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3 juli 2013

Gunilla Bergström und Alfons Åberg (Willi Wiberg)

Gunilla Bergström wurde am 3. Juli 1942 in Göteborg geboren und entdeckte als Kind bereits mehrere Kulturen, denn nach der Scheidung ihrer Eltern hatte sie zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein konnten, denn die Mutter bildete eine konservative bürgerlicher Lehrerfamilie und der Vater heiratete eine dänische Künstlerin bei der Kreativität mit bohemischer Atmosphäre gemischt wurde.

Nach ihrer Schulzeit besuchte Gunilla Bergström das Journalistik-Institut an der Universität Stockholm, das sie 1966 mit einem Examen als Journalist beendete. Anschließend arbeitete die Journalistin und Schriftstellerin erst bei Dagens Nyheter und anschließend beim Aftonbladet in Stockholm.

Gunilla Bergström, God natt, Alfons Åberg, Förlag Rabén Sjögren, Stockholom, 2006, Titel: Gunilla Bergström

Die literarische Karriere von Gunilla Bergström begann im Jahre 1970, als sie an einer Artikelserie über Scheidungen arbeitete, denn sie entdeckte, dass bei allen Diskussionen, die darüber geführt werden, der Aspekt des Kindes fehlte, wobei hierbei ihre eigenen Erfahrungen als Scheidungskind natürlich auch eine gewisse Rolle spielten. Bergström entschloss sich daher ein Buch für Kinder zu schreiben, das Kindern eine Scheidung auf einfachste Weise näher bringt.

Auch wenn die Idee gut war, so zeigte sich das Projekt an Mias pappa flyttar, dem ersten Kinderbuch der Autorin, gar nicht so einfach, denn Gunilla Bergström hatte keine Kinder, keine Erfahrung als Kinderbuchautorin und wusste nicht einmal wie ein Kinderbuch aufgebaut ist und wie groß eine Illustration sein sollte. Aber nach einigen Besuchen in den Buchhandlungen nahm das Projekt Form an und 1971 erschien das erste Buch der Autorin.

Nur ein Jahr später erscheint dann das erste Buch Gunilla Bergströms mit Alfons Åberg (Willi Wiberg) in der Hauptrolle, das ihr Leben vollständig verändern sollte und der erste Band einer langen Serie war. Bereits im Band God natt, Alfons Åberg legt die Schriftstellerin die Linie ihres Gesamtwerkes fest, denn die Hauptfiguren bleiben Vater und Sohn, ein Verhältnis, dass in manchen Punkten an die Kindheit Bergströms erinnert, die immer nur kurze Zeit beim Vater verbrachte und dort die Ungezwungenheit fand. In den Büchern mit Alfons Åberg bleibt die Mutter abwesend, genauer genommen inexistent.

Neben den Büchern über Alfons Åberg, die auch von Gunilla Bergström bebildert wurden, veröffentlichte die Autorin auch einige Bücher bei denen ihre eigenen Kinder die Hauptfiguren spielten, insbesondere die jüngste Tochter, die unter Autismus leidet und Entwicklungsstörungen hat. Das typischste Kinderbuch dieser Reihe ist Bill och Bolla, das, wie die beiden vorangehenden Werke zum gleichen Thema, in Reimform geschrieben ist.

Auch wenn Gunilla Bergström nahezu ausschließlich mit Alfons Åberg in Verbindung gebracht wird, so hat sie auch Lieder veröffentlicht, Stücke für das Kindertheater geschrieben, ein Libretto für ein Kindermusical verfasst und mehrere Bücher anderer Autoren illustriert, was man beim Erfolg Åbergs sehr leicht vergisst.

Gunilla Bergström gehört, obwohl sie, nach Astrid Lindgren, die meist verlegte, meist übersetzte und meist gelesene Kinderbuchautorin Schwedens ist, nie ein typisches Kinderbuch geschrieben, sondern Bücher aus dem realen Leben, des mit Erwachsenenthemen Kinder anspricht und damit eine eigene Kategorie an Kinderbüchern ausmacht.

Wenn man nur die Bücher mit Adolf Åberg betrachtet, so hat Gunilla Bergström allein in Schweden bereits über vier Millionen der Bücher verkauft und die gleiche Menge noch in Form von Übersetzungen. In diesem Rahmen muss man bedenken, dass Bergström die erste schwedische Autorin war, die auch ins Arabische übersetzt wurde, da ihre Themen frei von kulturellen Vorurteilen sind und daher „Familienprobleme“ jeden Landes Kindern auf einfachste Weise näher bringt.

