7 november 2012

Johan Lindström Saxon, der Heimatautor Närkes

Johan Lindström Saxon wurde am 17. Februar 1859 in Gällersta (Närke) als Sohn des Landwirts Lars Johan Larsson und Kristina Lovisa Olsdotter geboren und starb am 7. November 1935 in Stocksund.

Die Eltern von Johan Lindström Saxon gehörten einer konservativen Freikirche an und waren absolute Antialkoholiker, was sich auch sehr deutlich auf die Arbeiten und das Leben des Schriftstellers, Journalisten und Verlegers auswirkte, der seine Zukunft bereits als Jugendlicher im Journalismus sah. Seine Ausbildung machte Lindström Saxon von 1879 bis 1880 an der Volkshochschule in Örebro, das etwa zehn Kilometer südlich von Gällersta liegt.


Unmittelbar nach seiner Ausbildung begann Johan Lindström Saxon bei der Örebroer Zeitung Nerike als Redakteur zu arbeiten. In den Folgejahren wechsele er mehrmals die Arbeitgeber, wobei er 1881 bei der Arboga-Posten begann, noch im gleichen Jahr zur Arboga Tidning wechselte, vier Jahre später bei der Jämtlandposten begann, 1887 zur Norrlänningen kam, wo er bis 1890 tätig war, um dann nach bereits einem Jahr bei der Arbetet in Malmö zu arbeiten.

Ab 1891 will Johan Lindström Saxon denn nicht mehr als gebundener Journalist arbeiten, sondern aktiv auf die Gesellschaft einwirken und die Menschen auf einen positiveren Weg bringen. Der erste Schritt in diese Richtung ist, dass er Jämtlands Allehanda übernimmt und als Signatur nicht mehr Johan Lindström nimmt, sondern Saxon wählt. Drei Jahre später verlässt der Zeitungsverleger Lindström Saxon Östersund und lässt sich in Stockholm nieder, wo er unmittelbar die Wochenzeitschrift Såningsmannen gründen, die 1928 zum Saxon & Lindströms Verlag wurde. Dieser Verlag, den er gemeinsam mit seinen Brüdern David und Edvin führte, veröffentlichte, unter anderem, die Zeitschriften Lektyr und Svensk Damtidning.

Johan Lindström Saxon kam relativ spät zur Schriftstellerei und veröffentlichte während seiner Zeit als Journalist lediglich das Buch Bondfolk, das 1887 erschien. Seine aktive Zeit als Schriftsteller begann jedoch erst 1915 mit dem Buch Gällersta, einer Darstellung seines Heimatorts in Närke. Diesem Buch folgten dann regelmäßig Romane und Sachbücher, die überwiegend eine Verbindung zu Närke haben. Seine letzten beiden Bücher Skomakarn, skräddarn och smed aus dem Jahre 1934 und Jakt och jägare i gamla tiders Närke von 1935 zählen mit zu den wichtigsten Büchern, die das Leben und die Geschichte Närkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchten.

Auch wenn Johan Lindström Saxon heute nahezu in Vergessenheit geraten ist, so war er im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine schwedische „Institution“, was sich auch daran zeigte, dass er bei einer Umfrage der Tageszeitung Dagens Nyheter im Jahre 1920 nach Hjalmar Branting, die bekannteste Person Schwedens war und bedeutend zur Meinungsbildung dieser Epoche beitrug.

Als Schriftsteller und Journalist war Johan Lindström Saxon kein Erneuerer, sondern vielmehr ein guter Beobachter, der ein Gefühl für jede Zeitströmung hatte und sich sehr klar und überzeugend ausdrücken konnte. Seine literarischen Werke sind insbesondere in einem lokalen Kontext zu sehen, der jedoch umso interessanter ist, da er hervorragend beobachtete und ein ausgezeichnetes Gedächtnis hatte.

