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11 februari 2013

Marianne Fredriksson und die christliche Frauenliteratur Schwedens

Marianne Fredriksson wurde am 28. März 1927 als Tochter des Arbeiters Hugo Persson und dessen Frau Hilda in Göteborg geboren und starb am 11. Februar 2007 im Alter von 79 Jahren nach einer Herzattacke innerhalb von nur zehn Minuten in ihrem Heim in Österskär bei Stockholm. Mit 20 Jahren heiratete die Schriftstellerin Sven Fredriksson, von dem sie sich jedoch noch einige Jahre vor ihrem Tod scheiden ließ.

Als die Familie aus einer Arbeitergegend Göteborgs in den Stadtteil Långedrag zog, einen bürgerlichen Teil der Stadt, begann für das Mädchen die schlimmste Zeit ihres Lebens, denn als einziges Arbeiterkind der Schule wurde sie gemobbt bis sie von ihrem Vater lernte sich mit den Fäusten zu verteidigen. Auch wenn es um diese Zeit nicht üblich war, dass ein Arbeitermädchen, das ohnehin heiratet, eine höhere Bildung erhält, legten die Eltern Fredrikssons einen hohen Wert auf die Ausbildung, die Marianne ohne jedes Problem schaffte.


Im selben Jahr als Marianne Fredriksson ihren Ehemann kennenlernte, begann sie als Korrektorin bei der Göteborgs-Tidningen (GT) zu arbeiten, wo sie langsam zur Journalistin aufstieg um später zum Svenska Dagbladet zu gehen, wo sie trotz ihrer Erfahrung von den Kollegen mit großem Misstrauen empfangen wurde, jedoch sehr bald mit der Gründung der Idagsidan den Journalismus erneuerte, indem sie die Oberklassenjournalistik verliess und eine Seite schuf, die auch den Arbeiter berührte und die die Strömungen der Zeit beleuchtete. Für das Svenska Dagbladet arbeitete die Schriftstellerin in der Redaktionsleitung von 1974 bis 1988.

Obwohl Marianne Fredriksson bereits sehr früh davon träumte als Schriftstellerin zu arbeiten, erfolgte der Aufstieg vorerst nur bei der Presse, denn ihr Ideenreichtum, der Leser verhalf ihr 1962 zu einer leitenden Stellung bei Allt i hemmet, einer Zeitschrift, der sie zum Erfolg verhalf und für die sie 15 Jahre lang arbeitete und sie führte parallel dazu zur Gründung von Vi föräldrar und Allt om mat, zu denen Fredriksson mit den wichtigsten Leitideen als Mitgründerin beitrug.

Erst im Jahre 1980, als Marianne Fredriksson bereits 53 Jahre alt war, erschien ihr erster Roman Evas bok, das mittlerweile nahezu jede Frau Schwedens gelesen hat, und ein Teil der Männer. Fredriksson geht in diesem Werk zurück ins Paradies und beschreibt die Bibel auf eine neue Weise, denn der Leser findet Eva in voller Verzweiflung im Paradies, denn einer ihrer Söhne war eben erst zum Mörder geworden. Eva will verstehen wie dies möglich war und welche Fehler sie eventuell mit ihrer Erziehungsmethode machte.

Bereits in diesem ersten Buch von Marianne Fredriksson treffen wir auf den tiefen Glauben der Autorin, den wir in allen ihren Romanen wiederfinden. Fredriksson selbst bekennt sich auch öffentlich immer wieder zu ihrem festen Glauben, will ihn jedoch nicht eingebettet in eine Kirche sehen, die den Glauben institutionalisiert und ihm die Persönlichkeit raubt.

Der Durchbruch als Schriftstellerin kam für Marianne Fredriksson jedoch nicht mit diesem ersten Buch, das das Grundthema der Menschen als Basis hat, sondern im Jahre 1985 mit dem Roman Simon och ekarna, der nicht nur in Göteborg handelt, sondern sehr deutliche autobiographische Züge der Schriftstellerin trägt und zahlreiche Personen ihrer Umgebung, sowie ihr Kriegstrauma, sehr deutlich schildert. Simon och ekarna wurde 2011 von Lisa Ohlin verfilmt und gehört zu den Kinoerfolgen Schwedens. Das Buch wurde in die schwedische Liste der 100 besten Bücher weltweit aufgenommen.

