21 maj 2013

Gudmund Jöran Adlerbeth und die gustavianische Epoche Schwedens

Gudmund Jöran Adlerbeth wurde am 21. Mai 1751 als Sohn des Hofjunkers Jakob Fredrik Adlerbeth und dessen Frau Anna Maria Spalding in Jönköping geboren und starb am 7. Oktober 1818 auf dem Gut Ramsjöholm in der Gemeinde Svarttorp bei Jönköping. Adlerbeth war ab 1781 mit Karin Ridderborg verheiratet.

Seine gesamte Kindheit und Jugend verbrachte Gudmund Jöran Adlerbeth auf dem Gut des Vaters bei Svarttorp, da sich der Vater sehr früh aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte und den Sohn selbst unterrichten wollte. Die gesamte Erziehung von Adlerbeth, zumindest bis zu seinem 17. Lebensjahr, war daher ausschließlich vom französischen Lebensstil geprägt, jedoch auf eine ländliche Situation angepasst. Diese Zeit hat den Skalden und Politiker so stark geprägt, dass er dem Gut Ramsjöholm immer eng verbunden war, was sich auch auf seine spätere Dichtkunst sehr deutlich auswirkt.

Gudmund Jöran Adlerbeth, Pastellgemälde von L. Pasch dem Jüngeren, 1780, Schwedisches Reichsarchiv

Als Gudmund Jöran Adlerbeth im April 1768 sein Studium an der Universität in Uppsala beginnt, das er 1771 mit dem Kanzleiexamen abschließt, wird die akademische Schicht nicht nur bald auf seine Intelligenz aufmerksam, sonder er zeigt sich auch bald als begabter Dichter. In dieser Zeit werden von der Gesellschaft Apollini Sacra, in die Adlerbeth gewählt wurde, vier seiner Oden an die Ordensgesellschaft Utile dulci eingereicht, die den jungen Adlerbeth auch in den gehobenen Kreisen Stockholms bekannt machen.

Nach Abschluss des Studiums beginnt Gudmund Jöran Adlerbeth in der Kriegsexpedition zu arbeiten, wird auf Grund seiner literarischen Leistungen jedoch schon zwei Jahre später zum Kopierer und Kanzleiangestellten befördert. Hier fällt er wenige Monate später, nicht zuletzt auch durch eine Empfehlung von Gustaf Fredrik Gyllenborgs, dem König Gustav III. auf, der ihn wiederholt zu seinen literarischen Zirkeln einlädt, was Adlerbeth jedoch damit bezahlen muss, dass er während dieser Zeit den altmodischen Stil annimmt, der vom König gewünscht wird und dass er französische Opernwerke bearbeitet und übersetzt.

Ab 1774 geht Gudmund Jöran Adlerbeth häufig mit dem König auf Reisen und wird sein Protokollsekretär, was letztendlich dazu führt, dass der Schriftsteller 1778 zum Reichsarchivar ernannt wird, eine Jahre später Privatsekretär wird und 1786 vom König zum Mitglied der Svenska Akademien ernannt wird. In den Folgejahren wird Adlerbeth zusätzlich in die Vitterhetsakademien und die Vetenskapsakademien gewählt, was ihm eine wichtige Stellung innerhalb der schwedischen Kultur verleiht.

Der Preis für diesen Aufstieg und die zahlreichen Ehren ist allerdings, dass Gudmund Jöran Adlerbeth nur einen kleinen Spielraum bei seinem Schaffen hat und überwiegend im Auftrag des Königs schreiben muss. In diesen Jahren entstehen das Rokokoschauspiel Birger Jarl und das lyrische Drama Cora och Alonzo, mit dem das Opernhaus des Königs im Jahre 1782 eingeweiht wird.

Privat beginnt sich Gudmund Jöran Adlerbeth jedoch immer mehr mit der englischen und vor allem auch der isländischen Literatur zu beschäftigen. Adlerbeth übersetzt Ende der 80er Jahre auch Ejvindr Skaldaspillers liksång öfver konung Håkan i Norrige, das ab 1790 in der Stockholmposten veröffentlicht wird und Adlerbeth zu einem der Vorreiter der nordischen Renaissance macht.

Neben den Auftragsarbeiten für Gustav III. und seinen eigenen Werken, war Gudmund Jöran Adlerbeth einer der bedeutendsten literarischen Übersetzer seiner Zeit, denn er übersetzte einige der wichtigsten Werke Voltaires (François-Marie Arouet) und Jean Racines, auch wenn Adlerbeth nicht wegen dieser Werke besonders gelobt wurde, sondern für seine Übersetzungen der lateinischen Klassiker. Diese Übersetzungen und vor allem die Auswahl der Werke sollten nahezu zwei Jahrhunderte lang die schwedische Einstellung und Deutung der Antike prägen.

Als Jacob Axelsson Lindblom im Jahre 1811 das Psalmbuchkomitee einsetze, so waren in der Gruppe auch die drei Freunde Gudmund Jöran Adlerbeth, Johan Gabriel Oxenstierna und Carl Gustaf af Leopold Mitglieder, mit dem Ergebnis, dass Adlerbeth nicht nur im kulturellen Bereich und in der Politik einen bedeutenden Einfluss ausübte, sondern auch im geistlichen Leben, da eine Psalmensammlung über Jahrzehnte hinweg verwendet wurde und das gesamte schwedische Volk beeinflusste.

