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4 maj 2013

Julia Nyberg und die philanthropischen Balladen des 19. Jahrhunderts

Julia Nyberg, geborene Svärdström, wurde am 17. November 1785 als Tochter des Grubeninspekteurs Per Svärdström und dessen Frau Beata Elisabet Almgren in Skultuna im Västmanland geboren und starb am 18. April 1854 ebenfalls in Skultuna. Nyberg war in erster Ehe mit dem Händler Henrik Johan Asping verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Grubeninspekteur Anders Wilhelm Nyberg.

Bis zum 13. Lebensjahr wuchs Julia Nyberg, die oft auch mit dem Vornamen Juliana zu finden ist, in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Da jedoch beide Elternteile früh starben, übernahm ab 1798 der Besitzer der Grube, Carl Jakob Adlerwald, die Vormundschaft, was insbesondere dazu führte, dass Nyberg nur wenige Jahre später in der Mädchenschule Dariés in Stockholm eine ausgezeichnete Ausbildung erhielt und dort auch flüssig Französisch lernte.

Julia Nyberg, Samlade dikter 1-3, Örebro 1831

Ab 1803 arbeitete Julia Nyberg wegen ihrer ausgezeichneten Kenntnisse bereits als Privatlehrerin und 1809 heiratete sie ihren ersten Mann, Henrik Johan Asping. Die Ehe war unglücklich und hielt nur einige Jahre. Nach Nybergs Aufzeichnungen war ihr erster Mann grob und ungebildet. Nyberg floh daher in die schöngeistige Literatur und las insbesondere die Werke von Madame de Staél und von Jean-Jacques Rousseau. Unter den schwedischen Dichtern begeisterte sich die spätere Dichterin vor allem für Bengt Lidner, Johan Henric Kellgren und Frans Michael Franzén. Bereits während dieser Ehe, die 1820 endete, schrieb Nyberg ihre ersten Gedichte.

Wann Julia Nyberg die Lyrik von Per Daniel Amadeus Atterbom kennenlernte, ist nicht bekannt, auch wenn dieser große Dichter dieser Epoche einen bedeutenden Einfluss auf ihre Zukunft als Lyrikerin hatte. Spätestens 1817 schickte Nyberg jedenfalls einige ihrer Gedichte an Atterbom, der vom einfachen Naturalismus, den ihre ersten Werke ausstrahlten begeistert war und einige der Gedichte im Poetisk Kalender 1817 veröffentlichte und ihr dabei das Pseudonym Euphrosyne gab, den die Lyrikerin auch für alle ihre zukünftigen Werke benutzte.

Letztendlich war es auch Atterbom, der Julia Nybergs Mentor wurde und ihr sowohl im literarischen als auch bei privaten Problemen jeder Art Rat und Hilfe bot. Der Schriftsteller riet ihr auch sich von ihrem Mann zu trennen, da dieser nicht das Recht habe sie von der Außenwelt abzuschirmen und ihr ihr Vergnügen zu nehmen, das Schreiben. Die Gelegenheit zur Scheidung kam bereits  wenige Jahre später, da ihr Mann in Konkurs ging und dies eine der wenigen Möglichkeiten für eine Frau war sich scheiden zu lassen und daher die Ehre zu behalten.

Während jedoch Asping durch den Konkurs in die Armut getrieben wurde, bedeutete dies, dass das Freundschaftsverhältnis, das Julia Nyberg bereits seit einiger Zeit zu ihrem zweiten Mann hatte, zur Ehe führte. Anders Wilhelm Nyberg hatte die gleichen Interessen wie die Dichterin und unterstützte seine Frau in jeder Weise bei ihrer literarischen Arbeit.

Während der ersten größeren Schaffungsphase waren die Gedichte von Julia Nyberg vor allem Themen aus der Natur bei der jede Blume und jeder Vogel zu einem Symbol wird, was es nicht immer einfach macht den Gedanken der Dichterin zu folgen. Einige dieser Gedichte zeigen auch den Einfluss, den Atterbom auf Nyberg ausübte, ohne dass die Lyrikerin jedoch den Sil Atterboms kopieren würde.

