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24 april 2013

Samuel Columbus und das biblische Epos Schwedens

Samuel Columbus wurde am 24. April 1642 als Sohn des Priesters Jonas Columbus und dessen Frau Elisabet Tomasdotter Barchia im Pfarrhof in Dala-Husby in Dalarna geboren und starb am 8. Juli 1679  in Stockholm. Der Schriftsteller war, im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Wissenschaftler und Poeten Johan Columbus, nie verheiratet.

Da Samuel Columbus erst 1656 in der Schule in Västerås eingeschrieben wurde und dort zwei Jahre später auch das Gymnasium besuchte, ist anzunehmen, dass der Junge erst zu Hause von Privatlehrern oder seinem Vater unterrichtet wurde. Bereits im März 1659 schrieb sich Columbus an der Universität Uppsala ein und sieben Jahre später begann er als Hauslehrer zu arbeiten.

Samuel Columbus, Samlade Dikter, Svenska Vitterhetssamfundet, 1994

In Uppsala studierte Samuel Columbus insbesondere klassische und orientalische Sprachen sowie Poesie und verkehrte dadurch im sogenannten Herdekretsen, einem Verband literaturinteressierter Studenten, dem auch Urban Hjärne, Anders Leijonstedt und Jakob Gyllenborg angehörten. In dieser Zeit schrieb Columbus bereits Gedichte in Latein und Griechisch, aber vermutlich auch einige wenige in schwedischer Sprache. Zusätzlich ist überliefert, dass er an Urban Hjärnes Schauspiel Rosimunda teilnahm.

Als Samuel Columbus von 1667 bis 1670 in Stockholm beschäftigt war, lernte er Georg Stiernhielm kennen und wurde sein literarischer Lehrjunge und Privatsekretär. In diesem Zusammenhang bearbeitete er im Jahre 1669 auch Stiernhielms Gedicht Hercules und schuf das Ballett Spel om Herculis wägewal. Als Columbus ab 1671 Hauslehrer für die Kinder von Jacob Momma-Reenstierna war, besuchte der Skalde mit seinen Schülern längere Zeit Deutschland, England, Holland und Frankreich. Bei seinem Aufenthalt in Paris beschäftigte er sich mit der französischen Litteratur und begann Pierre Corneille und Molière (Jean-Baptiste Poquelin) zu übersetzen.

Auch wenn Samuel Columbus bisweilen schwedische Lyrik schrieb, so wurden aus der Zeit zwischen 1661 und 1666 nur lateinische, griechische und eine hebräisches Gedicht überliefert, die zudem sehr deutlich von den klassischen Dichtern beeinflusst waren und nicht von einer hohen Dichtkunst sprechen. Möglicherweise gingen jedoch die bedeutender Werke verloren, da Petrus Lagerlöf schreibt, dass Columbus auf dem Wege war alle literarischen Preise der Zeit zu gewinnen und nur der frühe Tod ihn davon abhielt.

Als die ersten schwedischen Gedichte von Samuel Columbus auftauchen, hatte er bereits einen engeren Kontakt zu Stiernhielm, der ihn sicher von der Bedeutung schwedischsprachiger Dichtung überzeugte, denn noch bevor Columbus zur Muttersprache griff, versuchte er sich auch an deutscher und französischer Lyrik, auch wenn er diese beiden Sprachen noch nicht mit ihren Feinheiten beherrschte.

Die Motive für seine Poesie holte Samuel Columbus aus der Welt der Antike, der Geschichte, der Natur und später vor allem aus der Bibel, die für den sehr religiös erzogenen Autor immer eine wichtige Rolle spielte. Sehr deutlich drückt sich diese im Epos Den bibliske werlden aus, dem ersten religiösen Epos der schwedischen Literaturgeschichte und die Krönung der religiösen Literatur, die um diese Epoche sehr verbreitet war.

Literaturwissenschaftler nehmen an, dass Samuel Columbus bei der Idee ein religiösen Epos zu schreiben, dem Vorbild des französischen Hugenottendichters Du Bartas folgte, der diese Art des Epos mit La premiére sepmaine ins Leben gerufen hatte, denn die Bearbeitung des Epos von der Schaffensgeschichte bis zum Sündenfall zeigen verblüffende Parallelen, wenn man von der Sprache absieht.

Den Auftrag als Privatlehrer verlor Samuel Columbus während er mit seinen Schülern in Frankreich war, da deren Vater seiner Schüler starb und sie dadurch zurück in die Heimat mussten. Da Columbus dadurch auch in finanzielle Schwierigkeiten geriet, suchte er bereits von der Entfernung aus eine Arbeitsstelle an der Universität Uppsala, was sich jedoch als sehr schwierig erwies, da er während seiner Studienzeit an einem Aufstand gegen die Universität beteiligt war und deswegen eine Zeit im Gefängnis verbracht hatte.

Die Rückreise von Samuel Columbus dauert insgesamt drei Monate, da er mit einer Krankheit zu kämpfen hatte. Um seinen Ruf in Uppsala wieder herzustellen begann der Skalde nach seiner Rückkehr ein Epos zum dänischen Krieg von Karl XI. zu schreiben, das jedoch nur als Fragment erhalten ist, da der Dichter vor der Vollendung des Werkes mit nur 37 Jahren starb.

Durch den frühen Tod, seine Krankheiten und auch den Geldmangel, der ihn immer wieder zu einer regelmässigen Arbeit zwang, hinterließ Samuel Columbus nur ein beschränktes literarisches Erbe, das vermutlich ohne sein biblisches Epos und seine letzten Gedichte, von denen einige auch als Psalmen bis heute erhalten blieben, heute vergessen wäre, da weder das vielversprechende letzte Epos entstand noch der Dichter dazu kam seine Hauptwerke zu beginnen.

Copyright: Herbert Kårlin

4 mars 2013

Hans Magnus Melin und die moderne Bibel Schwedens

Hans Magnus Melin wurde am 14. September 1805 als Sohn des Quartiermeisters Johan Ulrik Melin und dessen Frau Brita Catharina Seeberg in Vemmerlöf bei Kristianstad geboren und starb am 17. November 1877 in Lund. Melin war in erster Ehe mit Helena Jacobina (Bina) Hellstenius, in zweiter Ehe mit Anna Helena Bååth und in dritter Ehe mit Severina Carolina Bååth verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Hans Magnus Melin ist nicht sehr viel bekannt, außer dass die Ehe der Eltern scheiterte als der Junge sieben Jahre alt war und mit seiner Mutter nach Ystad zog und in der Schule ein großes Interesse für die klassischen Sprachen zeigte. Während seines Studiums an der Universität Lund ab 1822 begann sich Melin zusätzlich für Naturwissenschaften zu interessieren, was ihn sein Leben lang nicht mehr verließ.


Schwedisches Reichsarchiv

Nach seiner Promotion im Jahre 1829 begann Hans Magnus Melin als Dozent der griechischen Sprache in Lund zu arbeiten, eine Arbeit, der sich 1834 in eine Dozentur in Exegetik anschloss. Ab dieser Zeit neigten sich die Interessen von Melin immer mehr der Theologie zu, wobei er jedoch seine Hauptaufgabe darin sah die Verbindung zwischen Theologie und Naturwissenschaft zu beweisen, die in seinen Augen eine Einheit ausmachten und sich in keinem Punkt widersprachen.

In ganz Schweden bekannt wurde Hans Magnus Melin als er im Jahre 1841 seine Vorlesungsreihe begann, die sich ausschließlich gegen den deutschen Theologen und Philosophen David Friedrich Strauss richtete, der kurz zuvor das Buch „Das Leben Jesu“ (Jesu leverne) herausgebracht hatte und dabei Naturwissenschaft als Gegensatz zur Theologie beschrieben hatte und dabei das von Georg Wilhelm Friedrich Hegel bezeichnete Mythos als Basis genommen hatte.

Diese Auseinandersetzung mit Strauss führte dazu, dass Hans Magnus Melin zur Einsicht kam, dass eine neu übersetzte Bibel mit Kommentaren und wissenschaftlichen Querverweisen nötig war, damit die Religion in seiner wahren Meinung verstanden werden kann. Unter all den theologischen Werken, die Melin veröffentlichte, sollte diese Bibel, an der er von 1856 bis 1864 arbeitete, das wichtigste Werk werden, das noch heute die Denkweise des protestantischen Glaubens in Schweden beeinflusst und von Peter Wieselgren als das wichtigste Bibelwerk des 19. Jahrhunderts betrachtet wurde.

Diese Bibel verbreitete sich sehr schnell über ganz Schweden und wurde von Priestern als Leitfaden betrachtet und ging als Beilage des Svensk Familje-Journalen an die Bevölkerung, wobei bei dieser Auflage erstmals in Schweden auch die Zeichnungen von Gustave Doré zu finden waren und die Vorlage für eine Prachtbibel wurde, die 1889 in den USA erschien. Das Werk war indes nicht nur als Bibel zu betrachten, sondern entwickelte sich zur Grundlage der Bibelforschung in Schweden, da die Anmerkungen eines theologischen Naturwissenschaftlers eine zeitliche Einordnung der Geschehnisse erlaubte und die Bibel als solches zu einem glaubwürdigen Werk machte.

Der Erfolg seiner Bibel überschattete alle seine anderen Arbeiten und Predigten, inklusive seinen vierbändigen Vorlesungen Föreläsningar övfer Jesu lefverne, die zwischen 1842 und 1851 erschienen waren. Seine verschiedenen Arbeiten führten jedoch auch dazu, dass Hans Magnus Melin, nach Esaias Tegnér, der gelehrteste Mann der Universität Lund war.

Auf Grund seiner Leistungen wurde Hans Magnus Melin 1866 in die Königliche Vetenskapsakademien gewählt und im gleichen Jahr auch in die Svenska Akademien, wo er nach Johan Börjesson auf dem Stuhl Nummer 3 Platz nahm.

Hans Magnus Melin war sein Leben lang eine Person der Wissenschaft, der sich am Schreibtisch am wohlsten fühlte, jedoch relativ wenige Werke veröffentlichte, da er, in den Augen seiner Zeit, nichts überhastet veröffentlichen wollte, sondern jede Aussage einer Prüfung unterzog, was ihm auch den Ruf eines seriösen Wissenschaftlers brachte und seinen Werken, selbst den veröffentlichten Predigten, einen bedeutenden Einfluss verlieh, der alle Autoren religiöser Texte nach ihm beeinflusste.

Der Theologe Hans Magnus Melin hinterließ sein Gebäude in Form einer Stiftung armen Frauen, die ihre Ehre verloren hatten und das nach ihm benannt wurde. Die Stiftung hat seit Jahrzehnten keine Aktivitäten mehr verzeichnet und das Gebäude ging in Privatbesitz über.

Copyright: Herbert Kårlin