Obwohl heute die meisten lyrischen Werke von Gudmund Jöran Adlerbeth nahezu in Vergessenheit geraten sind, so sind seine Aufzeichnungen zur Reise des Königs nach Italien und vor allem seine geschichtlichen Aufzeichnungen noch heute von größtem Interesse, da sie einen Einblick in das Schweden unter Gustav III. bieten, auch wenn der Wahrheitsgehalt in manchen Punkten mit Vorsicht angegangen werden muss, da man in dieser Epoche nicht das heutige Geschichtsverständnis hat und die Werke von Adlerbeth von der persönlichen Einstellung stark gefärbt sind, einer Person, die nie Kritik suchte, sondern im Fluss der herrschenden Gesellschaft schwamm ohne diese je in Frage zu stellen.

Copyright: Herbert Kårlin

20 maj 2013

Verner von Heidenstam und der Umbruch in eine neue Zeit

Verner von Heidenstam wurde am 6. Juli 1859 als Sohn des Ingenieurs Nils Gustaf von Heidenstam und dessen Frau Magdalena Charlotta Rütterskjöld in Hammar bei Örebro geboren und starb am 20. Mai 1940 in Ny in Östergötland. Von Heidenstam war in erster Ehe mit Emilie Uggla verheiratet, in zweiter mit Olga Mathilda Wiberg und in dritter Ehe mit Anna Margaretha (Greta) Charlotta Sjöberg. Mit seiner letzten Frau, der Dänin Kate Bang, ging der Schriftsteller nie die Ehe ein.

Während seiner Kindheit lebte Verner von Heidenstam im Winter in Stockholm und im Sommer in Olshammar, den Ort, den er auch in seinen Memoiren als Heimatort betrachtet. Olshammar gehörte dem Geschlecht seiner Mutter und von Heidensatam wurde dort von den überwiegend weiblichen Bewohnern, die alle der gehobenen Schicht Schwedens angehörten, vergöttert, was vermutlich auch seine zukünftige Einstellung zu Frauen prägte, deren Nähe er suchte. Seit Leben lang war der Schriftsteller von Frauen umgeben, was sich nicht nur durch drei Ehen ausdrückte, sondern auch an seinen zahlreichen Affären.

Verner von Heidenstam, Dikter, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, 2007, Titel: Jenny Herrström Gemzell

In Olshammar lernte Verner von Heidenstam auch die ausländische klassische Literatur kennen, da seine Großmutter eine sehr umfangreiche Bibliothek mit diesen Werken besaß. Als von Heidenstam ab 1869 die Beskowska skolan in Stockholm besuchte, war er dort einer der ersten Schüler. Wegen mehreren Krankheiten dehnte sich seine Schulzeit immer wieder hinaus bis er die Schule 1876 wegen TBC verlassen musste. Um sich von der Krankheit zu erholen, wurde dem Schriftsteller ein Aufenthalt in Südeuropa empfohlen, was von Heidenstam in den folgenden zwei Jahren nicht nur nach Südeuropa, sondern auch nach Vorderasien führte.

Die ersten literarischen Versuche von Verner von Heidenstam sind bis in die 70er Jahre zu verfolgen, denn in diesen Jahren legte er Carl David af Wirsén erstmals ein Manuskript zur Begutachtung vor. Auf diese Weise fand er dann Zacharias Topelius als Ratgeber, der ihm auf dem Weg zum Literaten helfen sollte. Diese ersten Werke des Schriftstellers zeugen allerdings noch vom idealisierten Christentum von Heidenstams und sind daher nicht mit seinen späteren Werken zu vergleichen.

Zu Beginn der 80er Jahre überlegt Verner von Heidenstam ob er sich der Malerei oder der Schriftstellerei widmen soll, und entscheidet sich dann für die Malerei. Parallel dazu beginnt seine Revolte gegen die väterliche Linie, der bereits den Berufswunsch des Sohnes missbilligte, jedoch durch die Unterstützung von Mutter und Großmutter seine Wünsche realisieren kann. Von Heidenstam heiratet die drei Jahre ältere Emilie Uggla, zieht mit ihr nach Rom, Paris, die Schweiz und schließlich an die Riviera. Die Bilder, die in dieser Zeit entstehen zeigen Motive aus der römischen und vor allem der nordischen Mythologie.

Durch seinen Aufenthalt im Ausland wird Verner von Heidenstam von den modernen sozialen Änderungen beeinflusst und betrachtet das aristokratische Schweden jener Zeit als überholt. In diesem Sinne beginnt er 1884 einen regen Schriftwechsel mit August Strindberg, der von von Heidenstam als Visionär des zukünftigen Schweden betrachtet wird. Diese Korrespondenz sollte von Heidenstam bei all seinen zukünftigen Werken stark beeinflussen, denn Strindberg zeigte ihm den Spiegel der schwedischen Aristokratie.

Das Verhältnis von Verner von Heidenstam zu Strindberg wurde im Laufe der Jahre jedoch immer angespannter, insbesondere dadurch, dass von Heidenstam von den Kritikern mehr und mehr über Strindberg gestellt wurde, was dazu führte, dass Strindberg ab 1890 die Briefe von Heidenstams nicht mehr beantwortete. Die Ursache dieses Problems beruhte jedoch vor allen darauf, dass von Heidenstam, im Gegensatz zu Strindberg, die Gesellschaft nie schockierte, sondern sich den Wünschen der gehobenen Schicht anpasste.

Ab den 90er Jahren sah sich Verner von Heidenstam dazu berufen des kulturelle Leben Schwedens zu beeinflussen, da seiner Meinung nach in Schweden der nationale Gedanken mit der Arbeiterbewegung auf der Strecke blieb. Von Heidenstam gründete zu diesem Zweck 1893 den schwedischen Schriftstellerverband und übernahm zwei Jahre später das Svenska Dagbladet um dadurch auf die Meinungsbildung Schwedens Einfluss zu gewinnen. 1899 gründete er dann auch noch einen liberalen Verein, der sich zur Liberalen Samlingspartiet entwickelte und heute die Folkpartiet ist.

Der Erfolg von Verner von Heidenstam beruhte jedoch nicht nur auf seinen Leistungen als Schriftsteller und Dichter, sonder er war in der Lage sowohl die gebildete Schicht als auch den gehobenen Arbeiter anzusprechen, da er nie Teil der Arbeiterbewegung war, jedoch ebenfalls für das Wahlrecht der Bürger eintrat und liberales Gedankengut verbreitete, das auf breiter Ebene positiv akzeptiert wurde und nicht den Gedanken einer Revolution in sich trug.

Als Verner von Heidenstam 1909 als der schwedische Nationaldichter gehüllt wurde, hatte er eine klare Stellung zum gehobenen Bürgertum eingenommen, da seine Dichtung seit 1988 deutlich machte, dass die östliche Philosophie und Denkweise dem Ende entgegenging und er setzte die nordische Geschichte und Denkweise in den Vordergrund, was gerade um diese Zeit bei der gebildeten Schicht des Landes, aber auch beim Volk, auf fruchtbaren Boden fiel. Seine Geschichtswerke zwischen 1897 und 1908 sind ein deutliche Zeichen dafür, das von Heidenstam um diese Zeit eine Mittlerrolle zwischen gehobener Bürgerschicht und gehobener Arbeiter und Handwerkschicht einnahm und den Stolz zum Mutterland predigte, der unabhängig von der sozialen Stellung liegt.

Kurz bevor die literarische Karriere von Verner von Heidenstam zu Ende ging, wurde er 1912 nach dem Tode von Wirsén, der seine Wahl bis dahin verhindert hatte, in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Wirsén auf dem Stuhl Nummer 8 gewählt wurde. Nur vier Jahre später wurde von Heidenstamm auch der Nobelpreis in Literatur vergeben. Der Schriftstelle sollte anschließend nur noch an seiner Autobiografie arbeiten, die er jedoch nie fertigstellte.

Zu Beginn der 30er Jahre zeigten sich bei Verner von Heidenstam deutliche Zeichen der Demenz, eine Situation, die sich ab 1934 sehr schnell verstärkte. Der Schriftsteller litt unter Halluzinationen, Angstzuständen und konnte bald auch nicht mehr schreiben und sprechen. Durch einen Betrug ehemaliger Freunde wurde seiner Frau Kate Bang das gesamte Erbe gestohlen um aus Övralid ein Nationalmonument für von Heidenstam zu machen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

19 maj 2013

Carl Snoilsky und die kulturelle Revolution Schwedens

Graf Carl Snoilsky wurde am 8. September 1841 als Sohn des Justizrates Graf Nils Snoilsky und dessen Frau, Freiherrin Sigrid Fredrika Juliana Baner in Stockholm geboren und starb am 19. Mai 1903 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Snoilsky war in erster Ehe mit Hedvig Charlotta Amelie Piper und in zweiter Ehe mit Ebba Fredrika Eleonora Ruuth verheiratet.

Was relativ unüblich für die Adelsschicht jener Zeit war, besuchte Carl Snoilsky bereits ab 1850 die Klara Schule und anschließend zwischen 1857 und 1860 das Gymnasium in Stockholm. Snoilsky wurde sehr früh an die europäische Literatur herangeführt und kannte spätestens ab seiner Zeit im Gymnasium außer der schwedischen Literatur auch die Werke von Lord Byron, Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine.

Carl Snoilsky, Carl Snoilskys Dikter, Albert Bonnier Förlag, Stockholm, 1945, Serie: Den svenska lyriken

Während seiner Kindheit war Carl Snoilsky vor allem zu seiner Mutter hingezogen, die eine künstlerische Ader hatte, im Gegensatz zum sehr strengen Vater. Da die Mutter auch Gesellschaftsdame der Witwenkönigin Desideria war, verbrachte der Junge einen großen Teil seiner Kindheit mit seiner Mutter auf den Gütern im Södermanland und auf Schloss Rosersberg.

Die literarische Aktivität von Carl Snoilsky geht bis zur Zeit im Gymnasium zurück, wo er Mitglied des literarischen Klubs Amicitiae Verae war und seine ersten Gedichte schrieb, die 1861 unter dem Titel Smådikter af Sven Tröst (einem Pseudonym) erschienen, einer Gedichtsammlung zu der der Skalde in späteren Jahren allerdings nicht mehr stand, da ihm diese zu unreif vorkamen.

Ab 1860 besuchte Carl Snoilsky die Universität Uppsala, die er jedoch nach drei Jahren mit dem Kanzleiexamen verließ. In Uppsala zeigte sich das Erstlingswerk Smådikter jedoch als sehr bedeutend, denn dank dieser Gedichtsammlung wurde er in Uppsala in den literarischen Verein Namnlösa sällskapet aufgenommen, wo er, unter anderem, Carl David af Wirsén, Peter August Gödecke, sowie Ludvig Östergren kennenlernte und auch seinen Jugendfreund Edvard Bäckström wiedertraf.

Nach seinem Examen an der Universität Uppsala begab sich Carl Snoilsky erst einmal auf eine ausgedehnte Reise durch mehrere europäische Länder, die von poetischer Seite gesehen sehr fruchtbar waren, wobei den Skalden insbesondere Italien stark in den Bann nahm und im Jahr 1865 zum Werk Italienska bilder führte. Snoilsky, der sich auf der Reisen über seine Zukunft klar werden wollte, konnte sich allerdings nicht für die Laufbahn eines Skalden entscheiden und trat daher in den Botschaftsdienst ein und blieb sein Leben lang Beamter. Als Skalde blieb Snoilsky bis 1881 jedoch nahezu stumm, auch wenn bis zu seiner Wahl in die Svenska Akademien im Jahre 1876 einige wenige Werke erschienen, die von der Kritik gelobt wurden. Bereits in den 70er Jahren war Snoilsky der Meinung sein Leben im Grunde vergeudet zu haben, er löste seine Ehe auf, kündigte seinen Dienst, heiratete erneut und verließ das Land, dessen Gesellschaftsleben er eintönig und ohne jedes Interesse fand.

Mit seinem Band Nya dikter, die in die Sammlung Samlade dikter eingeht, und vor allem mit seinen Svenska Bilder beginnt für Carl Snoilsky dann jedoch die wahre Karriere als Skalde und der Schriftsteller scheint nun zu sich selbst gefunden zu haben. Im folgenden Jahrzehnt ergänzt Snoilsky seine „Schwedischen Bilder“, die vor allem von Anders Fryxells Geschichte beeinflusst sind und der Dichter schafft damit ein Grundlagenwerk, die ihm einen bedeutenden Ruf unter den Literaten seiner Zeit bringt, zum anderen entdecken durch kommende Schulauflagen sehr viele Kinder über die Sammlung Svenska bilder erstmals die schwedische Dichtkunst und beginnen sich für die Geschichte und die Tradition des Landes zu interessieren.

Während der 80er Jahre lebte das Ehepaar Snoilsky  überwiegend in Dresden und der Skalde, der selbst aus der Adelsschicht kam, näherte sich den sozialen „Unterschichten“. In Gedichten wie Afrodite spricht sich Carl Snoilsky sogar deutlich dafür aus, dass der Adel von seinem Piedestal steigen soll und sich dem Volk nähern muss, bevor das Volk zur Waffe greift und sich vom Adel befreit, der das Volk nur als Masse betrachtet und als Sklave benutzt.

Als Carl Snoilsky 1890 nach Stockholm zurückkehrt und dort, auf seinen eigenen Wunsch, Oberbibliothekar des Königlichen Bibliothek wird, als Zensor und Inspektor über die Stücke des Dramaten entscheidet und auch noch Mitglied des Nobelkomitees wird, ist er einerseits der bedeutendste Dichter neben Viktor Rydberg, aber sein Aufstieg provoziert auch die Kritik der Oberschicht des Landes, da diese Snoilsky als Verräter ihrer Schicht betrachten. Der Skalde selbst zeigt dabei eine gewisse Unsicherheit, da er zwar für den Bürger des Landes schreibt, jedoch keine wirkliche Beziehung zu Arbeitern und Bauern hat, also das Leben dieser Schicht nur theoretisch kennt.

Die späteren Werke von Carl Snoilsy waren in gewisser Weise bereits von der Zeit überholt als er sie veröffentlichte, da die schwedische kulturelle Revolution bereits eingesetzt hatte, aber gerade deswegen wurden seine Werke nicht nur von Schriftstellern wie August Strindberg, Henrik Ibsen oder Georg Brandes gelobt, sondern auch konservative Autoren wie Carl David af Wirsén erkannten seine literarischen Leistungen an.

Auch wenn Carl Snoilsy gewissermaßen ein Sprecher für die soziale Unterschicht Schwedens war und an der kulturellen Revolution des Landes beteiligt war, so war es ihm bereits auf Grund seiner Bildung unmöglich mit seinen Werken die breite Masse zu erreichen, von den Gedichten für Schulzwecke abgesehen, denn seine Wortwahl und sein Stil blieben für die Mehrheit der Schweden unverständlich. Erst in den letzten Jahren beginnt man sich wieder auf größerer Ebene den Werken Snoilskys zu nähern.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

18 maj 2013

Elsa Nyblom und die pädogische Aufgabe der Literatur

Elsa Nyblom, geborene Blomberg, wurde am 18. Mai 1890 als Tochter des Hausmeisters Carl Gustaf Blomberg und dessen Frau, der Hebamme Gustava Kristina Abrahamsson in Stockholm geboren und starb am 6. Dezember 1956 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Nyblom war ab 1913 mit dem Schriftsteller und Journalisten Erik (Mac) Nyblom verheiratet.

Sehr früh entschied sich Elsa Nyblom eine künstlerische Karriere zu beschreiten, auch wenn sie in ihrer Jugend noch nicht an die Literatur dachte. Nach dem Besuch der privaten Mädchenschule Åhlinska in Stockholm studierte Nyblom ein Jahr lang Theater und Gesang. Nach dem Abschluss dieser Ausbildung ging sie mit Greta Stridsberg und Jenny Tschernichin-Larsson zwei Jahre lang auf Theatertournee, ohne sich jedoch besonders hervorzuheben.

Elsa Nyblom, Strängt Personligt, Förlag Ljus, 1945

Da Elsa Nyblom nach dieser Erfahrung selbst feststellte, dass das Theater wenig für sie geeignet war, nicht zuletzt deswegen, weil sie immer wieder ihren eigenen Willen durchsetzen wollte, und sie mittlerweile ihren späteren Ehemann kennengelernt hatte, entschloss sie sich daher Journalistin zu werden, da sie hier eine Rolle in der Meinungsbildung einnehmen konnte.

Ihre erste Sommeranstellung bei den Dagens Nyheter erhielt Elsa Nyblom 1913 über ihren Mann, der dort als Journalist arbeitete. Nyblom wurde nach dem Vikariat nicht übernommen, konnte jedoch auch in den Folgejahren immer wieder Artikel in der Zeitung unterbringen, da die Journalistin neue Wege ging und bei der Zeitung den sozialen Journalismus einführte.

Auch ohne feste Anstellung wurde Elsa Nyblom sehr aktiv im Pressegeschehen, denn sie begann bei den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften mitzuarbeiten und gründete, gemeinsam mit Tora Holm-Lundberg, sogar eine eigene Zeitung, die 1920 von Åhlen & Åkerlund aufgekauft wurde und Nyblom eine Anstellung als zweite Chefredakteurin brachte, die 1928 zur Chefredakteurin des Vecko-Journalen führte, eine Stelle, die sie bis 1943 behielt und durch die Übernahme der Zeitschrift durch Bonniers verlor, da Nyblom durch ihren starken Eigenwillen und ihr Streben nach Dominanz eine Belastung für den Verlag geworden war.

Die literarische Karriere von Elsa Nyblom begann erst als es kein zurück zum Journalismus mehr für sie gab, da man in der Zwischenzeit auch vom manipulativen Journalismus zum informativen Journalismus gewechselt hatte, eine Richtung, die Nyblom ablehnte, da für sie Schreiben damit verbunden war die Gesellschaft auf positive Weise zu verbessern.

Im Jahre 1945 erschienen, nach einem Handbuch für Hausfrauen (Varukännedom och inköpskonst) und Kvinnans hem är värld, Elsa Nybloms Memoiren in drei Bänden, die allgemein als ihr Hauptwerk betrachtet werden und mit einem Portrait des armen Teiles von Östermalm beginnen, dem Stockholmer Stadtteil in dem die Schriftstellerin aufwuchs. Einige Literaturwissenschaftler bezeichnen diese drei Bände Nybloms nahezu als Klassiker der schwedischen Literaturgeschichte, während andere die Bücher der Schriftstellerin, zu Unrecht, gar nicht erst beachten und als Beschäftigungstherapie betrachten. Selbst unter der Liste der weiblichen Schriftstellerinnen des Nordens sucht man Nyblom bisher vergebens.

Da Elsa Nyblom mit ihrer dominanten Art kaum mit anderen Menschen zurecht kam, wurde ihr literarisches Schaffen, das zwischen 1945 und ihrem Tod erschien und sowohl aus einigen Romanen und mehreren Jugendbüchern besteht, von Kritikern kaum beachtet. Nur die Literaturwissenschaftlerin Birgitta Theander vergleicht den Humor, den Nyblom bei ihren Mädchenbüchern zeigt, mit jenem von Astrid Lindgren, Ester Ringnér-Lundgren und Christina Söderling-Brydorf, nachdem sie vier Jugendbücher der Autorin näher betrachtete und analysierte.

Elsa Nyblom war als Schriftstellerin und Journalistin vor allem das Opfer ihres eigenen Charakters, da sie sich selbst im Mittelpunkt sehen wollte und sich dadurch bei anderen Schriftstellern und vor allem bei Kritikern unbeliebt machte, diese aber letztendlich entscheiden welche Stellung ein Autor innerhalb der Literaturgeschichte einnimmt und nicht die zahlreichen Leser, die Nyblom mit ihren zwölf Büchern, die im Laufe von zehn Jahren erschienen, in ihren Bann ziehen konnte. Ihre Mädchenbücher wurden auch in andere Sprachen übersetzt.

Bei ihren Memoiren zeigt sich Elsa Nyblom, trotz der einfachen Sprache, die sie benutzt, als gute Beobachterin und sie porträtiert dabei einige der Personen, die ihren Weg kreuzten mit außerordentlicher Klarheit und Schärfe. Ihre Kinderbücher richten sich an Mädchen und hatten, wie die Mehrheit der Kinderbücher jener Zeit, eine moralisch erzieherische Aufgabe, was jedoch nichts an ihrer Spannung nimmt. Ihre Romane richteten sich an ein sehr breites Publikum, da sie mit der klaren Struktur und der relativ einfachen Wortwahl auch Leser ansprach, die keine höhere Bildung hatten, aber dennoch an einer gewissen Kultur und am Lesen interessiert waren.

Copyright: Herbert Kårlin

17 maj 2013

Gustav Hedenvind-Eriksson, ein Pionier der Arbeiterliteratur

Gustav Hedenvind-Eriksson wurde am 17. Mai 1880 als Sohn des Landwirts und Händlers Erik Håkan Gustafsson und dessen Frau Juliana Mikaelsdotter in Gubbhögen bei Alanäs im nördlichen Jämtland geboren und starb am 17. April 1967 in Bromma (Stockholm). Hedenvind-Eriksson war zwischen 1928 und 1951 mit Astrid Maria Pihl verheiratet.

Als Gustav Hedenvind-Eriksson zur Welt kam, wurde er aus einem Missverständnis heraus Gustav Hedvin (statt Edvin) getauft. Da dies mit viel Spott verbunden war, begann sich der Junge sehr früh Hedenvind zu nennen. Als er dann Schriftsteller war, ließ er den zweiten und veränderten Vornamen als Teil des Familiennamens eintragen.

Gustav Hedenvind-Eriksson, Gästabudet, LTs förlag, 1966

Bereits als Kind begeisterte sich Gustav Hedenvind-Eriksson für die Sagen, die ihm der Großvater erzählte und da er die Neigung der Mutter geerbt hatte, die in der Jugend davon geträumt hatte Schriftstellerin zu werden, fühlte sich der Junge zur Literatur und zur Musik hingezogen, was zu starken Konflikten mit seinem Vater führte, der einen Spielmann oder Poeten als betrunkenen Hurensohn betrachtete. Bereits als Kind verhinderte er daher, dass sich der Sohn zu viel in der Schule sehen ließ und mit zehn zwang er ihn als Holzfäller und Knecht für ihn zu arbeiten.

Mit 15 riss dann Gustav Hedenvind-Eriksson die Geduld und es kam zu einer schlagkräftigen Auseinandersetzung mit seinem Vater. Gustav gewann den Kampf, packte seine Sachen und verließ den Hof um in den Folgejahren seinen Unterhalt als Waldarbeiter, Seemann, Bergmann und Eisenbahnarbeiter zu verdienen. Hedenvind-Eriksson bereiste bei diesen Arbeiten nicht nur den nördlichen Teil Skandinaviens, sondern auch die USA und den Kongo.

Die Wende kam für Gustav Hedenvind-Eriksson im Jahre 1903, als er gerade einmal 23 Jahre alt war, denn er bekam die Möglichkeit seine Schulbildung an der Birka Folkhögskolan bei Östersund nachzuholen. Dort hatte er, unter anderem, den Archäologen Knut Kjellmark als Lehrer, der ihn nicht nur mit zu Ausgrabungen aus der Zeit der Wikinger nahm, sondern in ihm auch das Interesse für die Archivarbeit des Jämtlands wecken konnte. Während der Schulzeit entwickelte sich Hedenvind-Eriksson zu einem überzeugten Sozialdemokraten, der wusste wie er die Rechte der Arbeiter vertreten konnte und er näherte sich der Literatur indem er an der Zeitschrift der Schule mitarbeitete.

Mit seinem Buch Ur en fallen skog trat Gustav Hedenvind-Eriksson im Jahre 1910 erstmals als Schriftsteller an die Öffentlichkeit, einem Roman, der die großen Forstbetriebe anklagt seit Ende des 19. Jahrhunderts rücksichtslos die Wälder auszubeuten und dabei den Bewohnern des Jämtland die Tradition, die Landwirtschaft und ihre gesellschaftliche Struktur zu nehmen. Auch wenn der Schriftsteller bei diesem Buch auch einen gewissen romantischen Einschlag bewahrt, so zeigt er sich dennoch als Kämpfer für die Erhaltung der Kultur und spricht sich gegen die Ausbeutung der Waldarbeiter und gegen die Unterdrückung der Bauern aus.

Eines der wichtigsten Themen für Gustav Hedenvind-Eriksson ist die Konfrontation zwischen schwedischer Landwirtschaft und Industrialisierung, wobei der Autor hierbei die Industrialisierung nicht unbedingt als Feind sieht, sondern dass diese von einer relativ kleinen Schicht in der Hand gehalten wird, was zwangsläufig dazu führt, dass der Arbeiter, und noch mehr der Landwirt, der immer mehr von seinen Gütern verdrängt wird, zum Sklaven der Industrie gemacht wird. Vieles davon ist nicht wissenschaftlich begründet, sondern Hedenvind-Eriksson holt es aus seiner Erfahrung als Arbeiter, seinen Beobachtungen und seinen Gesprächen mit der einfachsten Schicht der Bevölkerung. Aber gerade diese Tatsache gibt seinen Büchern die Stärke und verleiht ihnen Glaubwürdigkeit, wenn auch zum Nachteil seiner Karriere, denn diejenigen, die seine Bücher kaufen würden können oft nicht lesen und sind zu arm für ein anderes Werk als die Bibel und die gehobene Schicht will mit dem schreibenden Arbeiter, der sie der Ausbeutung anklagt, wenig zu tun haben.

Auch wenn die Kritiker die Bücher von Gustav Hedenvind-Eriksson lobten, so gelang es dem Schriftsteller nie davon zu leben. Aber er wurde ein Symbol für die damals junge Schicht der Arbeiterliteraten wie Ivar Lo-Johansson, Lars Ahlin und Eyvind Johnson. Lo-Johansson organisierte sogar eine Geldsammlung, damit sich Hedenvind-Eriksson zu seinem 50. Geburtstag eine kleine Landwirtschaft kaufen konnte, auf der die gesamte Familie arbeitete um sich ernähren zu können. Auf diesem kleinen Hof entstand auch sein En bondes dagbok, das im Jahre 1937 erschien und die Schaffung von Kooperativen fordert, die Chance des Überlebens für den kleinen Landwirt.

Gustav Hedenvind-Eriksson griff zur Arbeiterliteratur bevor diese literarische Gattung als solches geboren war. Er war daher ein Pionier als literarischer Sprecher der Arbeiter Schwedens, der eine ganze Schicht an Literaten beeinflusste. Sein Stil war einfach, denn der Schriftsteller hatte nie eine literarische Ausbildung erhalten, sondern er kam als Autodidakt ans Schreiben und verkehrte die erste Hälfte seines Lebens unter Arbeitern und Bauern, die sein Denken und Schaffen beeinflussten.

Literaturwissenschaftler kritisieren oft, dass Gustav Hedenvind-Eriksson ständig Stilbrüche begeht, keine klare literarische Linie geht und vergessen dabei, dass ein Teil dieser Brüche vom Autor bewusst begangen wurden, denn für ihn musste ein Gedicht nicht den Regeln der gebildeten Elite folgen und ein Buch nicht den Vorschriften der Svenska Akademien, sondern es sollte die Persönlichkeit des Autors beinhalten ohne von künstlich gesetzten Grenzen eingefangen zu werden. Hedenvind-Eriksson war ein volkstümlicher Erzähler, eine Eigenschaft, die man auch in all seinen Werken finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin

16 maj 2013

Lars Gustafsson und die gesellschaftskritische Literatur der Gegenwart

Lars Gustafsson wurde am 17. Mai 1936 in Västerås geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte und die Hochschulreife ablegte. Anschließend studierte Gustafsson  Literaturgeschichte, Philosophie, Ästhetik und Soziologie an der Universität in Uppsala. Das Studium, dem er 1978 ein Doktorat anschloss, beendete er im Jahre 1960 mit einem Lizenziat in Philosophie. Gustafsson war in erster Ehe mit der Schriftstellerin Madeleine Lagerberg verheiratet, in zweiter Ehe mit der amerikanischen Jüdin Alexandra Chasnoff und wohnt gegenwärtig mit seiner dritten Frau Agneta Blomqvist, die er 2005 heiratete, in Stockholm.

Nach eigenen Aussagen beschäftigte sich Lars Gustafsson bereits in seiner Jugend mit den Existenzfragen des Lebens und der Gesellschaft, was dazu führte, dass er sehr wenig mit seinen gleichaltrigen Schülern gemein hatte und sich immer abseits der Gesellschaft fühlte. Mit 14 entschied sich Gustafsson Poet zu werden, auch wenn es dann weitere sieben Jahre dauern sollte bis sein erster Roman Vägvila erschien.

Lars Gustafsson, Fantastiska berättelser. Förberedelser till flykt ; Det sällsamma djuret från norr, Bokförlag Atlantis, 2008

Allerdings betrachtete Lars Gustafsson sein erstes von über 70 Büchern, Vägvila, mehr als Versuch und bezeichnet erst sein nächstes Werk Poeten Brumbergs sista dagar och död, das 1959 erschien, also zwei Jahre später, als seinen literarischen Beginn. Auf den ersten Gedichtband des Philosophen und Schriftstellers musste man dann noch bis 1962 warten, als er den Lyrikband Ballongfararna veröffentlichte.

Der literarische Durchbruch kam für Lars Gustafsson jedoch erst im Jahre 1977 mit seiner satirischen Erzählung Tennisspelarna in dem er das Verhältnis zwischen Europa und den USA in den 70er Jahren auf ironische Weise behandelt. Dieser Roman war der erste von Gustafsson, der auch ins Englische übersetzt wurde, bedeutendes Aufsehen erregte und heute in den Tausend schwedischen Klassikern zu finden ist.

Das Privatleben von Lars Gustafsson kann man in mehrere Teile zerlegen, denn von 1962 bis 1972 war er, neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, Chefredakteur des Bonniers Litteräre Magasin, dem er einen marxistischen Einschlag gab und das deswegen nahezu seine Glaubwürdigkeit, und seine Auflage, als wichtigstes Organ der schwedischen Literatur verlor, eine Situation, die sich erst wieder änderte als Gustafsson seine Arbeit beim BLM (Bonniers Litteräre Magasin) abgab.

Die nächste bedeutende Phase von Lars Gustafsson kam mit den 80er Jahren, als er vom protestantischen Glauben zum jüdischen übertrat, Schweden als die literarische Provinz bezeichnete und einen Kampf gegen die „totalitäre“ Sozialdemokratie des Landes führte, die die Gedanken der Bürger steuern will und als er auch eine Professur in Amerika akzeptierte. Gustafsson nahm 1983 die amerikanische Staatsbürgerschaft an und kehrte erst 2006 wieder endgültig nach Schweden zurück.

Lars Gustafsson gehört zu den produktivsten Schriftstellern seit August Strindberg, wobei seine literarische Breite sich von Poesie über Romane bis zu gesellschaftskritischen Essays erstreckt. Für seine Werke erhielt er im Laufe der Jahre zahlreiche bedeutende Preise. Seine Bücher sind mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt, auch wenn - oder gerade weil - sie nicht sehr einfach zu verstehen sind und überwiegend einen philosophischen und gesellschaftspolitischen Aspekt in sich tragen, der allgemeingültig ist.

Der literarische Weg von Lars Gustafsson folgte in großer Linie den Strömungen der jeweiligen Epoche, wobei man hierbei beachten muss, dass Gustafsson dabei sowohl die literarischen als auch die philosophischen Strömungen der Zeit in seinen Büchern einarbeitet und damit einer kontinuierlichen Entwicklung der Gesellschaft folgt ohne sich jedoch in eine Schablone pressen zu lassen, denn der Schriftsteller geht seit Beginn seiner Karriere als Schriftsteller seinen eigenen Weg, unabhängig von jeder Kritik, die nicht immer positiv ausfällt.

Als Lars Gustafsson in den 60er Jahren begann auch Lyrik zu schreiben, so gehörte er, gemeinsam mit Poeten wie Göran Palm, Björn Håkanson und Sonja Åkesson, zu den Dichtern der Postmoderne und der Neuen Einfachheit bei denen Poesie bedeutet zur Alltagssprache zu greifen um mit dem Leser kommunizieren zu können. Gustafsson will sich damit, trotz der teilweise mystischen Themen, vollkommen von der Einstellung lösen, dass Dichtkunst etwas Überirdisches sei, das durch eine unerklärte oder göttliche Eingebung entsteht.

Lars Gustafsson, der sich als Person die nicht glaubt, sondern sucht bezeichnet, gehört heute zu jenen Schriftstellern, die in vielen Ländern als Repräsentanten der schwedischen Literatur betrachtet werden und damit einen großen Teil des literarischen Schwedens im Ausland prägen. In Schweden wird der Erfolgsautor nicht immer von der gleichen Warte aus gesehen und oft zögern Kritiker ihm ein bestimmtes Prädikat zu geben, da die ideale Welt des Philosophen Gustafsson nicht immer die persönlich empfundene Realität des Einzelnen zeigt. Seine etwas eigenwillige Einstellung verhinderte bisher auch, dass er in bedeutende literarische Organe Schwedens gewählt wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

15 maj 2013

Christopher Ekeblad und die religiöse Poesie Schwedens

Christopher Ekeblad, oft auch Christoffer geschrieben, wurde am 16. Mai 1592 als Sohn des Rittmeisters Johan Andersson Ekeblad und dessen Frau Anna Christophersdotter auf dem Gut Stola bei Skaraborg geboren und starb am 28. März 1664 im Alter von 71 Jahren ebenfalls auf seinem Gut. Ekeblad war ab 1622 mit Brita Uggla verheiratet.

Aus der Jugend von Christopher Ekeblad ist nur wenig bekannt. Nach seiner Autobiografie wurde er jedoch von Nils Classon Bielke auf Pennungby, in Kalmar und in Norrköping erzogen, wobei er auch in den Dienst Bielkes trat bis dieser beim König in Ungnade fiel. Da Ekeblad für den Militärdienst ausgebildet war, ließ er sich 1605, im Alter von gerade einmal 13 Jahren, von Herzog Karl anwerben, dem er zu den Kämpfen nach Livland folgte. Als Herzog Karl König wurde, schickte dieser Ekeblad zu seinem Schwager, Herzog Johann Friedrich von Holstein, nach Bremen, wo er nicht nur weiter für den Kriegsdienst ausgebildet wurde, sondern auch die deutsche und die lateinische Sprache lernte, was ihm während des 30-jährigen Krieges zu Gute kam.


Foto eines Ölgemäldes, Schwedisches Reichsarchiv, SPA
 
Aber auch wenn Christopher Ekeblad bis 1655 dem König diente und die letzten Jahre Regimentschef in Göteborg war, so war er nie eine herausragender Stratege oder Kämpfer, da seine Interessen in der Ahnenforschung, der Poesie und vor allem der Religion lagen. Ekeblad gehörte zu jenen Schriftstellern und Übersetzern, die zu ihrer Zeit das Christentum als das wichtigste Gut sahen und daher nur im christlichen Sinne schrieben.

Seine religiöse Neigung gewann Christopher Ekeblad vermutlich während seines sechsjährigen Aufenthalts in Deutschland, da sein Erzieher Johann Friedrich von Holstein auch Erzbischof des Bistums Bremen war. Bei den überlieferten Aufzeichnungen Ekeblads zeichnet sich dieser sehr früh als ausgezeichneter Bibelkenner aus, was darauf schließen lässt, dass er in Bremen eine intensive Bibelforschung unter Anleitung des Bischofs betrieb.

Bereits im Jahre 1620 stellte Christopher Ekeblad dann sein erstes Gebetbuch zusammen, das sich bis 1644 zum Catechismus Biblia seu manuale militis christiani entwickelte, einem Gebetbuch für Soldaten, das 1644 in Leipzig gedruckt wurde. Wie stark dieses Werk verbreitet war und welche Bedeutung es hatte ist jedoch unbekannt.

Die Einflüsse für seine Gedichte mit religiösen Motiven fand Christopher Ekeblad ebenfalls in Gebetbüchern und der Bibel, wobei er mindestens sechs Gebetbücher jener Epoche in Deutschland erworben hatte um drei davon ins Schwedische zu übersetzen, unter anderem das Manuale militantium von Sigismund Scherertz mit dem er die Soldaten auf den vorausgesagten Weltuntergang im Jahre 1670 vorbereiten wollte.

Da nur sehr wenige Werke von Christopher Ekeblad erhalten sind, vor allem sein Fader wår kiär, das 1643 in Frankfurt an der Oder gedruckt wurde, ist der Einfluss, den Ekeblad auf die Literatur seiner Zeit ausübte, schwer einzuschätzen. Sicher scheint jedoch zu sein, dass der Autor nicht unbedingt dem Dogma der Kirche folgte, sondern zur Mystik neigte und vom baldigen Untergang der Welt überzeugt war. Das Heil war daher nur durch ein frommes Leben und das Gebet zu finden.

Die Religiosität von Christopher Ekeblad erreichte nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1651 den Höhepunkt, was sich auch dadurch ausdrückte, dass er ab dieser Zeit  immer mehr Zeit auf seinem Gut Stola verbrachte und sich dort mit historischen Forschungen und Ahnenforschung beschäftigte. Außer seinen eigenen Anschaffungen an Büchern und Dokumenten, befand sich auch die gesamte Sammlung seiner Vorgänger dort, da die Mutter, die 1648 gestorben war, das Gut als Morgengabe erhalten hatte und entweder selbst umfangreiches Material sammelte oder sich dieses bereits in der Bibliothek des Gutes befand.

Obwohl man durch zeitgenössische Aufzeichnungen weiß, dass Christopher Ekeblad zahlreiche christlichen Texte übersetzte sowie zahlreiche eigene Texte und Gedichte schrieb, gingen nahezu alle seine Aufzeichnungen verloren und nur einige Gedichte, einzelne Übersetzungen und einige Psalmen können ihm noch heute eindeutig zugeordnet werden. Das Besondere seines Schaffens war jedoch, dass Ekeblad nicht der gebildeten geistlichen Linie entstammte, sondern ein Kriegsherr war, der dadurch eine weitaus freiere Einstellung zu Religion und Poesie hatte als die religiöse Schicht. Ekeblad wollte nie die klassische Lehre der damaligen Kirche verbreiten, sondern einen Glauben wie er ihn sah und fühlte. In gewisser Weise war Ekeblad daher einer der ersten Schriftsteller des Volkes, auch wenn er rangmäßig über dem Volk stand, nicht jedoch dem Kirchenstand angehörte.

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