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19 maj 2013

Carl Snoilsky und die kulturelle Revolution Schwedens

Graf Carl Snoilsky wurde am 8. September 1841 als Sohn des Justizrates Graf Nils Snoilsky und dessen Frau, Freiherrin Sigrid Fredrika Juliana Baner in Stockholm geboren und starb am 19. Mai 1903 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Snoilsky war in erster Ehe mit Hedvig Charlotta Amelie Piper und in zweiter Ehe mit Ebba Fredrika Eleonora Ruuth verheiratet.

Was relativ unüblich für die Adelsschicht jener Zeit war, besuchte Carl Snoilsky bereits ab 1850 die Klara Schule und anschließend zwischen 1857 und 1860 das Gymnasium in Stockholm. Snoilsky wurde sehr früh an die europäische Literatur herangeführt und kannte spätestens ab seiner Zeit im Gymnasium außer der schwedischen Literatur auch die Werke von Lord Byron, Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine.

Carl Snoilsky, Carl Snoilskys Dikter, Albert Bonnier Förlag, Stockholm, 1945, Serie: Den svenska lyriken

Während seiner Kindheit war Carl Snoilsky vor allem zu seiner Mutter hingezogen, die eine künstlerische Ader hatte, im Gegensatz zum sehr strengen Vater. Da die Mutter auch Gesellschaftsdame der Witwenkönigin Desideria war, verbrachte der Junge einen großen Teil seiner Kindheit mit seiner Mutter auf den Gütern im Södermanland und auf Schloss Rosersberg.

Die literarische Aktivität von Carl Snoilsky geht bis zur Zeit im Gymnasium zurück, wo er Mitglied des literarischen Klubs Amicitiae Verae war und seine ersten Gedichte schrieb, die 1861 unter dem Titel Smådikter af Sven Tröst (einem Pseudonym) erschienen, einer Gedichtsammlung zu der der Skalde in späteren Jahren allerdings nicht mehr stand, da ihm diese zu unreif vorkamen.

Ab 1860 besuchte Carl Snoilsky die Universität Uppsala, die er jedoch nach drei Jahren mit dem Kanzleiexamen verließ. In Uppsala zeigte sich das Erstlingswerk Smådikter jedoch als sehr bedeutend, denn dank dieser Gedichtsammlung wurde er in Uppsala in den literarischen Verein Namnlösa sällskapet aufgenommen, wo er, unter anderem, Carl David af Wirsén, Peter August Gödecke, sowie Ludvig Östergren kennenlernte und auch seinen Jugendfreund Edvard Bäckström wiedertraf.

Nach seinem Examen an der Universität Uppsala begab sich Carl Snoilsky erst einmal auf eine ausgedehnte Reise durch mehrere europäische Länder, die von poetischer Seite gesehen sehr fruchtbar waren, wobei den Skalden insbesondere Italien stark in den Bann nahm und im Jahr 1865 zum Werk Italienska bilder führte. Snoilsky, der sich auf der Reisen über seine Zukunft klar werden wollte, konnte sich allerdings nicht für die Laufbahn eines Skalden entscheiden und trat daher in den Botschaftsdienst ein und blieb sein Leben lang Beamter. Als Skalde blieb Snoilsky bis 1881 jedoch nahezu stumm, auch wenn bis zu seiner Wahl in die Svenska Akademien im Jahre 1876 einige wenige Werke erschienen, die von der Kritik gelobt wurden. Bereits in den 70er Jahren war Snoilsky der Meinung sein Leben im Grunde vergeudet zu haben, er löste seine Ehe auf, kündigte seinen Dienst, heiratete erneut und verließ das Land, dessen Gesellschaftsleben er eintönig und ohne jedes Interesse fand.

