23 mars 2013

Klara Johanson und die Welt der schwedischen Frau im Umbruch

Klara Johanson wurde am 6. Oktober 1875 als Tochter des Schneiders Alexander Johanson und dessen Frau Anna Christina (Stina) Jönsdotter in Halmstad geboren und starb am 8. Oktober 1948 in Stockholm. Johanson war nie verheiratet, lebte jedoch lange Jahre mit Ellen Kleman zusammen und veröffentliche einige Werke unter dem Pseudonym Huck Leber.

Aus der Kindheit und Jugend von Klara Johanson ist relativ wenig bekannt, obwohl die Schriftstellerin die Straße in der sie aufwuchs in Artikeln der Föreningen Gamla Halmstads årsbok mehrmals beschrieb. Auf die Hochschulreife bereitet sich Johanson privat vor und 1894 legte sie dann als erster weiblicher Student Halmstads die Reifeprüfung in Göteborg ab. Zwischen September 1894 und 1897 studierte die Schriftstellerin dann humanistische Wissenschaften an der Universität Uppsala, die sie mit einer Kandidatur abschloss.


Die ältesten von Klara Johanson bekannten Werke stammen noch aus ihrer Studienzeit in Uppsala. Allerdings handelt es dabei nur um vier Parodien von denen zwei gedruckt wurden, die sie jedoch mehr zum Vergnügen geschrieben hatte und daher nur sehr eingeschränkt als Literatur bezeichnet werden können.

In Uppsala schloss sich Klara Johanson dem weiblichen Studentenverband an, wo sie auch die spätere Schriftstellerin Lydia Wahlström kennenlernte mit der sie einige Jahre lang ein Verhältnis hatte. Auch auch als die private Verbindung zerbrach, blieben die beiden Frauen enge Freundinnen die zudem beide für die Rechte der Frauen eintraten und für das Wahlrecht der Frauen kämpften.

Ob Klara Johanson von Beginn an Schriftstellerin werden wollte ist ungewiss, denn nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie erst im Kriegsarchiv und wurde 1899 Radaktionssekretärin und Literaturkritikerin für die Zeitschrift Dagny des Fredrika-Bremer-Verbandes und begann ein Jahr später auch Chroniken für das Stockholms Dagblad zu schreiben und dort auch die ersten Literaturkritiken zu veröffentlichen.

Im literarischen Kreis wurde man erstmals im Jahre 1900 auf Klara Johanson aufmerksam, allerdings nicht durch ein eigenes Buch, sonderm durch ihre Übersetzung von Henri-Frédéric Amiels intimem Journal, einem Werk, das sie 1925 in einer neuen Version vorlegte, da sie entdeckt hatte, dass ihr beim ersten Mal nicht das Original zur Verfügung stand und daher Fehler entstanden waren. Bis 1947 sollten von diesem Buch sieben Auflagen gedruckt werden.

Das erste eigene Werk von Klara Johanson erschien im Jahre 1901 mit dem Titel Oskuld och Arsenik unter dem Pseudonym Huck Leber. Dieses erste Buch der Schriftstellerin schließt im Grunde noch an die studentischen Parodien an, nur dass sie hier vor allem ihren Heimatort Halmstad ironisch auf die Schippe nimmt. Allerdings bleibt der Leserkreis dieses ersten Werkes sehr eingeschränkt.

Auch im Jahre 1907 schafft es Klara Johanson nicht ein Buch zu bieten, das das Publikum wirklich ansprach, da sie in der Novellensammlung Ligapojkens Eros, historier om barn och dårar mehr zur Journalistin als zur Buchautorin wird. Was dagegen im gleichen Jahr nahezu wie eine Bombe einschlägt, ist das Tagebuch einer kürzlich gestorbenen Prostituierten, das die Schriftstellerin unter dem Titel Den undre verlden. En lifshistoria veröffentlicht, da sie bei diesem Werk zeigt wie die Gesellschaft verhindert, dass eine Prostituierte in ein normales Leben zurückfinden kann.

Die Stärke von Klara Johanson war nie der Roman, sondern ihre Essays, ihre Beiträge in der Presse, ihre Übersetzungen und die Herausgabe von Werken anderer Autoren, insbesondere natürlich die Herausgabe der Briefe von Fredrika Bremer in vier Bänden.

Aber auch wenn man die Buchausgaben von Johanson an zwei Händen abzählen kann, so spielt sie für die Literaturgeschichte Schwedens eine wichtige Rolle, da sie nicht nur die Situation der Frau Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtete, sondern in Schweden auch die Literatur anderer Länder verbreitete und damit wichtige Denkanstöße gab. Hinzu kommt, dass Johanson nicht nur für die Rechte der Frau eintrat, sondern ihre Einstellung auch im täglichen Leben zeigte, denn während ihre Liebesaffäre mit Lydia Wahlström noch kaum an die Öffentlichkeit getragen wurde, so sog sie 1912 mit Ellen Kleman in eine Wohnung und auch ihre Affäre mit der Künstlerin Sigrid Fridman war kaum ein Geheimnis.

