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22 april 2013

Georg Stiernhielm, der Vater der schwedischen Skalden

Georg Stiernhielm, geborener Göran Olofsson, wurde am 7. August 1598 als Sohn des Vogten und Bergmanns Olof Markvardsson und dessen Frau Karin Mattsdotter in Vika in Dalarna geboren und starb am 22. April 1672 im Alter von 73 Jahren in Stockholm. Stiernhielm war ab 1630 mit Cecilia Bure verheiratet.

Da Georg Stiernhielm einer langen Bergmannsdynastie entstammte und der Vater der oberste Richter Dalarnas wurde, wuchs Georg Stiernhielm in der gehobenen Gesellschaftsschicht auf und hatte in den ersten Jahren Privatlehrer, was natürlich auch bedeutete, dass er sich zwar bereits sehr früh in gehobenem Schwedisch, Latein und Deutsch ausdrücken konnte, jedoch die Sprache des Volkes in Dalarna nicht verstand. Dies ist umso bedeutender, da Stiernhielm Dalarna in einigen Gedichten als Ideal beschreibt, jedoch nur die herrschende Schicht der Region kannte.

Georg Stiernhielm, Herkules, Sällskapet Bokvännerna, Titel: Sven Ljungberg

Im Jahre 1612 begann Georg Stiernhielm seine Studien in Uppsala, wo er jedoch nur eine Jahr lang blieb bevor er nach Wittenberg und Greifswald ging, an Universitäten, die damals als sehr bedeutend und fortschrittlich angesehen wurden. Nach seiner Rückkehr nach Schweden wurde Stiernhielm erst Lektor für Ethik und Politik in Västerås, kurz darauf jedoch, ebenfalls als Lehrer, für zwei Jahre an eine Privatschule für Adelige geladen.

Durch seine hohes Wissen hatte Georg Stiernhielm im Grunde eine ausgezeichnete wissenschaftliche und politische Karriere vor sich, denn 1648 war er Vizepräsident des Dorpats Landesgerichts in Livland und wenig später wurde er als Reichsantiquar nach Stockholm gerufen. Da Stiernhielm jedoch die Verflechtungen am Hof zu schlecht kannte, äußerte er sich öffentlich negativ über einen Günstling der Königin und fiel deswegen am Hof in Ungnade. Dem Skalden sollte es daraufhin nicht mehr gelingen seinen Ruf vollständig zurückzugewinnen und er litt daher bis zu seinem Lebensende unter finanziellen Schwierigkeiten.

Auch wenn sich Georg Stiernhielm, wie jeder Gelehrte dieser Zeit, sehr früh der Dichtkunst  zuwendete und dabei sehr lange Zeit zur lateinischen Sprache griff, war die erste Hälfte seines Lebens vor allem wissenschaftlichen Arbeiten und entsprechenden Veröffentlichungen gewidmet, auch wenn kaum eines der Werke von ihm auch wirklich zu Ende geführt wurde und, wie Erik Gustaf Geijer es ausdrückte, alle wichtigen Themen der Zeit nur einleitete.

Und in der Tat gelang es Georg Stiernhielm mehrere bedeutende wissenschaftliche Themen anzureißen und damit selbst der Wissenschaft Schwedens neue Wege zu weisen, denn Stiernhielm führte die Mathematik an den schwedischen Universitäten ein, eine Lehre, deren Bekanntschaft er in ausländischen Universitäten erworben hatte. Der Dichter und Wissenschaftler war der erste, der die Västgötalagen mit Erklärungen versah und damit der Rechtssprechung ein wichtiges Hilfsmittel bot und Stiernhielm war der erste Schwede, der sich ausführlich mit der vergleichenden Sprachwissenschaft beschäftigte, auch wenn er der Meinung war, dass das Gotische das älteste Schwedisch war und das „Urschwedisch“ jene Sprache aus der sich alle Sprachen der Welt entwickelten. Mehrere seiner wissenschaftlichen Werke erschienen erst nach seinem Tode und seine gesammelten Werke wurden sogar erst 1970 im Svenska Vitterhetssamfundet aufgelegt.

Der erste Gedichtband von Georg Stiernhielm erschien erst im Jahre 1668 unter dem Titel Musæ Suethizantes, als der Skalde und Wissenschaftler bereits 70 Jahre alt war. Diese Sammlung enthielt auch seine frühen Werke wie das Hüllungsgedicht an Königin Christina, der der Skalde noch in Latein verfasst hatte, da er erst ab 1643 dazu überging die schwedische Sprache bei seinen Gedichten anzuwenden.

Obwohl die Gedichte von Georg Stiernhielm nach Meinung der aktuellen Literaturwissenschaftler, nie die Bedeutung anderer Lyriker der Zeit erreichten, so gilt der Skalde innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte dennoch als Erneuerer der Dichtkunst und der schwedischen Sprache, da er, unter anderem, nicht mehr ausschließlich die klassische und „edle“ Versform benutzte, sondern auch zu Alexandrinern und zur Sonette griff und zudem vom Lateinischen auf das Schwedische überging.

Bei seiner Lyrik in lateinischer Sprache war Georg Stiernhielm ein Meister der Anagramme. In nur 17 Zeilen in Hexameter gelang es dem Skalden insgesamt 42 Anagramme zum lateinischen Wort veritas (Wahrheit) unterzubringen, was zeigt, dass Stiernhielm die Sprache meistern wollte und dies als wichtiger betrachtete als die klaren Regeln der damaligen Dichtkunst. Stiernhielm spielte mit der Sprache, was ihn innerhalb der schwedischen Dichtkunst in eine Randposition versetzte.

Auch wenn Georg Stiernhielm nicht der erste war, der bei der Dichtkunst zu Schwedisch griff und seine Leistungen als Skalde noch heute in manchen Punkten angezweifelt werden, so nannte ihn bereits Olof Wexionius den Vater der schwedischen Poesie, einen Titel, den später Per Daniel Amadeus Atterbom bestätigte. Diesen Titel erhielt der Skalde dafür, dass er der erste schwedische Autor war, dem der Klang eines Gedichtes wichtiger war als ein bestimmtes Versmaß und er daher der Dichtkunst eine Melodie und einen Rhythmus gab, die bis dahin in Schweden unbekannt waren.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

27 mars 2013

Johan Murberg und der Erfolg der schwedischen Sprache

Johan Murberg wurde am 4. Dezember 1734 als Sohn des Seefahrers Jöns Murberg und dessen Frau Magdalena Larsdotter in Gävle geboren und starb am 27. März 1805 im Alter von 70 Jahren in Stockholm. Murberg war ab 1775 mit Lovisa Catharina Menlös verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Johan Murberg ist nichts bekannt, außer dass er ab 1747 die Trivialskola (höhere Grundschule) und ab 1750 das Gymnasium in Gävle besuchte um anschließend Theologie an der Universität in Uppsala zu studieren, ein Studium, das der Pädagoge, Wissenschaftler und Schriftsteller 1761 mit einem Magisterexamen beendete. Ab 1763 arbeitete Murberg dann an der Universität Uppsala als Dozent, erst für die hebräische Sprache und später auch für Altgriechisch.


Foto: SPA (Gemälde eines unbekannten Malers)

Bald verließ jedoch Johan Murberg die universitäre Laufbahn und übernahm erst ein Lektorat an seiner früheren Schule in Gävle um später Rektor der einzigen höheren Schule Stockholms zu werden, eine Aufgabe von der er jedoch, nach zehnjähriger aktiver Tätigkeit, ab 1788 permanent freigestellt war, da er sich anderen pädagogischen und wissenschaftlichen Aufgaben zuwenden sollte.

Bereits in Gävle hatte Johan Murberg klare Ideen einer Schulreform, die er versuchte in Stockholm durchzusetzen. Einer der wichtigsten Punkte für Murberg war die schwedische Sprache der lateinischen gleichzustellen und den Unterricht überwiegend in Schwedisch abzuhalten. Hinzu kam eine Einteilung in mehrere gymnasiale Linien und die Einführung eines Pädagogen für Anfänger. Auch wenn diese Pläne nur in sehr wenigen Punkten zu seiner Lebenszeit akzeptiert wurden, so legte Murberg damit die Basis für einen modernen Schulunterricht, den seine Nachfolger dann in die Praxis umsetzen konnten und die Grundlage für die späteren Reformen bildeten.

Als Literat begann Johan Murberg im Jahre 1776, als er von König Gustaf III. damit beauftragt wurde Jean Racines Athalie zu übersetzen, nachdem er am Hof bereits vorher mit einigen seiner Gedichte und öffentlichen Reden aufgefallen war. Es war daher nahezu logisch, dass der König Murberg 1787, als er die Svenska Akademien gründete, dem Skalden und Pädagogen auch dort einen festen Platz gab. Diese Entscheidung des Königs beruhte natürlich nicht nur auf der Dichtkunst Murbergs, sondern auch auf seinem Einsatz für die schwedische Sprache, da die Akademie den Auftrag hatte ein neues schwedisches Wörterbuch zu verfassen, eine Arbeit in die Murberg weitaus mehr Energie setzte als die anderen Mitglieder der Akademie.

Mit dem Eintritt in die Svenska Akademien war Johan Murberg auch dazu verpflichtet eine wissenschaftliche Arbeit zu leisten und diese zu veröffentlichen. Auch in diesem Punkt zeigte sich Murberg extrem aktiv, wobei er sich dabei insbesondere als kulturhistorischer Forscher bewährte, der geradezu regelmäßig seine Arbeiten vorlegte. Seine Arbeiten waren wissenschaftlich sehr ausführlich und präzise, aber leider konnte Murberg keine logischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ziehen und legte daher nur aufgearbeitetes Archivmaterial vor, das später von anderen Historikern benutzt wurde um damit ein kulturgeschichtliches Bild zu schaffen.

Auch wenn die Leistung von Johan Murbergs für die schwedische Sprache und damit die zukünftige Literatur sehr bedeutend war, so ist seine Leistung innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte sehr eingeschränkt. Werke wie Anmärkningar om kläder och ylletyg, som mest nyttjades i Sverige i konung Gustaf I:s tid (1793), Historiska anmärkningar om brännvinets ålder och bruk i allmänhet och i synnerhet i Sverige (1795) oder Historiska anmärkningar om svenska mynten och myntningen under Gustaf I:s regering (1796) zeichnen sich weniger durch eine literarische Stärke aus als vielmehr durch eine gute Forschungsarbeit. Hervorzuheben ist bei den Werken Murbergs, dass er sie in schwedischer Sprache veröffentlichte und damit mit einer Tradition brach. Dieser revolutionäre Gedanke führte dazu, dass Wissenschaft und Literatur ab dieser Epiche, zumindest teilweise, auch einem Kreis zugänglich gemacht wurde, der bis dahin allein mangels Lateinkenntnissen in die ungebildete Schicht Schwedens abgeschoben wurde.

Johan Murberg wurde nicht nur im Jahre 1787 auf den Stuhl Nummer 17 der Svenska Akademien gewählt, sondern war zusätzlich Mitglied der Vitterhetsakademien und schrieb in diesem Rahmen zahlreiche Artikel zur Geschichte Schwedens, die jedoch nicht alle in Buchform erschienen und ebenfalls von einer sehr kritischen Archivarbeit zeugten. Erstaunlicherweise konnte der Autor auch hier keine Konsequenzen ziehen, sondern beschränkte sich auf nüchterne Ausführungen.

Copyright: Herbert Kårlin

15 februari 2013

Fredrik August Dahlgren, der Forscher der schwedischen Sprache

Fredrik August Dahlgren wurde am 20. September 1816 als Sohn des Grubenverwalters und Gutsbesitzers Bartold Dahlgren und dessen Ehefrau Anna Karolina Svensson in Nordmark im Värmland geboren und starb am 16. Februar 1895 in Djursholm bei Stockholm. Dahlgren war mit Ulrika Magdalena von Heland verheiratet.

Die Kindheit verbrachte Fredrik August Dahlgren in einem Gut in dem immer reges Leben herrschte, nicht zuletzt auch, weil außer den zahlreichen Geschwistern auch die Nachbarn mit ihrer Kinderschar dort verkehrte. Die Schule besuchte Dahlgren in Karlstad, wo er auch die Hochschulreife ablegte bevor er sich an der Universitä Uppsala einschrieb und unter Per Daniel Amadeus Atterbom Literaturwissenschaft studierte. Statt jedoch nach seiner Disputation im Jahre 1839, wie geplant, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, wählte Dahlgren die Laufbahn eines Staatsdieners.


Während seiner Arbeit im Reichsarchiv beschäftigte sich Fredrik August Dahlgren vor allem mit geschichtlichen Abhandlungen des Landes und war in den Anfangsjahren verantwortlich für die Herausgabe von Handschriften. Diese Tätigkeit, die ihn faszinierte, brachte ihm einen guten Einblick in die Geschichte Schwedens, was auch einen bedeutenden Einfluss auf seine Werke ausübte.

Außer seinen beiden wissenschaftlichen Werken an der Universität Uppsala und einem Aufsatz mit dem Thema Det yngsta Sverige, hat Fredrik August Dahlgren relativ wenige Werke unter seinem Namen veröffentlicht und ist damit einer der bedeutendsten schwedischen unpersönlichen Autoren, der mehr als Herausgeber, Übersetzer und Lektor arbeitete, aber in diesem Rahmen eine maßgebliche Arbeit innerhalb der schwedischen Literatur leistete für die sich vor allem die Svenska Akademien interessierte.

Als Fredrik August Dahlgren im Jahre 1866 seine Anteckningar om Stockholms theatrar veröffentlichte, so umfasste dieses Werk nicht nur ein Verzeichnis aller Theaterstücke, die das Königliche Theater zwischen 1737 und 1863 aufführte, sondern man findet auch die Interpretationen Dahlgrens zu den Schauspielen. Als Übersetzer hatte der Schriftsteller dabei unter anderem Pedro Calderón de la Barcas Lifvet en dröm und William Shakespeares Romeo och Julia auf die schwedische Bühne gebracht und damit der Theaterkunst Schwedens neue Wege gewiesen.

Als Schriftsteller als solches trat Fredrik August Dahlgren vor allem mit dem Lustspiel Wermlänningarne im Jahre 1846 und mit seinen Viser på varmlanske tongmåle im Jahre 1875 hervor, wobei sein Theaterstück Wermlänningarne bis Mitte des 20. Jahrhunderts regelmäßig neu aufgelegt wurde und als Bestseller zu bezeichnen ist, auch wenn das Werk heute nahezu vergessen scheint. Der Erfolg des Stückes lag allerdings nicht an seiner Einmaligkeit, denn die Idee nimmt Dahlgren sehr deutlich von „Romeo und Julia“, aber er stellt die Handlung in das Bergwerkmilieu des Värmlands und gibt ihm daher eine völlig andere Aussage, ähnlich dem Werk „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller, der ebenfalls das Thema Shakespeares als Basis hatte.

Welche Bedeutung Fredrik August Dahlgren für die schwedische Literaturgeschichte spielt, sieht man auch an seinem Werk Glossarium öfver föråldrade ord, das er bereits während seiner Pension zusammenstellte, aber das jedoch erst rund zehn Jahre nach seinem Tode erschien. Dahlgren lieferte hier ein Handbuch der vergangenen Sprache Schwedens, das die Grundlage für das Standardwerk der Svenska Akademien wurde und dem Leser einen tiefen Einblick in die Entwicklung der schwedischen Sprache bietet. In diesem Rahmen darf man auch nicht vergessen, dass der Schriftsteller die älteren Auflagen der Svenska akademiens ordlista redigierte und damit jedem Schriftsteller des Landes das Handwerkzeug zur korrekten Sprachanwendung bot.

Fredrik August Dahlgren erhielt für seine Leistungen als Dramatiker mehrere Preise der Svenska Akademien und wurde 1871 auch in die Akadamie gewählt, wo er Anders Grafström auf dem Stuhl Nummer 6 folgte.

Auch wenn heute nur noch wenigen Schweden der Name Fredrik August Dahlgren etwas sagt, so gibt es keinen Schweden, der ihn nicht indirekt kennt und kaum ein Besucher des Landes wird nicht indirekt an den Schriftsteller erinnert, denn in seinem Werk Wermlänningarne findet man den Text zu einem der bekanntesten Volkslieder Schwedens, nämlich Ack Värmeland, du sköna, das aus der Feder von Fredrik August Dahlgrens und Anders Fryxells stammt.

Copyright: Herbert Kårlin