Visar inlägg med etikett Alingsås. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Alingsås. Visa alla inlägg

9 juni 2013

Nils Hasselskog und die Weltsprache Transpiranto

Nils Hasselskog wurde am 10. April 1892 als Sohn des Prosten Karl Adolf Anton Hasselsskog und dessen Frau Maria Matilda Nordström in Broddetorp bei Falköping geboren und starb am 20. Juni 1936 in Mölndal, einem Nachbarort Göteborgs.  Hasselskog war ab 1922 mit Kerstin Molin verheiratet.

Die ersten Jahre wurde Nils Hasselskog nicht nur verzogen, sondern ihm wurde auch die Schule geschenkt, da die Mutter offiziell die gesamte Erziehung übernahm. Die Qualität war jedoch so schlecht, dass Hasselskog anschließend sechs Jahre benötigte um die vom Vater geleitete fünfklassige Montessorischule zu schaffen. Und im Gymnasium in Skara wurde er nach zwei Jahren nach Hause geschickt. Nachdem Hasselskog anschließend auch in  Alingsås das Realschulexamen nicht schaffte, besuchte der Schriftsteller ab 1910 ein Privatgymnasium in Göteborg an dem er 1912 schließlich die Hochschulreife erhielt.

Nils Hasselskog, Det klassiska Grönköping : idyller och paniker, Förlag Fischer & Co., Stockholm, 1997

Nach der Hochschulreife schrieb sich Nils Hasselskog an der Universität in Uppsala ein um dort Recht zu studieren. Sehr bald wechselte er dann zur Universität Stockholm und schließlich kam er nach Göteborg. Als der Vater im Jahre 1919 starb und damit die finanzielle Absicherung verschwand, begann Hasselskog als Lehrer zu arbeiten, besuchte 1921 für ein Jahr die Pädagogische Hochschule in Göteborg und wurde offiziell Lehrer, eine Arbeit, die dem Schriftsteller zusagte.

Die Wende im Leben von Nils Hasselskog kam im Jahre 1925, als er an Hüfttuberkulose erkrankte, denn während der langen Krankheitsphase begann er für Hasse Zetterströms Grönköpings Veckoblad zu arbeiten. Sein erster humoristischer Beitrag erschien unter dem Titel Upprörande nedrighet mot svärmoder, ein Beginn, der anschließend zu rund 600 Artikeln und Novellen sowie etwa 100 Gedichten für die Zeitschrift führen sollte.

Seinen Stoff nahm Nils Hasselskog aus Alingsås und seiner Kindheit. Seine Artikel im Grönköpings Veckoblad, das unter seiner Feder immer mehr Alingsås glich, waren so erfolgreich, dass der Verlag bereits 1927 die erste Sammlung der Arbeiten Hasselskogs als Buch herausgeben konnte.

Der Erfolg von Nils Hasselskog war jedoch kein Zufall, denn der Schriftsteller hatte bereits als Schüler an der humoristischen Zeitschrift Kurre mitgearbeitet und in den Folgejahren immer wieder Artikel für die Elfsborgs Nyheter und die Alingsås Tidning geschrieben und dabei die Parodie und die Satire geübt. Als Hasselskog daher beim Grönköping Veckoblad begann, wusste er bereits auf welche Ironie die Leser positiv reagieren und auf welche Art von Scherzen man besser verzichtet.

Ursprünglich waren die Personen der satirischen Wochenzeitschrift Grönköpings Veckoblad aus den Orten Hjo und Skövde und viele der handelnden Personen waren bereits identifiziert. Nils Hasselskog wollte die Handlungen jedoch mehr und mehr nach Alingsås verlegen und schuf daher zusätzliche Personen, die in etwas abweichender Form in Alingsås existieren und veränderte damit die Richtung der Zeitung, was sich noch deutlicher dadurch ausdrückte, dass Hasselskog einem Lehrer des Ortes die neue Weltsprache Transpiranto erfinden ließ.

Der Erfolg von Nils Hasselskog als Schriftsteller lag aber auch daran, dass er innerhalb der schwedischen Literatur den Antihelden schuf, denn die Personen, die er für das Grönköpings Veckoblad schuf, hatten alle auch einige Züge des Autors selbst, der nicht zögerte seine eigenen Schwächen und all sein Versagen in satirischer Weise darzustellen.

Beachtenswert  sind  allerdings die Gedichte, die Nils Hasselskog erst in der Wochenzeitschrift und später als separate Bücher veröffentlichte, denn an dieser Lyrik zeigt sich, dass Hasselskog extrem belesen war, er die schwedische Poesie sehr gut kannte und zusätzlich noch selbst stilfest war. Der erste, der die Fähigkeiten Hasselskogs in vollem Umfang erkannte, war Gunnar Ekelöf, der sich auch zum Bewunderer des Poeten entwickelte.

Wenn man die literarische Fähigkeit von Nils Hasselskog erkennen will, so muss man nur jeder seiner Personen zu folgen, denn der Schriftsteller hatte die Fähigkeit sich in jede Figur hineinzuversetzen und sie als Individuum zu behandeln, das in seiner Eigenart als Lehrer, Postbeamter oder Priester auch zu persönlichen Sprache greift. Leider gingen große Teile des Werkes Hasselskogs verloren, da sich Hasselskog nie die Mühe machte als Schriftsteller anerkannt zu werden, denn er war vom Volk geliebt und war bereits gegen Ende seines Lebens zu einer Legende geworden.


Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

26 oktober 2012

Karin Boye und die Zerbrechlichkeit einer Schriftstellerin

Karin Boye wurde am 26. Oktober 1900 als Tochter des Ingenieurs Carl Fredrik Boye und Signe Liljestrand in Göteborg geboren und starb am 23. oder 24. April 1941 durch Selbstmord in Alingsås. Die ersten neun Jahre verbrachte die Schriftstellerin und Poetin in Göteborg, anschließend zog die Familie nach Stockholm und ab 1915 wohnte sie fünfköpfige Familie schließlich in Huddinge.

Als die Familie nach Huddinge zog, begann Karin Boye zu schreiben und zu malen, wobei sie bei der Malerei vor allem zu mythischen Figuren neigte. Literarisch versuchte sich Karin an Lyrik, Novellen und Theaterstücken. Nach ihrer Hochschulreife im Jahre 1920 legte sie bereits ein Jahr später auch die Prüfung als Volksschullehrerin ab, ohne jedoch diesen Beruf auszuüben, denn sie setzte ihr Studium an der Universität Uppsala mit nordischen Sprachen, Griechisch und Literaturwissenschaft fort. 1926 wechselte die Schriftstellerin die Hochschule um in Stockholm Geschichte zu studieren. 1928 verließ sie die Universität, da sie dem hohen Stress nicht gewachsen war. Über die näheren Ursachen sprach Karin Boye jedoch nie. Eine der Ursachen suchte man in der lesbischen Neigung, die die Autorin sehr früh entdeckte, aber zu bekämpfen versuchte, da sie, sehr bürgerlich erzogen, ein „normales“ Leben führen wollte.


Karin Boyes Karriere als Lyrikerin begann gleichzeitig mit ihrem Studium in Uppsala und der Veröffentlichung ihrer Gedichtsammlung Moln (Wolken). Der Stil der Gedichte war den Formen der isländischen Sagen angepasst und der Inhalt sprach die damalige Jugend Schwedens an, denn Boyes Gedichte zeigten den Zweifel an Gott, die Zweifel an der Zukunft und wie wenig das Leben Idealen folgte. Das Werk ist eine Mischung aus traditionellen Ideen und dem Umbruch, den die schwedische Gesellschaft während dieser Epoche erlebte.

1927 wurde Karin Boye Mitglied der sozialistischen Zeitschrift Clarté, wenig später gründete sie, gemeinsam mit Josef Riwkin, Erik Mesterton, Gunnar Ekelöf und anderen die Zeitschrift Spektrum und 1931 wurde die Schriftstellerin in den Samfundet De Nio gewählt.

Trotz ihrer lesbischen Neigung hatte Karin Boye bereits 1928 Leif Björk geheiratet, was sie immens unter Druck setzte und sich erst löste als die Schriftstellerin 1932 für ein Jahr in das zu jener Zeit weitaus offenere Berlin kam und entdeckte, dass die Homosexualität auch normal sein kann. Sie löste daher die Ehe auf und begann anschliessend weitaus freier zu schreiben, ohne den gesellschaftlichen Druck in gleicher Weise zu spüren wie vrher. Zurück in Schweden lud sie die deutsche Jüdin Margot Hanel ein mit der sie in Berlin ein Verhältnis begonnen hatte. Margot blieb bis zum Tod der Schriftstellerin an ihrer Seite, was einen gewissen Skandal verursachte, zumal Homosexualität um dieses Zeit in Schweden noch unter Strafe stand.

Karin Boye gehört, neben Pär Lagerkvist und Birger Sjöberg zu den sogenannten Erneuerern der schwedischen Literatur, die stark von der Psychologie Freuds beeinflusst waren und Gefühlen eine wichtige Rolle gegeben haben.

Auch wenn Karin Boye heute vor allem für ihre Gedichte bekannt ist, allen voran Ja, visst gör det ont när knoppar brister, so schrieb sie auch zahlreiche Essays und Romane, wobei zwei davon autobiographischen Züge tragen und ein Schlüssel zu ihr sind: Kris und Kallocain.

Über den Tod von Karin Boye haben sich viele Schriftsteller Gedanken gemacht, da man die Motive nicht sehen konnte. Die Schriftstellerin hatte in Alingsås ihre Jugendfreundin Anita Nathorst besucht, die an Krebs erkrankt war und kurz vor ihrem Tod stand. Karin Boye pflegte die Kranke und verbrachte daher viel Zeit mit ihr und dem Tod an ihrer Seite. Am 23. April 1941 verließ sie das Haus der Freundin, ging auf eine Anhöhe von Alingsås und nahm eine Überdosis an Schlaftabletten. Als sie am nächsten Tag gefunden wurde, war sie bereits tot. Die Lebensgefährtin Margot Hanel war nicht mit in Alingsås, beging jedoch nur einen Monat später ebenfalls Selbstmord.

Sehr vieles um den Tod von Karin Boye und ihr Verhältnis zu Frauen wird für immer verborgen bleiben, da die Mutter der Schriftstellerin nach dem Tod ihrer Tochter und jener von Margot Hanel den gesamten Schriftwechsel der beiden Frauen verbrannte, inklusive der Gedichte, die Karin für ihre Lebensgefährtin geschrieben hatte.

Karin Boyes Prosa wurde und wird, im Gegensatz zu den Gedichten und den Essays, oft als abstrakt und unrealistisch empfunden, da die Autorin keine realistischen Personen benutzte, sondern ihnen die Eigenschaften von mehreren Personen gleichzeitig gab um dadurch die Gesellschaft auszudrücken und nicht eine bestimmte Person, eine Technik, die sicher den Zugang zu den Romanen etwas erschwert, aber Karin Boye am deutlichsten beschreibt, denn sie lebte nahezu ihr ganzen Leben in mehreren Welten gleichzeitig, da sie nur in wenigen intimen Momenten sie selbst sein konnte und immer auf der Wacht vor der teils anonymen Gesellschaft sein musste.

Copyright: Herbert Kårlin