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19 maj 2013

Carl Snoilsky und die kulturelle Revolution Schwedens

Graf Carl Snoilsky wurde am 8. September 1841 als Sohn des Justizrates Graf Nils Snoilsky und dessen Frau, Freiherrin Sigrid Fredrika Juliana Baner in Stockholm geboren und starb am 19. Mai 1903 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Snoilsky war in erster Ehe mit Hedvig Charlotta Amelie Piper und in zweiter Ehe mit Ebba Fredrika Eleonora Ruuth verheiratet.

Was relativ unüblich für die Adelsschicht jener Zeit war, besuchte Carl Snoilsky bereits ab 1850 die Klara Schule und anschließend zwischen 1857 und 1860 das Gymnasium in Stockholm. Snoilsky wurde sehr früh an die europäische Literatur herangeführt und kannte spätestens ab seiner Zeit im Gymnasium außer der schwedischen Literatur auch die Werke von Lord Byron, Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine.

Carl Snoilsky, Carl Snoilskys Dikter, Albert Bonnier Förlag, Stockholm, 1945, Serie: Den svenska lyriken

Während seiner Kindheit war Carl Snoilsky vor allem zu seiner Mutter hingezogen, die eine künstlerische Ader hatte, im Gegensatz zum sehr strengen Vater. Da die Mutter auch Gesellschaftsdame der Witwenkönigin Desideria war, verbrachte der Junge einen großen Teil seiner Kindheit mit seiner Mutter auf den Gütern im Södermanland und auf Schloss Rosersberg.

Die literarische Aktivität von Carl Snoilsky geht bis zur Zeit im Gymnasium zurück, wo er Mitglied des literarischen Klubs Amicitiae Verae war und seine ersten Gedichte schrieb, die 1861 unter dem Titel Smådikter af Sven Tröst (einem Pseudonym) erschienen, einer Gedichtsammlung zu der der Skalde in späteren Jahren allerdings nicht mehr stand, da ihm diese zu unreif vorkamen.

Ab 1860 besuchte Carl Snoilsky die Universität Uppsala, die er jedoch nach drei Jahren mit dem Kanzleiexamen verließ. In Uppsala zeigte sich das Erstlingswerk Smådikter jedoch als sehr bedeutend, denn dank dieser Gedichtsammlung wurde er in Uppsala in den literarischen Verein Namnlösa sällskapet aufgenommen, wo er, unter anderem, Carl David af Wirsén, Peter August Gödecke, sowie Ludvig Östergren kennenlernte und auch seinen Jugendfreund Edvard Bäckström wiedertraf.

Nach seinem Examen an der Universität Uppsala begab sich Carl Snoilsky erst einmal auf eine ausgedehnte Reise durch mehrere europäische Länder, die von poetischer Seite gesehen sehr fruchtbar waren, wobei den Skalden insbesondere Italien stark in den Bann nahm und im Jahr 1865 zum Werk Italienska bilder führte. Snoilsky, der sich auf der Reisen über seine Zukunft klar werden wollte, konnte sich allerdings nicht für die Laufbahn eines Skalden entscheiden und trat daher in den Botschaftsdienst ein und blieb sein Leben lang Beamter. Als Skalde blieb Snoilsky bis 1881 jedoch nahezu stumm, auch wenn bis zu seiner Wahl in die Svenska Akademien im Jahre 1876 einige wenige Werke erschienen, die von der Kritik gelobt wurden. Bereits in den 70er Jahren war Snoilsky der Meinung sein Leben im Grunde vergeudet zu haben, er löste seine Ehe auf, kündigte seinen Dienst, heiratete erneut und verließ das Land, dessen Gesellschaftsleben er eintönig und ohne jedes Interesse fand.

Mit seinem Band Nya dikter, die in die Sammlung Samlade dikter eingeht, und vor allem mit seinen Svenska Bilder beginnt für Carl Snoilsky dann jedoch die wahre Karriere als Skalde und der Schriftsteller scheint nun zu sich selbst gefunden zu haben. Im folgenden Jahrzehnt ergänzt Snoilsky seine „Schwedischen Bilder“, die vor allem von Anders Fryxells Geschichte beeinflusst sind und der Dichter schafft damit ein Grundlagenwerk, die ihm einen bedeutenden Ruf unter den Literaten seiner Zeit bringt, zum anderen entdecken durch kommende Schulauflagen sehr viele Kinder über die Sammlung Svenska bilder erstmals die schwedische Dichtkunst und beginnen sich für die Geschichte und die Tradition des Landes zu interessieren.

Während der 80er Jahre lebte das Ehepaar Snoilsky  überwiegend in Dresden und der Skalde, der selbst aus der Adelsschicht kam, näherte sich den sozialen „Unterschichten“. In Gedichten wie Afrodite spricht sich Carl Snoilsky sogar deutlich dafür aus, dass der Adel von seinem Piedestal steigen soll und sich dem Volk nähern muss, bevor das Volk zur Waffe greift und sich vom Adel befreit, der das Volk nur als Masse betrachtet und als Sklave benutzt.

Als Carl Snoilsky 1890 nach Stockholm zurückkehrt und dort, auf seinen eigenen Wunsch, Oberbibliothekar des Königlichen Bibliothek wird, als Zensor und Inspektor über die Stücke des Dramaten entscheidet und auch noch Mitglied des Nobelkomitees wird, ist er einerseits der bedeutendste Dichter neben Viktor Rydberg, aber sein Aufstieg provoziert auch die Kritik der Oberschicht des Landes, da diese Snoilsky als Verräter ihrer Schicht betrachten. Der Skalde selbst zeigt dabei eine gewisse Unsicherheit, da er zwar für den Bürger des Landes schreibt, jedoch keine wirkliche Beziehung zu Arbeitern und Bauern hat, also das Leben dieser Schicht nur theoretisch kennt.

Die späteren Werke von Carl Snoilsy waren in gewisser Weise bereits von der Zeit überholt als er sie veröffentlichte, da die schwedische kulturelle Revolution bereits eingesetzt hatte, aber gerade deswegen wurden seine Werke nicht nur von Schriftstellern wie August Strindberg, Henrik Ibsen oder Georg Brandes gelobt, sondern auch konservative Autoren wie Carl David af Wirsén erkannten seine literarischen Leistungen an.

Auch wenn Carl Snoilsy gewissermaßen ein Sprecher für die soziale Unterschicht Schwedens war und an der kulturellen Revolution des Landes beteiligt war, so war es ihm bereits auf Grund seiner Bildung unmöglich mit seinen Werken die breite Masse zu erreichen, von den Gedichten für Schulzwecke abgesehen, denn seine Wortwahl und sein Stil blieben für die Mehrheit der Schweden unverständlich. Erst in den letzten Jahren beginnt man sich wieder auf größerer Ebene den Werken Snoilskys zu nähern.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

7 februari 2013

Karl August Nicander, Aufstieg und Fall eines Poeten

Karl August Nicander wurde am 20. März 1799 als Sohn des Hilfsrektors John Nicander und dessen Frau Ulrica Sellström in Strängnäs geboren und starb am 7. Februar 1839 im Alter von 39 Jahren in Stockholm. Auch wenn von Nicander mehrere nähere Affären mit Frauen bekannt sind, so war der Poet nie verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte Karl August Nicander in einfachen Verhältnissen in Strängnäs, wobei er bereits im Gymnasium der gleichen Stadt Erik Sjöberg kennen lernte und sich zwischen den beiden eine enge Jugendfreundschaft entwickelte. Sjöberg brachte dem etwas jüngeren Nicander auch die deutsche Literatur nahe, die vor allem bei Nicanders lyrischen Werken einen gewissen Einfluss ausübte.


Am 18. März schrieb sich Karl August Nicander an der Universität Uppsala ein. Seine Studien beendete er 1824 mit eines Disputation. Anschließend arbeitete der Autor in der Verwaltung, wo er jedoch nur geringere Aufgaben anvertraut bekam, da er als wenig zuverlässig galt und nichts für eine Karriere tat, was sich allerdings auch daraus erklärt, dass sich Nicander sehr früh als Dichter sah und davon überzeugt war, dass er damit Anerkennung gewinnen würde und sich gut davon versorgen könne.

Seine literarische Laufbahn begann Karl August Nicander im Jahre 1820, als er gemeinsam mit Vitalis (Erik Sjöberg) Lyrik für den Kalender för damer schrieb und dort die Sparte Sånger af August einführte. Bereits diese Gedichte zeigten die Stärke des Autors, der die romantische Sprache, die zu dieser Zeit modern war, bis zur Perfektion beherrschte.