Sehr viele Bücher von Gunilla Bergström, die seit 1975 als hauptberufliche Schriftstellerin und Illustratorin arbeitet, wurden mittlerweile verfilmt, für das Kindertheater bearbeitet oder erschienen als Zeichentrickfilm. In vielen Fällen war es Bergström selbst, die die Adaptationen schrieb und damit auch die Aussagen der Bücher erhalten konnte.

Im Jahre 1997 wurde Gunilla Bergström, der schon rund 20 bedeutende Preise für ihre Werke überreicht wurden, in die Svenska Barnboksakademien gewählt, wo sie auf dem Stuhl Nummer 12 Platz nahm. Ihre Bücher über Alfons Åberg sind noch heute in Schweden so stark gefragt, dass nicht ein einziger Titel aus der Reihe verschwand, sondern immer wieder neu aufgelegt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

11 februari 2013

Marianne Fredriksson und die christliche Frauenliteratur Schwedens

Marianne Fredriksson wurde am 28. März 1927 als Tochter des Arbeiters Hugo Persson und dessen Frau Hilda in Göteborg geboren und starb am 11. Februar 2007 im Alter von 79 Jahren nach einer Herzattacke innerhalb von nur zehn Minuten in ihrem Heim in Österskär bei Stockholm. Mit 20 Jahren heiratete die Schriftstellerin Sven Fredriksson, von dem sie sich jedoch noch einige Jahre vor ihrem Tod scheiden ließ.

Als die Familie aus einer Arbeitergegend Göteborgs in den Stadtteil Långedrag zog, einen bürgerlichen Teil der Stadt, begann für das Mädchen die schlimmste Zeit ihres Lebens, denn als einziges Arbeiterkind der Schule wurde sie gemobbt bis sie von ihrem Vater lernte sich mit den Fäusten zu verteidigen. Auch wenn es um diese Zeit nicht üblich war, dass ein Arbeitermädchen, das ohnehin heiratet, eine höhere Bildung erhält, legten die Eltern Fredrikssons einen hohen Wert auf die Ausbildung, die Marianne ohne jedes Problem schaffte.


Im selben Jahr als Marianne Fredriksson ihren Ehemann kennenlernte, begann sie als Korrektorin bei der Göteborgs-Tidningen (GT) zu arbeiten, wo sie langsam zur Journalistin aufstieg um später zum Svenska Dagbladet zu gehen, wo sie trotz ihrer Erfahrung von den Kollegen mit großem Misstrauen empfangen wurde, jedoch sehr bald mit der Gründung der Idagsidan den Journalismus erneuerte, indem sie die Oberklassenjournalistik verliess und eine Seite schuf, die auch den Arbeiter berührte und die die Strömungen der Zeit beleuchtete. Für das Svenska Dagbladet arbeitete die Schriftstellerin in der Redaktionsleitung von 1974 bis 1988.

Obwohl Marianne Fredriksson bereits sehr früh davon träumte als Schriftstellerin zu arbeiten, erfolgte der Aufstieg vorerst nur bei der Presse, denn ihr Ideenreichtum, der Leser verhalf ihr 1962 zu einer leitenden Stellung bei Allt i hemmet, einer Zeitschrift, der sie zum Erfolg verhalf und für die sie 15 Jahre lang arbeitete und sie führte parallel dazu zur Gründung von Vi föräldrar und Allt om mat, zu denen Fredriksson mit den wichtigsten Leitideen als Mitgründerin beitrug.

Erst im Jahre 1980, als Marianne Fredriksson bereits 53 Jahre alt war, erschien ihr erster Roman Evas bok, das mittlerweile nahezu jede Frau Schwedens gelesen hat, und ein Teil der Männer. Fredriksson geht in diesem Werk zurück ins Paradies und beschreibt die Bibel auf eine neue Weise, denn der Leser findet Eva in voller Verzweiflung im Paradies, denn einer ihrer Söhne war eben erst zum Mörder geworden. Eva will verstehen wie dies möglich war und welche Fehler sie eventuell mit ihrer Erziehungsmethode machte.

Bereits in diesem ersten Buch von Marianne Fredriksson treffen wir auf den tiefen Glauben der Autorin, den wir in allen ihren Romanen wiederfinden. Fredriksson selbst bekennt sich auch öffentlich immer wieder zu ihrem festen Glauben, will ihn jedoch nicht eingebettet in eine Kirche sehen, die den Glauben institutionalisiert und ihm die Persönlichkeit raubt.

Der Durchbruch als Schriftstellerin kam für Marianne Fredriksson jedoch nicht mit diesem ersten Buch, das das Grundthema der Menschen als Basis hat, sondern im Jahre 1985 mit dem Roman Simon och ekarna, der nicht nur in Göteborg handelt, sondern sehr deutliche autobiographische Züge der Schriftstellerin trägt und zahlreiche Personen ihrer Umgebung, sowie ihr Kriegstrauma, sehr deutlich schildert. Simon och ekarna wurde 2011 von Lisa Ohlin verfilmt und gehört zu den Kinoerfolgen Schwedens. Das Buch wurde in die schwedische Liste der 100 besten Bücher weltweit aufgenommen.

Auch wenn Marianne Fredrikssons Bücher in mehr Sprachen übersetzt wurden als jene von August Strindberg oder Selma Lagerlöf und Rekordauflagen in zahlreichen Ländern erzielte, war die Schriftstellerin für die schwedischen Kritiker kein Thema und jedes neue Buch wurde nur mäßig beachtet ohne je eine wirklich gute Besprechung zu erfahren. Die Ursache war unter Umständen, dass Fredriksson die Öffentlichkeit und fremde Menschen mied wenn nur möglich und es dauerte lange bis sie jemandem ihr Vertrauen schenkte.

Auch als Autorin nimmt Marianne Fredriksson eine Sonderrolle ein, nicht nur, weil sie relativ spät als Schriftstellerin begann, sondern weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren, ihre Manuskripte nicht mehr überarbeitete. Für Fredriksson war das Schreiben eine Art Eingebung und das Ergebnis hatte bereits die beste Form. Obwohl ihre Lektoren bisweilen Änderungen vorschlugen, damit der Verkauf gefördert wird, so beweisen die Verkaufszahlen, dass die Schriftstellerin recht hatte und das Manuskript immer ein fertiges Produkt war.

Marianne Fredriksson war keine Vielschreiberin unter den Autoren, verfolgte jedoch eine eiserne Disziplin, die sie jeden Tag um neun Uhr vor eine neue weiße Seite führte, die sie in ihrem Gartenhaus füllte. Nur selten schrieb sie mehr als vier Seiten am Tag, aber Fredriksson wollte mit jedem Satz ihr Bestes geben und formulierte ihn daher so oft im Kopf hin und her bis sie zufrieden war und ihn niederschreiben konnte. Trotz ihrer Einmaligkeit, den verschiedenen Frauenthemen, die sie immer wieder behandelte und dem großen Erfolg, ist Marianne Fredriksson noch heute eine Nebenfigur der schwedischen Literaturgeschichte, der man sehr wenig Beachtung schenkt.

Copyright: Herbert Kårlin

9 januari 2013

Annette Kullenberg, die Schriftstellerin mit der spitzen Zunge

Annette Kullenberg, geborene Borgström, kam am 9. Januar 1939 als Tochter des Direktors Gustaf Borgström und dessen Frau Helen Starck, einer Bibliothekarin, in einem sehr bürgerlichen und wohlhabenden Haus in Stockholm zur Welt. Auch ihr beiden Geschwister machten Karriere, wobei der Bruder Jurist war und die Schwester als Journalistin bekannt wurde. Von 1960 bis 1961 war Kullenberg mit Ingemar Kullenberg verheiratet. Später lebte sie eine längere Epoche zusammen mit dem Schriftsteller Dieter Strand.

Die Journalistin und Schriftstellerin Annette Kullenberg studierte nach ihrer Hochschulreife Literaturwissenschaft in Uppsala und begann ab 1962 für die Tages- und die Wochenpresse als Journalistin zu arbeiten, eine Zeit lang auch als Auslandskorrespondentin in Lateinamerika, Spanien und Afrika. Ab Mitte der 70er Jahre arbeitete Kullenberg fest bei der Abendzeitung Aftonbladet, die sie allerdings nach 25 im Streit verließ, weil der Chefredakteur einen ihrer Artikel, ohne sie zu fragen, abschwächte in dem sie behauptet hatte, dass Prinzessin Madeleine unter Alkoholproblemen leide ohne dies jedoch belegen zu können.


Noch bevor Annette Kullenberg ihr erstes Erfolgsbuch veröffentlichte, hatte sie eine gewisse Erfahrung als Dramatikerin für Hörspiele gesammelt und bereits Vänd på dig geschrieben, einen Roman, der wenig Aufsehen erregte. Als daher 1968 ihr zweiter Roman Pappa mamma barn erschien, ein Buch das drei Menschen einer Familie zeigt, die miteinander nicht zurecht kommen und statt Sicherheit eine permanente Last spüren, war ihr Name bereits bekannt. Pappa mamma barn ist ein destruktives und realistisches Buch in dem die Schriftstellerin das ausspricht, was viele erleben und nicht zuzugeben wagen. Man spürt hier noch eine Ehrlichkeit, die Kullenberg später mit beißendem Sarkasmus und Subjektivität ersetzt.

In den Folgejahren erscheinen rund 20 weitere Bücher von Annette Kullenberg, wobei sie hier zwischen schöngeistigen Romanen, Reportagebüchern und Biographien aktiv wird. Nahezu jedes der Bücher wird von den Kritikern der verschiedenen Zeitungen beachtet, auch wenn die Kritiken in beide Richtungen gehen, denn Kullenberg wird mit den Jahren extremer und bekommt eine sehr scharfe Zunge, die nicht nur ihre Umgebung und ihre Arbeitgeber erleben, sondern auch in ihren Werken sehr deutlich zum Ausdruck kommt. Kullenberg hat eine feste Meinung, die sie bis zum Extrem vertritt und dabei auch Aussagen bringt, die nur ihrer Meinung entsprechen und nicht nachgeprüft werden können.

Dass Annette Kullenberg allwissend ist, bekommt man insbesondere bei ihren beiden Büchern Palme och kvinnorna aus dem Jahre 1996 und Strindberg - murveln: en bok om journalisten August Strindeberg mit, das 1997 erschien, denn die Glorifizierung der beiden Personen stellt weder Olof Palme, noch August Strindberg in ein neutrales Licht, auch wenn Kullenberg zustimmen muss, dass über beide Personen mehr Unsinn als Sinn geschrieben wurde. Leider geht Kullenberg aus Opposition den gegenteiligen Weg, der mehr die Meinung der Schriftstellerin zeigt als die Person Palme oder Strindberg.

Natürlich darf man die Leistungen von Annette Kullenberg von literarischer Sicht aus nicht vernachlässigen, da sie in der Lage ist neue Wege zu gehen und die Welt von einer anderen Warte aus zu betrachten. Dies wird insbesondere deutlich bei ihren dokumentarischen Büchern. Den größten Erfolg hatte dabei das 1974 erschienene Buch Överklassen i Sverige. Finns den fortfaranda kvar?, das eine Mischung aus einer Reportage, Forschung, Erinnerungen und einem Wunschdenken Kullenbergs ist und bei der Veröffentlichung wie eine Bombe einschlug, da man vorher weder über die Oberklasse forschte, noch aber darüber sprach, da diese Elite in Schweden als unantastbar galt. Noch heute gilt dieses Buch als eine Art soziologischer Klassiker, der immer wieder neu aufgelegt wird.

Neben ihren Büchern und ihrer Arbeit als Journalist schrieb Annette Kullenberg noch zahlreiche Fernsehspiele, Hörspiele und das Manuskript für den Film En film om kärlek, die einen sehr unterschiedlichem Erfolg zeigten. Seit 2009 verfasst sie auch Chroniken für die Abendzeitung Expressen.

Auch wenn man in den frühen Büchern von Annette Kullenberg noch spürt, dass sie zu den schwedischen Feministinnen der 60er und 70er Jahre gehörte, so hält sie heute nur noch sehr wenig davon, da in ihren Augen der Feminismus seit den 70er Jahren einen Rückschritt machte und wir heute weiter davon entfernt sind als zur Zeit des Aufbruchs. Ihr Thema wurde die Gesellschaft allgemein und die Abneigung zur Monarchie.

Annette Kullenberg ist eine Zeitkritikerin mit einer guten Beobachtungsgabe, die jedoch nicht immer die Grenzen eines guten Schriftstellers oder eines Journalisten respektiert und seit Jahren immer wieder diese Grenzen überschreitet um ihre eigene Meinung zu dokumentieren, eine Eigenschaft, die für den Leser ihrer Werke bedeutet, dass er mit einem gewissen Vorbehalt an ihre Texte gehen muss. Kullenberg sagt seit Jahren grundsätzlich was sie denkt und was sie mag oder nicht mag und betrachtet nur sehr wenige Dinge neutral.

Copyright: Herbert Kårlin

18 september 2012

Sigrid Kahle und die Welt des Islam

Sigrid Kahle, geborene Nyberg, wurde am 18. September 1928 als Tochter des Orientalisten H. S. Nyberg und seiner Frau Fanny Hasselberg in Paris geboren und ist die Schwiegertochter des deutschen Professors Paul Kahle. Die Schriftstellerin wuchs jedoch in Uppsala auf, wo sie gegenwärtig auch mit ihrem neuen Partner Carl-Göran Ekerwald lebt.

Sigrid Kahle traf ihren ersten Ehemann Hans Kahle (John Kahle), den sie im Jahre 1951 heiratete, durch ihren Vater, da beide auf Orientalistik spezialisiert waren. Als Hans Kahle nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehren konnte, entschied er sich für den diplomatischen Dienst, was dazu führte, dass Sigrid Kahle mit ihm den gesamten Orient erlebte und mehrere Jahre in Pakistan, Afghanistan oder auch dem Irak verbringen konnte.


Während ihrer Aufenthalte in anderen Ländern, gelang es Sigrid Kahle nicht nur ihre journalistische Karriere fortzusetzen, sondern sie führte auch Regie bei mehreren Theaterstücken und verwirklichte damit einen kleinen Jugendtraum, da sie ursprünglich Schauspielerin werden wollte.

Auch wenn Sigrid Kahle bereits ab 1955 regelmäßig für das Svenska Dagbladet arbeitete, begann ihre schriftstellerische Karriere erst ab 1985, als sie sich überwiegend in Uppsala und München aufhielt. Ihre wenigen Werke, ausgenommen die Biographie von H. S. Nyberg und die Autobiografie Jag valde mitt liv, haben eine Anknüpfung an die orientalischen Kulturen und setzen sich vor allem mit dem Islam auseinander, den sie insbesondere während eines fünfjährigen Aufenthalts in Tunesien tiefer kennen lernte.

Zurück in Schweden begann Sigrid Kahle nicht nur schriftstellerisch tätig zu werden, sondern versuchte der Bevölkerung durch zahlreiche Vorträge auch den Islam und die Denkweise des Islam näher zu bringen, da sie erstaunt über die westlichen Vorurteile und die Unkenntnis über den Islam war, was sich in ihren Augen auch durch die Mohammed-Karrikaturen sehr deutlich zeigte. Ihre Kritik der Invasion des Irak und zahlreiche andere Kritiken führten jedoch dazu, dass die Autorin immer seltener zu Vorträgen zum Thema Islam geladen wurde.

Im Jahre 2006, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, schenkte Sigrid Kahle ihre gesamte Sammlung an Büchern zur Islamforschung und über den Orient der Universität in Umeå. Die rund 9000 Werke sind die größte Sammlung dieser Art auf schwedischem Boden und werden von der Universität ausgewertet und katalogisiert.

Sigrid Kahle gehört noch heute zu den meist diskutieren Schriftstellern, die sich mit der Kultur und der Entwicklung des Islam beschäftigen, nicht zuletzt deswegen, weil sie Forschungsergebnisse und private Erlebnisse vermischt und ein Bild des Islam zeigt, das die politische westliche Welt nicht unbedingt als Tatsache anerkennt.

Copyright: Herbert Kårlin

2 september 2012

Fredrika Charlotta Runeberg, die erste Journalistin Finnland

Fredrika Charlotta Runeberg, geborene Tengström, wurde am 2. September 1807 im finnischen Jakobstad (Pietarsaari) geboren und starb am 27. Mai 1879 in Helsingfors (Helsinki) und ging damit in zwei Ländern in die Literaturgeschichte ein, da sie als Finnland-Schwedin zwei Kulturkreisen angehörte, auch wenn sie alle ihre Werke in schwedischer Sprache schrieb.

Auch wenn über die Kindheit von Fredrika Charlotta Runeberg wenig bekannt ist, so wurde überliefert, dass sie bereits mit fünf Jahren lesen konnte und in einem Mädchenpensionat in Åbo (Turku) Deutsch, Französisch und Englisch lernte und in ihrer Zeit als eine der gebildetsten Frauen Finnlands galt.

Im Jahre 1931 heiratete Fredrika Charlotta den finnisch-schwedischen Autor Johan Ludvig Runeberg, der noch heute als finnischer, literarischer Nationalheld betrachtet wird und mit dem sie acht Kinder bekam, von denen zwei sehr jung starben. Sechs Jahre nach der Ehe zog das Ehepaar nach Burgå (Porvoo), wo sie sich permanent niederließen.

Ab 1833 begann Fredrika Charlotta Runeberg für das Helsingfors Morgonbladet zu schreiben, wobei sie hier Übersetzungen veröffentlichte, aber auch eigene Artikel. Nachdem sie gleichzeitig die Korrekturen der anderen Journalisten las, wird Fredrika in Finnland, das damals noch nicht selbständig war, häufig als die erste Journalistin des Landes bezeichnet.

Vor 1843 war Fredrika Charlotta Runeberg mehr Journalistin und vorbildliche Hausfrau, die von ihrem Ehemann überschattet wurde. Dies änderte sich auch nicht mit ihrem geschichtlichen Roman „Fru Catharina Boije och hennes döttrar“, da die Autorin es nicht wagte den Roman herauszubringen, aus Angst, dass er zu revolutionär für die Zeit sei, denn sie stellte in dem Werk Fragen wie eine Frau sich verwirklichen kann und wie eine gute Ehe aussehen soll.

Erst 1858 veröffentlichte Fredrika dann ihren ersten Roman, der bis dahin in der Schublade geschlummert hatte und 1861 trat sie mit „Teckningar och drömmar“ an die Öffentlichkeit, einer Sammlung an Prosastücken und Zeichnungen, die mehrmals neu aufgelegt wurden, letztmals im Jahre 1991. Ihr zweiter Roman „Sigrid Liljeholm“ kam 1862 auf den Markt und wurde von der Kritik vollkommen zerrissen, woraufhin Fredrika Charlotta sich an keinen Roman mehr machte. Im Anschluss schrieb die Schriftstellerin nur noch das autobiographische Werk „Min pennas saga“, das jedoch erst 1946, lange nach ihrem Tod veröffentlicht wurde.

Neben ihrer Aktivität als Journalistin und Schriftstellerin hatte Fredrika bereits 1845 in Borgå einen Lesezirkel gegründet, der den Frauen des Ortes Bildung vermitteln sollte. Ein Jahr später wurde sie in einem Frauenkreis aktiv, der den ärmsten Frauen des Ortes Arbeit verschaffen wollte und noch im gleichen Jahr gründete sie eine Schule für arme Mädchen, eine Art Volksschule, lange bevor eine staatliche Schule in Schweden und Finnland gegründet wurde.

Bereits sehr früh half Fredrika Charlotta Runeberg auch ihrem Mann bei der Übersetzung der Werke und bereitete sie für die Veröffentlichung vor, was sich nach 1863 noch intensivierte, als Johan Ludvig Runeberg nach einem Schlaganfall gelähmt worden war. Als ihr Ehemann 1877 starb, widmete sie die letzten beiden Jahre ihres Lebens den literarischen Nachlässen Johans, die unter dem Titel „Efterlämnade skrifter“ in drei Bänden veröffentlicht wurden, der letzte Band an dem Tag, an dem sie selbst starb.

Dass Fredrika Runeberg so wenige eigene literarische Werke schrieb, beziehungsweise veröffentlichte, zeigt auch das Dilemma, in dem sich die Autorin in jener Zeit befand, denn sie zweifelte daran, ob es moralisch richtig sei als Frau Bücher zu schreiben und sich veröffentlichen zu lassen, da die Rolle der Frau in jenen Jahren die Familie war und nicht die Öffentlichkeit. Dies machte Fredrika auch anfällig auf Kritik und stürzte sie mehrmals in Konflikte. Hinzu kam die Situation als schwedischsprachige Autorin in überwiegend Finnisch sprechendem Raum zu leben, ein Thema, das sie häufig im „Svenska Familj-Journalen“ aufnahm, in dem sie von 1862 bis zu ihrem Tod aktiv war und das mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren im gesamten Schwedisch sprechenden Raum Finnlands gelesen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin