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7 maj 2013

Carl Israel Hallman und die schwedische Opéra Comique

Carl Israel Hallman wurde am 31. Dezember 1732 als Sohn des Priester und Poeten Johan Göstaf Hallman und dessen Frau Margareta Cornelia Cloppert in Stockholm geboren und starb am 23. April 1800 im Alter von 67 Jahren ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Hallman war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Carl Israel Hallman ist nichts bekannt, wobei anzunehmen ist, dass er auf Grund seiner Herkunft zu Hause seine Bildung erhielt. Die Biographie des Schriftstellers beginnt daher mit seinem Studium an der Universität Uppsala im Jahre 1746.

Stich: Schwedisches Reichsarchiv

Bereits an der Universität in Uppsala interessierte sich Carl Israel Hallman mehr für Poesie und Literatur als für eine tatsächliche Ausbildung. Sehr früh trat er dort als Gelegenheitsdichter an die Öffentlichkeit, der sich dadurch auszeichnete, dass er sich sehr schnell einer Situation oder einer Stimmung anpassen konnte und daher spontan Verse vortragen konnte, die oft mit einem gewissen Humor versehen waren.

Carl Israel Hallman führte bereits als Student das Leben eines Bohemien und wurde, auch wenn er etwas jünger war, bald der Freund von Carl Michael Bellman und Olof Kexél, was sich nicht nur durch sein Privatleben ausdrückte, sondern auch in seiner Art zu schreiben, wobei sich Hallman nach einem kurzen Versuch als Angestellter im Bergskollegium bald ausschließlich der Literatur und dem Fest widmete.

Bereits in den 50er Jahren war Carl Israel Hallman einer der bekanntesten und berüchtigsten Skalden Stockholms, wobei Hallman bereits um diese Zeit auch seine wahre Begabung gefunden hatte, nämlich die Satire und die Parodie. In gewisser Weise wurde der Schrifsteller, da er sich spontan und mit Ironie über das Tagesgeschehen äußern konnte, der erste Standup-Künstler Schwedens.

Wirklich bekannt wurde Carl Israel Hallman jedoch als ein Meister der Opernparodien, die vor allem ab 1775 im Humlegårdsteatern aufgeführt wurden, wobei sein Casper och Dorotea vielleicht der größte Erfolg wurde. als Hallman die Oper Acis och Galathea von Lalin in ein komisches Dreiecksdrama verwandelt, das sich in einer Kneipe abspielt. Hallman schrieb hierfür sämtliche Arien um und machte aus der Oper eine volkstümliche Komödie.

Natürlich verging sich Carl Israel Hallman nicht nur an den Werken anderer, sondern er verfasste auch eigene Komödien und ein Drama für die nicht elitäre Gesellschaftsschicht, wobei er, ähnlich Bellman, seine Persönlichkeiten immer in der Umgebung von Branntwein suchte, auch wenn er sich von Bellman dadurch unterschied, dass er auf die Melancholie verzichtete, die man bei Bellman finden kann und seine Personen nur dem einfachsten Stand entstammen. Zeitweise kommen seine Stücke dadurch sogar besser an als jene Bellmans. Allerdings überschritt Hallman auch bisweilen die Grenzen der damaligen Guten Sitten und sein Stück Bousaronerna wurde wegen seiner extremen erotischen Freizügigkeit sogar verboten.

Als das Humlegårdsteatern im Jahre 1784 verschwand, begann Carl Israel Hallman Singspiele nach französischem Muster zu schreiben, wobei er hierbei ebenfalls das Leben der einfachen Leute ins Zentrum setzte und er die Handlungen so einfach wie möglich gestaltete, damit sie auch der Ungebildetste verstehen konnte. Diese Änderung führte allerdings auch dazu, dass sich Kritiker und Literaturwissenschaftler in zwei Gruppen teilten, denn die eine Gruppe hielt Hallman für ein Genie und die andere war der Meinung, dass dert Schriftsteller nur banale Stücke schreiben könne, denn sie betrachteten literarische Kunst als solche, die auch für die führende Elite des Landes verständlich ist.

Bei den späteren Werken von Carl Israel Hallman handelte es sich vor allem um Singspiele, die das Leben der einfachen Leute Stockholms zum Thema haben und daher von bedeutendem kulturhistorischem Interesse sind, da Hallman hier nicht erfinden musste, da er seine Personen im Alltag traf, der sich für viele in der Kneipe abspielte. Man kann diese Stücke als Gegenstück zu den Lustspielen von August Blanche sehen, der um die gleiche Epoche das Lustspiel für die höhere Schicht Stockholms einführte.

Noch heute sind sich Literaturwissenschaftler nicht einig welche Rolle Carl Israel Hallman für die schwedische Literaturgeschichte spielte, auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Schriftsteller die Opéra Comique in Schweden einführte und damit eine Oper für das Volk schuf.

Copyright: Herbert Kårlin

22 november 2012

Harald Molander, ein Leben für das Theater

Harald Molander wurde am 17. März 1858 als Sohn des Arztes Johan Molander und seiner Frau Augusta Dybeck in Stockholm geboren und starb am 22. November 1900 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt in der er, mit einer siebenjährigen Unterbrechung, auch arbeitete.

Bereits in der Kindheit wurde der asthmakranke Harald Molander von seinen Eltern zum Schreiben animiert und sollte gesellschaftliche Theaterstücke aufführen. Diese Erziehung legte auch die Basis für sein späteres Schaffen und die Wahl des Theaters als Ausdrucksfeld, da dort die Phantasie über einen weitaus größeren Freiraum verfügt als in der reinen Schriftstellerei.


Zwischen 1877 und 1881 studierte Harald Molander an der Universität Uppsala, aber da er sich bereits dort mehr für das Studententheater interessierte als für die Vorlesungen, verließ er die Universität ohne Abschluss und widmete sich ab 1881 ganz dem Schreiben.

Harald Molander widmete sich von Beginn an dem Theater und schrieb 1881 seine erste Komödie für das Dramatiska Teatern in Stockholm. Rococo, das im französischen Milieu spielte, wurde allgemein mehr als Übungsstück betrachtet, zeigte keinerlei Persönlichkeit des Autors und blieb ohne Bedeutung für Molander.

Mit den folgenden Stücken Gogol aus dem Jahre 1883 und Vårflod im darauf folgenden Jahr kam dann jedoch der Durchbruch, da Harald Molander nun mehr den Nihilismus und den Realismus der Zeit zur Diskussion stellte. Der Erfolg des Autors lag indes weniger an seiner Individualität, sondern vielmehr daran, dass seine Stücke auf der bedeutendsten Bühne des Landes aufgeführt wurden. Was ihm fehlte, war jedoch das Bekenntnis einer klaren Richtung als Theaterschriftsteller. Weder die jungen schwedischen Autoren, noch die Akademiker rühmten seine ersten Theatertexte oder fühlten sich von ihnen angesprochen.

Aber auch wenn Kritiker und Literaten die Texte von Harald Molander nur für eine mittelmäßige Leistung hielten, so waren die Theaterbesucher anderer Meinung und nahezu alle Stücke konnten vor vollem Haus aufgeführt werden.

Aber auch hier muss man die gesamte Leistung Harald Molanders sehen, denn auch wenn seinen Texten die Persönlichkeit fehlte und der Dramatik die Tiefe, so konnte er als Regisseur aus jedem Stück ein Erfolgsstück schaffen. Das Problem Molanders war jedoch, dass er sich für ein übergreifendes Schreibgenie hielt und sich daher an jede Art von Theaterstücke wagte statt sich auf die Komödie zu beschränken, die er am besten beherrschte. Auf der anderen Seite hat der Autor durch diese Vielseitigkeit natürlich bewiesen, dass er die Stilistik und den Inhalt der Sprache beherrschen kann.

Den größten Erfolg Harald Molanders brachten allerdings nicht die Theaterstücke, sondern sein Roman En lyckoriddare aus dem Jahre 1896, wo er das Leben des Glücksritters und Schriftstellers Lars Wiwallius (Lauritz Wiwalts) darstellt, die Abenteuer eines Vagabunden, der während des 30-jährigen Krieges in Schweden und Deutschland unterwegs war.

Als er seinen Roman im Jahre 1900 in ein Drama für die Theaterbühne verwandelte, wurde das Stück auf allen größeren Bühnen Schwedens aufgeführt und zum größten Erfolg des Schriftstellers. Im Jahre 1921 wurde das Buch En lyckoriddare dann auch von John W. Brunius verfilmt und  hatte nicht nur in Schweden, sondern auch in den USA und anderen Ländern einen bedeutenden Erfolg.

Lars Molander, der ab 1888 mit Lydia Wessler verheiratet war, machte sich auch als Übersetzer von Theaterstücken einen Namen. Von 1884 bis 1886 war Molander Regisseur beim Nya Teatern in Stockholm, zwischen 1886 und 1893 Intendant beim Svenska Teatern in Helsingfors (Helsinki). Bis 1894 war Molander er auf Theatertournee, 1896 bis 1898 arbeitete er als Intendant beim Vasateatern in Stockholm und ab Mai wurde er beim Svenska Teatern (früheres Nya Teatern) in Stockholm Intendant.

Copyright: Herbert Kårlin

27 oktober 2012

John Wigforss, vom Bohème-Revolutionär zum Konservatismus

John Wigforss wurde am 4. Oktober 1872 in Karlshamn als Sohn des Eisenhändlers Johan August Wigforss und Anna Sofia Pålsson geboren und starb am 7. September 1909 im Alter von 37 Jahren und nach längerer Krankheit in Karlstad.

Der Journalist und Schriftsteller John Wigforss wird bereits während seiner Jugend als sehr intelligent beschrieben und legte die Hochschulreife bereits mit 16 Jahren ab. Es wird ihm auch nachgesagt, dass er seinen Zulassungsaufsatz bei der Universität Lund in Versform schrieb, was sehr selten vorkam. John Wigforss studierte klassische Sprachen, Geschichte und Ästhetik, allerdings ohne größere Überzeugung und aus finanziellen Gründen mit einem Jahr Unterbrechung.

Foto: Dagens Nyhetershistoria, 1952
 
An der Universität in Lund schloss sich John Wigforss den Tuabohemen an, einer linken Studentengruppe, die sich um Bengt Lidforss gebildet hatte und seine Ideen vor allem durch die Herausgabe von Studentenkalendern propagierte. In dieser Gruppe traf Wigforss auch den humoristischen Schriftsteller Axel Wallengren mit dem er mehrere literarische Projekte realisierte.

Als der Vater von John Wigforss im Jahre 1892 plötzlich starb, musste dieser sein Studium abbrechen und begann als Journalist zu arbeiten, wobei er seine Laufbahn bei der Folkets Tidning in Lund begann, dann aber bald zur Varbergsposten wechselte, später dann zur Nya Dagligt Allehande und schliesslich zur Nya Wermlands-Tidningen kam, wo er bis kurz vor seinem Tod beschäftigt war.

Seine literarische Karriere begann John Wigforss mit der Novellensammlung Tattare - några historier från Halland im Jahre 1899, ein relativ dünnes Werk, das vor allem lokal eine gewisse Bedeutung erlangte.

Weitaus bekannter wurden seine Komödien über Sten Stensson från Eslöf für das Theater. Nach dem immensen Erfolg des ersten Stückes verfasste John Wigforss zwei weitere Komödien mit der gleichen Hauptfigur, die zwar ebenfalls einen bedeutenden Erfolg errangen, aber nicht an das erste Werk heranreichten, jedoch ebenfalls auf den bekanntesten Bühnen Schwedens aufgeführt wurden, da sie auf humoristische Weise die Gesellschaft darstellten bei der ein zukünftiger Bürgermeister allen Zusagen macht, damit er gewählt wird, ohne auch nur eine Sekunde an das Einhalten der Versprechen zu denken.

In den Folgejahren schreibt John Wigforss, neben seiner Arbeit als Journalist, noch mehrere Theaterstücke, die sich alle durch den typischen Humor des Autors ausdrücken. 1906 erschien das autobiographische Werk Då vi lågo i Uppsala och Lund und 1907 Antika nätter, eine Sammlung von Gedichten und Dramen des Autors. Bevor jedoch John Wigforss auch literarisch an den Erfolg seiner Komödien anschließen konnte, starb er an Herzversagen. John Wigforss hatte bereits seit Jahren Herz- und Nierenprobleme, die ihn auch gezwungen hatten sich die letzten Wochen seines Lebens von der Nya Wermlands-Tidningen zurückzuziehen.

Während John Wigforss sich in Lund geradezu als Revolutionär zeigte, der die Welt modernisieren und verändern wollte, zeigte er in seinen späteren Arbeiten immer konservativere Züge, die so weit gingen, dass er forderte, dass jede sportliche Veranstaltung während der Zeit von Gottesdiensten grundsätzlich verboten werden müsse. Im Sozialismus sah Wigforss den Untergang des schwedischen Reiches.

Copyright: Herbert Kårlin