine ihrer Romanzen hielt, da es für Wägner und ihre Partner nicht möglich war über die eigenen Grenzen zu springen und sie kein Geschick dafür hatte einen Partner zu wählen, der nicht auch selbst Karriere machen wollte, was kaum möglich war, wenn man als Mann offen für die Rechte der Frau aufstand.

Die Bücher, die Elin Wägner bis Ende der 20er Jahre schrieb, behandeln alle die Rechte der Frau, Fragen zum Frieden und beziehen dabei die Fragen zum Sozialwesen und der Umwelt ein. Dieses Einbinden des gesellschaftlichen Gefüges unterscheidet Wägner von der Mehrheit der feministischen Autorinnen jener Zeit, denn die Schriftstellerin sah das Problem der Frauen nicht als einzelnstehendes Problem, sondern stellte die gesamte Gesellschaftsordnung und das politische Gefüge in Frage.

In diesem Zusammenhang muss man auch ihr Wirken innerhalb der Fogelstad-Gruppe sehen in der sie, mit anderen Frauenrechtlerinnen, Volksbildung betrieb, denn was hilft das Recht zu wählen, wenn die Frauen mangels Bildung nicht wissen wen sie wählen sollen und wie die Gesellschaft funktioniert. Die Gruppe gründete daher die Mitbürgerschule und die Zeitschrift Tidevarvet bei der erneut Elin Wägner eine wichtige Rolle einnimmt, als einziges Mitglied, das Presseerfahrung hat.

Mit dem Bau ihres Häuschens Lilla Björka in Berg im Småland wendet sich Elin Wägner zwar nicht von ihren grundsätzlichen Ideen zu den Rechten der Frau und der Friedensbewegung ab, aber ihre Romane zeigen auch ein romantisiertes Landleben und die Naturbeschreibungen nehmen zu, was auch zu ihrem historischen Roman Vinden vände bladen führte, einer Chronik Smålands, die im 18. Jahrhundert beginnt und 1930 endet und ein Bestseller der Autorin wird.

Nach der Veröffentlichung der zweibändigen Biographie von Selma Lagerlöf wurde Elin Wägner im Jahre 1944 in die Svenska Akademien gewählt. Sämtliche schriftliche Hinterlassenschaften der Schriftstellerin wurden der Frauenhistorischen Sammlung der Universität Göteborg übergeben. In Lilla Björkö findet man seit 1994 die Elin Wägner Gesellschaft.

Copyright: Herbert Kårlin

21 november 2012

Per Wästberg und die Dritte Welt

Per Wästberg wurde am 20. November 1933 als Sohn des Redakteurs Erik Wästberg und seiner Frau Greta Hirsch in Stockholm geboren, wo er auch aufwuchs und heute noch, gemeinsam mit seiner dritten Frau Sofia Augustdotter, im Stadtteil Östermalm lebt und arbeitet.

Noch bevor Per Wästberg im Jahre 1952 die Hochschulreife erwarb, war er bereits in die schwedische Literaturgeschichte eingegangen, nämlich als jüngster veröffentlichter Autor Schwedens. Wästberg hatte bereits 1949 als Fünfzehnjähriger die Novellensammlung Pojke med såpbubblor veröffentlicht und dabei auch einen Bruch in der Literatur verursacht, da er der erste Autor dieser Epoche war, der die existentielle Angst in seinem Werk durch eine Lebensbejahung austauschte.


Nach der Hochschulreife machte Per Wästberg zuerst ein Bachelor of Arts an der Harvard University, anschließend setzte er sein Studium an der Universität Uppsala fort, das er 1962 mit einem fil. lic. an der philosophischen Fakultät abschloss. Bereits 1953 hatte er, parallel zum Studium als freier Kulturredakteur für die Dagens Nyheter gearbeitet, die Zeitung, an der er zwischen 1976 und 1982 als Chefredakteur arbeitete.

Seinen literarischen Durchbruch hatte Per Wästberg im Jahre 1955 mit seinem Roman Halva kungariket, der dem Leser in romantisch ironischer Weise Stockholm mit den Augen eines jungen Paares, Helena und Felix, zeigt, das als Führer wiederum eine Künstlerin des Vergnügungsparks Gröna Lund hat.

Unter den über 70 Büchern von Per Wästberg findet man mehrere, die das Stockholm von der Warte des gehobenen Bürgerstands zeigt, der Welt, die der Autor am besten kennt. Er bildet damit eine Ergänzung zu Per Anders Fogelström mit seinen Beschreibungen der Hauptstadt Schwedens, der jedoch die Position eines einfachen Bewohners einnimmt.

Als Per Wästberg durch ein Stipendium in den 60er Jahren Afrika kennen lernte, begann eine gewisse Wende bei seinem Schaffen und seinem persönlichen Engagement, denn ab dieser Zeit treten die Probleme der Dritten Welt ins Zentrum. In diesem Rahmen wird er jedoch nicht nur im journalistischen und literarischen Bereich tätig, sondern 1963 gründet er, gemeinsam mit Hans Göran Franck die schwedische Sektion von Amnesty International und beginnt, im gleichen Sinne wie Jan Myrdal und Sara Lidman, mit der Feder gegen die Apartheidspolitik Südafrikas zu kämpfen. Die Einleitung zu dieser Gedankenwelt sieht man vor allem in Wästbergs Reportagebüchern Förbjudet område und På svarta listan, die der Autor beide bereits 1960 veröffentlicht hatte.

Ab 1996 beginnt Per Wästberg an die Nachwelt zu denken und beginnt sein Leben aufzuzeichnen. Er beginnt mit der Veröffentlichung seines Tagebuches, das er im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren führte, setzt mit dem Tagebuch fort, das bis zu seinem 20. Lebensjahr reicht und führt seine Memoiren denn im Jahre 2006 fort, einer Serie in der bisher vier Bände erschienen sind.

Es ist relativ schwierig eine literarische klare Linie bei Per Wästberg zu finden, denn er veröffentlicht Reportagebücher, Romane, Reiseschilderungen, Poesie und politische Werke, die sich indes alle mehr oder weniger um seine persönlichen Erfahrungen und seine persönliche Entwicklung drehen und mehrheitlich in Verbindung mit der jeweiligen Zeitströmung stehen, was auch ein Zeichen für seine parallele Tätigkeit als Journalist ist. Diese Eigenschaft zeigt sich auch im präzisen und sachlichen Stil, den Wästberg bei seinen Werken verwendet, was jedoch nicht bedeutet, dass der Schriftsteller dünne Bücher schreiben würde.

Per Westberg war von 1979 bis 1986 der Vorsitzende der schwedischen P.E.N.-Vereinigung, ist seit 1984 der Vorsitzende des Stockholmer Schönheitsrates, erhielt 2001, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Anita Theorell den Augustpreis und wurde 1997 auf den Stuhl Nummer 12 der Svenska Akademien gewählt, auf dem er Werner Aspenström folgte.    

Obwohl Per Wästberg mit zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren Schwedens gehört, sind nur wenige seiner Werke in andere Sprachen übersetzt worden, ausgenommen den Gedichtbänden, die bisher in sechs verschiedenen Sprachen erschienen.

Copyright: Herbert Kårlin