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4 juli 2013

Stieg Trenter und der Kriminalroman mit Stockholmer Milieu

Stieg Trenter, ursprünglich Stig Ivar Johansson, wurde am 14. August 1914 als Sohn des Kaufmanns Ivar Johansson und dessen Frau Ingegerd Leavander in Stockholm geboren und starb im Alter von 52 Jahren ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Trenter war in erster Ehe mit Gunnel Pehrsson verheiratet und ab 1960 in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Ulla Trenter.

Seine Kindheit verbrachte Stieg Trenter in Farsta, im Süden Stockholms. Nach dem Besuch der Realschule Nya Elementar im Jahre 1931 entschied sich Trenter bei der Luftwaffe in Västerås zu engagieren, begann jedoch gleichzeitig Erzählungen für die Zeitschirft Lektyr zu schreiben. Als der Schriftsteller 1934 seinen Abschied von der Luftwaffe nahm, begann er erst für das Morgonbladet als Kriegsreporter zu arbeiten. Zwei Jahre später kehrte Trenter nach Stockholm zurück und begann für die Stockholms-Tidningen zu arbeiten, wechselte bald zu LIV und ab 1940 wurde er Reporter bei Allers.

Stieg Trenter, Tragiskt telegram, 7. Auflage, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, 1985

Die literarische Karriere von Stig Johansson begann im Jahre 1943 mit dem Kriminalroman Ingen kan hejda döden, den er bereits unter seinem ab dem Jahre 1936 angenommenen „Pseudonym“ Stieg Trenter veröffentlichte, einem Namen, den er aus einem Kriminalroman von Edmund Clerihew Bentley übernommen hatte und letztendlich auch als seinen richtigen Namen eintragen ließ. Ursprünglich hatte der Autor den Namen Stieg Trenter nur als Pseudonym bei seinen Presseartikel verwendet.

Bereits ein Jahr später erschien der nächste Roman von Stieg Trenter, wobei er in diesem Kriminalroman seine Hauptfigur einführte, den Fotografen und Amateurdetektiv Harry Friberg, der bald auch von Kriminalpolizisten Vesper Johnson begleitet wird, und anschließend in nahezu allen Kriminalromanen des Schriftstellers auftaucht.

Die Kriminalromane von Stieg Trenter zeichnen sich insbesondere durch die beeindruckenden Beschreibungen Stockholms aus, einer Eigenschaft, die man auch in den Krimis von Maria Lang, Maj Sjöwall/Per Wahlöö und Hans-Krister Rönblom finden kann. Diese Schilderungen verhalfen Stockholm in weitem Masse zu seinem Ruf und zeigen deutlich das Bild der schwedischen Hauptstadt zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Trenter ist vermutlich derjenige Kriminalautor, der am tiefsten in die Seele der schwedischen Hauptstadt einstieg, obwohl er mit seiner Familie mehrere Jahre lang in Italien lebte.

Die ersten 22 seiner Kriminalromane schrieb Stieg Trenter allein, die folgenden gemeinsam mit seiner Frau Ulla Trenter, und sein letzter Roman Rosenkavaljeren wurde von seiner Frau beendet, die anschließend die Serie fortsetzte, ihr allerdings einen eigenen Stempel verlieh, was ihr die Fans von Stieg Trenter teilweise übel nahmen.

Stieg Trenter schuf mit Harry Friberg einen Detektiv, der im Grunde einen Fall gar nicht lösen kann und deswegen sehr oft in Schwierigkeiten gerät. Friberg ist weder ein schneller Denker, noch ein Übermensch, sondern wird nur von seiner Neugierde geleitet, was natürlich dazu führt, dass er ständig in neue Mordfälle hineinschlittert. Deswegen benötigt Friberg auch seinen „Helfer“, den Kriminalpolizisten Vesper Johnson, der letztendlich die rettenden Ideen hat. Als Team sind die beiden unschlagbar.

Wenn man heute von den klassischen Kriminalromanen Schwedens spricht, die ab den 60er Jahren nicht nur in Schweden Erfolg hatten, sondern zu einer Gattung an Exportromanen wurden, so gehört Stieg Trenter grundsätzlich zu den vier großen Namen der literarischen Kriminalgeschichte und wird in einem Zug mit Maria Lang, Hans-Krister Rönblom und Vic Sunesson genannt, die heute alle zu den Klassikern des schwedischen Kriminalromans gehören.

Die Bedeutung von Stieg Trenter innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte zeigt sich auch darin, dass mehrere seiner Kriminalromane als Vorlage für Fernsehfilme dienten, einige der Bücher in jüngster Zeit als Serienalben erschienen und nun alle beim Albert Bonniers Förlag als e-Bücher erscheinen, von Ausgaben als Hörbüchern ganz abgesehen.

Stieg Trenter, der Träger des Sherlockpriset der Abendzeitung Expressen ist, wird mit seinen Schilderungen Stockholms sehr oft mit Sherlock Holmes und James Joyce verglichen, da er mit Friberg auf gleiche Weise ein Bild Stockholms schuf wie Holmes und Watson London entstehen ließen und Ulysses vor den Augen des Lesers Dublin lebendig macht.

Mehrere Personen, die Stieg Trenter in seinen Romanen verewigte, wurden von ihm aus der Realität gegriffen unter denen einige sehr deutlich wiedererkannt werden. Auch wenn viele der Gebäude, die man in den Romanen des Autors im heutigen Stockholm nicht mehr finden kann, ist es nach wie vor ein Abenteuer seinen Spuren in der schwedischen Hauptstadt zu folgen. Trenter starb nach einer längeren Krankheit und wurde im Skogskyrkogården in Stockholm beerdigt.

Copyright: Herbert Kårlin

22 juni 2013

Per Wahlöö und der politische Kriminalroman Schwedens

Per Wahlöö wurde am 5. August 1926 als Sohn des Journalisten Waldemar Wahlöö und dessen Frau Karin Svensson in Tölö im Halland geboren und starb am 22. Juni 1975 im Alter von 48 Jahren in Malmö. Wahlöö war von 1954 bis 1957 mit der Pressefotografin Inger Barbro Andersson verheiratet und zwischen 1957 und 1968 mit Sylvia Maria Elisabet Nilsson, lebte jedoch am 1963 mit der Journalistin Maj Sjöwall zusammen.

Seine ersten zwei Lebensjahre verbrachte Per Wahlöö in Göteborg, wuchs dann jedoch in Lund auf, wo sein Vater als Journalist arbeitete. Das Elternhaus war gut bürgerlich, wobei die Familie vor allem in antinazistischen Künstlerkreisen verkehrte, was sicher auch seine Spuren bei Wahlöö hinterlassen hat.

Sjöwall - Wahlöö, Den skrattande polisen, Piratförlaget, Stockholm, 2012, Titel: Dan Jonsson

Der Schulbesuch von Per Wahlöö war problematisch, da die Mehrheit der Lehrer der Katedralskolan in Lund extrem rechts eingestellt war und der spätere Journalist und Schriftsteller seinen Mund nicht halten konnte. Sehr bald war er daher gezwungen von dieser Schule in eine Privatschule zu wechseln in der die Probleme etwas gemindert waren, ihn aber, trotz guter Noten, nicht davon schützten, dass er die mündliche Abschlussprüfung nicht bestand und im Dezember 1947, sechs Monate später, nachmachen musste.

Bereits im Sommer 1947 begann Per Wahlöö, auf Vermittlung seines Vaters, ein Praktikum bei der Tageszeitung Sydsvenskan, wo er anschließend als Korrektor eingestellt wurde. Im Jahre 1949 begann er freiberuflich bei der Kvällsposten, die ihn im Folgejahr als fest angestellten Reporter übernahm. Zwischen 1953 und 1959 arbeitete Wahlöö wieder freiberuflich und im Sommer 1959 zog er mit seiner damaligen Frau Sylvia nach Stockholm und begann bei der Veckorevyn zu arbeiten.

Ab 1959 begann Per Wahlöö auch schriftstellerisch zu arbeiten, auch wenn die ersten sechs Bücher sehr wenig Erfolg hatten und das letzte Buch dieser Reihe bereits ein Thriller war, den er schrieb als er bereits mit Maj Sjöwall zusammenlebte und als Vorläufer der gemeinsamen zehnbändigen Reihe mit Kommissar Martin Beck zu sehen ist.

Ab 1965 erschienen von Per Wahlöö, außer zwei eigenen Romanen und einigen Filmmanuskripten, nur noch die Kriminalromane, die eine Kollaboration des Paares Sjöwall-Wahlöö waren und als Erneuerung des schwedischen Kriminalromans betrachtet werden, obwohl man mit dieser Aussage sehr vorsichtig umgehen muss, denn der Einfluss von Per Wahlöö und seiner Partnerin erstreckt sich nur auf den Teil der Dramaturgie der Handlungen und nicht deren politische Aussage.

Für Per Wahlöö und Maj Sjöwall, die beide Marxisten waren, war das Schreiben der Kriminalromane ein Mittel um auf unterhaltsame Weise eine politische Botschaft zu vermitteln, selbst wenn dies der Leser auf den ersten Blick nicht immer erfasst. Schon bei der Verfilmungen ließ man diese Botschaft zur Seite um den schwedischen Krimi zu einem neutralen Vorbild einer neuen Krimigeneration zu machen.

Das Paar Sjöwall-Wahlöö vorbereitete eine Reihe, die aus weitaus mehr als den zehn vorhandenen Kriminalromanen bestehen sollte, sehr intensiv und benutze die ersten drei Bände vor allem um die Charaktere darzustellen ohne die Handlungen in der Tiefe auszuarbeiten, da dies erst in den folgenden Bänden geschieht. Die beiden planten ebenfalls die politische Aussage und die Kritik an der Sozialdemokratie im Hintergrund ablaufen zu lassen, damit der Leser in erster Linie einen Krimi liest und ganz nebenbei ein etwas manipuliertes Bild Schwedens geboten bekommt. Diese Konzeption war auch das Problem, warum die Reihe lange benötigte um wirklich zum Erfolg zu werden, denn es mussten Leser entstehen, die die marxistischen Züge nicht unmittelbar erfassen konnten.

Per Wahlöö und Maj Sjöwall schrieben die zehn Kriminalromane mit Kommissar Martin Beck nahezu alle nachts, wenn ihre Kinder schliefen, wobei jeder auf einer Seite des Tisches arbeitete und die fertigen Teile immer dem Partner gab, der den Text ins Reine schrieb. Durch diese Art der Arbeit konnte ein gemeinsamer Faden entstehen. In diesen Teilen findet man auch kleine Nachrichten versteckt, die nur an den Partner gerichtet waren und vom Leser kaum entdeckt werden können.

Wer den Kriminalroman Polismördaren aus dem Jahre 1974 liest, stellt allerdings auch fest, dass Per Wahlöö und Maj Sjöwall bei der Darstellung des Verfalls des schwedischen Systems kaum Grenzen kannten und bei der Symbolisierung zu mehreren rassistischen Vorurteilen griffen, denn sie schrieben in diesem Buch von einem ungepflegten Arzt, der das Hemd bis zum Nabel offen hatte und einen Fehler hatte, dass er nämlich aus Afghanistan kam. Kaum ein Leser, und sicher keiner außerhalb Schwedens, erkennt dabei das Symbol der schlechten ärztlichen Versorgung und versteht, dass das aufgeknöpfte Hemd die mangelnde Hygiene in Ärztehäusern symbolisieren soll.

Als Ironie kann man es fast bezeichnen, dass Per Wahlöö und Maj Sjöwall die ersten nicht englischsprachigen Autoren waren, die für ihre Krimis den weltweit erstrebten Edgar Award for Best Mystery erhielten, eine Auszeichnung, die sie auf Grund der Verfilmungen erhielten, die jedoch kaum etwas mit den Büchern gemeinsam haben, da die amerikanischen Versionen nicht ein Wort der politischen Botschaft übernommen haben, die den beiden Autoren sehr wichtig waren.

Die Leistungen von Per Wahlöö und Maj Sjöwalls in der Geschichte des schwedischen Kriminalromans sind sehr bedeutend, da sie die Gesellschaftskritik im Krimi einführten und mit ihren Kriminalromanen sehr viele Autoren in allen Ländern beeinflussten, aber es ist dennoch bedauerlich, dass durch die Verfilmungen die wirkliche Bedeutung der Bücher vollkommen in den Hintergrund gedrängt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

21 juni 2013

Hans-Krister Rönblom, ein Pionier des schwedischen Kriminalromans

Hans-Krister Rönblom wurde am 22. Juni 1901 als Sohn des Majors Karl Zacharias Rönblom und dessen Frau Astrid Eidem-Andersson in Karlskrona geboren und starb am 4. Februar 1965 im Alter von 64 Jahren in Stockholm. Rönblom war in erster Ehe mit Rut Jenny Marianne Lsestadius verheiratet und, nach ihrem Tod, in zweiter Ehe mit Hertha Elisabet Nilsson.

Als einziges Kind des Ehepaares wuchs Hans-Krister Rönblom in einem bürgerlichen Heim auf und machte im Mai 1918 auf Östermalm in Stockholm die Hochschulreife. Noch im gleichen Jahr schrieb sich der Schriftsteller auch an der Universität Uppsala ein. Später wechselte Rönblom zur Universität Stockholm über, wo er seine Studien mit einem Doktorat in Staatswissenschaft abschloss.

Hans-Krister Rönblom, Tala om rep, 3. Auflage, Norstedts Förlag, 1958, Titel: Tage Fredriksson

Nach Studienkollegen zeichnete sich Hans-Krister Rönblum weniger durch seine wissenschaftlichen Interessen und Leistungen aus, sondern durch seine gesellschaftlichen Aktivitäten, seinem Engagement im liberalen Studentenverband Verdani und anderen Vereinigungen. In diesen Jahren schrieb Rönblom auch das Lied Egeisk skärgårdsflirt, das nach heute jedes offizielle Essen der Stockholms Nation, dem Studentenverband der Stockholmer Studenten in Uppsala, gesungen wird und Teil des humoristischen Schauspiels Ariadnes tråd war.

Bis 1931 war Hans-Krister Rönblom, überwiegend als Redakteur, an der Universität in Uppsala beschäftigt, zwischen 1932 und 1944 arbeitete er als politischer Redakteur beim Västerbottens-kuriren, anschließend wurde er Herausgeber des Västernorrlands allehanda und von 1948 bis 1962 arbeitete er in der Redaktion der AB tidningen. Ab 1938 war der Schriftsteller und Journalist zudem politisch als Vertreter der schwedischen Volkspartei (Folkpartiet) aktiv, unter anderem in Umeå und in Härnösand. Parallel hierzu war Rönblom auch in der Bewegung der Antialkoholiker tätig.

Die literarische Aktivität von Hans-Krister Rönblom geht auf das Jahr 1954 zurück, als er den Kriminalroman Död bland de döda veröffentlichte in dem der Geschichtslehrer Paul Kennet erstmals nach einem Mörder sucht, eine Figur, die auch in den folgenden neun Kriminalromanen des Schriftstellers die Hauptfigur bleibt und der seine Tätigkeit nur aufgibt, weil der Autor des Werkes bereits mit 64 Jahren stirbt.

Hans-Krister Rönblom wird in der Regel als einer der vier Schriftsteller genannt, die den Kriminalroman in Schweden bekannt machten, wobei er unter der Gruppe Maria Lang, Stieg Trenter, Vic Sunesson und Hans-Krister Rönblom der einzige ist, der mit seinem bürgerlichen Namen zu seinen Werken stand und keinen Pseudonym benutzte.

Die Kriminalromane von Hans-Krister Rönblom gehören zu den sogenannten Puzzlekrimis, wobei der Autor seine Handlungen überwiegend in das Kleinstadtmilieu Schwedens legt und dabei die Veränderung der Gesellschaft zeigt. Eines seiner typischen Zeichen ist auch, dass in jedem seiner Krimi eine Person ein Stück aus der Vergangenheit behalten will, da die gesellschaftlichen Veränderungen keinen Rücksicht auf Erinnerungen nehmen.

Im Gegensatz zu Lange und Trenter vermeidet Hans-Krister Rönblom das mondäne Großstadtleben in seinen Büchern und setzt seine Stärke in das schwedische Folkhemmet des „Normalmenschen“. Ein weiterer Unterschied ist dabei, dass die tatsächliche Handlung nahezu zur Nebensache wird, da der Geschichtslehrer Paul Kennet eher eine gemütliche, Pfeife rauchende Person ist und die Romane viel Humor des Alltagslebens beinhalten. Beeindruckend bei den zehn Kriminalromanen des Schriftstellers sind auch die Milieuschilderungen, die es dem Leser erlauben auch das Umfeld und die Einflüsse zu entdecken, die für die Handlungen eine Rolle spielen.

Nur wenige Monate nachdem Hans-Krister Rönbloms letzter Kriminalroman Mannen som höll sig undan veröffentlichte, erschien Roseanna von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, die dem schwedischen Kriminalroman eine komplette Wende geben sollten. Rönblom legte daher noch kurz vor seinem Tode den letzten klassischen schwedischen Krimi vor.

Auch wenn Hans-Krister Rönblom neben seinen zehn Kriminalromanen weitere vier politische Bücher schrieb, so träumte er von einem wirklichen Roman, den er bereits im Kopf hatte und über den er mit seinem Verleger gesprochen hatte. Durch den plötzlichen Tod des Schriftstellers kam es jedoch nicht mehr zu diesem Werk.

Der zweite Kriminalroman von Hans-Krister Rönblom, Höstvind och djupa vatten, der im Jahre 1955 erschien, wurde von der Jury der Svenska Deckarakademin unter die 50 besten schwedischen Krimis aller Zeit gewählt.

Copyright: Herbert Kårlin

10 maj 2013

Gösta Palmcrantz und die erotische Literatur Schwedens

Gösta Palmcrantz wurde am 19. April 1888 als Sohn des Postangestellten Per Eigil Folke Palmcrantz und dessen Frau Hilma Maria Borg in Umeå geboren und starb am 25. Mai 1978 in Stockholm. Palmcrantz war in erster Ehe mit Johanna Margareta Hagander, in zweiter Ehe mit Ebba Hjorth Hansen und in dritter Ehe mit Hertha Irene Rigmor Fredriksen verheiratet.

Nach seiner Schulzeit in Malmö machte Gösta Palmcrantz eine Ausbildung als Krankengymnast in Boston (USA), die er in Deutschland beendete, wo er auch einige Jahre in diesem Beruf aktiv war, bevor er zwischen 1910 und 1916 nach Frankreich und Dänemark ging um dort ebenfalls in seinem Beruf zu arbeiten. In der zweiten Hälfte des Ersten Weltkriegs war Palmcrantz sehr viel in Kopenhagen, wo er in Künstlerkreisen um Ulla Bjerne, Evert Taube und Adolf Hallman verkehrte.

Gösta Palmcrantz (Gösta Segercrantz), Delikat Uppdrag, Förlagsaktiebolaget Hansa, Stockholm, 1945, Titel: Moje Åslund

Seinen belletristischen Einstieg machte Gösta Palmcrantz im Jahre 1917 mit seinem Roman Mr. Patersons äventyr i Monte Carlo, dem bereits 1919 sein meistverkauftes Werk folgte, nämlich Ministerpresidentens väninna, das allein in Schweden bis zum Jahre 1946 in sechs Auflagen erschien. Allerdings erschienen diese Romane, wie die Mehrheit der Werke von Palmcrantz, unter dem Pseudonym Gösta Segercrantz.

Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen war Gösta Palmcrantz einer der meist gelesen Autoren Schwedens, die unermüdlich am schreiben waren, denn die meisten seiner knapp 30 Bücher wurden in dieser Epoche verlegt und so nebenbei schrieb Palmcrantz auch noch über 1000 Novellen, die in den verschiedenen Zeitschriften Schwedens veröffentlicht wurden.

Obwohl Gösta Palmcrantz auch einige sehr interessante Kriminalromane, zahlreiche Kriminalnovellen und einige populärgeschichtlichen Werke schrieb, so brachten ihm vor allem seine erotischen Abenteuerromane Erfolg, die so manches Mal auch Schlüsselromane waren bei denen der Autor nur die Namen erfand, nicht jedoch die Handlung. Seine Romane spielten fast alle in Bädern oder anderen Orten der gehobenen Gesellschaft, Orte, die auch der Schriftsteller mit seiner Familie bevorzugte, obwohl er sich dieses Luxusleben im Grund nicht leisten konnte.

Die Bücher von Gösta Palmcrantz waren im Zeitgeist geschrieben, wobei sie gewisse Parallelen mit den Werken von Frank Heller und Artur Möller zeigen, die zum einen die Dekadenz der Epoche behandeln, andererseits den Lesern Träume vermitteln und ihnen ein Stück Oberklasse bieten, das sie nie aus Nähe erleben können.

Gösta Palmcrantz war und ist für Literaturwissenschaftler eine etwas zweifelhafte Person, die man kaum erwähnt, da der Schriftsteller eine einfache Sprache wählte, aber auch sehr viel für die Boulevardpresse schrieb, Novellen, die man oft kaum als Literatur bezeichnen kann. Für Palmcrantz waren jedoch diese kurzen oberflächlichen Novellen unabhängig von seinem literarischen Schaffen. Diese Novellen waren notwendig, damit er seinen Lebensstandard und sein Leben als Bohemien in den reichsten Orten Europas halten konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verblasste der Stern von Gösta Palmcrantz, da die Schicht über die der Schriftsteller vorher geschrieben hatte, aus dem Blickfeld verschwand und die Leser andere Sorgen hatten als von erotischen Abenteuern an einem Kurort zu träumen. Selbst seine früheren Bestseller verschwanden aus den Regalen und da Palmcrantz keinerlei Ersparnisse hatte, war der Autor nun gezwungen ganz auf die das Schreiben von Novellen für die Presse überzugehen, eine Tätigkeit, der er bis in die 60er Jahre folgte. Um jedoch nicht mit dem Autor „Gösta Segercrantz“ in Verbindung gebracht zu werden, griff er in der Presse zu immer neuen Pseudonymen, deren gesamt Anzahl bis heute unbekannt ist, aber es handelte sich mit Sicherheit über mehr als 80 verschiedene Namen.

Obwohl die meisten der Bücher von Gösta Palmcrantz in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, da er einen sehr breiten Leserkreis ansprach und sowohl schwedische Kriminalromane als auch nordische erotische Literatur immer wieder auferstand, so blieb Palmcrantz nahezu vergessen. Einer der Gründe ist sicher, dass er von Verlagen nicht sehr geliebt wurde, denn der Autor war ein egozentrischer Playboy und er galt er als völlig unzuverlässig. Palmcrantz wurde deswegen verlegt, weil er immer gute Kritiken hatte und seine Verkaufsziffern immer über der Mehrheit der anderen Autoren des Landes lag. Sein Ruf hingegen ging auch in die Gegenwart über.

Ein weiteres Problem kann sein, dass Palmcrantz seine Verkaufserfolge vor allem dem erotischen Abenteuerroman verdankte in denen er den Hauptpersonen meist erfundene adelige Namen gab, was in der Zeiterscheinung lag und nach dem Zweiten Weltkrieg als Kitsch galt. Seine Kriminalromane und insbesondere seine Kriminalnovellen dagegen wurden immer als sekundär betrachtet, obwohl sie sich mit allen anderen Krimis dieser Epoche messen lassen.

Copyright: Herbert Kårlin

30 april 2013

Harald Johnsson, der Schriftsteller des Normalbürgers

Harald Johnsson wurde am 22. Juli 1886 als Sohn des Fabrikanten Olof Johnsson und dessen Frau Bengta Andersdotter in Östra Göinge in Skåne geboren und starb am 30. April 1936 in Stockholm. Johnsson war ab 1913 mit der Schriftstellerin Karin Johansson verheiratet.

Da sich bisher nur wenige Literaturwissenschaftler mit Harald Johnsson beschäftigt haben, ist über seine Kindheit und seine Jugend kaum etwas bekannt. Johnsson legte seine Hochschulreife im Jahre 1904 in Kristianstad ab und studierte anschließend von 1904 bis 1908 an der Universität Lund. Ab 1906 arbeitet er am Studentenkalender Nya Dagar mit, wobei die Gedichte und anderen kurzen Beiträge später auch als sein erstes Buch veröffentlicht werden.

Harald Johnsson, Svenska Stormän, Svenska Läratidnings förlag, 1935

Nach seinem Studium arbeitete Harald Johnsson  erst einige Jahre lang beim Lunds Dagblad, wechselte dann jedoch im Jahre 1910 mit seinem Umzug nach Stockholm zum Buchverlag Åhlen och Åkerlund bei dem er als literarischer Ratgeber arbeitete.

Während seines Studiums in Lund und die Zeit in der Harald Johnsson bei  Åhlen och Åkerlund beschäftigt war, entstand unter seiner Feder vor allem Lyrik, die starke Einflüsse von Vilhelm Ekelund, Ola Hansson und Anders Österling zeigen, auch wenn man in einem Teil seiner Lyrik persönliche Züge findet. Bevor sich der Autor jedoch in der Dichtung gefunden hat, gibt er die Lyrik auf, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass er kaum in literarischen Kreisen verkehrt und daher wenig Ansporn erhält.

Als Harald Johnsson 1913 als literarischer Ratgeber zum Verlag Dahlberg wechselt, wechselt der Autor auch seine literarische Richtung und beginnt Kriminalromane zu schreiben, die er unter dem Pseudonym Robinson Wilkins veröffentlicht. Ein Teil dieser Romane erscheint in Heftform, einige wenige in Buchform, die jedoch, obwohl sie Schnellprodukte waren, von einer verblüffenden Logik der Handlungen zeugen. Auch wenn der literarische Wert dieser Kriminalromane bis heute angezweifelt wird, lag Johnsson im Zeitstrom, denn er verkaufte über eine halbe Million Exemplare und jedes der Werke wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Seine beiden Hauptfiguren Fred Hellington und Carl Alexander Jönsson wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschätzte und allgemein bekannte Figuren.

Nach wenigen Jahren verließ jedoch Harald Johnsson auch die Welt der Kriminalromane wieder und er schrieb unter verschiedensten Pseudonymen Abenteuergeschichten, Liebesromane sowie Sagen und Kinderbücher, die beim Publikum sehr gut ankamen, aber von Kritikern unbeachtet blieben, da Unterhaltungsliteratur und einfachere Belletristik um diese Zeit nicht zur ehrenhaften Arbeit eines Schriftstellers gehörten.

In der letzten Phase seines Schaffens veröffentlichte Harald Johnsson vor allem historische „Räubergeschichten aus Skåne“ und populärwissenschaftliche, geschichtliche Romane und Biographien, die dem Leser die Vergangenheit Schwedens öffneten. Auch hier hatte er beim Publikum einen großen Erfolg, da das geschichtliche Interesse eine breite Leserschicht ansprach, aber nur die wenigsten unter ihnen die wissenschaftlichen Werke lesen konnten, sie sich aber auch nicht leisten konnten. Johnsson ließ gerade für diese Schicht die schwedische Vergangenheit von Ansgar und der Heiligen Birgitta bis zu Anführern von Aufständischen wieder auferstehen, eine Leistung, die jedoch von der etablierten literarischen Schicht kaum geschätzt wurde. Seine Leserschicht erstreckte sich dagegen von Jugendlichen bis zum höchsten Alter, da Johnsson es verstand Geschichte mit einfachen Worten zum Leben zu erwecken.

Harald Johnsson war mit seiner Prosa ein Schriftsteller der Alltagswelt, denn er schrieb über das Leben als Soldat, die Probleme der kleinen Leute, über Alkoholiker und Kleinkriminalität, die die Armut und die Unterdrückung mit sich bringen. Der Autor war dabei in der Lage durch Humor das Leben trotz der Probleme als lebenswert zu zeichnen. So manches Werk hat auch autobiographische Züge und Elemente, die der Schriftsteller aus Erzählungen holt, die er in seiner Kindheit hörte oder erlebte.

Eines der Probleme warum Harald Johnsson nicht als ernsthafter Schriftsteller anerkannt wurde, war, dass er sich immer auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellte und die Untergrundkämpfer Skånes als Helden im Kampf gegen die Übergriffe Schwedens darstellte. Johnsson wollte dabei lediglich eine andere Möglichkeit der Wahrheit aufzeigen, die jedoch gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell wenig willkommen war, da Schweden von der gehobenen Schicht immer noch als die Wiege der Welt und der Kultur gesehen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

29 mars 2013

Jan Broberg und der schwedische Kriminalroman

Jan Broberg wurde am 9. Dezember 1932 in Malmö geboren und starb am 29. März 2012 im Alter von 79 Jahren in Lund. Broberg war mit Britta verheiratet, die ihn überlebte und hat drei Kinder. Der Schriftsteller studierte ab 1951 an der Universität Lund nordische Geschichte und Literaturwissenschaft. Nach Abschluss seines Studiums war der Autor von 1958 bis 1997 Gymnasiallehrer für Geschichte und Schwedisch in Nässjö.

Mehr oder weniger durch Zufall geriet Jan Broberg bereits zu Beginn seines Studiums in der der Malmöer Stadtbibliothek an den Kriminalroman Murder for pleasure von Howard Haycraft, eine Lektüre, die sein Leben maßgeblich beeinflussen sollte, denn bis 1954 hatte der Student der Literaturwissenschaften sehr viele Kriminalromane gelesen und war der Meinung, dass der schwedische Kriminalroman zwar blühte, aber zu den schlechtesten weltweit gehörte.


Der Schriftsteller wollte diese Meinung nicht für sich behalten, sondern Jan Broberg entschloss sich einen Artikel darüber zu schreiben, den er der Kvällsposten anschließen anbot. Der Kulturchef der Zeitung akzeptierte nicht nur den Artikel, sondern Broberg wurde von ihm unmittelbar mit dem zukünftigen Kritiken von Kriminalromanen beauftragt, eine Arbeit, die er bis 1973 ausübte und an dem Tag beendete, als er statt Kriminalromanen auch ein Gartenbuch rezensieren sollte, da die Chefradaktion der Meinung war, dass ein Kritiker auch darüber Rezensionen schreiben sollte wovon er keine Ahnung hat.

Im Jahre 1971 wurde Jan Broberg die treibende Kraft bei der Gründung der Svenska Deckarakademin, die das Ziel hat dem schwedischen Kriminalroman zu einer anerkannten internationalen Literaturgattung zu verhelfen indem sie Autoren fördert, die sich durch herausragende Leistungen innerhalb des Kriminalromans auszeichnen. Indirekt bedeutet dies auch, dass diejenigen Kriminalautoren, der nie eine Auszeichnung der Akademie erhalten oder nie für einen Preis nominiert werden nur mittelmäßige bis schlechte Kriminalromane schreiben.

Auch wenn Jan Broberg im Laufe der Jahre eine bedeutende Anzahl an Sachbüchern geschrieben hat, so versuchte er sich nie an Belletristik und verfasste nicht einen einzigen Kriminalroman. Broberg begnügte sich mit Kritiken, er schrieb Vorworte zu rund 80 Büchern, überwiegend zu Kriminalromanen, und zeichnet für etwa 30 Anthologien, darunter 18 mit Kriminalnovellen. Hinzu kommen noch sieben Sachbücher des Autors zum Thema Kriminalroman.

Ab den 70er Jahren galt Jan Broberg bereits als der Fachmann des Kriminalromans, der auch den Nachwuchs in diesem Bereich sehr gut kannte und dabei viele schlechte Krimis las, aber nur literarisch bedeutende Werke auch direkt oder indirekt unterstützte. In diesem Rahmen wählte er auch für die Kriminalromanserie des Verlegers Åke Hallberg zwischen 1973 und 1982 insgesamt 64 Kriminalromane aus, die man als Liebhaber dieser literarischen Kategorie gelesen haben sollte und sich dabei nicht nur auf jene beschränken will, die in schwedischer Sprache erschienen.

Obwohl Jan Broberg sein Leben lang versuchte dem schwedischen Kriminalroman Prestige zu verleihen, so blieb seine allgemeine Kritik für viele schwedische Autoren ein Schlag ins Gesicht, denn nach dem Fachmann des schwedischen Kriminalromans sind die Mehrheit der Krimis, die in Schweden erscheinen, eine reine Katastrophe, da nahezu jeder Schwede glaubt einen Kriminalroman schreiben zu können und dann nur eine üble Intrige präsentiert, die vielleicht noch spannend sein kann, aber der jedes literarische Gefühl abgeht und nicht mehr bietet als ein Groschenheft in Buchform.

Jan Broberg, der ab Mitte der 70er Jahre neben seinem Beruf als Lehrer auch als Kritiker von Kriminalromanen für die Tageszeitung Sydsvenskan und die Zeitschrift Jury schrieb, hat sich natürlich nicht nur mit dem schwedischen Kriminalroman beschäftigt, sondern wusste auch was und welche Qualität in anderen Ländern produziert wurde. Diese Kenntnisse führten auch dazu, dass er von zahlreichen Verlagen und Filmgesellschaften als Ratgeber gefragt war und den Beinamen the walking encyclopedia of crime fiction erhielt. Broberg hat im schwedischen Raum keinen Nachfolger, auch wenn die Arbeit der Deckarakademin weiterhin fortsetzt und nach den besten Kriminalautoren des Landes Ausschau hält.

Noch kurz vor seinem Tod veröffentlichte Jan Broberg, dieses Mal gemeinsam mit Bo Lundin, den Ratger 50 fullträffar : riktigt bra deckare från alla tider, einen Leitfaden, der, wenn auch etwas subjektiv, zu den besten 50 Kriminalromanen führen soll, die je geschrieben wurden, die allerdings nicht unbedingt von schwedischen Autoren geschrieben wurden.

Wenn man die Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen von Jan Broberg liest, so stellt man sehr schnell fest, dass der Autor wusste wovon er schrieb, dass er über eine sehr ausgewählt Sprache verfügte und wusste, dass er in die Sachlichkeit Humor einflechten muss, damit der Leser auch ein Sachbuch bis zur letzten Zeile lesen wollen. Den Aufbau eines Kriminalromans sucht man jedoch vergebens.

Copyright: Herbert Kårlin

Vetenskapsfestivalen Göteborg 2013

26 mars 2013

Aurora Ljungstedt und die ersten Kriminalromane Schwedens

Aurora Ljungstedt, geborene Hjort, wurde am 2. September 1821 als Tochter des Majors Georg Leonard Hjort und dessen Frau Fredrika Elisabet Älf in Karlskrona geboren und starb am 21. Februar 1908 in Stockholm. Ljungstedt war mit dem Bürochef Samuel Viktor Ljungstedt verheiratet und veröffentlichte ihre Werke unter den Pseudonymen Claude Gérard und Richard.

Bis zu ihrem 14. Lebensjahr verbrachte Aurora Ljungstedt in Blekinge in der gehobenen bürgerlichen Gesellschaft. Die Bildung erhielt das Mädchen, wie zu jener Zeit üblich, zu Hause. Mit 14 zog die Familie dann nach Kvillinge bei Kolmården. In dieser Zeit zeigte sich auch deutlich das schriftstellerische Talent von Ljungstedt und sie fasste den Entschluss Schriftstellerin zu werden, was die Mutter jedoch auf jeden Fall verhindern wollte, da dies keine Tätigkeit für eine ehrenhafte Frau war.


Auch wenn die Mutter nicht verhindern konnte, dass Aurora Ljungstedt ab den 40er Jahren ihre Erzählungen im Aftonbladet, der Zeitung Bore und später auch in der Nya dagligt allehanda veröffentlichte, so verzichtete die Schriftstellerin ihr Leben lang darauf ihre Arbeiten unter ihrem wahren Namen zu veröffentlichen und benutzte grundsätzlich männliche Pseudonyme. Diese Geheimhaltung verhinderte allerdings auch einen Umgang mit Gleichgesinnten und versperrte ihr den Zugang zu den literarischen Kreisen jener Epoche.

Erst nachdem Aurora Ljungstedt mit 25 Jahren geheiratet hatte, begann sie von Novellen auf Bücher überzugehen, die jedoch grundsätzlich über die Vermittlung ihres Mannes, der sie in ihrer Arbeit unterstützte, veröffentlicht wurden. Ab diesem Zeitpunkt wählte die Schriftstellerin auch eine Romanfigur Eugène Sues, der auch eines ihrer großen Vorbilder war, als Pseudonym. Außer bei ihrem ersten veröffentlichten Band Hin ondes hus aus dem Jahre 1853 verwendete Ljungstedt dann grundsätzlich das Pseudonym Claude Gérard, das erst 30 Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten Werkes durch Zufall aufgedeckt wurde.

Ähnlich wie bei Eugène Sue, so erschienen auch die Romane von Aurora Ljungstedt zuerst in Forme von Feuilletons und wurden erst später von Bonniers in Buchform veröffentlicht, wobei die  Schriftstellerin bei ihren Roman die Psychologie der handelnden Personen und der Gesellschaft in den Vordergrund setzte, eine Idee, die sowohl Sue als auch Edward Bulwer zu jener Zeit verarbeitet hatten, in Schweden jedoch bis dahin unbekannt war. Bei Ljungstedt führte diese Technik dazu, dass sie auf Grund ihrer teilweise übersinnlichen Erscheinungen als der Edgar Allan Poe Schwedens bezeichnet wurde und sich ihre Bücher zu absoluten Bestsellern entwickelten.

Die Schriftstellerin Aurora Ljungstedt war in vielen Punkten eine Erneuerin des schwedischen Romans, denn auch wenn ihre Romane zu Kriminalromanen gezählt werden, so schrieb sie den ersten Schreckroman Schwedens, den ersten Vorläufer eines Science Fiction und den ersten psychologischen Krimi, der je in Schweden veröffentlicht wurde. Um so erstaunlicher ist es daher, dass Ljungstedt nach ihrem Tode geradezu in die Vergessenheit geriet und nur noch einige wenige Literaturforscher sich an die Schriftstellerin erinnerten. Erst in den 80er Jahren, als der Kriminalroman in Schweden wieder einen Aufschwung erlebte, wurden auch einige Werke Ljungstedts neu entdeckt und wieder aufgelegt.

Eine Neuerung bei Aurora Ljungstedt war auch, dass sie in ihren Romanen Milieuschilderungen, vor allem aus Östergötland und der Umgebung von Kolmården, einbettete und damit dem Kriminalroman einen handelnden Platz gab, der nicht reine Fiktion war. Der Leser konnte sich daher auch in die Gegend der Handlung versetzen, was bis dahin in schwedischen Romanen unmöglich war.

Ein weiteres Stilmittel von Aurora Ljungstedt war, dass sie ihren handelnden Personen Gefühle gab und dabei auch die Sexualität und das Lustgefühl nicht aussperrte, wobei man an sehr vielen Stellen auch spürt mit welcher Ironie sie die Rolle der Frau in jener Epoche behandelt und dabei zu einer Vorläuferin der Feministen wird, auch wenn die Schriftstellerin es nicht wagte die gesellschaftlich gesetzte Grenze deutlich zu überspringen, was jedoch auch damit zusammenhängen kann, dass sie ihrem Mann beruflich nicht schaden wollte.

Die Kriminalromane von Aurora Ljungstedt zeugen von einem erstaunlichen Realismus, was Literaturwissenschaftler und Kritiker damit in Zusammenhang bringen, dass ihr Mann beruflich Zugang zu Kriminalakten hatte und ihr entweder einen Teil dieser Akten zu lesen gab oder aber ihr die Fälle erklärte. Ljungstedt hat zwar keinen der damaligen Fälle behandelt, da dies sowohl ihr als ihrem Mann große Schwierigkeiten eingebracht hätte, aber sie konnte aus diesem Grund in ihren Büchern zu einer Logik greifen, die der Realität sehr nahe kam.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

12 mars 2013

Leif GW Persson, ein Kriminologe als Autor von Kriminalromanen

Leif Gustav Willy Persson, allgemein nur als Leif GW Persson bekannt, wurde am 12. März 1945 als Sohn des Bauarbeiters Gustav Persson und dessen Frau Margit Löfgren in Stockholm geboren und wuchs dort im Arbeiterstadtteil Vasastaden auf. Die Initialen seiner anderen Vornamen fügte der Schriftsteller seinem Namen im Jahre 1972 hinzu, da er sich vom Motocrossfahrer Leif Persson deutlich unterscheiden wollte, dessen Foto einmal neben einem Beitrag über ihn in einer Zeitung auftauchte. Persson ist in dritter Ehe mit Kim, einer Wirtschaftswissenschaftlerin verheiratet, hat jedoch auch Kinder aus der Ehe mit Birgitta und Margareta.

Bei seiner Kindheit erinnert sich Leif GW Persson vor allem an seine immer kranke Mutter, die in seinen Augen jedoch nur krank spielte und nie etwas hatte, aber dadurch ihrem Mann einen großen Teil der Erziehung auflasten konnte. Persson besuchte das Gymnasium Norra Real, eine der ältesten Schulen Stockholms und setzte nach der Hochschulreife an der Universität der Hauptstadt seine Studien fort. Seine Doktorarbeit schrieb er allerdings erst im Jahre 1980. An der Universität Stockholm wurde der Kriminologe und Schriftsteller im Jahre 1982 Dozent und 1991 schließlich Professor in Kriminologie.


Nach seinem Studium arbeitete Leif GW Persson unter dem Direktor der Reichspolizeidirektion als Kriminologe. Da er jedoch 1977 öffentlich bekannt machte, dass Lennart Geijer, der damalige Justizminister, im Kreis von Prostituierten verkehrte und eine Sicherheitsrisiko für Schweden ausmache, musste er die Polizei verlassen, was Persson jedoch die Möglichkeit bot als Schriftsteller und Wissenschaftler zu arbeiten ohne im Grunde die Berufssparte wechseln zu müssen. Jahre später kehrte er als Spezialist auch zur Zentrale der Polizei zurück.

Seinen literarischen Einstieg lieferte Leif GW Persson mit seinem Kriminalroman Grisfesten, dessen Inhalt verblüffende Parallelen zur Geijeraffäre hat, auch wenn der Schriftsteller dies im Vorwort verneint. Erst in seiner Autobiografie Gustavs grabb gibt Persson zu, dass er das Thema bearbeitet hat um sich an jenen zu rächen, die damals mit Lügen seinen Rauswurf aus der Polizeibehörde verursachten. Dieser erste Kriminalroman ist als der erste Band einer Trilogie zu sehen, zu der noch die Bücher Profitörerna und Samhällsbärarna zählen. Grisfesten wurde in die Liste der 1000 besten schwedischen Bücher aufgenommen und wurde unter dem Titel Mannen från Mallorca im Jahre 1984 von Bo Widerberg verfilmt.

Der Schriftsteller Leif GW Persson gehört zu den Personen mit klaren und starken Prinzipien, die sich von niemandem davon abhalten lassen die persönliche Version der Gesellschaft und der Kriminalität des Landes bekannt zu machen. Seine Kriminalromane und auch auch seine drei Bücher über den Mord von Olof Palme basieren auf einer intensiven Forschung, auch wenn man immer wieder das Gefühl bekommt, dass sich Persson als der Übermensch gibt, den man nur machen lassen muss, damit die Kriminalität aus Schweden verschwindet und auch der letzte Fall aufgeklärt wird.

Als nahezu wissenschaftlicher Kriminalautor versucht Leif GM Persson in seinen Büchern auch Details hervorheben und er wiederholt Aussagen, damit sie sich dem Leser besser einprägen. Spannung erzeugt er indem er wichtige Tatsache andeutet ohne sie unmittelbar zu behandeln, aber er kommt später darauf zurück. Sein Stil ist daher weniger für jemanden gedacht, der eine rasche Handlung sucht, sondern für jene Leser, die sich Zeit mit einem Roman nehmen und den Täter im Laufe der Lektüre selbst suchen wollen.

Leif GW Persson ist auch heute noch eine sehr diskutierte Person, die jeden Kriminalfall zu einer persönlichen Sache macht und durch seine mediale Wirkung sowohl im Fernsehen als auch in der Presse nahezu allgegenwärtig wirkt, aber die Privatperson Persson kaum an die Oberfläche dringen lässt, denn auch seine Biografie Gustavs grabb liest sich mehr wie ein Kriminalroman als eine Biografie, zumal der Schriftsteller zur Erzeugung von Spannung die gleichen Methoden anwendet wie in seinen Kriminalromanen. Selbst seine Feinde bezeugen seine hohe Intelligenz und sein analytisches Denken, aber sie stören sich daran, dass es im „Raum“ Leif GW Persson keinen Platz für Geheimnisse oder andere Menschen gibt.

Als Leif GW Persson im Jahre 2012 mit 67 Jahren das Pensionsalter erreichte, musste er seine Professur aufgeben ohne dass er jedoch seine Aktivitäten reduzierte. Allerdings verbringt er nun noch wenig Zeit in seiner Stockholmer Wohnung, sondern hält sich mit seiner Frau Kim vor allem auf seinem Landsitz im Sörmland auf, wo er auch viel Zeit bei der Jagd und dem Fischfang verbringt. In der Freizeit liest der Schriftsteller sehr viel, verzichtet jedoch vollständig auf das Lesen von Kriminalromanen.

Im Februar 2012 kaufte 20th Century Fox sämtliche Rechte an Leif GW Perssons Charakter Evert Bäckström um eine amerikanische Fernsehserie aus seinen Büchern zu machen, was den Schriftsteller zu einem der bedeutendsten Kriminalautoren Schwedens machen wird. Der Polizist Bäckström hat einige Charakterzüge, die auch an den Autor der Serie erinnern, auch wenn sie bei diesem nicht gleich stark ausgeprägt sind.

Copyright: Herbert Kårlin

21 februari 2013

Håkan Nesser, Kommissar Van Veeteren und Kommissar Barbarotti

Håkan Nesser wurde am 21. Februar 1950 als Sohn des Landwirts Sven August Nesser und dessen Frau, der Kontoristin Maria Olivia, auf einem Bauernhof in der Nähe von Kumla geboren. Der Schriftsteller war in erster Ehe mit  Anne verheiratet und in zweiter Ehe mit Elke. Nesser hatte seinen letzten Wohnsitz bei London und lebte vorher mit seiner Familie in New York.

Da sein Vater den Hof bereits 1953 verkaufte um anschließend gepachtete Felder zu bearbeiten, zog die Familie in diesem Jahr nach Kumla wo Håkan Nesser seine Kindheit und seine Jugend verbrachte. Nesser besuchte die Grundschule und die Realschule in Kumla, anschließend das Gymnasium in Hallsberg. Dort legte Nesser 1968 auch die Hochschulreife ab. Unmittelbar danach begann er ein Studium an der Universität Uppsala, wo er sich für Literaturgeschichte, Nordische Sprachen, Geschichte, Philosophie und Englisch einschrieb. Sehr bald wechselte der Schriftsteller dann jedoch auf die Hochschule für Lehrer über um Gymnasiallehrer für Schwedisch und Englisch zu werden, ein Ziel, das er 1974 mit einer Anstellung in Märsta erreicht hatte.


Das Milieu in dem Håkan Nesser aufwuchs, verewigte der Autor später in seinen beiden Romanen Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö und Piccadilly Circus ligger inte i Kumla, die beide verfilmt wurden. Nur wenige, die diese beide Filme sehen oder die Bücher lesen, denken, vor allem wegen der spannenden Erzählung, daran, dass sie dort sehr viele autobiographische Zeichen des Autors finden.

Bis 1984 deutete nichts im Leben von Håkan Nesser darauf hin, das er sich zu einem der bedeutendsten schwedischen Kriminalautoren entwickeln sollte, da er ein ruhiges Leben mit seiner Frau Anne und seinen beiden Kindern führte. Als jedoch 1984 die Ehe geschieden wurde, begann sich Nesser an die Schreibmaschine zu setzen. Bereits 1988 veröffentlichte er dann seinen ersten Roman mit dem Titel Koreografen. Aber auch wenn sein existentieller Liebesroman sehr positiv von den Kritikern angenommen wurde, so blieb das Buch bei den Buchhändlern im Regal liegen.

Der schlechte Verkauf hinderte Håkan Nesser jedoch nicht daran sich an ein neues Buch zu schreiben. Im Jahre 1993 erschien dann sein erster Kriminalroman mit Kommissar Van Veeteren, der den Titel Det grovmaskiga nätet trägt und vom ersten Moment an zu einem Verkaufserfolg wird und von der Deckarakademien zudem als das beste Erstlingswerk des Jahres ausgezeichnet wird.

Mit Van Veeteren war es Håkan Nesser gelungen einen Polizisten zu schaffen, der sich von den anderen Kriminalhelden jener Zeit unterschied, mit Handlungen, die sowohl in Schweden als auch in Deutschland oder Polen vorkommen konnten. Da Nesser auch nicht erklärte wo seine fiktive Stadt Maardam liegt, die eine Mischung aus Kumla und Örebro ist, blieb dies bis zu den ersten Verfilmungen im Jahr 2000 ein Rätsel. Aber auch nach 2000 war es mehr der Regisseur der Filme der die Umgebung nannte als der Schriftsteller selbst.

Dem ersten Krimi mit Van Veeteren folgten weitere neun Romane in denen Håkan Nesser die gleichen Hauptpersonen handeln ließ. Im Laufe der Zeit nehmen allerdings nicht nur die handelnden Hauptpersonen bestimmte Charakterzüge an, sondern auch die Umgebung wird immer deutlicher beschrieben. Die Analyse dieser zehn Bücher zeigte, dass Nesser sich einen Stadtplan für Maardam gezeichnet haben musste, denn er behält die Logik, die er bereits mit seinem ersten Krimi schuf in allen Folgebänden bei, ein Detail, das die meisten Autoren bei fiktiven Orten vernachlässigen.

Nach dem Jahre 2003 bezeichnet Håkan Nesser die Karriere des Van Veeteren für beendet und er beginnt nicht nur an einer neuen fünfbändigen Krimireihe mit Kommissar Gunnar Barbarotti, die 2012 mit dem letzten Band Styckerskan från Lilla burma endete, zu arbeiten, sondern er schreibt auch über New York, einen Experimentalroman über Londen, Novellen und andere Werke, was jedoch immer wieder beweist, dass die Stärke des Autors im Kriminalroman liegt, da diese weitaus mehr Leser finden als jedes andere Werk.

Den größten Erfolg hatte Håkan Nesser bisher mit seinen Büchern mit Kommissar Van Veeteren, einer Serie, die zu Beginn 2013 in über zehn Millionen Exemplaren verkauft worden war, in 25 Ländern gelesen wird und alle mit Sven Wollters in der Hauptrolle verfilmt wurden. Woran der Schriftsteller gegenwärtig arbeitet, will er noch nicht aufdecken, auch wenn seine bisherigen Leser darauf hoffen, dass es erneut ein Kriminalroman mit mehreren Bänden sein wird.

Copyright: Herbert Kårlin

16 januari 2013

Kjell E. Genberg, der Vielschreiber unter den schwedischen Autoren

Kjell E. Genberg, ein Schriftsteller, der die verschiedensten Pseudonyme benutzt, wurde am 16. Januar 1940 in Hälsingtuna bei Hudiksvall geboren und lebt heute mit seiner Frau Birgitta in Bromma.

Wie auch andere Gegenwartsautoren, so schreibt und spricht Kjell E. Genberg relativ wenig über seine Kindheit und seine Jugend. Sicher ist jedoch, dass er ohne höhere Ausbildung erst einmal mehrere Berufe ausprobierte und Lebenserfahrung als Lagerarbeiter, Fahrradbote, Lastwagenfahrer, als Seemann und mehreren anderen Berufen machte bevor er zum Schreiben kam. Aber auch ohne entsprechende Ausbildung gelang es Genberg bereits in den 50er Jahren seine ersten Aufträge als Journalist in den lokalen Zeitungen zu bekommen.


Als freier Journalist konnte Kjell E. Genberg zu Beginn nur einzelne Beiträge im Hälsinge-Kuriren in Hudiksvall unterbringen, später wurde er jedoch bei der gleichen Zeitung Nachtredeakteur in der Zentrale in Söderhamn, ließ sich als permanenter Journalist in die Lokalredaktion in Ljusdal versetzen, um jedoch bald darauf die journalistische Karriere ganz aufzugeben und Manager der Popgruppe The Panthers zu werden und Songtexte für die Gruppe zu schreiben. Bevor Genberg dann Bücher zu schreiben begann, baute er erst einmal seine Karriere als Manager aus und sorgte für Engagement von mehreren Popgruppen.

Gegen Ende seiner Karriere als Manager brachte Kjell E. Genberg im Jahre 1966 seinen ersten Roman Nästa nummer im Selbstverlag auf den Markt, ein Buch, von dem der Autor heute nicht mehr sehr viel hält und froh darüber ist, dass es nur noch sehr schwer zu finden ist. Die Verbreitung war auch nicht sehr hoch, da man es nur direkt beim Autor oder per Post erhalten konnte, da es nie im Buchhandel vertrieben wurde.

Ab Ende der 60er Jahre suchte sich Kjell E. Genberg den Zugang zum seriöseren Buchmarkt und fand eine Beschäftigung als Übersetzer von Wildwestbüchern, was ihm jedoch viel Arbeit und wenig Geld oder Ehre brachte. So kam Genberg auf die Idee eigene Wildwestromane zu schreiben und seine Serie Ben Hogan eroberte den schwedischen Markt. Der Autor schrieb 56 Bücher (jeden Monat eines) mit seinem Helden, wobei im Durchschnitt jeweils 40.000 Exemplare von jeder Auflage verkauft wurden, ohne dass der Schriftsteller damit allerdings als solcher anerkannt wurde, zumal diese Bücher sehr auf Klischees aufbauten und mehr auf einen guten Verkauf zielten als auf Qualität.

Das Blatt begann sich sich Kjell E. Genberg Ende der 70er Jahre und dann endgültig in den 90er Jahren zu wenden, als der Schriftsteller jedes Jahr zwei Kriminalromane pro Jahr zu schreiben begann und der erste schwedische Autor wurde, der in der Kriminalserie Bra Böcker erschien und von der Zeitschrift Dust für Höjdaren als der beste Kriminalautor der 80er Jahre ausgezeichnet wurde und Genberg zusätzlich Novellen und Belletristik veröffentlicht hatte.

Zwischen 1982 und 1992 machte Kjell E. Genberg eine Buchpause, jedoch keine Schreibpause, denn in diesen zehn Jahren übersetzte er Videofilme, wurde Chefredakteur für die Zeitschift Åkeri & Transport, den er zwei Jahre später gegen einen Posten als Chefredakteur von Maskin & Transport sowie, parallel dazu, bei Bygg & Fastighets Notiser austauschte.

Erst 1993 erschien dann das nächste Buch von Kjell E. Genberg, wobei er sich nun intensiv dem Schreiben von Kriminalromanen widmete und im Schnitt zwei davon im Jahr veröffentlichte. Besonders bekannt wurde seine Reihe mit Kommissar Nils Holgersson, die in allen möglichen Gegenden Schwedens spielte. Parallel zu seinen Kriminalromanen bekam er den Auftrag zwölf Eisenbahn-Romane zu schreiben, die jeweils 250 Seiten haben sollten und die Pionierzeit der schwedischen Eisenbahn schildern mussten. Erst 1996 erschien der zwölfte und letzte Band dieser Rallarböcker.

Kjell E. Genberg schrieb innerhalb von etwa 30 Jahren als Schriftsteller insgesamt etwa 220 Bücher, was ihn zum vermutlich bedeutendsten Vielschreiber Schwedens macht, denn auch wenn ein Teil seiner Werke nicht sehr dick ist, so ist das Volumen dennoch enorm. Alle seine Bücher zu listen oder ausfindig zu machen, ist indes nicht sehr einfach, denn Genberg ist auch ein Meister der Pseudonyme und benutzte, unter anderem, die Namen Christian Aage, Matt Jade, Shell Earlin, K. Earl Ginsburg und andere Namen mehr.

Auch wenn Kjell E. Genberg einer des meist gelesenen Autoren Schwedens ist, so ist es ihm nie gelungen wirklich im Kreise der schwedischen Literaten anerkannt zu werden. Und dies, obwohl die Kritik ihn mit der Zeit vom Schundschriftsteller zum Literaten erhob und der Schriftsteller immer wieder zeigt, dass er nach Konzept und selbst unter Druck gut arbeiten kann.

Copyright: Herbert Kårlin

20 december 2012

Ulla Trenter, zwischen Kriminalroman und Novelle

Ulla Trenter wurde am 18. Dezember 1936 als Tochter des Bürokaufmanns Lennart Anderson und dessen Frau Elisabet Kindgren in Stockholm geboren, war in erster Ehe mit dem Schriftsteller Stieg Trenter (starb 1967) verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Kanzleichef Jan Palm (starb 1999) und lebt heute in Mariefred.

Wie viele Autoren der Gegenwart, so spricht Ulla Trenter wenig über ihre Kindheit, so dass ihre Biographie im Grunde erst mit ihrer Hochschulreife im Jahre 1956 beginnt, der sie eine Ausbildung als Übersetzerin für Italienisch anschloss. Zwischen 1959, einem Jahr vor der Ehe, bis zum Tod von Stieg Trenter half sie ihrem Mann bei seiner Tätigkeit als Schriftsteller, mit dem sie auch drei Kinder bekam. Welche Rolle sie bei dieser Zusammenarbeit ist bis heute nicht bekannt.


Die literarische Karriere von Ulla Trenter begann mit dem Tod ihres Mannes, denn sie beendete sein kaum begonnenes Buch Rosenkavaljeren, das bereits 1967 erschien. Das Buch wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen und als der Verlag des Ehemannes fragte, ob sie nicht weiterhin schreiben wolle, war der Grundstein für eine reiches literarisches Schaffen gelegt.

Allerdings stand Ulla Trenter bei dieser literarischen Erbschaft auch vor einem gewissen Problem, da sie zum einen die Novelle dem Kriminalroman vorzog, sich zum anderen aber auch entscheiden musste, ob sie die Personen aus den Kriminalromanen ihres Mannes übernehmen sollte, also an den Rosenkavaljeren anknüpfen sollte. Trenter entschied sich letztendlich die Hauptpersonen zu behalten, versuchte ihnen jedoch eigene Züge zu geben, fügte andere Personen hinzu und arbeitete daran einen Unterschied zwischen der gemeinsamen Arbeit mit ihrem ersten Mann und ihren eigenen Ideen auszudrücken, was sehr gut gelang und bis 1989 dazu führte, dass die Schriftstellerin jedes Jahr ein neues Buch veröffentlichte.

Neben ihrer literarischen Tätigkeit begann Ulla Trenter sich ab Mitte der 70er Jahre auch politisch zu betätigen und trat der Zentrumspartei bei, wobei ihr in diesem Bezug insbesondere kirchliche und kulturelle Fragen wichtig war, was man auch an ihren Werken und ihren anderen Aktivitäten ab dieser Zeit feststellen kann.

Ulla Trenter beginnt in dieser Epoche ein völlig neues Leben zu führen, singt im Chor, organisiert, gemeinsam mit Kerstin Matz, Schreibkurse zum Verfassen von Kriminalromanen, geht mit dem Vortrag Bibeln i deckaren - deckaren i Bibeln (Die Bibel im Kriminalroman - der Kriminalroman in der Bibel) auf Schweden-Tournee und übersetzt Werke des britischen Autoren Peter Tremayne und des Italieners Gianrico Carofiglio.

Indem es Ulla Trenter gelingt ihren Werken ihren sehr persönlichen Stempel zu geben, der zudem im zeitnahen politischen und religiösen Trend liegt, wird die Schriftstellerin sehr bald mit heutigen Legenden des schwedischen Kriminalromans verglichen und ihre Bücher liegen neben jenen von Maria Lang und Jan Mårtenson und prägen damit maßgeblich den Krimi der 70er und 80er Jahre.

Ab den 90er Jahren nimmt die literarische Aktivität von Ulla Trenter rapide ab, denn 1991 erscheint noch ihr Kriminalroman Sköna juweler, der 1999 von der Novellensammlung Lustmord gefolgt wird, die auch Novellen von Inger Jalakas enthält und 2006 kommt das bisher letzte Werk der Schriftstellerin, der Kinderkrimi Varför dör grannarna?. In dieser Zeit engagiert sich Ulla Trenter immer mehr politisch in Mariefred und Strängnäs, sowie in gemeinnützigen Organisationen wie Rädda Barnen und Zonta.

Auch wenn Ulla Trenter neben Kriminalromanen mit Büchern wie Stieg Trenters mat, Lustmord oder Mariefred Staden Slottet Omgivningar versucht den Bann des Kriminalromans zu brechen, so ist ist ihre Stärke und ihr Erfolg der Krimi, dessen Aufbau sie meisterhaft beherrscht.

Der eigene Stil mit politischen und religiösen Einflüssen erklärt auch die Aussage Ulla Trenters, dass sie der Nachwelt ein Bild Schwedens der 70er bis 90er Jahre hinterlassen will, also eine Art Kulturgeschichte schreiben wollte. Inwieweit sie dies mit Kriminalromanen erreichen kann, ist ungewiss, auch wenn sie zu jenen Schriftstellern gehört, deren Werke , zumindest teilweise, immer wieder neu aufgelegt werden und daher nicht als simple Konsumkrimis betrachtet werden können.

Ulla Trenter ist Mitglied der Föreningen Kriminalförfattare i Stockholm und Mitglied der Svenska Deckarakademien.

Copyright: Herbert Kårlin

3 december 2012

Gunnel Beckman, vom Kriminalroman zum Kinderbuch

Gunnel Beckman, geborene Torulf, wurde am 16. April 1910 als Tochter des Beamten John Torulf und seiner Frau Villy Wiedesheim-Paul in Falköping geboren und starb ab 3. Dezember 2003 in Solna. Gunnel war seit 1933 mit dem Schriftsteller und Verleger Birger Beckman verheiratet, der jedoch bereits im Jahre 1984 starb.

Nach eigenen Angaben wuchs Gunnel Beckman in einer gut bürgerlichen Familie auf. Nachdem sie ihre Hochschulreife in Göteborg abgelegt hatte, studierte sie an der Universität Lund an der philosophischen Fakultät. Nach ihrem Studium begann sie als Journalistin bei der Göteborger Zeitung Morgonstjärnan zu arbeiten. 1943 zog das Ehepaar Beckman nach Stockholm und Gunnel Beckman entwickelte sich zur Hausfrau mit fünf Kindern, die freiberuflich immer wieder für die Presse, insbesondere aber für das Svenska Dagbladet arbeitete.


Wann Gunnel Beckman ihr erstes Buch veröffentlichte, ist bis heute etwas umstritten, da man im schwedischen Autorenlexikon lesen kann, dass im Jahre 1945 ihr Kriminalroman Mord i månadsgillet erschien und zwei Jahre später ein weiterer Krimi. Beckman erklärte jedoch immer, dass sie zwar an den beiden Kriminalromanen mitarbeitete, die Hauptarbeit und die Idee jedoch von ihrem Mann kamen.

Dies ist auch glaubwürdig, da Gunnel Beckman Ende der 50er Jahre einen eigenen Kriminalroman an den Verlag Bonniers geschickt hatte, der mit den Worten zurückkam, dass sie alle Leichen streichen soll und das Herumschleichen in den Büschen vergessen soll, denn dann könnte ihr Manuskript ein gutes Kinderbuch werden.

Gunnel Beckman schien sich einige Gedanken über die Kritik gemacht zu haben, arbeitete das Buch um und statt einem Kriminalroman erschien 1960 ihr erstes Jugendbuch mit dem Titel Medan katten var borta. Dieses erste Buch Beckmans, das noch zu viel Idylle beinhaltete, war kein Bestseller, ebenso wenig wie ihre folgenden fünf Jugendbücher, die von mehreren Kritikern noch als Lernprozess der Autorin betrachtet wurden.

Der Durchbruch als Jugendbuchautorin kam für Gunnel Beckman mit ihrem Werk Tillträde till festen (Ich, Annika : Erlebnisse u. Begegnungen einer jungen Schwedin) im Jahre 1969, einem Briefroman, der mit großem Erfolg auch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Der Erfolg dieses Jugendbuches lag vor allem daran, dass die Autoren hier mit einem Tabu der Jugendbuchbranche brach und die Hauptfigur, ein 19-jähriger Teenager, davon informiert wird eine tödliche Krankheit haben, die ihr Leben vorn Grund auf verändern soll.

Durch diesen Erfolg blieb Gunnel Beckman bei Frauenthemen für Jugendliche in denen auch die Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter eine bedeutende Rolle spielt. Mit Tre veckor över tiden behandelt sie 1974 die Angst der jungen Mia vor einer Schwangerschaft und noch im gleichen Jahr erscheint auch Våren då allting hände, ein Jugendbuch, das die Zeitdebatte Sex der 60er Jahre aufnimmt, vom akademischen Zukunftstraum und der Abtreibung handelt. Gunnel Beckman konnte bei diesen Büchern auf die die Erfahrungen mit ihren eigenen Töchtern und deren Freundinnen aufbauen und daher realistische Situation beschreiben bei den man nie wusste, ob sie Realität waren oder dem Reich der Phantasie entstammten.

Bei sämtlichen Büchern, die Gunnel Beckman nach Tillträde till festen schrieb, blieb sie bei Themen, die nicht nur die Jugend der 70er und 80er Jahre beschäftigte, sondern die auch heute noch aktuell sind, denn die Autorin behandelt in ihren Jugendbücher das Rollenverhalten, die Gewalt innerhalb einer Partnerschaft und das permanente Generationsproblem. Gerade weil die Schriftstellerin damit in der Zeitströmung blieb und den Umbruch der Gesellschaft auf eine leicht lesbare Weise dokumentierte, erregten mehrere ihrer Werke auch außerhalb Schwedens bedeutendes Aufsehen, wo man allerdings ihre sachlichen Beschreibungen manchmal mit sexueller Freizügigkeit und einem „sündigen“ Schweden verwechselte.

Auch wenn Gunnel Beckman eine hervorragende Jugendbuchautorin war und dies 23 Jahre lang mit teilweise aufsehenerregenden Büchern bewies, so strebte sie danach Bücher für Erwachsene zu schreiben, denn nicht nur ihr erster Kriminalroman wurde abgelehnt. Auch der Durchbruchsroman Med tillträde till festen wurde 1964 von der Autorin als Roman für ein erwachsenes Publikum geschrieben und vom Verlag abgelehnt. Erst die Umarbeitung als Jugendbuch brachte drei Jahre später den Erfolg.

Im Jahre 1992, fast zehn Jahre nach ihrem letzten Jugendbuch, veröffentlichte Gunnel Beckman mit På vandring i Falköping - nu och då ihr erstes Buch für Erwachsene, aber auch dieses Werk ist heute nahezu vergessen, da sich die Sprache der Schriftstellerin immer an Jugendliche richtete.

Copyright: Herbert Kårlin

23 november 2012

Thomas Brylla, Sport im Jugendbuch und im Kriminalroman

Thomas Brylla wurde am 17. Juli 1944 in Örebro geboren und starb am 22. November 2009 nach einer längeren Krankheit in Uppsala, wo er seit 1963 lebte und als Kulturjournalist, Bibliothekar und Schriftsteller arbeitete.

Nach Uppsala kam Thomas Brylla wegen seinem Studium an der dortigen Universität. Dass er dort blieb, lag  daran, dass er in der Stadt seine Ehefrau Eva kennen lernte und 1972 schließlich auch eine Stelle als Bibliothekar an der Bibliothek in Uppsala fand.


Das erste Buch von Thomas Brylla erschien im Jahre 1987 unter dem Titel Lexikon för livet und war im Prinzip kein literarisches Werk, sondern die Zusammenstellung von alten Ausdrücken und Sprichworten der Landwirtin Anna Carlsson, die sich im Alter von 100 Jahren noch an etwa 1800 um diese Zeit teilweise vergessene Ausdrücke und Sprichworte erinnerte und die Sigvard Cederroth für ethnologische Zwecke gesammelt hatte.

Erst im Jahre 1992 erschien dann das erste Jugendbuch Sikta mot stjärnorna von Thomas Brylla, ein Roman, der im Sportmilieu Uppsalas spielt und sportliches Training mit Ausscheidungen und erste Liebe mischt. Der Autor greift hier vor allem auf seine Erfahrung als Trainer im Langlauf für junge Mädchen zurück, eine Aktivität, die beachtliche Erfolge zeigte, denn einige der von ihm trainierten Sportlerinnen wurden selbst in der Nationalmannschaft aufgenommen.

Mit dem Buch Befriande Mord veröffentlicht Thomas Brylla dann seinen ersten Kriminalroman, der ebenfalls in Uppsala spielt und bei dem der Fall vom Rechtsanwalt Peter Bromander und dem Kommissar Staffan Öhm gelöst wird. Diese beiden Figuren tauchen in weiteren vier der insgesamt sechs Kriminalromane des Schriftstellers auf, wobei man auch bei den Krimis immer wieder den Trainer Brylla spüren kann für den Uppsala mit Jugend und sportlicher Leistung verbunden wird.

Obwohl die Jugendbücher und die Kriminalromane von Thomas Brylla mit mittlerem Erfolg bei größeren schwedischen Verlagen erschienen, entscheidet sich der Autor im September 2001 den Selbstverlag Bombus zu gründen in dem er allerdings nicht nur seine eigenen Werke veröffentlichen wollte, sondern insbesondere auch jene seiner Ehefrau Eva, die als Dozentin der Universität Uppsala Namensforschung betreibt. Die Produktion blieb allerdings bescheiden. Der Verlag wurde im Jahre 2010 von Eva Brylla übernommen.

Im Jahre 2009 erscheint mit Kvävande död der letzte Kriminalroman von Thomas Brylla, da der Autor plötzlich erkrankte und sich davon nicht mehr erholen konnte. Der Rechtsanwalt Peter Bromander klärt in diesem Werk den letzten Fall des Schriftstellers und führt den Leser auch ein letztes Mal durch die Straßen Uppsalas. Der Autor, der auch mehrere Sachbücher, zahlreiche Zeitungsartikel und Rezensionen geschrieben hat, starb mit 65 Jahren in Uppsala.

Copyright: Herbert Kårlin

31 oktober 2012

Mari Jungstedt und Kommissar Anders Knutas aus Gotland

Mari Jungstedt wurde am 31. Oktober 1962 in Stockholm geboren und verbrachte ihre Kindheit in Upplands-Bro, einem Ort nördlich von Stockholm. Als Mari etwa zehn Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden, was dazu führte, dass sie in den Folgejahren mehrmals umzog, bis sie sich nach der Hochschulreife eine eigene kleine Wohnung in Stockholm leisten konnte.

Da Mari Jungstedt nicht unmittelbar in der Hochschule für Journalismus aufgenommen wurde, studierte sie erst Wirtschaftswissenschaften in Uppsala, anschließend machte sie ein Lehrerstudium in Stockholm und schließlich hing sie noch eine Ausbildung als Führer  in Stockholm und Uppsala an um englischsprachige und spanischsprachige Touristen in den beiden Städten zu führen. Nach mehreren verschiedenen Jobs ging Mari Jungstedt für zwei Jahre in die USA, wo sie erneut verschiedene Gelegenheitsjobs ausübte bevor sie dann nach Schweden zurückkehrte.


Mit 28 klappte es dann endlich mit der Hochschule für Journalismus in Sundsvall, wo sie auch ihren Ehemann Cenneth Niklasson kennen lernte. Noch bevor Mari Jungstedt ihr Studium beendete, war bereits das erste Kind ein Begleiter bei den verschiedenen Vorlesungen. Nach der Ausbildung begann Mari freiberuflich bei Ekot zu arbeiten und weniger später wurde sie vom schwedischen Fernsehen für das regionale Nachrichtenprogramm ABC angestellt, eine Anstellung, die sie so lange beibehielt bis sie als Schriftstellerin auf eigenen Beinen stehen konnte.

Der erste Kriminalroman Den du inte ser (Den du nicht siehst) erschien im Jahre 2003 und wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen. Bereits im ersten ihrer bisher zehn erschienenen Kriminalromanen wird der Fall von Kriminalkommissar Anders Knutas gelöst, der in allen ihren Büchern die tragende Figur ist. Die Handlungen ihrer Krimis finden auf Gotland statt, der Heimatinsel ihres Mannes, wo die Familie auch regelmäßig ihre Sommer verbringt. Diese Verbindung zu Gotland erlaubt es auch die Orte, die in ihren Büchern eine Rolle spielen, bei einem Besuch zu entdecken.

In den Kriminalromanen von Mari Jungstedt erlebt man nicht nur Gotland zu allen Jahreszeiten, sondern auch das Leben der handelnden Personen unter den unterschiedlichsten Aspekten, wobei der Leser bei vielen unter ihnen die Träume, die Hoffnungen, aber auch das heimliche Leben und zerrissene Familienverhältnisse entdeckt. Die Handlungen der Krimis sind daher mehrschichtig zu sehen bei denen der Mord nur ein Teil des tatsächlichen Geschehens ist.

Mari Jungstedt, deren Bücher mittlerweile in rund 20 Sprachen übersetzt wurden und die von The Times als eine der besten skandinavischen Krimiautoren bezeichnet wird, hat bisher allein in Schweden bereits 2,2 Millionen Bücher verkauft und gilt damit als eine der meist gelesenen Autorinnen Schwedens. Mehrere ihrer Bücher wurden bereits verfilmt, wobei die Bände „Den du nichtg siehst“ und „Näher als du denkst“ (I denna stilla natt) Teile der deutschen Fernsehserie „Der Kommissar und das Meer“ sind.

Copyright: Herbert Kårlin

20 oktober 2012

Liza Marklund zwischen Politik und Kriminalroman

Liza Marklund (Eva Elisabeth Marklund) wurde am 9. September 1962 in Pålmark bei Piteå als Tochter von Nils Gustaf Gerhard Marklund und Eva Ingegerd Marklund geboren. Sie hat drei Kinder, zwei davon mit ihrem Ehemann, und lebt abwechselnd in Stockholm und in Südspanien. Liza Marklund arbeitet regelmäßig für die Abendzeitung Expressen, ist Mitgründerin des Piratförlaget, der auch ihre Bücher veröffentlicht, und UNICEF-Botschafterin.

Liza Marklund hatte nach der Hochschulreife wenig Lust auf ein Studium und da sie nicht wusste, was sie in Zukunft machen sollte, arbeitete sie erst einmal als Croupier in Piteå, dann als Bedienung in London, ging in ein Kibbutz in Israel und landete als Telefonverkäuferin in Hollywood. Zurück in Schweden machte sie dann eine Ausbildung als Journalistin an der Volkshochschule in Kalix, was ihr eine erste Anstellung als Journalistin im Norrbottens-Kuriren brachte.


Bald wechselte Liza Marklund als Journalistin zum Norrländska Socialdemokraten, den sie als Sprungbrett nahm um 1986 beim Aftonbladet in Stockholm zu arbeiten und später zum Expressen zu wechseln, wo sie heute noch Chroniken schreibt. Anschließend war sie Mitgründerin der kostenlosen Zeitung Metro, wurde Chefredakteurin für Metro Weekend und begann vor allem für den Fernsehkanal TV4 zu arbeiten. Es dauerte allerdings Jahre bis sie feststellte, dass Frauen- und Kinderprobleme in der Presse kaum Aufmerksamkeit erregen und oft in den Schubladen landen. Dies führte Liza Marklund dazu an Bücher zu denken in denen sie die Themen, die ihr am Herzen lagen, besser behandeln konnte.

Ihr erstes Buch veröffentlichte Liza Marklund dann im Jahre 1995, wobei sie in Gömda eine Mischung zwischen Reportage, Sachbuch und Roman bot. Das Buch schlug wie eine Bombe ein, zumal es als Tatsachenroman vermarktet wurde, was er nicht unbedingt war, da lediglich die Geschichte auf Tatsachen aufbaute, aber Orte, Handlungen und anderes von Liza Marklund frei erfunden war. Nach einer heftigen Diskussion im Jahre 2008 nahmen dann die Schriftstellerin und der Verlag Abstand von der Behauptung, dass es sich um eine „wahre Geschichte“ handelte.

Bereits 1998 erschien dann Liza Marklunds erster Krimanlroman mit dem Titel Sprängaren, bei dem die Autorin nicht nur die Journalistin Annika Bengtzon als Hauptfigur einführte, sondern dem schwedischen Kriminalroman eine völlig neue Richtung gab, die mittlerweile von zahlreichen schwedischen Autoren übernommen wurde. Liza Marklund ließ eine Frau die Fälle lösen und keinen Mann und sie brach das Schema indem sie die Handlung nicht nur um einen Kriminalfall kreisen ließ, sondern andere gesellschaftliche Themen zur Sprache brachte, die man früher nicht in Krimis finden konnte. Das Buch entwickelte sich in kürzester Zeit zum Bestseller des Jahrzehnts und brachte Liza Marklund zahlreiche begehrte Preise.

Mittlerweile erschienen neun Romane mit der Hauptfigur Annika Bengtzon, die in 30 Sprachen übersetzt wurden und insgesamt wurden bereits über neun Millionen Exemplare verkauft, wobei es Liza Marklund mit dieser Serie nicht nur gelungen ist die weltweit bekannteste schwedische Autorin von Kriminalromanen zu werden, sonder ihr gelang es auch in die Bestsellerliste der New York Times zu gelangen, was bisher nur einem einzigen anderen schwedischen Autor gelungen war. Der Name Annika Bengtzon war indes keine pure Erfindung der Autorin, sondern sie selbst ist Journalistin, ihre älteste Tochter heißt Annika und einer ihrer Chefs beim Expressen hieß Bengtzon.

Der Erfolg von Liza Marklund ist natürlich nicht nur in ihren Leistungen als Autorin und den sozialkritischen Themen, die sie in Büchern, Presse und anderen Media verbreitet, zu verdanken, sondern auch darin zu suchen, dass Liza Marklund ein wirtschaftliches Gespür hat, denn man darf nicht vergessen, dass das erste Buch, das im von ihr mitgegründeten Piratförlaget erschien, das Buch Gömda in Taschenbuchform war, dass sie weiß wann sie mit welchen Themen in den Media auftreten muss und auch auch nicht davor zurückschreckt Grenzen zu überschreiten wenn sie damit Aufmerksamkeit erregen kann.

Dies zeigt sich auch, auf positive Weise,in Liza Marklunds Engagmeent als UNICEF-Botschafter, denn bei den Reisen, die die für die Organisation unternahm, entstanden einige sehr zeitkritische Artikel, wenn auch auf Sensation aufgebaut, und sie realisierte dabei eine Dokumentationsserie für TV4 über Kinder, die in Russland und Kambodscha mit HIV und Aids leben.

Copyright: Herbert Kårlin

16 oktober 2012

Bunny Ragnerstam, Gesellschaftskritik im Kriminalroman

Bunny Ragnerstam wurde am 16. Oktober 1944 in Eskilstuna geboren, wuchs jedoch in Främby bei Falun auf, wo seine Mutter als Fabrikarbeiterin beschäftigt war. Da die Mutter geschieden war und der Vater sich nicht um die Familie kümmerte, zog sie ihre drei Söhne allein auf.

In seiner Jugend hatte Bunny Ragnarstam vor allem zwei Interessen, nämlich Fußball und Lesen. Nach dem Abschluss der Realschule arbeitete Bunny ebenfalls in den Fabriken in Falun und spielte weiter Fußball in der Mannschaft der Stadt. Anfang der 60er Jahre bestimmte er sich jedoch auf Schreiben umzusteigen, was in seinem Fall im Jahre 1962 zum Falukuriren führte, wo er, auf Grund seiner sportlichen Aktivität, als Sportjournalist beschäftigt wurde. Als er zum Flussballmannschaft nach Kristianstad wechselte, begann er 1965 für das Kristinabladet ebenfalls als Sportjournalist zu arbeiten bis er 1970 in die Lokalredaktion von Arbetet wechselte, wo er auch andere journalistische Aktivitäten übernahm. Ab 1975 entschied sich Bunny Ragnarstam ganz der Schriftstellerei zu widmen, nachdem mittlerweile auch sein dritter Roman erschienen war, ein Kriminalroman und zwei historische Romane über die Situation der Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts in Kristianstad.


Bunny Ragnerstam begann seine literarische Karriere im Jahr 1972 mit dem Kriminalroman Brottet som kom bort, ein Krimi, der im Grunde um Macht und Demokratie handelt und als der erste Arbeiterkrimi Schwedens bezeichnet werden kann. Als ein Journalist einen Einbruch in einem Industriegebäude aufklären will, erfährt er die Grenzen des freien Wortes, denn die Wahrheit wird von jenen, die die Macht im Ort haben unterdrückt und Lüge wird als Wahrheit verkauft um die Industrie zu stützen.

Auch wenn dieser Kriminalroman einen gewissen Erfolg hat, schreibt Bunny Ragnerstam erst 2004 mit Mord, min själ seinen nächsten gesellschaftskritischen Kriminalroman bei dem der Journalist jedoch vom Polizisten Verner abgelöst wird. Im Jahre 2011 folgt dann Mord mördare mördast, der die Korruption innerhalb der Buchbranche als Hintergrund hat.

Seinen wahren Durchbruch hatte Bunny Ragnerstam allerdings 1974 mit Innan dagen gryr, dem ersten von vier historischen Romanen, die das Arbeitermilieu in Kristianstad gegen 1880 als Handlung haben. Ragnarstam baut die Handlung auf tatsächliche Geschehnisse auf und zeigt den Kampf der Arbeiter für ein besseres Leben. Auf der Suche nach Material stellt der Schriftsteller fest, dass die Geschichte der schwedischen Arbeiterbewegung nie von Seiten der Arbeitern beschrieben wurde, sondern von der Warte jener, die entscheiden. Bunny Ragnerstam versuchte nun die andere Seite zu zeigen, was ihm nicht nur sehr gute Kritiken brachte, sondern ihm auch eine große Leserschicht bringt und dazu führt, dass die Fernsehanstalt SVT die Handlung im Jahre 1988 unter dem Titel Kråsnålen als Serie verfilmt.

Auch die folgenden Romane Bunny Ragnerstams bleiben im Arbeitermilieu, wobei er in seinen historischen Romanen nicht nur die Fakten sprechen lässt, sondern die Meinungen seiner Umgebung zu Worte kommen lässt, denn gerade in den Fußballkreisen in denen der Autor nach wie vor verkehrt, trifft er die Arbeiterschicht, deren Eltern den Umbruch, der ihn am meisten interessiert, erlebt haben. Auf diese Weise werden die Handlungen und das Leben als Arbeiter in einem Eisenwerk lebendig.

In den 70er und 80er Jahren wird Bunny Ragnerstam nahezu mit Preisen überhäuft, die jedoch nahezu ausschließlich vom linken Organisationen, Zeitschriften oder dem Gewerkschaftsverband kommen, einem Kreis, der auch seine Leser anspricht. Trotz seines Fernseherfolgs und seiner sachlichen Beschreibungen wird der Schriftsteller von der Bürgerschicht noch heute mehrheitlich abgelehnt.

Bunny Ragnerstam baut mit all seinen Werken, auch den Kriminalromanen, eine industrielle Geschichte Schwedens der letzten 150 Jahre auf, die in gewisser Weise mit der universitären Betrachtung der Situation der Arbeiter bricht, denn den Autor interessieren nicht die Verkaufszahlen und Erfolge der Unternehmen, die die obere Schicht der Gesellschaft bereicherte, sondern die Situation jener, die diese Leistungen mit ihren Händen bringen, aber in der Geschichtsschreibung kaum genannt werden. Und dennoch benutzt der Autor die gleichen Quellen, nur dass er sie auf eine andere Weise liest.

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