Johan Lindström Saxon, der von 1886 bis 1888 mit Hedvig Lundcrantz und ab 1895 mit Anna Maria Bergström verheiratet war, konnte seine Meinungen an seine Leser vermitteln, da er, ohne je aktiv in der Politik tätig zu werden, auch persönlich klar zu seinen Meinungen bekannte und überzeugen konnte, was allerdings den persönlichen Umgang mit ihm nicht sehr einfach machte. Lindström Saxon war absoluter Antialkoholiker, setzte sich für Bauern und Arbeiter ein, gehörte zu den strikten Vegetariern seiner Zeit, forderte einen bedingungslosen Tierschutz und setzte sich für den Erhalt historischer Gebäude ein. Am 13. Februar 1903 gründete er auch die schwedische vegetarische Vereinigung (Svenska vegetariska föreningen), die noch heute aktiv ist.

Copyright: Herbert Kårlin

6 november 2012

Örnulf Tigerstedt und die rechte schwedische Literatur Finnlands

Örnulf Tigerstedt wurde am 20. Juli 1900 als Sohn von Axel Fredrik Tigerstedt und Mary Florence Helena von Schoultz in Helsingfors (Helsinki) geboren und starb am 6. November 1962 in Strängnäs. Tigerstedt, der Nachfahre eines alten schwedischen Adelsgeschlechts, veröffentlichte seine Werke sowohl unter seinem wahren Namen als auch unter dem Pseudonym Axel Fredriksson.

Über die Jugend von Örnulf Tigerstedt ist relativ wenig bekannt, obwohl der Schriftsteller in mehrerer Hinsicht in den 30er und 40er Jahren eine große Aufmerksamkeit auf sich zog, da er mit seinen ersten Gedichtbänden Vid gränsen,  Block och öde und Vågor als ein Erneuerer der schwedischsprachigen Literatur Finnlands gefeiert wurde und sich bereits mit den nächsten Werken immer mehr auf der extrem rechten Seite der Autoren befand.


Örnulf Tigerstedt war, wie sehr viele finnische und schwedische Autoren Finnlands, noch unter dem Einfluss der russischen Okkupation des Landes und sah als Alternative nur die nationalistische Bewegung, die sich um diese Zeit in Spanien, Italien und Deutschland verbreitete. Dieses Gedankengut findet man in nahezu allen Werken des Schriftstellers, zumindest bis zum Jahre 1944, als Tigerstadt Asyl in Schweden beantragte und nach großem Zögern der Regierung erhielt.

In der Folge veröffentlichte Örnulf Tigerstedt zwei Novellensammlungen, ein Drama und 1930 den Reisebericht Vi resa söderut, der in gewisser Weise ein literarischer Höhepunkt wurde, da er hier, unter anderem, den spanischen Stierkampf mit einer Realität beschreibt, die dazu führte, dass man diese Schilderung bis heute als die beste Darstellung des Stierkampfs in schwedischer Sprache bezeichnet.

Mit dem Gedichtband De heliga vägarne, gefolgt von den Essays Skott i överkant und dem Brief-Roman Utan örnar kam dann der deutliche Umbruch zur rechtsradikalen schwedischsprachigen Literatur, was zahlreiche Kritiker mit seinem extrem konservatives Elternhaus und der entsprechenden Erziehung zu erklären versuchten. Diese Werke machten Örnulf Tigerstedt zu einem Führer der jungen extrem rechten Bewegung Finnlands, die unter „Die scharze Garde“ bekannt wurde.

Ab 1939 hielt sich Örnulf Tigerstedt dann überwiegend in Stockholm auf um von dort aus auf die deutschen Machthaber darauf einzuwirken, dass sie Finnland mehr in ihre Pläne einbeziehen. Ob er auch als Spion in Schweden war, konnte nie geklärt werden. Seine Schaffenskraft nahm jedoch in dieser Zeit stark ab. Nach einigen Briefen und Aufzeichnungen soll sich Tigerstedt in dieser Zeit auch Gedanken darüber gemacht haben, ob die die deutsche Lösung tatsächlich eine Lösung war und eine geistige Wendung durchgemacht haben.

In den Gedichten, die Örnulf Tigerstedt nach 1944 in Schweden veröffentlichte, verschwinden sämtliche rechtsextremen Tendenzen und werden durch die Suche und oberflächliche Betrachtungen ersetzt, die jedoch einen romantischen Unterton aufweisen. Mit seinen beiden historischen Werken Huset Hackman und Floden av eld och järn legt Tigerstedt die Grundlagen für eine moderne Betrachtung der Wirtschaftsgeschichte im schwedischen Sprachraum, aber bis zu seinem Tod erscheinen nur noch relativ wenige Werke des Schriftstellers und keines erreicht die gleiche Stärke wie jene Bücher, die er in den 30er Jahren veröffentlichte.

Copyright: Herbert Kårlin

5 november 2012

Eirik Hornborg, ein Verteidiger der altschwedischen Sprache

Eirik Mikael Hornborg wurde am 29. September 1879 in Helsingfors (Helsinki) als Sohn von Albrecht und Alma Hornborg geboren und starb am 29. Dezember 1965 ebenfalls in der finnischen Hauptstadt in der er der schwedischsprachigen Minorität angehörte. Seit 1918 war Hornborg mit Ingeborg Ilmoni verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Eirik Hornborg ist wenig bekannt. Seine Biographie beginnt daher mit dem Abschluss seines Studiums im Jahre 1901. Zwischen 1900 und 1944 unterrichtete Hornborg als Lehrer an mehreren schwedischen Privatschulen Finnlands Geschichte und die schwedische Sprache, wobei er jedoch jede Neuerung des Schwedischen ablehnte und seinen Unterricht vollständig auf das ältere Schwedisch aufbaute.


Obwohl Eirik Hornborg in erster Linie Lehrer war und ein Verfechter der guten schwedischen Sprache, war er während des Ersten Weltkriegs politisch gegen Russland aktiv, kam später in den finnischen Landtag, anschließend der Reichstag und stand 1945 dem Ausschuss vor, der die finnische Außenpolitik während des Zweiten Weltkriegs untersuchte. In diesem Rahmen vertrat Hornborg eine Politik der Mitte, denn er bekämpfte auf der einen Seite die kommunistische Idee Russlands, auf der anderen Seite aber auch das extrem rechte Lapporörelse, das vor allem Mussolini als Vorbild hatte.

Die literarische Karriere Eirik Hornborgs leitete der historische Roman Under segel till antipoderna. Anteckningar från en färd till Oceanien im Jahre 1915 ein. In den Folgejahren veröffentlichte der Schriftsteller regelmäßig weitere geschichtliche Werke, die überwiegend eine Mischung aus Geschichtswissenschaft und geschichtlichem Roman waren, von zwei Biographien ausgenommen.

Auch wenn Eirik Hornborg Geschichte studiert hatte, so sah er sich nicht als Geschichtswissenschaftler und stufte daher auch keines der Werke als Fachliteratur ein, sondern teilweise als Geschichtsroman und teilweise als Sachbuch für alle, die sich für Geschichte interessieren.

Die meisten Werke Eirik Hornborgs behandeln die schwedische und die finnische Geschichte, aber unter den zahlreichen Buchveröffentlichungen findet man auch Themen zur französischen, amerikanischen und der römischen Geschichte, die zum Teil noch heute regelmäßig aufgelegt werden.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Autor von geschichtlichen Werken verfasste Eirik Hornborg auch unzählige Artikel in Zeitschriften, politische Abhandlungen und andere Werke, die nicht zur Literatur gerechnet werden. Gesamt betrachtet war Hornborg vermutlich der aktivste finnisch-schwedische Schreiber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Gesamtbibliographie umfasst insgesamt 178 Seiten.

