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17 juni 2013

Thekla Knös und der literarische Salon Knös in Uppsala

Thekla Knös wurde am 17. Juni 1815 als Tochter des Professors Gustaf Knös und dessen Frau Alida Maria Olbers in Uppsala geboren und starb am 10. März 1880 im Hospital von Växjö. Thekla Knös war nie verheiratet.

Ihre Kindheit verbrachte Thekla Knös in einem wohlhabenden gebildeten Elternhaus, das ihr auch von Beginn an eine hohe Bildung und Sprachkenntnisse vermittelte. Knös wird von Zeitgenossen als sehr intelligent beschrieben, die bald den zurückgezogenen Vater und die Mutter, die sich vom Gesellschaftsleben der Zeit angezogen fühlte, in Bildung und Reife überholte.

Thekla Knös, Uppsala Universitätsbibliothek Database, Fotograf unbekannt, 1855

Als Thekla Knös 13 Jahre alt war starb er Vater und die junge Frau zog mit der Mutter nach Uppsala, wo sich beide sehr schnell in die gehobene Gesellschaft integriert hatten. Sehr schnell entstand um die beiden Frauen ein literarischer Salon, der jenem von Malla Silverstolpe sehr nahe kam und teilweise die gleichen Gäste anzog. Die Zeit in Uppsala war indes auch teilweise von finanziellen Problemen begleitet, so dass Zuwendungen willkommen waren und Thekla immer wieder Sprachkurse gab.

Im Salon der Frauen Knös verkehrten insbesondere Erik Gustaf Geijer, Per Daniel Amadeus Atterbom, Adolf Fredrik Lindblad, Israel Hwasser und Hans Järta, die die junge Thekla Knös in ihrem Bestreben zu schreiben unterstützten und ihrer Dichtung zur deutsch romantischen Prägung verhalfen.

Das unbeschwerte Leben von Thekla Knös nahm 1855 ein plötzliches Ende als die Mutter starb, die der Tochter alle praktischen Dienste abgenommen hatte damit diese sich ganz der Kunst hingeben konnte und nur den gesellschaftlichen Umgang genießen musste. Nur eine tiefe Religiosität und die Hilfe von Freunden erlaubten nun Knös das Überleben, ein Leben, das jedoch mehr und mehr von Schatten bevölkert wurde.

Auch wenn Thekla Knös sehr früh begann Gedichte zu schreiben und diese während der Treffen im Salon vorlas, so wurden einige davon erstmals 1846 in der Svenska Akademien vorgetragen und 1851 reichte die Schriftstellerin die ersten ihrer Werke zu einem Wettbewerb der Akademie ein, wobei sie für ihre Leistungen sowohl mit dem ersten als auch dem zweiten Preis belohnt wurde.

Auf Anraten Atterboms und mit einem Vorwort von ihm erschien dann 1852 und 1853 die Samlade Dikter von Thekla Knös, die unmittelbar sehr positiv aufgenommen wurden. Neben den Gedichten, unter denen Lindblad einige vertonte, veröffentlichte Knös auch Kinderlieder, Sagen und sogenannte Fotografier, Aufzeichnungen zum Gesellschaftsleben des damaligen Uppsala. Ihr Werk Elfvornas qväller erregte dabei ein gewisses Aufsehen, weil die Autorin nur leicht verdeckt Personen des Uppsalaer Gesellschaftslebens skizziert, die vom Leser sehr einfach erkannt werden konnten.

Kurz bevor Thekla Knös in eine endgültige Depression fiel und im Hospital in Växjö untergebracht wurde, schrieb sie noch ihr vielleicht  persönlichstes und bedeutendstes Werk, das leider nur noch in Fragmenten existiert, da die Schriftstellerin das Manuskript verbrannte, weil ihre Anonymität aufgedeckt worden war. Vermutlich war das größte Problem dieses Werkes jedoch, dass Knös hier für die Zeit sehr freizügige Liebesschilderungen untergebracht hatte, die das Leben der Gesellschaft Uppsalas aufdeckten.

Bereits ab den 50er Jahren gelang es Thekla Knös sich vor allem durch Übersetzungen zu versorgen, die ihr erst von Freunden des literarischen Salons vermittelt wurden, später aber auch von anderen Verlagen kamen. Ab 1852 wurde Knös vor allem gebeten weibliche Autoren zu übersetzen, da diese Art der Literatur immer mehr verkauft wurde und zudem die Honorare für Autorinnen weit unter jenen der männlichen Schriftsteller lag. Knös war daher nicht nur selbst eine der meist gelesenen Autorinnen Mitte des 19. Jahrhunderts, sondern auch sie war auch diejenige, die anderen weiblichen Autorinnen mehrere Länder zum Durchbruch in Schweden verhalf.

Heute ist es sehr schwer zu sagen, ob Thekla Klös im 19. Jahrhundert eine größere Bedeutung als Autorin oder als Übersetzerin hatte, denn sie veröffentlichte nur relativ wenige Werke, übersetzte jedoch in nur wenigen Jahren über 3500 Seiten, insbesondere Gedichte, die sie großenteils selbst auswählte und bot daher dem schwedischen Leser eine bedeutende Auswahl an englischsprachiger Poesie.

Auch wenn Thekla Knös mittlerweile nahezu vergessen ist, so sind einige ihrer Werke von größter Bedeutung innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte, wobei insbesondere Fredrika Bremer eine große Bewunderin der Autorin war und daher sehr früh erkannte welche Stärke in Knös steckte, auch wenn nicht alle Gedichte der Autorin das gleiche Niveau haben, was einerseits mit ihren wiederkehrenden melancholischen Anwandlungen zu tun hat, zum anderen mit den finanziellen Problemen nach dem Tod der Mutter, da sie sehr lange Epochen dieser Zeit dazu gezwungen war bei Freunden unterzukommen.

Copyright: Herbert Kårlin

13 juni 2013

Emilie Risberg und der historische Roman Schwedens

Emilie Risberg wurde am 10. Juni 1815 als Tochter des Landvermessers und Postbeamten Benjamin Risberg und dessen Frau Hedvig Catharina Smedberg in Skara geboren und starb am 11. November 1890 im Alter von 75 Jahren in Örebro. Risberg war nie verheiratet.

Auch wenn Emilie Risberg in einem bürgerlichen Heim aufwuchs, so wurde sie nur zu Hause unterrichtet, da es um diese Zeit keine Schulen für Mädchen in Schweden gab. Nach eigenen Aussagen war die häusliche Ausbildung sehr dürftig und Risberg musste sich ihr Wissen daher auf eigene Weise beschaffen und konnte durch Selbststudium ein beachtliches Niveau erreichen.

Emilie Risberg, Zeitschrift Idun Nummer 48, 1890

Die mangelnde Ausbildung für Mädchen mit den entsprechenden Folgen für die Situation der Frau beschäftigte Emilie Risberg sehr früh. Bereits in den 30er Jahren entschied sie sich daher dazu eine Mädchenschule zu gründen. Zu diesem Zweck zog sie nach Mariestad, wo sehr viele reichere Familien bereit waren ihre Töchter von einer jungen Lehrerin unterrichten zu lassen, da sie dies entlastet, wobei sie dabei natürlich nicht bedachten, dass Risberg dabei auch auf das Selbstbewusstsein ihrer Schülerinnen einwirkte.

Die kleine Mädchenschule in Mariestad bestand bis 1950, dem Jahr, als Emilie Risberg den Ort verließ um als Privatlehrerin nach Örebro zu gehen. In Örebro unterrichtet Risberg mehrere Jahre lang in einigen progressiven Familien den weiblichen Nachwuchs, wobei sie jedoch dabei auch ihre Begrenzungen sah, da sie dadurch nur einige wenige ausgewählte Mädchen unterrichten konnte, ihr Ziel jedoch war allen Frauen eine Bildung zu ermöglichen.

Als Emilie Risberg 1861 begann Schülerinnen wieder zu Hause zu unterrichten, hatte sich ihr Ruf schon so verbreitet, dass sie bereits zum Jahresende zwei zusätzliche Lehrerinnen beschäftigen musste und Räume benötigte. Zwei Jahre später öffnete sie dann die erste Mädchenschule Örebros, die unter dem Namen Risbergska Skolan bekannt wurde, 50 Schülerinnen hatte und dafür zwölf Lehrer benötigte.

Die literarische Aktivität von Emilie Risberg geht auf die Zeit in Örebro zurück, wo sie, vermutlich, inspiriert von den höheren und gebildeten Familien in denen sie verkehrte, zu schreiben begann, anfangs nur für den Unterricht und um die Gedichte und Texte innerhalb des Familienkreises vorzutragen oder zu lesen und ab 1856 mit En Karlsbaderskiss auch öffentlich, wenn auch unter der Signatur E. R., also anonym.