Den Zugang zu Klara Johanson gewinnt man allerdings nicht durch die Lektüre ihre Bücher, vom nach ihrem Tode erschienen Band Kritik abgesehen, in dem sie die Erstlingswerke junger Autoren bespricht, sonder durch Essays über Sören Kierkegaard und insbesondere ihre Briefe, die bisher nicht in Buchform erschienen sind, da Johanson in ihren Briefen völlig offen über ihre Gefühle und Gedanken schreibt und eine sehr einfühlsame Seite zeigt.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

22 mars 2013

Tor Hedberg und der psychologische Roman

Tor Hedberg wurde am 23. März 1862 als Sohn des Schriftstellers Frans Hedberg und dessen Frau, der Schauspielerin Julia Amanda Carolina Broman, in Stockholm geboren und starb am 13. Juli 1931 ebenfalls in der Hauptstadt Schwedens. Hedberg war mit der Schauspielerin Amanda Kristina (Stina) Sofia Ulrika Holm verheiratet.

Bereits mit elf Jahren soll Tor Hedberg seinem Vater ein Gedicht zum Geburtstag geschrieben haben nach dem er dem Weg des Vaters gehen wollte und sich entschieden hatte später Schriftstellers zu werden. Wie viel der junge Hedberg dann in den Folgejahren jedoch schrieb, ist unbekannt, denn 1880 schrieb er sich an der Universität Uppsala für Philosophie ein und seine ältesten erhaltenen Schriften gehen lediglich bis zu dieser Zeit zurück.


Die ersten Jahre in Uppsala schrieb Tor Hedberg auch seine ersten Romane, die noch vollständig unter dem Einfluss von Émile Zola standen und daher dem nachdenklichen Realismus der 80er Jahre folgten. Die Schwermut Hedbergs, die sich bereits in seiner Jugend zeigte, wirkt sich auch auf das Schreiben aus, denn die ersten Romane werden zu psychologischen Charakterstudien, die sich bis zu seinem Roman Judas im Jahre 1886 hinziehen.

Nach dem Roman Judas und unter dem Einfluss seiner Freunde Oscar Levertin und Karl Staaff, mit denen er auch den Verein Verdani gründet, geht Tor Hedberg zur Nationalromantik über. Eine große Bedeutung hat hierbei sicher auch seine unglückliche Verbindung zur zehn Jahre älteren Freiherrin Sigrid von Mecklenburg, denn in seinen folgenden Romanen sind die Hauptmotive oft Einsamkeit und eine unglückliche Liebe, von den Problemen Vater-Sohn, die man während der gesamten Schaffensphase des Schriftsteller finden kann, abgesehen.

Die Bindung zum Vater spürt man bei Tor Hedberg sehr deutlich, wobei man oft das Gefühl bekommt, dass er gleichzeitig unter dem Druck des Vaters leidet, der bereits 1881 Tors Einakter I lugnet im Stora Teatern in Göteborg aufführen ließ, wo Frans Hedberg zu dieser Zeit als Theaterdirektor arbeitete. Aber auch die Novellen, die Hedberg die ersten Jahre über schrieb spielten meist im gleichen Milieu, das der Vater für seine eigenen Werke bereits benutzt hatte.

Zeit seines Lebens gelang es Tor Hedberg nicht eine klare Linie in sein Schaffen zu bringen, so dass er teilweise parallel für die Presse sowie für das Theater schreibt und neben schöngeistigen Roman auch Gedichte verfasste.

Eine sehr ähnliche Linie zeigt sich auch bei seinem beruflichen Werdegang, dann nach seinem Studium in Uppsala wird Tor Hedberg erst Privatlehrer, von 1897 bis 1907 arbeitet er als Kunst- und Literaturkritiker für das Svenska Dagbladet (SvD), von 1910 bis 1922 wird er Chef des Dramaten um anschließend als Kunstkritiker für die Dagens Nyheter (DN) zu schreiben. Seine letzte Aufgabe übernimmt er dann als Intendant bei der Thielska Galerie in Stockholm.

Den größten Erfolg hatte Tor Hedberg nicht als Autor von Romanen, Gedichten und Kunstmonographien, sondern als Dramatiker, da er durch sein Interesse für die Psychologie in der Lage war jeder handelnden Person auch die am besten geeigneten Charakterzüge zu verleihen.

Am häufigsten gespielt und am bekanntesten wurde unter den zahlreichen Theaterstücken von Tor Hedberg das Stück Johan Ulfstjerna, das später auch verfilmt wurde. Auch in seinen Dramas behandelt Hedberg sehr häufig das Vater-Sohn-Problem, das für ihn erst 1927 mit dem Stück Rembrandts son als abgeschlossen gelten kann und auch bei Johan Ulfstjerna eine tragende Rolle spielt.