Noch im gleichen Jahr legte Karl August Nicander auch das Trauerspiel Runesvärdet och den siste riddaren in drei Akten vor, ein Stück, das die Christianisierung Schwedens beschreibt und als Leitmotiv die Vereinigung der nordischen Kraft mit dem festen christlichen Glauben verfolgt. Auch wenn die Hauptfigur des Stückes Ansgar war, so war die Handlung vollständig erfunden. Da Nicander auch nichts vom Aufbau eines Theaterstückes verstand, wirkt die Handlung flach und bleibt weit hinter seiner Stärke als Lyriker zurück.

Um als Poet sehr schnell bekannt zu werden, versuchte Karl August Nicander nicht nur mit dem Strom der modernen Lyrik zu schwimmen, sondern er widmete seine Werke oft bedeutenden Personen, damit von ihm gesprochen wird und es ließ keine Gelegenheit aus Esaias Tegnér zu loben, was ihm zwar den Zugang zu den erlesensten literarischen Kreisen ermöglichte, aber ihm dennoch nicht den erwünschten Erfolg brachte, da Nicander als Bohemien galt, der zudem gerne dem Alkohol zusprach. Diese Taktik brachte Nicander aber immerhin ein, dass Tegnér seine Runesvärdet als die beste Tragödie der 20er Jahre bezeichnete, nicht zuletzt deswegen, weil hier die religiöse Bewegung der Zeit als Sieger hervorgeht.

Aus der Karriere als Dramatiker wurde jedoch nichts, da Karl August Nicander 1822 in den Götiska förbundet gewählt wurde, im Poetisk kalender mitarbeitete und in Iduna sechzehn Gedichte veröffentlichte, die an die Runen und die Größe des schwedischen Reiches anknüpften, was gewissermaßen dazu führte, dass der Poet in die Gruppe der bedeutendsten Lyriker der Zeit aufstieg.

Für seine Werke wurde Karl August Nicander mehrmals mit Preisen der Svenska Akademien ausgezeichnet und 1826 erhielt er selbst den großen Preis der Akademie für sein Gedicht Tassos död, das wie einige der Werke von Per Daniel Amadeus Atterbom eine deutliche Italienschwärmerei ausdrückt. Es folgten mehrer Werke mit einer italienischen Anknüpfung und schließlich gelang es Nicander von der Svenska Akademien zu einer Reise in das geträumte Land unterstützt zu werden.

Der Lyriker Karl August Nicander verbrachte von 1827 bis 1829 in Italien, eine Zeit, in der er sehr aktiv war und mehrere Gedichte über die italienische Natur schrieb. Als Nicander 1829 zurück nach Schweden kommt, hat er sämtliche Ersparnisse und Einkünfte verbraucht und schreibt daher seine Reiseerinnerungen, wobei jedoch nur der erste Band noch während seines Lebens erscheint und der zweite dann posthum publiziert wird. Bei diesen Schilderungen fällt insbesondere auf, dass der Autor in jeder Naturschönheit ein Symbol Gottes sieht, ein Zeichen, dem man zu folgen hat, was wiederum in der Zeitströmung liegt.

Nach seiner Rückkehr aus Italien entsteht auch das bedeutendste Werk von Karl August Nicander, denn in Hesperider, einer Sammlung aus Gedichten, Sonetten und Novellen, bietet der Autor die volle Breite seiner literarischen Kunst und liefert ein einzigartiges Dokument zur schwedischen Italienromantik seiner Zeit. Seine Bücher über Italien wurden sowohl von den Lesern als auch der Kritik sehr gut angenommen, waren jedoch gleichzeitig die letzten großen Werke Nicanders, denn die lyrische Entwicklung der Zeit hatte ihn überholt ohne dass es der Lyriker bemerkt hatte. Die neuen Strömungen waren ihm fremd.

Ab 1834 beginnt Karl August Nicander mehr und mehr für sein Überleben zu schreiben und es entstehen einige Dramen, Geistergeschichten und Erklärungen zu Bildwerken. Der Dichter Nicander beginnt in Vergessenheit zu geraten und seine Pläne für eine akademische Karriere muss er ebenfalls begraben.

Heute nimmt Karl August Nicander nur noch eine Nebenrolle in der schwedischen Literaturgeschichte ein, da er in vielen Punkten nur als Mitläufer der literarischen Bewegung zwischen 1820 und 1840 betrachtet wird und nur wenige eigene Ideen in seinen Werken zu finden sind. Nicander schwamm zu sehr im Strom der Zeit und dem Einfluss anderer Autoren, so dass die Stärke seiner Worte und die religiöse Romantik, für die er ein deutlicher Vertreter ist, kaum bemerkt wird.

Copyright: Herbert Kårlin