16 mars 2013

Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat

Karl Gustav Ossiannilsson wurde am 30. Juli 1875 als Sohn des Orgelbauers Rasmus Nilsson und dessen Frau Elise Christina Timelin in Lund geboren und starb am 14. März 1970 im Alter von 94 Jahren in Rystad bei Linköping. Ossiannilsson war in erster Ehe mit Naëmi Sofia Mariana Amman verheiratet und in zweiter Ehe, nach dem Tod seiner ersten Frau, mit seiner Haushälterin Marta Vivi Maria Eklund.

Über die Kindheit und die Jugend von Karl Gustav Nilsson, wie er damals noch hieß, ist nichts überliefert. Seine Biografie geht daher nur bis zu seiner Zeit im Gymnasium in Malmö zurück wo er die Reifeprüfung ablegte um sich im September 1894 an der Universität Lund einzuschreiben um ein Lehrerstudium zu beginnen. Bereits im ersten Jahr in Lund erregte Ossiannilsson mit seinem Buch Förteckning på i svenska språket förekommande umbärliga främmande ord och uttryck Aufsehen, denn er forderte mit der Herausgabe dieses Buches eine Rückkehr zur reinen schwedischen Sprache ohne jedes Fremdwort.


Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1897 arbeitete Karl Gustav Ossiannilsson einige Jahre lang als Lehrer und Erzieher, begann aber nebenbei bereits kleinere Beiträge in den verschiedenen Zeitungen in Skåne zu veröffentlichen. 1901 entschied sich der Schriftsteller nicht nur dazu seinen Beruf aufzugeben um Schriftsteller zu werden, sondern verwandelte seinen Familiennamen auch in Ossian-Nilsson um einige Jahre später auch den Bindestrich wegzulassen.

Diese Entscheidung zum Schriststeller kam jedoch nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis davon, dass Karl Gustav Ossiannilsson  im Jahre 1900 einen bedeutenden Erfolg mit seiner ersten Gedichtsammlung Fem Dikter hatte und 1901 mit den beiden Lyrikwerken Masker und Hedningar, Werken, denen noch weit über 100 weitere Bücher folgen sollten, auch soviel verdiente, dass er davon leben konnte.

Sehr schnell spürte man bei den Schriften von Karl Gustav Ossiannilsson die Zeichen der sozialistischen Bewegung, auch wenn der Schriftsteller nicht bei den Ideen der Partei stehen blieb, sondern sich zum Anarchismus bekannte. Seine Gedichte zeigen dabei die Einflüsse der englischen Balladen, die in England Ende des 19. Jahrhunderts die Literatur veränderten, wobei er dabei auch dem allgemeinen Trend der Romantik folgt, die in Deutschland und Frankreich eine breite Leserschicht ansprachen.

Allerdings zeigen sich in der Persönlichkeit von Karl Gustav Ossiannilsson bereits um diese Widersprüche, denn er bewundert einige bedeutende Persönlichkeiten und zeigt sich extrem nationalistisch und nennt die Auswanderer jener Epoche Verräter, die dem Land schaden. Dies verhindert jedoch nicht, dass seine Werke vor allem von der Arbeiterschicht und den Auswanderern gelesen werden und Ossiannilsson ein Vorbild für Arbeiterdichter wie Erik Lindorm, Arnold Ljungdal oder auch Ture Nerman wird.

Unter dem Einfluss von August Strindbergs Svarta fanor schrieb Karl Gustav Ossiannilsson die bedeutendsten proletarischen Bücher, denn in seinen Romane spiegelt sich um diese Zeit deutlich der Klassenkampf, auch wenn der Schriftsteller immer wieder die Kritiker, insbesondere Bengt Lidforss, gegen sich einnimmt, da Ossiannilsson  nicht selbst aus der Arbeiterschicht kommt und daher bisweilen die Einflüsse seiner bourgeoisen Erziehung zu spüren sind, eine Kritik, die dem Schriftsteller immer mehr zu Herzen geht, jedoch bewirkt, dass er sich mehr und mehr vom Sozialismus abwendet.

Als Karl Gustav Ossiannilsson ab 1921, unter Alfred Hallberg, Mitarbeiter beim Familj-Journal wird, beginnt der Schriftsteller, außer Gedichten und Prosa für Arbeiter, auch immer häufiger historische Romane zu schreiben die eine Anknüpfung an die schwedische Geschichte haben und eine langsame Wandlung vom sozialistischen Gedanken zum rein nationalistischen einleiten.

Diese Änderung spürt man dann sehr deutlich ab 1928, als Karl Gustav Ossiannilsson bei einer Vortragsreise durch Schweden unter dem Titel I Mussolinis Italien seine Reise durch Italien schildert und sich von der nationalistischen Bewegung des Landes begeistert zeigt. Wenig später tritt der Schriftsteller auch dem schwedischen Nationella Ungdomsförbund bei und propagiert die Bewegungen unter Mussolini, Hitler und Franco. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bricht dann jedoch sein Weltbild zusammen und der Schriftsteller wird wieder zum Gegner des Nationalsozialismus, zieht sich jedoch, auch als Schriftsteller, ganz von der Politik zurück.

Karl Gustav Ossiannillson zeichnete sich während der 20er Jahre jedoch nicht nur als Literat aus, sondern will um diese Zeit auch englische und französische Literatur dem schwedischen Leser näher bringen. Seine erste bedeutende Übersetzung war die Clayhanger Trilogie von Arnold Bennett und wenig später auch Le Cid von Pierre Corneille, die jedoch beide bereits zeigen, dass sich der Schriftsteller von der Arbeiterbewegung vollkommen gelöst hat.

Bereits Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Karl Gustav Ossiannilsson an seinen Memoiren zu schreiben, die jedoch kaum als solche bezeichnet werden können, da er wenig von sich preis gibt, aber mit all seinen „Gegnern“ abrechnet und über all jene berichtet, die ihm auf dem Weg zum Erfolg geholfen haben. Da der Schriftsteller um diese Zeit jedes politische Engagement verloren hat, lassen jedoch nicht nur die Memoiren wieder den Lehrer Ossiannilsson durchdringen, sonder auch den Folgewerken fehlt jede Stärke.

Zahlreiche Gedichte von Karl Gustav Ossiannilsson wurden noch zu seiner Lebenszeit vertont und einige der Prosawerke dienten als Vorlage für Filme. Neben seinen rein literarischen Werken schrieb der Schriftsteller auch einige Filmmanuskripte, Stücke für das Theater und hunderte von Artikeln und Rezensionen in den verschiedensten Zeitschriften Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

15 mars 2013

Abraham Niclas Edelcrantz, der Skalde des Königs Gustav III.

Abraham Niclas Edelcrantz wurde am 29. Juli 1754 als Sohn des Professors Carl Abraham Clewberg und dessen Frau Agatha Charlotta Fahlenius im finnischen Åbo (Turku) geboren und starb am 15. März 1821 in Stockholm. Nachdem die irische Schriftstellerin Maria Edgeworth seinen Heiratsantrag ablehnte, blieb Edelcrantz unverheiratet.

Wie üblich in bürgerlichen Kreisen, wurde Abraham Niclas Edelcrantz von Privatlehrern unterrichtet mit deren Hilfe er bereits 1766, gerade einmal elf Jahre alt, in der Königlichen Akademie in Åbo aufgenommen wurde und dort sein Studium 1772 mit einem Magister beendete. Mit 18 wurde Edelcrantz, der diesen Namen erst annahm, nachdem er von Gustav III. in den Adelstand aufgenommen worden war, an der gleichen Hochschule Dozent für Physik und Literaturgeschichte.


Sehr bald schloss sich Abraham Niclas Edelcrantz der nationalistischen Aurorasällskapet in Åbo an, einer Gesellschaft, die die erste finnische Zeitung gründete und an der nicht nur Edelcrantz, sondern auch Johan Henric Kellgren aktiv war. Trotz der Karriere, die Edelcrantz in Finnland zu erwarten hatte, entschied dieser sich 1780 nach Stockholm umzuziehen.

Inwieweit Abraham Niclas Edelcrantz bereits 1775 seinen Umzug nach Stockholm plante, ist ungewiss. Sicher ist dagegen, dass in diesem Jahr König Gustav III. nach Åbo kam und Edelcrantz sich, trotz seinen sehr jungen Alters, als hervorragender Skalde bemerkbar machte. Um diese Zeit äußerte sich Edelcrantz auch häufig über den Zukunft des Theaters, das dem „Theaterkönig“ besonders am Herzen lag. Zahlreiche Autoren vermuten, dass Edelcrantz sehr früh seine Karriere am königlichen Hof in Stockholm vorbereitete und hierfür auch seine Beziehungen in der wissenschaftlichen und der kulturellen Welt spielen ließ.

In Stockholm wurde Abraham Niclas Edelcrantz unmittelbar am königlichen Hof angestellt und machte dort sehr schnell Karriere, wobei zu seinem Aufstieg nicht nur seine Dichtkunst und seine Arbeit im Theater eine wichtige Rolle spielt, sondern auch sein technisches Interesse, wobei er sich hierbei vor allem für die Herstellung von Eisen und Branntwein interessierte. Von einer Reise nach England brachte er 1804 vier Dampfmaschinen mit nach Schweden, wobei eine davon für seine eigene Mühle Eldkvarn in Stockholm bestimmt war, zwei die Herstellung von Branntwein in der schwedischen Hauptstadt vereinfachen sollten und die vierte für eine Textilfabrik auf Lidingö bestimmt war.

Gustav III. sah in Abraham Niclas Edelcrantz allerdings mehr den Dichter als den Techniker, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Edelcrantz der romantischen Dichtung Englands dieser Epoche folgte und Abstand von Heldengedichten nahm. Seine Gedichte wirken heute nahezu so, als wären sie für den damaligen Herrscher bestimmt gewesen, da er das Edle hervorhob nach dem auch der König strebte.

Den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erreichte Abraham Niclas Edelcrantz bereits zwischen 1784 und 1786, als der Skalde seine Ode til svenska folket schrieb, ein Werk in dem er die nordische Mythologie mit der Dichtkunst der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbindet und seiner Liebe zu seinem Heimatland Ausdruck verleiht. Dieses Gedicht spielte sicher auch eine große Rolle dafür, dass Edelcrantz 1786 in die Svenska Akademien aufgenommen wurde.

In der Theaterwelt war Abraham Niclas Edelcrantz weniger der künstlerische Leiter als vielmehr derjenige, der als Organisator dem König dabei half das Theater als kulturelle Einrichtung in Schweden zu festigen und der schwedischen Sprache auch in Theaterstücken zum Durchbruch zu verhelfen. Leider waren seine Gedanken im Jahre 1804, als er zum Leiter des königlichen Theaters ernannt wurde und die Oper mit dem Schauspiel verbinden sollte, bereits in anderen Bereichen und Edelcrantz versagte bei dieser Aufgabe. Als dann Gustav IV. Adolf an die Macht kam, der von von Theater nicht viel wissen wollte, legte Edelcrantz sein Amt nieder.

Welche Rolle Abraham Niclas Edelcrantz innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte tatsächlich spielt, ist sehr umstritten, denn auch wenn einige seiner Werke in jener Zeit allgemein bekannt waren und seine Übersetzung von God save the King (Bevare Gud vår kung) 60 Jahre lang Schwedens Nationalhymne war, so hat Edelcrantz im Laufe seines Lebens sehr wenig veröffentlicht und sein Schaffen mehr auf die Interessen von Gustav III. abgestimmt als wirklich eine persönliche Dichtung zu schaffen, so dass der Schriftsteller heute mehr wegen seinem technischen Errungenschaften bekannt ist als für seine Dichtkunst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Situation sicher eine andere, da Edelcrantz während der Regierungszeit von Gustav III. das kulturelle Leben Schwedens maßgeblich beeinflusste und auch der Lyrik neue Wege gab. 

Abraham Niclas Edelcrantz war Mitglied sämtlicher Akademien seiner Epoche und folgte im Jahre 1786 Carl Fredrik Scheffer auf dem Stuhl Nummer 2 der Svenska Akademien und war damit das erste Mitglied der Akademie, das zu Ehren seines Vorgängers eine Erinnerungsrede hielt.

Copyright: Herbert Kårlin

14 mars 2013

Laura Fitinghoff, Kinderbücher aus Nordschweden

Laura Fitinghoff, geborene Runsten, wurde am 14. März 1848 als Tochter des Priesters Jonas Bernhard Runsten und dessen Frau Ottilia Mathilda Catharina Löfvander in Sollefteå geboren und starb am 17. August 1908 in Stocksund bei Stockholm. Fitinghoff war mit dem um 44 Jahre älteren Gutsbesitzer Conrad Bleckert Fitinghoff verheiratet.

Da Laura Fitinghoff als Tochter eines Propstes zur bürgerlichen Schicht jener Zeit gehörte, wurde sie, gemeinsam mit ihren vier Schwestern, im Elternhaus unterrichtet. Der Unterricht erstreckte sich vor allem auf Latein, Französisch, Deutsch, Englisch, Literatur und Astronomie, aber auch Hauswirtschaft und vor allem Musik, die im Elternhaus eine wichtige Rolle spielte. Um ihre Musikkenntnisse zu verbessern, besuchte Fitinghoff auch die Musikakademie.


Die Ehe von Laura Fitinghoff war von Beginn an nicht sehr glücklich, da die Liebe einseitig vom Ehemann kam, der sieben Mal freite bevor Fitinghoff der Ehe, auf Druck des Vaters, zustimmte. Bereits 1885 lebte das Paar getrennt und die Schriftstellerin lebte von den Mieteinnahmen eines Miethauses, das sie in Stockholm gepachtet hatte. Sie wohnte, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tochter, ebenfalls in diesem Mehrfamiliengebäude. Stockholm bot Fitinghoff in den kulturellen und literarischen Salons zu verkehren, wo sie auch zahlreiche einflussreiche Personen der Epoche traf.

Laura Fitinghoff schrieb ihr erstes Buch erst nachdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt hatte, wobei ihr erstes Kinderbuch nahezu dem Zufall zugeordnet werden kann, denn die Schriftstellerin erzählte im Jahre 1884 ihrer kranken Tochter Geschichten aus dem Norden, die sie teilweise erfand, teilweise aber auch selbst erlebt hatte. Um diese Geschichten zu behalten, zeichnete sie diese jeden Abend auf und schickt das Manuskript En liten värld bland fjällen 1885 an den Hökerbergs Verlag, der es unmittelbar veröffentlichte.

Das Kinderbuch En liten värld bland fjällen, das das erste Buch wurde, das von der Künstlerin Jenny Nyström bebildert wurde, gilt als das erste moderne Kinderbuch Schwedens, da Laura Fitinghoff in diesem Werk mit der alten Tradition der Rollenteilung brach und das Buch im Einfluss der Denkweise von Ellen Key schrieb und, wenn auch auf vereinfachte Weise, die Kinder zu einem modernen Denken brachte bei dem die Frau nicht mehr hilflos dem Mann ausgeliefert ist, sondern für ihre Rechte eintreten muss und kann.

Von dieser Zeit an schrieb Laura Fitinghoff regelmäßig Romane für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, wobei sie ihre Stärke vor allem bei Erzählungen für Kinder zwischen sechs und zwölf fand. Der erste offizielle Erfolg der Schriftstellerin wurde dann Vårluft, ein Roman für den sie im Jahre 1891 den halben Literaturpreis der Zeitschrift Idun verliehen bekam.

Auch wenn Laura Fitinghoff nach der Trennung von ihrem Mann zahlreiche Reisen in ganz Europa unternahm und dadurch den unterschiedlichsten Strömungen ausgesetzt war, handeln ihre Bücher nahezu alle vom Norden Schwedens und bieten einen Einblick in das harte Leben jener Zeit, das für viele von Armut und Hunger geprägt war. Besonders hervorzuheben sind hier Fitinghoffs autobiografischen Werke wie I fjälluft aus dem Jahre 1899 oder  Vid gränsen, das 1906 erschien.

Im Jahre 1906 wurde bei Laura Fitinghoff ein Magenkrebs entdeckt, der der Schriftstellerin große Schwierigkeiten machte und sie häufig ans Bett fesselte. Trotz der Krankheit schrieb Fitinghoff zu Beginn 1907 innerhalb von nur sieben Wochen ein weiteres Buch, das ihr einen sicheren Platz in der schwedischen Literaturgeschichte bieten sollte und noch heute, über 100 Jahre nach dem Tod der Autorin, verkauft wird. In Barnen ifrån Frostmofjället erlebt man Kinder mit ihrer Ziege, die bei einer Wanderung über das nordische Gebirge eine bessere Zukunft suchen. Das Buch erschien nahezu gleichzeitig mit Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige von Selma Lagerlöf und zeigt eine Seite, die man bei Nils Holgersson vergeblich sucht, nämlich intensives Gefühl.

Barnen ifrån Frostmofjället erscheint bereits zum Weihnachtsgeschäft des Jahres 1907 und noch vor Weihnachten war die erste Auflage des Buches restlos vergriffen. Laura Fitinghoff hatte zu dieser Zeit bereits begonnen ein Folgebuch zu schreiben, das jedoch auf Grund der Krankheit und ihres Todes nicht mehr fertiggestellt wurde.

Der Erfolg von Laura Fitinghoffs Büchern liegt nicht nur an der einfachen Sprache, die sie benutzte oder den Naturschilderungen Nordschwedens, sondern insbesondere daran, dass sie Kindern auch in den schwierigsten Situationen noch eine Hoffnung gibt und ihnen zeigt wie wichtig die Natur für den Menschen ist. Sehr vieles in den Büchern von Fitinghoff ist noch heute aktuell, auch wenn sich im Laufe von 100 Jahren sehr viel in unserer Gesellschaft geändert hat. Die Schriftstellerin versuchte mit ihren Werken weniger lehrreich zu sein wie Selma Lagerlöf und viele andere Kinderbuchautoren, sondern legte ein bedeutendes Gewicht auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Glauben an die Zukunft, was viele ihrer Kritiker als religiöse Züge bezeichnen.

Laura Fitinghoff engagierte sich in mehreren Vereinen zum Tierschutz und dem Recht der Frau. Mit ihrer Tochter wanderte sie sehr viel im Gebirge Nordschwedens um ihr die Natur näher zu bringen und die Stellen zu zeigen, die in ihren Büchern eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn die Autorin in Stockholm lebte, so war ihr Gefühl in der Weite der Natur und den Bergen des Nordens zu finden. Da Fitinghoff zwar die Frauenbewegung jener Zeit als positiv betrachtete, jedoch auf militante Einsätze verzichtete, wurde sie von Elin Wägner auf die negativste Weise kritisiert, was jedoch verständlich ist, denn Wägner wollte mit der Feder kämpfen und Fitinghoff glaubte an einen sanften Übergang zur Gleichstellung der Frau. Wägner symbolisiert die Stadt und Fitinghoff die Weite des nördlichen Schweden.

Copyright: Herbert Kårlin

13 mars 2013

Nils Lorens Sjöberg und die schwedische Lyrik Ende des 18. Jahrhunderts

Nils Lorens Sjöberg wurde am 4. Dezember 1754 als Sohn eines Arbeiters in Jönköping geboren und starb am 13. März 1822 im Alter von 67 Jahren in Stockholm. Sjöberg war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Nils Lorens Sjöberg ist kaum etwas bekannt, was jedoch nicht verwunderlich ist, da Sjöberg aus einer sehr einfachen Familie kommt und die Familie daher in kaum einem Dokument jener Zeit erwähnt wird. Sicher scheint jedoch, dass Sjöberg im Alter von 14 Jahren in Jönköping zur Schule ging und den Philologen Håkan Sjögren als Lehrer hatte.

Bereits nach sechs Jahren Ausbildung hatte Nils Lorens Sjöberg ausreichend Kenntnisse erworben, dass er ein Studium an der Universität Lund beginnen konnte. Da Sjöberg das Ziel hatte Priester zu werden, schrieb er sich in Lund für Philosophie und Theologie ein. Nach seinem ersten Versuch eine Predigt zu halten, sah er jedoch ein, dass er als Priester unfähig war. In der Folge spezialisierte er sich daher auf Jura und wurde 1782 in der Kanzlei des Auswärtigen Amtes angestellt.

Sehr schnell wurde Nils Lorens Sjöberg als hervorragender Skalde bekannt, dessen Gedichte nicht nur in den literarischen Kreisen Schwedens Aufmerksamkeit erregten, sondern auch bei der poetischen Gesellschaft Utile dulci, der Vitterhetsakademien und der Göteborger Vitterhetssällskapet einen Preis nach dem anderen für seine Lyrik erwarb. Die Vitterhetsakademien war insbesondere begeistert von seinem Werk Stockholms försvar af Christina Gyllenstjerna. Mit seinem Werk Gustaf Adolfs anträde till regeringen gewann Sjöberg auch den zweiten Preis der Svenska Akademien, der ihm den Weg in die Literaturgeschichte Schwedens öffnete.

Während man weiß, dass Nils Lorens Sjöberg als Beamter wenig Erfolg hatte und erst 1812 zum Expeditionssekretär ernannt wurde, so ist über seine literarische Arbeit wenig bekannt, denn es wurde nur eine sehr bescheidene Menge an Gedichten überliefert und zu seiner Lebenszeit veröffentlicht. Ein Teil der Literaturwissenschaftler Schwedens nimmt an, das Sjöberg nie sehr produktiv war, auch wenn diese Aussage ebenso wenig bestätigt werden kann wie das Gegenteil.

Im Jahre 1787 wurde Nils Lorens Sjöberg in die Svenska Akademien gewählt und war damit der erste Schriftsteller, der auf dem Stuhl Nummer 18 Platz nahm, da er zu den ersten fünf gewählten Mitgliedern der kurz zuvor vom König eingerichteten Akademie gehörte. Die erste und einzige veröffentlichte Sammlung der Gedichte Sjöbergs erschien im Jahre 1796 unter dem Titel Skaldestycke und wurde 1820 ein weiteres Mal aufgelegt.

Die Bedeutung von Nils Lorens Sjöberg innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist bis heute sehr umstritten, da es sich bei seiner Lyrik um eine stilistische Form handelt, die um diese Zeit vollkommen üblich war und seine Ausdrucksstärke kaum über jener liegt, die man bei zahllosen unbekannten Autoren dieser Epoche findet. Unbestritten ist jedoch, dass er mit seinen Gedichten sein Publikum bezauberte und seine Gedanken und seine Gefühle seinen Lesern und seiner Zuhörern sehr gut vermitteln konnte und sie damit in seinen Bann ziehen konnte.

Für seine literarische Leistung wiederum spricht jedoch ansererseits, dass sich Nils Lorens Sjöberg in einer polemischen Schrift Gustaf Fredrik Gyllenborg in seiner Theorie zur Lyrik der Epoche widersetzte und eine Neuerung der Poesie forderte. In seiner Schrift Svar på anmärkningarne om svenska versificationen, bifogade vid poëmet: Försök om skaldekonsten fordert Sjöberg 1798 eine Befreiung von den bis dahin sehr strengen Jamben, die er für die schwedische Sprache wenig angebracht fand. Auch in seinen eigenen späteren Werken verzichtet Sjöberg auf die strenge Auslegung des jambischen Versmaßes und kann daher als Erneuerer der Lyrik zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrachtet werden.

Die Gedichte von Nils Lorents Sjöberg drücken die Gefühle des Autors aus und sind stark von der Poesie Frankreichs jener Epoche geprägt, wobei nur sehr wenige unter ihnen noch heute in den aktuellen lyrischen Sammelwerken aufgenommen werden, da nur wenige seiner Werke als zeitnah betrachtet werden können, mit der Ausnahme seiner Werke Tjänstemannaödet oder auch Jordbrukaren, die auch heute nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.

Copyright: Herbert Kårlin

12 mars 2013

Leif GW Persson, ein Kriminologe als Autor von Kriminalromanen

Leif Gustav Willy Persson, allgemein nur als Leif GW Persson bekannt, wurde am 12. März 1945 als Sohn des Bauarbeiters Gustav Persson und dessen Frau Margit Löfgren in Stockholm geboren und wuchs dort im Arbeiterstadtteil Vasastaden auf. Die Initialen seiner anderen Vornamen fügte der Schriftsteller seinem Namen im Jahre 1972 hinzu, da er sich vom Motocrossfahrer Leif Persson deutlich unterscheiden wollte, dessen Foto einmal neben einem Beitrag über ihn in einer Zeitung auftauchte. Persson ist in dritter Ehe mit Kim, einer Wirtschaftswissenschaftlerin verheiratet, hat jedoch auch Kinder aus der Ehe mit Birgitta und Margareta.

Bei seiner Kindheit erinnert sich Leif GW Persson vor allem an seine immer kranke Mutter, die in seinen Augen jedoch nur krank spielte und nie etwas hatte, aber dadurch ihrem Mann einen großen Teil der Erziehung auflasten konnte. Persson besuchte das Gymnasium Norra Real, eine der ältesten Schulen Stockholms und setzte nach der Hochschulreife an der Universität der Hauptstadt seine Studien fort. Seine Doktorarbeit schrieb er allerdings erst im Jahre 1980. An der Universität Stockholm wurde der Kriminologe und Schriftsteller im Jahre 1982 Dozent und 1991 schließlich Professor in Kriminologie.


Nach seinem Studium arbeitete Leif GW Persson unter dem Direktor der Reichspolizeidirektion als Kriminologe. Da er jedoch 1977 öffentlich bekannt machte, dass Lennart Geijer, der damalige Justizminister, im Kreis von Prostituierten verkehrte und eine Sicherheitsrisiko für Schweden ausmache, musste er die Polizei verlassen, was Persson jedoch die Möglichkeit bot als Schriftsteller und Wissenschaftler zu arbeiten ohne im Grunde die Berufssparte wechseln zu müssen. Jahre später kehrte er als Spezialist auch zur Zentrale der Polizei zurück.

Seinen literarischen Einstieg lieferte Leif GW Persson mit seinem Kriminalroman Grisfesten, dessen Inhalt verblüffende Parallelen zur Geijeraffäre hat, auch wenn der Schriftsteller dies im Vorwort verneint. Erst in seiner Autobiografie Gustavs grabb gibt Persson zu, dass er das Thema bearbeitet hat um sich an jenen zu rächen, die damals mit Lügen seinen Rauswurf aus der Polizeibehörde verursachten. Dieser erste Kriminalroman ist als der erste Band einer Trilogie zu sehen, zu der noch die Bücher Profitörerna und Samhällsbärarna zählen. Grisfesten wurde in die Liste der 1000 besten schwedischen Bücher aufgenommen und wurde unter dem Titel Mannen från Mallorca im Jahre 1984 von Bo Widerberg verfilmt.

Der Schriftsteller Leif GW Persson gehört zu den Personen mit klaren und starken Prinzipien, die sich von niemandem davon abhalten lassen die persönliche Version der Gesellschaft und der Kriminalität des Landes bekannt zu machen. Seine Kriminalromane und auch auch seine drei Bücher über den Mord von Olof Palme basieren auf einer intensiven Forschung, auch wenn man immer wieder das Gefühl bekommt, dass sich Persson als der Übermensch gibt, den man nur machen lassen muss, damit die Kriminalität aus Schweden verschwindet und auch der letzte Fall aufgeklärt wird.

Als nahezu wissenschaftlicher Kriminalautor versucht Leif GM Persson in seinen Büchern auch Details hervorheben und er wiederholt Aussagen, damit sie sich dem Leser besser einprägen. Spannung erzeugt er indem er wichtige Tatsache andeutet ohne sie unmittelbar zu behandeln, aber er kommt später darauf zurück. Sein Stil ist daher weniger für jemanden gedacht, der eine rasche Handlung sucht, sondern für jene Leser, die sich Zeit mit einem Roman nehmen und den Täter im Laufe der Lektüre selbst suchen wollen.

Leif GW Persson ist auch heute noch eine sehr diskutierte Person, die jeden Kriminalfall zu einer persönlichen Sache macht und durch seine mediale Wirkung sowohl im Fernsehen als auch in der Presse nahezu allgegenwärtig wirkt, aber die Privatperson Persson kaum an die Oberfläche dringen lässt, denn auch seine Biografie Gustavs grabb liest sich mehr wie ein Kriminalroman als eine Biografie, zumal der Schriftsteller zur Erzeugung von Spannung die gleichen Methoden anwendet wie in seinen Kriminalromanen. Selbst seine Feinde bezeugen seine hohe Intelligenz und sein analytisches Denken, aber sie stören sich daran, dass es im „Raum“ Leif GW Persson keinen Platz für Geheimnisse oder andere Menschen gibt.

Als Leif GW Persson im Jahre 2012 mit 67 Jahren das Pensionsalter erreichte, musste er seine Professur aufgeben ohne dass er jedoch seine Aktivitäten reduzierte. Allerdings verbringt er nun noch wenig Zeit in seiner Stockholmer Wohnung, sondern hält sich mit seiner Frau Kim vor allem auf seinem Landsitz im Sörmland auf, wo er auch viel Zeit bei der Jagd und dem Fischfang verbringt. In der Freizeit liest der Schriftsteller sehr viel, verzichtet jedoch vollständig auf das Lesen von Kriminalromanen.

Im Februar 2012 kaufte 20th Century Fox sämtliche Rechte an Leif GW Perssons Charakter Evert Bäckström um eine amerikanische Fernsehserie aus seinen Büchern zu machen, was den Schriftsteller zu einem der bedeutendsten Kriminalautoren Schwedens machen wird. Der Polizist Bäckström hat einige Charakterzüge, die auch an den Autor der Serie erinnern, auch wenn sie bei diesem nicht gleich stark ausgeprägt sind.

Copyright: Herbert Kårlin

11 mars 2013

Magnus Jacob Crusenstolpe der schreibende Revolutionär Schwedens

Magnus Jacob Crusenstolpe wurde am 11. März 1795 als Sohn des Vice-Präsidenten des Landgerichts (Hovrätt) Johan Magnus Crusenstolpe und dessen Frau Kristina Charlotta Nymansson in Jönköping geboren und starb am 18. Januar 1865 in Stockholm. Crusenstolpe war mit Sofia Palmstruch verheiratet, der Tochter des bekannten Verlegers und Rittmeisters Johan Vilhelm Palmstruch.

Die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte Magnus Jacob Crusenstolpe zu Hause in Jönköping, wo er, außer dem damals üblichen Privatunterricht, vor allem lernte immer zur Wahrheit zu stehen und für sie einzutreten, eine Eigenschaft, die ihm später bedeutende Probleme bringen sollte. Mit zwölf Jahren wurde der junge Crusenstolpe in eine Internatschule in Stockholm geschickt, wo er die folgenden vier Jahre verbrachte. Dort schrieb Crusenstolpe auf Anraten seines Lehrers Karl Ödmann seine ersten beiden Kurzromane, die den Lehrer so begeisterten, dass er in seinem Schüler einen zukünftigen  Jean de La Fontaine sah.


Bereits im Jahre 1814 legte Magnus Jacob Crusenstolpe das Examen als Jurist an der Universität Lund ab. Seine außerordentliche Karriere als Jurist dauerte jedoch nur bis 1828, als Crusenstolpe sich mit Lars Johan Hierta zusammentat und eine oppositionelle liberale Reichstagszeitung herausgab, die vom König gerade einmal geduldet war, den politischen Agitator jedoch in gewisse Schwierigkeiten brachte.

Vermutlich auf politischen Druck des Königshauses und dank eines Treffens mit Magnus Brahe, kehrte Magnus Jacob Crusenstolpe dann jedoch auf die Seite des Königs zurück und er wurde Redakteur der königlichen Zeitung Fäderneslandet, die als Gegenpol der liberalen Presse die Interessen des Königs verbreitete und die liberale Bewegung eindämmen sollte. Crusenstolpe konnte zwar schreiben, aber er hatte keinerlei Organisationsvermögen und bereits 1833 geriet Crusenstolpes Zeitung in bedeutende Schwierigkeiten, da ihm König Karl Johan die Unterstützung verweigerte. Crusenstolpe versuchte die Zeitung dann noch nahezu ein Jahr lang mit eigenen Mitteln aufrecht zu erhalten, geriet dadurch jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und wurde gebeten sein Amt als Assessor aufzugeben.

Obwohl der König seine Schulden bezahlt hatte, entwickelte sich nun Magnus Jacob Crusenstolpe zu einem unerbittlichen Gegner des Monarchen. Da dem politischen Agitator nun jedoch die Einkünfte fehlten, entschied er sich ganz dem Schreiben zu widmen, was natürlich bedeutete, dass er nur oppositionelle Schriften veröffentlichen konnte, da er sich bei seinem Auftritt im Reichstag 1834 die anderen Türen selbst verschlossen hatte indem er die Machenschaften der königlichen Seite aufdeckte, einer Schicht, die er sehr gut kannte.

Auch wenn Magnus Jacob Crusenstolpe während seiner Jugend einige schöngeistige Novellen schrieb, so begann er 1934 mit seinen zweibändigen Skildringar ur det inre av dagens historia als politischer und historischer Autor. Sein Erstlingswerk war für jene Zeit ein Bestseller und wurde allein während der ersten drei Jahre viermal aufgelegt und jeweils restlos verkauft. Vor allem der zweite Band mit den Biografien der damaligen Mitgliedern des Reichstags erregte eine bedeutende Aufmerksamkeit und zeigte Crusenstolpe als Meister der literarischen Portraits.

Vor allem der zweite Band mit den Biografien war ein Meisterwerk von Magnus Jacob Crusenstolpe, da er die Charakterzüge seiner ehemaligen Kollegen und des Königs auf ironisch satirische Weise lächerlich machte. Sicher handelte es sich mehr um eine persönliche Abrechnung als um neutrale Kurbiografien, aber gerade diese Art des Schreibens brachte dem Skandalbuch seinen Ruf und brachte Crusenstolpe die ewige Feindschaft von Erik Gustaf Geijer und Hans Hierta.

Ab 1838 veröffentlichte Magnus Jacob Crusenstolpe seine politisch-historische Zeitschrift  Ställningar och förhållanden, behandlade i brev, wobei der Schriftsteller in der zweiten Ausgabe den König angriff und behauptete, dass dieser sowohl gegen das kirchliche als auch das weltliche Recht verstoßen habe. Es kam zu einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung und Crusenstolpe wurde zu drei Jahren Haft in der Festung Vaxholm verurteilt.

Der Aufenthalt in Vaxholm machte Magnus Jacob Crusenstolpe jedoch nur noch bitterer, aber auch vorsichtiger. Noch im Gefängnis schreibt er Vidräkning och reform, betraktelser i fängelset af en svensk statsfånge, das jedoch keine Schilderung seines Aufenthalts im Gefängnis ist, sonder chronologisch alle „Fehler“ von Karl Johans Regierung aufzeichnet und eine Streitschrift gegen die Definition von Geijers Erklärung zur Bedeutung der Aristokratie in Schweden ist. Das Werk zeigt, dass Crusenstolpe sich zwar gegen den König stellt, nicht aber gegen die Stände, die er als Stützpfeiler der Gesellschaftsordnung betrachtet.

Ab 1842 erscheint dann auch wieder die Zeitschitft  Ställningar och förhållanden, die Magnus Jacob Crusenstolpe bis zu seinem Tod verlegt. Allerdings richten sich die Beitrage im Laufe der Jahre immer weniger gegen die herrschende Macht, sondern werden zu einem Gesellschaftsportrait, einer Chronik der Politik, des Gesellschaftslebens und der Literatur Schwedens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese Entwicklung führte allerdings dazu, dass der Schriftsteller in den letzten Jahres der Existenz der Zeitschrift immer mehr Leser verliert, da aus einer politischen Streitschrift ein Produkt machte, das nur noch Klatsch verbreitete.

Noch im Gefängnis hatte sich Magnus Jacob Crusenstolpe auch entschlossen historische Romane zu schreiben, die in gewisser Weise Zeitbilder darstellen sollten. Wie sehr viel später auch Olof Lagercrantz, griff Crusenstolpe jedoch nicht nur auf Dokumente zurück, sondern ergänzte alle fehlenden Puzzlestücke mit eigenen Gedanken und Erinnerungen. Um Leser besser anzusprechen, fügte er auch jedem der Werke einige romantische Züge hinzu. Obwohl die drei historischen Romane, die der Schriftsteller zwischen 1840 und 1850 veröffentlichte,  einen gewissen Einblick in Teile der schwedischen Geschichte bieten, so ist Crusenstolpe nicht in der Lage die Romane nach einer sinnvollen Linie und Logik zu komponieren. Zudem fehlt hier die Stärke, die er in seinen früheren politischen Schriften beherrschte.

Die Rolle, die man Magnus Jacob Crusenstolpe innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte gibt, umfasst bis heute die gesamte Breite zwischen Genie und Schund, je nachdem welche politische Meinung der Kritiker vertritt. Dies liegt jedoch nicht nur an der unterschiedlichen Leistung, die man bei Crusenstolpe findet, sondern auch daran, dass Crusenstolpe in kein Schema jener Zeit passt und selbst bei seinen oppositionellen Arbeiten immer die Aristokratie als die maßgebliche Schicht betrachtete und er daher in keiner der beiden Seiten „zu Hause“ war.

Copyright: Herbert Kårlin

10 mars 2013

Olof Lagercrantz, ein umstrittener Schriftsteller Schwedens

Olof Lagercrantz wurde am 10. März 1911 als Sohn des Bankdirektors Carl Fredrik Gustafsson Lagercrantz und dessen Frau, Gräfin Agnes Elvine Margareta Hamilton, in Stockholm geboren und starb am 23. Juli 2002 im Alter von 91 Jahren in Drottningholm bei Ekerö. Lagercrantz war mit Martina Ruin verheiratet, der Tochter des berühmten Essayisten Hans Ruin.

Auch wenn Lagercrantz in der wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft aufwuchs, der seine Kindheit und seine Jugend in Falköping verbrachte, so zeigte er bereits in seiner Jugend einen sehr starken und zeitweise aufbrausenden Charakter, der sich nahezu sein Leben lang gegen seinen Vater auflehnte, wenig Kritik akzeptierte und für die Werte der extrem linken Bewegungen eintrat.


Die Kindheit von Olof Lagercrantz wurde jedoch nicht nur von einem dominanten und strengen Vater geprägt und von seiner TBC, sondern auch von den regelmäßigen Depressionen seiner Mutter und später dem Selbstmord seiner Schwester, die mit 19 aus dem Fenster sprang und noch auf dem Sterbebett die Anwesenheit des Vaters ablehnte. Lagercrantz führte nahezu sein gesamtes Leben lang Tagebuch, das zwar seinen Lebensweg verfolgen lässt, jedoch relativ wenig Aufschluss über den Schriftsteller als Menschen bietet.

Seine literarische Karriere begann Olof Lagercrantz im Jahre 1935 mit der Gedichtsammlung Den döda fågeln, einer Sammlung von schwermütigen Naturgedichten, die mehr über seine bürgerliche Herkunft aussagen als seine spätere literarische Größe, da der Autor erst später einen eigenen Weg innerhalb der schwedischen Lyrik fand. Die Reife eines Poeten entdeckt man erstmals im Jahre 1943 mit Dikter från mossen, der dritten veröffentlichten Gedichtsammlung des Autors. Die Stärke dieser Gedichte beruht in weitem Sinne darin, dass er hier seine eigenen Erfahrungen und seine persönliche Entwicklung verarbeitet, ein Zug, den man auch im einzigen Roman des Autors findet, denn in Trudi entdeckt man sehr viele Züge aus der Vergangenheit von Lagercrantz, die sowohl an die Mutter als auch die Schwester erinnern.

Die Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft spürt man bei Olof Lagercratz sehr deutlich ab dem finnischen Winterkrieg im Jahre 1939, als er am Aufruf Finlands sak är vår mitarbeitete und zur Gruppe jener Personen gehörten, die forderten, dass Schweden auf der Seite Finnlands gegen Russland ziehen muss. Auch wenn der Autor hier Propaganda schrieb und keine Literatur, so wurde er jedoch damit in ganz Schweden bekannt.

Mit zwei Gedichtbänden, dem Roman Trudi und der Karlfeldtstudie Jungfrun och demonerna als Gepäck gelang es Olof Lagercrantz in den Folgejahren als freier Kulturkritiker Zugang zu Zeitungen wie Svenska Dagbladet oder Nya Dagligt Allehanda und zur Zeitschift Bonniers Litterära Magasin zu finden, was in sich einen bedeutenden Widerspruch im Charakter von Lagercrantz zeigt, denn während er sich zur Arbeiterliteratur hingezogen fühlt und sich gegen die Bourgeoisie auflehnt, schreibt er für konservative Zeitungen und vertritt eine extrem konservative Stellung zur Literatur Schwedens.

Im Jahr 1951 steht Olof Lagercrantz an einer bedeutenden Wende seiner Karriere, denn zum einen wird der Autor Kulturredakteur der Tageszeitung Dagens Nyheter und zum anderen legt er seine Biografie über Agnes von Krusenstjerna als Doktorarbeit vor und beginnt damit eine Karriere als Autor von Biografien.

Als Kulturredakteur bei der damals größten Tageszeitung Schwedens gewinnt Olof Lagercranz einen Einfluss über das literarische Geschehen in Schweden, das das gesamte kulturelle Bild Schwedens bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1975 steuern sollte, denn Lagercranz hat kein Mitgefühl für Autoren und er akzeptierte keine andere Linie als seine eigene. Da er zudem eine Vorliebe dafür hat Bücher von Autoren zu besprechen, die er persönlich kennt, zerstört er nicht nur einige seiner Freundschaften dauerhaft, sondern macht sich auch die Hälfte der literarischen Welt zum Feind. Die Rezensionen des Schriftstellers zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass er nicht am Thema Halt macht, sondern persönliche Meinungen einfließen lässt um den Besprechungen Stärke zu verleihen, was ihm nicht nur viele Autoren negativ auslegen.

Seine Arbeit als Biograf begann für Olof Lagercrantz mit einem Buch über Agnes von Krusenstjerna, einem Werk, das vollkommen aus persönlicher Sicht geschrieben wurde und nicht nur auf ihre hinterlassenen Schriften aufbaut, sondern vor allem auf seine persönliche Bekanntschaft mit der Schriftstellerin und Erinnerungen des gemeinsamen Familienkreises. Das Buch ist daher gefärbt von eigenen Eindrücken, was dazu führte, dass die Meinung über die Qualität dieses Buches bis heute gespalten ist.

Auch seine späteren Monografien über Stig Dagerman, Gunnar Ekelöf, Joseph Conrad und vor allem August Strindberg kann man nicht tatsächlich als Darstellung der Autoren bezeichnen, denn Olof Lagercrantz versucht die besprochenen Personen zu analysieren, gibt ihnen Charakterzüge, die er selbst in ihnen sehen will, vermittelt eine Atmosphäre, die nur in ihm selbst gewachsen ist. In gewisser Weise erfindet Lagercrantz dabei die Roman-Biografie, die man min gewissem Vorbehalt lesen muss, denn man steigt vor allem in die Welt von Lagercrantz ein und nicht immer in jene des behandelten Autors.

In seiner Rolle als Chefredakteur der Dagens Nyheter war Olof Lagercrantz jedoch nicht nur in der Welt der schwedischen Literatur eine gefürchtete Person, sondern er arbeitete auch an einer Änderung der gesamten Gesellschaft und öffnete daher neue Blickwinkel, die ihm jedoch erneut mehr Feinde als Freunde machte. Als er offen für die Sexualität eintrat, erklärte ihn Sara Lidman als den Bahnbrecher der Pornografie in Schweden und als er sein Unverständnis gegen den Kampf gegen den Kommunismus in Südvietnam ausdrückte und Amerika für sein Eingreifen kritisierte, wurde er ein Symbol der kommunistischen Bewegung und ein Feind der schwedischen Regierung, die seit Jahren einen Hass gegen die Sowjetunion aufgebaut hatte.

Olof Lagercrantz war eine Person, die bewusst Konflikte provozierte, nicht zuletzt dadurch, das er Personen wie Astrid Lindgren, Dag Hammarskjöld oder den vorherigen Chefredakteur der Dagens Nyheter, Herbert Tingsten, persönlich angriff, aber auch dadurch, dass er sich negativ zur Svenska Akademien, dem Königshaus und der Svenska Kyrkan aussprach. Für Lagercrantz gab es nur eine einzige Wahrheit, nämlich seine persönliche.

Copyright: Herbert Kårlin