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3 juli 2013

Gunilla Bergström und Alfons Åberg (Willi Wiberg)

Gunilla Bergström wurde am 3. Juli 1942 in Göteborg geboren und entdeckte als Kind bereits mehrere Kulturen, denn nach der Scheidung ihrer Eltern hatte sie zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein konnten, denn die Mutter bildete eine konservative bürgerlicher Lehrerfamilie und der Vater heiratete eine dänische Künstlerin bei der Kreativität mit bohemischer Atmosphäre gemischt wurde.

Nach ihrer Schulzeit besuchte Gunilla Bergström das Journalistik-Institut an der Universität Stockholm, das sie 1966 mit einem Examen als Journalist beendete. Anschließend arbeitete die Journalistin und Schriftstellerin erst bei Dagens Nyheter und anschließend beim Aftonbladet in Stockholm.

Gunilla Bergström, God natt, Alfons Åberg, Förlag Rabén Sjögren, Stockholom, 2006, Titel: Gunilla Bergström

Die literarische Karriere von Gunilla Bergström begann im Jahre 1970, als sie an einer Artikelserie über Scheidungen arbeitete, denn sie entdeckte, dass bei allen Diskussionen, die darüber geführt werden, der Aspekt des Kindes fehlte, wobei hierbei ihre eigenen Erfahrungen als Scheidungskind natürlich auch eine gewisse Rolle spielten. Bergström entschloss sich daher ein Buch für Kinder zu schreiben, das Kindern eine Scheidung auf einfachste Weise näher bringt.

Auch wenn die Idee gut war, so zeigte sich das Projekt an Mias pappa flyttar, dem ersten Kinderbuch der Autorin, gar nicht so einfach, denn Gunilla Bergström hatte keine Kinder, keine Erfahrung als Kinderbuchautorin und wusste nicht einmal wie ein Kinderbuch aufgebaut ist und wie groß eine Illustration sein sollte. Aber nach einigen Besuchen in den Buchhandlungen nahm das Projekt Form an und 1971 erschien das erste Buch der Autorin.

Nur ein Jahr später erscheint dann das erste Buch Gunilla Bergströms mit Alfons Åberg (Willi Wiberg) in der Hauptrolle, das ihr Leben vollständig verändern sollte und der erste Band einer langen Serie war. Bereits im Band God natt, Alfons Åberg legt die Schriftstellerin die Linie ihres Gesamtwerkes fest, denn die Hauptfiguren bleiben Vater und Sohn, ein Verhältnis, dass in manchen Punkten an die Kindheit Bergströms erinnert, die immer nur kurze Zeit beim Vater verbrachte und dort die Ungezwungenheit fand. In den Büchern mit Alfons Åberg bleibt die Mutter abwesend, genauer genommen inexistent.

Neben den Büchern über Alfons Åberg, die auch von Gunilla Bergström bebildert wurden, veröffentlichte die Autorin auch einige Bücher bei denen ihre eigenen Kinder die Hauptfiguren spielten, insbesondere die jüngste Tochter, die unter Autismus leidet und Entwicklungsstörungen hat. Das typischste Kinderbuch dieser Reihe ist Bill och Bolla, das, wie die beiden vorangehenden Werke zum gleichen Thema, in Reimform geschrieben ist.

Auch wenn Gunilla Bergström nahezu ausschließlich mit Alfons Åberg in Verbindung gebracht wird, so hat sie auch Lieder veröffentlicht, Stücke für das Kindertheater geschrieben, ein Libretto für ein Kindermusical verfasst und mehrere Bücher anderer Autoren illustriert, was man beim Erfolg Åbergs sehr leicht vergisst.

Gunilla Bergström gehört, obwohl sie, nach Astrid Lindgren, die meist verlegte, meist übersetzte und meist gelesene Kinderbuchautorin Schwedens ist, nie ein typisches Kinderbuch geschrieben, sondern Bücher aus dem realen Leben, des mit Erwachsenenthemen Kinder anspricht und damit eine eigene Kategorie an Kinderbüchern ausmacht.

Wenn man nur die Bücher mit Adolf Åberg betrachtet, so hat Gunilla Bergström allein in Schweden bereits über vier Millionen der Bücher verkauft und die gleiche Menge noch in Form von Übersetzungen. In diesem Rahmen muss man bedenken, dass Bergström die erste schwedische Autorin war, die auch ins Arabische übersetzt wurde, da ihre Themen frei von kulturellen Vorurteilen sind und daher „Familienprobleme“ jeden Landes Kindern auf einfachste Weise näher bringt.

Sehr viele Bücher von Gunilla Bergström, die seit 1975 als hauptberufliche Schriftstellerin und Illustratorin arbeitet, wurden mittlerweile verfilmt, für das Kindertheater bearbeitet oder erschienen als Zeichentrickfilm. In vielen Fällen war es Bergström selbst, die die Adaptationen schrieb und damit auch die Aussagen der Bücher erhalten konnte.

Im Jahre 1997 wurde Gunilla Bergström, der schon rund 20 bedeutende Preise für ihre Werke überreicht wurden, in die Svenska Barnboksakademien gewählt, wo sie auf dem Stuhl Nummer 12 Platz nahm. Ihre Bücher über Alfons Åberg sind noch heute in Schweden so stark gefragt, dass nicht ein einziger Titel aus der Reihe verschwand, sondern immer wieder neu aufgelegt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

27 juni 2013

Tove Jansson schrieb nicht nur Mumintrollen

Tove Jansson wurde am 9. August 1914 als Tochter des finnischen Skulpteurs Viktor Jansson und der schwedischen Illustratorin Signe Hammarsten in Helsingfors (Helsinki) geboren und starb am 27. Juni 2001 ebenfalls in der finnischen Hauptstadt. Jansson hatte im Laufe ihres Lebens mehrere Verhältnisse mit beiden Geschlechtern, war jedoch nie verheiratet.

Die Illustratorin und Schriftstellerin Tove Jansson wuchs in einer typischen Künstlerfamilie auf in der nahezu jeder Tag ein neues Abenteuer war. Die Winter verbrachte das Mädchen mit der Familie im Atelier und die Sommer auf Blidö in den Schären vor Stockholm. Sehr früh war Jansson klar, dass auch sie Künstlerin werden wolle, was auch dazu führte, dass sie mit 15 von der Schule abging um mit 16 am Konstfack in Stockholm, später auch in Helsingfors und Paris Kunst studierte. So nebenbei begann die Künstler auch zu schreiben und schließlich verband sie beides zu einem einzigen künstlerischen Beruf.
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Tove Jansson, Det osynliga barnet, Förlag Alfabeta, Stockholm, 2004, Illustration: Tove Jansson

Als Illustratorin begann Tove Jansson kurz vor dem Zweiten Weltkrieg für die satirische schwedischsprachige Zeitschrift Garm in Helsingfors zu arbeiten. Ihre Zeichnungen waren über Jahre hinweg ein Protest gegen Hitler und die finnische Zusammenarbeit mit dem Nazideutschland, was jedoch ein gewisser Widerspruch ist, da man Garm eine Nähe zur rechten Politik des Landes zusprach. Die Signatur, die Jansson in dieser Zeit anwendet, ähnelt bereits dem späteren Mumintrollet.

Wann genau Tova Jansson ihr erstes Mumintroll-Buch schrieb, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Sicher ist nur, dass der erste Band im Jahre 1945 erschien, wobei auch nicht bekannt ist inwieweit ihr Bruder Lars Jansson bereits an diesem ersten Buch mitarbeitete, da die offizielle Zusammenarbeit erst im Jahre 1958 beginnt und die Arbeit anschließend immer mehr vom Bruder übernommen wird.

Der Durchbruch kam für Tove Jansson mit dem Buch Trollkarlens hatt im Jahre 1948, dem dritten Band aus der Reihe der Mumins, da dieser Band auch ins Englische übersetzt wurde und anschließend den Weg der Trolle in andere Länder öffnete. Bald kauften sich die Geschwister Jansson dann die Schäreninsel Klovharun bei Pellinge, die Tove im Jahre 1995 dem Heimatverein in Pellinge schenkte und heute im Sommer mit seiner Stuga gemietet werden kann.

Ab 1955 lebte Tove Jansson mit dem Illustrator und Professor Tuulikki Pietilä zusammen, ein Verhältnis, über das beide nie viel sprachen und heute von vielen Literaturkritikern als rein freundschaftlich bezeichnet wird und eine Familienfassade für die Umwelt gewesen sein kann. Als Janssons Mutter im Jahre 1970 starb, begaben sich auf jeden Fall Jansson und Pietilä auf eine lange Reise, die auch ein Bruch im Schaffen der Schriftstellerin mit sich brachte.

Nach Ende der Reise illustriert zwar Tove Jansson noch einige Kinderbücher, aber sie ging nicht mehr an die neunbändige Serie der Mumintrollen, die sie nun als abgeschlossen empfand. In den Folgejahren erscheinen, außer zwei autobiographischen Werken, insbesondere Novellen und Romane für Erwachsene, die jedoch weitaus weniger als ihre „Trollbücher“ ankommen, denn ihr Name wird zu sehr mit der Sagenwelt der Mumintrolle verknüpft

Den persönlichsten Roman veröffentlicht Tove Jansson im Jahre 1989 unter dem Titel Rent spel, die Geschichte der Freundschaft von zwei Frauen, die beide Künstlerinnen sind und in zwei Wohnungen des gleichen Hauses leben. Es geht hierbei um Annäherung, um Kompromisse und das gemeinsame Überleben in den Veränderungen der Welt und auch der persönlichen Beziehung.

Alle Bücher von Tove Jansson, angefangen von ihren Kinderbüchern bis zu ihren Novellen und Romanen, kreisen um die Suche nach dem Sinn des Daseins, oft jenes eines Künstlers, der ständig unter dem Schaffensdruck steht und Angst vor einer kommenden Katastrophe hat. Ob diese Gedanken mit Janssons Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg kommen oder persönliche Erfahrung aus eigenen Beziehungen sind, ist unter Literaturwissenschaftlern umstritten und kaum zu beantworten, da Jansson sehr selten über ihre Gefühlswelt sprach.