Als Dramatiker hat Tor Hedberg die Arbeiten von Hjalmar Bergman und Pär Lagerkvist sehr stark beeinflusst, die vom Ausdruck, den Hedberg seinen Personen gab, stark beeindruckt waren. Seine Arbeit im Dramaten, wo er die Möglichkeit hatte seine Stücke so aufzuführen wie er sie selbst sehen wollte, war weniger erfolgreich, denn sehr schnell wurde kritisiert, das er alle wichtigen Positionen auf und hinter der Bühne seiner Familie und seinen Freunden gab. Diese Machenschaft führte letztendlich auch dazu, dass der die Leitung des Dramaten im Jahre 1921 nicht mehr fortführen durfte.

Tor Hedberg wurde 1922 in die Svenska Akademien gewählt und nahm dort, nach Ivar Afzelius, auf dem Stuhl Nummer 4 Platz. 1927 wurde Hedberg auch die Ehrendoktorwürde der Universität Stockholm verliehen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

21 mars 2013

Anders Fryxell und der erste Geschichtsroman Schwedens

Anders Fryxell wurde am 7. Februar 1795 als Sohn des Propstes Mathias Fryxell und dessen Frau Eva Lovisa Ekman in Edelskog im Dalsland geboren und starb am 21. März 1881 in Stockholm. Fryxell war mit seiner Cousine Juliana Lagergren verheiratet.

Da Anders Fryxell aus einem lange zurückzuverfolgenden Priestergeschlecht stammte, war es im Grunde logisch, dass auch er die Priesterlaufbahn, die um diese Zeit in der Regel mit der Tätigkeit als Lehrer verbunden war, wählte und sich nach der Hochschulreife in Karlstad im Jahre 1813 an der Universität Uppsala in der philosophischen Fakultät einschrieb. Da 1817 Fryxells Vater starb und daher das Geld ausblieb, musste er vorübergehend als Lehrer in Stockholm arbeiten, was ihn jedoch nicht davon abhielt sein Studium dennoch zu beenden und 1820 zum Priester geweiht zu werden.


Über seine Kindheit und seine Jugend wollte Anders Fryxell nie viel veröffentlichen, was man auch in seinem teilweise autobiographischen Werk Min historias historia sehr schnell feststellen kann. Mehr weiß man über den Schriftsteller erst ab seiner Studienzeit aus der zahlreiche Tagebücher und andere Aufzeichnungen erhalten sind. Bereits im Alter von etwa 20 Jahren war Fryxell ein sehr aktiver Schriftsteller, wobei er jedoch die ersten zehn Jahre vor allem romantische Gedichte und insbesondere das Singspiel Vermlands-Flickan veröffentlichte in dem man auch das bekannte Ack Värmeland du sköna findet.

Parallel zu diesem schöngeistigen Schaffen entwickelt sich Anders Fryxell in den 20er Jahren auch zu einem der wichtigsten Kritiker des Schulsystems jener Zeit, denn bereits 1823 veröffentlicht er anonym das Pamphlet Förslag till enhet och medborgerlighet i de allmänna undervisningsverken, das nahezu als Aufstand gegen das Gesellschaftssystem betrachtet wurde, da Fryxell forderte die Bildung zu verallgemeinern und nicht nur vom klassischen Unterricht abzugehen, sondern auch allen Schweden den gleichen Unterricht zu bieten, also die Bildung nach Stand abzuschaffen und Adelige neben einfachen Menschen in der Schulbank sitzen zu lassen.

Ab den 30er Jahren verwandelte sich Anders Fryxell in einen Schriftsteller, der die gesamte Geschichte Schwedens beleuchten wollte und dabei im Laufe der Zeit zum wissenschaftlichen Forscher wurde. Ein bedeutender Unterschied zwischen Fryxell und den anderen Autoren von Geschichtswerken jener Zeit war jedoch, dass der Autor bei den ersten Bände seiner schwedische Geschichte aus seiner persönlichen Warte schrieb und auf Quellmaterial vollkommen verzichtete. Die Bände waren spannend, aber kaum von den offiziellen Geschichtsschreibern anerkannt.

Nach einigen Reisen nach Deutschland und der steigenden Kritik gegen seine „unsachliche“ Schreibweise begann Anders Fryxell seine Aussagen wissenschaftlich zu untermauern, jedoch erneut nicht im Sinne der damaligen schwedischen Geschichtswissenschaft, sondern er griff zu ausländischen Quellen und diplomatischen Aufzeichnungen, da er der Meinung war, dass sich die schwedische Geschichtsschreibung zu sehr an herkömmlichen nationalen Werten ausrichtete und dadurch keine objektive Betrachtungsweise zulässt.

Natürlich bot auch Anders Fryxell keine neutrale Geschichtsschreibung, da er persönliche moralische Werte in seinen Büchern einfließen lies, die in vielen Punkten den Lehrer Fryxell zeigten, aber auch den starken religiösen Glauben des Autors ausdrückten, was Erik Gustaf Geijer extrem kritisierte, für den die Verbindung von Politik und Geschichte wichtig war.