Mit seinem Band Nya dikter, die in die Sammlung Samlade dikter eingeht, und vor allem mit seinen Svenska Bilder beginnt für Carl Snoilsky dann jedoch die wahre Karriere als Skalde und der Schriftsteller scheint nun zu sich selbst gefunden zu haben. Im folgenden Jahrzehnt ergänzt Snoilsky seine „Schwedischen Bilder“, die vor allem von Anders Fryxells Geschichte beeinflusst sind und der Dichter schafft damit ein Grundlagenwerk, die ihm einen bedeutenden Ruf unter den Literaten seiner Zeit bringt, zum anderen entdecken durch kommende Schulauflagen sehr viele Kinder über die Sammlung Svenska bilder erstmals die schwedische Dichtkunst und beginnen sich für die Geschichte und die Tradition des Landes zu interessieren.

Während der 80er Jahre lebte das Ehepaar Snoilsky  überwiegend in Dresden und der Skalde, der selbst aus der Adelsschicht kam, näherte sich den sozialen „Unterschichten“. In Gedichten wie Afrodite spricht sich Carl Snoilsky sogar deutlich dafür aus, dass der Adel von seinem Piedestal steigen soll und sich dem Volk nähern muss, bevor das Volk zur Waffe greift und sich vom Adel befreit, der das Volk nur als Masse betrachtet und als Sklave benutzt.

Als Carl Snoilsky 1890 nach Stockholm zurückkehrt und dort, auf seinen eigenen Wunsch, Oberbibliothekar des Königlichen Bibliothek wird, als Zensor und Inspektor über die Stücke des Dramaten entscheidet und auch noch Mitglied des Nobelkomitees wird, ist er einerseits der bedeutendste Dichter neben Viktor Rydberg, aber sein Aufstieg provoziert auch die Kritik der Oberschicht des Landes, da diese Snoilsky als Verräter ihrer Schicht betrachten. Der Skalde selbst zeigt dabei eine gewisse Unsicherheit, da er zwar für den Bürger des Landes schreibt, jedoch keine wirkliche Beziehung zu Arbeitern und Bauern hat, also das Leben dieser Schicht nur theoretisch kennt.

Die späteren Werke von Carl Snoilsy waren in gewisser Weise bereits von der Zeit überholt als er sie veröffentlichte, da die schwedische kulturelle Revolution bereits eingesetzt hatte, aber gerade deswegen wurden seine Werke nicht nur von Schriftstellern wie August Strindberg, Henrik Ibsen oder Georg Brandes gelobt, sondern auch konservative Autoren wie Carl David af Wirsén erkannten seine literarischen Leistungen an.

Auch wenn Carl Snoilsy gewissermaßen ein Sprecher für die soziale Unterschicht Schwedens war und an der kulturellen Revolution des Landes beteiligt war, so war es ihm bereits auf Grund seiner Bildung unmöglich mit seinen Werken die breite Masse zu erreichen, von den Gedichten für Schulzwecke abgesehen, denn seine Wortwahl und sein Stil blieben für die Mehrheit der Schweden unverständlich. Erst in den letzten Jahren beginnt man sich wieder auf größerer Ebene den Werken Snoilskys zu nähern.

Copyright: Herbert Kårlin

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28 mars 2013

Carl Rupert Nyblom, von der Romantik zum Realismus

Carl Rupert Nyblom wurde am 29. März 1832 als Sohn des Schneiders und Ratsmanns Anders Nyblom und dessen Frau Anna Johanna Lundin in Stockholm geboren und starb am 30. Mai 1907 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Nyblom war ab 1864 mit der in Dänemark geborenen Schriftstellerin Helene Augusta Roed verheiratet.

Bereits als Schüler zeichnete sich Carl Rupert Nyblom dadurch aus, dass er lateinische Gedichte schrieb, wofür er auch mehrere Preise erhielt. Seine Schulbildung erhielt der Skalde in der Kathedralschule in Uppsala, seine Umgangsform vor allem durch seine Tätigkeit als Nachhilfelehrer bei der Familie Westerstrand. Auch wenn man wenig über die Kindheit und die Jugend des Schriftstellers weiß, so ist sicher, dass er in einem wohlhabenden bürgerlichen Milieu aufwuchs wo sehr früh mit Literatur und Musik konfrontiert wurde. Auch wenn Nyblom seine ersten ersten Gedichte im „edlen“ Latein verfasste, so interessierte er sich frühzeitig für die moderne Literatur des Nordens jener Zeit und für moderne Sprachen.