Eirik Hornborg, der von 1934 bis 1947 der Vorsitzende der Svenska litteratursällskapet i Finland war, widersetzte sich auch in der Literatur jeder modernen Strömung und der Modernisierung der Sprache. Die Werke des finnisch-schedischen Autors Gunnar Björling (1887 - 1960), der als Modernisierer der schwedischen Literatur Finnlands gilt, kritisiert Hornborg auf eine Weise, dass der Autor weder die schwedischen Worte verstehe noch aber schwedisch schreiben könne.

Copyright: Herbert Kårlin
 

4 november 2012

Stig Dagerman, ein zerrissenes Leben bis zum Tod

Stig Dagerman wurde am 5. Oktober 1923 in Älvkarleby geboren. Der Vater, ein Sprengmeister, wollte nicht viel von ihm wissen und die Mutter, Helga Andersson, eine Telefonistin in Härnösand sah keine Möglichkeit sich um ihn zu kümmern, so dass der spätere Schriftsteller einen Teil seiner Kindheit bei den Großeltern verbringen musste.

Ursprünglich hieß Stig Dagerman nach der Mutter ebenfalls Andersson, aber als Gymnasiast nahm er dann den Namen des Vaters an, der zu dieser Zeit in Stockholm lebte. Mit neun Jahren zog Stig zu seinem Vater nach Stockholm, ohne ihm jedoch in irgendeiner Weise näher zu kommen. Die einzige Linie, die ihn mit seinem Vater verband, war die Arbeiterbewegung für die sich Stig ab seinem dreizehnten Jahr interessierte.


Als 1940 der Großvater Stig Dagermans von einem Psychopath ermordet wurde und kurz darauf auch seine Großmutter an einer Gehirnblutung starb, beging der Autor seinen ersten Selbstmordversuch, dem in den folgenden Jahren noch mehrere Versuche folgen sollten. Allerdings wurde er jedes Mal rechtzeitig gerettet, aber er überwand das Trauma mit seinen Großeltern und die Situation des verlassenen Sohnes nie.

Mit 17 schloss sich Stig Dagerman der Gewerkschaftsbewegung an und wurde Mitglied der Jugendverbandes SUF (Sveriges syndikalistiska ungdomsförbund), wo man sehr schnell seine Fähigkeiten sich schriftlich auszudrücken entdeckte. Auf diese Weise wurde er erst Redakteur der Mitgliedszeitschrift Storm und später bei der Zeitung Arbetare, wo er Chroniken schrieb und einen täglichen Vers veröffentlichte, wobei der letzte seiner Verse noch am Tag seines Tod veröffentlicht wurde.

In Stockholm traf Stig Dagerman dann seine erste Frau, Annemarie Götze, die mit ihrer Familie vom Nazideutschland über Spanien und Norwegen nach Stockholm gekommen war. Sehr bald zog der Schriftsteller bei Familie Götze ein, da die Wohnsituation mit seinem Vater sehr angespannt war und 1943 heiratete er Annemarie.

Die literarische Karriere Stig Dagermans begann 1945 mit dem Roman Ormen, einem Roman, der seinen Hintergrund im Barackenmilieu hat und von Angst und Schrecken dominiert wird. Der Roman wurde unmittelbar als das Werk eines Genies betrachtet, was sogar soweit ging, dass andere Autoren der Epoche sich ein Beispiel an Dagerman nahmen und er ein literarisches Beispiel der 40er Jahre wurde.

In den folgenden vier Jahren zeigte der Schriftsteller eine enorme Arbeitsleistung, denn er schrieb Romane, Novellen, Dramas und Artikel für die Zeitung Arbetare. Sein zweiter Roman erschien 1946 mit dem Titel De dömdas ö, ein Roman in dem sieben Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel ihrem Schicksal entgegengehen, vorher jedoch wie in einem Alptraum ihr eigenes Leben vor Augen geführt bekommen. Die symbolhafte Sprache und die langen Sätze Dagermans machen den Roman jedoch zu einem nahezu unlesbaren Meisterwerk.

Im Jahre 1947 wurde im Stockholmer Dramaten das Drama Dagermans Den dödsdömde aufgeführt, es erschien seine Novellensammlung Nattens lekar und er veröffentlichte seine gesammelten Reportagen aus dem Nachkriegsdeutschland unter dem Titel Tysk höst, die er im Laufe des Jahres 1946 im zerbombten Deutschland für den Expressen gemacht hatte. Diese Reportagen machten den Schriftsteller auch beim breiten Publikum bekannt, da er für die Zeitung eine leichter zugängliche Sprache benutzte als bei seinen anderen Werken.

Als Stig Dagermann im folgenden Jahr eine Folgereportage in Frankreich machen sollte, war er unfähig auch nur einen Artikel zu liefern, da er dem Leistungsdruck, der auf ihm lag, nicht gewachsen war. In diesem Jahr in Frankreich erschien daher lediglich sein Roman Bränt barn in dem der Autor eine komplizierte psychologische Entwicklung eines jungen Mannes beschreibt, der die neue Frau seines Vaters erst ablehnt und sich dann von ihr angezogen fühlt und ein Verhältnis mit ihr eingeht.

Auch wenn Stig Dagerman nach Brännt barn noch einige weitere Werke veröffentlichte, so blieb dieser Band der meist gelesene seiner schriftstellerischen Karriere, der ein sehr breites Publikum ansprach.

Im Jahre 1950 ließ sich Stig Dagerman von seiner ersten Frau scheiden und heiratete die Schauspielerin Anita Björk. Er ließ sich gleichzeitig einen hohen Vorschuss für seinen nächsten Roman auszahlen, aber wegen einem anhaltenden Schreibkrampf, starken Depressionen und Angstzuständen entstand ab diesem Zeitpunkt kein Buch mehr von dem als Genie bezeichneten Autor. Nach zahlreichen Depressionen, Aufenthalten im Krankenhaus und mehreren missglückten Selbstmordversuchen nahm sich Stig Dagerman am 5. November 1954 in seiner Garage in Enebyberg (Danderyd) das Leben, wobei jedoch alles darauf hindeutet, dass er es sich auch dieses Mal in der letzten Sekunde anders überlegt hatte, denn er hatte den Fuß vom Gas genommen und versuchte, wenn auch zu spät, aus seinem Fahrzeug auszusteigen.

Copyright: Herbert Kårlin

3 november 2012

Magnus Stenbock und die Ansicht eines Grafen

Magnus Stenbock, oder richtiger gesagt Graf Magnus Stenbock, wurde am 28. September 1911 in Stockholm geboren und starb am 2. Mai 2007 in Sankt Anna im Östragötaland. Der Schriftsteller gehörte einem alten Adelsgeschlecht an, was sich auch in seiner Weltanschauung ausdrückte.  Stenbock, den man grundsätzlich mit seinem Adelstitel ansprechen musste, war der Sohn des Stiftbibliothekars in Linköping, Carl Magnus Stenbock, und dessen Frau Louise Mörner af Morlanda. Magnus Stenbock selbst, der sein Leben überwiegend auf dem Gut Herrborum verbrachte, war nie verheiratet.

Nach seiner Schulzeit in Linköping und Sigtuna studierte Magnus Stenbock an den Kunstschulen Gotfrid Larsson (Skulptur) und Edward Berggrens (Malerei). Im Gegensatz zu seinen Schriften stellte der Künstler seine Werke jedoch erst 1993 erstmals in Söderköping aus, zumal sich Magnus Stenbock auch mehr als Schriftsteller als als Künstler betrachtete.


Auch wenn sich Magnus Stenbock als Schriftsteller betrachtete, so wird seine Rolle innerhalb der Literaturgeschichte Schwedens kaum bemerkt, denn seine Leistung lag nicht im Schreiben, sondern am Inhalt, der eine längst vergangene Welt schildert, die an den Adelstand des 18. Jahrhunderts erinnert und damit mehr als rückblickendes Zeitdokument betrachtet werden muss.

Als Magnus Stenbock im Jahre 1961 erstmals das Buch Tankar och Synpunkter i några av tidens frågor veröffentlichte, erregte es Aufmerksamkeit, weil es bereits um diese Zeit eine so veraltete Gedankenwelt verteidigte und als Vorbild nahm, dass es unter allen anderen Produktionen auffallen musste, denn für den Autor war die Rolle der Frau nach wie vor auf Kind und Herd beschränkt und die einzige Abwechslung die Krankenpflege im Haus.

Als Vorbild für seine, in seinen Augen, moderne Ideenwelt, nahm Magnus Stenbock seinen Vorfahre, den Feldmarschall Magnus Stenbock, Albert Schweitzer und Dalai Lama, die er jedoch ausschließlich in ihrem konservativen Kontext betrachtete, wobei die Ideen dieser drei Personen jedoch in seine Gegenwart einflossen.

Da Literatur die gesamte Breite der Denkweisen einer Gesellschaft einnehmen soll, so ist das Buch von Magnus Stenbock so zu betrachten wie die ersten Bücher der Frauenbewegung oder der Arbeiterliteratur, denn der Graf war, wenn auch auf seine Weise, ein Revolutionär, was sich nicht nur in seinem „Basiswerk“ ausdrückt, sondern auch auf seinem Alltag auswirkte.

Magnus Stenbock vertrat eine Mischung aus vergangenem Adelsdenken und richtungsweisenden Ideen, denn während er nahezu forderte, dass seine Gäste mit einem Pferdewagen vorfahren, verbot er auf seinen Gütern jede Art von Fischfang, genehmigte auf den Gewässern nur Ruderboote oder Elektromotoren und zeigte sich als radikaler Tierschützer nach der altindischen Philosophie Ahimsa.

Den literarisch größten Erfolg hatte Magnus Stenbock mit seinen Theaterstücken Östgötarna und Onsdagsbröllopet, die in humoristischer Weise eine ideale, jedoch vergangene, Gesellschaftsordnung im historischen Aspekt spiegelten und als Publikumserfolge zu bewerten sind, auch wenn sie mittlerweile seit 60 Jahren nicht mehr aufgeführt werden.

Copyright: Herbert Kårlin

2 november 2012

Moa Martinson eine feministische Arbeiterschriftstellerin Schwedens

Moa Martinson, geborene Swartz, kam am 2. November 1890 in Vårdnäs bei Linköping als Tochter von Kristina Swartz und unbekanntem Vater zur Welt. Die ersten Jahre verbrachte Moa überwiegend bei der Großmutter und erst als Fünfjährige konnte das Mädchen zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Alfred Karlsson ziehen. Die Schriftstellerin starb am 5. August 1964 in Sorunda im Södermanland.

Bereits mit 16 arbeitete Moa Martinson auf der Kunst- und Industrieausstellung in Norrköping und noch im gleichen Jahr fand sie dann eine Ausbildungsstelle bei einem Restaurant in Stockholm. Nach ihrer Ausbildung arbeitete Moa dann mehrere Jahre als die jüngste Kaltmamsell des Landes überall in Schweden.


