13 oktober 2012

Ernst Didring und die schwedische Gesellschaft gegen 1900

Ernst Didring wurde am 18. Oktober 1868 in Stockholm als Sohn des Lithographen Anders Gustav Andersson und Juliana Maria Hellberg geboren und starb in der schwedischen Hauptstadt am 13. Oktober 1931 im Alter von 62 Jahren. Didring war seit 1899 mit der dänischen Künstlerin Jeanne Rye verheiratet.

Aus finanziellen Gründen musste Ernst Didring vorzeitig von der Schule abgehen und ab 1884 begann er als Schreiber bei der schwedischen Eisenbahn SJ (Statens Järnvägar), wo er im Laufe der Jahre zum Buchhalter aufstieg und langsam der Chefetage näher kam. Im Jahre 1914 gab er diese Tätigkeit jedoch ganz auf um sich der Schriftstellerei zu widmen.


Bereits 1889 hatte Ernst Didring begonnen Theaterstücke zu schreiben, wobei allerdings sein erstes Werk, Ahasverus, abgelehnt wurde. Auch seine nächsten Stücke wie Midnattssol im Jahre 1897 und Stigare-Mats im Jahre 1900 waren nicht unbedingt die größten Erfolge, aber die Stücke waren so einmalig, dass sie von der Kritik aufgenommen wurden und positiv bewertet wurden. Midnattssol war vermutlich das erste Theaterstück Schwedens, das den Kampf der Sami ums Überleben auf die Bühne brachte und Stigare Mats schilderte den Konflikt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern in den nordschwedischen Gruben.

Ernst Didring schreibt in den Folgejahren zahlreiche Dramen, die alle gemeinsam haben, dass sie die Warte des Arbeiters und des Ausgebeuteten beleuchten und eine Stärke zeigen, die auch die Arbeiterschicht ins Theater lockt. Der Autor hinterlässt mit diesen Dramen ein bedeutendes Stück schwedischer Geschichte.

Als Ernst Didring dann zwischen 1914 und 1919 seine Romantrilogie Malm veröffentlicht, bleibt er seinem Thema treu und wird damit der wichtigste Repräsentant der schwedischen Arbeiterliteratur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine Romane lassen den Leser das schwedische Leben von vor über 100 Jahren miterleben und man findet Hinweise, die zeigen, dass sich manches bis heute nicht wirklich geändert hat.

Als literarischen Höhepunkt Didrings kann man seine Trilogie Grålögan aus den Jahren 1925 bis 1927 betrachten, obwohl der Schriftsteller nach dem zweiten Weltkrieg nur noch wenige herausragende Werke schrieb und in gewisser Weise mit der Welt abgeschlossen hatte, deren Zukunft er nur noch schwarz sah. Mehrere seiner Werke waren auch abgelehnt worden, denn wer wollte schon ein Drama über Kriegsflüchtlinge sehen oder an den Ersten Weltkrieg mit der Hungersnot erinnert werden.

Grålögan erschien dann wie ein neuer Anfang Didrings, denn in dieser Trilogie schildert er das Leben auf den Stockholmer Schären mit einer beispiellosen Beobachtungsgabe. Der Schriftsteller schildert die dortigen Bewohner genau so wie sie sind, mit ihren täglichen Problemen, ihren Freuden und der Natur, die das tägliche Leben bestimmt. Manche Kritiker gehen bei dieser Trilogie so weit zu behaupten, dass es sich dabei um die besten drei Bücher handelt, die je über die Schären vor Stockholm geschrieben wurden.

Die Stärke des Schriftstellers Ernst Didring zeigt sich an den detailreichen Beschreibungen von Kleinigkeiten und seinem Einsatz für Menschlichkeit, die auf das Gefühl einer Zusammengehörigkeit baut. Für Didring ist es wichtig die sozialen Aspekte in seinen Romanen und Dramen einzubinden ohne zu übertreiben und damit die Wirklichkeit deutlich zu machen. Um den Leser oder den Besucher des Theaters zu fesseln, greift Ernst Didring auch zu ironischen Ansätzen, die jedoch die handelnden Personen persönlicher machen und das Geschehen nicht in einen schwarzen Hintergrund stellt.

Sein soziales Engagement zeigte Didring jedoch nicht nur in seinen Werken, sondern er engagierte sich während des Ersten Weltkriegs auch beim Roten Kreuz, wobei hier seine organisatorische Fähigkeit seine Bedeutung zeigte. Nach dem Ende des Weltkriegs bereiste Didring mit seiner Frau zwei Jahre lang Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz, die sich alle in einem desolaten Zustand befanden und vermutlich die negative Einstellung des Autors noch verstärkten.

Nach der Trilogie Grålögan kam im Jahre 1929 erschien von Ernst Didring nur noch ein einziges Werk von größerer Bedeutung, das Theaterstück Vilddjuret, in dem der Zuschauer zurück nach Lappland kehrt. Das Drama zeigt eines der kritischsten Bilder Nordschwedens, wobei sich hier das Leiden des Nordens mit jenem des Schriftstellers kreuzt.

Copyright: Herbert Kårlin

12 oktober 2012

Gösta Knutsson und Pelle Svanslös

Gösta Knutsson, der eigentlich Gösta Johansson hieß, wurde am 12. Oktober 1908 als Sohn des Großhändlers Karl Lars Knut Johansson und Julia Augusta Askerberg in Stockholm geboren und starb am 4. April 1973 in Uppsala. Knutsson („der Sohn Knuts“) gehört zu den Schriftstellern, deren schriftstellerische Karriere mehr auf einen Zufall baut als geplant war, denn dass er während seiner Kindheit Alice i underlandet (Alice's Adventures in Wonderland) verschlang und seine Familie immer wieder mit selbst gemachten Zeitungen beglückte, war sicher nicht die Ursache, dass er später zwölf extrem erfolgreiche und einige weniger erfolgreiche Kinderbücher schrieb.

Gösta Knutsson studierte nach seiner Hochschulreife, die er in Stockholm erlangte, in Uppsala an der humanistischen Fakultät und hatte des Ziel Lehrer oder Bibliothekar zu werden, ein Studium, das er 1931 mit guten Ergebnissen abschloss, allerdings bereits mit völlig anderen Berufsplänen.


Bereits während seines Studium war Gösta Knutsson mit der Welt des Rundfunks in Berührung gekommen und hatte sich am Studentensender in Uppsala engagiert. Nahezu logisch war dann, dass er anschliessend eine Karriere beim schwedischen Staatsfunk Sveriges Radio begann, wo er von 1936 bis 1969 als Programmchef arbeitete. Seine Stärke war der Fragesport, den er dort einführte. Sein Wunsch wer jedoch ein Kinderprogramm zu schaffen und dabei selbst vor dem Mikrofon zu sitzen.

Dieser Wunsch erfüllte sich dann 1937 als er begann selbst geschriebene Folgen der Katze Pelle Svanslös (Petter Schwanzlos) vorzulesen, der Katze ohne Schwanz. Die Sendung hatte unmittelbar Erfolg, so dass Gösta Knutsson diese Manuskripte in Buchform zusammenstellte. Bereits 1939 kam dann der erste von zwölf Bänden, die auch dem Rhythmus der jährlichen Radiosendungen entsprachen, heraus. In Buchform hatte die Katze hatte einen so großen Erfolg, dass sie in mehrere Sprachen übersetzt wurde und bis heute ein Bestseller und ein Klassiker unter Kinderbüchern ist.

Das Besondere an Pelle Svanslös ist allerdings, dass die Katze aus dem tatsächlichen Leben kommt und jede handelnde Figur aus dem Kreise des Autors stammt, denn in der Katze spiegelt sich der Schriftsteller selbst und Maja Gräddnos ist seine Frau Erna. Selbst die Katze ohne Schwanz kommt aus seiner Nachbarschaft, wobei die wirkliche Katze das Unglück hatte, dass ihr eine Ratte den Schwanz abgebissen hatte.

Wenn Erwachsene die zwölf Bücher über Pelle Svanslös in der richtigen Reihenfolge lesen und der tatsächlichen Jahreszahl zuordnen, so stellen sie fest, dass auch jede Handlung dem Zeitgeschehen angepasst ist, denn Gösta Knutsson spricht 1939 von der Einberufung, der Rationierung und anderen Ereignissen, die den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begleiteten. Jedes seiner Kinderbücher ist ein Stück unterhaltende Zeitgeschichte für Kinder.

Gösta Knutsson hatte beim Verfassen der Bücher über Pelle Svanslös allerdings auch an die Erwachsenen gedacht, die die Geschichten ihren Kindern vorlesen, denn dadurch konnten sie selbst überlegen wer sich wohl hinter welcher Figur verbirgt und sie konnten ihren Kindern, jeweils dem Alter angepasst, auch die Hintergründe der Geschichten näher bringen.

Pelle Svanslös war so erfolgreich, dass die ursprünglich für ein Radioprogramm geschriebenen Geschichten später als Bilderbücher, als Serienzeitschriften, als Schallplatten und selbst in Form von Filmen und im Theater verarbeitet wurden. Noch im Jahre 1997 wurde Pelle Svanslös auch die Hauptfigur des Weihnachtskalenders beim schwedischen Fernsehen.

Auch wenn man noch heute grundsätzlich an Pelle Svanslös denkt wenn man von Gösta Knutsson spricht, so sollte man dabei nicht vergessen, dass der Autor auch andere Kinderbücher schrieb, auch wenn diese nicht die gleichen Verkaufszahlen erreichten wie die Katze. Knutsson selbst bevorzugte unter seinen Büchern den Band Pigge Lunk, eine charmante Erzählung für Kinder, die von Helga Henschel bebildert wurde.

Die aktuellen Ausgaben von Pelle Svanslös (Petter Schwanzlos) enthalten nicht mehr die ursprünglichen Zeichnungen, da die Bände von Harald Sonesson neu bebildert wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

11 oktober 2012

Göran Rosenberg und die Freiheit der Juden

Göran Rosenberg wurde am 11. Oktober 1948 als Sohn von David und Hala Rosenberg in Södertälje geboren. Seine Eltern, die von Polen aus bereits unterwegs zum Konzentrationslager Auschwitz waren, blieben wie durch ein Wunder am Leben und wanderten nach dem Ende des Krieges nach Schweden aus. Auch wenn Göran Rosenberg erst im Frieden zur Welt kam, beschäftigt ihn noch heute die Vergangenheit seiner Eltern, was sich auch bedeutend auf seine literarischen Werke auswirkt.

Wie sehr viele gegenwärtige Autoren spricht Göran Rosenberg öffentlich wenig über seine Jugend, was in gewisser Weise den Zugang zum Autor erschwert, andererseits aber einen neutraleren Blick auf seine Werke lässt. Der Schriftsteller selbst beginnt seine Biographie mit seinem Studium an der Universität Stockholm, wo er Mathematik, Philosophie und Staatswissenschaft studierte, bevor er dann zwischen 1968 und 1970 die Hochschule für Journalismus besuchte.


In den 70er und 80er Jahren arbeitete Göran Rosenberg in der Presse sowie beim Rundfunk und Fernsehen. Er war Journalist, Korrespondent, Reporter, Programmchef und arbeitete in anderen Berufen, die mit Schreiben und Journalismus zusammenhängen. 1990 gründete Göran Rosenberg die Zeitschrift Moderna Tider, dessen Chefredakteur er bis 1999 blieb. Parallel dazu leitete er die Aktualitäten beim Fernsehkanal TV3 und war Kolumnist bei der Tageszeitung Dagens Nyheter. Seit 1999 ist er nun freier Journalist und Schriftsteller.

Im Jahre 1991 erschien das erste Buch von Göran Rosenberg, das den Titel Friare kan ingen vara: den amerikanska idén från revolution till Reagan trug. Das Werk, das seinen Titel nach dem Lied Tryggare kan ingen vara von Lina Sandell erhielt, wurde von der Kritik geradezu als Sensation gelobt und selbst in Amerika bezeichnete man es als das beste Buch zum Thema, das ein Europäer schreiben kann.

Das nächste Buch, das international Erfolg hatte, kam 1996 mit dem Titel Det förlorade landet, Israel en personlig historia, ein sehr persönliches Buch mit Essays zu einer ideellen politischen Geschichte Israels, dem gelobten Land. Schon der Titel sagt, dass sich der Inhalt nicht unbedingt verallgemeinern lassen kann, sondern dass es sich um eine persönliche Auseinandersetzung des Autors mit der Geschichte Israels handelt.

Die Bücher von Göran Rosenberg zeigen alle Erfolg, vielleicht gerade deswegen, weil sich der Autor persönlich mit den Themen auseinandersetzt, vielleicht aber auch, weil er immer den historischen Aspekt sucht und sich nur vorsichtig an die Gegenwart herantastet, was sicherlich eine bewusste Entscheidung des Schriftstellers ist, aber auch als Aufarbeitung einer Vergangenheit betrachtet werden kann.

Das bisher letzte Buch Göran Rosenbergs, Ett kort uppehåll på vägen till Auschwitz, ist die Geschichte seines Vaters, die der junge Rosenberg vermutlich immer wieder hörte und nicht vergessen kann, eine Art Biographie, die beim Erscheinen bereits in sechs Fremdsprachen übersetzt wurde, aber erstaunlicherweise auch nach fast sechs Monaten noch nicht ins Deutsche übertragen wurde.

Göran Rosenberg ist jedoch nicht nur als Schriftsteller und Journalist bereits zu hohen Ehren gekommen, denn auch seine beiden Dokumentarfilme Den svarta staden med det vita huset erhielt 1990 in Monte Carlo The Golden Nymph und Goethe och Ghetto wurde im Jahre 1996 mit dem Czech Crystal belohnt. Auch seine beiden Reisereportagen über die USA aus den Jahren 2004 und 2008, die er für den Fernsehkanals TV4 realisierte, wurden von den Kritikern sehr positiv aufgenommen.

Für seine Leistungen wurde Göran Rosenberg die Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg verliehen
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Copyright: Herbert Kårlin

10 oktober 2012

Per Olof Sundman und die Sehnsucht nach dem Norden

Per Olof Sundman wurde am 4. September 1922 in Vaxholm bei Stockholm geboren, verbrachte jedoch seine frühe Kindheit mit seiner Mutter beim Onkel, da der Vater bereits starb als Per Olof gerade einmal zwei Jahre alt war. 1927 zog die Familie dann jedoch nach Stockholm zurück, wo Per Olof Sundman seine Schulzeit begann, die jedoch in keinem Moment wirklich zufriedenstellend war, so dass Per Olof die Schule noch ohne Realschulreife verlassen musste.

Die Verbindung zum Onkel hatte für Per Olof Sundmans Zukunft allerdings die größte Bedeutung, denn dieser hatte ihn während seiner Jugend öfter mit auf seine Reisen durch Schweden genommen, was, nach Aussagen Sundmans, dem Schriftsteller die Liebe zu Nordschweden brachte, die er in nahezu allen seinen späteren Büchern ausdrückte.


Nach einiger Flucht von zu Hause und der Ableistung seiner Wehrpflicht verließ Per Olof Sundman im Jahre 1945 Stockholm in Richtung Norden, wo er verschiedenen Arbeiten nachging und erstmals zu schreiben begann. Als der Onkel 1946 starb, musste Sundman dann jedoch zurück nach Stockholm, wo er sich einige Jahre lang als Büroangestellter versuchte. Aber der Ruf in den Norden war stärker und schon 1949 ging er nach Jormlien im nördlichen Jämtland um dort eine Pension zu führen, eine Aktivität, die er bis 1963 beibehielt.

Im Jämtland begann dann auch die Karriere von Per Olof Sundman als Schriftsteller, die mit der Novellensammlung Jägarna im Jahre 1957 einsetzte, einem Buch das an Hand von Novellen mehrere Konfliktsituationen im Jämtland beschreibt. Nur drei Jahre später wird der Schriftsteller dann mit dem Roman Skytten in ganz Europa bekannt, einem Buch, das sich darum dreht, dass ein Kommunalpolitiker während der Elchjagd einen Menschen tötet. 1967 erscheint dann sein Bestseller, Ingenjör Andrées luftfärd, ein Buch, das ihm endgültig einen Platz in der literarischen Welt Schwedens bietet, ihm die besten Kritikern brachte und im Jahre 1982 von Jan Troell verfilmt wurde.

Per Olofs Drang zum Norden spürt man auch in den Büchern, die er zurück in Stockholm schrieb, denn 1980 nahm er an der Forschungsfahrt des Eisbrechers Ymer in die Arktis teil, was zur Reportage Ishav im Jahre 1982 führte, aber auch in seinen Reportagen über die Lofoten zum Ausdruck kommt.

Sprachlich wird Per Olof Sundman oft mit Ernest Hemingway verglichen, da er eine knappe und präzise Sprache benutzt, auf psychologische Motivationen verzichtet und den Landschaftsbeschreibungen eine wichtige Rolle innerhalb der Erzählung gibt. In dieser Hinsicht hat man oft The Old Man and the Sea mit Ingenjör Andrées luftfärd verglichen.

Gewisse Probleme verursachten dem Autor, der auf dem Stuhl Nummer sechs der Svenska Akademien saß und eine gewisse Rolle in der Stockholmer Politik spielte, als 1995 bekannt wurde, dass Per Olof Sundman in seiner Jugend aktives Mitglied der nazistischen Nordisk Ungdom war. Da sich Sundman sein Leben lang sehr stark für die nordische Mythologie interessierte und sein letzter Roman Berättelsen om Såm eine Modernisierung einer isländischen Sage war, wurden von einigen Kritikern anschließend alle seine Werke unter einem nationalistischem Aspekt betrachtet. Da Per Olof Sundman selbst keinerlei Aussagen zu diesem Thema machte, bleibt diese Diskussion allerdings offen, führte jedoch zu einem Rückgang des Verkaufs der Bücher.

Per Olof Sundman war zweimal verheiratet. Im Jahre 1948 heiratete er Ulla Britt Sundman mit der er zwei Söhne bekam und 1975 heiratete der Schriftsteller, der sich um diese Zeit immer mehr für die Politik interessierte, Anna Karin Sundman, die Tochter des bekannten Runenforschers Sven B. F. Jansson, mit der er ebenfalls zwei Söhne bekam. Per Olof Sundman starb am 9. Oktober 1992 in Stockholm.

Copyright: Herbert Kårlin

9 oktober 2012

Dagmar Lange wird zu Krimiautorin Maria Lang

Dagmar Lange wurde am 31. März 1914 in Västerås geboren und starb am 9. Oktober 1991 in Nora, einem Ort, in dem auch zahlreiche ihrer Kriminalromane spielen. Da ihr Vater, der Redakteur in Västerås war, bereits starb als Dagmar Lange drei Jahre alt war, wuchs sie erst allein mit ihrer Mutter auf, die dann jedoch ein zweites Mal heiratete, so dass Dagmar zwei Stiefgeschwister bekam.

Dagmar Lange legte im Jahr 1933 die Hochschulreife ab und studierte anschließend an der Universität Stockholm Literaturwissenschaft, ein Studium, das sie 1946 mit einem Doktorat abschloss. Von 1948 bis 1974 arbeite Dagmar Lange an der Nya Elementarskolan für Mädchen in Stockholm, wobei sie auch in der Schule wohnte.


Gleichzeitig als Dagmar Lange in der Schule zu arbeiten begann, begann sie auch Kriminalromane zu schreiben, allerdings nicht unter ihrem wahren Namen, denn während sie für die Schülerinnen Dagmar Lange blieb, wurde sie für die Liebhaber von Kriminalromanen Maria Lang. Und bereits 1949 erschien dann ihr erster Krimi mit dem Titel Mördaren ljuger inte ensam unter dem Pseudonym Maria Lang.

Dieser erste Kriminalroman der Autorin erregte bedeutendes Aufsehen, da sich die Lösung des Mordes hinter einem heimlichen lesbischen Verhältnis verbarg, das im Rahmen des Buches einen bedeutenden Platz einnahm und für die Zeit geradezu eine Provokation war, da Homosexualität gerade einmal seit fünf Jahren erlaubt war, aber immer noch als psychische Krankheit eingestuft wurde.

Ab diesem Jahr schrieb Maria Lang jedes Jahr einen Kriminalroman, wobei die Morde sehr häufig sexuelle Motive hatten oder zumindest in einer intimen Beziehung von zwei Personen zu suchen sind. Die Handlungen, die, mit einer einzigen Ausnahme, immer vom intellektuellen Detektiv Christer Wijk gelöst werden, zeigen sich grundsätzlich logisch und sind geradlinig konstruiert.

Maria Lang schrieb insgesamt 42 Kriminalromane, eine Novellensammlung,  eine Autobiografie und vier Jugendbücher, also sechs Werke in denen Christer Wijk nicht vorkommt. Die Handlungen sehr vieler ihrer Bücher spielen in der erfundenen Stadt Skoga, die jedoch nichts anderes als ein Synonym für Nora in Bergslagen ist, dem Ort, in dem sie auch von 1979 bis zu ihrem Tod im Jahre 1991 lebte.

Während Maria Lang in ihren ersten Büchern Nora noch verformte, ging sie sehr bald darauf über echte Straßen zu nennen, den Ort  und gewisse Häuser zu beschreiben und selbst echte Personen aus Nora mit in die Krimis einfließen zu lassen, was auch dazu führte, dass noch heute Krimiwanderungen Maria Lang in Nora angeboten werden.

Maria Lang war von 1971, dem Gründungsjahr der Kriminalakademie, bis 1973 im Rat der Svenska Deckarakademin, die sie jedoch aus internen Gründen freiwillig verließ.

In Nora war Maria Lang wegen ihren langen nächtlichen Spaziergängen bekannt, die sie auf der Suche nach Material durch die Straßen der Kleinstadt führten und ihr dabei halfen der Stadt in ihren Büchern einen persönlichen Charakter zu geben.

Copyright: Herbert Kårlin

8 oktober 2012

Lars Jansson und die Familie Mumintroll

Lars Jansson wurde am 8. Oktober 1926 im finnischen Helsingfors (Helsinki) in einer Künstlerfamilie geboren, denn der Vater, Viktor Jansson, war Bildhauer und die Mutter, Signe Hammasten-Jansson, arbeitete als Illustratorin. Lars Jansson starb am 31. Juli 2000 in Helsinki.

Obwohl Lars Jansson heute fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Familie Mumintroll genannt wird, an der er ab 1961 mit seiner Schwester Tove Jansson arbeitete, die den Troll bereits 1945 geschaffen hatte, so hatte  der Autor  um diese Zeit bereits zwei Kinderbücher, vier Romane, einen Band mit Novellen und ein Lehrbuch zur englischen Handelskorrespondenz veröffentlicht. Sein erstes Buch erschien im Jahre 1941und hatte den Titel Skatten på Tortuga. Aber auch nachdem er bereits die Texte für Mumintroll zu schreiben begann, arbeitete Lars Jansson weiterhin als Schriftsteller, denn noch 1967 kam sein Kriminalroman Fem tusen pund auf den Markt. Leider verblassten alle seine Werke durch den Erfolg, die die Familie Mumintroll rund um die Welt errang.


Dass Lars Jansson mit seinen Werken keinen bedeutenden Platz in der schwedischen Literaturgeschichte erhielt, liegt allerdings auch an seiner Herkunft, denn als finnisch-schwedischer Autor, dessen Werke in Finnland veröffentlicht wurden, wenn auch in schwedischer Sprache, erschwerte ihm den Zugang nach Schweden, obwohl er für die schwedischsprachige Schicht Finnlands eine wichtige Rolle spielte. Noch heute wird Lars Jansson in Finnland mehr Platz in der Literaturgeschichte gewidmet als in Schweden.

Als Tove Jansson ab 1958 die Arbeit mit der Familie Mumintroll kaum noch schaffen konnte, begannen sich die Geschwister die Arbeit zu teilen und Lars begann sämtliche Texte zu schreiben und als 1961 Toves Vertrag mit Associated Newspapers endete, begann er die Trolle auch zu zeichnen und übernahm den Vertrag mit Associated Newspapers. Die Arbeit an Mumintroll wurde für die Geschwister so intensiv, dass Lars Jansson immer mehr Arbeiten übernehmen musste und dadurch immer weniger Zeit für literarische Werke blieb. Der Schriftsteller hatte sich zum Fachmann für Mumintroll entwickelt. Als Tove Jansson ab 1970 die Arbeit an den Trollen aufgab um sich der Literatur zuzuwenden, übernahm Lars Jansson nicht nur die Familie Mumintroll, die er bis 1975 weiterleben ließ, sondern es kam die Arbeit an den Zeichentrickserien hinzu, er handelte Lizenzen aus und wurde künstlerischer Berater für jede Art von Veröffentlichung der Familie Mumintroll, so dass Lars Jansson ab den 70er Jahren seine andere schriftstellerische Tätigkeit ganz aufgeben musste.

Copyright: Herbert Kårlin

7 oktober 2012

Gunnar Brusewitz, Naturerlebnisse in Wort und Bild

Am 7. Oktober 1924 wurde Gunnar Brusewitz als Sohn des Sekretärs Per-Emil Brusewitz und seiner Frau Fanny Andersson in Ekerö am Mälaren geboren. Der Schriftsteller starb am 10. Juli 2004 in Rimbo bei Norrtälje.

Bereits mit sechs Jahren kam Gunnar Brusewitz in eine Internatschule, wo er sich weniger mit anderen Schülern beschäftigte als vielmehr seine Liebe zur Natur und zum Zeichnen entdeckte, zwei Dinge, die ihn sein Leben lang nicht mehr verlassen sollten, auch wenn die Liebe zur Natur eventuell als Ersatz für ein normales Familienleben betrachtet werden muss.


Zwischen 1941 und 1945 studierte Gunnar Brusewitz an der Lena Börjessons skulpturskola und der Signe Barths målarskola in Stockholm Skulptur, Malerei und Grafik, eine Studium, das er 1949 an der Königlichen Akademie für freie Künste fortsetzte. Anschließend begann der Künstler für die Stockholms-Tidningen, das Svenska Dagbladet und die Upsala Nya Tidning zu arbeiten, sowohl als Zeichner als auch als Journalist.

Obwohl Gunnar Brusewitz in erster Linie als darstellender Künstler ausgebildet war, veröffentlichte er sein erstes Buch Jägarsång bereits 1950, das er natürlich auch gleichzeitig bebilderte. Dieses Werk sollte das erste von über 50 Büchern werden, die überwiegend Reiseschilderung sind oder in irgendeiner Weise eine Beziehung zur Natur haben. Der Schriftsteller hat in diesen Büchern durch die Verbindung von Worten und eigenen Bildern eine außerordentliche Nähe zur Natur und zu Naturbeobachtungen geschaffen, die unzähligen Schweden dabei geholfen haben die Umwelt mit neuen Augen zu betrachten und die schwedische Tier- und Pflanzenwelt zu entdecken.

Das Gefühl für die Natur in seinen Zeichnungen brachte Gunnar Brusewitz allerdings mehr Aufträge als malender Naturkenner als als Autor, denn er wurde gebeten Carl von Linnés Landskapsresor zu bebildern, ebenso wie einige Werke von Frans G. Bengtsson. Er illustrierte Briefmarken, sprach im Fernsehen über Naturerlebnisse und realisierte einige Naturfilme. Da er tausende von Bildern malte, die man heute zum Teil auch in einigen der größten Museen der Welt betrachten kann, muss man sich fragen, wo Brusewitz die Zeit fand selbst noch so zahlreiche Bücher zu schreiben, da er im Durchschnitt jedes Jahr ein neues Buch vorlegte.

Eines seiner bekanntesten Reisebücher gab Gunnar Brusewitz nach seiner Polarreise mit dem Forschungsschiff Ymer heraus, denn in Arktisk sommar findet man alle Eindrücke einer einzigartigen Natur, die Brusewitz als Expeditionsleiter sammeln konnte. Die persönlichen Illustrationen machen das Werk zu einem individuellen Erlebnis, das man mit Hilfe der Fotografie kaum erreichen kann, da man bei einer Illustration keine Sekundenaufnahme macht, sondern aus der Erinnerung eine einzigartige Aufnahme schaffen kann.

Mit 70 Jahren begann Gunnar Brusewitz dann seine Memoiren zu schreiben, die dem Leser in drei Bänden seine ganze Lebensgeschichte näherbringen. 1994 erschien Vågens bar, 1996 Den otåliga pennan und 1998 schloss er die Serie mit Upptecknat och nedskrivet ab.

Copyright: Herbert Kårlin