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6 juni 2013

Nils Wilhelm Lundh, der Naturromantiker Skånes

Nils Wilhelm Lundh wurde am 14. Februar 1879 als Sohne des Bankdirektors Gustaf Fredrik Lundh und dessen Frau Wilhelmina Carolina Råbinsson in Malmö geboren und starb am 6. Juni 1953 im Alter von 74 Jahren in Stockholm. Lundh war ab 1908 mit der Sängerin Alice Harriet (Hetty) Meisner verheiratet.

Über Kindheit, Jugend und Ausbildung von Nils Wilhelm Lundh weiß man nahezu nichts und selbst die Bruchstücke, die man kennt, sind lückenhaft. Sicher ist lediglich, dass Lundh die Spyken, eine private Realschule in Lund, besuchte und zwischen 1899 und 1902 bei der staatlichen Eisenbahn SJ (Statens Järnvägar) angestellt war. Anschließend war Lundh hauptberuflich als Schriftsteller tätig.

Nils Wilhelm Lundh, En författares resa. Kring Italien, Lindblads, 1924

Der Durchbruch als Schriftsteller kam für Nils Wilhelm Lundt bereits mit seinem ersten Buch Hvita kyrkans by, drei Erzählungen aus Skåne in denen die Landschaft der Region die wichtigste Rolle spielt. Der Autor kehrt dabei in die Landschaft seiner Jugend zurück, ein Thema, das er auch später immer wieder aufnehmen wird. Gleichzeitig mit der Erscheinung seines nächsten größeren Werkes Berättelse från Ödestrand im  Jahre 1905 erhält Lundh ein Stipendium von der Albert Bonnier Stiftung, das ihm ermöglicht sich ohne finanzielle Probleme auf das Schreiben zu stürzen.

Dass sich Nils Wilhelm Lundh so früh entschied ganz auf die Schriftstellerei zu setzen, hing sicher auch mit einem Brief von Verner von Heidenstam zusammen, denn Lundh hatte dem damals bereits bekannten Dichter, der ebenfalls bei Bonniers unter Vertrag war, sein Erstlingswerk zur Begutachtung geschickt und war von diesem ermuntert und gelobt worden.

Der Stil im ersten Buch Nils Wilhelm Lundhs wirkt noch zaghaft und gleicht in vielen Punkten jenem von Selma Lagerlöf, deren Art zu schreiben der Autor bewundert und nachahmt. Später behält er die Romantik von Lagerlöf und Heidenstam, aber er befreit sich von deren Einflüsse und findet seinen persönlichen Weg, was seine Naturschilderungen weitaus lebhafter und bildlicher macht und dem Leser ermöglicht selbst den Jahreszeiten der Natur gefühlsmäßig zu folgen.

Mit den folgenden Büchern verändert sich jedoch nicht nur der Stil von Nils Wilhelm Lundh, sondern er bettet in seine Naturbeschreibungen immer mehr Außenseiter der Gesellschaft ein, was sich insbesondere bei seinen Romanen Bleik aus dem Jahre 1911 und Eusebia aus dem Jahre 1916 sehr deutlich zeigt. Der Schriftsteller setzt in eine den Naturgewalten ausgesetzte Natur die entsprechenden Personen, die alle in gewisser Weise am Rande der Gesellschaft existieren. Einige dieser Züge findet man auch beim Autor selbst, der die Gesellschaft weitgehend meidet und ein ausgeprägter Individualist ist, der sich in der Einsamkeit der Natur am wohlsten fühlt.

Die Romane von Nils Wilhelm Lundh spielen jedoch nicht nur in Schweden, denn jeder Ort, den er besucht inspiriert ihn, vor allem wenn er dort, wie zum Beispiel am Vesuv, kräftige Naturgewalten vorfindet. Aber auch dann bleibt Lundh noch ein Romantiker, der hinter den Felsen und in den Wurzeln der Bäume die Zauberwesen und Trolle sucht, eine Mischung, die viele Leser erstaunt.

Durch den Mangel an tieferen Kontakten mit anderen Autoren, trotz seiner mehrjährigen Tätigkeit als Sekretär in Sveriges författareforening, und einem nahezu isolierten Leben, entwickelt Nils Wilhelm Lundh einen eigenen Stil, eine eigene Welt und seine Werke können mit keinem anderen Autor Schwedens verglichen werden, was sich jedoch nicht als Vorteil auswirkt, denn innerhalb der akademischen Literaturgeschichte Schwedens wird Lundh nur sehr selten genannt, ein Schicksal, das er mit sehr vielen anderen Schriftstellern des Landes teilt.

Auch wenn man Nils Wilhelm Lundh in erster Linie mit romantischen Naturromanen verbindet, so veröffentlichte er auch Reisebücher, vor allem über Italien und Nordafrika, und er schrieb eine größere Anzahl an Schauspielen. Sein bekanntestes Werk für das Theater war Ljunghuset, das 1918 Premiere hatte.

Erstaunlicherweise endet die literarische Aktivität von Nils Wilhelm Lundh mit seinen beiden Bänden En författares resa im Jahre 1924 auf abrupte Weise, zu einer Zeit, als der Schriftsteller ein Unternehmen gründete. Dieser Einschnitt war auch die Ursache dafür, dass der Schriftsteller selbst bei den treuesten Lesern bald in Vergessenheit geraten war.

Copyright: Herbert Kårlin

4 maj 2013

Julia Nyberg und die philanthropischen Balladen des 19. Jahrhunderts

Julia Nyberg, geborene Svärdström, wurde am 17. November 1785 als Tochter des Grubeninspekteurs Per Svärdström und dessen Frau Beata Elisabet Almgren in Skultuna im Västmanland geboren und starb am 18. April 1854 ebenfalls in Skultuna. Nyberg war in erster Ehe mit dem Händler Henrik Johan Asping verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Grubeninspekteur Anders Wilhelm Nyberg.

Bis zum 13. Lebensjahr wuchs Julia Nyberg, die oft auch mit dem Vornamen Juliana zu finden ist, in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Da jedoch beide Elternteile früh starben, übernahm ab 1798 der Besitzer der Grube, Carl Jakob Adlerwald, die Vormundschaft, was insbesondere dazu führte, dass Nyberg nur wenige Jahre später in der Mädchenschule Dariés in Stockholm eine ausgezeichnete Ausbildung erhielt und dort auch flüssig Französisch lernte.