Fryxell und Geijer gingen zwei völlig verschiedene Wege, hatten aber gemeinsam, dass sie beide davon überzeugt waren diejenigen zu sein, die die schwedische Geschichte verstanden haben und sie nun einer breiten Schicht vermitteln müssen. Während Geijer jedoch nach einer offiziellen wissenschaftlichen Anerkennung suchte, entwickelte sich Fryxell zum Schriftsteller des Volkes und kann als Vorläufer für den Geschichtsroman betrachtet werden.

Auf lange Sichte zeigte sich auch, dass Anders Fryxell mit seiner geschichtlichen Betrachtungsweise, trotz des Widerstands der damaligen Historiker, einen größeren Einfluss auf die geschichtliche Denkweise hatte als Geijer, denn August Strindberg, Viktor Rydberg und Verner von Heidenstam griffen beim Schreiben ihrer Geschichtsromane auf die Werke von Fryxell zurück und sorgte dadurch dafür, dass der Geschichtsroman eine eigene Gattung innerhalb der Literaturgeschichte wurde und den einfachen Leser anzog.

Anders Fryxell fühlte bei seinen Schriften immer einen pädagogischen Auftrag, was man sehr deutlich bei seinem Werk Berättelser ur svenska historien findet, denn er richtete sich mit seinem Stil nicht an Wissenschaftler, sondern wollte die Geschichte zu einer spannenden Materie machen, die der Leser verstehen kann. Für Fryxell sind daher die moralischen Werte und die Gefühle der handelnden Personen wichtiger als eine neutrale Darstellung der geschichtlichen Handlungen, was natürlich den Widerstand der dominanten Historiker herausforderte für die Geschichte kein Stoff für das Volk war, sondern für die höhere Schicht, die Geschichte als Handwerkzeug für ihre Entscheidungen benutzen konnte.

Anders Fryxell wurde 1840 in die Svenska Akademien aufgenommen wo er, nach Johan Olof Wallin, auf dem Stuhl Nummer 1 Platz nahm.

Copyright: Herbert Kårlin

20 mars 2013

Brita af Geijerstam, von Nalle Puh zu Liebesgedichten

Brita af Geijerstam, geborene Gemmel, wurde am 20. März 1902 als Tochter von Harald Gemmel, Direktor in der Papierfabrik in Klippan, und dessen Ehefrau Edith Hultner in Västra Sönnarslöv in Skåne geboren und starb am 9. September 2003 im Alter von 101 Jahren in Bromma, Stockholm. Geijerstam war in erster Ehe mit Ragnar af Geijerstam verheiratet und heiratete nach dem Tod ihres Mannes seinen Cousin Bengt af Geijerstam.

Als Brita af Geijerstam sechs Jahre alt war, zog die Familie erst nach Stockholm und wenige Jahre später in eine Villa auf Lidingö. Kunst und Literatur spielte im Elternhaus von Beginn an eine wichtige Rolle. Neben den üblichen Schulfächern lernte die spätere Übersetzerin und Schriftstellerin noch Deutsch, Englisch und Französisch und lernte Klavier und Geige spielen. Da ihre Liebe jedoch dem Tanz gehörte, war sie ab dem Alter von zehn Jahren auch Schülerin bei Anna Behle, die um diese Zeit die einzige Tanzschule Stockholms leitete.


Auch wenn Brita af Geijerstam bereits während der Hauptschule ihre ersten Gedichte schrieb, so sollte es 38 Jahre dauern, bis das erste literarische Werk der Autorin erscheinen sollte, denn nach der Hochschulreife ging Geijerstam erst einmal nach England um Tanz zu studieren. Anschließend führte sie der Weg ins Jaques Dalcroze-Institut in Genf um dort in weiteren drei Jahren ihre Ausbildung als Tanzpädagogin zu beenden.

Noch bevor Brita af Geijerstam dann im Jahre 1934 eine Tanzschule für Kinder in Stockholm gründen konnte, an der sie bis zu ihrem 75. Lebensjahr auch als Tanzlehrerin arbeitete, kam in Form eines Geschenkes eine Wende in ihrem Leben. Ein Freund aus England schickte der Tänzerin im Jahre 1926 den ersten Band des Kinderbuches Winnie-the-Pooh, da bekannt war, dass sich Geijerstam sehr für Kinderbücher und Sagen interessierte.

Um das das Buch ihrem Sohn vorlesen zu können, übersetzte Brita af Geijerstam diesen ersten Band und gab ihm den Titel Nalle Puh. Als das Buch übersetzt war, zeigte sie es Georg Svensson des Verlages Natur och Kultur, der sie wiederum ermunterte es doch bei Bonniers vorzulegen. Tor Bonnier ließ sich von der Herausgabe überzeugen und Geijerstam hat damit einen Klassikers der Kinderliteratur nach Schweden gebracht, der zahlreiche Autoren von Kinderbüchern beeinflusste. Drei Jahre später folgte noch der Folgeband und letzte Band der Originalserie, den ebenfalls Geijerstam übersetzte.

Obwohl für Brita af Geijerstam der Tanz weiterhin an erster Stelle stand, entwickelte sie sich, nach dieser Übersetzung, parallel zur Schriftstellerin, die 1940 ihr erstes eigenes Buch, mit Zeichnungen von Rolf Engströmer, unter dem Titel Hagaprinsessornas visor veröffentlichte, dem in den folgenden Jahren weitere Bücher mit Kinderliedern folgten. Geijerstam schrieb bei diesem und den folgenden Büchern sowohl sie Texte als auch die Musik. Einige dieser Kinderlieder werden noch heute in den Kindergärten gesungen und in Liedersammlungen aufgenommen.

Ab den 60er Jahren begann Brita af Geijerstam sich in eine ausgereifte Autorin von Kinderbüchern zu verwandeln, schrieb jedoch auch Gedichte für Erwachsene. Während jedoch die etwas über 20 Kinderbücher ein starkes Einfühlungsvermögen der Autorin in die Welt der Kinder beweisen, so sind die Gedichte der Schriftstellerin sehr einfach gehalten und können im besten Fall als Alltagsgedichte betrachtet werden, die zwar ein breites Publikum fanden, jedoch kaum als schwedische Literatur bezeichnet werden können. Die Stärke von Geijerstam waren Kinderbücher.

Neben eigenen Büchern arbeitete Brita af Geijerstam auch weiterhin an Übersetzungen und brachte, außer dänischen Kinderbüchern und Büchern über das Ballett, auch die Sagen von Aisopos oder Hänsel und Gretel nach Schweden. Eine der letzten ihrer Übersetzungen wurde dann im Jahre 1988 The Reluctant Dragon (En typisk hemmadrake) von Kenneth Grahame. Für ihre Leistungen als Übersetzerin von Kinderbüchern erhielt Geijerstam im Jahre 1992 den Übersetzungspreis der Svenska Akademien und 2001 wurde sie Ehrendoktor der Universität Stockholm.

Brita af Geijerstam ist vermutlich die einzige Autorin Schwedens, die noch im Alter von 97 Jahren Gedichte schrieb und dabei mit positiven Gedanken das Buch Vad är kärlek vorlegte. Zum 100. Geburtstag erschien das letzte Werk der Autorin, wobei es sich bei dieser Sammlung an Gedichten, die unter dem Titel Nära erschienen, nur noch um ein sehr bescheidenes Werk handelt und vor allem an das bedeutende Schaffen Geijerstams erinnern soll.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

19 mars 2013

Fredrik Georg Afzelius beeinflusst die schwedische Literatur

Fredrik Georg Afzelius wurde am 7. Dezember 1812 in Film im Uppland als Sohn des Arztes Karl Johan Afzelius und dessen Frau Johanna Kristina Öberg geboren und starb am 19. März 1896 in Uppsala. Afzelius war mit Edla Sofia Elisabet Richert verheiratet, der Tochter des Rechtsgelehrten Johan Gabriel Richert.

Nachdem der Vater von Fredrik Georg Afzelius als Arzt für das Bergwerk in Dannemora arbeitete, wuchs Afzelius im Grubenmilieu auf, was allerdings bedeutete, dass er bereits im Alter von neun Jahren in die Kathedralschule nach Uppsala geschickt wurde, wo er 1829 die Hochschulreife ablegte um anschließend an der Universität Uppsala Philosophie zu studieren, ein Studium, das er 1836 mit einer Disputation und einem Magister beendete.


Im Jahre 1838 wurde Fredrik Georg Afzelius als Dozent für praktische Philosophie an der Universität Uppsala angestellt und bereits 1842 wurde er dann als Assistent in theoretischer und praktischer Philosophie an der gleichen Universität beschäftigt. Im gleichen Jahr als Afzelius Adjunkt (Assistent) wurde, unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach Deutschland und besuchte dort die Universitäten in Berlin, Halle und Leipzig um sich mit den modernen philosophischen Strömungen des Landes vertraut zu machen.

Nachdem Fredrik Georg Afzelius die ersten Jahre nahezu ausschließlich wissenschaftliche Abhandlungen verfasste, sind nur seine wesentlichsten Werke erhalten, die jedoch sehr deutlich den Weg des philosophischen Schriftstellers zeigt, denn Afzelius ist der einzige schwedische Philosoph, der konsequent zur Lehre Hegels stand und sich damit gegen die gesamte offizielle Philosophie Schwedens stellte, die auf die Theorien von Christopher Jacob Boström aufbaute.

Trotz dem Widerstand auf den Fredrik Georg Afzelius mit seiner importierten Philosophie stieß, versuchte er sein Leben lang die Philosophie Hegels in Schweden zu verbreiten und einen Gegenpol zur traditionellen Lehrmeinung schaffen. In diesem Sinne arbeitete er 1841 als Redakteur für die Zeitschrift Frey und von 1844 bis 1845 für die Zeitung Intelligensbladet, die jedoch beide nur relativ kurze Zeit existierten.

Im Jahre 1848 erschien das bedeutendste Werk des Philosophen Fredrik Georg Afzelius, nämlich sein Lärobok i psychologien för elementar-undervisningen, das zwar als solches nicht zur Literatur zählt, jedoch die Literaturgeschichte Schwedens maßgeblich mit beeinflusste, denn Johan Jacob Borelius, Paulus Genberg, Carl Jonas Lovis Almqvist und Hans Magnus Melin folgten in ihren Werken Afzelius und schufen damit eine eigene literarische Linie.

Für Fredrik Georg Afzelius bedeutede diese neue Anregung des Denkens aus Deutschland jedoch, dass er nur wenig Beachtung in der philosophischen Welt Schwedens fand und auch nur ein Teil seiner Arbeiten veröffentlicht wurde, was sich über Jahrzehnte hinweg fortsetzte und dazu führte, dass man bis heute sehr wenig über Afzelius weiß. Selbst in Uppsala hatte der philosophische Schriftsteller Schwierigkeiten und musste sich mehr mit dem Unterricht und den Examensarbeiten der Studenten beschäftigen als eine tiefere Forschung betreiben zu können oder eine größere Aktivität in das Schreiben zu setzen.

Die nichtphilosophischen Werke von Fredrik Georg Afzelius wurden auf Grund seiner philosophischen Meinung kaum beachtet, obwohl der Schriftsteller zwei bedeutende Werke zur Geschichte geschrieben hat. Zum einen veröffentlichte Afzelius das Werk Hexväsendet, das im Jahre 1887 erschien und ein kulturhistorisches Zeitbild der Denkweise des 19. Jahrhunderts ist und zum anderen beleuchtet er in Försök till en kortfattad framställning af unionsförhållandet mellan Sverige och Norge, einer sehr kurzen Darstellung, die Lage der Situation der schwedisch-norwegischen Union.

Fredrik Georg Afzelius war ab den 60er Jahren politisch sehr aktiv ohne jedoch einen größeren Einfluss zu gewinnen, auch wenn seine Stellungsnahmen und Meinungen sehr gefragt waren. Im Jahre 1893, nur drei Jahre vor seinem Tod, ging der Philosoph in Pension und erhielt von der Universität eine Rente. Ein Werk des Autors, das bis heute seine Bedeutung nicht verloren hat, ist sein sehr umfangreiches Buch über die Philosophie Helgels, das 18444 unter dem Titel Hegelska philosophien. Historisk framställning veröffentlichte.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer Göteborgs Tanz- und Theaterfestival

18 mars 2013

Bernhard Elis Malmström, von der klassischen Lyrik zum Realismus

Bernhard Elis Malmström wurde am 14. März 1816 als Sohn des Direktors Carl Adolf Malmström und dessen Frau Hedvig Ulrika Styffe in Tysslinge bei Örebro geboren und starb am 21. Juni 1865 in Uppsala. Malmström war nie verheiratet.

Als sich Bernhard Elis Malmström im Jahre 1835 an der Universität Uppsala einschrieb, hatte er seinen Vater bereits verloren und keinerlei Kapital oder Unterstützer für ein Studium seiner Wahl und war daher gezwungen Theologie zu wählen um Priester zu werden. Als Malmström jedoch sein Studium beendet hatte, war er jedoch noch zu jung für die Priesterweihe und er entschied sich, zumindest vorübergehend, noch Philosophie, Ästhetik und antike Literaturgeschichte zu studieren. Durch seine Leistungen in Ästetik wurde Malmström von Per Daniel Amadeus Atterbom entdeckt, der ihm eine Arbeit als Dozent anbot.


Die frühesten Gedichte schrieb Bernhard Elis Malmström bereits im Gymnasium, die jedoch vollkommen im Stil der Zeit lagen. In die Öffentlichkeit trat der Poet dann erstmals im Jahre 1838 auf, als er sich noch an der Universität in Uppsala auf seine Kandidatur in Philosophie vorbereitete. Diesem ersten Gedicht Ariadne in Hexametern gab er eine romantische Wendung, was ihm gerade wegen seiner eigenen Deutung einer klassischen Sage nur negative Kritiken einbrachte, da es nicht als „antik“ betrachtet wurde.

Vermutlich war es gerade diese Erfahrung, die dazu führte, dass sich Bernhard Elis Malmström ab 1839 von der klassischen Dichtkunst abwandte und sich für eine schwedische Poesie aussprach, die um diese Epoche von Esaias Tegnér, Erik Gustaf Geijer, Erik Johan Stagnelius und vor allem Carl Jonas Love Almqvist repräsentiert wurde. Ab diesem Zeitpunkt wendet sich Malmström sehr deutlich gegen die dominante Schicht der Skalden, die offiziell noch immer entschieden was Literatur war.

Auch wenn die Gedichte, die Bernhard Elis Malmström in den Folgejahren schrieb, den modernen Strömungen der Dichtkunst folgten und er damit zu den Erneuerern der Literatur dieser Zeit gehört, gelang es ihm nicht sich unter der Schicht der Poeten und Skalden zurechtzufinden und fühlte sich in jeder Gruppe unwohl. Atterbom kam er nie näher und den Salon von Malla Silfverstolpe, wo Gleichgesinnte verkehrten, besuchte er nur ein einziges Mal, da er sich dort als Fremder fühlte, was jedoch daran lag, dass Malmström ein Eigenbrötler war, der die Gesellschaft anderer weitgehend mied.

Den größten Erfolg hatte Bernhard Elis Malmström im Jahre 1840 mit seiner Gedichtsuite Angelika für das er den großen Preis der Svenska Akademien erhielt und das die griechische klassische Poesie mit der damals modernen schwedischen Form vereint und das einen abgrundtiefen Lebenspessimismus ausdrückt. Nach diesem großen Preis der Akademie wurde Malmström plötzlich als einer der größten Dichter seiner Zeit bezeichnet, was auch dazu führte, dass er einige Jahre später ein Stipendium für eine Reise nach Italien erhielt.

Als Bernhard Elis Malmström von der Italienreise zurückkam, die er großenteils als misslungen betrachtete, da er seine antiken Ideale nicht mit der Realität in Einklang bringen konnte, veröffentlichte der Schriftsteller seinen zweiten Band an gesammelten Gedichten, der mehr oder weniger als das Ende seiner Schaffenskraft bezeichnet werden kann, da die Werke, die noch folgen zu stark von seinen persönlichen Gedanken und Zweifeln handeln, die er lediglich in Gedichtform aufzeichnet. Auch seine Vorlesungen zur Literaturgeschichte Schwedens, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden, sind unbearbeitet um im Grunde nicht für eine Veröffentlichung geeignet, zumal ihnen jedes Gleichgewicht fehlt.

Die Rolle von Bernhard Elis Malmström innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist heute sehr umstritten, denn auch wenn er in seiner Epoche neue Impulse in der Dichtkunst setzte und er einer der meistgelesenen Dichter seiner Zeit war dessen Werke in neun Auflagen erschienen und der zahlreiche jungen Dichter inspirierte, so gibt es, wegen seiner selbst gewählten Isolation, kaum Referenzen auf ihn. Moderne Literaturwissenschaftler, die den Zwang spüren jeden Literaten in ein gewisses Schema zu stecken, vertreten zudem die Meinung, dass Malmström mit seiner subjektiven Betrachtungsweise weder Romantiker war noch den Übergang zum Realismus gefunden hat, und sie übersehen dabei, dass gerade diese Zwischenstellung die Eigenheit der Dichtung Malmströms ist.

Bernhard Elis Malmström wurde 1849 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Frans Michael Franzén, auf dem Stuhl Nummer 13 Platz nahm.

Copyright: Herbert Kårlin

17 mars 2013

Agnes von Krusenstjerna als Kämpferin gegen den Adel

Agnes von Krusenstjerna wurde am 9. Oktober 1894 als Tochter des Oberst Wilhelm Ernst von Krusenstjerna und dessen Frau Eva Sofia Hamilton in Växjö geboren und starb am 10. März 1940 in Stockholm. Krusenstjerna war seit 1921 mit dem Literaturkritiker David Sprengel verheiratet.

Da der Vater von Agnes von Krusenstjerna in Gävle stationiert war, verbrachte die Schriftstellerin die ersten 14 Jahre ihres Lebens in Gävle, wo sie auch von 1904 bis 1909 die Mädchenschule besuchte. Die nächsten Jahre, nach der Pensionierung des Vaters, verbrachte das Mädchen in Stockholm und besuchte dort die bis 1911 die Anna Sandströms Schule, die sie jedoch auf Grund einer psychischen Zusammenbruchs ein Jahr vor der Abschlussprüfung verlassen musste. Bis 1913 wurde Krusenstjerna dann zu Hause unterrichtet.


Bereits im Alter von elf Jahren begann Agnes von Krusenstjerna Tagebücher und Gedichte zu schreiben, die bereits ein Zeichen für ihre ersten Depressionen sind, da die Schriftstellerin zu dieser Zeit bereits von einem schwarzen Schatten spricht, der über ihr schwebt. Als sie dann nach einer zerbrochenen Verlobung im Jahre 1914 erstmals wegen ihren Depressionen ins Krankenhaus eingeliefert wird, glaubt Krusenstjerna an eine Verbannung, die über allen Frauen ihres Geschlechts liegt, denn drei ihrer Cousinen aus Gävle haben die gleichen Depressionen und eine unter ihnen starb durch Selbstmord. Krusenstjerna war überzeugt, dass die Frauen dieser adeligen Linie nicht für die Liebe geeignet waren.

Bereits 1918 wurde Agnes von Krusenstjerna dann erneut für neun Monate in das psychiatrische Krankenhaus in Solna eingeliefert. Nach ihrer Entlassung machte die Schriftstellerin eine Reise nach England, die für ihr späteres Schaffen eine bedeutende Rolle spielte, denn während sie bis dahin die Regeln des schwedischen Hochadels, der Vater und Mutter in gerader Linie entstammten, ohne jeden Zweifel übernahm, beginnt sie in England all diese Werte in Frage zu setzen. Krusenstjerna beginnt an Gott, dem übergeordneten Adel und dem ganzen „anständigen Milieu“ zu zweifeln und befreit sich damit gewissermaßen von einer Gesellschaftsordnung, die sie als Zwang empfindet.

Wenn man von einem Jugendroman ohne größere Bedeutung absieht, so beginnt Agnes von Krusenstjerna ihre literarische Aktivität im Jahr 1920, als sie an der Tony-Trilogie zu arbeiten begann, einem Werk, das zwischen 1022 und 1924 veröffentlicht wurde, sehr starke autobiografische Züge der Schriftstellerin trägt und unmittelbar ein schriftstellerischer Erfolg wird. Krusenstjerna beschreibt in diesen drei Werken jedoch nicht nur ihre Jugend in Gävle, sondern auch den Aufenthalt in der Psychiatrie und, was in jener Zeit geradezu als Skandal empfunden wird, sie zeigt eine sexuelle Offenheit, die damals geradezu als krankhaft betrachtet wurde.

Eine sehr bedeutende Rolle spielt für die Schriftstellerin David Sprengel, den Agnes von Krusenstjerna 1921 gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet hatte und der ihr nicht nur seine Unterstützung in jeder Hinsicht bot und sie ermunterte an der Trilogie zu arbeiten, sondern sie auch dazu ermunterte alle Brücken zur Aristokratie und ihren Eltern abzubrechen und zu sich selbst zu finden.

Auch wenn Agnes von Krusenstjerna bereits mit der Tony-Trilogie die Grenzen des gesellschaftlich Akzeptierten überschritten hatte, aber immerhin noch als Neuerung der Literatur akzeptiert wurde, so hatte ihre zweite siebenbändige Romansuite geradezu verheerende Folgen, denn bei Frökanarna von Pahlen spricht Krusenstjerna offen über Geschlechtsverkehr, Inzest und Homosexualität und lässt damit die Gesellschaftseite in der Literatur aufleben über die man im damaligen Schweden grundsätzlich nicht sprechen und schreiben durfte. Die Bibliotheken bezeichneten diese sieben Bücher daher als kranke Romane, die für die Allgemeinheit unlesbar sind. Diese Romane Krusenstjernas führten jedoch zu einer offenen Diskussion über die moralischen Normen Schwedens. Dass dieses Werk dennoch nicht ganz verdammt wurde, lag an der Unterstützung, die Autoren wie Eyvind Johnson, Karin Boye, Johannes Edfelt und auch der Journalist Torgny Segerstedt der Schriftstellerin zukommen liessen. Karin Boye verglich die Zensur mit der man Krusenstjernas Romane belegte sogar mit der Zensur des Nazideutschlands.

Die Zensur mit der die letzten Bücher dieser Romansuite von Seiten des Verlags Bonniers belegt wurden, führte allerdings dazu, dass diese Bände bei Spektrum verlegt wurden, einem radikalen Verlag jener Jahre. Das Ergebnis war daher, dass die Linke Schwedens nun diese Bücher als Beleg für die Dekadenz der höheren Gesellschaft nahmen und Agnes von Krusenstjerna plötzlich eine wichtige Rolle in der Arbeiterbewegung einnahm, die sie im Grunde gar nicht interessierte.

Die Diskussion um diese Bücher belasteten Agnes von Krusenstjerna bedeutend und das Ehepaar Krusenstjerna-Sprengel reiste zur Erholung nach Spanien. Nach einem Selbstmordversuch wurde die Schriftstellerin dort jedoch in eine katholische Nervenklinik in Malaga eingeliefert. Im „Haus der Nonnen“, wie sie die Klinik nannte, begann Krusenstjerna dann ihre letzte Romansuite unter dem Titel Fattigadel zu schreiben. Dieses Werk ist eine Abrechnung mit der Adelsschicht und ihrer Familie, wobei die Schriftstellerin hier auch deutlich Namen nennt und das geheime Leben dieser Oberschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts rücksichtslos aufdeckt. Die Kritiker wagen sich kaum diese vier Bände zu besprechen und die Mehrheit der Gesellschaft betrachtete den Inhalt nur als das Ergebnis einer psychisch kranken Frau, auch wenn man heute weiß, dass alle Erzählungen Krusenstjernas der absoluten Wahrheit entsprechen, die die Schriftstellerin selbst erlebt und gesehen hatte.

Nach dem vierten Band der Romansuite, die damit allerdings noch nicht abgeschlossen war, nahm der körperliche Gesundheitszustand der Schriftstellerin plötzlich rapide ab, was auf ein Problem im Gehirn zurückzuführen war. Bei einer Notoperation im Jahre 1940, die Krusenstjerna jedoch nicht überlebte, stellte man fest, dass die Schriftstellerin einen Gehirntumor in sehr fortgeschrittenem Stadium hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg