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1 juli 2013

Owe Husáhr und die Auseinandersetzung mit der Psyche

Owe Husáhr wurde am 1. Juli 1921 als Sohn des Kaufmanns Ragnar Husáhr und dessen Frau Edith Elisabet Elfström in Mora geboren, auch wenn er in Borlänge eingetragen wurde, und starb am 20. Februar 1959 im Alter von 36 Jahren der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Husáhr war ab 1946 mit Maj Birgit Göransson verheiratet.

Seine Kindheit wurde, nach Owe Husáhr selbst, von Streitigkeiten der Eltern dominiert, was auch zur Scheidung führte und einer positiven Zeit bei seinen Großeltern mütterlicherseits, da der Großvater gerne und häufig Gustaf Fröding und Erik Axel Karlfeldt deklamierte und die Großmutter seine Fantasie mit eindrucksvollen Erzählungen anregte.

Owe Husáhr, Nattens väv, Folket i Bild, Stockholm, 1955

Nachdem die Mutter von Owe Husáhr sich erneut verheiratet hatte, kam der Junge wieder ganz zu ihr nach Hedemora und wurde dort in der Schule gemobbt, was jeden Morgen die Angst in ihm weckte. Erst die letzten Jahre der Volksschule wurden besser, da Husáhr nun den Schriftsteller Paul Lundh als Lehrer bekam. Das Milieu in das Husáhr in diesen Jahren gestoßen wurde, findet man in seinem ersten Roman Gör mitt mörker ljust auf sehr eindrucksvolle Weise geschildert.

Nach Abschluss der Volksschule besuchte Owe Husáhr eine Technische Schule an der er 1943 ein Examen als Ingenieur ablegte. Zwischen 1943 und 1947 hatte der Schriftsteller dann mehrere Anstellungen sowohl in Skåne als auch in Nordschweden, wo er nach Erz suchte. Ab 1947 beendete Husáhr seine Karriere als Ingenieur und entschloss sich dazu nur noch als Schriftsteller zu arbeiten, was natürlich bis zu seinem Durchbruchsroman Mistluren im Jahre 1949 mit großen finanziellen Schwierigkeiten verbunden war.

Nach seiner Ehe und mit dem Beginn als unabhängiger Schriftsteller zu arbeiten, zog Owe Husáhr nach Borlänge. Um über die Runden zu kommen, akzeptierte der Schriftsteller in dieser Zeit auch zahlreiche Aufträge als Redner bei allgemein bildenden Einrichtungen. Seine Isolation von der Welt anderer Schriftsteller führte dabei dazu, dass Husáhr keiner der literarischen Strömungen folgte, sondern beim Schreiben einem sehr persönlichen Weg folgte.

Die Novellen und Romane von Owe Husáhr, die in den 50er Jahren erschienen, sind, wie bereits der Roman Mistluren, eine Auseinandersetzung mit der Psyche von Menschen, die auf der dunklen Seite des Daseins existieren und bei denen Beziehungsprobleme die unterschiedlichsten Konsequenzen zeigen. Die Isolation und die Einsamkeit der handelnden Personen sind bei Husáhr oft das Ergebnis von Egoismus und ein Mangel sich anderen gegenüber zu öffnen. Die handelnden Personen seiner Romane und Novellen sind einfache Personen, die selbst den Alltag bisweilen nicht meistern.

Seine Neigung zum Dramatischen, das sich bereits in den Büchern von Owe Husáhr ausdrückt, will der Autor auch in einigen Stücken für das Theater unterbringen, allerdings ohne jeden Erfolg, da sich Husáhr nie für Kontakte interessierte und als Außenstehender keinen Zugang zur Welt des Theaters fand.

Die Hörspiele, die Owe Husáhr dagegen dem Rundfunk anbot, wurden jedoch ein bedeutender Erfolg, denn der Autor war in der Lage einen intimen und dennoch spannenden Dialog zu gestalten, der das Publikum vor dem Radiogerät fesselte. Leider wurden diese Hörspiele nie in Buchform veröffentlicht, was ebenfalls darauf zurückzuführen ist, dass der Autor zwar schreiben konnten, jedoch nicht wusste wie er sich auch verkaufen kann.

Obwohl die Romane von Owe Husáhr den Pessimismus der Autoren der 40er Jahre beinhalteten und damit eine gewisse Ergänzung zur Literatur dieser Epoche sind, nahm der Autor nie an den Debatten zur Zeit teil und blieb vom aktiven literarischen Geschehen dieser Epoche ausgeschlossen. Ob diese Isolation auf eine Angst vor der Umwelt zurückzuführen ist oder aber auf ein Desinteresse an der politischen Debatte zur Zeit ausdrückt, ist heute kaum zu sagen, da sich der Schriftsteller nie zu diesem Thema äußerte.

Sicher ist jedoch, dass Owe Husáhr nie die Welt oder die Gesellschaft verändern wollte, sondern ein Erzähler bleiben wollte, der die Psyche des Menschen analysiert und damit so manche Probleme der Gesellschaft erklärt, Probleme, die die man in nahezu jeder Gesellschaftsschicht findet. Husáhr versuchte, im Gegensatz zur Zeitströmung der 40er und 50er Jahre, seine Erzählungen in einen allgemeingültigen Rahmen setzen, der von den aktuellen Ereignissen weitgehend unbeeinflusst war.

Inwieweit Owe Husáhr seine persönliche Erfahrung und Entwicklung in seinen Romanen unterbrachte, kann man nicht bewerten, denn auch wenn man weiß, dass der Schriftsteller in seiner Jungend unter psychischen Problemen litt, so beschreiben ihn Personen, die den Autor kannten, auch als positiv und ausgeglichen. Mehrere Literaturwissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass Husáhr starke innere Kämpfe ausführen musste, die er lediglich nicht an die Oberfläche geraten ließ. Durch den frühen Tod Husárs ist der Umfang seiner Werke jedoch sehr eingeschränkt.

Copyright: Herbert Kårlin

30 maj 2013

Hjalmar Gullberg und das klassische Hörspiel in Schweden

Hjalmar Gullberg wurde am 30. Mai 1898 als Sohn des Großhändlers Gustaf Robert Alexander Brand und dessen Frau Hilda Lovisa Amalia Jonsson in Malmö geboren und nahm sich am 19. Juli 1961 im Alter von 63 Jahren bei Holmeja in Skåne das Leben. Gullberg war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere bekannte Affären und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens gemeinsam mit Greta Thott.

Da die Eltern von Hjalmar Gullberg ihren Sohn nie anerkannten und auch wenig mit ihm zu tun haben wollten, wuchs er bei Pflegeeltern in Malmö auf. Seine wahre Herkunft wurde erst 1928, nach dem Tode der Eltern, einem Erbprozess und Zeugenaussagen, offiziell anerkannt. Da der Vater zum Wohlstand gekommen war, bot die Erbschaft Gullberg, der das Geld auf sichere Weise investierte, eine gewisse Garantie.

Hjalmar Gullber, Ögon, Läppar, Norstedts Förlag, Stockholm, 1959

Sein Abitur machte Hjalmar Gullberg im Jahre 1917 in Malmö, dem er ein neunjähriges Studium in Latein, Griechisch und Literaturgeschichte an der Universität Lund anschloss. Seine Begabung und seine künstlerische Neigung kamen überwiegend aus der elterlichen Linie, die Erziehung kam jedoch von den Pflegeeltern, was eine gute Mischung für den Schriftsteller war. Andererseits traf er seine Eltern hin und wieder und bekam Geschenke von ihnen, so dass sich bei Gullberg auch sehr früh das Gefühl der Ausgeschlossenheit bemerkbar macht, denn er lebte mit Eltern, die nicht seine waren und erfuhr, dass ihn die wahren Eltern ihn als „Kind ohne Mutter und Vater“ eintragen lassen hatten.

Das literarische Interesse zeigte sich bei Hjalmar Gullberg bereits im Gymnasium in Malmö, wo er nicht nur ein starkes Interesse für Schwedisch und die klassischen Sprachen zeigte, sondern sich auch mit den meisten Klassikern der Weltliteratur vertraut machte und begann Novellen zu schreiben.

Während seines Studiums in Lund traf Hjalmar Gullberg seinen Jugendfreund, den Historiker Ingvar Andersson, und kam mit dem Journalisten Ivar Harrie und dem Schriftsteller Sigrid (Tristan) Lindström in Kontakt. Die gesamte Gruppe spielte für die damals neu gegründete Studentenzeitschrift Lundagård eine wichtige Rolle. Gullberg trug als Redakteur mit Poesie, Scherzeinlagen und Prosa bei der Gestaltung der Zeitschirft bei. Gegen Ende seines Studiums begann sich Gullberg, neben der Poesie und der Prosa, insbesondere für das Theater zu interessieren und schrieb seine ersten Theatertexte.

Was die Gedichte von Hjalmar Gullberg besonders stark beeinflusste, waren die zahlreichen Reisen, die der Schriftsteller ab dem Jahre 1922 unternahm, die lediglich von Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, denn bei diesen Reisen sammelte er Eindrücke und in jedem Land, das er besuchte, beschäftigte er sich mit der Kultur und verfasste dort auch einige Gedichte. In der Lyrik des Autors entdeckt man in dieser Zeit sehr deutlich, dass Gullberg nicht nur von den verschiedenen Landschaften und den kulturellen Entwicklungen beeindruckt wurde, sondern er sich auch für die sozialen Strukturen und das Leben der Menschen dieser Länder interessierte. Das Erscheinen seiner Liebesgedicht, die während der Reisen entstanden, sind in der Regel mit einer bestimmten Frau zu verknüpfen, die er dort traf, auch wenn er keines dieser Verhältnisse aufrecht halten konnte.

Gegen Ende der 20er Jahre und ebenfalls unter dem Eindruck der Reisen, begann Hjalmar Gullberg mehrere antike Dramen von Euripides, Aristophanes und von Sophokles zu übersetzen, Dramen, die damals kaum auf schwedischen Bühnen gespielt worden waren. Dank Gullberg wurde Medea im Jahre 1934 erstmals in Schweden aufgeführt und fand den Zugang zum Stockholmer Dramaten. Im gleichen Jahr wurde Hjalmar Gullberg, auf Grund der Erfolge der klassischen Aufführungen, dann auch zum literarischen Berater des Dramaten ernannt.

Nur zwei Jahre später wurde Hjalmar Gullberg auch Direktor für Hörspiele des Schwedischen Rundfunks und bearbeitete zahlreiche seiner Übersetzungen, die im Dramaten gespielt worden waren, auch für den Rundfunk und schuf damit ein neues kulturelles Hörspiel, was allerdings nicht immer sehr positiv von seinen Kollegen aufgenommen wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs gelangte Hjalmar Gullberg auf seinen Höhepunkt und entwickelte sich zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes, was jedoch auch mit seinem Engagement beim Radio zusammenhing, da er weitgehend versuchte durch das Gedicht des Tages eine politische Aussage zu verbreiten ohne dass die Zensur eingreifen konnte. Sehr diskutiert wurde dabei die Wahl des Gedichtes Det eviga von Esaias Tegnér am Tag der deutschen Invasion in Norwegen. Niemand wagte ein Gedicht eines so bedeutenden schwedischen Autors zu verbieten, auch wenn Gullberg damit eine sehr eindeutige politische Position einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hjalmar Gullberg seine Reisen wieder auf, die er ab 1950 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Greta Thott unternahm. Die letzte Reise sollte das Paar Gullberg-Thott im Jahre 1958 nach Sizilien führen, wo der Schriftsteller plötzlich Erlahmungserscheinungen spürte. Die Reise wurde abgebrochen und die beiden kehrten nach Schweden zurück. Im Krankenhaus in Lund stellte man dann fest, dass Gullberg an einer seltenen, unheilbaren Krankheit litt, die ihn langsam vollständig erlahmen lassen sollte. Als er aus diesem Grunde eine längere Zeit in einem Respirator leben musste, entschied er sich zu sterben und ertränkte sich im See Yddingen bei Holmeja.

Hjalmar Gullberg wurde im Jahre 1940 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Selma Lagerlöf, auf dem Stuhl Nummer 7 Platz nahm. Vier Jahre später wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

28 februari 2013

Lotta Lotass und die poetische Prosa des Surrealismus

Lotta Lotass, geborene Hellberg, wurde am 28. Februar 1964 in Borgsheden in Dalarna geboren und lebt seit 1991 in Göteborg. Lotass, eine Anhängerin des Veganismus und der Antialkoholbewegung, gehört zu den modernen schwedischen Autoren, die man trotz ihrer Offenheit nicht vollständig greifen kann, die die Menge scheut und daher nur selten in ihrer Eigenschaft als Schriftstellerin an die Öffentlichkeit tritt.

Ihre Kindheit verbrachte Lotta Lotass in Mockfjärd. Ihr Vater arbeitete in der Fabrik, die Mutter im Altersheim, wobei die Tochter die meiste Zeit bei ihrer Großeltern mütterlicherseits verbrachte, wo sie vermutlich bereits ihre Neigung zum Abstrakten und zur Technik gewann, denn der Großvater war ein ländlicher Erfinder und ein Einzelgänger wie die Autorin selbst. Mit 16 verließ Lotass das kleine Dorf und zog nach Borlänge, wo sie nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten bei Komvux im Jahre 1990 ihre Hochschulreife nachholte.


Im Jahre 1991 verließ Lotta Lotass Borlänge und begann an Universität Göteborg Philosophie und Literaturwissenschaft zu studieren. Im Jahre 2002, zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten Romanes, schrieb sie in Göteborg unter dem Titel Friheten meddead - Studier i Stig Dagermans författarskap ihre Doktorarbeit über Stig Dagerman. Bereits 2009 wurde die Schriftstellerin als jüngstes Mitglied in die Svenska Akademien gewählt, wo sie auf dem Stuhl Nummer 1 nach Sten Rudholm Platz nahm.

Ihr literarisches Debüt machte Lotta Lotass mit dem ersten Band einer Trilogie, die dem Leser die Person Lotass in ihrer Heimatregion näher bringt, da der erste Band Dalarna als Hintergrund hat und man in den handelnden Personen sehr viele Züge von wirklichen Personen entdecken kann, die die Denkweise und die Ideen von Lotass prägten.

Wer das erste Buch von Lotta Lotass, Kallkällan, in die Hände nimmt und einige Sätze daraus liest, entdeckt unmittelbar, dass es sich dabei nicht um ein Buch wie viele andere handelt, denn selbstverständlich beherrscht die Schriftstellerin Stilistik und Wortwahl, aber der Unterschied ist, dass Lotass Prosa in Versform schreibt und einen Roman zu einem Gedicht macht ohne ihm die Spannung und den logischen Handlungsablauf zu nehmen. Lotass lässt den Leser von einer realistischen und greifbaren Welt, die sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig abspielt, in eine surrealistische Welt gleiten in der die Grenzen zwischen Leben und Tod verschwinden, lässt ihn aber dennoch ohne Probleme in ihre literarische Welt eindringen.

In ihren Büchern, Dramas und Hörspielen geht Lotta Lotass oft bis an die Grenze des literarisch Möglichen und fordert daher die Aufmerksamkeit des Lesers, denn Lotass bietet keine Rezepte, sondern verlangt, dass der Leser selbst die Lösung findet, die zudem von Leser zu Leser sehr unterschiedlich sein kann. Diese Art des Schaffens unterscheidet Lotass von den anderen Gegenwartsautoren, die Angst davor haben ihre eigene Grenze zu überschreiten oder persönliche Erfahrungen in Frage zu stellen.

Mit jedem Buch, das Lotta Lotass veröffentlicht, überrascht die Autorin seine Leser erneut, denn auch wenn sie ihre Themen teilweise aus scheinbar bekannten Themen der Technik oder, wie bei ihrem bisher jüngsten Roman Konungarnas tillbedjan, aus der Bibel holt, so entwickelt sich daraus ein surrealistisches Meisterwerk, das völlig andere Bahnen nimmt als man auf Grund des Titels annimmt. In Konungarnas tillbedjan greift Lotass die Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem auf, aber sie gibt nicht, wie die Religion, eine klare Antwort, sondern las vor der Redaktion ihres Werkes das Matthäusevangelium so wie es aufgezeichnet wurde, was dazu führt, dass nicht Erklärungen geboten werden, sondern Fragen auftauchen die es ermöglichen die Bibel mit neuen und kritischen Augen zu lesen ohne sich jedoch vom Glauben abwenden zu müssen.

Obwohl Lotta Lotass eine der bedeutendsten modernen Autoren Schwedens ist, der schon heute ein Platz in der Literaturgeschichte Schwedens garantiert ist, so ist die Autorin mit ihren Büchern in anderen Ländern kaum bekannt. Die Ursache kann man darin suchen, dass Lotass die schwedische Sprache und die Prosalyrik meistert und dabei mit den Worten aus unterschiedlichen Epochen und selbst Regionen spielt, was die beste Übersetzung zur Arbeit eines Stümpers werden lässt, denn Lotass schreibt keine Romane mit den Worte einer Sprache, sondern sie malt lyrische Bilder in Prosaform, die selbst schwedische Leser nicht immer fassen können. Wer daher die Leistung von Lotass wirklich erfassen will, ist gezwungen ihre Werke in schwedischer Sprache zu lesen und diese sehr gut zu beherrschen.

Copyright: Herbert Kårlin

23 december 2012

Lars Madsén, Radiojournalist und Schriftsteller der Dörfer

Lars Madsén wurde am 19. Juni 1904 als Sohn des Rektors Mads Peder Madsén und dessen Frau Anna Nordin in Vänersborg geboren und starb am 23. Dezember 1974 an den Folgen eines Autounfalls in Tisselskog im Dalsland. Madsén war sei dem 16. August 1931 mit Ingrid Sofia Malmqvist verheiratet.

Im Jahr nach seiner Hochschulreife, die Lars Madsén 1923 in Vänersborg ablegte, studierte er an der Universität Uppsala, wobei er in dieser Zeit, parallel zum Studium, auch in den Archiven der Universität arbeitete. Bereits 1933 wurde er als Sprecher beim schwedischen Radio beschäftigt und ein Jahr später erhielt er seinen ersten Auftrag als Regisseur für das Hörspiel När sjunger kanariefågeln von Frederick Lonsdale.


Bis Ende der 40er Jahre arbeitete Lars Madsén ausschließlich mit literarischem Material anderer bekannter und weniger bekannter Autoren. In Zusammenarbeit mit Harry Martinson, Nils Ferlin oder Alice Svensk passte er Manuskripte der Schriftsteller der Übertragung als Hörspiel im Rundfunk an. Mit Musikern wie Josef Briné schuf er parallel dazu das Gesangspiel im Radio. Während seiner 36 Jahre bei der staatlichen Rundfunkanstalt hatte er die Regie von über 450 Hörspielen, die er zum Teil durch eigene Tonaufnahmen ergänzte.

Der Erfolg des Hörspiels in Schweden war zu einem großen Teil Lars Madsén zu verdanken, da er auch langfristige Produktionen im Griff hatte und die Familienserie Ingenjör Björk zwischen 1936 und 1943 von reiner Unterhaltung in eine didaktisches und psychologisches Werkzeug verwandeln konnte und die Bevölkerung Schwedens im Zweiten Weltkrieg in gewisser Weise durch Hörspiele manipulierte.

Der Erfolg seiner Hörspiele lag aber auch daran, dass Lars Madsén immer eine existierende Umgebung in seinen Stücken sehen wollte und dabei eine Vorliebe für die Dörfer in ganz Schweden zeigte. Auf diese Weise ließ er alle Schweden eine Reise durch das ganze Land machen, was in einer Zeit ohne Fernseher und ohne Internet eine bedeutende Wirkung hatte und den Wunsch auf nationale Urlaubsreisen weckte.

Ende der 40er Jahre begann Lars Madsén seine Hörspiele mit seinen Reportagen verschmelzen zu lassen, wobei er auch begann mit den bedeutendsten Schriftsteller dieser Zeit zu arbeiten. Mit unter diesen Schriftstellern fand man Tage Aurell, Stig Dagerman, Sara Lidman und Per Olof Sundman. Das Ziel Madséns war jedoch nach wie vor das Landleben Schwedens in den Vordergrund zu bringen.

Die schriftstellerische Karriere von Lars Madsén begann 1948 mit dem Filmmanuskript Stockholm i alla väder und vor allem seinem Buch Utan klocka: smesterrapport, das ein Jahr später erschien. Diesem Ferienbericht folgte 1955 das Reportagebuch Helikopterresan: ett reportage från fjällvärldens väglösa bebyggelse, das das Ergebnis einer Reise mit dem Hubschrauber war, die Madsén im Herbst 1954 unternommen hatte um die isoliertesten Ansiedlungen Schwedens aufzuspüren, die mit keiner Straße verbunden waren, um dem Städter den Kontrast Schwedens näher zu bringen.

Nur wenige der Reportagen von Lars Madsén wurden je in Buchform veröffentlicht, obwohl sie eine nahezu 30-jährige Dokumentation über die Entwicklung Schwedens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellen und vermutlich einige seiner Vorgesetzten zur Verzweiflung brachten. Madsén war der erste Reporter Schwedens, der sich nicht vom vorprogrammierten Radiosystem unterjochen ließ. Er machte lange Interviews und bearbeitete sie zu Hause und im Studio um zu vermeiden, dass das das Gespräch zu einer nüchternen Radiosendung wurde. Für Madsén war es wichtig, dass der Hörer spüren konnte wo das Gespräch stattfand, in welchem Milieu der Interviewete lebte und er wollte die Persönlichkeit des Gesprächspartners in den Vordergrund stellen. Wie lange daher ein Gespräch dauerte und wie viel Material er dafür benötigte, war Madsén gleichgültig.

