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23 juni 2013

Martin Koch und die frühe Arbeiterliteratur Schwedens

Martin Koch wurde am 23. Dezember 1882 als Sohn des Graveurs Peter Iwar Koch und dessen Frau Agnes Viktoria Petersson in Stockholm geboren und starb am 22. Juni 1940 im Alter von 57 Jahren in Hedemora in Dalarna. Koch war in erster Ehe mit Hilda Ingeborg Gustavsson und in zweiter Ehe mit Signe Vilhelima Holmen verheiratet.

Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte Martin Koch in einer kleinbürgerlichen Familie, die sozial jedoch am Abstieg war als der Vater sich zu einem Bohemien verwandelte, der nur noch sporadisch arbeitete und 1888 die Familie ganz verließ. Die willensstarke Mutter erzog ihre zwei Söhne dann in einer kleinen Wohnung auf Södermalm, wobei auf Koch jedoch beide Elternteile ihren Einfluss ausübten, denn durch den Vater kam er an die Musik und die Mutter brachte ihm die Literatur näher.

Martin Koch, Martin och Ingebrog, Briefe, Redaktion: Alli Svedberg, Sober Förlag, Martin Koch Sällskapet, 1996

Spannungen zwischen den beiden Brüdern führten dazu, dass Martin Koch zwischen 1893 und 1895 in Jönköping zur Schule ging und bei seinem Onkel mütterlicherseits wohnte. Die Sommer verbrachte der spätere Schriftsteller auf dem Lande in der Nähe von Strängnäs, was Koch dazu führte, dass er immer einen gewissen Gegensatz zwischen Land und Stadt sah und er das Leben auf dem Hof geradezu als idyllisch demokratisch bezeichnete.

Nachdem Martin Koch keine besonderen Leistungen in der Schule brachte, verließ er 1899 das Södra Latinläroverket in Stockholm ohne jeden Abschluss und begann anschließend eine Ausbildung als Maler, begleitet von Kursen an der Althins målarskola. Da ihm seine Berufswahl jedoch wenig zusagte, entschloss sich Koch im Jahre 1904 an der Kunstakademie zu studieren um anschließend als Maler, Musiker oder Skalde tätig zu werden. In diesem Punkt wollte Koch die Zukunft entscheiden lassen.

Die ersten Gedichte, die allerdings noch keine klare Linie zeigten, schrieb Martin Koch noch vor der Jahrtausendwende, ohne damit jedoch irgendwelches Aufsehen zu erregen. Das unstete Leben von Koch hatte eine Wendung, als er sich ab 1906 beim Templerorden engagierte, wo er Selbstdisziplin und Verantwortung lernte. Ab dieser Zeit lernte der Autor auch zahlreiche Arbeiter kennen, die er später als Charaktere in seinen Romanen einbaute. Auf Grund der Empfehlung des Lexikographen Ferdinand Schulthess wurde Koch 1909 in der Bibliothek der Templer beschäftigt.

Als wirklichen literarischen Beginn von Martin Koch bezeichnet man in der Regel das Jahr 1906, als der Schriftsteller in der Zeitung Pax sein Gedicht Akropolis veröffentlichte. Nur ein Jahr später erschienen dann auch im Stockholms Dagblad die ersten Werke des Schriftstellers.

Im Jahre 1911 wurde dann der erste Roman Martin Kochs unter dem Titel Ellen publiziert, die Geschichte seiner Liebe zur Arbeiterin Ellen Johansson, die in diesem Jahr an Tuberkulose starb. Der Schriftsteller schildert hier die Machtlosigkeit vor dem Tod und die Grenze der Wissenschaft, die die Schwelle erreicht an der nur noch der Glaube an Gott Hilfe bringen kann.

Nur ein Jahr später erscheint mit dem Buch Arbetare einer der ersten Arbeiterromane Schwedens, der nur zwei Jahre nach Ur en fallen skog von Gustav Hedenwind-Eriksson erschien und ein ausgereiftes Werk Martin Kochs war. Diesem Werk sollten Timmerdalen und Guds vackra värld folgen, Werke, die sehr realistisch das Leben der Arbeiter dieser Epoche schildern. Auch wenn Koch stilistisch bei seinen Werken von August Strindberg und Emile Zola beeinflusst war, so beeinflusste er von der Thematik wiederum Autoren wie Maria Sandel, Moa Martinson oder Ivar Lo-Johansson, auch wenn die letztgenannten öffentlich mehr Erfolg hatten als der Pionier der Arbeiterliteratur.

Die Mehrheit der 16 Bücher von Martin Koch erschien in einem Zeitraum von nur zehn Jahren, denn nach dem Roman Legend aus dem Jahre 1920 zog Koch nach Paris und arbeitete überwiegend als Korrespondent für den Social-Demokraten und begann ein Buch über den Katholizismus, das nie vollendet wurde. Während dieser acht Jahre in Paris  gelang es dem Schriftsteller nicht ein geregeltes Leben zu führen und die Einkünfte reichten gerade einmal fürs Überleben. Da Unterstützungen für Literaten nur von der gehobenen Schicht Schwedens vergeben wurden, war es Koch auch nicht möglich Stipendien oder eine andere Unterstützung zu erhalten.

Als Martin Koch im Jahre 1928 nach Schweden zurückkehrt, heiratet er seine Jugendfreundin Signe Holmen und schreibt insbesondere Artikel für die Presse und vort allem Lieder, von denen ein Teil im Jahre 1929 unter dem Titel Dansvisor bei Bonniers erscheint. Sein autobiographisches Werk Mauritz, dessen erster Teil 1939 erschien, konnte der Schriftsteller leider nicht mehr zu Ende führen.

Die letzten Jahre seines Lebens hatte Martin Koch, gemeinsam mit seiner Frau, bereits ein Pensionat in Hedemora betrieben, damit sie finanziell über die Runden kamen. Ein Jahr nach dem Tode des Schriftstellers veröffentlichte Thorsten Jonsson die ausgewählten Werke von Martin Koch, die seine wahre Bedeutung innerhalb der Geschichte der Arbeiterliteratur Schwedens zeigten, aber für den Autor kam diese „Auszeichnung“ zu spät.

Copyright: Herbert Kårlin

11 juni 2013

Edvard Fredin, ein Volksdichter der Arbeiterbewegung Schwedens

Edvard Fredin wurde am 8. Juni 1857 als Sohn des Beamten Nils August Fredin und dessen Frau Margaretha Theresia Lieberath in Stockholm geboren und starb am 27. Juni 1889 in Södertälje. Fredin war nie verheiratet.

Da der Vater von Edvard Fredin starb als der Junge gerade einmal ein Jahr alt war, übernahm die Mutter, die eine literarische Bildung hatte und ein starkes Interesse für das Theater zeigte, die Erziehung Fredins und seiner Schwester Anna Maria. Bereits als Fredin im Jahre 1870 in die Grundschule kam, hatte er ein Lungenleiden, das immer wieder zur Abwesenheit vom Unterricht führte und der Grund dafür war, dass der Übersetzer und Schriftsteller bereits nach der fünften Klasse von der Nya Elementarskolan abging.