Julia Nyberg, Samlade dikter 1-3, Örebro 1831

Ab 1803 arbeitete Julia Nyberg wegen ihrer ausgezeichneten Kenntnisse bereits als Privatlehrerin und 1809 heiratete sie ihren ersten Mann, Henrik Johan Asping. Die Ehe war unglücklich und hielt nur einige Jahre. Nach Nybergs Aufzeichnungen war ihr erster Mann grob und ungebildet. Nyberg floh daher in die schöngeistige Literatur und las insbesondere die Werke von Madame de Staél und von Jean-Jacques Rousseau. Unter den schwedischen Dichtern begeisterte sich die spätere Dichterin vor allem für Bengt Lidner, Johan Henric Kellgren und Frans Michael Franzén. Bereits während dieser Ehe, die 1820 endete, schrieb Nyberg ihre ersten Gedichte.

Wann Julia Nyberg die Lyrik von Per Daniel Amadeus Atterbom kennenlernte, ist nicht bekannt, auch wenn dieser große Dichter dieser Epoche einen bedeutenden Einfluss auf ihre Zukunft als Lyrikerin hatte. Spätestens 1817 schickte Nyberg jedenfalls einige ihrer Gedichte an Atterbom, der vom einfachen Naturalismus, den ihre ersten Werke ausstrahlten begeistert war und einige der Gedichte im Poetisk Kalender 1817 veröffentlichte und ihr dabei das Pseudonym Euphrosyne gab, den die Lyrikerin auch für alle ihre zukünftigen Werke benutzte.

Letztendlich war es auch Atterbom, der Julia Nybergs Mentor wurde und ihr sowohl im literarischen als auch bei privaten Problemen jeder Art Rat und Hilfe bot. Der Schriftsteller riet ihr auch sich von ihrem Mann zu trennen, da dieser nicht das Recht habe sie von der Außenwelt abzuschirmen und ihr ihr Vergnügen zu nehmen, das Schreiben. Die Gelegenheit zur Scheidung kam bereits  wenige Jahre später, da ihr Mann in Konkurs ging und dies eine der wenigen Möglichkeiten für eine Frau war sich scheiden zu lassen und daher die Ehre zu behalten.

Während jedoch Asping durch den Konkurs in die Armut getrieben wurde, bedeutete dies, dass das Freundschaftsverhältnis, das Julia Nyberg bereits seit einiger Zeit zu ihrem zweiten Mann hatte, zur Ehe führte. Anders Wilhelm Nyberg hatte die gleichen Interessen wie die Dichterin und unterstützte seine Frau in jeder Weise bei ihrer literarischen Arbeit.

Während der ersten größeren Schaffungsphase waren die Gedichte von Julia Nyberg vor allem Themen aus der Natur bei der jede Blume und jeder Vogel zu einem Symbol wird, was es nicht immer einfach macht den Gedanken der Dichterin zu folgen. Einige dieser Gedichte zeigen auch den Einfluss, den Atterbom auf Nyberg ausübte, ohne dass die Lyrikerin jedoch den Sil Atterboms kopieren würde.

Parallel zu diesen Gedichten schrieb Julia Nyberg die zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebten philanthropischen Balladen unter denen Tvillingarna und Tiggargossen am bekanntesten wurden. Nyberg zeichnet hier das Bild der Armut und will mit dem Gefühl, das sie beim Leser der Balladen weckt Mitgefühl hervorrufen und damit dazu auffordern die Armen zu unterstützen, eine Bewegung, die nicht bei allen Wohlhabenden der Zeit und den entsprechenden Literaturkritikern gut ankam.

Als Julia Nyberg dann im Jahre 1842 ihren dritten Gedichtband Nya Dikter veröffentlicht, hatte sie eine bedeutende Wandlung erlebt und ging vom Naturalismus zum Realismus über. Ihre Themen holt die Lyrikerin nun überwiegend aus alten Sagen und Legenden, sowie aus dem Leben des Mittelalters. Der Einfluss Atterboms ist nun vollkommen verschwunden und Nyberg legte mit diesem Band eine Arbeit vor, die in ihr persönlich gewachsen ist. Bereits einige Jahre vorher hatte die Dichterin auch begonnen ihre Werke im Opoetisk calender för poetisk folk und im poetischen Kalender Sylfiden zu veröffentlichen, literarischen Zeitschriften, die vor allem mit Lorenzo Hammarsköld und Carl Fredric Dahlgren in Verbindung gebracht werden.

Zahlreiche Gedichte von Julia Nyberg wurden vertont und einige davon findet man noch heute in den Liedersammlungen Schwedens, auch wenn ihr Name als Dichterin kaum noch genannt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

10 april 2013

Erik Johan Stagnelius, der Aussenseiter unter den Dichtern

Erik Johan Stagnelius wurde am 14. Oktober 1793 als Sohn des Bischofs Magnus Stagnelius und dessen Frau Hedvig Christina Bergstedt in Gärdslösa auf Öland geboren und starb am 3. April 1823 an einem Schlaganfall in Stockholm. Stagnelius war nie verheiratet.

Da beide Elternteile von Erik Johan Stagnelius aus Priesterfamilien stammten, war die Jugend des zukünftigen Dichters konservativ religiös geprägt. Dies bedeutete auch, dass Stagnelius von seinem Vater und seinem Adjunkten Pehr Brusenius seine Ausbildung erhielt und sehr früh Zugang zu einer bedeutenden Bibliothek hatte. Die Bildung erstreckte sich insbesondere auf die Literatur antiker Literaten und theologische Schriften. Erst als die Familie im Jahre 1810 nach Kalmar zog, besuchte Stagnelius noch ein Jahr lang das Gymnasium bevor er sein Studium in Lund begann.


Allerdings besuchte Erik Johan Stagnelius die Universität Lund gerade einmal ein halbes Jahr lang bevor er an die Universität Uppsala wechselte, wo er insbesondere Jura studierte, aber auch Vorlesungen in praktischer Philosophie besuchte sowie Deutsch und Französisch lernte. Im Jahre 1814 legte Stagnelius das Kanzleiexamen ab um eine Laufbahn als Beamter zu beginnen.

In älteren Aufzeichnungen wird Erik Johan Stagnelius in der Regel als psychisch instabil, als Alkoholiker und möglicherweise als opiumabhängig beschrieben, nach neuerer Forschung litt er jedoch vermutlich unter dem Noonans Sundrom, was sehr ähnlich gedeutet werden kann wie Alkoholismus. Mangels genauerer Informationen existieren heute beide Versionen parallel ohne dass jemand die Wahrheit kennt.

Obwohl sich Erik Johan Stagnelius zur gleichen Zeit in Uppsala aufhielt als die literarische Elite der Epoche, darunter Carl Jonas Love Almqvist, Erik Gustaf Geijer, Vilhelm Fredrik Palmblad und Per Daniel Amadeus Atterbom, so verkehrte Stagnelius nicht in diesem Kreis und hat Atterbom mit der größten Wahrscheinlichkeit nicht ein einziges Mal getroffen.

