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30 maj 2013

Hjalmar Gullberg und das klassische Hörspiel in Schweden

Hjalmar Gullberg wurde am 30. Mai 1898 als Sohn des Großhändlers Gustaf Robert Alexander Brand und dessen Frau Hilda Lovisa Amalia Jonsson in Malmö geboren und nahm sich am 19. Juli 1961 im Alter von 63 Jahren bei Holmeja in Skåne das Leben. Gullberg war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere bekannte Affären und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens gemeinsam mit Greta Thott.

Da die Eltern von Hjalmar Gullberg ihren Sohn nie anerkannten und auch wenig mit ihm zu tun haben wollten, wuchs er bei Pflegeeltern in Malmö auf. Seine wahre Herkunft wurde erst 1928, nach dem Tode der Eltern, einem Erbprozess und Zeugenaussagen, offiziell anerkannt. Da der Vater zum Wohlstand gekommen war, bot die Erbschaft Gullberg, der das Geld auf sichere Weise investierte, eine gewisse Garantie.

Hjalmar Gullber, Ögon, Läppar, Norstedts Förlag, Stockholm, 1959

Sein Abitur machte Hjalmar Gullberg im Jahre 1917 in Malmö, dem er ein neunjähriges Studium in Latein, Griechisch und Literaturgeschichte an der Universität Lund anschloss. Seine Begabung und seine künstlerische Neigung kamen überwiegend aus der elterlichen Linie, die Erziehung kam jedoch von den Pflegeeltern, was eine gute Mischung für den Schriftsteller war. Andererseits traf er seine Eltern hin und wieder und bekam Geschenke von ihnen, so dass sich bei Gullberg auch sehr früh das Gefühl der Ausgeschlossenheit bemerkbar macht, denn er lebte mit Eltern, die nicht seine waren und erfuhr, dass ihn die wahren Eltern ihn als „Kind ohne Mutter und Vater“ eintragen lassen hatten.

Das literarische Interesse zeigte sich bei Hjalmar Gullberg bereits im Gymnasium in Malmö, wo er nicht nur ein starkes Interesse für Schwedisch und die klassischen Sprachen zeigte, sondern sich auch mit den meisten Klassikern der Weltliteratur vertraut machte und begann Novellen zu schreiben.

Während seines Studiums in Lund traf Hjalmar Gullberg seinen Jugendfreund, den Historiker Ingvar Andersson, und kam mit dem Journalisten Ivar Harrie und dem Schriftsteller Sigrid (Tristan) Lindström in Kontakt. Die gesamte Gruppe spielte für die damals neu gegründete Studentenzeitschrift Lundagård eine wichtige Rolle. Gullberg trug als Redakteur mit Poesie, Scherzeinlagen und Prosa bei der Gestaltung der Zeitschirft bei. Gegen Ende seines Studiums begann sich Gullberg, neben der Poesie und der Prosa, insbesondere für das Theater zu interessieren und schrieb seine ersten Theatertexte.

Was die Gedichte von Hjalmar Gullberg besonders stark beeinflusste, waren die zahlreichen Reisen, die der Schriftsteller ab dem Jahre 1922 unternahm, die lediglich von Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, denn bei diesen Reisen sammelte er Eindrücke und in jedem Land, das er besuchte, beschäftigte er sich mit der Kultur und verfasste dort auch einige Gedichte. In der Lyrik des Autors entdeckt man in dieser Zeit sehr deutlich, dass Gullberg nicht nur von den verschiedenen Landschaften und den kulturellen Entwicklungen beeindruckt wurde, sondern er sich auch für die sozialen Strukturen und das Leben der Menschen dieser Länder interessierte. Das Erscheinen seiner Liebesgedicht, die während der Reisen entstanden, sind in der Regel mit einer bestimmten Frau zu verknüpfen, die er dort traf, auch wenn er keines dieser Verhältnisse aufrecht halten konnte.

Gegen Ende der 20er Jahre und ebenfalls unter dem Eindruck der Reisen, begann Hjalmar Gullberg mehrere antike Dramen von Euripides, Aristophanes und von Sophokles zu übersetzen, Dramen, die damals kaum auf schwedischen Bühnen gespielt worden waren. Dank Gullberg wurde Medea im Jahre 1934 erstmals in Schweden aufgeführt und fand den Zugang zum Stockholmer Dramaten. Im gleichen Jahr wurde Hjalmar Gullberg, auf Grund der Erfolge der klassischen Aufführungen, dann auch zum literarischen Berater des Dramaten ernannt.

Nur zwei Jahre später wurde Hjalmar Gullberg auch Direktor für Hörspiele des Schwedischen Rundfunks und bearbeitete zahlreiche seiner Übersetzungen, die im Dramaten gespielt worden waren, auch für den Rundfunk und schuf damit ein neues kulturelles Hörspiel, was allerdings nicht immer sehr positiv von seinen Kollegen aufgenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs gelangte Hjalmar Gullberg auf seinen Höhepunkt und entwickelte sich zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes, was jedoch auch mit seinem Engagement beim Radio zusammenhing, da er weitgehend versuchte durch das Gedicht des Tages eine politische Aussage zu verbreiten ohne dass die Zensur eingreifen konnte. Sehr diskutiert wurde dabei die Wahl des Gedichtes Det eviga von Esaias Tegnér am Tag der deutschen Invasion in Norwegen. Niemand wagte ein Gedicht eines so bedeutenden schwedischen Autors zu verbieten, auch wenn Gullberg damit eine sehr eindeutige politische Position einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hjalmar Gullberg seine Reisen wieder auf, die er ab 1950 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Greta Thott unternahm. Die letzte Reise sollte das Paar Gullberg-Thott im Jahre 1958 nach Sizilien führen, wo der Schriftsteller plötzlich Erlahmungserscheinungen spürte. Die Reise wurde abgebrochen und die beiden kehrten nach Schweden zurück. Im Krankenhaus in Lund stellte man dann fest, dass Gullberg an einer seltenen, unheilbaren Krankheit litt, die ihn langsam vollständig erlahmen lassen sollte. Als er aus diesem Grunde eine längere Zeit in einem Respirator leben musste, entschied er sich zu sterben und ertränkte sich im See Yddingen bei Holmeja.

Hjalmar Gullberg wurde im Jahre 1940 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Selma Lagerlöf, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm. Vier Jahre später wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

19 april 2013

Sigfrid Lindström und die moderne Welt der Sagen

Sigfrid Lindström wurde am 19. April 1892 als Sohn des Kaplans Peter Lindström und dessen Frau Anna Aquilina Wickelgren in Lidhult geboren und starb am 1. Mai 1950 im Alter von 58 Jahren in Lund. Lindström war nie verheiratet.

Der junge Sigfrid Lindström wuchs in einer damals angesehenen Priesterschicht auf in der der humanistische Geist lebte. Noch während seiner Schulzeit am Gymnasium in Halmstad schloss sich Lindström der literarischen Vereinigung Concordia an und wirkte regelmäßig in der gleichnamigen Zeitschrift mit. Erhalten ist aus dieser Zeit ein Vortrag, den Lindström über Gustaf Fröding hielt, den er für den größten Dichter Schwedens hielt und seine Prosasage Den möderne Judas, die er später überarbeitete und in seinem Werk Vindsröjning enthalten ist.

Sigfrid Lindström, Sagor på vers och prosa, Hugo Gebers Förlag

Nach seiner Hochschulreife im Jahre 1911 in Halmstad, ging Sigfrid Lindström nach Lund und begann an der dortigen Universität Literaturgeschichte, nordische Sprachen, Philosophie, Pädagogik, Englisch und Französisch zu studieren. Da ein Teil seines Studiums mit dem Ersten Weltkrieg zusammenfiel, schloss er es erst im Jahre 1918 mit einem Magister ab. In den „Studienpausen“ schrieb er Lieder für Revuen und, gemeinsam mit Alf Ahlberg, das Theaterstück Näktergalarna i Wittenberg. Seinen Vornamen Sigfrid tauschte der Schriftsteller ab 1912 gegen „Tristan“ aus. Seine Werke erschienen daher um diese Zeit unter dem Namen Tristan Lindström.

Nach seinem Studium wollte Sigfrid Lindström ursprünglich die Laufbahn eines Lehrers ergreifen, aber nachdem bereits sein Praktikum ein Desaster war, entschied er sich Journalist und Schriftsteller zu werden. Ab 1920 bekam Lindström eine eigene Spalte in der neu gegründeten Studentenzeitschrift Lundagård, wobei er dabei gleichzeitig die Bekanntschaft von Frans G. Bengtsson, Hjalmar Gullberg, Ingvar Andersson und Ivar Harrie machte.

Im gleichen Jahr erhielt Sigfrid Lindström zusätzlich einen Vertrag beim Lunds dagblad, allerdings als nächtlicher Korrekturleser, der nur hin und wieder auch literarische Kritiken und kulturelle Artikel schreiben durfte. Sehr bald verstand Lindström jedoch, dass er nicht für die journalistische Laufbahn geeignet war. 1925 verließ er daher die Zeitung und gleichzeitig auch Lund.

Als Schriftsteller trat Sigfrid Lindström erstmals im Jahre 1922 mit seinem Werk Sagor och meditationer an die Öffentlichkeit, das jedoch kaum Beachtung fand, obwohl Lindström bereits hier seine Stärke zeigte, nämlich die alte Sagenwelt neu aufzunehmen und in eine neue eigene Geschichte zu verwandeln, die Sagen auszuarbeiten und zu modernisieren.

Erst 1927 erschien dann ein weiteres Werk von Sigfrid Lindström. Diese Mal handelte es sich um Gedichte, die der Autor bereits ab 1916 geschrieben hatte und unter dem Titel De besegrade erschien. Bei diesem Werk verband Lindström die Sagenwelt und führte den Antihelden ein. Man spürt bei der Lektüre, dass sich der Autor der Generationen der Verlierer angehörig fühlt, denen, nicht zuletzt durch den Weltkrieg, die Zukunft genommen wurde und die ohne Hoffnung leben muss. Dieses Buch wurde von Kritikern und Lesern extrem positiv aufgenommen und führte dazu, dass Lindström als Literat anerkannt war.

In den Folgejahren schrieb Sigfrid Lindström sehr wenig und selbst wenn man die Bücher, die nach seinem Tod noch veröffentlicht wurden, hinzuzählt, so kommt man auf knapp zehn Werke, was für einen anerkannten Schriftsteller sehr wenig ist, zumal der Umfang der Bücher ebenfalls sehr bescheiden ist.

Sigfrid Lindström, der sich durch eine außerordentliche Phantasie und eine ausgewählte Wortwahl auszeichnete, hinterließ, neben seinen offiziellen Werken, ein detailreiches Tagebuch und zahlreiche Briefe in denen man sein Schaffen verfolgen kann, denn Lindström ist einer der letzten schwedischen Autoren bei denen selbst Briefe noch Literatur sind in denen er Sagen skizzierte und eine literarische Sprache benutzte.

Auch wenn Sigfrid Lindström sehr wenige eigene Bücher veröffentlichte, so war die Literatur dennoch sein Leben, da er vor allem Werke von Albert Camus, Gérard de Nerval und D. H. Lawrence ins Schwedische übersetzte und dabei eine Mischung aus Übersetzung und eigenem Werk schuf, da er versuchte die Ursprungswerke dem schwedischen Publikum wirklich zugänglich zu machen, ohne jedoch das Gefühl und den Geist des Ursprungswerkes zu zerstören.

Auch wenn Sigfrid Lindström innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte nahezu als Klassiker der Literatur betrachtet wird, ist der Schriftsteller mittlerweile fast schon vergessen, nicht zuletzt auch deswegen weil die ausgewählte Sprache des Autors heute als hochtrabend betrachtet wird und die Welt der Sagen immer mehr in die Vergessenheit gerät.

Copyright: Herbert Kårlin