Edvard Fredin, Vår Daniel, Förlag Wilhelm Bille, Stockholm, 1889

Aber auch wenn Edvard Fredin nur wenige Jahre lang die Schule besuchte, so versuchte er anschließend ein Maximum an Bildung zu gewinnen und beschäftigte sich vor allem mit Geschichte, Literatur und modernen Sprachen und begann seine ersten Gedichte zu schreiben, die noch noch stark von Esaias Tegnér, Viktor Rydberg und Carl Snoilsky beeinflusst waren. Erst Ende der 70er Jahre spürt man, dass sich Fredins Lyrik den modernen Strömungen anschließt, die um diese Zeit vor allem von August Strindberg und Georg Brändes getragen wurden.

Seine literarische Aktivität begann Edvard Fredin ebenfalls noch in den 70er Jahren, wobei seine Werke um diese Zeit vor allem in der lokalen Presse, in Zeitschriften und den literarischen Kalendern der schwedischen Hauptstadt veröffentlicht wurden.

Zu Beginn der 80er Jahre schloss sich Edvard Fredin der Bewegung von Anton Nyström an und trug mit zahlreichen Vorlesungen an der Entwicklung des Stockholmer Arbeiterinstituts teil, wirkte in mehreren liberalen Bewegungen, wurde Mitarbeiter der Enzyklopädie Folkets bok und schrieb für mehrere radikale Zeitungen jener Zeit. Außer eigenen Gedichten zur Arbeiterbewegung übersetze Fredin in jenen Jahren auch zahlreiche politische und soziale Werke aus anderen Ländern, was der Arbeiterbewegung Schwedens eine größere Bedeutung gab und diese in eine internationale Bewegung einordnete.

Als sich Edvard Fredin im Frühjahr 1885 zu Vorträgen in Göteborg aufhielt, machte er nicht nur die Bekanntschaft der modernen journalistischen und literarischen Bewegung, sondern er entschied sich auch ein Angebot Ture Malmgrens anzunehmen und ein Jahr lang für die Zeitung Bohuslänning zu arbeiten, die unter ihm eine neue Richtung annahm, da Fredin nicht nur Artikel schrieb, sondern auch zahlreiche Rezensionen und vor allem schöngeistige Beiträge.

Im Bohuslän begann Edvard Fredin auch eine literarische Karriere vorzubereiten, sowohl als Lyriker als auch als Romanautor. Als er jedoch 1886 Bonnier eine Gedichtsammlung unter dem Titel Försommar anbot, lehnte der Verlag das Werk ab, mit dem Argument, dass junge Autoren schlecht verkäuflich seien. Da sich an der Westküste auch die Krankheit des Autors verschlechterte, war er nach einem Jahr gezwungen zu einem Freund ins Hälsingland zu ziehen, da der Süden für ihn aus finanziellen Gründen unerreichbar war.

Im Hälsingland verbesserte sich nicht nur Edvard Fredins Gesundheitszustand wieder, sondern Artur Hazelius verhalf ihm auch zu einem einem Auftrag von Seiten der Svenska Akademien zur Dialektforschung und zu folkloristischen Studien. Außer zahlreichen Übersetzungen, Forschungen und unabhängigen Gedichten entstand im Hälsingland dann auch das bedeutendste Werk des Schriftstellers, der Gedichtzyklus Vår Daniel, die Schilderung der pazifistischen Bewegung des Geistlichen Daniel Buscovius aus dem Jahre 1644. Für dieses Werk wurde Fredin mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet.

Die letzten drei Jahre des Lebens von Edvard Fredin waren nicht nur die fruchtbarsten, sondern auch die erfolgreichsten, denn sein Schauspiel Biltog wurde im Theater aufgeführt, und der höchste Preis der Svenska Akademien garantierte ihm einen Platz unter den modernen Autoren Schwedens. 1889 erhielt der Schriftsteller für seine Leistungen selbst die staatliche Autorenunterstützung verliehen. Sein Gesundheitszustand erlaubte dem Autor jedoch keine öffentlichen Auftritte mehr und noch im gleichen Jahr starb er in einer Badeanstalt.

Edvard Fredin war einer der bedeutendsten Dichter der 70er und 80er Jahre, auch wenn er, auf Grund seines kurzen Lebens, nur relativ wenige Werke veröffentlichte. Er wurde nie ein Romanautor, sondern blieb ein Dichter, der sowohl gefühlsmäßige persönliche Werke schrieb als auch engagierte politische Lyrik verfasste. Ähnlich Strindberg und Albert Ulrik Bååth schilderte Fredin in seinen Werken auch die Umgebung, die Natur und das Milieu. Fredin wurde damit der erste Dichter Schwedens, der die Stimmung Nordschwedens in die Literatur einfließen ließ, lange bevor Autoren Nordschwedens ebenfalls zu dieser Ausdrucksmöglichkeit griffen.

Copyright: Herbert Kårlin

20 maj 2013

Verner von Heidenstam und der Umbruch in eine neue Zeit

Verner von Heidenstam wurde am 6. Juli 1859 als Sohn des Ingenieurs Nils Gustaf von Heidenstam und dessen Frau Magdalena Charlotta Rütterskjöld in Hammar bei Örebro geboren und starb am 20. Mai 1940 in Ny in Östergötland. Von Heidenstam war in erster Ehe mit Emilie Uggla verheiratet, in zweiter mit Olga Mathilda Wiberg und in dritter Ehe mit Anna Margaretha (Greta) Charlotta Sjöberg. Mit seiner letzten Frau, der Dänin Kate Bang, ging der Schriftsteller nie die Ehe ein.

Während seiner Kindheit lebte Verner von Heidenstam im Winter in Stockholm und im Sommer in Olshammar, den Ort, den er auch in seinen Memoiren als Heimatort betrachtet. Olshammar gehörte dem Geschlecht seiner Mutter und von Heidensatam wurde dort von den überwiegend weiblichen Bewohnern, die alle der gehobenen Schicht Schwedens angehörten, vergöttert, was vermutlich auch seine zukünftige Einstellung zu Frauen prägte, deren Nähe er suchte. Seit Leben lang war der Schriftsteller von Frauen umgeben, was sich nicht nur durch drei Ehen ausdrückte, sondern auch an seinen zahlreichen Affären.

Verner von Heidenstam, Dikter, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, 2007, Titel: Jenny Herrström Gemzell

In Olshammar lernte Verner von Heidenstam auch die ausländische klassische Literatur kennen, da seine Großmutter eine sehr umfangreiche Bibliothek mit diesen Werken besaß. Als von Heidenstam ab 1869 die Beskowska skolan in Stockholm besuchte, war er dort einer der ersten Schüler. Wegen mehreren Krankheiten dehnte sich seine Schulzeit immer wieder hinaus bis er die Schule 1876 wegen TBC verlassen musste. Um sich von der Krankheit zu erholen, wurde dem Schriftsteller ein Aufenthalt in Südeuropa empfohlen, was von Heidenstam in den folgenden zwei Jahren nicht nur nach Südeuropa, sondern auch nach Vorderasien führte.

Die ersten literarischen Versuche von Verner von Heidenstam sind bis in die 70er Jahre zu verfolgen, denn in diesen Jahren legte er Carl David af Wirsén erstmals ein Manuskript zur Begutachtung vor. Auf diese Weise fand er dann Zacharias Topelius als Ratgeber, der ihm auf dem Weg zum Literaten helfen sollte. Diese ersten Werke des Schriftstellers zeugen allerdings noch vom idealisierten Christentum von Heidenstams und sind daher nicht mit seinen späteren Werken zu vergleichen.