Ab wann Erik Johan Stagnelius literarisch aktiv wurde ist völlig unbekannt zumal ein sehr großer Teil seiner frühen Werke verschollen ist und der Dichter sehr wenige Werke selbst veröffentlichte. Sicher ist jedoch, dass er ab seiner Zeit in Stockholm, wenn auch anonym, literarisch aktiv war, denn 1817 veröffentlichte er das Gedicht Wladimir den store, vier Jahre später drei Hefte mit dem Titel Liljor i Saron und 1822 das Trauerspiel Bacchanterna eller Fanatismen. Den größten Erfolg erzielte er jedoch in dieser Epoche mit seinem Gedicht Sång öfver Qvinnan i Norden, für das er mit dem zweiten Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde.

Zwischen 1818 und 1820 zeigen die Werke von Erik Johan Stagnelius alle Zeichen der Mystiker und der Gnostiker. Literaturwissenschaftler gehen davon aus, dass Stagnelius in dieser Zeit mit den Übersetzungen der Schriften Ginza Raba in Berührung kam und davon fasziniert wurde.

Ab den 20er Jahren neigt Erik Johan Stagnelius immer häufiger zu einer Mischung aus religiösem Gedankengut und der griechischen Mythologie, auch wenn seine Werke um diese Zeit noch eindeutig der Romantik zugeordnet werden und Stagnelius, auch wegen seines kurzen Lebens, den Sprung zum Realismus nicht mehr machte.

Die literarische Breite von Erik Johan Stagnelius ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Schriftsteller gerade einmal zehn Jahre lang aktiv war und wegen seiner schlechten Gesundheit auch nicht immer die volle Leistung bringen konnte. Stagnelius schrieb, außer Gedichten, auch mehrere Dramen, Elegien, Sonette, Prosa mit philosophischem Einschlag und Liebesgedichte, die von mystischen Gedanken geprägt ist. Diese Vielseitigkeit von Stagnelius und die Tatsache, dass man über sein Leben sehr wenig weiß, beschäftigt noch heute die Literaturwissenschaft ohne dass man dadurch der Person Stagnelius wirklich näher käme.

Auch wenn Erik Johan Stagnelius in keinerlei literarischem Kreis verkehrte und relativ zurückgezogen lebte, gehört er mit zu jenen Autoren, die sehr viele modernere Dichter und Schriftsteller beeinflusst hat, unter anderem auch Gunnar Ekelöf und Stig Larsson, die die Werke von Stagnelius bewunderten. Bezeichnend ist auch, dass der Dramaturg und Regisseur Lars Norén bei zwei seiner Theaterstücke seine Titel unter den Gedichten von Stagnelius suchte.

Copyright: Herbert Kårlin

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16 mars 2013

Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat

Karl Gustav Ossiannilsson wurde am 30. Juli 1875 als Sohn des Orgelbauers Rasmus Nilsson und dessen Frau Elise Christina Timelin in Lund geboren und starb am 14. März 1970 im Alter von 94 Jahren in Rystad bei Linköping. Ossiannilsson war in erster Ehe mit Naëmi Sofia Mariana Amman verheiratet und in zweiter Ehe, nach dem Tod seiner ersten Frau, mit seiner Haushälterin Marta Vivi Maria Eklund.

Über die Kindheit und die Jugend von Karl Gustav Nilsson, wie er damals noch hieß, ist nichts überliefert. Seine Biografie geht daher nur bis zu seiner Zeit im Gymnasium in Malmö zurück wo er die Reifeprüfung ablegte um sich im September 1894 an der Universität Lund einzuschreiben um ein Lehrerstudium zu beginnen. Bereits im ersten Jahr in Lund erregte Ossiannilsson mit seinem Buch Förteckning på i svenska språket förekommande umbärliga främmande ord och uttryck Aufsehen, denn er forderte mit der Herausgabe dieses Buches eine Rückkehr zur reinen schwedischen Sprache ohne jedes Fremdwort.


Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1897 arbeitete Karl Gustav Ossiannilsson einige Jahre lang als Lehrer und Erzieher, begann aber nebenbei bereits kleinere Beiträge in den verschiedenen Zeitungen in Skåne zu veröffentlichen. 1901 entschied sich der Schriftsteller nicht nur dazu seinen Beruf aufzugeben um Schriftsteller zu werden, sondern verwandelte seinen Familiennamen auch in Ossian-Nilsson um einige Jahre später auch den Bindestrich wegzulassen.

Diese Entscheidung zum Schriststeller kam jedoch nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis davon, dass Karl Gustav Ossiannilsson  im Jahre 1900 einen bedeutenden Erfolg mit seiner ersten Gedichtsammlung Fem Dikter hatte und 1901 mit den beiden Lyrikwerken Masker und Hedningar, Werken, denen noch weit über 100 weitere Bücher folgen sollten, auch soviel verdiente, dass er davon leben konnte.

Sehr schnell spürte man bei den Schriften von Karl Gustav Ossiannilsson die Zeichen der sozialistischen Bewegung, auch wenn der Schriftsteller nicht bei den Ideen der Partei stehen blieb, sondern sich zum Anarchismus bekannte. Seine Gedichte zeigen dabei die Einflüsse der englischen Balladen, die in England Ende des 19. Jahrhunderts die Literatur veränderten, wobei er dabei auch dem allgemeinen Trend der Romantik folgt, die in Deutschland und Frankreich eine breite Leserschicht ansprachen.

Allerdings zeigen sich in der Persönlichkeit von Karl Gustav Ossiannilsson bereits um diese Widersprüche, denn er bewundert einige bedeutende Persönlichkeiten und zeigt sich extrem nationalistisch und nennt die Auswanderer jener Epoche Verräter, die dem Land schaden. Dies verhindert jedoch nicht, dass seine Werke vor allem von der Arbeiterschicht und den Auswanderern gelesen werden und Ossiannilsson ein Vorbild für Arbeiterdichter wie Erik Lindorm, Arnold Ljungdal oder auch Ture Nerman wird.

Unter dem Einfluss von August Strindbergs Svarta fanor schrieb Karl Gustav Ossiannilsson die bedeutendsten proletarischen Bücher, denn in seinen Romane spiegelt sich um diese Zeit deutlich der Klassenkampf, auch wenn der Schriftsteller immer wieder die Kritiker, insbesondere Bengt Lidforss, gegen sich einnimmt, da Ossiannilsson  nicht selbst aus der Arbeiterschicht kommt und daher bisweilen die Einflüsse seiner bourgeoisen Erziehung zu spüren sind, eine Kritik, die dem Schriftsteller immer mehr zu Herzen geht, jedoch bewirkt, dass er sich mehr und mehr vom Sozialismus abwendet.