Nach seiner Hochschulreife im Jahre 1850 studierte Carl Rupert Nyblom Ästhetik, Deutsch und Schwedisch an der Universität Uppsala. 1862 wurde er an der gleichen Universität Dozent für Ästhetik, wobei er in den ersten Jahren als Dozent auch einige kunsthistorische Studienreisen nach Deutschland, Frankreich und Italien unternahm.

Die literarischen Interessen von Carl Rupert Nyblom, die bereits in der Schule festgestellt wurden, zeigten noch während seiner Studienzeit in Uppsala ihre Früchte, denn 1853 errang er mit seinem Gedicht Arion einen Preis der Svenska Akademien, was jedoch auch damit zusammenhing, dass sich Nyblom bei seinen Gedichten an die konservative Dichtkunst hielt und moderne Tendenzen in der Lyrik vermied.

Diese konservative Einstellung zur Dichtkunst Mitte des 19. Jahrhunderts muss man auch in Zusammenhang mit seinen Lehrern an der Universität in Uppsala sehen, denn die Humanisten Christopher Jacob Boström und Bernhard Elis Malmström hatten sich zwar von den rigiden Strömungen der akademischen Welt abgewandt, waren jedoch beide nationalistisch eingestellt und setzten den Skandinavismus über die moderneren Strömungen anderer Länder. In diesem Zusammenhang kann auch verstehen, dass sich Nyström ebenfalls dem rationellen Idealismus Schwedens anschloss.

Nach einigen kunsthistorischen Büchern Carl Rupert Nybloms zu Beginn der 60er Jahre, die die Folge seiner Reisen nach Frankreich und Italien waren, gründete der Schriftsteller 1865 die Svensk litteraturtidskrift, die ein Bindeglied zwischen akademischer Literaturgeschichte und an Literatur interessierten Laien sein sollte und vor allem den Realismus in der Lyrik verteidigte und damit gegen die vorherigen romantischen Strömungen einwirkte, da Nyblom der Meinung war, dass die Kunst durch eine realistische Beschreibung mehr in den Vordergrund dringt als eine träumerische romantische Darstellung, die immer subjektiv sein muss. Vermutlich war diese Aktivität auch mit einer der Gründe, warum Nyblom 1867 eine Professur in Literaturgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität in Uppsala erhielt.

Während Carl Rupert Nyblom kunsthistorische Forschungen anstellte und in diesem Rahmen auch bedeutende Studien veröffentlichte, versuchte er nie literaturhistorische Forschungen zu betreiben, sondern begnügte sich damit seinen Schülern wie Oscar Levertin oder Karl Warburg dazu zu verhelfen neue Wege in der Literatur zu finden und sich dem realistischen Naturalismus zu nähern, der vor allem Ende des 19. Jahrhunderts seinen wahren Durchbruch hatte.

Carl Rupert Nyblom nimmt daher in der Literaturgeschichte Schwedens eine sehr wichtige Stellung ein, da er den Umbruch von der Romantik zum Realismus einleitete, auch wenn Nyblom, auf Grund seines konservativen Gedankenguts, die schwedische Literatur noch in einem geschlossenen Rahmen betrachtete und die parallele Entwicklung der deutschen, englischen und französischen Literatur kaum beachtete, im Gegensatz zu seinen Schülern. Bereits die dänische Literatur jener Epoche war Nyblom zu fortschrittlich und er hatte Schwierigkeiten sie mit den gleichen Augen zu betrachten wie die schwedische Literatur.

Carl Rupert Nyblom verschloss sich jedoch nicht ganz der Literatur anderer Länder und leistete einen bedeutenden Beitrag bei der Übertragung angelsächsischer Literatur ins Schwedische. Allerdings griff er dabei nicht zu zeitgenössischen Autoren, sondern zu den Sonettes von William Shakespeare, der in den Augen Nybloms ein literarisches Genie war, und zu den Melodien von Thomas Moore, die um diese Zeit in Schweden noch unbekannt waren.

Mit der Herausgabe der Svensk litteraturtidskrift und der Ehe mit Helene Augusta Roed entwickelte sich das Heim des Ehepaares zu einem literarischen Salon Uppsalas wo sich nahezu alle bedeutenden Künstler und Schriftsteller jener Epoche trafen, was Carl Rupert Nyblom eine wichtige Rolle in der Entwicklung der schwedische Literatur gab, die nur selten hervorgehoben wird.

Carl Rupert Nyblom wurde 1866 in die Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället in Göteborg gewählt, nahm 1879, nach Elias Fries, den Stuhl Nummer 14 des Svenska Akademien ein, wurde 1884 in die Kungliga Musikaliska Akademien gewählt und war von 1900 bis 1907 Mitglied des Nobelkomitees.

Copyright: Herbert Kårlin

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13 mars 2013

Nils Lorens Sjöberg und die schwedische Lyrik Ende des 18. Jahrhunderts

Nils Lorens Sjöberg wurde am 4. Dezember 1754 als Sohn eines Arbeiters in Jönköping geboren und starb am 13. März 1822 im Alter von 67 Jahren in Stockholm. Sjöberg war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Nils Lorens Sjöberg ist kaum etwas bekannt, was jedoch nicht verwunderlich ist, da Sjöberg aus einer sehr einfachen Familie kommt und die Familie daher in kaum einem Dokument jener Zeit erwähnt wird. Sicher scheint jedoch, dass Sjöberg im Alter von 14 Jahren in Jönköping zur Schule ging und den Philologen Håkan Sjögren als Lehrer hatte.

Bereits nach sechs Jahren Ausbildung hatte Nils Lorens Sjöberg ausreichend Kenntnisse erworben, dass er ein Studium an der Universität Lund beginnen konnte. Da Sjöberg das Ziel hatte Priester zu werden, schrieb er sich in Lund für Philosophie und Theologie ein. Nach seinem ersten Versuch eine Predigt zu halten, sah er jedoch ein, dass er als Priester unfähig war. In der Folge spezialisierte er sich daher auf Jura und wurde 1782 in der Kanzlei des Auswärtigen Amtes angestellt.

Sehr schnell wurde Nils Lorens Sjöberg als hervorragender Skalde bekannt, dessen Gedichte nicht nur in den literarischen Kreisen Schwedens Aufmerksamkeit erregten, sondern auch bei der poetischen Gesellschaft Utile dulci, der Vitterhetsakademien und der Göteborger Vitterhetssällskapet einen Preis nach dem anderen für seine Lyrik erwarb. Die Vitterhetsakademien war insbesondere begeistert von seinem Werk Stockholms försvar af Christina Gyllenstjerna. Mit seinem Werk Gustaf Adolfs anträde till regeringen gewann Sjöberg auch den zweiten Preis der Svenska Akademien, der ihm den Weg in die Literaturgeschichte Schwedens öffnete.

Während man weiß, dass Nils Lorens Sjöberg als Beamter wenig Erfolg hatte und erst 1812 zum Expeditionssekretär ernannt wurde, so ist über seine literarische Arbeit wenig bekannt, denn es wurde nur eine sehr bescheidene Menge an Gedichten überliefert und zu seiner Lebenszeit veröffentlicht. Ein Teil der Literaturwissenschaftler Schwedens nimmt an, das Sjöberg nie sehr produktiv war, auch wenn diese Aussage ebenso wenig bestätigt werden kann wie das Gegenteil.

Im Jahre 1787 wurde Nils Lorens Sjöberg in die Svenska Akademien gewählt und war damit der erste Schriftsteller, der auf dem Stuhl Nummer 18 Platz nahm, da er zu den ersten fünf gewählten Mitgliedern der kurz zuvor vom König eingerichteten Akademie gehörte. Die erste und einzige veröffentlichte Sammlung der Gedichte Sjöbergs erschien im Jahre 1796 unter dem Titel Skaldestycke und wurde 1820 ein weiteres Mal aufgelegt.