Zu Beginn der 80er Jahre überlegt Verner von Heidenstam ob er sich der Malerei oder der Schriftstellerei widmen soll, und entscheidet sich dann für die Malerei. Parallel dazu beginnt seine Revolte gegen die väterliche Linie, der bereits den Berufswunsch des Sohnes missbilligte, jedoch durch die Unterstützung von Mutter und Großmutter seine Wünsche realisieren kann. Von Heidenstam heiratet die drei Jahre ältere Emilie Uggla, zieht mit ihr nach Rom, Paris, die Schweiz und schließlich an die Riviera. Die Bilder, die in dieser Zeit entstehen zeigen Motive aus der römischen und vor allem der nordischen Mythologie.

Durch seinen Aufenthalt im Ausland wird Verner von Heidenstam von den modernen sozialen Änderungen beeinflusst und betrachtet das aristokratische Schweden jener Zeit als überholt. In diesem Sinne beginnt er 1884 einen regen Schriftwechsel mit August Strindberg, der von von Heidenstam als Visionär des zukünftigen Schweden betrachtet wird. Diese Korrespondenz sollte von Heidenstam bei all seinen zukünftigen Werken stark beeinflussen, denn Strindberg zeigte ihm den Spiegel der schwedischen Aristokratie.

Das Verhältnis von Verner von Heidenstam zu Strindberg wurde im Laufe der Jahre jedoch immer angespannter, insbesondere dadurch, dass von Heidenstam von den Kritikern mehr und mehr über Strindberg gestellt wurde, was dazu führte, dass Strindberg ab 1890 die Briefe von Heidenstams nicht mehr beantwortete. Die Ursache dieses Problems beruhte jedoch vor allen darauf, dass von Heidenstam, im Gegensatz zu Strindberg, die Gesellschaft nie schockierte, sondern sich den Wünschen der gehobenen Schicht anpasste.

Ab den 90er Jahren sah sich Verner von Heidenstam dazu berufen des kulturelle Leben Schwedens zu beeinflussen, da seiner Meinung nach in Schweden der nationale Gedanken mit der Arbeiterbewegung auf der Strecke blieb. Von Heidenstam gründete zu diesem Zweck 1893 den schwedischen Schriftstellerverband und übernahm zwei Jahre später das Svenska Dagbladet um dadurch auf die Meinungsbildung Schwedens Einfluss zu gewinnen. 1899 gründete er dann auch noch einen liberalen Verein, der sich zur Liberalen Samlingspartiet entwickelte und heute die Folkpartiet ist.

Der Erfolg von Verner von Heidenstam beruhte jedoch nicht nur auf seinen Leistungen als Schriftsteller und Dichter, sonder er war in der Lage sowohl die gebildete Schicht als auch den gehobenen Arbeiter anzusprechen, da er nie Teil der Arbeiterbewegung war, jedoch ebenfalls für das Wahlrecht der Bürger eintrat und liberales Gedankengut verbreitete, das auf breiter Ebene positiv akzeptiert wurde und nicht den Gedanken einer Revolution in sich trug.

Als Verner von Heidenstam 1909 als der schwedische Nationaldichter gehüllt wurde, hatte er eine klare Stellung zum gehobenen Bürgertum eingenommen, da seine Dichtung seit 1988 deutlich machte, dass die östliche Philosophie und Denkweise dem Ende entgegenging und er setzte die nordische Geschichte und Denkweise in den Vordergrund, was gerade um diese Zeit bei der gebildeten Schicht des Landes, aber auch beim Volk, auf fruchtbaren Boden fiel. Seine Geschichtswerke zwischen 1897 und 1908 sind ein deutliche Zeichen dafür, das von Heidenstam um diese Zeit eine Mittlerrolle zwischen gehobener Bürgerschicht und gehobener Arbeiter und Handwerkschicht einnahm und den Stolz zum Mutterland predigte, der unabhängig von der sozialen Stellung liegt.

Kurz bevor die literarische Karriere von Verner von Heidenstam zu Ende ging, wurde er 1912 nach dem Tode von Wirsén, der seine Wahl bis dahin verhindert hatte, in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Wirsén auf dem Stuhl Nummer 8 gewählt wurde. Nur vier Jahre später wurde von Heidenstamm auch der Nobelpreis in Literatur vergeben. Der Schriftstelle sollte anschließend nur noch an seiner Autobiografie arbeiten, die er jedoch nie fertigstellte.

Zu Beginn der 30er Jahre zeigten sich bei Verner von Heidenstam deutliche Zeichen der Demenz, eine Situation, die sich ab 1934 sehr schnell verstärkte. Der Schriftsteller litt unter Halluzinationen, Angstzuständen und konnte bald auch nicht mehr schreiben und sprechen. Durch einen Betrug ehemaliger Freunde wurde seiner Frau Kate Bang das gesamte Erbe gestohlen um aus Övralid ein Nationalmonument für von Heidenstam zu machen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

2 maj 2013

Birger Mörner, vom Diplomat zum Reiseschriftsteller

Birger Mörner wurde am 3. Mai 1867 als Sohn des Apothekers Graf Carl Erik Herman Otto Mörner und dessen Frau Fanny Teodolinda Öhrvall in Nora geboren und starb am 10. März 1930 in Flen im Södermanland. Mörner wr in erster Ehe mit Anna Viktoria Sofia Elisabeth Brink verheiratet, in zweiter Ehe mit Mary Héléne Macmillan und in dritter Ehe mit Gertrud Margaret Nissvandt.

Über die Kindheit von Birger Mörner ist relativ wenig bekannt, aber da er in der gehobenen Gesellschaftsschicht aufwuchs, genoss er vermutlich eine hohe Bildung und wurde von Privatlehrern auf die Reifeprüfung vorbereitet, die er 1887 in Norrköping ablegte. Nach der Hochschulreife studierte Mörner erst an der Universität Uppsala und anschließend an der Universität Lund Rechtswissenschaft um sich auf eine Karriere in der schwedischen Verwaltung vorzubereiten.

Birger Mörner, Den Strindberg jag känt, Albert Bonniers Förlag, 1924

Als Literat trat Birger Mörner erstmals im Jahre 1888 an die Öffentlichkeit, im Jahr als er seine Studien in Uppsala begann. Sein dramatisches Gedicht Juda erweckte bereits die Aufmerksamkeit von August Strindberg, der überlegte es in seinem Experimentaltheater aufzuführen. Zwei Jahre später erschien Mörners Gedichtband Tattar-blod, das als Vorläufer der Wildmarkdichtung von Erik Axel Karlfeldt gilt und während seiner Zeit in Lund erschien dann das Schauspiel Salig friherrinnan.

Das Theaterstück Salig friherrinnan sollte ursprünglich im Stockholmer Dramaten aufgeführt werden, aber wegen dem Sprengstoff, der sich hinter dem Stück verbarg, setze es das Dramaten im letzten Moment wieder ab, so dass das Stück in Norwegen Premiere hatte, was jedoch dem Ruf von Birger Mörner nur zu Gute kam. In Salig friherrinan hatte Mörner das Problem aufgegriffen, dass sich ein Partner scheiden lassen konnte sobald sein Lebensgefährte von einer Geisteskrankheit betroffen war oder dies von einem Arzt festgestellt worden war.