Auch wenn Marianne Fredrikssons Bücher in mehr Sprachen übersetzt wurden als jene von August Strindberg oder Selma Lagerlöf und Rekordauflagen in zahlreichen Ländern erzielte, war die Schriftstellerin für die schwedischen Kritiker kein Thema und jedes neue Buch wurde nur mäßig beachtet ohne je eine wirklich gute Besprechung zu erfahren. Die Ursache war unter Umständen, dass Fredriksson die Öffentlichkeit und fremde Menschen mied wenn nur möglich und es dauerte lange bis sie jemandem ihr Vertrauen schenkte.

Auch als Autorin nimmt Marianne Fredriksson eine Sonderrolle ein, nicht nur, weil sie relativ spät als Schriftstellerin begann, sondern weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren, ihre Manuskripte nicht mehr überarbeitete. Für Fredriksson war das Schreiben eine Art Eingebung und das Ergebnis hatte bereits die beste Form. Obwohl ihre Lektoren bisweilen Änderungen vorschlugen, damit der Verkauf gefördert wird, so beweisen die Verkaufszahlen, dass die Schriftstellerin recht hatte und das Manuskript immer ein fertiges Produkt war.

Marianne Fredriksson war keine Vielschreiberin unter den Autoren, verfolgte jedoch eine eiserne Disziplin, die sie jeden Tag um neun Uhr vor eine neue weiße Seite führte, die sie in ihrem Gartenhaus füllte. Nur selten schrieb sie mehr als vier Seiten am Tag, aber Fredriksson wollte mit jedem Satz ihr Bestes geben und formulierte ihn daher so oft im Kopf hin und her bis sie zufrieden war und ihn niederschreiben konnte. Trotz ihrer Einmaligkeit, den verschiedenen Frauenthemen, die sie immer wieder behandelte und dem großen Erfolg, ist Marianne Fredriksson noch heute eine Nebenfigur der schwedischen Literaturgeschichte, der man sehr wenig Beachtung schenkt.

Copyright: Herbert Kårlin

28 december 2012

Katarina Taikon, die bekannteste Roma-Autorin Schwedens

Katarina Taikon (Katarina Taikon-Langhammer) wurde am 29. Juli 1932 als Tochter der Silberschmiede Johan Taikon und Agda Karlsson in Almby in einem Zelt bei Örebro geboren und starb nach 14 Jahren im Koma am 30. Dezember 1995 in Ytterhogdal in Härjedalen. Sie war in zweiter Ehe verheiratet mit Björn Langhammer.

Wie alle Roma-Kinder hatte Katarina Taikon eine sehr schwere Kindheit und Jugend, denn die Familie durfte sich an keinem Ort länger als drei Monate aufhalten bevor die Polizei sie zwang den Ort zu verlassen. Die Mutter starb sehr früh, was bedeutete, dass Taikon erst zu einer Pflegefamilie kam, die einen Zirkus betrieb und dann in einem Kinderheim bei Umeå untergebracht wurde bis der Vater das Mädchen, nach einer zweiten Ehe, sie dort abholte. Das Verhältnis zur Stiefmutter war extrem schwierig und mit 14 wurde Katarina ohne ihre Einwilligung verheiratet.


Auch wenn der Vater von Katarina Taikon die Bedeutung von Bildung verstand, so gab es kaum eine Chance, dass seine Kinder lesen und schreiben lernten, denn Roma waren in den Schulen Schwedens nicht willkommen. Immerhin erreichte es Johan Taikon, dass Katarina innerhalb von drei Wochen in der Schule in Frösön zumindest das Alphabet lernen konnte. Wirklich lesen und schreiben lernte Katarina Taikon erst 1958 als sie die Volkshochschule in Stockholm besuchte. Diese Kenntnisse legten die Basis für ihre spätere Arbeit als Schriftstellerin.

Als im Jahre 1963 Katarina Taikons erstes Buch Zigenerska erschien, eine persönliche Dokumentation über die Situation der Roma in Schweden und deren permanente Diskriminierung, schlug das Werk wie eine Bombe ein und spaltete die schwedische Gesellschaft. Das Buch traf einen Schwachpunkt der Gesellschaft und führte zu einer Auseinandersetzung zwischen Katarina Taikon und Ivar Lo-Johansson, der 1929 in einer Reisereportage die These vertrat, dass Roma weder in Häusern wohnen wollen noch aber eine Integration in die schwedische Gesellschaft anstreben.

Auf der anderen Seite machte das Buch Zigenerska Katarina Taikon über Nacht bekannt und sie wurde zur Sprecherin und Vorkämpferin der Bewegung der Roma Schwedens, die sich bis zu ihrem Unfall im Jahre 1982 für das Recht der Roma in Schweden einsetzte und forderte, dass Roma-Kindern eine Schulbildung garantiert werden muss und Roma als Teil der schwedischen Gesellschaft betrachtet werden müssen, die auch ein Recht auf eine Wohnung haben.

Auch wenn die dokumentarischen Bücher Katarina Taikons über die Situation der Roma einen sehr wichtigen Beitrag zum Recht der Roma liefern und einen Einblick in Probleme bieten über die man noch heute in Schweden kaum zu sprechen wagt, außer in kulturellem Rahmen, wurde Taikon in ganz Europa mit ihrer autobiographischen Kinderbuchserie über das Zigeunermädchen Katitzi bekannt, 13 Büchern, die zwischen 1969 und 1980 erschienen und eine sehr breite Schicht an Kindern als Leser anzog. Die Serie beginnt als Katitzi, die kleine Kati (Katarina), im Kinderheim bei Umeå lebt und schildert dann das Leben der schwedischen Roma mit den Augen der Schriftstellerin. 1979 wurden die Bücher über Katitzi auch für das schwedische Fernsehen verfilmt.

Trotz der Verbreitung der Bücher und des Kampfes von Katarina Taikon, sind die Vorurteile gegenüber der schwedischen Roma noch tief in manch schwedischer Seele verwurzelt, denn als die Silberschmiedin Rosa Taikon, die Schwester Katarinas, dem sehr konservativen Bonniers Verlag in Stockholm eine autobiographisches Manuskript anbot, so fand der Verlag zwar das Buch gut, aber wollte die beschriebenen Tatsachen über Roma immer noch nicht als Wahrheit betrachten, was an das Werk der Schwester aus dem Jahre 1970 erinnern lässt, das unter dem Titel Förlåt att vi stör veröffentlicht wurde.

Weniger bekannt ist die kurze Karriere von Katarina Taikon als Schauspielerin, denn 1948 spielte sie im Kurzfilm Uppbrott, den bis 1956 sechs weitere Rollen folgen sollten, unter anderem in Singoalla und Åsa-Nisse på semester. Der Beginn dieser Karriere als Schauspielerin war auch das Ende der ersten Ehe mit dem Mann mit dem sie zwangsweise verheiratet worden war und der sie permanent misshandelt hatte.

Die literarische Karriere von Katarina Taikon endete abrupt nach ihrem Unfall im Jahre 1982 bei dem sie einen Hirnschaden erlitt und ins Koma fiel. Vierzehn Jahre später starb die Schriftstellerin ohne das Bewusstsein je wieder erlangt zu haben.

Copyright: Herbert Kårlin

6 oktober 2012

Anna Wahlgren und die Bibel für Mütter

Anna Wahlgren wurde am 6. Oktober 1942 in Lund geboren und gehört gegenwärtig zu den meist diskutieren Autoren Schwedens, insbesondere nachdem ihre Tochter Felicia Feldt ein Buch veröffentlichte, das die Autorin in ein völlig anderes Licht setzt als sie selbst seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit leuchten ließ.

Da die Autorin bisher weitgehend vermieden hat über ihre Jugend zu erzählen, trotz einer dreiteiligen Autobiografie, die sie veröffentlichte, weiß man über den Werdegang Anna Wahlgrens, die ursprünglich Karlsson hieß, sehr wenig. Nachdem sie 1961 ihre Hochschulreife gemacht hatte, begann sie ein unstetes Leben in dem sie unzählige Partnerschaften hatte, sieben Mal verheiratet war und neun Kinder zur Welt brachte, denen es unmöglich war je ein Familiengefühl zu entwickeln, zumal Anna Wahlgren zeitweise Probleme mit Alkohol hatte. Sie selbst fühlt sich entgegen all dieser Probleme immer noch als ideale Mutter.


Anna Wahlgren veröffentlichte im Jahre 1968 zwei Bücher gleichzeitig, nämlich die Novellensammlung En av kvällarna und das Kinderbuch Burken. Beide wurden von der Kritik positiv aufgenommen, aber erreichten keine besondere Auflageziffern. Erst als 1970 ihr Roman Veka Livet erschien, ein Roman, der vor allem in der Babyabteilung eines Krankenhauses handelt, wurde man auf die Schriftstellerin wirklich aufmerksam. Der Verkauf des Buches war im Laufe der Jahre beachtlich und brachte Anna Wahlgren den Ruf einer zeitkritischen Autorin, die sich für Frauenprobleme interessiert und für eine bessere Zukunft arbeitet.

In den Folgejahren erschienen dann mehrere Bücher der Schriftstellerin, de jedoch alle nur einen durchschnittlichen Erfolg hatten, der vor allem dadurch entstand, dass Anna Wahlgren parallel zur schriftstellerischen Tätigkeit  sehr eifrig für die Wochen- und die Tagespresse arbeitete, was ihr zu einem gewissen Ruf verhalf. Insbesondere ihre Aktivität bei der Frauenzeitschrift Hemmets Journal leistete hier große Dienste.

Der wahre Erfolg kam für Anna Wahlgren 1983 mit ihrem Buch Barnaboken, einer Bible für alle Mütter in der sie auf 834 Seiten alles erklärt was eine Frau wissen muss, angefangen von der Schwangerschaft bis das Kind 16 Jahre alt wird. Es ist ein persönliches Buch, das nur auf eigene Erfahrungen und Meinungen aufbaut und zu jedem Problem eine Antwort bietet.

Das Buch weckte Interesse und füllte eine Marktlücke, was Anna Wahlgren zu einem häufig eingeladenen Gast in Radio und Fernsehen machte und gleichzeitig den Verkauf des Buches förderte, das mittlerweile über 500.000 Mal verkauft wurde, da unzählige Mütter Schwedens Hilfe bei Anna Wahlgren fanden, und die das Buch erst zur Bibel machten statt es als persönlichen Erfahrungsaustausch zu sehen.

Für die Schriftstellerin Anna Wahlgren wäre es allerdings besser gewesen dieses Buch nicht zu veröffentlichen, denn alle ihre folgenden Werke verblassten neben dem Barnaboken und die Leser wollten von ihr nur noch Themen zu Frauen und Kindern.

Das größte Problem schuf Anna Wahlgren, der man nachsagt, dass sie Mitglied der Scientologen sei, jedoch selbst weil sie im April 2009 durch ein Videodokument zeigen wollte wie man kleine Kinder am besten zum Schlafen bringt. Kinderärzte, Psychologen und Verbände zum Kinderschutz bezeichneten diese Methode als extrem veraltet, gefährlich und gingen selbst soweit sie mit Kindesmisshandlung gleichzusetzen. Das Video verschwand wieder, aber die Diskussion über die Qualität des Buches endete nicht mehr.

Mehr als die Kritiken gegen ihre Erziehungsmethoden, die meist auf intellektuellem Niveau ausgetragen wurden, verursachte im Jahr 2012 ein ungeahntes Problem größere Schwierigkeitn, denn eine der Töchter Annas, Felicia Feldt, veröffentlichte in Felicia försvann ihre Version wie ihre Kindheit ablief, wie sie die Erziehung empfand und warum sie jahrelang einen Psychotherapeuten benötigte. Sie schreibt von einem Leben ohne Stabilität, bei dem der nächtliche Sex sie wach hielt, sie schreibt davon mindestens einmal im Jahr umgezogen zu sein, tagelang allein gelassen worden zu sein, weil die Mutter sie im Alkohol vergessen hatte und von ungerechten Bestrafungen. Da die Geschwister schweigen, weiß niemand, ob die Anklagen Felicias stimmen oder nicht, aber sie geben zu denken und verhindern, dass Frauen weiterhin blind an das Barnaboken glauben.

Anna Wahlgren ist wieder, oder immer noch, im Gespräch, aber die Diskussion führt weg von der Schriftstellerin und von den über 20 Büchern, die sie veröffentlicht hat. Es wird Jahre dauern bis die Leser wieder zur Literatur Anna Wahlgrens finden werden und der Ruf der schlechten Mutter verblasst.


Copyright: Herbert Kårlin

3 oktober 2012

Lina Sandell-Berg und 1700 Gedichte

Lina Sandell wurde am 3. Oktober 1832 in Fröderyd (heute Vetlanda) im Småland als Tochter des Priester Jonas Sandell und seiner Frau Fredrika geboren und starb am 28. Februar 1938 in Stockholm. Während Lina Sandell ihre Werke normalerweise nur mit L.S. unterschrieben hat, wird Carolina Wilhelmina Sandell von Autoren unterschiedlich als Lisa Sandell, Lisa Berg (wie sie nach der Ehe hieß) oder auch Lina Sandell-Berg bezeichnet. Sie selbst benutzte allerdings nie den Doppelnamen.

Die am 13. Juli 1863 geborene Schauspielerin Lina Sandell hat nichts mit der Schriftstellerin zu tun, auch wenn sie in der Öffentlichkeit den gleichen Namen trug.


Über die Kindheit und Jugend von Lina Sandell ist sehr wenig bekannt, außer dass sie sehr häufig krank war und als gebrechlich galt. In dieser Zeit begann sie auch Gedichte zu schreiben. Im Laufe ihres Lebens entstanden über 1700 Gedichte, die sie überwiegend in Kalendern veröffentlichte ohne dass diese jedoch je in Buchform veröffentlicht wurden. An diese Epoche erinnert jedoch ein kleines Museum, das im Fröderyds Pfarrhof eingerichtet ist und ihre Skulptur, die 50 Jahre nach ihrem Tod unter ihrem Lieblingsbaum aufgestellt wurde.

Lina Sandells Leben war eine einzige Prüfung, denn nicht nur, dass sie als Kind ständig krank war, ihr Vater ertrank 1858 im Vättern, die Mutter starb zwei Jahre später und das ihr einziges Kind überlebte die Geburt nicht. Die letzten Jahre ihres Lebens wurde sie zusätzlich dement und verlor ihre Sprache vollständig. Ihr Mann starb ein halbes Jahr nach ihrem Tod an Diabetes.

Die schriftstellerische Karriere begann für Lina Sandell nur zwei Jahre bevor sie 1867 den um sieben Jahre jüngeren Kaufmann und Politiker Oscar Berg heiratete und in seinem Verlag in Stockholm als Redakteurin zu arbeiten begann, denn schon 1865 hatte die Schriftstellerin für den christlichen Kalender Korsblomman Gedichte und Novellen geschrieben, eine Tätigkeit, die sie bis 1902 fortsetzte. Diese Kalender erzielen heute antiquarisch beachtliche Preise.

Für den Verlag ihres Ehemannes schrieb Lina Sandell überwiegend Texte und Lieder, die für die Sonntagsschule bestimmt waren, wobei 1874 ihr Werk Berättelser för söndagsskolan erschien und zwischen 1882 und 1892 die drei Bände Samlade sånger. Da sehr viele Gedichte, die Lina Sandell schrieb, einen christlichen Inhalt haben, wurden hunderte von ihnen zu Psalmen der Svenska Kyrkan, wobei jedoch auch einige davon die gesamte Welt eroberten. Werke wie Blott en dag oder Jag frågar ej werden nicht nur in Kirchen, sondern auch von bekannten Künstlern in Konzerthallen aufgeführt.

Da Lina Sandell ihre Arbeit, auch ihre zahlreichen Übersetzungen, nie selbst als literarische Werke betrachtete und weder sie noch ihr Ehemann an eine Vermarktung dachten, gehört die Schriftstellerin zu jenen, die in der schwedischen Literaturgeschichte nahezu vergessen ist, obwohl ein Teil ihrer Werke in Form von Psalmen und Liedern noch heute weiterleben und manchen Menschen Kraft geben. Wenig bekannt ist auch die Zensur, der die Werke der Autorin unterlagen, denn jedes „Mutterherz“, das sie schrieb und jede „Mütterlichkeit Gottes“ wurden noch in den 70er Jahren von Brüderlichkeit und Vaterherz ersetzt.

Copyright: Herbert Kårlin

18 september 2012

Sigrid Kahle und die Welt des Islam

Sigrid Kahle, geborene Nyberg, wurde am 18. September 1928 als Tochter des Orientalisten H. S. Nyberg und seiner Frau Fanny Hasselberg in Paris geboren und ist die Schwiegertochter des deutschen Professors Paul Kahle. Die Schriftstellerin wuchs jedoch in Uppsala auf, wo sie gegenwärtig auch mit ihrem neuen Partner Carl-Göran Ekerwald lebt.

Sigrid Kahle traf ihren ersten Ehemann Hans Kahle (John Kahle), den sie im Jahre 1951 heiratete, durch ihren Vater, da beide auf Orientalistik spezialisiert waren. Als Hans Kahle nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehren konnte, entschied er sich für den diplomatischen Dienst, was dazu führte, dass Sigrid Kahle mit ihm den gesamten Orient erlebte und mehrere Jahre in Pakistan, Afghanistan oder auch dem Irak verbringen konnte.


Während ihrer Aufenthalte in anderen Ländern, gelang es Sigrid Kahle nicht nur ihre journalistische Karriere fortzusetzen, sondern sie führte auch Regie bei mehreren Theaterstücken und verwirklichte damit einen kleinen Jugendtraum, da sie ursprünglich Schauspielerin werden wollte.

Auch wenn Sigrid Kahle bereits ab 1955 regelmäßig für das Svenska Dagbladet arbeitete, begann ihre schriftstellerische Karriere erst ab 1985, als sie sich überwiegend in Uppsala und München aufhielt. Ihre wenigen Werke, ausgenommen die Biographie von H. S. Nyberg und die Autobiografie Jag valde mitt liv, haben eine Anknüpfung an die orientalischen Kulturen und setzen sich vor allem mit dem Islam auseinander, den sie insbesondere während eines fünfjährigen Aufenthalts in Tunesien tiefer kennen lernte.

Zurück in Schweden begann Sigrid Kahle nicht nur schriftstellerisch tätig zu werden, sondern versuchte der Bevölkerung durch zahlreiche Vorträge auch den Islam und die Denkweise des Islam näher zu bringen, da sie erstaunt über die westlichen Vorurteile und die Unkenntnis über den Islam war, was sich in ihren Augen auch durch die Mohammed-Karrikaturen sehr deutlich zeigte. Ihre Kritik der Invasion des Irak und zahlreiche andere Kritiken führten jedoch dazu, dass die Autorin immer seltener zu Vorträgen zum Thema Islam geladen wurde.

Im Jahre 2006, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, schenkte Sigrid Kahle ihre gesamte Sammlung an Büchern zur Islamforschung und über den Orient der Universität in Umeå. Die rund 9000 Werke sind die größte Sammlung dieser Art auf schwedischem Boden und werden von der Universität ausgewertet und katalogisiert.

Sigrid Kahle gehört noch heute zu den meist diskutieren Schriftstellern, die sich mit der Kultur und der Entwicklung des Islam beschäftigen, nicht zuletzt deswegen, weil sie Forschungsergebnisse und private Erlebnisse vermischt und ein Bild des Islam zeigt, das die politische westliche Welt nicht unbedingt als Tatsache anerkennt.

Copyright: Herbert Kårlin

9 september 2012

Marianne Zetterström, die Autorin der wenigen Worte

Marianne Zetterström, geborene Enhörning, wurde am 9. September 1912 in Stockholm geboren und starb am 29. November 2011 im Alter von 99 Jahren. Auch wenn Marianne Zetterström ihre Bücher unter ihrem vollen Namen veröffentlichte, so ist sie sie in Schweden unter ihrem Pseudonym Viola, den sie 70 Jahre lang benutzte, weitaus bekannter als unter ihrem bürgerlichen Namen.

Marianne Zetterström, die ihren Vater zum letzten Mal sah als sie gerade einmal sechs Jahre alt war, wuchs in Stockholm und Norrköping auf. Nach ihrer Schulzeit entschloss sie sich für eine Ausbildung als Bürokaufmann, einen Beruf, den sie auch mehrere Jahre lang ausübte.

Als Marianne Zetterström Anfang 20 war, begann sie kleinere literarische Beiträge für die Zeitungen in Norrköping zu schreiben, was sich änderte, als sie 1936 ihren späteren Mann „Kar de Mumma“ kennenlernte, der 1937 einen ihrer Texte beim Svenska Dagbladet unterbrachte. Noch im gleichen Jahr begann dann eine Zusammenarbeit zwischen der Tageszeitung und Marianne Zetterström, die sich über 70 Jahre fortsetzen sollte. Alle literarischen Artikel der Autorin waren mit ihrem Pseudonym Viola gezeichnet, wobei sie selbst für einen schwedischen Kåsör eine ungeahnte Produktivität an den Tag legte.

Bis dann im Jahre 1967 Marianne Zetterströms erstes Buch En bukett av Viola herauskam, das eine Sammlung ihrer in der Zeitung veröffentlichten Novellen war und mit Zeichnungen ihres Sohnes Carl Zetterström ergänzt waren, begann Marianne auch eine Zusammenarbeit mit Zeitschriften wie Femina und Vecko-Journalen.

Marianne Zetterström wurde oft als die Autorin der wenigen Worte bezeichnet, weil die Schriftstellerin in der Lage war jeden Text auf ein Minimum zu verkürzen, ohne jedoch auf Inhalt oder Gefühlsbeschreibungen verzichten zu müssen. Marianne benötigte nicht unzählige Umschreibungen um zum Kernpunkt zu kommen oder den Leser zu berühren.

Die 22 Bücher der Autorin haben gemeinsam, dass sie alle als „Herz-Bücher“ bezeichnet werden können, die in Schweden einen ähnlichen Erfolg hatten wie in Deutschland die Liebesromane von Hedwig Courths-Mahler, auch wenn beide Frauen einen sehr unterschiedlichen Schreibstil verwenden. Jede Novelle, jeder Roman von Marianne Zetterström drückt eine Sehnsucht aus, handelt von einem unverwirklichten Traum, von schlechtem Gewissen, verschmähter Liebe oder andere Themen, die noch heute eine große Schicht an Lesern anziehen.

Marianne Zetterströms Romane werden, wegen ihrem knappen Stil, meist mehr als lange Novellen bezeichnet, mit einer einzigen Ausnahme, denn Dagarna i våras, der Schlüsselroman über das Leben der Autorin von 1972 hat einen längeren Atem und erzählt vieles aus dem Leben Mariannes, das mit einem verkürzten Stil unverständlich wäre.

Copyright: Herbert Kårlin