Als Karl Gustav Ossiannilsson ab 1921, unter Alfred Hallberg, Mitarbeiter beim Familj-Journal wird, beginnt der Schriftsteller, außer Gedichten und Prosa für Arbeiter, auch immer häufiger historische Romane zu schreiben die eine Anknüpfung an die schwedische Geschichte haben und eine langsame Wandlung vom sozialistischen Gedanken zum rein nationalistischen einleiten.

Diese Änderung spürt man dann sehr deutlich ab 1928, als Karl Gustav Ossiannilsson bei einer Vortragsreise durch Schweden unter dem Titel I Mussolinis Italien seine Reise durch Italien schildert und sich von der nationalistischen Bewegung des Landes begeistert zeigt. Wenig später tritt der Schriftsteller auch dem schwedischen Nationella Ungdomsförbund bei und propagiert die Bewegungen unter Mussolini, Hitler und Franco. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bricht dann jedoch sein Weltbild zusammen und der Schriftsteller wird wieder zum Gegner des Nationalsozialismus, zieht sich jedoch, auch als Schriftsteller, ganz von der Politik zurück.

Karl Gustav Ossiannillson zeichnete sich während der 20er Jahre jedoch nicht nur als Literat aus, sondern will um diese Zeit auch englische und französische Literatur dem schwedischen Leser näher bringen. Seine erste bedeutende Übersetzung war die Clayhanger Trilogie von Arnold Bennett und wenig später auch Le Cid von Pierre Corneille, die jedoch beide bereits zeigen, dass sich der Schriftsteller von der Arbeiterbewegung vollkommen gelöst hat.

Bereits Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Karl Gustav Ossiannilsson an seinen Memoiren zu schreiben, die jedoch kaum als solche bezeichnet werden können, da er wenig von sich preis gibt, aber mit all seinen „Gegnern“ abrechnet und über all jene berichtet, die ihm auf dem Weg zum Erfolg geholfen haben. Da der Schriftsteller um diese Zeit jedes politische Engagement verloren hat, lassen jedoch nicht nur die Memoiren wieder den Lehrer Ossiannilsson durchdringen, sonder auch den Folgewerken fehlt jede Stärke.

Zahlreiche Gedichte von Karl Gustav Ossiannilsson wurden noch zu seiner Lebenszeit vertont und einige der Prosawerke dienten als Vorlage für Filme. Neben seinen rein literarischen Werken schrieb der Schriftsteller auch einige Filmmanuskripte, Stücke für das Theater und hunderte von Artikeln und Rezensionen in den verschiedensten Zeitschriften Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

18 februari 2013

Bertil Malmberg und die göttliche Lyrik

Bertil Malmberg wurde am 13. August 1889 als Sohn des Lektors Alexander Teodor Malmberg und dessen Frau Johanna (Hanna) Amalia Roman in Härnösand geboren und starb am 11. Februar 1958 auf Lidingö. Malmberg heiratete am 17. Januar 1918 in erster Ehe Gabriele (Gaby) Josephine Marie Bürger in München, wo er um diese Zeit lebte, 1937  heiratete er in Stockholm in zweiter Ehe Greta Elvira Fredrika Hellströmer, 1941 in dritter Ehe Tyra Görel Hanna Törngren und 1947 in vierter Ehe Carin Maria Svedberg.

Seine Kindheit verachte Bertil Malmberg in einem bürgerlichen Milieu in dem Literatur sehr hoch gehalten wurde, so dass der junge Malmberg sehr früh mit der klassischen Literatur vertraut war, insbesondere mit den Werken von Zacharias Topelius und Esaias Tegnér, die im Elternhaus besonders gewürdigt wurden. Da der Vater 1903 an die Pädagogische Hochschule nach Stockholm versetzt wurde, ging Malmberg dort zur Schule und machte 1907 am Gymnasium Norra Latin seine Hochschulreife.


Nach der Hochschulreife begann Bertil Malmberg ein Studium in Uppsala, verbrachte jedoch bereits den Sommer in Berlin und kehrte im Folgejahr nach Lund an die Universität zurück um die deutsche Sprache zu studieren. Auch dieses Studium brach er ein Jahr später ab um nach Berlin zu gehen, wo er Vilhelm Ekelund kennenlernte und sich begann intensiv mit Friedrich Wilhelm Nietzsche zu beschäftigen.

Bereits während seiner Studien in Uppsala begann Bertil Malmberg Lyrik zu schreiben und noch im gleichen Jahr erschien sein erster Gedichtband Bränder, wobei die Gedichte jedoch noch stark an die Werke von Charles Baudelaire, Sven Lidman und Oscar Levertin angelehnt waren und typische Werke der literarischen Dekadenz dieser Epoche repräsentieren. Die Weichen im Schaffen  Malmbergs wurden erst bei seinem Aufenthalt im Jahre 1910 in Berlin gestellt, wo er die französischen Kultur gegen die deutsche tauschte, was 1911 zu seinem Gedichtband Uppgörelse och löfte und ein Jahr später zu Dåd och dröm führte. Aus einem Lyriker der Dekadenz entwickelte sich in kurzer Zeit ein patriotischer und konservativer Schriftsteller, der die deutsche Kultur als die höchste Form betrachtete. Allerdings konnte Malmberg auch mit diesen beiden Bänden das Publikum und die Kritiker noch nicht erobern.

In den Folgejahren entwickelt sich Bertil Malmberg zu einem deutsch geprägten Romantiker, der den Lyriker als ausgewählte Person sieht, die über allen anderen Werten der der Gesellschaft steht. Lyrische Werke sind für den Verfasser, trotz des in jener Zeit herrschenden Ersten Weltkriegs, der Ausdruck des Edlen und der Schönheit. Diese deutschgeprägte Denkweise der Lyrik jener Epoche führt dazu, dass Malmberg sich 1917 entschließt ganz nach München zu ziehen. Er fühlt sich in Schweden unverstanden und hofft in Deutschland seine Träume erfüllt zu sehen.

Die nun folgenden Werke von Bertil Malmberg lehnen sich an jene von Friedrich Hölderlin, Rainer Maria Rilke, Götz George und andere Autoren an, ohne dass Malmberg jedoch seinen eigenen literarischen Weg verlässt, denn seine Gedichte sind nun von einer Weltuntergangsstimmung gefüllt und parallel dazu nehmen seine Alkoholexzesse zu. Das Ende des Ersten Weltkriegs war für Malmberg eine Katastrophe für ein so hochstehendes Land wie Deutschland, was auch dazu führt, dass er die Ideen Hitlers begrüßte und in diesem Politiker die Rückkehr der deutschen Ideale sah.