Als Birger Mörner im Jahr 1910 vom diplomatischen Dienst auf eigenen Wunsch ausscheidet, ändert sich auch sein literarisches Schaffen, denn aus dem gesellschaftskritischen Autor und Dichter entwickelt sich ein Verfasser von Reiseberichten, wobei mehrere seiner Bücher den Spuren von Paul Gaugin und Pierre Loti folgen, denn auch Mörner hatte eine Vorliebe für die Südsee und die dortige Inselwelt auf der er sich längere Zeit aufhält. Obwohl auch Mörner von diesem paradiesischen Teil der Welt verführt wird, enthalten seine Bücher eine starke Kritik gegen den Kolonialismus, der dieses Paradies zerstört und er beschreibt die schwierige Situation, denen die Bewohner ausgesetzt sind. Gleichzeitig beschreibt der Autor auch wie die Tierwelt aus persönlichen Interessen und Unwissen ausgerottet wird, er beschreibt daher ein Paradies, das von den Wirtschaftsmächten zerstört wird.

Aber Birger Mörner greift auch zum Geschichtsroman, ohne sich jedoch auf allgemeine Informationen zu verlassen, denn 1914 besucht er die türkische Insel Gallipoli auf der 350.000 Soldaten während einer bedeutenden Schlacht des Ersten Weltkrieges starben und 1918 nahm er am finnischen Bürgerkrieg teil. In beiden Fällen veröffentlichte Mörner anschließend ergreifende Kriegsberichte in Romanform

Die literarische Breite von Birger Mörner war erstaunlich, dann er bewegte sich in der Geschichte Schweden, schrieb Zeitberichte, Theaterstücke, Reisereportagen und konnte ein historisches Buch, das auf Archivarbeit aufbaute ebenso spannend machen wie seinen Roman Ti Ri Ti Ri, wo er einem weißen Mann die Liebe zu einer exotischen Zwergfrau erleben lässt und zur Fantasie eines E. T. A. Hoffmann greift. So unterschiedlich die Werke des Schriftsteller auch sind, so trifft er immer auf ein breites Publikum und viele seiner Bücher werden in andere Sprachen übersetzt.

Auf Grund seiner Vielseitigkeit ist Birger Mörner in keiner literarischen Kategorie wegen herausragenden Leistungen vertreten, wobei Kritiker und Literaturwissenschaftler nicht nur seinen etwas lockeren Schreibstil kritisierten, sondern auch mit den zahlreichen Widersprüchen des Autors nicht zurecht kamen, denn Mörner war auf der einen Seite ein Träumer, ein Abenteurer und ein Erneuerer der Gesellschaft, gleichzeitig aber ein Bewunderer Napoleons und suchte die Geschcihte Schwedens teilweise in der nordischen Mythologie. Für Mörner war es auch nicht sehr bedeutend einem einheitlichen klaren literaturwissenschaftlichen Stil zu folgen, sondern er wollte in seinen Werken eine Stimmung schaffen, die es dem Leser ermöglichte am Geschehen auch emotional teilzuhaben.

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller wurde Birger Mörner auch als Übersetzer aktiv, wobei er vor allem Werke von Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Guy de Maupassant und Jack London dem schwedischen Leser näher brachte, eine Mischung, die ebensowenig eine Linie zeigt wie sein eigenes Schaffen.

Birger Mörner verfügte über eine Bibliothek von rund 8000 Büchern, darunter auch einige Werke des 15. Jahrhunderts. Die gesamte Sammlung mit zahlreichen Anmerkungen des Autors findet man heute in der Mörnersammlung der Universitätsbibliothek in Örebro.

Copyright: Herbert Kårlin

25 april 2013

Ellen Key und die kulturelle Frauenbewegung Schwedens

Ellen Key wurde am 11. Dezember 1849 als Tochter des Postmeisters, Politikers und Gutsbesitzers Emil Key und dessen Frau, Gräfin Sophie Ottiliana Posse, in Gladhammar im Småland geboren und starb im Alter von 76 Jahren in Strand in Västra Tollstad. Key war nie verheiratet, da alle ihre Beziehungen scheiterten.

Im Gegensatz zu ihren Brüdern, die eine strenge Erziehung erlebten, wurde Ellen Key bereits während ihrer Kindheit mit Literatur versorgt, wobei ihre Ausbildung in den ersten Jahren von Gouvernanten übernommen wurde und sie daher erst 1864 oder 1865 in die Åhlinska Skolan kam, bevor Key anschließend in Stockholm eine Ausbildung zur Lehrerin begann. Nach eigenen Schilderungen war das Elternhaus gefühlsarm, denn die Schriftstellerin erinnerte sich später daran nicht ein einziges Mal Zärtlichkeit von Seiten der Mutter erlebt zu haben.

Ellen Key, Kärleken och Äktenskapet, Albert Bonniers Färlag

Bereits als Jugendliche kam Ellen Key in engsten Kontakt mit der freikirchlichen Erweckungsbewegung, die sie sehr stark prägte und alle ihre späteren Werke beeinflusste, auch wenn sie im Alter einen gewissen Abstand von der Religion nahm.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung als Lehrerin und einer Weiterbildung an der Danska Folkhögskolan arbeitete Ellen Key erst einige Jahre als Sekretärin ihres Vaters, der um diese Zeit einer sehr aktiven politischen Arbeit nachging. Diese Arbeit erlaubte es Key die Realität der Politik zu entdecken und sich eine persönliche Meinung zur Situation des schwedischen Staates zu bilden, was die Autorin allerdings auch einen Teil an Idealismus kostete.

Ab 1880 arbeitete Ellen Key in der vor kurzem gegründeten Anna Whitlock Skola, einer modernen Mädchenschule in der die Schülerinnen ihre Themen selbst wählen konnten, einen Schülerrat hatten sowie praktische und theoretische Arbeiten sich abwechselten. Ellen Key leistete einen großen Anteil an der Entwicklung der Schule, die in großen Linien ihren eigenen Ideen entsprach.

In den Jahren in denen Ellen Key an der Schule von Anna Whitlock arbeitete, entwickelte sie sich zu einer Kämpferin, die die Situation Schwedens verändern wollte und sie hielt im ganzen Land Vorträge. Key spricht vor Arbeitern, vor den Guttemplern, kämpft für das Wahlrecht der Frauen, gründete mit Amalia Fahlstedt den Verein Tolfterna und setzt sich für eine allgemeine Volksbildung ein. Viele ihrer Vorträge erscheinen auch als Pamphlete und kleinere Bücher und werden als der Beginn des literarischen Schaffens von Ellen Key betrachtet.

Am bekanntesten aus dieser Zeit wurde ihr Werk Missbrukad kvinnokraft, das nach einem ihrer Vorträge in Kopenhagen entstand. Bei diesem Büchlein stellt sich Key vollkommen gegen die Frauenbewegung Schwedens und damit den beginnenden Feminismus des Landes, denn sie wirft den Feministinnen vor bei ihren Forderungen gegen die weiblichen natürlichen Eigenschaften zu kämpfen. Während ihre These in Dänemark positiv aufgenommen wird, zeigt sich in Schweden eine Woge des Protests, da man mit der positiven Einstellung Keys zur Ehe und der von ihr propagierten getrennten Rolle von Mann und Frau nicht einverstanden sind.

Ab dem Jahre 1900 widmet sich Ellen Key ganz der Schriftstellerei, wobei im gleichen Jahr auch ihr bekanntestes Buch Barnets århundrade erschien, das bereits wenig später in 26 Sprachen übersetzt wurde und Ellen Key weltweit bekannt machte und ein neues Schulsystem propagierte, eine antiautoritäre Erziehung, die 60 Jahre später Alexander Sutherland Neill erneut verbreitete, wenn auch in einer extremeren Weise als Key, für die der Humanismus von Goethe wichtiger war als die Psychoanalyse Wilhelm Reichs für Neill.

Die sehr eigenwillige Meinung von Ellen Key zum Feminismus Schwedens und damit die Weigerung die Frauen zu unterstützen, die die Freiheit vom Patriarchat suchten, machten Key zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Hassfigur des Landes. Nachdem dann auch noch Vitalis Norström und Carl David af Wirsén öffentlich gegen Key auftraten, beging die Schriftstellerin eine Art Landesflucht und hielt in ganz Europa Vorträge, da man dort ihre Meinung mehr akzeptierte.

Während die Frauen Schwedens Ellen Key kritisierten, weil sie die Frau als das Zentrum eines Hauses und innerhalb einer Ehe sah, kritisierten Männer vor allem ihre Werke zur freien Liebe ohne Ehe, der Forderung nach einem Scheidungsrecht und nach einem neuen Ehegesetz, das den Frauen mehr Rechte geben sollte, da ihre Ideen das Patriarchat entmachten würde und die „männliche Tradition“ in Frage setzte.

Da Ellen Key sich in einer Zeit in der viele Frauen Schwedens die Unabhängigkeit suchten, mehr für die allgemeinen politischen Rechte der Frau einsetzte und auch das Recht der Frau auf Kultur und Bildung forderte, ging die Schriftstellerin einen Weg auf Messers Schneide. An ihrer klaren Meinung, die keine Abweichungen zuließ, scheiterte auch ihre Freundschaft mit August Strindberg, der sie später, wenig schmeichelhaft, als „Hanna Paj“ in seinem Buch Svarta fanor verewigte.

Erst ab 1910 begann sich die Meinung über Ellen Key auch in Schweden zu ändern, was zu einem sehr engen Verhältnis zu Schriftstellern wie Elin Wägner, Agnes von Krusenstierna, Hjalmar Bergman, Pär Lagerkvist und vielen anderen führte, die verstanden hatten, dass Key eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft der schwedischen Frau spielte, gerade weil sie den Kampf als Auseinandersetzung ablehnte und eine humanistische Vision hatte, die weit in die Zukunft reichte.

Ellen Key, die am 25. April 1926 an einer Gehirnblutung starb, war eine der meist gelesenen Autorinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Büchern einen sehr wichtigen Beitag zur Frauenbewegung Europas leistete, auch wenn ihre Meinung heute mehr aus historischer Warte betrachtet werden muss und nicht mit den Augen der heutigen Gesellschaft, da die Frau in Schweden keinerlei Rechte hatte als Key ihre Bücher schrieb und sie nur dann frei leben konnte, wenn sie nicht verheiratet war und ein eigenes Einkommen hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

10 mars 2013

Olof Lagercrantz, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens

Olof Lagercrantz wurde am 10. März 1911 als Sohn des Bankdirektors Carl Fredrik Gustafsson Lagercrantz und dessen Frau, Gräfin Agnes Elvine Margareta Hamilton, in Stockholm geboren und starb am 23. Juli 2002 im Alter von 91 Jahren in Drottningholm bei Ekerö. Lagercrantz war mit Martina Ruin verheiratet, der Tochter des berühmten Essayisten Hans Ruin.

Auch wenn Lagercrantz in der wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft aufwuchs, der seine Kindheit und seine Jugend in Falköping verbrachte, so zeigte er bereits in seiner Jugend einen sehr starken und zeitweise aufbrausenden Charakter, der sich nahezu sein Leben lang gegen seinen Vater auflehnte, wenig Kritik akzeptierte und für die Werte der extrem linken Bewegungen eintrat.


Die Kindheit von Olof Lagercrantz wurde jedoch nicht nur von einem dominanten und strengen Vater geprägt und von seiner TBC, sondern auch von den regelmäßigen Depressionen seiner Mutter und später dem Selbstmord seiner Schwester, die mit 19 aus dem Fenster sprang und noch auf dem Sterbebett die Anwesenheit des Vaters ablehnte. Lagercrantz führte nahezu sein gesamtes Leben lang Tagebuch, das zwar seinen Lebensweg verfolgen lässt, jedoch relativ wenig Aufschluss über den Schriftsteller als Menschen bietet.

Seine literarische Karriere begann Olof Lagercrantz im Jahre 1935 mit der Gedichtsammlung Den döda fågeln, einer Sammlung von schwermütigen Naturgedichten, die mehr über seine bürgerliche Herkunft aussagen als seine spätere literarische Größe, da der Autor erst später einen eigenen Weg innerhalb der schwedischen Lyrik fand. Die Reife eines Poeten entdeckt man erstmals im Jahre 1943 mit Dikter från mossen, der dritten veröffentlichten Gedichtsammlung des Autors. Die Stärke dieser Gedichte beruht in weitem Sinne darin, dass er hier seine eigenen Erfahrungen und seine persönliche Entwicklung verarbeitet, ein Zug, den man auch im einzigen Roman des Autors findet, denn in Trudi entdeckt man sehr viele Züge aus der Vergangenheit von Lagercrantz, die sowohl an die Mutter als auch die Schwester erinnern.

Die Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft spürt man bei Olof Lagercratz sehr deutlich ab dem finnischen Winterkrieg im Jahre 1939, als er am Aufruf Finlands sak är vår mitarbeitete und zur Gruppe jener Personen gehörten, die forderten, dass Schweden auf der Seite Finnlands gegen Russland ziehen muss. Auch wenn der Autor hier Propaganda schrieb und keine Literatur, so wurde er jedoch damit in ganz Schweden bekannt.

Mit zwei Gedichtbänden, dem Roman Trudi und der Karlfeldtstudie Jungfrun och demonerna als Gepäck gelang es Olof Lagercrantz in den Folgejahren als freier Kulturkritiker Zugang zu Zeitungen wie Svenska Dagbladet oder Nya Dagligt Allehanda und zur Zeitschift Bonniers Litterära Magasin zu finden, was in sich einen bedeutenden Widerspruch im Charakter von Lagercrantz zeigt, denn während er sich zur Arbeiterliteratur hingezogen fühlt und sich gegen die Bourgeoisie auflehnt, schreibt er für konservative Zeitungen und vertritt eine extrem konservative Stellung zur Literatur Schwedens.

Im Jahr 1951 steht Olof Lagercrantz an einer bedeutenden Wende seiner Karriere, denn zum einen wird der Autor Kulturredakteur der Tageszeitung Dagens Nyheter und zum anderen legt er seine Biografie über Agnes von Krusenstjerna als Doktorarbeit vor und beginnt damit eine Karriere als Autor von Biografien.