Parallel zu diesen Gedichten schrieb Julia Nyberg die zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebten philanthropischen Balladen unter denen Tvillingarna und Tiggargossen am bekanntesten wurden. Nyberg zeichnet hier das Bild der Armut und will mit dem Gefühl, das sie beim Leser der Balladen weckt Mitgefühl hervorrufen und damit dazu auffordern die Armen zu unterstützen, eine Bewegung, die nicht bei allen Wohlhabenden der Zeit und den entsprechenden Literaturkritikern gut ankam.

Als Julia Nyberg dann im Jahre 1842 ihren dritten Gedichtband Nya Dikter veröffentlicht, hatte sie eine bedeutende Wandlung erlebt und ging vom Naturalismus zum Realismus über. Ihre Themen holt die Lyrikerin nun überwiegend aus alten Sagen und Legenden, sowie aus dem Leben des Mittelalters. Der Einfluss Atterboms ist nun vollkommen verschwunden und Nyberg legte mit diesem Band eine Arbeit vor, die in ihr persönlich gewachsen ist. Bereits einige Jahre vorher hatte die Dichterin auch begonnen ihre Werke im Opoetisk calender för poetisk folk und im poetischen Kalender Sylfiden zu veröffentlichen, literarischen Zeitschriften, die vor allem mit Lorenzo Hammarsköld und Carl Fredric Dahlgren in Verbindung gebracht werden.

Zahlreiche Gedichte von Julia Nyberg wurden vertont und einige davon findet man noch heute in den Liedersammlungen Schwedens, auch wenn ihr Name als Dichterin kaum noch genannt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

28 mars 2013

Carl Rupert Nyblom, von der Romantik zum Realismus

Carl Rupert Nyblom wurde am 29. März 1832 als Sohn des Schneiders und Ratsmanns Anders Nyblom und dessen Frau Anna Johanna Lundin in Stockholm geboren und starb am 30. Mai 1907 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Nyblom war ab 1864 mit der in Dänemark geborenen Schriftstellerin Helene Augusta Roed verheiratet.

Bereits als Schüler zeichnete sich Carl Rupert Nyblom dadurch aus, dass er lateinische Gedichte schrieb, wofür er auch mehrere Preise erhielt. Seine Schulbildung erhielt der Skalde in der Kathedralschule in Uppsala, seine Umgangsform vor allem durch seine Tätigkeit als Nachhilfelehrer bei der Familie Westerstrand. Auch wenn man wenig über die Kindheit und die Jugend des Schriftstellers weiß, so ist sicher, dass er in einem wohlhabenden bürgerlichen Milieu aufwuchs wo sehr früh mit Literatur und Musik konfrontiert wurde. Auch wenn Nyblom seine ersten ersten Gedichte im „edlen“ Latein verfasste, so interessierte er sich frühzeitig für die moderne Literatur des Nordens jener Zeit und für moderne Sprachen.


Nach seiner Hochschulreife im Jahre 1850 studierte Carl Rupert Nyblom Ästhetik, Deutsch und Schwedisch an der Universität Uppsala. 1862 wurde er an der gleichen Universität Dozent für Ästhetik, wobei er in den ersten Jahren als Dozent auch einige kunsthistorische Studienreisen nach Deutschland, Frankreich und Italien unternahm.

Die literarischen Interessen von Carl Rupert Nyblom, die bereits in der Schule festgestellt wurden, zeigten noch während seiner Studienzeit in Uppsala ihre Früchte, denn 1853 errang er mit seinem Gedicht Arion einen Preis der Svenska Akademien, was jedoch auch damit zusammenhing, dass sich Nyblom bei seinen Gedichten an die konservative Dichtkunst hielt und moderne Tendenzen in der Lyrik vermied.

Diese konservative Einstellung zur Dichtkunst Mitte des 19. Jahrhunderts muss man auch in Zusammenhang mit seinen Lehrern an der Universität in Uppsala sehen, denn die Humanisten Christopher Jacob Boström und Bernhard Elis Malmström hatten sich zwar von den rigiden Strömungen der akademischen Welt abgewandt, waren jedoch beide nationalistisch eingestellt und setzten den Skandinavismus über die moderneren Strömungen anderer Länder. In diesem Zusammenhang kann auch verstehen, dass sich Nyström ebenfalls dem rationellen Idealismus Schwedens anschloss.

Nach einigen kunsthistorischen Büchern Carl Rupert Nybloms zu Beginn der 60er Jahre, die die Folge seiner Reisen nach Frankreich und Italien waren, gründete der Schriftsteller 1865 die Svensk litteraturtidskrift, die ein Bindeglied zwischen akademischer Literaturgeschichte und an Literatur interessierten Laien sein sollte und vor allem den Realismus in der Lyrik verteidigte und damit gegen die vorherigen romantischen Strömungen einwirkte, da Nyblom der Meinung war, dass die Kunst durch eine realistische Beschreibung mehr in den Vordergrund dringt als eine träumerische romantische Darstellung, die immer subjektiv sein muss. Vermutlich war diese Aktivität auch mit einer der Gründe, warum Nyblom 1867 eine Professur in Literaturgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität in Uppsala erhielt.

Während Carl Rupert Nyblom kunsthistorische Forschungen anstellte und in diesem Rahmen auch bedeutende Studien veröffentlichte, versuchte er nie literaturhistorische Forschungen zu betreiben, sondern begnügte sich damit seinen Schülern wie Oscar Levertin oder Karl Warburg dazu zu verhelfen neue Wege in der Literatur zu finden und sich dem realistischen Naturalismus zu nähern, der vor allem Ende des 19. Jahrhunderts seinen wahren Durchbruch hatte.

Carl Rupert Nyblom nimmt daher in der Literaturgeschichte Schwedens eine sehr wichtige Stellung ein, da er den Umbruch von der Romantik zum Realismus einleitete, auch wenn Nyblom, auf Grund seines konservativen Gedankenguts, die schwedische Literatur noch in einem geschlossenen Rahmen betrachtete und die parallele Entwicklung der deutschen, englischen und französischen Literatur kaum beachtete, im Gegensatz zu seinen Schülern. Bereits die dänische Literatur jener Epoche war Nyblom zu fortschrittlich und er hatte Schwierigkeiten sie mit den gleichen Augen zu betrachten wie die schwedische Literatur.

Carl Rupert Nyblom verschloss sich jedoch nicht ganz der Literatur anderer Länder und leistete einen bedeutenden Beitrag bei der Übertragung angelsächsischer Literatur ins Schwedische. Allerdings griff er dabei nicht zu zeitgenössischen Autoren, sondern zu den Sonettes von William Shakespeare, der in den Augen Nybloms ein literarisches Genie war, und zu den Melodien von Thomas Moore, die um diese Zeit in Schweden noch unbekannt waren.

Mit der Herausgabe der Svensk litteraturtidskrift und der Ehe mit Helene Augusta Roed entwickelte sich das Heim des Ehepaares zu einem literarischen Salon Uppsalas wo sich nahezu alle bedeutenden Künstler und Schriftsteller jener Epoche trafen, was Carl Rupert Nyblom eine wichtige Rolle in der Entwicklung der schwedische Literatur gab, die nur selten hervorgehoben wird.

Carl Rupert Nyblom wurde 1866 in die Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället in Göteborg gewählt, nahm 1879, nach Elias Fries, den Stuhl Nummer 14 des Svenska Akademien ein, wurde 1884 in die Kungliga Musikaliska Akademien gewählt und war von 1900 bis 1907 Mitglied des Nobelkomitees.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg