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30 maj 2013

Hjalmar Gullberg und das klassische Hörspiel in Schweden

Hjalmar Gullberg wurde am 30. Mai 1898 als Sohn des Großhändlers Gustaf Robert Alexander Brand und dessen Frau Hilda Lovisa Amalia Jonsson in Malmö geboren und nahm sich am 19. Juli 1961 im Alter von 63 Jahren bei Holmeja in Skåne das Leben. Gullberg war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere bekannte Affären und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens gemeinsam mit Greta Thott.

Da die Eltern von Hjalmar Gullberg ihren Sohn nie anerkannten und auch wenig mit ihm zu tun haben wollten, wuchs er bei Pflegeeltern in Malmö auf. Seine wahre Herkunft wurde erst 1928, nach dem Tode der Eltern, einem Erbprozess und Zeugenaussagen, offiziell anerkannt. Da der Vater zum Wohlstand gekommen war, bot die Erbschaft Gullberg, der das Geld auf sichere Weise investierte, eine gewisse Garantie.

Hjalmar Gullber, Ögon, Läppar, Norstedts Förlag, Stockholm, 1959

Sein Abitur machte Hjalmar Gullberg im Jahre 1917 in Malmö, dem er ein neunjähriges Studium in Latein, Griechisch und Literaturgeschichte an der Universität Lund anschloss. Seine Begabung und seine künstlerische Neigung kamen überwiegend aus der elterlichen Linie, die Erziehung kam jedoch von den Pflegeeltern, was eine gute Mischung für den Schriftsteller war. Andererseits traf er seine Eltern hin und wieder und bekam Geschenke von ihnen, so dass sich bei Gullberg auch sehr früh das Gefühl der Ausgeschlossenheit bemerkbar macht, denn er lebte mit Eltern, die nicht seine waren und erfuhr, dass ihn die wahren Eltern ihn als „Kind ohne Mutter und Vater“ eintragen lassen hatten.

Das literarische Interesse zeigte sich bei Hjalmar Gullberg bereits im Gymnasium in Malmö, wo er nicht nur ein starkes Interesse für Schwedisch und die klassischen Sprachen zeigte, sondern sich auch mit den meisten Klassikern der Weltliteratur vertraut machte und begann Novellen zu schreiben.

Während seines Studiums in Lund traf Hjalmar Gullberg seinen Jugendfreund, den Historiker Ingvar Andersson, und kam mit dem Journalisten Ivar Harrie und dem Schriftsteller Sigrid (Tristan) Lindström in Kontakt. Die gesamte Gruppe spielte für die damals neu gegründete Studentenzeitschrift Lundagård eine wichtige Rolle. Gullberg trug als Redakteur mit Poesie, Scherzeinlagen und Prosa bei der Gestaltung der Zeitschirft bei. Gegen Ende seines Studiums begann sich Gullberg, neben der Poesie und der Prosa, insbesondere für das Theater zu interessieren und schrieb seine ersten Theatertexte.

Was die Gedichte von Hjalmar Gullberg besonders stark beeinflusste, waren die zahlreichen Reisen, die der Schriftsteller ab dem Jahre 1922 unternahm, die lediglich von Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, denn bei diesen Reisen sammelte er Eindrücke und in jedem Land, das er besuchte, beschäftigte er sich mit der Kultur und verfasste dort auch einige Gedichte. In der Lyrik des Autors entdeckt man in dieser Zeit sehr deutlich, dass Gullberg nicht nur von den verschiedenen Landschaften und den kulturellen Entwicklungen beeindruckt wurde, sondern er sich auch für die sozialen Strukturen und das Leben der Menschen dieser Länder interessierte. Das Erscheinen seiner Liebesgedicht, die während der Reisen entstanden, sind in der Regel mit einer bestimmten Frau zu verknüpfen, die er dort traf, auch wenn er keines dieser Verhältnisse aufrecht halten konnte.

Gegen Ende der 20er Jahre und ebenfalls unter dem Eindruck der Reisen, begann Hjalmar Gullberg mehrere antike Dramen von Euripides, Aristophanes und von Sophokles zu übersetzen, Dramen, die damals kaum auf schwedischen Bühnen gespielt worden waren. Dank Gullberg wurde Medea im Jahre 1934 erstmals in Schweden aufgeführt und fand den Zugang zum Stockholmer Dramaten. Im gleichen Jahr wurde Hjalmar Gullberg, auf Grund der Erfolge der klassischen Aufführungen, dann auch zum literarischen Berater des Dramaten ernannt.

Nur zwei Jahre später wurde Hjalmar Gullberg auch Direktor für Hörspiele des Schwedischen Rundfunks und bearbeitete zahlreiche seiner Übersetzungen, die im Dramaten gespielt worden waren, auch für den Rundfunk und schuf damit ein neues kulturelles Hörspiel, was allerdings nicht immer sehr positiv von seinen Kollegen aufgenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs gelangte Hjalmar Gullberg auf seinen Höhepunkt und entwickelte sich zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes, was jedoch auch mit seinem Engagement beim Radio zusammenhing, da er weitgehend versuchte durch das Gedicht des Tages eine politische Aussage zu verbreiten ohne dass die Zensur eingreifen konnte. Sehr diskutiert wurde dabei die Wahl des Gedichtes Det eviga von Esaias Tegnér am Tag der deutschen Invasion in Norwegen. Niemand wagte ein Gedicht eines so bedeutenden schwedischen Autors zu verbieten, auch wenn Gullberg damit eine sehr eindeutige politische Position einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hjalmar Gullberg seine Reisen wieder auf, die er ab 1950 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Greta Thott unternahm. Die letzte Reise sollte das Paar Gullberg-Thott im Jahre 1958 nach Sizilien führen, wo der Schriftsteller plötzlich Erlahmungserscheinungen spürte. Die Reise wurde abgebrochen und die beiden kehrten nach Schweden zurück. Im Krankenhaus in Lund stellte man dann fest, dass Gullberg an einer seltenen, unheilbaren Krankheit litt, die ihn langsam vollständig erlahmen lassen sollte. Als er aus diesem Grunde eine längere Zeit in einem Respirator leben musste, entschied er sich zu sterben und ertränkte sich im See Yddingen bei Holmeja.

Hjalmar Gullberg wurde im Jahre 1940 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Selma Lagerlöf, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm. Vier Jahre später wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

13 maj 2013

Östen Sjöstrand, der Dichter, der Antike und Gegenwart verbindet

Östen Sjöstrand wurde am 16. Juni 1925 in Göteborg geboren und starb am 13. Mai 2006 in Stockholm. Sjöstrand war von 1949 bis 1974 mit der Schriftstellerin und Literaturkritikerin Ella Hillbäck verheiratet. Der Schriftsteller gehört zu den wenigen Autoren, die bereits sehr jung zur katholischen Kirche übergetreten sind.

Wie bei sehr vielen Autoren der Gegenwart, so weiß man über die Kindheit und die Jugend von Östen Sjöstrand relativ wenig. Nach seinen eigenen Aussagen interessierte sich der Schriftsteller während des Gymnasiums für Naturwissenschaft und hielt die Poesie für eine Art Philosophie mit der man undefinierbare Gefühle ausdrückt, die außer dem Autor nur wenige begreifen können.

Östen Sjöstrand, Ensamma stjärnor, en gemensam horisont. Dikter i urval av författaren, Svalans lyrikklubb, ALbert Bonnier Förlag, Stockholm, 1970

Diese Einstellung zur Lyrik sollte sich für Östen Sjöstrand jedoch im Laufe der 40er Jahre ändern, als er die Werke von Paul Valéry entdeckte. Ganz plötzlich zeigte sich für Sjöstrand, dass Lyrik ähnlich der Naturwissenschaft nach Perfektion strebt und jedes Wort eine wichtige Rolle spielt, er entdeckte, dass ein Gedicht erst dann zur Literatur wird, wenn seine Aussage auf keine andere Weise ausgedrückt werden kann. Da sich Sjöstrand zudem zur Musik hingezogen fühlte, wollte er seiner Lyrik auch eine Melodie verleihen, die die Aussage jedes Werkes noch gefühlsmäßig überträgt.

Im Jahre 1949 legte Östen Sjöstrand dann seine erste Sammlung an Gedichten unter dem Titel Unio vor, Gedichte, die sehr deutlich von der französischen Poesie beeinflusst wurden und, wie auch jene von Lars Forssell, die Angst der Nachkriegszeit in Schweden ausdrücken. Auch wenn die beiden Dichter anschließend eigene Wege in der Lyrik gehen, so spürt man in Unio und Ryttaren die gleiche Dunkelheit und die gleiche Zukunftsangst, die das lyrische Schaffen Ende der 40er Jahre dominierte.

Die nächsten drei Werke von Östen Sjöstrand zeigen die Auseinandersetzung des Dichter mit der Religion, genauer genommen dem Katholizismus, dem er sich in dieser Zeit anschließt und man spürt in manchen der Gedichte den Kampf des Dichters zwischen Mystik und tiefem katholischem Glauben, die sich in gewisser Weise sehr nahe stehen und dennoch auf ein anderes Dogma aufbauen. Am deutlichsten tritt dies in seinem Werk Återvändo zu Tage, das Sjöstrand im Jahre 1953 veröffentlichte.

Erst nachdem sich Östen Sjöstrand Mitte der 50er Jahre endgültig klar über seinen religiösen Weg ist, wird er auch zu einem Dichter, der sich selbst gefunden hat. Mit seiner Gedichtsammlung Främmande mörker spürt man, dass der Schriftsteller nun eine Verbindung zwischen dem aufstrebenden Europa und der Antike sieht und er greift in seinen Gedichten zur Ästhetik, die ihre Wurzeln noch in der griechischen Dichtung haben, wobei er seine Themen jedoch aus der Gegenwart holt. Diese Entwicklung, die von den Kritikern stark gelobt wird, verhelfen Sjöstrand auch dazu als einer der bedeutendsten Dichter der Mitte des 20. Jahrhunderts anerkannt zu werden.

Etwa zur gleichen Zeit beginnt  Östen Sjöstrand auch die damals modernen französischen Poeten zu übersetzen um diese dem schwedischen Publikum näher zu bringen. Die erste Anthologie der französischen Lyrik veröffentlicht Sjöstrand gemeinsam mit Gunnar Ekelöf unter dem Titel Berömda franska berättare. Während der 60er Jahre gelang es dem Lyriker zahlreiche der in Schweden bis dahin vollkommen unbekannten französischen Dichter einem neuen Publikum vorzustellen.

In den Folgejahren veröffentlicht Östen Sjöstrand nur noch relativ wenige Werke, was mit Sicherheit damit zusammenhängt, dass er erst Redakteur für die von der Svenska Akademien gegründeten kulturellen Zeitschrift Artes wurde und wenig später auch in die Akademie gewählt wurde um nach Pär Lagerkvist auf dem Stuhl Nummer 8 Platz zu nehmen. In der Svenska Akademien, insbesondere auch dem Nobelkomitee, nahm Sjöstrand eine sehr wichtige Rolle ein, obwohl er wenig an die Öffentlichkeit trat. Nahezu 20 Jahre lang übte er hier seinen Einfluss bei der Wahl der Nobelpreisträger in Literatur aus, wobei er dabei insbesondere auf Ästhetik Wert legte, die einen bleibenden Eindruck in der Welt der Literatur behalten sollte.

Östen Sjöstrand, dem zahlreiche der bedeutenden Literaturpreise Schwedens überreicht wurden, beschränkte sich bei seinem Schaffen jedoch nicht nur auf Lyrik, Essays und Übersetzungen, sondern er schrieb auch mehrere Librettos für moderne Opern, wobei er bei einigen der wichtigsten Werke, zum Beispiel der Oper Gästabudet aus dem Jahre 1962, mit dem Komponisten Sven-Erik Bäck zusammenarbeitete.

Dem Lyriker Östen Sjöstrand gelang es nie ein volksnaher Dichter wie sein französisches Vorbild Paul Veléry zu werden, denn die erlesene Sprachwahl berührte nie das breite Publikum. Sjöstrands Wortwahl wurde von dieser Gruppe als hochtrabend und nahezu weltfremd empfunden. Umso größer ist seine Bedeutung bei der Elite der europäischen Dichtkunst, die im akademischen Kreis gesucht wird.

Copyright: Herbert Kårlin

4 april 2013

Peter Englund und die Geschichte Schwedens

Peter Englund wurde am 4. April 1957 als Sohn eines Fahrers einer Brauerei, der sich später zum Ingenieur ausbildete und dessen Ehefrau Gunborg in Boden geboren und ist seit 2005 mit der um 18 Jahre jüngeren Historikerin Josefin verheiratet. Das Ehepaar wohnt mit den gemeinsamen Kindern auf einem Gut bei Uppsala.

Seine Kindheit und seine Jugend verbrachte Peter Englund in Boden, wo er auch das Gymnasium besuchte, zu Beginn die Linie für Pflegeberufe, die er jedoch bald gegen die humanistische Richtung eintauschte, da in der Schule das Interesse für Geschichte die Überhand nahm. In dieser Zeit engagierte sich Englund auch in der FNL-Bewegung und beim Jugendverband der Sozialdemokraten aus dem er jedoch bald ausgeschlossen wurde, da er Verbindungen zu den Trotzkisten hatte.


Nach der Hochschulreife in Boden und seinem fünfzehnmonatigen Wehrdienst begann Peter Englund Archäologie, theoretische Philosophie und Geschichte an der Universität Uppsala zu studieren, ein Studium, das er mit einer Forscherausbildung in Geschichte, einer Doktorarbeit zur Geschichte des 17. Jahrhunderts, seinem Spezialgebiet, und im Jahre 1989 mit einer Disputation beendete.

Bereits im Jahre 1988 erschien unter dem Titel Poltava der absolute Bestseller von Peter Englund, die Geschichte einer Schlacht bei der 10.000 Menschen starben und chronologisch die gesamte Geschichte dieses Untergangs aufzeigt. Bereits bei diesem Werk zeigt sich, dass Englund in erster Linie eine Geschichtswissenschaftler ist, der sich rigoros an überliefertes Material hält, jedoch zum Schriftsteller wird um die Materie in einer einfacheren Sprache einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Nach seinem Werk Det hotade huset, das er auch für seine Disputation vorlegt und ein Jahr nach seinem Bestseller erscheint, wird Peter Englund auch immer häufiger von der Presse um seine Mitarbeit gebeten. Der historische Schriftsteller schreibt in der Folgezeit, neben seinen Geschichtswerken auch Essays für den Expressen und wird schließlich auch Kriegsreporter für die Dagens Nyheter, was bedeutet, dass der Historiker ein Zeitzeuge mehrerer Kriege unserer Zeit wird.

In den 90er Jahren beginnt Peter Englund sein Lebenswerk zu planen, eine Trilogie, die die Geschichte Schwedens von 1625 bis 1680 aus allen möglichen Winkeln beleuchten soll und damit jedes Folgewerk zu dieser Epoche überflüssig macht. Im Jahre 1993 erschien der erste Band unter dem Titel Ofredsår, der zeigt wie ein kleines Land zu einer Großmacht wird und das plötzlich eine wichtige Rolle in der europäischen Politik spielt. Für dieses Buch erhält Englund den Augustpreis für das beste Fachbuch des Jahres.

Der zweite Band der Trilogie erschien erst im Jahre 2000 unter dem Titel Den oövervinnerlige und behandelt vor allem die Krise, die Schweden nach dem Ende des 30-jährigen Krieges einholt und endet etwa 1660. Wann der dritte Band zu diesem Monumentalwerk erscheinen wird, ist ungewiss, da Peter Englund als ständiger Sekretär der Svenska Akademien mittlerweile sehr viel Zeit für andere Dinge als das Schreiben seiner Bücher aufwenden muss.

Hinzu kommt, dass Peter Englund zu Beginn des 21. Jahrhunderts an mehreren Manuskripten für Film und Fernsehen arbeitet, unter anderem an der Fernsehserie Ramona, die die Spannungen der Nachkriegszeit zwischen Schweden und der Sowjetunion beleuchtet und er gibt, gemeinsam mit Kristian Petri, den Kurzroman Jag skall dundra heraus, eine Art Geschichtskriminalroman aus dem Jahre 1706.

Peter Englund betont immer wieder, dass seine Bücher auf Fakten und Dokumente aufbauen und er diese Fakten nie ändern würde um einen literarischen Effekt zu erzielen, da dies seiner Seele als Historiker widerspricht. Auch wenn Englund dabei glaubhaft wirkt, so wurden seine beiden Bücher Ofredsår und Den oövervinnelige vom britischen Geschichtswissenschaftler Robert I. Frost, der sich ebenfalls auf das 17. Jahrhundert spezialisiert hat, sehr in Frage gesetzt und der Brite ist der Meinung, dass es selbst sinnlos wäre alle Fehler Englunds aufzuzählen, eine Meinung, die auch Peter Johnsson in seinem Buch über die polnische Geschichte teilt.

Wenn man auch die Kritiker Peter Englunds betrachtet, so entdeckt man sehr schnell, dass jeder der Forscher zu anderem Material gegriffen hat und die Dokumente auf unterschiedliche Weise gelesen und interpretiert hat. Dies reduziert in keiner Weise Englunds Leistung, aber zeigt, dass die Bücher des Autors doch mehr als Geschichtsliteratur betrachtet werden müssen statt als feststehende historische Tatsachen.

Peter Englund wurde im Jahre 2002 in die Svenska Akademien gewählt und nahm in diesem Jahr, nach Erik Lönnroth, auf dem Stuhl Nummer 10 Platz.

Copyright: Herbert Kårlin

27 mars 2013

Johan Murberg und der Erfolg der schwedischen Sprache

Johan Murberg wurde am 4. Dezember 1734 als Sohn des Seefahrers Jöns Murberg und dessen Frau Magdalena Larsdotter in Gävle geboren und starb am 27. März 1805 im Alter von 70 Jahren in Stockholm. Murberg war ab 1775 mit Lovisa Catharina Menlös verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Johan Murberg ist nichts bekannt, außer dass er ab 1747 die Trivialskola (höhere Grundschule) und ab 1750 das Gymnasium in Gävle besuchte um anschließend Theologie an der Universität in Uppsala zu studieren, ein Studium, das der Pädagoge, Wissenschaftler und Schriftsteller 1761 mit einem Magisterexamen beendete. Ab 1763 arbeitete Murberg dann an der Universität Uppsala als Dozent, erst für die hebräische Sprache und später auch für Altgriechisch.


Foto: SPA (Gemälde eines unbekannten Malers)

Bald verließ jedoch Johan Murberg die universitäre Laufbahn und übernahm erst ein Lektorat an seiner früheren Schule in Gävle um später Rektor der einzigen höheren Schule Stockholms zu werden, eine Aufgabe von der er jedoch, nach zehnjähriger aktiver Tätigkeit, ab 1788 permanent freigestellt war, da er sich anderen pädagogischen und wissenschaftlichen Aufgaben zuwenden sollte.

Bereits in Gävle hatte Johan Murberg klare Ideen einer Schulreform, die er versuchte in Stockholm durchzusetzen. Einer der wichtigsten Punkte für Murberg war die schwedische Sprache der lateinischen gleichzustellen und den Unterricht überwiegend in Schwedisch abzuhalten. Hinzu kam eine Einteilung in mehrere gymnasiale Linien und die Einführung eines Pädagogen für Anfänger. Auch wenn diese Pläne nur in sehr wenigen Punkten zu seiner Lebenszeit akzeptiert wurden, so legte Murberg damit die Basis für einen modernen Schulunterricht, den seine Nachfolger dann in die Praxis umsetzen konnten und die Grundlage für die späteren Reformen bildeten.

Als Literat begann Johan Murberg im Jahre 1776, als er von König Gustaf III. damit beauftragt wurde Jean Racines Athalie zu übersetzen, nachdem er am Hof bereits vorher mit einigen seiner Gedichte und öffentlichen Reden aufgefallen war. Es war daher nahezu logisch, dass der König Murberg 1787, als er die Svenska Akademien gründete, dem Skalden und Pädagogen auch dort einen festen Platz gab. Diese Entscheidung des Königs beruhte natürlich nicht nur auf der Dichtkunst Murbergs, sondern auch auf seinem Einsatz für die schwedische Sprache, da die Akademie den Auftrag hatte ein neues schwedisches Wörterbuch zu verfassen, eine Arbeit in die Murberg weitaus mehr Energie setzte als die anderen Mitglieder der Akademie.

Mit dem Eintritt in die Svenska Akademien war Johan Murberg auch dazu verpflichtet eine wissenschaftliche Arbeit zu leisten und diese zu veröffentlichen. Auch in diesem Punkt zeigte sich Murberg extrem aktiv, wobei er sich dabei insbesondere als kulturhistorischer Forscher bewährte, der geradezu regelmäßig seine Arbeiten vorlegte. Seine Arbeiten waren wissenschaftlich sehr ausführlich und präzise, aber leider konnte Murberg keine logischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ziehen und legte daher nur aufgearbeitetes Archivmaterial vor, das später von anderen Historikern benutzt wurde um damit ein kulturgeschichtliches Bild zu schaffen.

Auch wenn die Leistung von Johan Murbergs für die schwedische Sprache und damit die zukünftige Literatur sehr bedeutend war, so ist seine Leistung innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte sehr eingeschränkt. Werke wie Anmärkningar om kläder och ylletyg, som mest nyttjades i Sverige i konung Gustaf I:s tid (1793), Historiska anmärkningar om brännvinets ålder och bruk i allmänhet och i synnerhet i Sverige (1795) oder Historiska anmärkningar om svenska mynten och myntningen under Gustaf I:s regering (1796) zeichnen sich weniger durch eine literarische Stärke aus als vielmehr durch eine gute Forschungsarbeit. Hervorzuheben ist bei den Werken Murbergs, dass er sie in schwedischer Sprache veröffentlichte und damit mit einer Tradition brach. Dieser revolutionäre Gedanke führte dazu, dass Wissenschaft und Literatur ab dieser Epiche, zumindest teilweise, auch einem Kreis zugänglich gemacht wurde, der bis dahin allein mangels Lateinkenntnissen in die ungebildete Schicht Schwedens abgeschoben wurde.

Johan Murberg wurde nicht nur im Jahre 1787 auf den Stuhl Nummer 17 der Svenska Akademien gewählt, sondern war zusätzlich Mitglied der Vitterhetsakademien und schrieb in diesem Rahmen zahlreiche Artikel zur Geschichte Schwedens, die jedoch nicht alle in Buchform erschienen und ebenfalls von einer sehr kritischen Archivarbeit zeugten. Erstaunlicherweise konnte der Autor auch hier keine Konsequenzen ziehen, sondern beschränkte sich auf nüchterne Ausführungen.

Copyright: Herbert Kårlin

21 mars 2013

Anders Fryxell und der erste Geschichtsroman Schwedens

Anders Fryxell wurde am 7. Februar 1795 als Sohn des Propstes Mathias Fryxell und dessen Frau Eva Lovisa Ekman in Edelskog im Dalsland geboren und starb am 21. März 1881 in Stockholm. Fryxell war mit seiner Cousine Juliana Lagergren verheiratet.

Da Anders Fryxell aus einem lange zurückzuverfolgenden Priestergeschlecht stammte, war es im Grunde logisch, dass auch er die Priesterlaufbahn, die um diese Zeit in der Regel mit der Tätigkeit als Lehrer verbunden war, wählte und sich nach der Hochschulreife in Karlstad im Jahre 1813 an der Universität Uppsala in der philosophischen Fakultät einschrieb. Da 1817 Fryxells Vater starb und daher das Geld ausblieb, musste er vorübergehend als Lehrer in Stockholm arbeiten, was ihn jedoch nicht davon abhielt sein Studium dennoch zu beenden und 1820 zum Priester geweiht zu werden.


Über seine Kindheit und seine Jugend wollte Anders Fryxell nie viel veröffentlichen, was man auch in seinem teilweise autobiographischen Werk Min historias historia sehr schnell feststellen kann. Mehr weiß man über den Schriftsteller erst ab seiner Studienzeit aus der zahlreiche Tagebücher und andere Aufzeichnungen erhalten sind. Bereits im Alter von etwa 20 Jahren war Fryxell ein sehr aktiver Schriftsteller, wobei er jedoch die ersten zehn Jahre vor allem romantische Gedichte und insbesondere das Singspiel Vermlands-Flickan veröffentlichte in dem man auch das bekannte Ack Värmeland du sköna findet.

Parallel zu diesem schöngeistigen Schaffen entwickelt sich Anders Fryxell in den 20er Jahren auch zu einem der wichtigsten Kritiker des Schulsystems jener Zeit, denn bereits 1823 veröffentlicht er anonym das Pamphlet Förslag till enhet och medborgerlighet i de allmänna undervisningsverken, das nahezu als Aufstand gegen das Gesellschaftssystem betrachtet wurde, da Fryxell forderte die Bildung zu verallgemeinern und nicht nur vom klassischen Unterricht abzugehen, sondern auch allen Schweden den gleichen Unterricht zu bieten, also die Bildung nach Stand abzuschaffen und Adelige neben einfachen Menschen in der Schulbank sitzen zu lassen.

Ab den 30er Jahren verwandelte sich Anders Fryxell in einen Schriftsteller, der die gesamte Geschichte Schwedens beleuchten wollte und dabei im Laufe der Zeit zum wissenschaftlichen Forscher wurde. Ein bedeutender Unterschied zwischen Fryxell und den anderen Autoren von Geschichtswerken jener Zeit war jedoch, dass der Autor bei den ersten Bände seiner schwedische Geschichte aus seiner persönlichen Warte schrieb und auf Quellmaterial vollkommen verzichtete. Die Bände waren spannend, aber kaum von den offiziellen Geschichtsschreibern anerkannt.

Nach einigen Reisen nach Deutschland und der steigenden Kritik gegen seine „unsachliche“ Schreibweise begann Anders Fryxell seine Aussagen wissenschaftlich zu untermauern, jedoch erneut nicht im Sinne der damaligen schwedischen Geschichtswissenschaft, sondern er griff zu ausländischen Quellen und diplomatischen Aufzeichnungen, da er der Meinung war, dass sich die schwedische Geschichtsschreibung zu sehr an herkömmlichen nationalen Werten ausrichtete und dadurch keine objektive Betrachtungsweise zulässt.

Natürlich bot auch Anders Fryxell keine neutrale Geschichtsschreibung, da er persönliche moralische Werte in seinen Büchern einfließen lies, die in vielen Punkten den Lehrer Fryxell zeigten, aber auch den starken religiösen Glauben des Autors ausdrückten, was Erik Gustaf Geijer extrem kritisierte, für den die Verbindung von Politik und Geschichte wichtig war.

Fryxell und Geijer gingen zwei völlig verschiedene Wege, hatten aber gemeinsam, dass sie beide davon überzeugt waren diejenigen zu sein, die die schwedische Geschichte verstanden haben und sie nun einer breiten Schicht vermitteln müssen. Während Geijer jedoch nach einer offiziellen wissenschaftlichen Anerkennung suchte, entwickelte sich Fryxell zum Schriftsteller des Volkes und kann als Vorläufer für den Geschichtsroman betrachtet werden.

Auf lange Sichte zeigte sich auch, dass Anders Fryxell mit seiner geschichtlichen Betrachtungsweise, trotz des Widerstands der damaligen Historiker, einen größeren Einfluss auf die geschichtliche Denkweise hatte als Geijer, denn August Strindberg, Viktor Rydberg und Verner von Heidenstam griffen beim Schreiben ihrer Geschichtsromane auf die Werke von Fryxell zurück und sorgte dadurch dafür, dass der Geschichtsroman eine eigene Gattung innerhalb der Literaturgeschichte wurde und den einfachen Leser anzog.

Anders Fryxell fühlte bei seinen Schriften immer einen pädagogischen Auftrag, was man sehr deutlich bei seinem Werk Berättelser ur svenska historien findet, denn er richtete sich mit seinem Stil nicht an Wissenschaftler, sondern wollte die Geschichte zu einer spannenden Materie machen, die der Leser verstehen kann. Für Fryxell sind daher die moralischen Werte und die Gefühle der handelnden Personen wichtiger als eine neutrale Darstellung der geschichtlichen Handlungen, was natürlich den Widerstand der dominanten Historiker herausforderte für die Geschichte kein Stoff für das Volk war, sondern für die höhere Schicht, die Geschichte als Handwerkzeug für ihre Entscheidungen benutzen konnte.

Anders Fryxell wurde 1840 in die Svenska Akademien aufgenommen wo er, nach Johan Olof Wallin, auf dem Stuhl Nummer 1 Platz nahm.

Copyright: Herbert Kårlin

15 mars 2013

Abraham Niclas Edelcrantz, der Skalde des Königs Gustav III.

Abraham Niclas Edelcrantz wurde am 29. Juli 1754 als Sohn des Professors Carl Abraham Clewberg und dessen Frau Agatha Charlotta Fahlenius im finnischen Åbo (Turku) geboren und starb am 15. März 1821 in Stockholm. Nachdem die irische Schriftstellerin Maria Edgeworth seinen Heiratsantrag ablehnte, blieb Edelcrantz unverheiratet.

Wie üblich in bürgerlichen Kreisen, wurde Abraham Niclas Edelcrantz von Privatlehrern unterrichtet mit deren Hilfe er bereits 1766, gerade einmal elf Jahre alt, in der Königlichen Akademie in Åbo aufgenommen wurde und dort sein Studium 1772 mit einem Magister beendete. Mit 18 wurde Edelcrantz, der diesen Namen erst annahm, nachdem er von Gustav III. in den Adelstand aufgenommen worden war, an der gleichen Hochschule Dozent für Physik und Literaturgeschichte.


Sehr bald schloss sich Abraham Niclas Edelcrantz der nationalistischen Aurorasällskapet in Åbo an, einer Gesellschaft, die die erste finnische Zeitung gründete und an der nicht nur Edelcrantz, sondern auch Johan Henric Kellgren aktiv war. Trotz der Karriere, die Edelcrantz in Finnland zu erwarten hatte, entschied dieser sich 1780 nach Stockholm umzuziehen.

Inwieweit Abraham Niclas Edelcrantz bereits 1775 seinen Umzug nach Stockholm plante, ist ungewiss. Sicher ist dagegen, dass in diesem Jahr König Gustav III. nach Åbo kam und Edelcrantz sich, trotz seinen sehr jungen Alters, als hervorragender Skalde bemerkbar machte. Um diese Zeit äußerte sich Edelcrantz auch häufig über den Zukunft des Theaters, das dem „Theaterkönig“ besonders am Herzen lag. Zahlreiche Autoren vermuten, dass Edelcrantz sehr früh seine Karriere am königlichen Hof in Stockholm vorbereitete und hierfür auch seine Beziehungen in der wissenschaftlichen und der kulturellen Welt spielen ließ.

In Stockholm wurde Abraham Niclas Edelcrantz unmittelbar am königlichen Hof angestellt und machte dort sehr schnell Karriere, wobei zu seinem Aufstieg nicht nur seine Dichtkunst und seine Arbeit im Theater eine wichtige Rolle spielt, sondern auch sein technisches Interesse, wobei er sich hierbei vor allem für die Herstellung von Eisen und Branntwein interessierte. Von einer Reise nach England brachte er 1804 vier Dampfmaschinen mit nach Schweden, wobei eine davon für seine eigene Mühle Eldkvarn in Stockholm bestimmt war, zwei die Herstellung von Branntwein in der schwedischen Hauptstadt vereinfachen sollten und die vierte für eine Textilfabrik auf Lidingö bestimmt war.

Gustav III. sah in Abraham Niclas Edelcrantz allerdings mehr den Dichter als den Techniker, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Edelcrantz der romantischen Dichtung Englands dieser Epoche folgte und Abstand von Heldengedichten nahm. Seine Gedichte wirken heute nahezu so, als wären sie für den damaligen Herrscher bestimmt gewesen, da er das Edle hervorhob nach dem auch der König strebte.

Den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erreichte Abraham Niclas Edelcrantz bereits zwischen 1784 und 1786, als der Skalde seine Ode til svenska folket schrieb, ein Werk in dem er die nordische Mythologie mit der Dichtkunst der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbindet und seiner Liebe zu seinem Heimatland Ausdruck verleiht. Dieses Gedicht spielte sicher auch eine große Rolle dafür, dass Edelcrantz 1786 in die Svenska Akademien aufgenommen wurde.

In der Theaterwelt war Abraham Niclas Edelcrantz weniger der künstlerische Leiter als vielmehr derjenige, der als Organisator dem König dabei half das Theater als kulturelle Einrichtung in Schweden zu festigen und der schwedischen Sprache auch in Theaterstücken zum Durchbruch zu verhelfen. Leider waren seine Gedanken im Jahre 1804, als er zum Leiter des königlichen Theaters ernannt wurde und die Oper mit dem Schauspiel verbinden sollte, bereits in anderen Bereichen und Edelcrantz versagte bei dieser Aufgabe. Als dann Gustav IV. Adolf an die Macht kam, der von von Theater nicht viel wissen wollte, legte Edelcrantz sein Amt nieder.

Welche Rolle Abraham Niclas Edelcrantz innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte tatsächlich spielt, ist sehr umstritten, denn auch wenn einige seiner Werke in jener Zeit allgemein bekannt waren und seine Übersetzung von God save the King (Bevare Gud vår kung) 60 Jahre lang Schwedens Nationalhymne war, so hat Edelcrantz im Laufe seines Lebens sehr wenig veröffentlicht und sein Schaffen mehr auf die Interessen von Gustav III. abgestimmt als wirklich eine persönliche Dichtung zu schaffen, so dass der Schriftsteller heute mehr wegen seinem technischen Errungenschaften bekannt ist als für seine Dichtkunst. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Situation sicher eine andere, da Edelcrantz während der Regierungszeit von Gustav III. das kulturelle Leben Schwedens maßgeblich beeinflusste und auch der Lyrik neue Wege gab. 

Abraham Niclas Edelcrantz war Mitglied sämtlicher Akademien seiner Epoche und folgte im Jahre 1786 Carl Fredrik Scheffer auf dem Stuhl Nummer 2 der Svenska Akademien und war damit das erste Mitglied der Akademie, das zu Ehren seines Vorgängers eine Erinnerungsrede hielt.

Copyright: Herbert Kårlin

13 mars 2013

Nils Lorens Sjöberg und die schwedische Lyrik Ende des 18. Jahrhunderts

Nils Lorens Sjöberg wurde am 4. Dezember 1754 als Sohn eines Arbeiters in Jönköping geboren und starb am 13. März 1822 im Alter von 67 Jahren in Stockholm. Sjöberg war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Nils Lorens Sjöberg ist kaum etwas bekannt, was jedoch nicht verwunderlich ist, da Sjöberg aus einer sehr einfachen Familie kommt und die Familie daher in kaum einem Dokument jener Zeit erwähnt wird. Sicher scheint jedoch, dass Sjöberg im Alter von 14 Jahren in Jönköping zur Schule ging und den Philologen Håkan Sjögren als Lehrer hatte.

Bereits nach sechs Jahren Ausbildung hatte Nils Lorens Sjöberg ausreichend Kenntnisse erworben, dass er ein Studium an der Universität Lund beginnen konnte. Da Sjöberg das Ziel hatte Priester zu werden, schrieb er sich in Lund für Philosophie und Theologie ein. Nach seinem ersten Versuch eine Predigt zu halten, sah er jedoch ein, dass er als Priester unfähig war. In der Folge spezialisierte er sich daher auf Jura und wurde 1782 in der Kanzlei des Auswärtigen Amtes angestellt.

Sehr schnell wurde Nils Lorens Sjöberg als hervorragender Skalde bekannt, dessen Gedichte nicht nur in den literarischen Kreisen Schwedens Aufmerksamkeit erregten, sondern auch bei der poetischen Gesellschaft Utile dulci, der Vitterhetsakademien und der Göteborger Vitterhetssällskapet einen Preis nach dem anderen für seine Lyrik erwarb. Die Vitterhetsakademien war insbesondere begeistert von seinem Werk Stockholms försvar af Christina Gyllenstjerna. Mit seinem Werk Gustaf Adolfs anträde till regeringen gewann Sjöberg auch den zweiten Preis der Svenska Akademien, der ihm den Weg in die Literaturgeschichte Schwedens öffnete.

Während man weiß, dass Nils Lorens Sjöberg als Beamter wenig Erfolg hatte und erst 1812 zum Expeditionssekretär ernannt wurde, so ist über seine literarische Arbeit wenig bekannt, denn es wurde nur eine sehr bescheidene Menge an Gedichten überliefert und zu seiner Lebenszeit veröffentlicht. Ein Teil der Literaturwissenschaftler Schwedens nimmt an, das Sjöberg nie sehr produktiv war, auch wenn diese Aussage ebenso wenig bestätigt werden kann wie das Gegenteil.

Im Jahre 1787 wurde Nils Lorens Sjöberg in die Svenska Akademien gewählt und war damit der erste Schriftsteller, der auf dem Stuhl Nummer 18 Platz nahm, da er zu den ersten fünf gewählten Mitgliedern der kurz zuvor vom König eingerichteten Akademie gehörte. Die erste und einzige veröffentlichte Sammlung der Gedichte Sjöbergs erschien im Jahre 1796 unter dem Titel Skaldestycke und wurde 1820 ein weiteres Mal aufgelegt.

Die Bedeutung von Nils Lorens Sjöberg innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist bis heute sehr umstritten, da es sich bei seiner Lyrik um eine stilistische Form handelt, die um diese Zeit vollkommen üblich war und seine Ausdrucksstärke kaum über jener liegt, die man bei zahllosen unbekannten Autoren dieser Epoche findet. Unbestritten ist jedoch, dass er mit seinen Gedichten sein Publikum bezauberte und seine Gedanken und seine Gefühle seinen Lesern und seiner Zuhörern sehr gut vermitteln konnte und sie damit in seinen Bann ziehen konnte.

Für seine literarische Leistung wiederum spricht jedoch ansererseits, dass sich Nils Lorens Sjöberg in einer polemischen Schrift Gustaf Fredrik Gyllenborg in seiner Theorie zur Lyrik der Epoche widersetzte und eine Neuerung der Poesie forderte. In seiner Schrift Svar på anmärkningarne om svenska versificationen, bifogade vid poëmet: Försök om skaldekonsten fordert Sjöberg 1798 eine Befreiung von den bis dahin sehr strengen Jamben, die er für die schwedische Sprache wenig angebracht fand. Auch in seinen eigenen späteren Werken verzichtet Sjöberg auf die strenge Auslegung des jambischen Versmaßes und kann daher als Erneuerer der Lyrik zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrachtet werden.

Die Gedichte von Nils Lorents Sjöberg drücken die Gefühle des Autors aus und sind stark von der Poesie Frankreichs jener Epoche geprägt, wobei nur sehr wenige unter ihnen noch heute in den aktuellen lyrischen Sammelwerken aufgenommen werden, da nur wenige seiner Werke als zeitnah betrachtet werden können, mit der Ausnahme seiner Werke Tjänstemannaödet oder auch Jordbrukaren, die auch heute nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.

Copyright: Herbert Kårlin

5 mars 2013

Katarina Frostenson und die dunkle moderne Lyrik Schwedens

Katarina Frostenson wurde am 5. März 1953 als Tochter eines Agronomen und einer Kuratorin in Hägersten, einem der typischen Vororte Stockholms geboren und ist mit dem Fotografen Jean Claude Arnault verheiratet mit dem sie die Kulturvereinigung Forum in Vasastan betreibt, einem Verein, der heute die Aufgabe der früheren literarischen und kulturellen Salons übernommen hat.

Auch wenn Katarina Frostenson vieles aus dem Leben ihrer Kindheit und ihrer Jugend in ihren Gedichten verarbeitet, so weiß man relativ wenig über die Lyrikerin, Dramaturgin und Schriftstellerin. Frostenson studierte an der Universität Stockholm Literatur, Film- und Theaterwissenschaft, wobei sie nach Abschluss ihres Studiums, Lehrerin war, als Redaktionssektretärin und später als Übersetzerin arbeitete und, unter anderem, Marguerite Duras, Georges Bataille und Henri Michaux ins Schwedische übersetzte.


Ihre literarische Karriere begann für Katarina Frostenson im Jahre 1978 mit dem Gedichtband I mellan, einem Werk, das kaum Aufmerksamkeit erregte und mehr die Suche nach einer neuer Ausdrucksmöglichkeit in der schwedischen Lyrik darstellt als ein bereits ausgereiftes Werk. Im gleichen Jahr erschien auch ihr Essay Raymond Chandler och filmen, eines der wenigen Werke, das über den amerikanischen Autor von Kriminalromane geschrieben wurde, aber ebenfalls nur wenig Beachtung erhielt.

In den Jahren, die Katarina Frostenson zu Beginn der 80er Jahre in Paris verbrachte, entwickelte die Lyrikerin ihren sehr persönlichen und schwer zu fassenden Stil, den sie den Lauten der Großstadt entnimmt in der man Worte sucht, Geräuschen eine Bedeutung gibt und die Leere mit Eindrücken füllt. Frostenson sucht in ihren Gedichten den Worten eine neue Bedeutung zu geben, wobei ihre Schilderungen dabei nahezu düster sind, die die Stadt zu einem Schreckgespenst machen können.

Mit ihrem Buch Stränderna Ende der 80er Jahre greift Katarina Frostenson erstmals zur Prosalyrik, die allerdings weiterhin ihren Kampf mit der Sprache ausdrückt, denn man fühlt, dass sie mit den vorhandenen Worten der schwedischen Sprache nicht auskommt und sie diese ihrem Gefühl anpassen will, was sich vielleicht auch daraus erklärt, dass sie als Autorin zu einem Stil griff, den sie während ihrer gesamten Schulzeit als „eingesperrt, individualistisch und kleinbürgerlich“ bezeichnet hatte, eine Einstellung, sie sie erst mit der Lektüre von Gunnar Ekelöf überwand als sie bereist über 20 Jahre alt war. Als sie daher in den 90er Jahren versuchte diese Grenze des Eingesperrten zu überwinden, greift sie zu kryptischen Stilmitteln und verschlüsselten Worten, deren Inhalt man mehr erfühlen als tatsächlich aus den Worten tentnehmen kann.

Mit ihrem Gedichtband Joner im Jahre 1991, einer Lyrik, die nordische Balladen, Mythologie und die Form von dramatischen Gedichten verbindet, wird Katarina Frostenson zu einer der bedeutendsten schwedischen Lyrikerin der Gegenwart, denn dieses Buch zeigt zum einen eine Entwicklung der Autorin zur Perfektion, zum anderen aber auch ihre konservative Einstellung zur Poesie, die nicht erneuert werden muss, sondern es sind die Worte, die Laute, die Umgebung, die sich in ihrer Welt verändern. Im gleichen Stil von Joner sollten 1994 die Lyrikbände Tankarna und 1999 Korallen folgen, die man nahezu als lyrische Trilogie bezeichnen kann.

Parallel zur Erneuerung der schwedischen Lyrik verändert Katarina Frostenson in den 90er Jahren auch das Drama. Mit Fyra Monodramer geht die Dramatikerin hier den Weg, den Lars Norén bereits einige Jahre früher geöffnet hat, nur dass bei Frostenson nicht die zwischenmenschlichen Relationen eine Rolle spielen, die für Norén bedeutend sind, sondern die Person mit der Umgebung Stadt zurechtkommen muss, denn ohne Worte geht man in der Stadt verloren. Frostenson greift in ihren Dramen zum Surrealismus, aber sie vermischt diese Kunstform mit politischen Aussagen und eigenen Gedanken, die der Zuschauer erst selbst zerpflücken darf und wo er die verschiedenen Fragmente in seiner eigenen Gedankenwelt selbst zusammenfügen muss.

Katarina Frostenson, die einige der bedeutendsten literarischen Preise Schwedens erhielt und 1992 in die Svenska Akademien gewählt wurde, wo sie nach Artur Lundkvist auf dem Stuhl Nummer 8 Platz nahm, gehört mit zu den bedeutendsten modernen Lyrikern Schwedens, die zudem die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft immer wieder mit in ihren Werken aufnimmt und beleuchtet.

Trotz der immensen Bedeutung, die die Autorin bereits in der modernen schwedischen Literaturgeschichte einnimmt, sind bisher nur wenige ihrer Werke übersetzt, was jedoch nicht nur an ihrer Suche nach den idealen Worten liegt, sondern auch daran, dass sie bei den jüngeren Werken auf jede herkömmliche Regel der Sprache verzichtet und selbst Satzzeichen eine wichtige Rolle gibt und damit Werke schafft, die nur in Schwedisch die „wahre“ Aussage treffen, denn nicht das Wort als solches ist ihr Ausdruck, sondern auch die Lautwahl, die mit dem Wort verknüpft wird, ohne jedoch auch nur eine Sekunde lang zur Bildsprache zu greifen.

Copyright: Herbert Kårlin

28 februari 2013

Lotta Lotass und die poetische Prosa des Surrealismus

Lotta Lotass, geborene Hellberg, wurde am 28. Februar 1964 in Borgsheden in Dalarna geboren und lebt seit 1991 in Göteborg. Lotass, eine Anhängerin des Veganismus und der Antialkoholbewegung, gehört zu den modernen schwedischen Autoren, die man trotz ihrer Offenheit nicht vollständig greifen kann, die die Menge scheut und daher nur selten in ihrer Eigenschaft als Schriftstellerin an die Öffentlichkeit tritt.

Ihre Kindheit verbrachte Lotta Lotass in Mockfjärd. Ihr Vater arbeitete in der Fabrik, die Mutter im Altersheim, wobei die Tochter die meiste Zeit bei ihrer Großeltern mütterlicherseits verbrachte, wo sie vermutlich bereits ihre Neigung zum Abstrakten und zur Technik gewann, denn der Großvater war ein ländlicher Erfinder und ein Einzelgänger wie die Autorin selbst. Mit 16 verließ Lotass das kleine Dorf und zog nach Borlänge, wo sie nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten bei Komvux im Jahre 1990 ihre Hochschulreife nachholte.


Im Jahre 1991 verließ Lotta Lotass Borlänge und begann an Universität Göteborg Philosophie und Literaturwissenschaft zu studieren. Im Jahre 2002, zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten Romanes, schrieb sie in Göteborg unter dem Titel Friheten meddead - Studier i Stig Dagermans författarskap ihre Doktorarbeit über Stig Dagerman. Bereits 2009 wurde die Schriftstellerin als jüngstes Mitglied in die Svenska Akademien gewählt, wo sie auf dem Stuhl Nummer 1 nach Sten Rudholm Platz nahm.

Ihr literarisches Debüt machte Lotta Lotass mit dem ersten Band einer Trilogie, die dem Leser die Person Lotass in ihrer Heimatregion näher bringt, da der erste Band Dalarna als Hintergrund hat und man in den handelnden Personen sehr viele Züge von wirklichen Personen entdecken kann, die die Denkweise und die Ideen von Lotass prägten.

Wer das erste Buch von Lotta Lotass, Kallkällan, in die Hände nimmt und einige Sätze daraus liest, entdeckt unmittelbar, dass es sich dabei nicht um ein Buch wie viele andere handelt, denn selbstverständlich beherrscht die Schriftstellerin Stilistik und Wortwahl, aber der Unterschied ist, dass Lotass Prosa in Versform schreibt und einen Roman zu einem Gedicht macht ohne ihm die Spannung und den logischen Handlungsablauf zu nehmen. Lotass lässt den Leser von einer realistischen und greifbaren Welt, die sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig abspielt, in eine surrealistische Welt gleiten in der die Grenzen zwischen Leben und Tod verschwinden, lässt ihn aber dennoch ohne Probleme in ihre literarische Welt eindringen.

In ihren Büchern, Dramas und Hörspielen geht Lotta Lotass oft bis an die Grenze des literarisch Möglichen und fordert daher die Aufmerksamkeit des Lesers, denn Lotass bietet keine Rezepte, sondern verlangt, dass der Leser selbst die Lösung findet, die zudem von Leser zu Leser sehr unterschiedlich sein kann. Diese Art des Schaffens unterscheidet Lotass von den anderen Gegenwartsautoren, die Angst davor haben ihre eigene Grenze zu überschreiten oder persönliche Erfahrungen in Frage zu stellen.

Mit jedem Buch, das Lotta Lotass veröffentlicht, überrascht die Autorin seine Leser erneut, denn auch wenn sie ihre Themen teilweise aus scheinbar bekannten Themen der Technik oder, wie bei ihrem bisher jüngsten Roman Konungarnas tillbedjan, aus der Bibel holt, so entwickelt sich daraus ein surrealistisches Meisterwerk, das völlig andere Bahnen nimmt als man auf Grund des Titels annimmt. In Konungarnas tillbedjan greift Lotass die Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem auf, aber sie gibt nicht, wie die Religion, eine klare Antwort, sondern las vor der Redaktion ihres Werkes das Matthäusevangelium so wie es aufgezeichnet wurde, was dazu führt, dass nicht Erklärungen geboten werden, sondern Fragen auftauchen die es ermöglichen die Bibel mit neuen und kritischen Augen zu lesen ohne sich jedoch vom Glauben abwenden zu müssen.

Obwohl Lotta Lotass eine der bedeutendsten modernen Autoren Schwedens ist, der schon heute ein Platz in der Literaturgeschichte Schwedens garantiert ist, so ist die Autorin mit ihren Büchern in anderen Ländern kaum bekannt. Die Ursache kann man darin suchen, dass Lotass die schwedische Sprache und die Prosalyrik meistert und dabei mit den Worten aus unterschiedlichen Epochen und selbst Regionen spielt, was die beste Übersetzung zur Arbeit eines Stümpers werden lässt, denn Lotass schreibt keine Romane mit den Worte einer Sprache, sondern sie malt lyrische Bilder in Prosaform, die selbst schwedische Leser nicht immer fassen können. Wer daher die Leistung von Lotass wirklich erfassen will, ist gezwungen ihre Werke in schwedischer Sprache zu lesen und diese sehr gut zu beherrschen.

Copyright: Herbert Kårlin

27 februari 2013

Frans Michael Franzén, vom modernen Dichter zum Bischof

Frans Michael Franzén wurde am 9. Februar 1772 als Sohn des Kaufmanns Zachris Frantzén und dessen Frau Helena Michaelsdotter Schulin in Uleåborg, im heutigen Finnland, geboren und starb am 14. August 1847 in Säbrå bei Härnösand. Franzén war in erster Ehe mit Margareta Elisabet (Lilly) Roos verheiratet, in zweiter Ehe mit Sophia Christina Wester und in dritter Ehe mit Christina Elisabeth Arvedsson, wobei er sich jeweils nach dem Tod seiner Frauen neu verheiratete.

Seine kurze Kindheit verbrachte Frans Michael Franzén in Uleåborg, wo er auch die Grundschule besuchte. Bereits mit 13 Jahren wurde Franzén jedoch Student an der Königlichen Akademie in Åbo (Turku). Auch wenn der Vater wünschte, dass der Junge ebenfalls die kaufmännische Laufbahn einschlägt, so entschied sich Franzén für ein Philosophiestudium unter Henrik Gabriel Porthan, unter dem er 1789 promovierte. Ein Jahr später ging Franzén an die Universität Uppsala um sich dort mit Immanuel Kant und Daniel Boëthius auseinanderzusetzen. Zurück in Åbo disputierte der Philosoph 1791 dann mit dem Werk Om språkets ursprung, was dazu führte, dass er bereits im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik wurde.


Gemälde von J. G: Sandberg, 1823
Schwedisches reichsarchiv

Das älteste erhaltene Gedicht von Frans Michael Franzén mit dem Titel Aftonen schrieb der Poet mit 14 Jahren. Auch wenn dieses Werk noch stark von der französischen Literatur der Zeit beeinflusst ist und Franzén noch die Erfahrungen des Lebens fehlen, so zeigt bereits dieses erste Gedicht seine stilistische Reife und Sicherheit, die kaum zu übertreffen ist. Während seines Studiums wendet sich der Schriftsteller dann von der französischen Literatur ab und immer mehr der germanischen Dichtung zu um schließlich die deutsche Poesie zu entdecken, die seine Hauptwerke maßgeblich beeinflussen.

Eine sehr große Bedeutung hatte für das Schaffen von Frans Michael Franzén hat auch sein erster Aufenthalt in Stockholm im Jahre 1793, denn dank eines Empfehlungsschreibens seines Professors, kam er in Kontakt mit Johan Henric Kellgren, Abraham Niclas Edelcrantz und Nils von Rosenstein, der sich vor allem für seine Rede über König Gustav III. interessierte.

Das Treffen mit Kellgren, dem Frans Michael Franzén einige seiner Gedichte zu lesen gab, öffnete dem Skalden auch die Welt der Literatur, da Kellgren dafür sorgte, dass einige der Werke von Franzén in der Stockholms-Posten veröffentlicht wurden und damit den jungen Skalden als eine der größten literarischen Hoffnungen bekannt machten. Die Gedichte, die in der Stockholms-Posten gedruckt wurden, zeigen bereits die erste Wandlung des Dichters, der hier zum freien Vers greift und sich dem vorromantischen modernen Strom anschließt bei dem Gefühl, Schönheit und der Idealismus im Zentrum stehen. Franzén zeigt bei diesen Werken jedoch auch, dass er nicht die deutsche Dichtung kopiert, sondern lediglich die Ideen übernimmt und der schwedischen Gesellschaft anpasst.

Als Frans Michael Franzén 1794 nach Åbo zurückkehrt, wird er Redakteur bei den Zeitschriften der Gesellschaft Aurora, den Vorläufern der Åbo tidningar, deren Herausgeber Henrik Gabriel Porthan war, sein Universitätsprofessor. Ab 1795 wurde der Skalde dann Erzieher von Carl Fredrik Bremer, dem Vater der Schriftstellerin Fredrika Bremer, mit dem er zahlreiche Reisen durch Europa machte. Als Franzén wieder nach Schweden kommt, schreibt er sein bekanntestes Gedicht Sång öfver grefve Gustaf Philip Creutz für das er 1797 mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde. Allerdings hatte dieser Preis eine Kehrseite, denn die Akademie forderte vom Dichter einige Änderungen, damit das Werk dem Geist der Akademie näher kommt. Diese Forderung muss bei Franzén eine gewisse Krise ausgelöst haben, denn nach diesem Gedicht verstummt er für längere Zeit.

In den Folgejahren widmete sich Frans Michael Franzén dann vor allem seiner wissenschaftlichen Karriere und 1801 wurde er Professor für Moralphilosophie. In dieser Zeit, in der verschiedene Gedichte des Dichters, jedoch ohne klare Linie, erscheinen, ändert sich seine Gedankenwelt, denn Franzén gewinnt die Einsicht, dass Philosophie nur  aus der Lehre Gottes entstanden ist. In diesem Gedanken lässt sich Franzén dann bereits 1803 zum Priester weihen um Gott näher zu kommen.

Als der Finnische Krieg ausbricht, muss sich Frans Michael Franzén entschieden, ob er in Finnland bleiben will oder nach Schweden geht. Der Schriftsteller wählt Schweden und wird 1811 Priester in Kumla, wird 1824 nach Stockholm versetzt und einige Jahre später Bischof in Härnösand, wo er nicht nur für das geistige Wohl des nahezu gesamten Norrlandes verantwortlich war, sondern auch über die Ausbildung in allen Schulen entschied.

Mit dieser geistigen Änderung von Frans Michael Franzén ändert sich auch seine literarische Arbeit, denn ab 1810 entstehen unter seiner Feder zahlreiche Psalmen von denen 13 noch im jüngsten Psalmbuch von 1986 enthalten sind und neben seinen Skaldestycken in sieben Bänden, die zwischen 1824 und 1861 erschienen, veröffentlicht er fünf Bände an Predigten, die er für besonders bedeutend hält und er veröffentlicht seine dreibändigen Memoiren.

Während man Frans Michael Franzén bis zu den 20er Jahren als einen der bedeutendsten Dichter seiner Zeit beschreiben kann, zeigt er sich danach immer konservativer und seine Werke verlieren an Stärke, was selbst dazu führt, dass Franzén von Esaias Tegnér als einfältig kritisiert wird. Der Dichter lebte jedoch weiter in seiner Vergangenheit und verschloss sich jeder Kritik, zumal er in Finnland immer noch als Nationalheld gesehen wurde.

Frans Michael Franzén wurde am 5. Mai 1808 in die Svenska Akademien gewählt, wo er nach Gustaf Fredrik Gyllenborg den Stuhl Nummer 13 einnahm.

Copyright: Herbert Kårlin

19 februari 2013

Kjell Espmark, ein Leben für eine unsterbliche Literatur

Kjell Espmark wurde am 19. Februar 1930 in Strömsund im Jämtland als Sohn eines Zahnarztes geboren, den er jedoch nur die ersten zwei Jahre seines Lebens erlebte, da sich die Eltern 1932 scheiden ließen und die Mutter mit dem Schriftsteller und seinem Bruder nach Stockholm ging, wo sie sich ebenfalls zur Zahnärztin ausbildete. Espmark lebt abwechseln in Stockholm und auf Gotland.

An seine Kindheit und seine Jugend will sich Kjell Espmark wenig erinnern, da ihn die zersplitterte Familie und eine ehrgeizige Mutter, die bei Schwierigkeiten immer wieder mit Selbstmord drohte, wenig Familiengefühl schaffen konnte. Eine Beziehung konnte Espmark daher weder zu seiner Mutter noch zu seinem Vater aufbauen. Nach der Hochschulreife studierte der Schriftsteller Literaturwissenschaft an der Universität Stockholm, wo er von 1978 bis 1995 auch auch als Professor in diesem Fach tätig war.


Noch während seines Studiums in Stockholm erschien die erste von zwölf Gedichtsammlungen von Kjell Espmark. Nach Aussagen des Autors selbst handelt es sich bei diesen zwölf Bänden, die mit Mordet på Benjamin beginnen und 2007 mit Vintergata enden, um eine eine einzige Linie, die auf seinen letzten Gedichtband zuführt, in dem er das Gedicht zu einem Sprachrohr anderer macht und daher zum Rollengedicht greift, das in unterschiedlichen Teilen der Erde und in unterschiedlichen geschichtlichen Epochen lebt. Seine Gedichte bilden eine gewisse Einheit, die auch den Wissenschaftler Espmark durchkommen lassen, der die Lyrik des klassischen Altertums mit den modernsten Strömungen verbinden kann. Nach mehreren Kritikern hat Esplunds mit seinem letzte Lyrikband das höchste Ziel eines Poeten erreicht nach dem andere Dichter noch suchen.

Auch wenn Kjell Espmark vor allem durch seine Lyrik bekannt wurde, so veröffentlichte er zwischen 1987 und 1997 auch sieben Romane, die in ihrer Art einzigartig sind und den sieben Todsünden entsprechen, denn der Autor nahm sich vor „Die menschliche Komödie“ von Honoré de Balzac und die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri in einer modernen Version für die schwedische Gegenwartsgesellschaft zu schreiben, ein Projekt, das der Autor seit Jahren vorbereitet hatte und keinem anderen Werk der Gegenwart gegenübergestellt werden kann. Den ersten Band nennt Espmark Glömskan (Die Vergesslichkeit) und den letzten Glädjen (Die Freude) und das Gesamtwerk Glömskans tid. Das Werk findet eine große Beachtung, aber es überfordert die Kritiker, zumal die Romanfolge geradezu wissenschaftlich geplant ist und die Wortwahl einem Professor für Literaturwissenschaft gerecht wird, aber gleichzeitig eine Gegenwart zeigt in der Schweden bereits in Scherben liegt. Der Leser wird symbolisch in die schwedische Hölle Dantes geführt.

Der Tod der Ehefrau zur Jahrtausendwende führt Kjell Espmark dann vollkommen in die Welt der Worte, was sich gewissermaßen sogar positiv auf sein Schaffen und die Tiefe seiner Werke auswirkt. Die Bewältigung seines Schmerzes findet man indes in seinem Gedichtband De levande har inga gravar bei dem er seine Gedichte seiner toten Frau in den Mund legt. Dieses Werk ist indes ein Teil seiner 12-bändigen Gedichtsammlung.

Den Beginn des 21. Jahrhunderts widmet Kjell Espmark verstärkt der Prosa. Im Jahre 2005 erscheint seine Biografie über Harry Martinson, in der er versucht die Stärken des Autors hervorzuheben und die Schwächen abzuschwächen. Fünf Jahre später veröffentlicht Espmark seine etwas versteckten Memoiren Minnena ljuger, die er Minnen bara minnen (Erinnerungen, nichts als Erinnerungen) nennt. Der Autor, der vorher immer erklärte, dass er keinerlei Neigung zum Schreiben seiner Memoiren hat, nimmt hier eine Hintertür indem er bereits mit dem Titel erklärt, dass es sich um subjektive Erinnerungen handelt und nicht um eine objektive Wirklichkeit, und zum anderen bezeichnet er es als Erinnerungen und verzichtet bewusst darauf sein Leben in seiner Gesamtheit aufzudecken.

Der letzte Titel, den Kjell Espmark bisher vorlegte, erschien im Jahre 2011 unter dem Titel I vargtimmen und kann als Ergänzung zu seinen nicht geschriebenen Memoiren betrachtet werden, da es in melancholischer Art die Gedanken des Autors im Laufe des Lebens schildert und von Personen handelt, die ihm im während dieser Zeit wichtig waren oder ihm näher kamen.

Als Schriftsteller gehört Kjell Espmark einer Gruppe an Autoren an, die in ihrer Denkweise noch in der Epoche vor den 68er Jahren leben und danach den Untergang Schwedens sehen, das seine gesellschaftliche Werte und selbst seine Sprache langsam verliert ,ohne dass der Schriftsteller jedoch zum wirklich konservativen Flügel neigt. Diese Einstellung wirkt sich auch auf seine Sprache aus und hängt sicher damit zusammen, dass er sein Leben lang mit der Literatur der Vergangenheit konfrontiert war, die er seinen Studenten auf eine spannende Weise präsentieren musste.

Kjell Espmark wurde im Jahre 1981 in die Svenska Akademien gewählt und nahm, nach Elias Wessén, auf dem Stuhl Nummer 16 Platz. Durch Zufall nahm Espmark damit als Literaturwissenschaftler den Platz eines Sprachforschers ein.

Copyright: Herbert Kårlin

15 februari 2013

Fredrik August Dahlgren, der Forscher der schwedischen Sprache

Fredrik August Dahlgren wurde am 20. September 1816 als Sohn des Grubenverwalters und Gutsbesitzers Bartold Dahlgren und dessen Ehefrau Anna Karolina Svensson in Nordmark im Värmland geboren und starb am 16. Februar 1895 in Djursholm bei Stockholm. Dahlgren war mit Ulrika Magdalena von Heland verheiratet.

Die Kindheit verbrachte Fredrik August Dahlgren in einem Gut in dem immer reges Leben herrschte, nicht zuletzt auch, weil außer den zahlreichen Geschwistern auch die Nachbarn mit ihrer Kinderschar dort verkehrte. Die Schule besuchte Dahlgren in Karlstad, wo er auch die Hochschulreife ablegte bevor er sich an der Universitä Uppsala einschrieb und unter Per Daniel Amadeus Atterbom Literaturwissenschaft studierte. Statt jedoch nach seiner Disputation im Jahre 1839, wie geplant, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, wählte Dahlgren die Laufbahn eines Staatsdieners.


Während seiner Arbeit im Reichsarchiv beschäftigte sich Fredrik August Dahlgren vor allem mit geschichtlichen Abhandlungen des Landes und war in den Anfangsjahren verantwortlich für die Herausgabe von Handschriften. Diese Tätigkeit, die ihn faszinierte, brachte ihm einen guten Einblick in die Geschichte Schwedens, was auch einen bedeutenden Einfluss auf seine Werke ausübte.

Außer seinen beiden wissenschaftlichen Werken an der Universität Uppsala und einem Aufsatz mit dem Thema Det yngsta Sverige, hat Fredrik August Dahlgren relativ wenige Werke unter seinem Namen veröffentlicht und ist damit einer der bedeutendsten schwedischen unpersönlichen Autoren, der mehr als Herausgeber, Übersetzer und Lektor arbeitete, aber in diesem Rahmen eine maßgebliche Arbeit innerhalb der schwedischen Literatur leistete für die sich vor allem die Svenska Akademien interessierte.

Als Fredrik August Dahlgren im Jahre 1866 seine Anteckningar om Stockholms theatrar veröffentlichte, so umfasste dieses Werk nicht nur ein Verzeichnis aller Theaterstücke, die das Königliche Theater zwischen 1737 und 1863 aufführte, sondern man findet auch die Interpretationen Dahlgrens zu den Schauspielen. Als Übersetzer hatte der Schriftsteller dabei unter anderem Pedro Calderón de la Barcas Lifvet en dröm und William Shakespeares Romeo och Julia auf die schwedische Bühne gebracht und damit der Theaterkunst Schwedens neue Wege gewiesen.

Als Schriftsteller als solches trat Fredrik August Dahlgren vor allem mit dem Lustspiel Wermlänningarne im Jahre 1846 und mit seinen Viser på varmlanske tongmåle im Jahre 1875 hervor, wobei sein Theaterstück Wermlänningarne bis Mitte des 20. Jahrhunderts regelmäßig neu aufgelegt wurde und als Bestseller zu bezeichnen ist, auch wenn das Werk heute nahezu vergessen scheint. Der Erfolg des Stückes lag allerdings nicht an seiner Einmaligkeit, denn die Idee nimmt Dahlgren sehr deutlich von „Romeo und Julia“, aber er stellt die Handlung in das Bergwerkmilieu des Värmlands und gibt ihm daher eine völlig andere Aussage, ähnlich dem Werk „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller, der ebenfalls das Thema Shakespeares als Basis hatte.

Welche Bedeutung Fredrik August Dahlgren für die schwedische Literaturgeschichte spielt, sieht man auch an seinem Werk Glossarium öfver föråldrade ord, das er bereits während seiner Pension zusammenstellte, aber das jedoch erst rund zehn Jahre nach seinem Tode erschien. Dahlgren lieferte hier ein Handbuch der vergangenen Sprache Schwedens, das die Grundlage für das Standardwerk der Svenska Akademien wurde und dem Leser einen tiefen Einblick in die Entwicklung der schwedischen Sprache bietet. In diesem Rahmen darf man auch nicht vergessen, dass der Schriftsteller die älteren Auflagen der Svenska akademiens ordlista redigierte und damit jedem Schriftsteller des Landes das Handwerkzeug zur korrekten Sprachanwendung bot.

Fredrik August Dahlgren erhielt für seine Leistungen als Dramatiker mehrere Preise der Svenska Akademien und wurde 1871 auch in die Akadamie gewählt, wo er Anders Grafström auf dem Stuhl Nummer 6 folgte.

Auch wenn heute nur noch wenigen Schweden der Name Fredrik August Dahlgren etwas sagt, so gibt es keinen Schweden, der ihn nicht indirekt kennt und kaum ein Besucher des Landes wird nicht indirekt an den Schriftsteller erinnert, denn in seinem Werk Wermlänningarne findet man den Text zu einem der bekanntesten Volkslieder Schwedens, nämlich Ack Värmeland, du sköna, das aus der Feder von Fredrik August Dahlgrens und Anders Fryxells stammt.

Copyright: Herbert Kårlin

12 februari 2013

Harry Martinson, ein Nobelpreisträger begeht Selbstmord

Harry Martinson wurde am 6. Mai 1904 als Sohn des Landhändlers Martin Olofsson und dessen Frau Bengta (Betty) Swensson in Jämshög in Blekinge geboren und starb am 11. Februar 1978 in Stockholm. Martinson war in erster Ehe mit Maria (Moa) Swartz, der Schriftstellerin Moa Martinson, und in zweiter Ehe mit Ingrid Lindcrantz verheiratet.

Die Kindheit von Harry Martinson war durch einen gewalttätigen Alkoholiker als Vater geprägt, der im Jahre 1910, nach einem Gefängnisaufenthalt, an Lungentuberkulose starb. Die Mutter erzog im folgenden Jahr die gemeinsamen sieben Kinder allein, bevor sie dann jedoch ohne ihre Kinder nach Amerika auswanderte. Die Halbschwester der Mutter versuchte kurze Zeit die Familie zusammenzuhalten, was ihr jedoch nicht gelang, so dass Martinson 1912 ins Kinderheim kam. Diese Zeit beschreibt der Schriftsteller in seinen beiden Romanen Nässlorna blomma und Vägen ut.


Wie alle Kinder, die um diese Zeit in diesen Heimen landeten, besuchte Harry Martinson nur die sechsjährige Volksschule um direkt anschliessend alle möglichen Arbeiten zu beginnen. Mit 17 ging der Schriftsteller dann zur See. Auf Grund einer Lungenkrankheit musste Martinson diesen Beruf jedoch bereits 1927 wieder aufgeben und trieb sich einige Zeit als Landstreicher durch Schweden und Norwegen.

Literarisch machte sich Harry Martinson erstmals mit seiner Gedichtsammlung Spökskepp im Jahre 1929 bemerkbar, auch wenn die Gedichte noch sehr wenig von der späteren Kraft des Autors zeigen, da sich diese Gedichte noch zu sehr an Werke von Dan Andersson und Gustaf Fröding anlehnen.

Den folgenden Gedichtband Nomad, der sehr positiv von der Kritik  beurteilt wurde, und seine Reisebücher, die er zu Beginn der 30er Jahre schrieb (Resor utan mål, Kap farväl) sind als Übergang zu einer ausgereiften literarischen Tätigkeit von Harry Martinson zu sehen, wobei insbesondere die Reiseromane eine Art Aufarbeitung seiner Vergangenheit und die Erinnerungen an sein Reisen als Seemann darstellen.

Die Reisebücher mit ihrem abenteuerlichen Hintergrund brachten Harry Martinson eine junge Leserschicht, die ihn geradezu als Vorbild und Ideal sah. Seine folgendenRomane,  Essays, seine Gedichte und andere Werke werden zum Erfolg, auch wenn der Schriftsteller nicht sehr produktiv ist, da er als Arbeiterautor mit Worten und Formulierungen zu kämpfen hat, was er jedoch sehr gut meistert.

Den Höhepunkt erreicht Harry Martinson dann mit seinem Epos Aniara, en revy om människan i tid och rum im Jahre 1956, einem Epos in 103 Gesängen, das später die Grundlage für Erik Lindegrens Oper wird, zu der Karl-Birger Blomdahl die Musik schreibt. Nach dem enormen Erfolg des Buches beginn jedoch der Abstieg des Schriftstellers, denn die Kritik beginnt sich von dem Egozentriker abzuwenden, der mit seiner dunklen Gesellschaftskritik immer deutlicher wird, aber auch eine gewisse Überheblichkeit zu zeigen beginnt, da seine Worte eine immer größere Bedeutung in der Gesellschaft gewinnen. Während ihn ein Teil der Literaten als Genie betrachtet, sehen ihn andere nur als Emporkömmling, der Glück hatte und negative Züge sucht.

Als Harry Martinson dann im Jahre 1974, gemeinsam mit Eyvind Johnson, den Nobelpreis für Literatur bekam, wurde die Kritik sowohl an der Svenska Akademien als auch an Martinson besonders laut, da er bei der Vergabe des Preises bereits Mitglied der Akademie war und im Ausland ein nahezu unbekannter Schriftsteller war. Plötzlich war auch nicht mehr die Leistung des Schriftstellers von Bedeutung, sondern aus Eifersucht versuchten bekannte Literaten und Kritiker den Ruf von Martinson zu zerstören. Obwohl Eyvind Johnson in der gleichen Position wie Martinson war, blieb er von der Verfolgung weitgehend verschont und verkraftete auch die Kritik besser.

Sicher ist, dass Harry Martinson nach seinem Epos Aniara nur noch sehr wenig geschrieben hat und nach der Vergabe des Nobelpreises erschienen nur noch zwei Werke posthum, was man auf die verschiedenst Weise deuten kann, denn bewiesen ist, dass vor allem seine Gedichte ab Ende der 50er Jahre eine Schwermut des Autors zeigen, der sein Leben lang um eine Anerkennung durch Gesellschaft gekämpft hatte. Die Kritik nach dem Nobelpreis hatte ihn jedoch vollkommen zerstört, was letztendlich dazu führte, dass Martinson 1978 im Karolinska Krankenhaus in Stockholm mit einer Schere Seppuku beging. Lars Gyllensten versucht in seinen Memoiren die letzte Phase des Schriftstellers zu erklären.

Harry Martinson wurde 1949 in die Svenska Akademien aufgenommen, wo er nach Elin Wägner auf dem Stuhl Nummer 15 Platz nahm. Im Jahre 1954 wurde er zum Ehrendoktor in Philosophie an der Universität Göteborg ernannt. Er erhielt im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen. Die Kritik an ihm wurde jedoch bis heute nicht ganz zu den Akten gelegt, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass Martinson in die Epoche des literarischen Umbruchs der 60er Jahre geriet, einen Umbruch in dem das Epos Aniara als unverständlich betrachtet wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

31 januari 2013

Lars Forssell und die Nachkriegsliteratur Schwedens

Lars Forssell wurde am 14. Januar 1928 als Sohn des Stadtarchivars Arne Forssell und dessen Frau Lisa Falke in Stockholm geboren und starb am 26. Juli 2007 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Forssell war ab dem 16. Mai 1951 bis zu seinem Tode mit Kerstin Hane verheiratet.

Seine Kindheit und seine Jugend verbrachte Lars Forssell in Stockholm, wo er auch in die Kungsholms Volksschule ging, die die Kinder wegen ihrer hohen Anzahl in zwei Schichten besuchten. Nach seiner Hochschulreife ging Forssell in die USA, wo er Soziologie studierte. 1948 schloss er seine Studien in Illinois mit dem Bachelor of Arts ab, kehrte dann nach Schweden zurück und schrieb sich an der Universität Uppsala in der philosophischen Fakultät ein, ein Studium, das der Schriftsteller 1952 beendete.


Noch 1949 begann Lars Forssell neben seinem Studium auch als Dichter zu arbeiten und veröffentlichte seinen ersten Gedichtband Ryttaren. Die einzelnen Werke waren allerdings alle noch im Gedanken der symbolhaften Dichtung der 40er Jahre geschrieben, wobei man auch den Einfluss von Erik Lindegren deutlich spürt. Erst in seinen nächsten lyrischen Werk Narren von 1952 und und dem Essay Chaplin von 1953 sind diese Einflüsse verblasst und man entdeckt einen Poeten und Schriftsteller, der nicht nur einen eigenen Stil entwickelt hat, sondern auch eine neue Ära in der schwedischen Lyrik einleitet.

Nachdem Lars Forssell 1952 sein Studium in Uppsala erfolgreich abgeschlossen hatte, widmete er sich vollständig dem Schreiben, was natürlich bedeutet, dass er nicht nur literarisch aktiv wird, sondern auch als Journalist für Utsikt, BLM, Expressen und Dagens Nyheter in den Kulturredaktionen tätig wird und beginnt Texte für das Kabarett und populäre Lieder zu schreiben.

Ab Ende der 50er Jahre läuft die Karriere von Lars Forssell zweigleisig, denn beim schwedischen Volk wird er mit seinen Volksweisen, Liedern und Revuetexten bekannt, in der literarischen Welt gewinnt er vor allem mit seinen Gedichten Anerkennung, obwohl Forssell auch Essays, Prosa, Theaterstücke und Kinderbücher schreibt. In den 70er Jahren schreibt der Schriftsteller neben seinen literarischen Texten auch zahlreiche Schlagertexte, unter anderem für Lill-Babs.

Heute bezeichnet man Lars Forssell als den ersten Dichter Schwedens, der zum einen die Nachkriegslyrik schuf, zum anderen aber auch mit der Tradition brach, die davon ausging, dass Lyrik etwas Göttliches sein muss und durch Inspiration entsteht. Für Forssell war Poesie auf allen Niveaus möglich, da Poesie die Sprache des Herzens ist, aber jedes Herz auch eine andere Sprache benutzt. Sehr oft bezog sich der Lyriker hierbei auch auf Evert Taube, der die Lyrik des Volkes zu nutzen wusste.

Auch in den 60er Jahren bleibt Lars Forssell Schriftsteller und Schreiber von Schlagertexten, wobei er sich jedoch in dieser Epoche auch politisch engagiert und sich, unter anderem, für die Dritte Welt einsetzt. Ein deutlicher Ausdruck davon sind die beiden Gedichtbände Ändå von 1968 und Oktoberdikter von 1971, die sehr deutlich den modernen Trend jener Zeit ausdrücken und literarisch einen neuen Weg zeigen.

Seine große Leistung der 60er und 70er Jahre waren jedoch nicht seine Gedichte, da Lyrik immer nur eine kleine Schickt der Bevölkerung ansprechen kann. Lars Forssell, der auch als Übersetzer arbeitete und die kulturelle Bewegung Frankreichs sehr gut verfolgte, brachte in diesen Jahren die gesamte Kultur Frankreichs, einer sehr bewegten Epoche des vorigen Jahrhunderts, nach Schweden, das französische Kabarett, das französische Chanson und die Texte von Boris Vian, Léo Ferré, Jacques Brel und Georges Brassens, die bis dahin nahezu unbekannt in Schweden waren.

Auf Grund seiner Gedichte wurde Lars Forssell im Jahre 1971 in die Svenska Akademien gewählt, wo er nach Sigfrid Siwertz auf dem Stuhl Nummer 4 Platz nahm. Forssell war damit eines der längsten Mitglieder der Akademie, auch wenn er die letzten Jahre aus Krankheitsgründen nur noch wenig an den Aktivitäten der Organisation teilnehmen konnte. Im Jahre 1999 bestellte das schwedische Parlament eine Kantate des Lyrikes, was in der Tat sehr selten ist und einer Ernennung des Dichters als Nationalpoet nahe kommt.

Von den 70er Jahren bis zu seinem Tod entwickelte sich Lars Forssell zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, der weiterhin in seinem gesamten Spektrum wirkte, denn er schrieb weiterhin Gedichte, einige Weisen, eine große Anzahl an Hörspielen und Theaterstücken, Opern, Essaysammlungen und veröffentlichte zahlreiche Artikel in den verschiedenen Medien Schwedens. Der letzte Gedichtband des Autors wurde im Jahre 2000 das Werk Förtroenden. Trotz seiner Bedeutung in der schwedischen Literaturgeschichte der jüngsten Epoche, wird der Schriftsteller bis heute nahezu als Randfigur behandelt.

Copyright: Herbert Kårlin