Als Kulturredakteur bei der damals größten Tageszeitung Schwedens gewinnt Olof Lagercranz einen Einfluss über das literarische Geschehen in Schweden, das das gesamte kulturelle Bild Schwedens bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1975 steuern sollte, denn Lagercranz hat kein Mitgefühl für Autoren und er akzeptierte keine andere Linie als seine eigene. Da er zudem eine Vorliebe dafür hat Bücher von Autoren zu besprechen, die er persönlich kennt, zerstört er nicht nur einige seiner Freundschaften dauerhaft, sondern macht sich auch die Hälfte der literarischen Welt zum Feind. Die Rezensionen des Schriftstellers zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass er nicht am Thema Halt macht, sondern persönliche Meinungen einfließen lässt um den Besprechungen Stärke zu verleihen, was ihm nicht nur viele Autoren negativ auslegen.

Seine Arbeit als Biograf begann für Olof Lagercrantz mit einem Buch über Agnes von Krusenstjerna, einem Werk, das vollkommen aus persönlicher Sicht geschrieben wurde und nicht nur auf ihre hinterlassenen Schriften aufbaut, sondern vor allem auf seine persönliche Bekanntschaft mit der Schriftstellerin und Erinnerungen des gemeinsamen Familienkreises. Das Buch ist daher gefärbt von eigenen Eindrücken, was dazu führte, dass die Meinung über die Qualität dieses Buches bis heute gespalten ist.

Auch seine späteren Monografien über Stig Dagerman, Gunnar Ekelöf, Joseph Conrad und vor allem August Strindberg kann man nicht tatsächlich als Darstellung der Autoren bezeichnen, denn Olof Lagercrantz versucht die besprochenen Personen zu analysieren, gibt ihnen Charakterzüge, die er selbst in ihnen sehen will, vermittelt eine Atmosphäre, die nur in ihm selbst gewachsen ist. In gewisser Weise erfindet Lagercrantz dabei die Roman-Biografie, die man min gewissem Vorbehalt lesen muss, denn man steigt vor allem in die Welt von Lagercrantz ein und nicht immer in jene des behandelten Autors.

In seiner Rolle als Chefredakteur der Dagens Nyheter war Olof Lagercrantz jedoch nicht nur in der Welt der schwedischen Literatur eine gefürchtete Person, sondern er arbeitete auch an einer Änderung der gesamten Gesellschaft und öffnete daher neue Blickwinkel, die ihm jedoch erneut mehr Feinde als Freunde machte. Als er offen für die Sexualität eintrat, erklärte ihn Sara Lidman als den Bahnbrecher der Pornografie in Schweden und als er sein Unverständnis gegen den Kampf gegen den Kommunismus in Südvietnam ausdrückte und Amerika für sein Eingreifen kritisierte, wurde er ein Symbol der kommunistischen Bewegung und ein Feind der schwedischen Regierung, die seit Jahren einen Hass gegen die Sowjetunion aufgebaut hatte.

Olof Lagercrantz war eine Person, die bewusst Konflikte provozierte, nicht zuletzt dadurch, das er Personen wie Astrid Lindgren, Dag Hammarskjöld oder den vorherigen Chefredakteur der Dagens Nyheter, Herbert Tingsten, persönlich angriff, aber auch dadurch, dass er sich negativ zur Svenska Akademien, dem Königshaus und der Svenska Kyrkan aussprach. Für Lagercrantz gab es nur eine einzige Wahrheit, nämlich seine persönliche.

Copyright: Herbert Kårlin

22 januari 2013

August Strindberg, der schwedische Schrifststeller der Konflikte

August Strindberg wurde am 22. Januar 1849 als Sohn des Kräuterhändlers und Dampferkommissionärs Carl Oscar Strindberg und dessen Frau Ulrica Eleonora Norling in Stockholm geboren und starb am 14. Mai 1912 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Strindberg war dreimal verheiratet. Erst mit Siri von Essen, anschließend mit Frida Uhl und schließlich mit Harriet Bosse, wobei jedoch nur die erste Ehe über eine längere Epoche hielt.

Über die Kindheit und Jugend von August Strindberg weiß man relativ wenig, da Strindberg ein relativ ruhiges Kind war und im Elternhaus Disziplin und Gottesfurcht dominierten. Er besuchte ab 1857 die Klara-Schule, legte am 25. Mai 1867 die Hochschulreife ab und schrieb sich im gleichen Jahr an der Universität Uppsala ein, wechselte hier mehrmals die Ausbildung, arbeitete zwischenzeitlich als Lehrer und als Bibliothekar, war 1869 am Königlichen Theater Statist und kehrte wieder an die Universität in Uppsala zurück ohne je einen Abschluss zu machen, was jedoch weniger an mangelnden Fähigkeiten lag, sondern an seinem aufbrausenden Charakter und dass er Lehrmeinungen nicht einfach akzeptieren konnte.


Die literarische Karriere von August Strindberg begann während seiner Studienzeit in Uppsala. 1871 hatte der Autor bereits drei Theaterstücke geschrieben, die ihm selbst die Aufmerksamkeit des Königs Karl XI. brachten, der Strindberg wegen seinem Talent ein Stipendium bewilligte, damit dieser seine Studien beenden konnte, aber zwei Jahre später war das Geld erneut zu Ende und das Studium zum Arzt lag immer noch in weiter Ferne. Bevor Strindberg 1877 die Novellensammlung Från Fjerdingen och Svartbäcken und 1978 seinen Mäster Olof schrieb, arbeitete er als Kunstkritiker für die Dagens Nyheter und beschäftigte sich mit der chinesischen Sprache.

Allerdings sollte das Theaterstück Mäster Olof dem Schriftsteller August Strindberg nicht den Durchbruch bringen, denn die Svenska Akademien hatte wenig Verständnis für die nihilistischen Gedanken des Autors und das Königliche Theater lehnte fünf aufeinander folgende korrigierte Versionen kategorisch ab. Erst sein Roman Röda rummet im Jahre 1879 lag dann in der Zeit und die Schilderungen der bohemischen Epoche des Schriftstellers in Stockholm machten Strindberg allgemein bekannt, wobei er sich mit seinen unmittelbar folgenden Werken den Erfolg nahezu wieder verscherzte, da er zwei Bücher veröffentlichte, die als Angriff auf die schwedische Gesellschaft gewertet wurden. Man entschuldige den Autor jedoch etwas damit, dass er keine Fachbücher schreiben könne und daher bei der Literatur bleiben solle.

Die schwedische Gesellschaft war jedoch so aufgebracht über die Kritik, dass sich August Strindberg genötigt fühlte das Land zu verlassen, was sich für ihn und Siri von Essen zu einer sechsjährigen „Pilgerreise“ durch die Schweiz und durch Frankreich entwickelte, was allerdings auch die Ehe an den Abgrund brachte.

Mit der Scheidung von Siri von Essen im Jahre 1891 geriet August Strindberg in seine erste große künstlerische Krise, die er in Berlin zu überwinden versuchte. Dort entwickelte sich jedoch eine Paranoia, die Strindberg im autobiografischen Werk Inferno schildert. In diese Zeit der „Infernokrise“ fällt auch die Ehe mit der österreichischen Schriftstellerin Frida Uhl, wobei hierbei der Verfolgungswahn Strindbergs die Scheidung im Jahre 1897 verursachte.

Noch während der Krise und der Ehe mit Frida Uhl begann August Strinberg Mitte der 90er Jahre seine wissenschaftlichen und alchemistischen Experimente, die, in seinen Augen, damit enden sollten, dass der Schriftsteller Gold schaffen konnte. Diese Neigung spürt man auch in den Werken, die er um diese Zeit veröffentlicht, denn immer häufiger zeigen sich nun mystische, okkulte Zeichen und die Sprache wird teilweise zu einer abstrakten Symbolik.

Als August Strindberg Ende des 19. Jahrhunderts wieder ganz nach Stockholm zurückkehrt, ist er ein angesehener Schriftsteller und Dramatiker, der allerdings, trotz mittlerweile hoher Einnahmen, unter chronischer Geldnot leidet. Als Strindberg 1901 dann die Schauspielerin Harriet Bosse heiratet, mietet er ein Haus auf der Schäreninsel Furusund, eine Insel, die man in mehreren seiner Werke wiederfindet. Wie bereits bei früheren Aufenthalten auf den Schären vor Stockholm, beruhigt in das Inselleben und fördert seinen Schaffensdrang.

Nach einer weiteren gescheiterten Ehe kehrte August Strindberg zurück nach Stockholm und 1908 zog er in den sogenannten Blauen Turm in der Drottninggatan 85, wo man heute das Strindberg-Museum findet. Ab dieser Zeit fühlt sich der Schriftsteller jedoch krank, sein Arbeitsrhythmus verlangsamt sich und er nimmt seine gesellschaftskritische Kritik wieder auf, die parallel zur Arbeiterbewegung jener Epoche läuft. In der Zeitschrift Stormklockan nimmt der Autor noch einmal einen erbitterten Kampf gegen die konservative und liberale Bewegung Schwedens auf, die vor allem die junge aufstrebende Schickt der schwedischen Hauptstadt anspricht.

Kurz bevor August Strindberg am 14. Mai 1912 stirbt, machte der Albert Bonniers Verlag mit dem Schriftsteller noch das Geschäft seines Lebens, denn er kaufte für insgesamt rund 200.000 Kronen alle noch freien Rechte an der Veröffentlichung seiner Werke und erwirbt wenig später für 100.000 Kronen auch noch die Rechte, die andere Verlage von Strindberg erworben hatten.

August Strindberg, der nach seinem Tod auch als Fotograf und Maler anerkannt wurde, gilt als der Erneuerer der schwedischen Prosa, denn er schrieb seine Werke aus der Warte der Arbeiterklasse und schildert dabei Situationen, die die Mehrheit der Schweden nachvollziehen konnten, wobei der Schriftsteller nicht zögerte auch auf Missstände aufmerksam zu machen.

Im Ausland wurde August Strindberg vor allem durch seine Dramen bekannt, insbesondere Fadren und Fröken Julie, bei denen der Dramatiker Strindberg zur tatsächlich gesprochenen Sprache greift und sich von der Theatersprache des Bürgertums abwendet.

Über kaum einen schwedischen Autor wurde so viel geschrieben wie über August Strindberg, da der Schriftsteller in keine der üblichen Schablonen zu pressen ist und es schaffte sich selbst und seine permanente Entwicklung auszudrücken und sich seinen Weg nie vorschreiben ließ. Strindberg war ein Revolutionär der schwedischen Literatur und ist vermutlich der einzige unter ihnen, der direkt oder indirekt eine bedeutende Menge an späteren Autoren beeinflusst hat, von der anarchistischen Seite bis zur Schicht der konservativen Autoren.

Copyright: Herbert Kårlin

10 december 2012

Emil Kléen, der dekadente Poet des 19. Jahrhunderts

Emil Kléen wurde am 17. September 1868 als Sohn des Landwirts Johan Peter Herman Kléen und seiner Frau Johanna Jönsdotter in Sätofta in Skåne geboren und starb am 10. Dezember 1898 im Alter von 30 Jahren in Lund.

Als einziges Kind hatte Emil Kléen eine sehr angenehme Kindheit. Bevor er 1880 in die Katedralskolan nach Lund kam, hatte er einen Privatlehrer, der ihn sehr gut auf die gehobene Bildung vorbereitete. Nach der Reifeprüfung schrieb sich Kléen an der Universität Lund ein um Philosophie und moderne Sprachen zu studieren, wobei er jedoch parallel dazu auch bei der Eslöfs Tidning als freier Mitarbeiter arbeitete.


Auch wenn Emil Kléen sehr begabt war, so schloss er sich während seiner Studienzeit in Lund mehr den studentischen Vereinigungen an als sich für seine Studien zu interessieren. In diesen Verbänden machte er, unter anderem, auch die Bekanntschaft von Axel Wallengren, Paul Rosenius, Bengt Lidforss und vor allem von Lars Rydner, die man alle als Autoren des Studentenkalenders Från Lundagård och Helgonbacken finden kann.

Sehr früh veröffentlichte Emil Kléen in den verschiedensten Zeitungen Schwedens seine Poesie, Essays, Novellen, aber auch linke politische Artikel, die ihn als Befürworter der Sozialdemokratie auszeichneten. Seine moderne, wenn auch etwas dekadente Art zu schreiben, öffneten ihm die Türen des progressiven Nya Kristianstadsbladet, Nya Lund, Malmötidning, aber auch jede der Dagens Nyheter. Kléen war auch in den Studentenkalendern Nornan und Svea aktiv, was natürlich dazu führte, dass er zwar viel veröffentlichte, jedoch seine Studien nie zu Ende führte.

Die Lyrik von Emil Kléen ist gefühlsvoll, beeinflusst von der Symbolik Ola Hanssons, aber noch mehr von den französischen Autoren wie Charles Baudelaire, Paul Verlaine, Jean Richepain und dem britischen Autor Algernon Swinburne, der Gruppe der Autoren, die sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzten um den Aufbruch in eine neue literarische Welt zu schaffen. Kléen wurde ihr Repräsentant in Schweden, der nicht nur in ihrem Stil arbeitete, sondern auch das dekadente Leben der französischen Literaten seiner Zeit führte, was ihm allerdings auch die Syphilis einbrachte.

Auf Grund seines kurzen Lebens konnte Emil Kléen sehr wenig veröffentlichen, was jedoch in gewisser Weise dadurch ausgeglichen wird, dass er in zahlreichen Romanen anderen bekannter Autoren eine Rolle bekam, denn August Strindberg schrieb ein Vorwort für seine Gedichtsammlung Valda dikter, die nach dem Tode Kléen erschien und seine Leben als Bohemien verarbeiteten, unter andnerem, Hjalmar Söderberg in Martin Bircks ungdom und Anna Branting inrem Roman Staden. Mehrere schwedische Autoren verarbeiteten den Schriftsteller in ihren Werken lange bevor sein autobiographischer Roman Venus anadyomenes im Jahre 2008 erschien.

Auch wenn die Lyrik von Emil Kléen nicht als einzigartig in der schwedischen Literaturgeschichte gesehen werden kann, so ist sie einzigartig in dem Punkt, dass er mit der immer mehr mit der Romantik bricht und derjenige Dichter Schwedens ist, dar die Angst zum Übergang in das 20. Jahrhundert mit all seinen neuen Werten am besten ausdrückt. Mit einem Fuß steht Kléen noch in der Beschreibung der Natur Schwedens, mit dem anderen bereits in einer Zukunft, die er mehr fühlen kann als tatsächlich erkennt, was auch zu den selbstdestruktiven Zügen des Autors führt und ihm trotz seines kurzen Schaffens eine wichtige Stellung in der Literatur bietet.

Leider konnten viele seiner Zeitgenossen seine wichtigsten und ausdrucksstärksten Werke nicht entdecken und nur eine Auswahl unter ihnen wurde bisher in den Zeitschriften Tärningskastet oder Aorta publiziert. Das Schweden der Jahrhundertwende war nicht reif für eine Offenheit Kléens, eine Offenheit, die man in Frankreich bereits als selbstverständlich empfand. Diese Poesie wurde daher erst lange nach dem Tod des Schriftstellers in Buchform veröffentlicht, wobei so manches bis heute unveröffentlicht blieb und unter Umständen auch  nie veröffentlicht wird.

Als den größten Gegner des Poeten Emil Kléen muss man den Literaturkritiker Carl David af Wirsén betrachten, der die Novellensammlung Morgen sommar des Schriftstellers aus dem Jahre 1896 auf eine Weise kritisierte, dass sich kaum noch jemand über das Buch zu äußern wagte. Die konservative literarische Schichte Schwedens empfand die Literatur Kléens nahezu als eine Gefahr für die schwedische Gesellschaft. Af Wirsén sprach dem Autor jede literarische Qualität ab, was jedoch nicht verwunderte, da der Literaturkritiker auch die französische Literatur des fin de siècle als dekadent und unleserlich empfand.

Unter den Autoren, die Emil Kléen am nächsten kamen, kann man vor allem August Strindberg nennen, der nach der Inferno-Krise ein enger Freund Kléens wurde, an seinem Todesbett in Lund saß und Tage später auch unter jenen war, die den Sarg des Dichters trugen. Aber Strindberg war auch einer der wenigen Schriftsteller Schwedens, die die französische Literatur dieser Epoche ebenso gut kannte wie Emil Kléen.

Copyright: Herbert Kårlin

23 september 2012

Per Olov Enquist und die interpretierte Wirklichkeit im Roman

Per Olov Enquist wurde am 23. September 1934 in Hjoggböle in Västerbotten geboren, wo, nach Aussagen des Schriftsteller, die Bäume seine Nachbarn und seine Freunde waren. Da Per Olovs Vater, Elof Enqvist, berreits starb als der Autor gerade einmal ein Jahr alt war, wurde er von der Mutter, Maria Lindgren, allein aufgezogen. Maria, die nur Maja genannt wurde, war Volksschullehrerin und eine extrem gläubige Christin, was sich letztendlich auch auf die Werke von Per Olov Enquist auswirkte, der den Glauben übernahm.

Mitte der 50er Jahre wollte Enquist noch Sportler werden, da er außerordentliche Leistungen im Hochsprung brachte, aber nach seinem Studium an der Universität Uppsala wandte er sich der Hochschullehre und dem Journalismus zu, wobei er insbesondere für die Kulturseiten des Svenska Dagbladet und den Expressen schrieb.


Per Olov Enquist begann seine schriftstellerische Karriere mit dem Buch Kristallögat (Das Kristallauge) im Jahre 1961, einer Novelle, die zu jener Zeit nahezu unbemerkt blieb. Erst drei Jahre später gelang ihm mit Magnetisörens femte vinter (Der fünfte Winter des Magnetiseurs) der Durchbruch, einem Roman, der er in Deutschland handeln ließ und einem Magnetiseur die Kraft gibt ein blindes Mädchen zu heilen. Allerdings holt den „Heiler“ durch seine Berühmtheit auch seine Vergangenheit ein.

Magnetisörens femte vinter
wird später verfilmt und verhilft Per Olov Enquist zu einer internationalen Karriere. Auf Grund des Erfolgs des Themas lässt Enquist in mehreren Folgebüchern immer wieder Krankheiten, Ärzte und Wunder auftauchen, was ihn nahezu zu einem medizinischen Experten unter seinen Lesern macht, obwohl die Kritiker immer wieder darauf hinweisen, dass der Schriftsteller Dinge als belegte Tatsachen darstellt, die nur in seiner schriftstellerischen Fantasie der Wahrheit entsprechen. Per Olov Enquist überzeugt seine Leser durch die religiös-mystische Seite seiner Erzählungen.

Während die Kritiker die Einflechtung von angeblichen Tagesbuchaufzeichnungen und Hinweise auf nicht existierende Dokumente in Enquists Werken noch als schriftstellerische Freiheit akzeptieren, ist dies bei den historischen Romanen und Biographien weniger der Fall, da hier Per Olov Enquist seine persönliche Meinung dominieren lässt und dabei den Leser glauben lässt, dass es sich um Fakten handelt. Diese Methode des Schreibens bringt ihm jedoch Ruf und Achtung, da seine Leser gerade das Verwischen zwischen Tatsache und Fiktion suchen, da Enquist damit eine neue Wahrheit aufstellt und von vorgegebenen Bahnen abweicht.

Per Olov Enquist bleibt jedoch nicht nur beim Journalismus und der Schriftstellerei, sondern beweist auch, dass er als Dramatiker Erfolg hat, denn er schrieb für das Fernsehen das Manuskript für den Film Strindberg, Ett liv (Strindberg. Ein Leben) und arbeitete mit Ingmar Bergman am Stück Bildmakarna am Dramaten in Stockholm. Mehrere seiner Dramen, die er ab 1975 schrieb, haben einen durchschlagenden Erfolg.

Im Jahr 2008 erschien dann Ett annat liv, die Autobiographie des Schriftstellers Per Olov Enquist, in dem er in der dritten Person über sich schreibt. Das 552 Seiten umfassende Werk wird von den Lesern auf zwei Arten aufgenommen, nämlich als das Werk eines Genies, oder als das Buch eines Narzissen, der sich ständig selbst loben will und sich mit 200 Seiten begnügen sollen hätte. Für Ett annat liv (Ein anderes Leben) erhält der Schriftsteller dann seinen zweiten Augustpreis (Augustpriset), die höchste Auszeichnung Schwedens für einen Schriftsteller.

Dass Per Olov Enquist bei einer fixen Idee nicht aufgibt und seine Meinung verficht, erkennt man am besten am Kulturjournalisten Enquist, denn seit dem Tod von Olof Palme  behandelt er die Morduntersuchung in jeder Art von schriftlicher Ausdrucksweise. Seit über 20 Jahren erklärt der Autor seine persönlichen Beobachtungen zum Mord und lässt die Diskussion nicht sterben.

Eine Frage, die bei Enquist immer wieder auftaucht, ist auch die Frage, ob Per Olov Enquist ein Regionalautor ist, denn nicht nur dass der streng religiöse Glaube der Dörfer aus Västerbotten immer wieder in seine Werke einfließt, Enquist lässt mehrere Werke in seiner Heimat handeln, er benutzt die Redewendungen und den Dialekt aus Västerbotten und er zitiert Auszüge aus religiösen Werken, die aus Västerbotten kommen. Aber macht all dies Enquist zu einem regionalen Autor?

Per Olov Enquist wurde mit Livläkarens besök (Der Besuch des Leibarztes) und Nedstörtad ängel in die Liste der 1000 schwedischen Klassiker aufgenommen und zählt daher noch zu Lebenszeit zur klassischen Literatur Schwedens.

Der Schriftsteller war dreimal verheiratet. Seine erste Ehe ging er mit der Volkschullehrerin Margareta Ersson ein, die zweite Ehe führte er mit der dänischen Schriftstellerin Lone Bastholm und gegenwärtig ist er mit der früheren Staatssekretärin Gunilla Thorgren verheiratet.

Copyright: Herbert Kårlin