Das Leitmotiv von Lars Madsén war in seinen Hörspielen, Reportagen, Filmmanuskripten und Büchern immer von einer anti-industriellen Gesellschaft geprägt, die das „Hauptstadtdenken“ aufgeben sollte, da die menschlichen Gefühle und die Humanität nur auf dem Land zu finden sind.

Ab den 40er Jahren begann Lars Madsén in seiner Freizeit zu malen und war sowohl im Kunstverein Dalsland als auch dem Künstlerklub in Stockholm aktiv, wobei er in beiden Städten auch zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen hatte. Nach eigenen Aussagen zählte er sich zu den Amateurkünstlern, der nicht berufsmäßig malen wollte, weil nur der Amateur völlig frei ist seinen Stil zu ändern und von einem Motiv zum anderen zu springen.

Als der Fernseher für die schwedische Bevölkerung üblicher wurde, blieb Lars Madsén zwar der Reportage treu, aber er teilte seine Arbeit zwischen Radio- und Fernsehproduktion, wobei er nach seiner Pensionierung im Jahre 1969 eher noch aktiver wurde als vorher. Leider verunglückte Madsen im Jahre 1974, als er mit seinem Auto auf einer Tournee durch Schweden war, so schwer, dass er wenig später an den Folgen des Unfalls starb.

Copyright: Herbert Kårlin

4 september 2012

Folke Mellvig, der schwedische Krimiautor der 50er Jahre

Folke Mellvig wurde am 23. Mai 1913 in Malmö geboren und starb am 4. September 1994 in Haninge (Stockholm). Da Mellvig nicht nur unter seinem eigenen Namen schrieb, sondern auch zahlreiche Pseudonyme verwendete und seine Bücher bei mehreren Verlagen veröffentlichte, weiß man bis heute nicht so genau wie viele Bücher, Krimis und Novellen der Schriftsteller tatsächlich geschrieben hat und welches sein erstes Werk war. Als Folke Mellvik begann er seine literarische Karriere mit dem Liebesroman „Pengar är ganska mycket“ im Jahre 1941, auch wenn dieser Roman nicht zu den großen Erfolgen des Autors gehört.


Allerdings sollte Folke Mellvik weder mit seinen Romanen, seinen Jugendbüchern oder seinen Biografien in die schwedische Literaturgeschichte eingehen, sondern auf Grund seiner Kriminalromane mit denen er ab den 50er Jahren einen bedeutenden Erfolg verzeichnete. In diesem Rahmen sind insbesondere seine Krimis hervorzuheben bei denen die Fälle vom Detektivbüro Hillman gelöst werden. Als Hilfe hat hier John Hillman, der Chef des Büros, seine Frau Kajsa und den Assistenten Freddy Sjöström, der sich oft mehr für leicht bekleidete blonde Mädchen interessiert als für die Fälle.

Folke Mellvik veröffentlichte unter seinem Namen rund 30 Kriminalromane, die zu einem großen Teil auch verfilmt wurden. Zu seinem Erfolg als Kriminalautor trug vor allem bei, dass er parallel zu seinen Büchern seine Hauptfiguren auch in Novellen auftauchen ließ, die er für verschiedene schwedische Zeitschriften schrieb, unter anderem für die Zeitschrift Lektyr, die vor allem in den 50er Jahren sehr viele Kriminalnovellen veröffentlichte. Die gleichen Personen tauchten auch in den Hörspielen auf, die Folke Mellvig für den schwedischen Staatsradio schrieb. Die Sendungen aus dem Jahre 1957 sind noch heute unter dem Titel Grönt för mord zu erhalten.

In den 60er und 70er Jahren schrieb Folke Mellvik einige Kriminalromane, unter anderem Dödens mannekänger und Gengångaren, die geradezu revolutionär für die Zeit waren, denn Mellvik entfernte sich hier von seinem Detektivbüro und ließ Frauen die Fälle lösen, die durch bestimmte Ereignisse in die Kriminalfälle verstrickt wurden. Diese Romane sind auch mehr als Thriller zu betrachten als als gewöhnliche Kriminalromane mit einer systematischen Vorgehensweise.

Folke Mellvik war bis zu seinem Tod aktiv, wobei er gegen Ende seines Lebens vor allem an Hörspielen und Filmmanuskripten arbeitete, wobei er lange Zeit krank war und immer weniger sehen konnte. Dies war auch der Grund, warum Mellvig die letzten Jahre nicht mehr in der Öffentlichkeit auftauchte und selbst bei einer Preisverleihung nur eine Tonaufnahme schickte, die seine Dankesrede ersetzen sollte.

Copyright: Herbert Kårlin