Als Bertil Malmberg 1928 nach Stockholm zurückkehrt, muss er erst im Hospital behandelt werden, da der Alkohol und Krankheiten ihre Spuren hinterlassen haben. Der Schriftsteller hat nun jedoch seine literarische Jugend verlassen, ohne jedoch die Überzeugung verloren zu haben, dass ein Schriftsteller, insbesondere ein Lyriker, eine besondere Stellung in der Gesellschaft einnimmt, eine Einstellung, die auch dazu führt, dass Malmberg als Narzisst betrachtet wird, der sich nur in den Vordergrund stellen will.

Die literarische Arbeit von Bertil Malmberg ab den 40er Jahren verliert dann jedoch eine klare Richtung, denn in seinem Gedichtband Flöjter ur ödsligheten mischt er jede Art von Gedichten und fügt selbst Liebesgedichte ein. Etwa gleichzeitig beginnt Malmberg auch als Dramatiker zu arbeiten, wobei er bei seinem Stück Excellensen, das 1942 erstmals aufgeführt wird, eine deutliche Haltung gegen die Okkupation und den Nazismus einnimmt, da Hitler keine seiner ursprünglichen Erwartungen zur Hervorhebung des edlen Menschen stützte.

Ende der 40er Jahre tritt Bertil Malmberg in seine letzte Schaffensphase ein in der er sich den schwedischen Modernisten der 40er Jahre nähert und er sich vom Reim entfernt und überwiegend zur freien Lyrik greift. Diese Ausdrucksform wird insbesondere bei seinen letzten beiden Gedichtbänden Lek med belysningar aus dem Jahre 1953 und bei Klaviatur, das zwei Jahr später erschient, sehr deutlich zu spüren.

Während dieser letzten Phase schreibt Bertil Malmberg auch seine Memoiren, die unter den Titeln Ett stycke väg und Ett författarliv erscheinen, jedoch mehr dazu dienen dem Leser seine Entwicklung und seine Entscheidungen zu präsentieren ohne unbedingt auf den Wahrheitsgehalt zu achten. Noch am Ende seines Lebens sieht sich der Autor über die Gesellschaft erhoben und sieht sich als nahezu göttlich an.

Bertil Malmberg, der 1953 in die Svenska Akademien gewählt wurde und dort, nach Gustaf Hellström, den Stuhl Nummer 18 besetzte, war zwar überwiegend Lyriker und bringt auch in diesem Bereich die höchsten Leistungen, aber bereits ab den 30er Jahren schrieb er auch in kulturellen Seiten von Zeitungen und Zeitschriften und verfasste Essays, die jedoch bereits während seines Lebens nur eine Nebenrolle bei seinem Schaffen spielten.

Copyright: Herbert Kårlin

7 februari 2013

Karl August Nicander, Aufstieg und Fall eines Poeten

Karl August Nicander wurde am 20. März 1799 als Sohn des Hilfsrektors John Nicander und dessen Frau Ulrica Sellström in Strängnäs geboren und starb am 7. Februar 1839 im Alter von 39 Jahren in Stockholm. Auch wenn von Nicander mehrere nähere Affären mit Frauen bekannt sind, so war der Poet nie verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte Karl August Nicander in einfachen Verhältnissen in Strängnäs, wobei er bereits im Gymnasium der gleichen Stadt Erik Sjöberg kennen lernte und sich zwischen den beiden eine enge Jugendfreundschaft entwickelte. Sjöberg brachte dem etwas jüngeren Nicander auch die deutsche Literatur nahe, die vor allem bei Nicanders lyrischen Werken einen gewissen Einfluss ausübte.


Am 18. März schrieb sich Karl August Nicander an der Universität Uppsala ein. Seine Studien beendete er 1824 mit eines Disputation. Anschließend arbeitete der Autor in der Verwaltung, wo er jedoch nur geringere Aufgaben anvertraut bekam, da er als wenig zuverlässig galt und nichts für eine Karriere tat, was sich allerdings auch daraus erklärt, dass sich Nicander sehr früh als Dichter sah und davon überzeugt war, dass er damit Anerkennung gewinnen würde und sich gut davon versorgen könne.

Seine literarische Laufbahn begann Karl August Nicander im Jahre 1820, als er gemeinsam mit Vitalis (Erik Sjöberg) Lyrik für den Kalender för damer schrieb und dort die Sparte Sånger af August einführte. Bereits diese Gedichte zeigten die Stärke des Autors, der die romantische Sprache, die zu dieser Zeit modern war, bis zur Perfektion beherrschte.

Noch im gleichen Jahr legte Karl August Nicander auch das Trauerspiel Runesvärdet och den siste riddaren in drei Akten vor, ein Stück, das die Christianisierung Schwedens beschreibt und als Leitmotiv die Vereinigung der nordischen Kraft mit dem festen christlichen Glauben verfolgt. Auch wenn die Hauptfigur des Stückes Ansgar war, so war die Handlung vollständig erfunden. Da Nicander auch nichts vom Aufbau eines Theaterstückes verstand, wirkt die Handlung flach und bleibt weit hinter seiner Stärke als Lyriker zurück.

Um als Poet sehr schnell bekannt zu werden, versuchte Karl August Nicander nicht nur mit dem Strom der modernen Lyrik zu schwimmen, sondern er widmete seine Werke oft bedeutenden Personen, damit von ihm gesprochen wird und es ließ keine Gelegenheit aus Esaias Tegnér zu loben, was ihm zwar den Zugang zu den erlesensten literarischen Kreisen ermöglichte, aber ihm dennoch nicht den erwünschten Erfolg brachte, da Nicander als Bohemien galt, der zudem gerne dem Alkohol zusprach. Diese Taktik brachte Nicander aber immerhin ein, dass Tegnér seine Runesvärdet als die beste Tragödie der 20er Jahre bezeichnete, nicht zuletzt deswegen, weil hier die religiöse Bewegung der Zeit als Sieger hervorgeht.

Aus der Karriere als Dramatiker wurde jedoch nichts, da Karl August Nicander 1822 in den Götiska förbundet gewählt wurde, im Poetisk kalender mitarbeitete und in Iduna sechzehn Gedichte veröffentlichte, die an die Runen und die Größe des schwedischen Reiches anknüpften, was gewissermaßen dazu führte, dass der Poet in die Gruppe der bedeutendsten Lyriker der Zeit aufstieg.

Für seine Werke wurde Karl August Nicander mehrmals mit Preisen der Svenska Akademien ausgezeichnet und 1826 erhielt er selbst den großen Preis der Akademie für sein Gedicht Tassos död, das wie einige der Werke von Per Daniel Amadeus Atterbom eine deutliche Italienschwärmerei ausdrückt. Es folgten mehrer Werke mit einer italienischen Anknüpfung und schließlich gelang es Nicander von der Svenska Akademien zu einer Reise in das geträumte Land unterstützt zu werden.

Der Lyriker Karl August Nicander verbrachte von 1827 bis 1829 in Italien, eine Zeit, in der er sehr aktiv war und mehrere Gedichte über die italienische Natur schrieb. Als Nicander 1829 zurück nach Schweden kommt, hat er sämtliche Ersparnisse und Einkünfte verbraucht und schreibt daher seine Reiseerinnerungen, wobei jedoch nur der erste Band noch während seines Lebens erscheint und der zweite dann posthum publiziert wird. Bei diesen Schilderungen fällt insbesondere auf, dass der Autor in jeder Naturschönheit ein Symbol Gottes sieht, ein Zeichen, dem man zu folgen hat, was wiederum in der Zeitströmung liegt.

Nach seiner Rückkehr aus Italien entsteht auch das bedeutendste Werk von Karl August Nicander, denn in Hesperider, einer Sammlung aus Gedichten, Sonetten und Novellen, bietet der Autor die volle Breite seiner literarischen Kunst und liefert ein einzigartiges Dokument zur schwedischen Italienromantik seiner Zeit. Seine Bücher über Italien wurden sowohl von den Lesern als auch der Kritik sehr gut angenommen, waren jedoch gleichzeitig die letzten großen Werke Nicanders, denn die lyrische Entwicklung der Zeit hatte ihn überholt ohne dass es der Lyriker bemerkt hatte. Die neuen Strömungen waren ihm fremd.

Ab 1834 beginnt Karl August Nicander mehr und mehr für sein Überleben zu schreiben und es entstehen einige Dramen, Geistergeschichten und Erklärungen zu Bildwerken. Der Dichter Nicander beginnt in Vergessenheit zu geraten und seine Pläne für eine akademische Karriere muss er ebenfalls begraben.

Heute nimmt Karl August Nicander nur noch eine Nebenrolle in der schwedischen Literaturgeschichte ein, da er in vielen Punkten nur als Mitläufer der literarischen Bewegung zwischen 1820 und 1840 betrachtet wird und nur wenige eigene Ideen in seinen Werken zu finden sind. Nicander schwamm zu sehr im Strom der Zeit und dem Einfluss anderer Autoren, so dass die Stärke seiner Worte und die religiöse Romantik, für die er ein deutlicher Vertreter ist, kaum bemerkt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

1 februari 2013

Bo Setterlind, das religiöse Erwachen in der Romantik

Bo Setterlind wurde am 24. August 1923 als Sohn des Zivilingenieurs Nils Andreas Alfred Setterlind und dessen Frau Evelina Augusta Konrdsson in Växjö geboren und starb am 24. Januar 1991 in Stockholm, liegt jedoch in Strängnäs begraben. Setterlin war erst kurze Zeit mit Inga Margareta Stenmarck verheiratet und ab 1956 mit Abigail Madelaine Josefme Grumme.

Zur Schule ging der Autor in einem sehr christlichen Haus aufgewachsene Bo Setterlind erst in Strängnäs, zog jedach nach Västrås, wo er im Jahre 1944 auch die Hochschulreife mache. Ab August 1946 schreibt sich Setterlind an der Universität Uppsala ein, die er 1950 mit Erfolg abschließt. Nach dem Studium kehrt der Dichter nach Strängnäs zurück, wo er anschließend sein gesamtes Leben verbrachte.


Die ersten lyrischen Versuche von Bo Setterlind findet man im literarischen Kalender Ny lyrik aus dem Jahre 1947, auch wenn man annehmen kann, dass Setterlind bereits vorher einige Gedichte geschrieben hatte. Nur ein Jahr später, also noch während seines Studiums, erschien dann sein erster Gedichtband Månvagga dem in den folgenden vier Jahren jeweils ein weiterer Band pro Jahr folgte.

Obwohl um diese Epoche bereits die Gedichte der 40er Jahre dominant waren und mit der Romantik abgeschlossen hatten, kehrte Bo Setterlind mit seinen Gedichten in die frühere Phase zurück und lehnte jeden Realismus in der Lyrik ab. Für Setterlin war die Natur, die Liebe, Volksweisen, Psalmen und eine romantische Dichtung im Vordergrund. In zahlreichen Artikeln jener Zeit greift er auch die modernen Dichter als Scharlatane und Besserwisser an, da Poesie nicht von sozialen Werten handeln kann. In dieser Meinung ist er in den 40er Jahren relativ einsam bei seinem Schaffen und zeigt, dass er die konservativste Linie der Poeten jener Tage einnimmt.

Als dann jedoch in den 50er Jahren romantische Gedichte wieder modernen wurden und Rainer Maria Rilke in Schweden neu entdeckt wurde, stieg auch der Stern von Bo Setterlind, der in diesem Jahrzehnt geradezu das Bild eines romantischen Dichters wurde, da er sich auch mit Schal und Hut als der ideale Poet zeigte, der mehr auf den Wolken geht als auf der Erde. In diesen zehn Jahren schuf Setterlind jedoch seine bedeutendsten lyrischen Werke, unter anderem Dikter från San Michele im Jahre 1954 und Jag har två själar im Jahre 1957. Mit dem letzt genannten Werk hatte der Dichter vermutlich die höchste Stufe als Lyriker erreicht.

In den Werken, die Bo Setterlind ab den 60er Jahren schreibt, dringt nicht nur seine konservative Denkweise immer mehr in den Vordergrund, sondern der „wahre Glaube“ nimmt einen immer größeren Platz ein, was sich auch darin auszeichnet, dass Setterlind begann an Psalmen zu arbeiten. Der Erfolg als religiöser Dichter lässt dabei nicht lange auf sich warten, denn im Psalmenbuch aus dem Jahre 1986 findet man nicht weniger als zehn Psalmen Setterlins und zusätzlich eine seiner Bearbeitungen.

Auch wenn Bo Setterlind durch seine Gedichte und Psalmen bekannt wurde, zwei literarische Gattungen, die er vollkommen beherrschte, so veröffentlichte der Schriftsteller im Jahre 1951 seinen ersten Liebesroman, den er Halleluja! nannte und eine Jahr später den Roman Alexandrine. Im Jahre 1962 schreibt er das autobiografische Werk Pojken som trodde på djävulen, das einen kurzen Einblick in sein Leben als Jugendlicher in Västerås und in Strängnäs geben. Die Prosabücher, die er später schreibt, sind dann mehr Reiseerinnerungen als Romane, in denen er vor allem seine Eindrücke aus den USA und Japan schildert.

Bo Setterlind, der Mitglied der schwedischen Freimaurer war, fühlte sich als der Verteidiger des idealen Gedichtes. Lyrik war für Setterlind die höchste Stufe, die ein Schriftsteller erreichen konnte, auch wenn er mit dieser Meinung der Zeit weit hinterher hinkte. Diese konservativ religiöse Einstellung des Autors war auch der Grund, warum man ihm in der schwedischen Literatur nur wenige Zeilen widmet und sein bekanntestes Gedicht nicht in Anthologien gedruckt wird, sondern bei Todesanzeigen, die mit seinem Satz Döden tänkte jag mig så endet, einer Aussage, die noch heute meist falsch interpretiert wird, weil der Begriff „“ für Setterlind eine eigene Bedeutung hatte und als „att så“ gelesen werden muss.

Copyright: Herbert Kårlin

23 januari 2013

Malla Silfverstolpe und der literarische Salon in Uppsala

Malla (Magdalena) Silfverstolpe, geborene Montgomery, wurde am 8. Februar 1782 als Tochter des Oberst Robert Montgomery und dessen Frau, der Freiherrin Catharina Charlotta Rudbeck, in Snappertuna in Finnland geboren und starb am 17. Januar 1861 in Uppsala. Sie war verheiratet mit Oberst David Gudmund Silfverstolpe.

Da die Mutter von Malla Silfverstolpe bereits zwei Monate nach der Geburt der Tochter starb, zug ihr Vater zurück nach Schweden und das Mädchen wurde vor allem von ihrer Großmutter erzogen, von Magdalena Rudbeck. Silfverstolpe wuchs daher auf dem Schloss Edsberg bei Sollentuna auf und erlebte von Beginn an das höfische Leben mit Privatunterricht und einem französisch geprägten, sehr aktivem gesellschaftlichem Leben.


Auch wenn Literatur und Kunst im Leben von Malla Silfverstolpe von Beginn an allgegenwärtig waren, zeigte sie in ihrer Jugend keine besonderen Interessen für die Schriftstellerei oder die Poesie. Sehr früh scharte sich jedoch eine Gruppe von Freiern um sie. Im Jahre 1807 heiratete sie daher David Gudmund Silfverstolpe, der nicht nur erheblich älter war, sondern auch in keiner Weise mit ihrem Charakter und ihren Interessen zu vereinbaren war. Entsprechend schlecht wurde auch die Ehe.

Und dennoch sollte gerade diese Ehe über die Zukunft von Malla Silfverstolpe entscheiden, denn als das Paar 1812 nach Uppsala zog, war Malla sehr schnell in den akademischen und literarischen Kreisen integriert und lernte, unter anderem, Per Daniel Amadeus Atterbom und Erik Gustaf Geijer kennen für die sie sich zur Vertrauten entwickelte. Silfverstolpe lernte in diesem Kreis die damals moderne schwedische Literatur schätzen. Als die Schriftstellerin dann 1816 auch noch den mehrmonatigen Besuch der deutschen Schriftstellerin Amalia von Helvig bekam, öffnete sich für Silfverstolpe die gesamte Welt der literarischen Romantik.

Als im Jahre 1819 der Ehemann von Malla Silfverstolpe stirbt, beginnt sie ein Leben nach ihrem Geschmack zu führen und schon ein Jahr später schreibt sie an all ihre literarischen und musikalischen Freunde, dass sie jeden Freitag Abend empfängt und sich über jeden Gast freuen würde. Mit dieser Einladung beginnt der bedeutendste literarische Salon Schwedens, der bis heute die schriftstellerische Leistungen Silfverstolpes überdeckt.

Diese Abende bei Malla Silfverstolpe begannen mit einem Essen mit vier Gängen und gingen dann in das Vorlesen aus neuen Werken und Manuskripten über. Eine Mischung aus bekannten Autoren und Studenten, die sich für die Literatur geschaffen fühlten, diskutierten ab 1820 vollkommen frei über die die einzelnen Werke, aber auch über Musik, das Tagesgeschehen und die aktuelle Politik. Ein Teil dieser Abende war auch der Musik gewidmet, da sich einige Komponisten im Kreise Silfverstolpes fanden. Begabte Studenten konnten auch mit einer finanziellen Unterstützung der Gastgeberin rechnen.

Auch wenn man aus den verschiedensten Aufzeichnungen jener Epoche weiß, dass auch Malla Silfverstolpe an den Salon-Abenden aus ihren Werken vorlas, so veröffentlichte sie diese Prosa oder Lyrik nicht, sondern las nur daraus vor. Die erste Novelle, die von der Schriftstellerin überliefert wurde, ist Månne det går an?, eine Art Kampfschrift gegen das Werk Det går an von Carl Jonas Love Almqvist aus dem deutlich den konservative Einstellung der Autorin hervorgeht, die sich der Befreiung der Frau vollständig widersetzt.

Dies zeigt sich auch im Verhältnis zwischen Malla Silfverstolpe, die eine enge Bekanntschaft mit Fredrika Bremer pflegte und die Werke dieser Frauenrechtlerin hoch einschätzte, ohne jedoch ihre Meinung zur Frauenbewegung zu teilen, denn nach Silfverstolpe hatten die Frauen bereits die Freiheit, die sie benötigten, wenn sie sich trauten diese auch zu nutzen.

Dieser Freundschaft zwischen Malla Silfverstolpe und Fredrika Bremer verdanken wir jedoch, die mehrbändigen Memoiren von Silverstolpe, denn Bremer ermunterte Malla zu dieser Arbeit, die vor allem in den 30er und 40er Jahren entsteht. Allerdings wurde die Autorin mit diesem sehr umfangreichen Werk nie ganz fertig, so dass es erst posthum zwischen 1908 und 1911 erschien, textlich nicht überarbeitet wurde und unvollständig ist.

Malla Silverstolpe hatte seit ihrer Jugend Tagebuch geführt und dabei nicht nur über ihre Gefühle geschrieben, sondern die Umgebung, die Menschen und die damalige Denkweise geschildert. Diese Tagebücher waren sicher die Grundlage für ihre Memoiren. Auch wenn man über den literarischen Wert dieses Werkes diskutieren kann, so bildet es mit Sicherheit ein Zeitdokument ohnegleichen, da man an Hand dieser Memoiren einen Zugang zu nahezu allen bedeutenden Schriftstellern jener Zeit gewinnt und das Leben auf Schloss Edsberg nachvollziehen kann. Man darf dabei nicht vergessen, dass nicht nur Atterbom, Geijer oder Almqvist bei ihr verkehrten, sondern auch Esaias Tegnér, Johan Olof Wallin, Adolf Törneros, Anders Fredrik Skjöldbrand, Per Ulrik Kernell, Adolf Fredrik Lindblad und zahlreiche andere Persönlichkeiten.

Copyright: Herbert Kårlin

13 januari 2013

Erik Sjöberg und der Kampf gegen die literarischen Schulen

Erik Sjöberg wurde am 14. Januar 1794 als Sohn des Zimmermanns Eric Sjöberg und dessen Frau Beata Sara Broling in Ludgo im Södermanland geboren und starb am 4. März 1828 im Alter von 34 Jahren in Stockholm an Tuberkulose. Sjöberg war nie verheiratet und es werden ihm auch keine Liebschaften nachgesagt.

Der Dichter Erik Sjöberg, der unter dem Pseudonym Vitalis berkannt wurde, wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf und hatte auch eine schwierige Situation im Ort, da er geboren wurde bevor seine Eltern die Ehe eingingen. Sjöberg besuchte die Grundschule in Trosa, wo den Priestern des Ortes seine Begabung auffiel. Mit Unterstützung von Gönnern des Dorfes und der Unterstützung von Verwandten konnte er daher das Gymnasium in Strängnäs besuchen, dort die Hochschulreife machen und ab 1814 an der Universität Uppsala studieren. Da Sjöberg jedoch bereits 1915 an Tuberkulose erkrankte, musste er seine Studien mehrmals unterbrechen, eine Zeit in Sanatorien verbringen, und konnte seine Philosophiestudien erst 1824 abschließen.


Die literarischen Interessen von Erik Sjöberg gehen nachweislich bis zu seiner Zeit im Gymnasium zurück, wo er erste Gedichte schrieb und diese mit seinem Freund Karl August Nicander diskutierte. Diese Freundschaft setzte sich bis 1919 fort, als die unterschiedliche Einstellung zur Förderung der Dichtkunst die beiden entfernte. Während die erstern Gedichte Sjöbergs noch von den Arbeiten Johan Henric Kellgrens und Carl Gustaf von Leopolds beeinflusst waren, ging er ab 1817 mehr zum Romantizismus über und man spürt sehr deutlich die Einflüsse von Per Daniel Amadeus Atterbom, aber auch jene von Esaias Tegnér und von Erik Gustaf Geijer, ohne dass sich Sjöberg jedoch einer der literarischen Richtungen dieser Autoren wirklich anschließen wollte.

Die ersten Gedichte Erik Sjöbergs erschienen, neben jenen von Karl August Nicander, im Jahre 1819 in der zweiten Ausgabe des Kalender för damer. In dieser Zeit zeigt sich bereits ein Charakterzug Sjöbergs, der ihm die restlichen acht Jahre seines Lebens erschweren sollte und nur zu relativ wenigen Veröffentlichungen führte, denn der Dichter wollte nicht unterstützt werden und lehnte, trotz enormer finanzieller Probleme, nahezu jeden Gönner ab und will damit ausdrücken, dass Dichtkunst nicht zu kaufen ist. Er ist damit einer der sehr wenigen Schriftsteller jener Epoche, die nicht durch Beziehungen und Gönner Zugang zur literarisch anerkannten Welt suchen. 

Ein weiteres Problem von Erik Sjöberg war, dass er das lyrische freie Schaffen als Ideal sah, das aus ihm selbst wachsen musste. Dies führte auch dazu, dass er sich keiner der literarischen Richtungen jener Zeit anpassen wollte, was erst zu polemischen Auseinandersetzungen mit anderen Autoren der Zeit führte, später aber auch in persönliche Angriffen ausuferte, da Sjöberg völlig offen einige der in seinen Augen korrupten Dichter angriff, die ihre Werke immer der Strömung anpassten um Erfolg zu haben. Dies führte auch dazu, dass sich letztendlich Atterbom und vor allem Geijer immer mehr von ihm abwandten, aber auch die weitere Freundschaft mit Nicander verhindert wurde.

Nach seinem Beginn im Kalender för damer folgte 1820 ein kleiner Gedichtband unter dem Titel Senare Dikter, weitere Gedichte im Kalender för damer, Veröffentlichungen in Per Götreks Zeitschrift Brage und 1825 erschien mit Nyare dikter das letzte Buch von Erik Sjöberg, das noch zu Lebenszeiten erschien, denn Samlade dikter erschien erst 1828 posthum und beinhaltet einige der bedeutendsten Werke des Autors. Da sich Sjöberg nach seiner Disputation im Jahre 1824 nicht von seinen Übersetzungen und den eigenen Werken ernähren konnte, anderseits weder als Lehrer einer Schule noch als Dozent an der Universität unterkam, war er gezwungen als Privatlehrer in reichen Häusern Stockholms zu unterrichten, eine Arbeit, die er nur aus finanziellem Zwang annahm, denn sein Ziel war als Schriftsteller und Übersetzer zu arbeiten.

Die Gedichte Erik Sjöbergs gehen in zwei Richtungen, wobei er in seiner ersten Phase der Linie Atterboms und Tegnérs folgte und mit einem metaphysischen Stil spielte und erst in der zweiten, teilweise bereits parallelen Phase seine Persönlichkeit zeigt. Die komisch satirischen Gedichte, die der Poet letztendlich bietet, sind einzigartig in jener Epoche und zeigen die wahre Stärke des Dichters. In seinem Gedicht Julkalaset bietet er eine satirische Lyrik, die oft mit jener von Anna Maria Lenngren verglichen wird, jedoch einen bedeutenden Unterschied aufweist, da Sjögren das Gedicht personifiziert und in der ersten Person schreibt.

Da sich Erik Sjöberg während seines Leben isolierte und sich mit anderen Literaten der Zeit eher zerstritt als ihre Freundschaft zu suchen, wurde seine Leistung als Lyriker erst nach seinem Tode wirklich in seinem wahren Wert erfasst, denn in der Tat war er einer der größten Melancholiker der romantischen Poesie des 19. Jahrhunderts, auch wenn seine Werke gegen Ende seines Lebens einen immer christlicheren Einschlag annahmen, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass der Dichter wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte.

Heute betrachtet man Sjöberg als einen der wenigen puren Dichter seiner Zeit, der eher auf ein gutes Einkommen verzichtete als das klassische Ideal eines Dichters zu verraten. Unter den moderneren Dichtern, die in gewisser Weise von Sjöberg beeinflusst wurden, kann man Johannes Edfelt oder Gunnar D. Hansson nennen.

Copyright: Herbert Kårlin