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18 april 2013

Thomas Thorild, der revolutionäre Schriftsteller des 18. Jahrhunderts

Thomas Thorild wurde am 18. April 1759 als Sohn des juristischen Beamten Jöns Olsson und dessen Frau Börta Thomasdotter in Sverteborg im westschwedischen Bohuslän geboren und starb am 1. Oktober 1808 im deutschen Greifswald, nachdem er erst in Schweden und anschließend auch in Dänemark des Landes verwiesen worden war.

Da die Eltern von Thomas Thorild bereits 1761 starben, verbrachte Thorild seine Kindheit erst bei den Großeltern mütterlicherseits und anschließend bei seinem älteren Bruder in Kungälv. In der Schule in Kungälv zeigte Thorild eine so hohe Begabung, dass der Rektor auf ihn aufmerksam wurde, der wiederum der Bruder eines Direktors der Göteborger Ostindiengesellschaft war. Dieser nahm sich des begabten Schülers an und wurde über Jahre hinweg sein Gönner.

Thomas Thorild, Att följa ögonblicken, Bokförlaget Atlantis, Svenska klassiker der Svenska Akademien

Bereits im Gymnasium in Göteborg hatte die hohe Begabung von Thomas Thorild allerdings bereits auch den Nachteil, dass sich der Schüler für ein Genie hielt, eine Eigenschaft, die er sein Leben lang behalten sollte und dazu führte, dass Thorild immer glaubte anderen im Denken einen Schritt im Voraus zu sein und immer recht zu haben.

Im Jahre 1775 begann Thomas Thorild sein Studium an der Universität Lund, das er jedoch bereits nach einem Jahr abbrach um vorübergehend Privatlehrer auf dem Gut Rånnum zu werden. Als Thorild dann 1777 nach Lund zurückkehrt, bewies er mit seiner Rede Det ädla och sköna i vetenskapen seine immensen Kenntnisse in Philosophie, die insbesondere an die Denkweise von Jean-Jacques Rousseau und später auch Spinoza erinnern. In dieser Zeit begann auch seine Freundschaft mit Bengt Lidner und er wurde, ohne dort je ein Examen abzulegen, eine Art Legende zu der die Mehrheit der Studenten aufblickten.

Im Februar 1781 kam Thomas Thorild in Stockholm an, wo er sich an der Universität anfangs vor allem philosophischen Studien widmete, parallel dazu jedoch auch seine ersten Schritte als Skalde machte. Als die literarische Gesellschaft Utile Dulci einen Poesiewettbewerb ausschrieb, beteiligte sich Thorild mit zwei Gedichten, nämlich mit Passionerna und mit Ode till jurdbrukaren.

Da Thomas Thorild sich jedoch seine Einflüsse nicht bei nordischen Dichtern suchte, sondern sich von Edward Young, Friedrich Gottlieb Klopstock, Charles-Louis de Secondat Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau und anderen beeinflussen ließ, erhielt er für Passionerna nur einen Ehrenpreis ohne Bedeutung, jedoch begleitet von einer Argumentation Johan Henric Kellgrens, der nicht nur das Gedicht abwertete, sondern auch schrieb, dass Neuerungen in der schwedischen Dichtkunst überflüssig seien und sein Gedicht daher nicht im schwedischen Geist geschrieben sei.

Die Folge war ein jahrelanger öffentlicher Streit zwischen Thomas Thorild und Johan Henric Kellgren, der sogar dazu führte, dass Thorild 1784 die Zeitschrift Den nya granskaren gründete in der er nicht nur den freien Vers verteidigte, sondern alle seinen modernen Ansichten verbreitete, die zu einer Weltreform führen sollten und Gedanken enthielt, die sich erst im 20. Jahrhundert realisierten. Eine der wichtigsten Reformen, die Thorild vorschlug, war die Freiheit des Wortes ohne jede Zensur, eine Utopie im auslaufenden 18. Jahrhundert.

Enttäuscht von Schweden ging Thomas Thorild im Jahre 1789 nach England, in der festen Überzeugung, dass man dort seinen Gedanken und Plänen offener gegenüberstehen würde, aber sehr schnell musste der Schriftsteller feststellen, dass er dort kaum etwas erreichen konnte und auch seine englischen Werke The Sermon of Sermons und True Heavenly Religion Restores, das von den Ideen Emanuel Swedenborgs beeinflusst war, halfen ihm nicht dabei dort anerkannt zu werden. Dies veranlasste ihn schließlich nach 18 Monaten wieder nach Schweden zurückzukehren.

Durch seine Abwesenheit war Kellgrens Macht in Stockholm gestiegen und Thomas Thorild gelang es kaum einen Fuß in der literarischen Welt Schwedens zu fassen, da die Stockholms-Posten, deren Mitgründer Kellgren war, mittlerweile volle Arbeit gegen Thorild geleistet hatte.

Mit En critik öfver critiker. Med utkast till en lagstiftning i snillets värld enstand im Jahre 1791 das Hauptwerk von Thomas Thorild, der sich hier nicht nur als ein Meister des Stils zeigt, neben seiner persönlichen Überschätzung, sondern auch als erbitterter Feind Kellgrens. Noch bevor jedoch der neu entstandene Streit zwischen Thorild und Kellgren ausgefochten war, veröffentlichte der Schriftsteller Det enda nötvändiga för et rikes financer, was zu einem weiteren Streit, dieses Mal mit Carl Gustaf af Leopold, führte, der sehr gut antworten konnte, was die Stellung Thorilds weiterhin schwächte.

Der Untergang wurde für Thomas Thorild dann jedoch sein Werk Om det allmänna förståndets frihet, das er an den König und den Adel richtete. In diesem Werk forderte der Schriftsteller nicht nur die absolute Pressefreiheit, sondern er forderte Herzog Karl auch auf im Interesse des Reiches die vier Stände abzuschaffen. Nun wurde Thorild als gefährlicher Revolutionär betrachtet, der das Volk zu einer Revolution im Stile der französischen Revolution führen könne. Die Schrift wurde unmittelbar beschlagnahmt und der Autor wurde für vier Jahre des Landes verwiesen.

Thomas Thorild verbrachte einen Teil des Jahres 1793 in Kopenhagen und schrieb dort das für die Zeit erneut revolutionäre Werk Om Qvinnokönets naturliga höghet und forderte bereits 100 Jahre bevor die Frauenbewegung in Schweden wirklich einsetzte, dass Frauen ein Recht auf eine freie Entwicklung haben müssen und als vollwertige Staatsbürger anerkannt werden müssen, da die Männer als Barbaren die Welt zerstört hätten und nur Frauen wieder einen Ausgleich bringen könnten. Da Thorild auch noch gleichzeitig forderte, dass für eine Verbindung zwischen Mann und Frau die Liebe entscheiden solle und das Werk auch noch gleichzeitig in Dänisch erschien, wurde Thorild auch aus Dänemark ausgewiesen.

Der nächste Aufenthaltsort Thomas Thorilds wurde dann Greifswald, wo er zum Universitätsbibliothekar mit Professortitel ernannt wurde. Dort veröffentlichte Thorild auch sein letztes Werk Handbok för omtänksamma hushåld i diäten, das jedoch kaum Aufsehen erregte.

Thomas Thorild war ein literarischer Revolutionär, der nur das Problem hatte sich selbst zu wichtig zu nehmen und daran glaubte, dass er mit seinen Schriften die Welt in kürzester Zeit verändern könne. Auch wenn viele seiner Visionen sich viel später als sinnvoll und richtig zeigten, so sah er sich als einen Messias und glaubte über dem Staatssystem zu stehen. Auch wenn seine Werke heute kaum noch revolutionär sind und sein Stil von einer Überheblichkeit zeugt, gehört er mit zu den weitsichtigsten Schriftstellern des 18. Jahrhunderts, der jedoch ein Jahrhundert zu früh geboren wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

1 mars 2013

Hans Järta, revolutionäre Schriften und die Wandlung

Hans Järta, ursprünglich Freiherr Hans Hierta, wurde am 11. Februar 1774 als Sohn des Generalleutnants Freiherrn Carl Hierta und dessen Frau Maria Charlotta von Plomgren in Husby in Dalarna geboren und starb am 6. April 1847 in Uppsala. Järta war in erster Ehe mit Maria Charlotta Lewis, die bereits vier Jahre nach der Ehe starb, und in zweiter Ehe mit Fredrika Christina Hochschild verheiratet.

Die Kindheit von Hans Järta war relativ kurz, denn bereits 1777, im Alter von fünf Jahren, begann seine militärische Laufbahn im Dalaregiment, wo er, wie üblich bei Adeligen, noch im gleichen Jahr Sergeant wurde und zwei Jahre später Fähnrich. Erst als ihn der Politiker Johan Beck-Friis als Pflegekind annahm, begann Järta im Alter von neun Jahren die Grundschule in Falun. Nach sechs Jahren Volksschule und ohne je ein Gymnasium besucht zu haben, schrieb sich Järta an der Universität Uppsala ein um dort Theologie, Geschichte und Sprachwissenschaft zu studieren. Bereits 1791 legte er das Kanzleiexamen ab, das ihm eine Zukunft als Beamter garantierte.


Obwohl aus verschiedenen Quellen hervorgeht, dass sich Hans Järta bereits am 1791 politisch und literarisch betätigte, so ist über diese Zeit wenig bekannt, nicht zuletzt auch deswegen, weil der Schriftsteller in diesen Jahren nur Pseudonyme verwendet, da er sich in den liberalen Kreisen bewegte und sich, beeinflusst von der französischen Revolution, gegen die Monarchie aussprach. Unter anderem war Järta am 16. März 1792 auch beim Maskenball anwesend bei dem Gustav III. ermordet wurde. Seine polizeilichen Aussagen zu den Vorgängen waren sicher falsch, aber er konnte nicht als Mitwisser oder Mittäter belangt werden.

Seine Haltung als Revolutionär, der sich zudem immer nur kurze Zeit für ein bestimmtes Gebiet interessieren konnte, führte im Jahre 1800 allerdings dazu, dass er vom Staatsdienst ausgeschlossen wurde. Im gleichen Jahr legte er auch seinen Titel ab und aus dem Freiherrn Hans Hierta wurde der gewöhnliche Bürger Hans Järta.

Die ältesten Prosastücke veröffentlichte  Hans Järta, wenn auch unter Pseudonym, in Gustaf Abraham Silfverstolpes Journal för svensk litteratur und in Georg Adlersparres Läsning i blandade ämnen. Offen trat Järta erstmals im Jahre 1800 mit einer politischen Schrift in die Öffentlichkeit in der er forderte die Beamten in ihren Rechten zu beschränken. Dieser öffentlichen Anklageschrift folgten dann zahlreiche politische Pamphlete, die ebenfalls überwiegend einen politischen Charakter hatten und, unter anderem, die Redefreiheit verlangten. Parallel dazu verfasste der Autor allerdings auch zahlreiche Trinksprüche.

Die tatsächliche literarische Leistung von Hans Järta zwischen 1800 und 1820 ist heute sehr schwer zu beurteilen, da der Schriftsteller um diese Zeit politisch sehr aktiv war und seine Schriften vermutlich großenteils vernichtet wurden oder auch verloren gingen, da sie überwiegend politischer Natur waren, die eine Neuordnung der Gesellschaft forderten.

Als Hans Järta sich in den 20er Jahren mit der Monarchie mehr oder weniger ausgesöhnt hatte und sich weniger mit politische Literatur beschäftigte, sondern sich mehr der Dichtung und der Verfassung von Prosatexten zuwandte, so begann dieser Wandel mit einem literarischen Streit mit der neuen Schule der romantischen Dichtung, denn Järta fand die Stilistik der Autoren übertrieben, die Aussagen oberflächlich und er hasste jedes Hervorheben der schwedischen Vorzeitromantik, die die Größe und die Bedeutung des alten schwedischen Reiches lobte und hervorhob.

Das erste längere Werk, das von Hans Järta überliefert wurde ist eine Art Führer durch das Kopparbergs Län, das 1823 unter dem Titel Underdånig berättelse om Stora Kopparbergs län erschien und dem wenige Jahre später andere kritische Bücher zum Västmanland folgten.

Im Jahre 1823 begann Hans Järta seine Zeitschrift Odalmannen herauszugeben, die jedoch nach zwei Heften und einem Anhang wieder eingestellt wurde, da er von anderen Schriftstellern kaum unterstützt wurde. Letztendlich erschienen in dieser literarischen Zeitschrift fast ausschließlich Werke von Järta selbst und einige andere von Johan Olof Wallin. Dass die Zeitschrift Odalmannen keinen Erfolg hatte, lag jedoch daran, dass sich Hans Järte überall Feinde gemacht hatte, denn er wurde vom Revolutionär zum Royalist und kritisierte gleichzeitig die Gesellschaftsordnung der Monarchie. Seine Zeitschrift sollte zudem sein eigenes Ideal bekannt manchen und war weniger als literarisches Sprachrohr für damalige Literaten gedacht.

Andererseits zeigte sich Hans Järta auch sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung seiner eigenen Werke. In den 30er und 40er Jahren findet man seine polemischen, satirischen und auch politischen Werke nahezu ausschließlich im Correspondenten in Uppsala und im Stockholmer Svenska Biet, die beide sehr konservativ eingestellt waren.

Erst Gegen Ende seines Leben war Hans Järta in der Lage die Gesellschaft mit einem gewissen Abstand zu betrachten und er begann eine mehr neutrale Literatur zu schaffen, die ihm nicht unmittelbar neue Feinde machte. In dieser Zeit widmete sich Järta vor allem dem historischen Roman, wobei er sich dabei vor allem mit der Kirchengeschichte und dem Rechtswesen beschäftigte. Da Järta die letzten Jahre seines Lebens krank war, diktierte er seinem Sekretär die Biografien über Karl XII. und Gustaf Cronhielm, die letzten beiden Werke aus seinen Federn. Ein Teil dieser Werke wurden allerdings erst lange nach seinem Tod veröffentlicht.

Hans Järta verdankt seine Bedeutung in der Literaturgeschichte Schwedens vor allem der Tatsache, dass Hans Forssell in den Jahren 1882 und 1883 die Valda skrifter des Schriftstellers veröffentlichte und ihn damit unsterblich machte. Järta war 1812 in die Lantbruksakademien gewählt worden, folgte im Jahre 1819 Gudmund Jöran Adlerbeth in der Svenska Akademien auf dem Stuhl Nummer 9 und wurde 1828 in die Vetenskapsakademien gewählt.

Copyright: Herbert Kårlin