Mit 18 traf Moa Martinson den Arbeiter Karl Johan Leonard Johansson und ein Jahr später erwartete sie ihr erstes Kind, dem in kurzem Abstand vier weitere folgten, bevor das Paar sich dann 1922 verheiratete. Allerdings vertrank ihr Ehemann sehr oft seinen Lohn, so dass Moa Gemüse anbaute, fischte und Fallen stellte um die Familie zu ernähren. 1925 ertranken zwei der Söhne als sie im Eis einbrachen und 1928 beging ihr Ehemann Selbstmord. In dieser Zeit war Moa Martinson bereits politisch aktiv und in ihrem kleinen Häuschen, in das sie bereits 1910 gezogen war, fanden die Treffen der Gewerkschaftsbewegung statt.

Die literarische Karriere Moa Martinsons begann im Jahre 1922, als die Zeitung Arbetaren ihre ersten Beiträge veröffentlichte. 1927 begann Moa dann in der feministischen Zeitung Tidevarvet über die Situation der Arbeiterfrauen zu schreiben und 1933 erschien ihr Roman Kvinnor och äppelträd (Frauen und Apfelbäume), ein Buch, das zwar erst von mehreren Verlagen abgelehnt worden war, nach der Veröffentlichung jedoch bedeutendes Aufsehen erregte, da Moa Martinson beim Schreiben nicht zu literarischen Stilmitteln griff, sondern eine sachliche und offene Sprache wählte und selbst die Sexualität ansprach, was zu jener Zeit als Tabuthema in der Literatur galt. 

Den wahren Durchbruch hatte Moa Martinson dann mit der autobiografischen Trilogie über Mia, die aus den Büchern Mor gifter sig (Mutter verheiratet sich), Kyrkbröllop (Kirchenhochzeit) und Kungens rosor (Rosen des Königs) besteht. Diese drei Bände gelten geradezu als Kulturgeschichte Norrköpings zu Beginn des 20. Jahrhunderts, da Moa nicht nur ihre persönlichen Erlebnisse beschreibt, sondern auch einen Einblick in alle Ereignisse der Stadt zu dieser Epoche liefert.

Ein wichtiges und ständig wiederkommendes Thema bei Moa Martinson ist die Freundschaft unter Frauen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen, eine Voraussetzung für das gesellschaftliche Arbeitergefüge dieser Zeit, als männliche Arbeiter ihre Freizeit weniger zu Hause als vielmehr mit Freunden in der Kneipe verbrachten und den Lohn vertranken.

Während Moa Martinson sowohl als politische Führerin im lokalen Rahmen, als Frauenrechtlerin und auch als Schriftstellerin einen bedeutenden Erfolg aufweisen konnte, so hatte sie mit ihren Männern weniger Glück, denn auch die zweite Ehe, die sie mit Harry Martinson einging, dauerte gerade einmal elf Jahre, da Harry Martinson von einer Affäre zur nächsten schlitterte und wenig von einer stabilen Familie hielt. Der Schriftsteller Ivar Lo-Johansson, der zu beiden eine Freundschaft pflegte, schildert dieses Verhältnis in seinem Roman Tröskeln.

Das kleine Häuschen in Johannesdal, in dem Moa Martinson nahezu ihr gesamtes Leben verbrachte, wo sie ihre Werke schrieb und mit Harry Martinson lebte, ist noch heute im gleichen Zustand in dem Moa Martinson es bei ihrem Tod am 5. August 1964 verlassen hat. Allerdings ist das rote Häuschen mit seinem Obstgarten nicht als Museum eingerichtet und kann nur von außen betrachtet werden.

Moa Martinson ist die einzige Arbeiterschriftstellerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bietet daher einen einzigartigen Einblick in das Leben der Arbeiterfamilien von der Sicht einer Frau. Ohne die Frauenbewegung der 70er Jahre wäre Moa Martinson heute vermutlich vergessen, da man in der Literatur der letzten 100 Jahre immer nur Männer im Zentrum der Arbeiterbewegung sah und auch das Leben der Frau jener Zeit nur von Seiten der Männer geschildert wurde um ein einheitliches Bild zu schaffen in dem die Frau keine wichtige Rolle spielte.

Copyright: Herbert Kårlin

1 november 2012

Louise Boije af Gennäs und die schwimmende Grenze

Louise Boije af Gennäs wurde am 1. November 1961 auf Östermalm in Stockholm geboren und wuchs mit einer Schwester in Bromma in gehobenem bürgerlichen Milieu auf. Louise besuchte die exklusive Privatschule Lundsbergs skola, wo sie die Hochschulreife im Bereich Gesellschaftswissenschaft mit den besten Noten abschloss.

Die Schriftstellerin studierte nach der Hochschulreife in den USA Literaturwissenschaft und Journalismus. Ihr Lebenslauf hat den Lücken bis im  Jahre 1991 ihr Buch Ta vad man vill ha erscheint, ein Roman, der oft als erster Oberklassenroman Stockholms bezeichnet wird und weniger wegen seiner Qualität überzeugt, sondern durch das flüssige Schreiben, das sie in den USA lernte und selbst bei Gefühlen jede Tiefe vermeidet, ein Stil, der bis zu dieser Zeit in Schweden kaum bekannt war. Überzeugend sind dabei vor allem die Stockholmschilderungen, die aus Zeitvertreib der Hauptfigur entstehen.


Wirklich aufmerksam wird man auf Louise Boije af Gennäs jedoch erst als sie 1996 das Buch Stjärnor utan svindel veröffentlicht, einen autobiografischen Roman, der ihr lesbisches Verhältnis zu Mian Lodalen, einer Leitfigur des schwedischen Feminismus, als Grundlage benutzt und der Schriftstellerin einen Kultstatus in den homosexuellen Kreisen Schwedens verleiht, auch wenn sie später erklärte nicht bisexuell zu sein, sondern sagt, dass sie sich nur ein einziges Mal in eine Frau verliebte. Mit 150.000 verkauften Exemplaren gelang Louise Boije af Gennäs jedoch mit Stjärnor utan svindel ein Bestseller.

Dieser Erfolg und die amerikanische Art des Vielschreibens verhilft der Autorin auch dazu mehrere Drehbücher für schwedische Fernseh-Serien schreiben zu dürfen, unter anderem zu den Soaps Rederiet und Nya Tider, die zu schwedischen Dallas-Serien werden und auch als solche gedacht waren.

Über zehn Jahre lang erscheint dann kein Roman mehr von Louise Boije af Gennäs, bis sie im Jahre 2010 den ersten Band einer Millenium Trilogie präsentiert. Der erste Band Högre än alla himlar wird, ebenso wie zwei Jahre später der zweite Band Blå korall, mit gemischten Gefühlen aufgenommen, denn die Schriftstellerin hält sich kaum an gewohnte Regeln und beschreibt die Geschichte von sechs Freunden, die nicht nur von persönlichen Ereignissen beeinflusst werden, sondern auch von Geschehnissen, die sich irgendwo auf der Welt ereignen. Mehr noch als die vorhergehenden Romane, dringt hier der amerikanische Stil und die amerikanische Ausbildung durch, der sich durch ein flüssiges Schreiben, eine klare Struktur und das Einbinden von Randereignissen auszeichnet, aber so manchen Leser davon abhält die sehr dicken Bücher überhaupt in die Hand zu nehmen.

Die Bücher von Louise Boije af Gennäs zeichnen sich dadurch aus, dass die Autorin alle Grenzen verschwimmen lässt und feministische Ideen neben politische Handlungen, das Rollenverhalten und eine Stadtbeschreibung setzt.

Louise Boije af Gennäs ist mit jeder Zeile, die sie schreibt, sie selbst, was man als positiv und negativ sehen kann, denn die Warte auf Stockholm und das Leben kommt bei ihr immer von der Oberschicht der Hauptstadt Schwedens. Die Schriftstellerin verzichtet bewusst über etwas zu schreiben, das sie nicht wirklich kennt und nicht fühlen kann.

Copyright: Herbert Kårlin