Obwohl Tove Jansson auch Gemälde malte, das Lied Höstvisa schrieb, mehrere Bücher für Erwachsene veröffentlichte und J. R. R. Tolkiens Bilbo sowie Alice in Wonderland von Lewis Carroll illustrierte, so wird die Schriftstellerin und Illustratorin, der 1995 der Professorentitel verliehen wurde, bis heute fast ausschließlich mit den Mumins in Verbindung gebracht, die sie jedoch nur während eines kleinen Teiles ihres Lebens beschäftigten.

Tove Jansson erhielt für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Bereits 1953 wurde der Schriftstellerin die Nils Holgersson-Plakette verliehen, 1994 erhielt sie für ihre literarische Arbeit den großen Preis der Svenska Akademien und 1978 wurde Jansson die Ehrendoktorwürde der Universität in Åbo (Turku) verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

12 juni 2013

Rose Lagercrantz und das kritische Jugendbuch Schwedens

Rose Lagercrantz, geborene Schmidt, wurde am 12. Juni 1947 als Tochter des Ehepaars George und Ella Schmidt in Stockholm geboren. Seit 1966 ist die Schriftstellerin mit Professor Hugo Lagercrantz verheiratet. Das Ehepaar wohnt auf Östermalm in Stockholm.

Die Kindheit von Rose Lagercrantz war, wie sie selbst schreibt, vom Schweigen geprägt, auch wenn sie eine angenehme Kindheit verbrachte, denn die Eltern wollten nicht viel über ihre Vergangenheit sprechen. Der Vater war, nachdem er mehrmals ins Gefängnis gesteckt worden war, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs über Prag und Krakau nach Schweden geflohen und die Mutter, die in Transylvanien geboren war, überlebte Auschwitz und kam erst nach dem Krieg nach Schweden. In Stockholm lernten die beiden Verfolgten sich kennen, heirateten und Rose wurde geboren.

Rose Lagercrantz, Mitt lyckliga liv, Förlag Bonnier Carlsen, Stockholm, 2010, Umschlag: Eva Eriksson

Ihre Kindheit verbrachte Rose Lagercrantz im Stadtteil Midsommarkransen in Stockholm, wo vor allem die Mutter um die Erziehung kümmerte, da der Vater als Vertreter für mehrere schwedische Firmen oft wochenlang unterwegs war bevor er zurück in die Zweizimmerwohnung kam. Schon als Kind fand die Welt des Mädchens in Büchern und einem Hain gegenüber der Wohnung statt. Statt mit Realität wuchs Lagercrantz die ersten Jahre mit Träumen auf.

Die Realität holte Rose Lagercrantz dann jedoch ein als die Familie 1954 in den Vorort Högdalen umzog, denn hier wurde ihre Familie plötzlich als Judenteufel beschimpft und Kinder begannen das Mädchen mit „ausländischen“ Eltern zu mobben, nur in der Schule hatte Lagercrantz eine gewisse Freizone, da sich der Rassismus vor allem auf ihr Wohngebiet beschränkte.

Mit elf sah Rose Lagercratz das erste Mal ein Hakenkreuz. Obwohl die Eltern jeder Frage über ihre Vergangenheit auswichen, so wusste die Schriftstellerin was dies bedeutete, ein Zeichen, das während des Zweiten Weltkriegs ihre Eltern prägte und nun für sie selbst ein Zeichen der Verfolgung wurde, ein Hinweis, dass sie jüdische Eltern hatte und kein schwedisches Blut.  Vor allem das Schweigen der Eltern belastete die Jugendliche, da ihr damit ein Stück ihrer eigenen Geschichte gestohlen wurde und eine Aufarbeitung der Probleme nicht stattfinden konnte.

Nach Ende der Schulzeit ging das Leben für Rose Lagercrantz wie im Flug, denn mit 19 heiratete sie Hugo Lagercrantz und nur wenige Jahre später hatte sie drei Kinder und einen Haushalt. Auch wenn sich die Schriftstellerin immer noch zu Büchern hingezogen fühlte, so sollte es einige Jahre dauern bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte, denn erst arbeitete sie bei Rundfunk und Fernsehen und später leitete sie ein Kindertheater in Stockholm.

Erst als Rose Lagercrantz 26 Jahre alt war, erschien dann ihr erstes Buch Tullesommar, die Geschichte eines neunjährigen Scheidungskindes. Das Buch, das 1982 unter dem Titel Ett hjärta av guld für das schwedische Fernsehen verfilmt wurde, brachte Lagercrantz unmittelbar den Durchbruch als Jugendbuchautorin. In den Folgejahren veröffentlicht die Autoren im Schnitt jedes Jahr mindestens ein Buch, wobei sie mit der Zeit nicht nur Kinder- und Jugendbücher schreibt, sondern auch einige Romane für Erwachsene.

Die Kinder- und Jugendbücher von Rose Lagercrantz richten sich an verschiedene Altersgruppen und gehen von Sagen über Jugendromane bis zum Mystery. Erst 2007 wagt sich die Schriftstellerin dabei auch an ein Thema, das sie ihr Leben lang beschäftigt hatte, denn mit Flickan som älskade potatis schreibt sie einen Jugendroman, der das Überleben im Konzentrationslager Bergen-Belsen beschreibt und bereitet damit in gewisser Weise ihren Roman Om man ännu finns: en familjekrönikan mit dem die Autorin versucht ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern zu entdecken, auch wenn der Leser deutlich spürt, dass hierbei noch Löcher vorhanden sind.

Die Kinder- und Jugendbücher von Rose Lagercrantz sind ein Gegenpol zur heilen Welt, die Astrid Lindgren mit ihren Büchern schuf und zeigen die andere Seite Schwedens, denn die Werke von Rose Lagercrantz sprechen von Problemen, von den Schwierigkeiten des Überlebens, von Mobbing und selbst von Rassismus, obwohl ein Teil der Handlungen zur gleichen Epoche stattfinden als die Handlungen in Bullerbü.

Auch wenn Rose Lagercrantz in Schweden zu den bedeutendsten Kinderbuchautorinnen gehört, so werden ihre Kinderbücher nur sehr zögernd ins Deutsche übersetzt, weil das deutsche Publikum nur die Sonnenseite Schwedens mit roten Häuschen, der Freiheit und dem Sommerparadies sehen will und der Stockholmer Stadtteil Midsommarkransen wenig mit dem Tanz um die Mittsommerstange zu tun hat.

Welche Bedeutung Rose Lagercrantz bereits für die schwedische Literaturgeschichte hat, kann man den zahlreichen Preisen entnehmen, die sie für ihre Werke erhielt, denn Lagercrantz erhielt den Augustpriset, den Astrid Lindgren priset, die Nils Holgersson-plakette und andere Auszeichnungen. Zwischen 1989 und 1996 saß die Schriftstellerin auch auf dem Stuhl Nummer 13 der Svenska barnoksakademien.

Copyright: Herbert Kårlin

30 april 2013

Harald Johnsson, der Schriftsteller des Normalbürgers

Harald Johnsson wurde am 22. Juli 1886 als Sohn des Fabrikanten Olof Johnsson und dessen Frau Bengta Andersdotter in Östra Göinge in Skåne geboren und starb am 30. April 1936 in Stockholm. Johnsson war ab 1913 mit der Schriftstellerin Karin Johansson verheiratet.

Da sich bisher nur wenige Literaturwissenschaftler mit Harald Johnsson beschäftigt haben, ist über seine Kindheit und seine Jugend kaum etwas bekannt. Johnsson legte seine Hochschulreife im Jahre 1904 in Kristianstad ab und studierte anschließend von 1904 bis 1908 an der Universität Lund. Ab 1906 arbeitet er am Studentenkalender Nya Dagar mit, wobei die Gedichte und anderen kurzen Beiträge später auch als sein erstes Buch veröffentlicht werden.

Harald Johnsson, Svenska Stormän, Svenska Läratidnings förlag, 1935

Nach seinem Studium arbeitete Harald Johnsson  erst einige Jahre lang beim Lunds Dagblad, wechselte dann jedoch im Jahre 1910 mit seinem Umzug nach Stockholm zum Buchverlag Åhlen och Åkerlund bei dem er als literarischer Ratgeber arbeitete.

Während seines Studiums in Lund und die Zeit in der Harald Johnsson bei  Åhlen och Åkerlund beschäftigt war, entstand unter seiner Feder vor allem Lyrik, die starke Einflüsse von Vilhelm Ekelund, Ola Hansson und Anders Österling zeigen, auch wenn man in einem Teil seiner Lyrik persönliche Züge findet. Bevor sich der Autor jedoch in der Dichtung gefunden hat, gibt er die Lyrik auf, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass er kaum in literarischen Kreisen verkehrt und daher wenig Ansporn erhält.

Als Harald Johnsson 1913 als literarischer Ratgeber zum Verlag Dahlberg wechselt, wechselt der Autor auch seine literarische Richtung und beginnt Kriminalromane zu schreiben, die er unter dem Pseudonym Robinson Wilkins veröffentlicht. Ein Teil dieser Romane erscheint in Heftform, einige wenige in Buchform, die jedoch, obwohl sie Schnellprodukte waren, von einer verblüffenden Logik der Handlungen zeugen. Auch wenn der literarische Wert dieser Kriminalromane bis heute angezweifelt wird, lag Johnsson im Zeitstrom, denn er verkaufte über eine halbe Million Exemplare und jedes der Werke wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Seine beiden Hauptfiguren Fred Hellington und Carl Alexander Jönsson wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschätzte und allgemein bekannte Figuren.

Nach wenigen Jahren verließ jedoch Harald Johnsson auch die Welt der Kriminalromane wieder und er schrieb unter verschiedensten Pseudonymen Abenteuergeschichten, Liebesromane sowie Sagen und Kinderbücher, die beim Publikum sehr gut ankamen, aber von Kritikern unbeachtet blieben, da Unterhaltungsliteratur und einfachere Belletristik um diese Zeit nicht zur ehrenhaften Arbeit eines Schriftstellers gehörten.

In der letzten Phase seines Schaffens veröffentlichte Harald Johnsson vor allem historische „Räubergeschichten aus Skåne“ und populärwissenschaftliche, geschichtliche Romane und Biographien, die dem Leser die Vergangenheit Schwedens öffneten. Auch hier hatte er beim Publikum einen großen Erfolg, da das geschichtliche Interesse eine breite Leserschicht ansprach, aber nur die wenigsten unter ihnen die wissenschaftlichen Werke lesen konnten, sie sich aber auch nicht leisten konnten. Johnsson ließ gerade für diese Schicht die schwedische Vergangenheit von Ansgar und der Heiligen Birgitta bis zu Anführern von Aufständischen wieder auferstehen, eine Leistung, die jedoch von der etablierten literarischen Schicht kaum geschätzt wurde. Seine Leserschicht erstreckte sich dagegen von Jugendlichen bis zum höchsten Alter, da Johnsson es verstand Geschichte mit einfachen Worten zum Leben zu erwecken.

Harald Johnsson war mit seiner Prosa ein Schriftsteller der Alltagswelt, denn er schrieb über das Leben als Soldat, die Probleme der kleinen Leute, über Alkoholiker und Kleinkriminalität, die die Armut und die Unterdrückung mit sich bringen. Der Autor war dabei in der Lage durch Humor das Leben trotz der Probleme als lebenswert zu zeichnen. So manches Werk hat auch autobiographische Züge und Elemente, die der Schriftsteller aus Erzählungen holt, die er in seiner Kindheit hörte oder erlebte.

Eines der Probleme warum Harald Johnsson nicht als ernsthafter Schriftsteller anerkannt wurde, war, dass er sich immer auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellte und die Untergrundkämpfer Skånes als Helden im Kampf gegen die Übergriffe Schwedens darstellte. Johnsson wollte dabei lediglich eine andere Möglichkeit der Wahrheit aufzeigen, die jedoch gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell wenig willkommen war, da Schweden von der gehobenen Schicht immer noch als die Wiege der Welt und der Kultur gesehen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

29 april 2013

Sven Nordqvist und die Phantasiewelt der Kinder

Sven Nordqvist wurde am 30. April 1946 als Sohn des Gymnasiallehrers Bengt Hjell und der Kartenzeichnerin und Arztsekretärin Marianne Nordqvist in Helsingborg geboren. Da sich die Eltern jedoch trennten als der Junge zwei Jahre alt war, wuchs er mit seinem Bruder bei den Großeltern mütterlicherseits in Halmstad auf, wohin die Mutter nach der Scheidung gezogen war. Nordqvist lebt mit seiner Frau Eva seit einigen Jahren in Stockholm.

Bereits sehr früh war Sven Nordqvist vom Zeichnen fasziniert, wobei er anfangs die Bilder der amerikanischen Zeitschrift MAD nachzeichnete, mit 15 einen amerikanischen Zeichenkurs im Fernstudium belegte und anschließend versuchte in einer Kunstschule unterzukommen. Da er jedoch von allen abgelehnt wurde, studierte er an der Technischen Hochschule in Lund Architektur.

Sven Nordqvist, Findus flyttar ut, Förlag Opal, Titel: Sven Nordqvist

Nach dem Abschluss seines Studiums arbeitete Sven Nordqvist ein Jahr lang in einem Architekturbüro und ein Jahr unterrichtete er Architektur an der Technischen Hochschule in Lund. Nach dieser Erfahrung wusste er, dass er den falschen Beruf gewählt hatte und begann in einem Reklamebüro in Halmstad als Zeichner zu arbeiten, wobei er parallel dazu auch bereits Weihnachtskarten, Glückwunschkarten, Lehrbücher und Plakate malte und sich mit graphischen Techniken beschäftigte.  Ab 1970 entschied sich Nordqvist dann hauptberuflich als Zeichner und Künstler zu arbeiten.

Viele Jahre legte Sven Nordqvist seinen Schwerpunkt ausschließlich auf das Zeichnen und er nahm an zahlreichen Ausstellungen in ganz Schweden teil. Der berufliche Umschwung kam im Jahre 1981, als Nordqvist eine Ausschreibung des Opal Verlages mit dem Bilderbuch Agaton Öman och alfabetet gewann. Bei diesem Werk handelt es sich um ein Buchstabenspiel für Kinder zwischen sechs und neun Jahren, die mit Hilfe des Buches das Alphabet lernen sollen. Nordqvist musste hierfür auch den Text schreiben, was der Beginn einer Karriere als Kinderbuchautor werden sollte.

Der Erfolg kam für Sven Nordqvist bereits im kommenden Jahr mit seinem Kinderbuch Pannkakstårtan, die Geschichte von Pettson und seiner etwas besonderen Katze Findus. Die Geschichten für Kinder zwischen drei und sechs mit den zugehörigen Zeichnungen kamen so gut an, dass der Autor und Zeichner Nordqvist weitere sieben Bücher mit den beiden Hauptpersonen des ersten Bandes veröffentlichte.

Nach dem Erfolg von Pettson und Findus war für Sven Nordqvist klar, dass er seine Bestimmung gefunden hatte und er schrieb auch andere Kinderbücher, die überwiegend zum Vorlesen gedacht waren und die Kindern mit der Bebilderung in eine Phantasiewelt führten. Neben seinen eigenen Kinderbücher kamen auch immer mehr Aufträge Kinderbücher anderer Autoren zu bebildern.

Als 1993 die zehnjährige Hannele Norrström an einem Gehirnkrebs starb, hatte das Mädchen vom Krankenbett aus noch die Erzählung Guldflickan geschrieben und den Wunsch geäußert, dass Sven Nordqvist ihr Buch illustrieren sollte. Der Schriftsteller und Zeichner akzeptierte, und ein Teil der Einnahmen aus dem Buchverkauf ging anschließend an die schwedische Kinderkrebshilfe.

Sven Nordqvist, der zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke erhielt und für sein Bilderbuch Var är min syster mit dem Augustpriset belohnt wurde, sagt von sich selbst, dass er seine Kinderbücher im Grunde nicht für ein Publikum schreibt, sondern während der Arbeit in eine eigene Sagenwelt taucht und eine eigene Welt entdeckt an der er seine Leser anschließend teilhaben lässt. Für den Autor ist es wichtig die Fantasie zu benutzen, gerade in einem Kinderbuch.

Bei den Kinderbüchern von Sven Nordqvist bilden Text und Bilder eine Einheit, denn wenn man den Text gelesen hat oder erzählt bekam, so kann man in den Bildern anschliessend nicht nur die Handlung wiederfinden, sondern hunderte von Details, die zeigen, dass sich Nordqvist auch für Technik interessiert und weiß wie man die Welt der Kinder mit hunderten von Kleinigkeiten bereichern kann. Eltern mit Phantasie können daher ihren Kinder mit Hilfe der Bücher des Autors zahlreiche weitere Geschichten erzählen, die bereits in den Werken des Schriftstellers und Zeichners enthalten sind.

Auch wenn sich zahlreiche Literaturwissenschaftler und Kritiker weigern, Kinderbücher als Literatur zu bezeichnen, so ist gerade die erste Begegnung eines Kindes mit der Welt des Buches entscheidend ob ein Interesse für das Lesen geweckt wird, ob die Phantasie sich entwickelt und welche Art von Büchern die Kinder später lesen. Die schwedische Literaturgeschichte ist daher nicht nur jene Literatur, die Erwachsene mit einer gewissen Bildung anspricht.

Sven Nordqvist arbeitet, neben seiner Tätigkeit als Autor und Zeichner für Kinderbücher, auch als Künstler für Kinder. Er entwickelte Spielplätze, arbeitete für die Kinderabteilung des Akademischen Krankenhauses in Uppsala und er schuf, gemeinsam mit Leif Högström, im Jahre 1991 das Bilderbuchdorf im Millesgården auf Lidingö.

Copyright: Herbert Kårlin

21 april 2013

Wilhelmina Ståhlberg und der historische Roman Schwedens

Wilhelmina Ståhlberg wurde am 26. November 1803 von unbekannten Eltern, die das Mädchen nach der Geburt zur Adoption freigaben, in Stockholm geboren und starb am 23. Juli 1872 in Mariefred. Ihren Familiennamen übernahm die Schriftstellerin von ihrem Adoptivvater, einem Feldschreiber und dessen Frau. Ståhlberg war nie verheiratet.

In der Familie Ståhlberg wuchs die spätere Schriftstellerin wie eine Tochter auf und kam sehr früh zur Literatur. Bereits mit 16 wurden ihre ersten Gedichte in der Stockholmstidningen gedruckt, Gedichte, die sie jedoch nur mit ihrem Vornamen Wilhelmina unterzeichnete. Die erste etwas längere literarische Arbeit von Wilhelmina Ståhlberg erschien dann im Jahre 1826, als sie das kleinere lyrische Werk Min ungdoms idealer veröffentlichte und der Erlös aus dem Verkauf einer verarmten Familie spendete. In den Folgejahren erschienen dann mehrere kleinere Gedichtsammlungen, wobei ihre Gedichtsammlung Lyriska Toner aus dem Jahre 1843 auch ein Vorwort von Frans Michael Franzén erhielt, der ihre Arbeit hoch schätzte.

Wilhelmina Ståhlberg, Holzstich eines unbekannten Künstlers

Als der Ziehvater Wilhelmina Ståhlbergs im Jahre 1829 starb, mussten sich die beiden Frauen selbst versorgen, was dazu führte, dass die Schriftstellerin sich mit dem Haushalt beschäftigen musste und von ihrer Ziehmutter handwerkliche Aktivitäten lernte. Die schriftstellerischen Aktivitäten mussten vorübergehend etwas zur Seite gestellt werden, zumal die beiden in der Wohnung auch arme Kinder aufgenommen wurden um ihnen eine gewisse Erziehung und Bildung zu bieten.

Als im Jahre 1846 auch noch die Ziehmutter von Wilhelmina Ståhlberg starb, lebte die Schriftstellerin allein in Stockholm, arbeitete intensiv an ihrer literarischen Karriere und verkehrte überwiegend in den literarischen Kreisen Stockholms, wobei sie hierbei die Konkurrenz der zahlreichen Literaten der Hauptstadt spürte, die alle ihre Werke Lars Johan Hierta und Albert Bonnier anbieten wollten, denjenigen, die in der Regel über die Zukunft eines Autors entschieden.

Man muss bei Wilhelmina Ståhlberg, die während ihres Lebens etwa 80 eigene Bücher veröffentlichte, zahlreiche Übersetzungen lieferte und für Zeitungen und Zeitschriften das schrieb, was der jeweilige Herausgeber forderte, zwischen literarischen Werken und Auftragsarbeit unterschieden, denn im Gegensatz zu ihren eigenen Werken, war sie nicht immer stolz über Übersetzungen aus dem Deutschen und Französischen für die sie oft wenig Zeit aufwendete und einige ihrer Novellen für die Presse nannte sie gegen Ende ihres Lebens sogar selbst „Schund“.

Auch wenn Wilhelmina Ståhlberg bisweilen Gedichte veröffentlichte und Kinderbücher publizierte, so war ihre Stärke der Geschichtsroman. Ihre Bücher über Charlotta Nordenflycht, Königin Christina von Schweden, Lasse Lucidor, Gustav III. und andere bedeutende Personen der schwedischen Geschichte fanden ein bedeutendes Publikum, wobei die Schriftstellerin es auch erreichte bei sehr vielen Schweden das Interesse für Geschichte zu wecken, da Ståhlberg es verstand in ihren Büchern eine gewisse Spannung unterzubringen und dabei gleichzeitig auf jede wissenschaftliche Sprache verzichtete.

Um Wilhelmina Ståhlberg zu verstehen muss man nicht nur bedenken, dass sie sich selbst versorgen musste, was für eine alleinstehende Frau in dieser Zeit mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden war, denn in der Regel bedeute dies zum Lehrerberuf greifen zu müssen, da selbst die Literatur und der Journalismus nur in wenigen Fällen Frauen ermöglichte davon zu leben. Ståhlberg gehörte ab den 40er Jahren zu jener „ausgewählten“ Schicht, die sich durch ihre außergewöhnliche Leistung in diesem Bereich behaupten konnte, die aber auch mehr oder weniger zwangsweise dazu bereit sein musste auf Wünsche der Verleger einzugehen. Ståhlberg schrieb daher auch über Mode, Handarbeit und verfasste unzählige kürzere Texte für Kalender und Anthologien. Diese Offenheit hatte natürlich auch ihre Vorteile, denn durch die Übersetzung eines Häkelbuches, das in Schweden unter dem Titel Ny virkbok erschien, führte die Schriftstellerin diese Handarbeitstechnik in Schweden ein.

Dass sich Wilhelmina Ståhlberg vor allem für die Geschichte der Frauen Schwedens interessierte und eine gewisse Rolle innerhalb der schwedischen Frauenbewegung spielte, zeigt sich nicht nur in der Auswahl der historischen Themen, in denen Frauen eine bedeutende Rolle spielen, sondern auch dadurch, dass sich die Autorin in die Debatte um Carl Jonas Love Almqvists Det går an aus dem Jahre 1939 einmischte und ihn zwar bei seiner Meinung zur Ehe unterstützt, seine Meinung jedoch als Liebesutopie bezeichnet, die die Situation der schwedischen Frau jener Zeit nur noch erschweren konnte und damit ihre freie Entwicklung noch mehr begrenzt.

Obwohl Wilhelmina Ståhlberg vermutlich die produktivste Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts war und vor allem ihre Geschichtsromane geradezu Bestseller jener Zeit waren, und nicht zu vergessen ist, dass sie durch das Schreiben und Übersetzen von über 50 Kinderbüchern auch dem Kinderbuch Schwedens eine neue Richtung gab, so nahm man ihr immer wieder übel, dass sie neben Literatur auch Schnellprodukte lieferte. Wie nahezu allen schreibenden Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts, so wurde sie von Literaturwissenschaftlern immer in eine Nische der schwedischen Literaturgeschichte gedrängt aus der man nur sehr schwer wieder entkommen kann, da auch moderne Autoren selten eine Grundlagenforschung betreiben, sondern auf die Lehrmeinung der früheren Jahrzehnte und Jahrhunderte zurückgreift.

Copyright: Herbert Kårlin

13 april 2013

Fredrika Ehrenborg in den Fängen von Emanuel Swedenborg

Anna Fredrika Ehrenborg, geborene Carlqvist, wurde am 15. März 1794 als Tochter des Händlers Nils Carlqvist und dessen Ehefrau Anna Christina Reimer in Karlstad geboren und starb am 20. Mai 1873 im Alter von 79 Jahren in Linköping. Ehrenborg war ab 1911 mit Caspar Isaac Michael Ehrenborg verheiratet.

Da der Vater von Fredrika Ehrenborg sehr früh starb und keine finanziellen Mittel hinterließ, wuchs die spätere Schriftstellerin bei einem kinderlosen kleinbürgerlichen Ehepaar in Karlstad auf. Ehrenborg sprach von der Erziehung durch die Pflegeeltern relativ schlecht und bezeichnete die Pflegemutter als ungebildet, die auch jeden Bildungswunsch des Mädchens ablehnte, da Bildung für Frauen nicht erstrebenswert war.

Anna Fredrika Ehrenborg, Skildringar Ur Det Husliga Lifvet Af Onämnd. [with] Fortsättning..., Nabu Press

Mit 17 heiratete die damalige Anna Fredrika Carlqvist den späteren Politiker Caspar Isaac Michael Ehrenborg, der ihr ermöglichte durch Selbststudium die verlorene Bildung nachzuholen. Nach Tagebuchaufzeichnungen ließ die Schriftstellerin nach der Ehe keinen Tag mehr vergehen an dem sie nicht etwas Neues hinzulernte, wobei sie die Neigung hatte diese Wissenserwerbung auch anderen vermitteln zu wollen.

Als ihr Ehemann im Jahre 1823 plötzlich starb, war Fredrika Ehrenborg gerade einmal 29 Jahre alt und hatte fünf Kinder, wovon jedoch eines bald darauf ebenfalls starb. Die Schriftstellerin verließ Stockholm und kehrte auf ein Gut des Ehemanns zurück, wo eine bedeutende Verwandlung stattfand, denn die bis dahin wenig von Religion beeindruckte Ehrenborg begann die Bücher von Emanuel Swedenborg zu lesen, die früher nur eine Stütze für ihren Mann gewesen waren, und verwandelte sich in eine tiefgläubige Frau, die über Swedenborg alle Antworten fand, die sie bis dahin gesucht hatte.

Aber Fredrika Ehrenborg beschränkte sich nicht nur auf einen unkritische Glauben an die himmlische Welt und die Erde, die ineinander übergehen, sondern sie begann die Schriften Swedenborgs zu analysieren und versuchte die Bibel mit Hilfe des Mystikers neu zu deuten Durch die Verbindung zur Swedenborggesellschaft in Skara folgte sie in jedem Schritt der Gedankenwelt Swedenborgs und wurde ein Spezialist der Philosophie des schwedischen Religionsphilosophen.

Die Entscheidung Schriftstellerin zu werden, entwickelte sich bei Fredrika Ehrenborg in den 30er und vor allem den 40er Jahren, als sie zuerst den Romantiker Ernst Kjellander nahezu als Sohn in ihrem Haus aufgenommen hatte und sich später teilweise in Uppsala aufhielt und von 1842 bis 1846 in den Kreisen von Erik Gustaf Geijer und Malla Silfverstolpe verkehrte, auch wenn es zwischen Ehrenborg und den anderen Besuchern des literarischen Salons teilweise zu Spannungen kam, da die Schriftstellerin in jedem literarischen Schaffen die moralische Frage suchte und bestrebt war andere davon zu überzeugen ihren Werken einen moralischen Stempel zu geben.

In dieser Zeit in Uppsala erschien dann das erste Werk von Fredrika Ehrenborg, die 1845 mit Skildringar ur det husliga lifvet die Gesellschaft nach der Lehre Swedenborg darstellte. Nachdem das Werk sehr positiv aufgenommen wurde, setzte Ehrenborg im folgenden Jahr mit einem Folgeband fort. Diese beiden Bände sind ein bedeutender Beitrag zur Kulturgeschichte Schwedens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Sehr schnell stellte Fredrika Ehrenborg jedoch fest, dass sie nicht in der Lage war sich in diesem Bereich der Literatur zu verwirklichen und auf Anraten der Freiherrin und Schriftstellerin Sophie von Knorring schrieb Ehrenborg in den Folgejahren unter der Reihe Läsning för barn zahlreiche Kinderbücher mit einer starken religiösen und moralischen Tendenz. Allerdings muss man diese Tendenz auch damit in Verbindung bringen, dass Ehrenborg damit die Bildung von Mädchen auf dem Lande fördern wollte, was ohne stark religiöse Linie nicht möglich war.

Als Fredrika Ehrenborg im Frühjahr 1846 zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn nach Lund zieht, begegnet sie der neu entstandenen freikirchlichen Bewegung, machte Bekanntschaft mit spirituellen Kreise und begann sich für Weissagungen zu interessieren, was sie jedoch letztendlich Swedenborg noch näher brachte und sie veröffentlichte eine kommentierte Version des Buches Swedenborgs drömmar, das das Mystiker im Jahre 1744 in einer begrenzten Auflage von nur 99 Exemplaren drucken lassen hatte.

Fredrika Ehrenborg schrieb bis zu ihrem Lebensende religiöse Literatur im Geiste Swedenborgs. Zwischen 1862 und 1866 erschienen ihre Betrachtungen zu den Texten der alten und neuen Predigten der Svenska Kyrkan und ab 1869 gab sie die Zeitschrift Ett kristligt sändebud heraus, die sich an die Anhänger Swedenborgs richtete.

Auch wenn Fredrika Ehrenborg in der Literaturgeschichte Schwedens ihren berechtigten Platz findet und sie die bedeutendste Verfechterin der Ideen Swedenborgs des 19. Jahrhunderts war, so wurden ihre Werke kaum verkauft und die Schriftstellerin war nur von wenigen Literaten der Zeit geschätzt. Dies erklärt sich jedoch aus mehreren Tatsachen, denn zum einen weigerte sich Ehrenborg auch nur ein einziges Werk unter ihrem Namen zu veröffentlichen, da sie den Namen der angesehenen Familie nicht beschädigen wollte, zum anderen hatte sie eine sehr starken eigenen Willen, der immer um moralische und religiöse Fragen kreiste und nicht zuletzt, weil bekannt wurde, dass Ehrenborg ihre Verleger bei der Herausgabe der Werke finanziell unterstützte, was selbst von jenen kritisiert wurde, die selbst ihren Verlegern bei der Herausgabe ihrer Werke halfen.

Gleichzeitig zu ihrer Kritik zur damaligen Kirche Schwedens und dem Zwang Moralität als höchstes Kriterium zu sehen, zeigen sich im tatsächlichen Leben von Fredrika Ehrenborg Widersprüche, denn niemand in ihrer Familie stand hinter den Reformationen, die die Schriftstellerin von der Svenska Kyrkan forderte. Obwohl Ehrenborg Antimilitarist war, heiratete die älteste Tochter einen General, die andere Tochter war mit dem Erzbischof Ebbe Gustaf Bring verheiratet, die dritte hatte sich der freikirchlichen Erweckungsbewegung angeschlossen und der Sohn hatte enge Beziehungen zu einer anderen Freikirche Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

11 april 2013

Ester Blenda Nordström und der schwedische Enthüllungsroman

Ester Blenda Nordström wurde am 31. März 1891 als Tochter des Malermeisters Daniel Johan Nordström und dessen Frau Charlotta (Lotten) Wilhelmina Jansson in Stockholm geboren und starb nach einer über zehnjährigen Krankheit am 15. Oktober 1948 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Nordström war zwischen 1925 und 1930 mit dem Forschungsreisenden René Edmond Malaise verheiratet. Die kurze Ehe endete mit der Scheidung.

Die Kindheit verbrachte Ester Blenda Nordström abwechseln in Stockholm und auf dem Gut der Eltern im Småland. Da Nordström sich selbst in der Kindheit als extrem aufsässig und unruhig beschreibt, wurde die spätere Schriftstellerin von den Eltern auch ein Jahr lang bei einem Priester im Småland untergebracht, in der Hoffnung, dass sie dort ihren wilden Charakter verlieren würde.

Ester Blenda Nordström, En piga bland pigor, Bakhåll

Nach der Hochschulreife an der Wallinska Skolan in Stockholm begann Ester Blenda Nordström unter dem Pseudonym Bansai erst beim Stockholms Dagblad zu arbeiten, wechselte anschließend zu den Dagens Nyheter und arbeitete schließlich von 1911 bis 1917 für das Svenska Dagbladet.

Der Durchbruch kam für Ester Blenda Nordström bereits im Jahre 1914, als sie die erste Sozialreportage im Stil von Günter Wallraff für das Svenska Dagbladet schrieb. Nordström ließ sich mit falscher Identität als Dienstmädchen bei einem Landwirt anstellen und berichtete in neun Teilen über die Probleme, denen Dienstmädchen auf dem Land damals ausgeliefert waren. Diese Artikel machten die Autorin über Nacht in ganz Schweden bekannt und aus den Artikeln wurde der erste schwedische Enthüllungsroman, der in 13 Auflagen verlegt wurde und 1924 auch als Film in die Kinos kam.

In den folgenden Jahren setzte Ester Blenda Nordström diese Art der Reportagen fort, wobei ihr Stil eine Mischung aus beobachtendem Journalismus und Literatur war. Die ersten Reportagen erschienen zuerst in der Tageszeitung und anschließend als Buch. Ab 1918 wirkte Nordström jedoch überwiegend als Schriftstellerin und der Journalismus kam erst an zweiter Stelle.

Die Bücher von Ester Blenda Nordström zeigten die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Probleme dieser Zeit auf, denn 1914 veröffentlichte sie På långfärd med motorcykel, einen persönlichen Erlebnisbericht und 1916 erschien ihr Werk Kåtornas folk, das eine kurze Epoche beschreibt als sie als Nomadenlehrerin in Lappland arbeitete.

Die Werke Ester Blenda Nordströms zeigen jedoch nicht nur die negativen Seiten der Gesellschaft, denn nahezu lyrisch beschreibt sie auch die Landschaften in denen ihre Bücher handeln und sie vergisst nie die Glücksmomente, die man selbst in einer absoluten Ausbeutung erlebt und sie beschreibt den Zusammenhalt innerhalb der unterdrückten Gruppe an Arbeitern. Nordström will Missstände aufdecken indem sie zur Realität greift ohne die negative Seite zu übertreiben oder über die Maßen hinaus hervorzuheben.

Ester Blenda Nordström, die eine enge Bekannte von Elin Wägner war, beschränkte sich beim Schreiben nicht nur auf Schweden, denn 1922 reiste sie in der „Armenklasse“ in die USA, arbeitet dort als Bedienung und Küchenhilfe und bereist den Kontinent als Hitchhiker. Das Ergebnis war ein Buch, das Amerika nicht nur von einer positiven Warte sieht, denn arme Immigranten wurden bei der Ankunft bereits damals als Dreck behandelt und waren nicht willkommen.

Ihr letztes Reportagebuch Byn i vulkanens skugga schreibt Ester Blenda Nordström im russischen Dorf Kljutchi, wo sie einige Jahre lang mit ihrem Mann lebte. 1929 kehrte Nordström jedoch allein nach Schweden zurück und lässt die Ehe auflösen.

Neben ihren Reportageromanen schrieb Ester Blenda Nordström auch Belleltristik und vor allem Kinderbücher, die in Form der Hauptfigur Ann-Mari Lindelöf lange Zeit vor Astrid Lindgren ein selbstbewusstes, unabhängiges Mädchen mit einem starken Willen zeigten, ein Mädchen, das nicht an die Zukunft in einer Ehe glaubt. Eva von Zweigbergk bezeichnete das Buch En rackarunge, das Nordström bereits 1919 veröffentlichte, als das erste demokratische Mädchenbuch Schwedens, da die Hauptfigur den direkten Weg zur persönlichen Verwirklichung geht und damit die Frau der Zukunft zeigt.

Als Ester Blenda Nordström im Jahre 1936 endgültig nach Stockholm zurückkehrt, hat sie eine Gehirnblutung und ist die restliche Zeit ihres Lebens unfähig ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Über zehn Jahre lang wird sie daher von ihrem Bruder und dessen Familie gepflegt.

Obwohl Ester Blenda Nordström zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine der bekanntesten Frauen und Schriftstellerinnen Schwedens war, war sie bereits die letzten Jahre ihres Lebens nahezu vergessen und findet selbst heute nur noch selten die Beachtung der Literaturwissenschaftler, auch wenn sie den ersten Enthüllungsroman Schwedens schrieb, einen wichtigen Beitrag für die Frauenbefreiung leistete und das selbstständige Mädchen bei Kinderbüchern einführte, das viele Jahre später auch Astrid Lindgren als Inspirationsquelle für Pippi Langstrumpf hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

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9 april 2013

Anna Maria Roos, vom Schulbuch zum Drama und zum Kinderbuch

Anna Maria Roos wurde am 9. April 1862 als Tochter des Generaldirektors Wilhelm Roos und dessen Frau Sophie Nordenfalk in Stockholm geboren und starb am 23. April 1938 in Bombay in Indien. Roos war nie verheiratet, spricht aber in ihren Briefen von einer unvergessenen Liebe aus dem Jahre 1885.

Über die Kindheit von Anna Maria Roos ist kaum etwas bekannt und selbst die Schilderungen, die man in ihrem Roman Marika aus dem Jahre 1901 findet, sind, nach ihren eigenen Briefen, untertrieben und treffen nicht die Realität. Roos lebte 43 Jahre lang mit ihrer Mutter, auch wenn das Verhältnis als extrem angespannt galt, eine Situation, die sie nie erklärte.


Ihre Basisausbildung erhielt Anna Maria Roos, wie üblich in diesen Kreisen, zu Hause. Erst 1874 besuchte die spätere Schriftstellerin dann die Åhlinska Skolan in Stockholm und bereits 1879, also im Alter von 15 Jahren besuchte sie anschließend das Lehrerseminar, da dies als die einzige für Frauen geeignete Ausbildung betrachtet wurde, obwohl Roos keinerlei Interesse daran hatte je Unterricht zu erteilen, sondern sich sehr früh für künstlerische Tätigkeiten und die Schriftstellerei interessierte.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung begann Anna Maria Roos daher zu malen, zu komponieren und zu schreiben und bereits 1883 konnte man ihr Gedicht Svaloma in der zeitkritischen ironischen Zeitschrift Puck finden, ein Gedicht, das auch in ihrem Gedichtband Gryningen im Jahre 1894 aufgenommen wurde.

Noch im gleichen Jahr als Anna Maria Roos ihren ersten Gedichtband veröffentlichte, erschien auch ihr erstes Kinderbuch Lilla Elnas sagor, eine Mischung aus Gedichten für Kinder, Liedern, die sie selbst vertonte, Sagen und kurzen Erzählungen die durch ihre einfache, naive Sprache eine Neuerung im Bereich des Kinderbuchs waren, da es zur Unterhaltung geschrieben war und kein didaktisches Ziel hatte.

Bereits 1895 erscheinen zwei weitere Kinderbücher von Anna Maria Roos, die beide im Stil von Lilla Elnas sagor geschrieben waren und extrem positiv von den Kritikern bewertet wurden, die die Bücher der Autorin als das Edelste bezeichnen was man Kindern bieten kann. Ihr Buch Tysta djup übersetzte Roos selbst ins Französische, was ihr dabei half schon damals den französischen Markt mit zu erobern.

Den wahren Durchbruch brachten Anna Maria Roos dann jedoch keine Gedichtbände, keine Kinderbücher, keine Lieder und nicht ihre dramaturgischen Werke, sondern die beiden Lesebücher Sörgården und I Önnemo, die jahrelang in nahezu jeder Schule des Landes verwendet wurden und eine gesamte Generation an Schweden geprägt hat. Selbst als die Lesebücher in den Schulen ausgetauscht wurden, galten ihre Werke, auf dem gleichen Niveau wie Selma Lagerlöfs Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige, Verner von Heidenstams Svenskarnas och deras hövdingar und Sven Hedins Från pol till pol, weiterhin als empfohlene unterrichtsbegleitende Literatur.

Eine Seite von Anna Maria Roos, die heute nahezu vergessen ist, ist ihre Rolle für das Kindertheater Schwedens, denn die Schriftstellerin verfasst in diesem Bereich nicht nur Sagen, Singspiele und Märchen,die in fernen Ländern spielen, sondern verarbeitet dabei auch sehr häufig die schwedische Geschichte, die damit den Kindern auf unterhaltsame Weise näher gebracht wurde. Auch hier überrascht die Autorin damit, dass sie keine lehrhaften Stücke schrieb, sondern die Unterhaltung mit Tatsachen in den Mittelpunkt setzte. Gerade in diesem Punkt unterscheidet sie sich sehr bedeutend von anderen Schriftstellern ihrer Zeit, insbesondere was Werke für Kinder betrifft.

Einer der Gründe, warum Anna Maria Roos nicht den gleichen Ruf errungen hat wie Selma Lagerlöf, lag an ihrer kritischen Haltung zur Staatsreligion des Landes. Insbesondere ihr Werk Fariseism i våra dagar aus dem Jahre 1902 zeigt sich als Problembuch, das die Diskussion in Schweden anregte, denn Roos kritisierte die Religionsbücher dieser Zeit, die bei Kindern die Angst vor der Hölle stützten, aber sie fordert auch weibliche Prediger und Priester, was zur Jahrhundertwende geradezu als Ketzerei betrachtet wurde.

Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte Anna Maria Roos außerhalb Schwedens, da man ihr das Heilen durch Handauflegen, neben jeder anderen alternativen Heilmethode, verboten hatte und auch ihre Gesundheit wegen dem schwedischen Klima sehr angeschlagen war. Roos verbrachte diese Jahre in Italien, Spanien, Deutschland, den USA, Ägypten und Palästina, bevor sie mit Indien ihre letzte Lebensstation erreicht hatte.

Vieles im Leben von Anna Maria Roos sind Widersprüche, die man nicht erklären kann, denn sie verweigerte Unterricht zu geben, schrieb aber modernste Lehrbücher, sie stand für die Unabhängigkeit der Frau und lebte bis zu ihrem 43. Jahr mit ihrer Mutter, sie hatte keine Kinder, aber traf die Seele der Kinder besser als alle Autoren, die Kinder hatten. Roos liebte Schweden und seine Geschichte, aber die Unruhe führte sie immer wieder in die Ferne und sie gab das Land vor allem deswegen auf, weil man ihr eine Heilmethode nahm an die sie glaubte. Da Roos auch in keinem literarischen Kreis verkehrte, ist es ausschließlich ihren Werken zu verdanken, dass sie Bestandteil der schwedischen Literaturgeschichte ist.

Copyright: Herbert Kårlin

Vetenskapsfestivalen Göteborg 2013

5 april 2013

Maria Gripe und das realistische Kinderbuch Schwedens

Maria Gripe, geborene Walter, wurde am 25. Juli 1923 in Vaxholm geboren und starb am 5. April 2007 in Rönninge. Die Schriftstellerin war ab 1946 mit dem Künstler Harald Gripe verheiratet, der auch mehrere ihrer Bücher bebilderte und die Titel gestaltete, jedoch fünf Jahre vor ihr starb.

Die Schriftstellerin verbrachte die ersten sechs Jahre in Vaxholm und ihre Jugend anschließend in Örebro, wohin die Familie gezogen war. Einige Jahre später zog Maria Gripe nach Stockholm wo sie auch die Hochschulreife ablegte. Nach ihrem Abitur schrieb sich Gripe an der Universität Stockholm ein.


Auch wenn Maria Gripe bereits als Zehnjährige unterhaltsame Geschichten erfand, die sie ihren jüngeren Geschwistern erzählte und als Teenager einige Gedichte schrieb, so brach sie mit ihrem Umzug nach Stockholm mit jeder Art des Schreibens und die Erzählung von erfundenen Geschichten begann erst wieder als Maria und Harald Gripe ihre erste Tochter Camilla bekamen. In dieser Zeit begann die Schriftstellerin dann auch über das Schreiben von Büchern nachzudenken und zeichnete die ersten Geschichten, die sie für ihre Tochter erfand, auf.

Im Jahre 1954 erschien mit I vår lilla stad das erste Kinderbuch von Maria Gripe, das jedoch, ebenso wie einige der Folgebücher, kaum gekauft wurde und nahezu unbeachtet blieb. Der Durchbruch der Autorin kam erst mehrere Jahre später mit den drei Büchern Josefin aus dem Jahre 1961, Hugo och Josefin, das ein Jahr später erschien und 1966 mit den Folgeband Hugo.

Diese drei Bücher von Maria Gripe kamen vermutlich gerade deswegen so gut an, weil die Autorin hier die Situation einer Freundschaft zwischen einem Mädchen aus einem Pfarrhaus und einem Jungen aus der Natur zeigt und Josefin den Weg in eine vorurteilslose Welt geht, jedoch sehr bald die Grenzen erfährt, die die Gesellschaft dieser Ideologie setzt. Gripe greift dabei, wenn auch etwas im Hintergrund, ein universelles Thema der Frauenbewegung auf und zeigt, dass die „neutrale“ Gesellschaft der größte Feind des freien Denkens ist. Diese drei Bücher sind bis heute Klassiker der Kinderliteratur und werden regelmäßig neu aufgelegt.

Nach einem kurzen Ausflug mit einigen Büchern in die Sagenwelt kehrt Maria Gripe in den 70er Jahren mit der Serie Elvis zurück in die Wirklichkeit und schildert das Schicksal eines Jungen, der von der Mutter den Namen Elvis, nach ihrem großen Idol Elvis Presley, erhalten hat und nun den Erwartungen der Mutter nicht gerecht werden kann und einen Kampf nach innen und außen führen muss um seine Integrität und seine Personalität zu behalten.

Sämtliche Bücher, die Maria Gripe dann noch bis zu ihrem Tod schreibt, werden zu Erfolgsbüchern, die die Kritiker jedoch nicht immer positiv behandeln, denn so mancher unter ihnen wirft Gripe immer wieder vor, dass ihre Hauptfiguren immer Kinder sind, die die Welt von einer besonderen Warte aus sehen, Außenseiter sind und daher nicht der Norm entsprechen, woraufhin die Schriftstellerin grundsätzlich antwortete, dass alle Kinder die Welt auf ihre eigene Weise sehen und nicht in der gleichen Wirklichkeit leben wie die Erwachsenen.

Bei ihren späteren Werken greift Maria Gripe oft zum Übernatürlichen und Mystischen. Die Autorin benutzt nun die Methoden von Autoren wie Edgar Allan Poe, den Geschwistern Brontë und Carl Jonas Love Almqvist, übertragen auf Kinderbücher, und will damit einen Gegenpol zur Gewaltliteratur schaffen, die sich vor allem ab den 90er Jahren immer mehr in die Welt des Kinder- und des Jugendbuches eindringt und sich in allen Bereichen des täglichen Lebens ausbreitet. Maria Gripe will die Gewalt aus der Phantasie der Kinder ausschalten.

Die Bücher von Maria Gripe wurden in rund 30 Sprachen übersetzt und mehrere unter ihnen wurden für das Kino und die Fernsehanstalten verfilmt. Ihre Leistung im Bereich des Kinder- und Jugendbuches ist noch heute mit jener Astrid Lindgrens zu vergleichen, nur dass Gripe die Idylle mit Sozialkritik und Realismus getauscht hat und Kindern eine Verbindung zwischen Phantasie und Realität bietet.

Maria Gripe, für die der Respekt von einem „Andersdenken“ und die persönlichen Eigenschaften eines jeden Menschen extrem wichtig waren, was auch eine Frage der Toleranz ist, erhielt mehrere bedeuten internationale Preise für ihr Schaffen, verbrachte jedoch die letzten Jahre ihres Lebens wegen Demenz in einem Heim, wo sie im Alter von 83 Jahren starb. Ihr letztes Buch Annas blomma veröffentlichte die Schriftstellerin im Jahre 1997.

Von literaturwissenschaftlicher Seite aus gesehen, ist die Serie mit Skuggan am Interessantesten, die Maria Gripe in den 80er Jahren schrieb, da hier die angewandte Symbolik vom Leser am wenigsten durchschaut werden kann. Es gibt daher kaum ein Jahr in dem nicht ein Student oder ein Doktorand diese Bücher nicht als Basis für seine Arbeit nimmt.

Copyright: Herbert Kårlin

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1 april 2013

Maj Bylock und die schwedische Geschichte für Kinder

Maj Bylock, geborene Andersson, wurde am 21. März 1931 als Tochter des Veterinärs Nils Andersson und dessen Frau Manda Möller in Visby auf Gotland geboren und lebt heute bei Karlstad im Värmland. Bylock ist seit 1952 mit Erik Olof (Olle) Sigvard Bylock verheiratet.

Da die Familie Andersson bereits 1943 ins Värmland zog, verbrachte Maj Bylock nur ihre Kindheit auf Gotland und besuchte das Gymnasiumbereits  in Karlstad, wo sie 1951 auch die Hochschulreife ablegte und anschließend ein Lehrerstudium machte, eine der wenigen Ausbildungszweige, die damals in Karlstad zur Verfügung standen. Bylock arbeitete anschließend bis 1961 als Volksschullehrerin.


Auch wenn Maj Bylock, wie so viele andere schwedische Autoren, bereits mit sieben Jahren ihre ersten Gedichte schrieb und mit zwölf mit einem ihrer Gedichte auch einen Preis errang, so ließ sich die Autorin nicht von der Lyrik fangen, sondern von den Erzählungen ihres Vaters, der ihr bereits sehr früh die Geschichte Gotlands auf spannende Weise näher gebracht hatte und ihr mit Hilfe von Legenden und historischen Plätzen eine vergangene Welt öffnete.

Nach ihrem Vorbild Selma Lagerlöf begann Maj Bylock noch als Lehrerin damit Lehrbücher in Religion und Geschichte zu schreiben mit denen sie den Unterrichtsstoff spannender gestalten wollte. Auch wenn die Schriftstellerin dabei einen gewissen Erfolg hatte und das Interesse der Schüler für eine trockene Materie wecken konnte, so kam damit kein Erfolg und ihre Werke wurden nur in einem sehr begrenzten Raum eingesetzt. Vieles benutzte die Autorin auch nur beim eigenen Unterricht als eine Art Revolte gegen den klassischen Faktaunterricht, der um diese Zeit noch üblich war.

Aber Maj Bylock gab deswegen nicht auf Bildung auf einfache Weise zu vermitteln, sondern begann ab Mitte der 60er Jahre Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, deren Themen sie sehr häufig aus der Geschichte holte. Ihr Ziel dabei war, dass sich die jungen Leser mit einer Persönlichkeit des Buches identifizieren konnten und damit Teil der Erzählungen wurden. Diese Technik verhalf unzähligen Kindern Schwedens dazu sich für die Geschichte der Wikinger, der Hexenverfolgungen oder auch für die religiöse Mythologie zu interessieren.

Eine besondere Rolle nehmen in diesem Rahmen die sieben Bücher über die Hexen Schwedens des 17. und 18. Jahrhunderts ein, die sich vor allem an junge Mädchen richten und deren Hauptfiguren auch starke Mädchen spielen. Maj Bylock gelang es mit dieser Serie, die zwischen 1989 und 1998 erschien, einen Beitrag zur Frauenbewegung Schwedens zu schaffen ohne dabei zu den typischen Mitteln der Frauenliteratur greifen zu müssen und sie lässt gleichzeitig ein Stück schwedischer Geschichte entstehen, das ohne Fakten und Zahlen auskommt, die Jugendliche ohnehin weder interessiert, noch für das Verständnis jener Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Noch bis zu  21. Jahrhunderts unterschied man bei Maj Bylock sehr deutlich die Kategorien Jugendbuch und Lehrbuch und erst in den letzten Jahren zeigen wissenschaftliche Forschungen, dass beides eine Einheit ausmacht, insbesondere, wenn man bedenkt, dass Bylock keinerlei geschichtlichen Fakten verfälschte, sondern lediglich durch fiktive Personen mit denen sich die Leser identifizieren können ergänzte und damit einen lockeren Zusatz zu vorhandenem reinem didaktischen Materials bietet.

Auch wenn Maj Bylock bisher nur einen Teil der schwedischen Geschichte in Form von Kinder- und Jugendbüchern erzählte, begann sie ab 1995 immer mehr in die Belletristik überzugehen und die weltweit wichtigsten Jugendbücher in schwedischer Sprache nachzuerzählen. Ihr erster Band war einer der Bestseller der Jugendliteratur aller Zeiten, nämlich „Onkel Toms Hütte“.

Noch heute zögern viele Literaturwissenschaftler Maj Bylock in der schwedischen Literaturgeschichte aufzunehmen, obwohl gerade Bylock immer noch sehr viel gelesen wird und ihre Bücher mehr in Bibliotheken ausgeliehen werden als jene anderer Autoren von Kinder- und Jugendbücher und damit einen wesentlichen Beitrag innerhalb der schwedischen Literatur leisten, auch dadurch, dass sie täglich weitere Kinder und Jugendliche ans Lesen bringt.

Maj Bylock erhielt im Jahre 1990 den begehrten Astrid Lindgren-Preis und wurde 2006 Ehrendoktor der Universität Karlstad. Bylocks bisher zuletzt erschienenes Buch Dimmornas ö ist der dritte Band über die Kelten im heutigen Frankreich und zeigt die Vermischung von der Geschichte der Kelten und ihrer Mythologie.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

14 mars 2013

Laura Fitinghoff, Kinderbücher aus Nordschweden

Laura Fitinghoff, geborene Runsten, wurde am 14. März 1848 als Tochter des Priesters Jonas Bernhard Runsten und dessen Frau Ottilia Mathilda Catharina Löfvander in Sollefteå geboren und starb am 17. August 1908 in Stocksund bei Stockholm. Fitinghoff war mit dem um 44 Jahre älteren Gutsbesitzer Conrad Bleckert Fitinghoff verheiratet.

Da Laura Fitinghoff als Tochter eines Propstes zur bürgerlichen Schicht jener Zeit gehörte, wurde sie, gemeinsam mit ihren vier Schwestern, im Elternhaus unterrichtet. Der Unterricht erstreckte sich vor allem auf Latein, Französisch, Deutsch, Englisch, Literatur und Astronomie, aber auch Hauswirtschaft und vor allem Musik, die im Elternhaus eine wichtige Rolle spielte. Um ihre Musikkenntnisse zu verbessern, besuchte Fitinghoff auch die Musikakademie.


Die Ehe von Laura Fitinghoff war von Beginn an nicht sehr glücklich, da die Liebe einseitig vom Ehemann kam, der sieben Mal freite bevor Fitinghoff der Ehe, auf Druck des Vaters, zustimmte. Bereits 1885 lebte das Paar getrennt und die Schriftstellerin lebte von den Mieteinnahmen eines Miethauses, das sie in Stockholm gepachtet hatte. Sie wohnte, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tochter, ebenfalls in diesem Mehrfamiliengebäude. Stockholm bot Fitinghoff in den kulturellen und literarischen Salons zu verkehren, wo sie auch zahlreiche einflussreiche Personen der Epoche traf.

Laura Fitinghoff schrieb ihr erstes Buch erst nachdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt hatte, wobei ihr erstes Kinderbuch nahezu dem Zufall zugeordnet werden kann, denn die Schriftstellerin erzählte im Jahre 1884 ihrer kranken Tochter Geschichten aus dem Norden, die sie teilweise erfand, teilweise aber auch selbst erlebt hatte. Um diese Geschichten zu behalten, zeichnete sie diese jeden Abend auf und schickt das Manuskript En liten värld bland fjällen 1885 an den Hökerbergs Verlag, der es unmittelbar veröffentlichte.

Das Kinderbuch En liten värld bland fjällen, das das erste Buch wurde, das von der Künstlerin Jenny Nyström bebildert wurde, gilt als das erste moderne Kinderbuch Schwedens, da Laura Fitinghoff in diesem Werk mit der alten Tradition der Rollenteilung brach und das Buch im Einfluss der Denkweise von Ellen Key schrieb und, wenn auch auf vereinfachte Weise, die Kinder zu einem modernen Denken brachte bei dem die Frau nicht mehr hilflos dem Mann ausgeliefert ist, sondern für ihre Rechte eintreten muss und kann.

Von dieser Zeit an schrieb Laura Fitinghoff regelmäßig Romane für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, wobei sie ihre Stärke vor allem bei Erzählungen für Kinder zwischen sechs und zwölf fand. Der erste offizielle Erfolg der Schriftstellerin wurde dann Vårluft, ein Roman für den sie im Jahre 1891 den halben Literaturpreis der Zeitschrift Idun verliehen bekam.

Auch wenn Laura Fitinghoff nach der Trennung von ihrem Mann zahlreiche Reisen in ganz Europa unternahm und dadurch den unterschiedlichsten Strömungen ausgesetzt war, handeln ihre Bücher nahezu alle vom Norden Schwedens und bieten einen Einblick in das harte Leben jener Zeit, das für viele von Armut und Hunger geprägt war. Besonders hervorzuheben sind hier Fitinghoffs autobiografischen Werke wie I fjälluft aus dem Jahre 1899 oder  Vid gränsen, das 1906 erschien.

Im Jahre 1906 wurde bei Laura Fitinghoff ein Magenkrebs entdeckt, der der Schriftstellerin große Schwierigkeiten machte und sie häufig ans Bett fesselte. Trotz der Krankheit schrieb Fitinghoff zu Beginn 1907 innerhalb von nur sieben Wochen ein weiteres Buch, das ihr einen sicheren Platz in der schwedischen Literaturgeschichte bieten sollte und noch heute, über 100 Jahre nach dem Tod der Autorin, verkauft wird. In Barnen ifrån Frostmofjället erlebt man Kinder mit ihrer Ziege, die bei einer Wanderung über das nordische Gebirge eine bessere Zukunft suchen. Das Buch erschien nahezu gleichzeitig mit Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige von Selma Lagerlöf und zeigt eine Seite, die man bei Nils Holgersson vergeblich sucht, nämlich intensives Gefühl.

Barnen ifrån Frostmofjället erscheint bereits zum Weihnachtsgeschäft des Jahres 1907 und noch vor Weihnachten war die erste Auflage des Buches restlos vergriffen. Laura Fitinghoff hatte zu dieser Zeit bereits begonnen ein Folgebuch zu schreiben, das jedoch auf Grund der Krankheit und ihres Todes nicht mehr fertiggestellt wurde.

Der Erfolg von Laura Fitinghoffs Büchern liegt nicht nur an der einfachen Sprache, die sie benutzte oder den Naturschilderungen Nordschwedens, sondern insbesondere daran, dass sie Kindern auch in den schwierigsten Situationen noch eine Hoffnung gibt und ihnen zeigt wie wichtig die Natur für den Menschen ist. Sehr vieles in den Büchern von Fitinghoff ist noch heute aktuell, auch wenn sich im Laufe von 100 Jahren sehr viel in unserer Gesellschaft geändert hat. Die Schriftstellerin versuchte mit ihren Werken weniger lehrreich zu sein wie Selma Lagerlöf und viele andere Kinderbuchautoren, sondern legte ein bedeutendes Gewicht auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Glauben an die Zukunft, was viele ihrer Kritiker als religiöse Züge bezeichnen.

Laura Fitinghoff engagierte sich in mehreren Vereinen zum Tierschutz und dem Recht der Frau. Mit ihrer Tochter wanderte sie sehr viel im Gebirge Nordschwedens um ihr die Natur näher zu bringen und die Stellen zu zeigen, die in ihren Büchern eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn die Autorin in Stockholm lebte, so war ihr Gefühl in der Weite der Natur und den Bergen des Nordens zu finden. Da Fitinghoff zwar die Frauenbewegung jener Zeit als positiv betrachtete, jedoch auf militante Einsätze verzichtete, wurde sie von Elin Wägner auf die negativste Weise kritisiert, was jedoch verständlich ist, denn Wägner wollte mit der Feder kämpfen und Fitinghoff glaubte an einen sanften Übergang zur Gleichstellung der Frau. Wägner symbolisiert die Stadt und Fitinghoff die Weite des nördlichen Schweden.

Copyright: Herbert Kårlin

13 februari 2013

Elsa Beskow, jedes Jahr ein neues Kinderbuch

Elsa Beskow, geborene Maartman, kam am 11. Februar 1874 als Tochter des norwegischen Großhändlers Berndt Maartman und dessen Frau, der Lehrerin Augusta Fahlstedt in Stockholm zur Welt und starb am 30. Juni 1953 in Djursholm, Stockholm. Mit 19 Jahren heiratete sie den Theologen Natanael Beskow, der zu dieser Zeit noch Prediger war.

Die spätere Künstlerin und Kinderbuchautorin Elsa Beskow wuchs mit ihren fünf jüngeren Geschwistern in einer kunstliebenden und musikalischen Familie auf in der die Großmutter noch alte schwedische Sagen erzählte, von denen die Autorin später einige in ihren Kinderbüchern verewigte und ihnen damit neues Leben gab. Als der Vater starb, war Beskow fünfzehn Jahre alt und die Familie zog zu einer Schwester der Mutter, einer Verfechterin der Rechte der Frau.


Elsa Beskow besuchte erst die Anna Whitlock Schule, eine Schule Stockholms, deren Leiterin, Anna Whitlock, eine der bedeutendsten Kämpferin für die Rechte der Frauen war und gerade deswegen für Mädchen eine der fortschrittlichsten Schulen Schwedens war. Anschließend besuchte die Schriftstellerin die Konstindustriella Skolan, das heutige Konstfack um sich zur Zeichnerin auszubilden. Nach Abschluss der Kunstausbildung arbeitete Beskow von 1894 bis 1897 als Zeichenlehrerin bei der Whitlock Schule. Mit ihrer Ehe im gleichen Jahr gab sie diese Arbeit auf und begann freiberuflich zu zeichnen und zu schreiben.

Parallel zu ihrer Arbeit als Lehrerin begann Els Beskow bereits Buchumschläge zu zeichnen, ab 1895 arbeitete sie auch als Zeichnerin an Jultidningar und 1897 erschien ihr erstes Bilderbuch mit dem Titel Sagan om den lilla lilla gumman, dem dann nahezu jedes Jahr ein weiteres Buch folgte.

Den Stoff suchte Elsa Beskow oft in der alten Sagenwelt Schwedens, die Umgebung war meist das Haus ihrer Tante und die Vorlage für Tant Grön, Tant Brun, Tant Gredelin und Farbror Blå waren die eigenen Verwandten, auch wenn sie in den Zeichnungen in die Welt der Phantasie versetzt wurden.

Der Durchbruch kam für Elsa Beskow bereits im Jahre 1901 mit ihrem Buch Puttes äventyr i blåbärsskogen, in dem Putte den Zauberstab des Königs der Heidelbeeren berührt und dann zu einem Däumling schrumpft um einige erstaunliches Abenteuer im Wald der Blaubeeren erlebt. Das Buch schlägt nicht nur in Schweden ein, sondern wird in 14 Sprachen übersetzt und führt das schwedische Kinderbuch auch in anderen Ländern ein.

Die Bücher von Elsa Beskow zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Sagenwelt Schwedens handeln und die Zeichnungen sehr reich an Details sind, damit Kinder die Tiere und Pflanzen des Landes in den Bildern wiederfinden können. Diese Art des Zeichnens bringt der Autorin auch den Auftrag an Lesebüchern für die Volksschule zu arbeiten, die zwischen 1935 und 1937 unter dem Titel Vill du läsa? erschienen.

Auch wenn Elsa Beskow jedes Jahr ein eigenes Buch veröffentlichte, so arbeitete sie bis kurz vor ihrem Tod auch an Illustrationen anderer Bücher und gestaltete Buchtitel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Künstlerin und Schriftstellerin, neben Selma Lagerlöf, die im Ausland bekannteste Schriftstellerin Schwedens.

Da das Verfassen von Kinderbüchern zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht als Literatur betrachtet wurde und die Illustration ein Handwerk war und keine Kunst, ging Elsa Beskow trotz ihrer Erfolge nicht, in die Literaturgeschichte Schwedens ein, was durch Olof Lagercrantz, dem bedeutendsten Literaturkritiker des 20. Jahrhunderts, noch ins Extrem gesetzt wurde, da er Beskow jede literarische Fähigkeit und Tiefe absprach.

Natürlich hat der große Literaturkritiker sich nicht mit Elsa Beskow beschäftigt oder ihre Werke genauer betrachtet, denn die Leistung der Autorin ist beachtlich. Mit ihren zahlreichen Werken ist er ihr gelungen eine Kultur des Bilderbuchs und des Kinderbuchs in Schweden zu schaffen und damit einen Großteil der schlechteren ausländischen Werke aus Schweden zu verdrängen. Sie hat damit das gesamte Niveau des Kinderbuches in Schweden maßgeblich verbessert.

Zum anderen entdeckt man in ihren Zeichnungen auch den Einfluss ihrer progressiven Schule, da sie der Frau eine neue Rolle gibt, was damals nicht nur positive Kritiken einbrachte. Als sie in einem Sagenbild selbst das Problem Alkohol unterbrachte, wurde sie sogar von Dagens Nyheter extrem kritisiert, da ein betrunkener Troll nichts in einem Kinderbuch zu tun hatte, obwohl die meisten Kinder genau dies zu Hause erleben mussten.

Natürlich kann man, wie  Olof Lagercrantz es ausdrückt, Elsa Beskow von der heutigen Warte aus als konservativ betrachten, vor allem, wenn man bedenkt, dass viele ihrer Bücher noch heute Kindern kritiklos in die Hände gegeben werden, aber von der Warte ihrer Zeit war Beskow sehr fortschrittlich und hat damit eine ganze Generation an Schweden beeinflusst.

Elsa Beskow engagierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch für die Rechte der Frauen und kämpfte für die Veränderung der Gesellschaft, was man sehr deutlich an ihrem Buch Blomsterfesten i täppan entdecken kann, einem Buch über Mittsommer, in dem sie es sogar wagte eine schwangere Frau Kastanienblume zu zeichnen, in einer Zeit, als eine schwangere Frau in der bürgerlichen Gesellschaft unsichtbar sein musste.

Copyright: Herbert Kårlin

28 januari 2013

Sven Christer Swahn, von der Lyrik bis Science Fiction

Sven Christer Swahn wurde am 3. August 1933 als Sohn des Lehrers Sven-Öjvind Swahn in Karlskrona geboren und starb am 15. Januar 2005. Swahn war mit seiner Studienkollegin Sigbrit verheiratet. Der Schriftsteller Jan Henrik Swahn ist der gemeinsame Sohn des Ehepaares.

Seine Kindheit verbrachte Sven Christer Swahn in Karlskrona, wo er auch zur Grundschule ging bevor er seine Hochschulreife in Landskrona ablegte. Der Vater war zwar Volksschullehrer, betrieb aber lokale Forschung über Blekinge und arbeitete regelmäßig an der Blekinge läns tidningen mit.  Dass der Vater seine Faszination fürs Schreiben an die Kinder vermitteln konnte, zeigt sich darin, dass nicht nur Sven Christer zur Schreibmaschine griff, sondern auch seine beiden Brüder Bo Swahn und Jan-Öjvind Swahn zur Schriftstellerei fanden.


Nach der Hochschulreife studierte Sven Christer Swahn ab 1952 Literaturwisschenschaft in Lund, wo er 1971 auch seinen Doktor in diesem Fachbereich machte. Seine literarische Aktivität begann der Schriftsteller noch während seines Studiums, wobei er zu Beginn, wie die meisten schwedischen Autoren dieser Zeit, mit Lyrik begann. Im Jahre 1956 erschien Eftermiddagens nycklar und ein Jahr später Genom många portar. Auch wenn es sich bei beiden Werken um sehr bescheidene Sammlungen handelt, denn sein erstes lyrisches Werk umfasste nur 16 Seiten und sein zweites dann 60 Seiten, so erregten sie Aufmerksamkeit und repräsentieren die schwedische Dichtkunst der 50er Jahre.

Nach seinem Studium wurde Sven Christer Swahn sehr bald Lektor für die schwedische Sprache an der Universität in Kopenhagen, wo er sechs Jahre lang blieb bevor er als Professor an die Universität Lund zurückkehrte. In der Zwischenzeit hatte Swahn jedoch nicht nur weiter an lyrischen Werken gearbeitet, sondern hatte auch das Jugendbuch Indianresan, das Kinderbuch Hundekattleken, die Novellensammlung 13 historier om spöken och annat, den Roman Bäste bror und andere Werke veröffentlicht.

Aber gerade diese Vielfältigkeit von Sven Christer Swahn verhinderte bisher, dass er in die „offizielle“ Literaturgeschichte Schwedens einging, denn die literarische Wissenschaft kann ihn nirgends einordnen, findet keine klare Linie und seine über 60 veröffentlichen Bücher zeigen nicht alle die gleiche Stärke, nicht die gleiche Einzigartigkeit eines Schriftstellers. Aber auch Literaturwissenschaftler und Kritiker in Schweden wollen auf ein mathematisches System zurückgreifen und nicht bei jedem Werk eine neue Überlegung über einen Schriftsteller anstellen. Da Swahn selbst Literaturwissenschaftler war, muss man sich die Frage stellen, ob ihm die ihm gebührende Anerkennung nicht wichtig nahm oder ob er sich über das herrschende System innerhalb der schwedischen Literatur hinwegsetzen wollte.

Der Schriftsteller machte es weder seinem Leserkreis, noch den Kritikern sehr leicht, denn zurück in Schweden begann Sven Christer Swahn, der sich auch einen Namen als Übersetzer von William Shakespeare, John Keats und Emily Dickinson gemacht hat und als Literaturkritiker beim Sydsvenska Dagbladet arbeitete, Essays zu schreiben, an Theaterstücken zu arbeiten, Hörspiele wie Kaspar Hausers fjärde dröm zu schreiben, zwei Psalmen zu veröffentlichen und auch noch im Science Fiction Bereich die ersten Bücher zu veröffentlichen, also eine Vielfalt zu präsentieren, die auch den letzten Literaturkritiker noch zur Verzweiflung brachte, da sich Swahn nicht nur ans reine Schreiben hielt, sondern seine Vielseitigkeit auch öffentlich zeigte und selbst bei Science Fiction-Konferenzen und öffentlichen Debatten bewies, dass er im Gespräch das Herz verschiedener Leserschichten zu finden wusste.

Für Sven Christer Swahn war es jedoch in der Tat auch nicht sehr einfach einen klarer Leserkreis zu gewinnen, auch wenn der Schriftsteller versuchte so weit wie möglich parallel in allen Bereichen regelmäßig etwas zu veröffentlichen, da der Autor auch innerhalb eines Bereichs noch eine weite Spannbreite zeigte, denn nicht nur seine Romane hatten jedes Mal ein völlig neues Thema im Auge, sondern selbst in seinen kulturhistorischen und literarischen Werken machte er Sprünge, so dass er mit jedem neuen Werk auch einen neuen Leserkreis erobern musste, da nur wenige Leser ein Buch wegen guter Stilistik und Grammatik kaufen, sondern weil sie einen Faden im Schaffenskreis eines Literaten suchen, den Sven Christer Swahn im Grunde nur mit seiner Lyrik bieten kann.

Copyright: Herbert Kårlin