Die Bedeutung von Nils Lorens Sjöberg innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist bis heute sehr umstritten, da es sich bei seiner Lyrik um eine stilistische Form handelt, die um diese Zeit vollkommen üblich war und seine Ausdrucksstärke kaum über jener liegt, die man bei zahllosen unbekannten Autoren dieser Epoche findet. Unbestritten ist jedoch, dass er mit seinen Gedichten sein Publikum bezauberte und seine Gedanken und seine Gefühle seinen Lesern und seiner Zuhörern sehr gut vermitteln konnte und sie damit in seinen Bann ziehen konnte.

Für seine literarische Leistung wiederum spricht jedoch ansererseits, dass sich Nils Lorens Sjöberg in einer polemischen Schrift Gustaf Fredrik Gyllenborg in seiner Theorie zur Lyrik der Epoche widersetzte und eine Neuerung der Poesie forderte. In seiner Schrift Svar på anmärkningarne om svenska versificationen, bifogade vid poëmet: Försök om skaldekonsten fordert Sjöberg 1798 eine Befreiung von den bis dahin sehr strengen Jamben, die er für die schwedische Sprache wenig angebracht fand. Auch in seinen eigenen späteren Werken verzichtet Sjöberg auf die strenge Auslegung des jambischen Versmaßes und kann daher als Erneuerer der Lyrik zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrachtet werden.

Die Gedichte von Nils Lorents Sjöberg drücken die Gefühle des Autors aus und sind stark von der Poesie Frankreichs jener Epoche geprägt, wobei nur sehr wenige unter ihnen noch heute in den aktuellen lyrischen Sammelwerken aufgenommen werden, da nur wenige seiner Werke als zeitnah betrachtet werden können, mit der Ausnahme seiner Werke Tjänstemannaödet oder auch Jordbrukaren, die auch heute nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.

Copyright: Herbert Kårlin

24 februari 2013

Israel Holmström und die Gesellschaftspoesie des Barock

Israel Holmström wurde im Jahre 1661 als Sohn des Bürgermeister Nils Nilsson (Silenius) und dessen Frau Catharina Israelsdotter Skute geboren, und starb am 24. Februar 1708 im Alter von 46 Jahren in Smorgonie in Litauen. Der Geburtsort von Holmström ist nicht bekannt ist. Der Schriftsteller war nie verheiratet.

Über die frühe Zeit von Israel Holmström ist wenig bekannt, so dass sein öffentliches Leben eigentlich erst am 14. September 1675 beginnt, als er sich an der Universität Uppsala einschreibt, anschließend die Beamtenlaufbahn wählt und ab der Jahrtausendwende König Karl XII., ebenfalls als Beamter, in den Krieg folgte und 1702 zum Kriegsrat ernannt wurde. An Details weiß man noch, dass sein Vater starb als Holmström gerade einmal drei Jahre alt war und dass er in Uppsala vermutlich keinerlei Examen ablegte, da in alten Dokumenten der Universität nichts darüber zu finden ist.


Auf welche Weise Israel Holmström zur Dichtung kam, ist ebenso unbekannt wie sein Werdegang. Das älteste überlieferte Werk ist indes eine Trauerrede in Versform zu Ehren von Magnus Gabriel De la Gardie im Jahre 1686, sieben Jahre bevor er sein bekanntestes Trauergedicht zum Tode von Ulrika Eleonora der Älteren, auch als Ulrike Eleonara von Dänemark bekannt, verfasste. Nur vier Jahre später taucht der Dichter dann erneut mit einem Trauerdicht auf, dieses Mal zum Tode des Königs Karl XI. und mit einer Oration zur Krönung von Karl XII. Diese vier Werke in Versform sind indes mehr als öffentliche Reden zu verstehen als als poetische Werke, auch wenn sie Holmström als einen Meister in der lyrischen Schreibkunst zeigen.

Auch wenn Israel Holmström als Autor von Gedichten und Reden von der gehobenen Schicht Schwedens eine gewisse Anerkennung erfuhr, lebte er nach den Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen von der Hand in den Mund und war bis zu seinem Tode sehr arm. Dies hing insbesondere damit zusammen, dass sich Holmström seiner Leistungen im poetischen Schaffen nicht bewusst war und sich auch nicht anstrengte seine Werke veröffentlicht zu bekommen. Dichten schien für den Autor nur eine Art amüsanten Zeitvertreibs zu sein.

Dass Israel Holmström in die Literaturgeschichte Schwedens einging, verdankte er vor allem der Tatsache, das seine Gedichte so beliebt waren, dass Carl Gustaf Tessin einige davon in seinem Äkerödagbok verewigte, andere in der Palmskiöldska samlingen auftauchten und, vermutlich ein Bekannter des Autors, eine kleine Sammlung an politischen Gedichten von Holmström veröffentlichte. Vermutlich müssen jedoch hunderte von Gedichten, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Dokumenten, Tagebüchern und anderen Aufzeichnungen erschienen, in Wirklichkeit Holmström zugeordnet werden, da sie im Aufbau, der Wortwahl und dem Stil zu seinen Werken passen und Holmström zudem, neben Johan Runius, der bedeutendste Dichter dieser Epoche war, dessen Werke nahezu im ganzen Land bekannt waren.

Die Dichtkunst von Israel Holmström zeigt eine enorme Breite für seine Zeit, denn er beherrschte die gesamte Ausdrucksweise der Dichtkunst und verfasste Liebesgedichte, politische Gedicht, Kriegsgedichte und Tanzweisen ebenso wie Trauergedichte oder Epigramme und selbst Hochzeitsgedichte für die Adeligen jener Epoche. Sein Ruf als Dichter war für einen einfachen Beamten erstaunlich und kann mangels Dokumenten bis heute nicht erklärt werden.

Inwieweit man Israel Holmström als „großen“ Dichter bezeichnen kann, darüber sind sich Literaturwissenschaftler bisher nicht einig, was jedoch nicht nur daran liegt, dass man seine Werke zum Großteil nicht kennt, sondern auch daran, dass er nicht immer den Versformen jener Zeit folgte, obwohl er sie beherrschte. Die Frage ist daher, ob er bewusst von den „vorgeschriebenen“ Formen abwich oder ab er einigen seiner Gedichte damit einen besonderen Stempel geben wollte. In einigen seiner Werke wendet er, zum Beispiel, die achtsilbigen Trochäen, die aus der Burleske kommen, für seine politische Dichtung an, was im 17. und 18. Jahrhundert als eindeutiger Stilbruch betrachtet wurde.

Aber Israel Holmström  weicht noch in einem anderen wesentlichen Punkt von den poetischen Regeln jener Zeit ab, denn er greift nicht zum Hochschwedisch, sondern benutzt nahezu ausschließlich die damalige Umgangssprache Stockholms, was seine Werke allerdings einer breiten Schicht näher bringt und darauf hinweist, dass sich Holmström wenig um eine Anerkennung in der wissenschaftlichen literarischen Welt kümmerte. Da sich der Dichter jedoch immer wieder extrem positiv für die königliche Macht ausspricht und die Kriege von Karl XII. in mehreren Gedichten verteidigt, bleibt Holmström in vielen Punkten ein Rätsel der schwedischen Literaturgeschichte, da er zwar dachte wie die Führungsschicht Schwedens, aber schriebt wie der einfache Bürger, der, geschichtlich gesehen, sehr wenig vom König hielt.

Aber auch wenn man über die Dichtkunst und die literarische Leistung von Israel Holmström diskutieren kann, so ist er der einzige Dichter, der über seine breite Dichtkunst das Alltagsbild der Jahrtausendwende mit all seinen Gedanken, dem Krieg und dem gesellschaftlichen Leben vermittelt. Diese poetischen Erzählungen sind umso bedeutendewr, da Holmström zu einer unterhaltenden Sprache greift und selbst in der Lage ist seine Emotionen in einem Gedicht festzuhalten.

Copyright: Herbert Kårlin

7 september 2012

Gunno Dahlstierna, Mundart in der schwedischen Literatur

Gunno Dahlstierna wurde am 7. September 1661 in früheren Ort Örs im Dalsland geboren und starb am 7. September 1709 im Alter von 49 Jahren in Stralsund, einer damaligen Besitzung Schwedens im heutigen Deutschland. Er war der Sohn des Priesters Andreas Eurelius und hieß daher bis zu er in den Adelsstand aufgenommen wurde Gunno Eurelius.

Gunno Dahlstierna studierte in Uppsala Landvermessung und Kartographie, schloss dort jedoch das Studium nicht ab, da er vorher bei der Landvermessung der schwedischen Besitzungen in Livland helfen musste. Nach Abschluss der Tätigkeit in Livland setze er seine Reise nach Deutschland fort, wo er seine Studien beendete und anschließend eine Professur angeboten bekam, die er jedoch ablehnte um nach Schweden zurückkehren zu können.
1690 wurde Gunno Dahlstierna zum Landvermessungsinspektor ernannt, was dazu führte, dass er ein Jahr später die schwedischen Besitzungen in Pommern vermessen sollte. Dahlstierna arbeitet dann die nächsten Jahre ausschließlich in Pommern und auf Rügen und kehrt selbst dann nicht nach Schweden zurück, als er am 7. September 1699 zum Generaldirektor der schwedischen Landvermessung ernannt wird, heiratet jedoch im gleichen Jahr Anna Schlomann, der Tochter eines Seidenhändlers in Stralsund und lässt sich ganz in Pommern nieder.

Gleichzeitig mit seinem permanenten Umzug nach Pommern im Jahre 1691 begann Gunno Dahlstierna auch Gelegenheitsgedichte zu schreiben, wenn man von einigen Grabinschriften und kurzen Gedichten absieht, die er vorher zum Vergnügen schrieb. Bekannt wurde dann jedoch sein Grabgedicht über Carl Liedeman aus dem Jahre 1691, was man als den Beginn seines Schaffens als Skalde oder Dichter bezeichnen kann.

Sein längstes Werk veröffentlicht Gunno Dahlstierna im Jahre 1698. Kunga Skald ist eine Hymne zum Tode des schwedischen Königs Karl XI. bei dem Dahlstierna den Stil des Wechselgesangs benutzt um unterschiedliche Charaktere sprechen zu lassen. 1701 folgt Giöta Kiämpa-visa, bei dem Dahlstierna in Form einer Ballade eine Legende des Königs Karl IX. und dem Zaren Peter von Russland schildert, dies jedoch in einer einfachen und humoristischen Sprache, die man auf dem Land spricht. Geradezu revolutionär ist dabei, dass der Skalde Dahlstierna bei diesem Werk selbst die Mundart seiner Heimatregion im Dalsland anwendet.1707 erscheint das Werk Saxa-kalaas, das den Sieg von Karl XII. über August von Sachsen zum Thema hat.

Sämtliche Werke von Gunno Dahlstierna sind patriotisch geprägt und hüllen die Großmacht Schweden, den König und das Vaterland, weswegen man sagen kann, dass Dahlstierna zu seiner Zeit ein politischer Dichter war, auch wenn er die Skaldenkunst dieser Epoche erneuerte und die barocke Dichtkunst mit einer einfachen Sprache verbindet. Aber Dahlstierna richtete sich mit seinen Gedichten auch nicht mehr an eine auserlesene Schicht, sondern wollte einen weiten Kreis an Lesern ansprechen. Kein anderer Dichter Schwedens hat diese Art der „leichten“ Dichtkunst so beherrscht wie Gunno Dahlstierna.

Copyright: Herbert Kårlin