Die Mehrheit der Werke von Emilie Risberg erschienen in den 60er Jahren, wobei sich die Schriftstellerin dabei auf populärwissenschaftliche Geschichtsromane spezialisierte, die sich dadurch auszeichneten, dass sie geschichtliches Wissen auf sehr unterhaltsame Weise vermittelte und dadurch auch einen breiten Leserkreis erschließen konnte, auch wenn dies verhinderte, dass sie von der offiziellen literarischen Schicht Schwedens anerkannt wurde, ebenso wenig wie Marie Sophie Schwartz, die um die gleiche Zeit literarisch aktiv war.

Literaturwissenschaftler kritisieren bei Emilie Risberg noch heute, dass sie keine Erneuerin der weiblichen Literatur Schwedens war, ohne zu bedenken, dass dies nie das Ziel von Risberg war, die sich vor allem um eine bessere Bildung der Frauen kümmerte und ihre Bücher nicht für eine literarische Elite schrieb, sondern um auch  jenen den Zugang zur Literatur zu ermöglichen, denen diese bisher versagt war. Die Revolution der Schriftstellerin lag daher nicht im literarischen Bereich, sondern im gesellschaftlichen.

Auf Grund eines Augenleidens musste Emilie Risberg jedoch bereits in den 70er Jahren auf das Schreiben verzichten und im Jahre 1978 übergab sie auch ihre bereits erfolgreiche Schule zwei ihrer Lehrerinnen, die sie in ihrem Sinne weiterführten.

Auch wenn die Werke von Emilie Risberg heute nahezu vergessen sind und vor allem einen kulturhistorischen Wert haben, so gehört sie zu jener Generation Frauen, die Schweden zum Umbruch verhalfen, zu jenen Frauen, die bewiesen, dass auch Frauen denken und schreiben können und nicht mehr von der Gnade der Männer abhängen.

Nach einigen Literaturwissenschaftlern geht die schriftstellerische Aktivität von Emilie Risberg auf die Ermunterung von Fredrika Bremer zurück, was jedoch nicht eindeutig bestätigt werden kann, obwohl es sehr wahrscheinlich ist, dass sich die beiden Frauen trafen als Bremer in Örebro war. Da jedoch nach dem Treffen keinerlei Schriftwechsel nachzuweisen ist, ist anzunehmen, dass die beiden Frauen zur Frauenbewegung Schwedens sehr unterschiedliche Vorstellungen hatten.

Copyright: Herbert Kårlin

3 juni 2013

Sofia Bolander und der weibliche Tendenzroman Schwedens

Sofia Bolander wurde am 28. Januar 1807 als Tochter des Ingenieurs Gustav Erik Bolander und dessen Frau Johanna Kristina Carlström in Göteborg geboren und starb am 2. Juni 1869 im Alter von 62 Jahren ebenfalls in Göteborg.

Da die Mutter von Sofia Bolander sehr früh starb, wurde das Mädchen in ein Pensionat nach Karlstad geschickt, wo sie erzogen wurde und ihre Ausbildung erhielt. Als die Schriftstellerin 18 Jahre als war, wurde sie Privatlehrerin in einem wohlhabenden Haus. Bolander entdeckte jedoch bald, dass ihr dieser Beruf nicht zusagte und zog daher 1844 zurück nach Göteborg. Zurück in der westschwedischen Stadt gab die Autorin dann vor allem Musikunterricht um sich ernähren zu können und intensivierte ihre Arbeit als Schriftstellerin.

Sofia Bolander, Holzschnitt eines unbekannten Künstlers

Auch wenn man über die Einflüsse, die Ausbildung und den Werdegang von Sofia Bolander sehr wenig weiß, so gibt ihr erstes Buch, das 1849 unter dem Titel Tant Agnetas aftonberättelser erschien, einen gewissen Aufschluss darüber, dass die Schriftstellerin die Werke von Fredrika Bremer kannte und mit der Art ihrer eigenen Erziehung wenig einverstanden war, denn dieses erste Buch Bolanders, eine Art Jugendbuch, handelt vor allem von der Erziehung eines Mädchens in Hinblick auf die Aufgaben der zukünftigen Frau nach einer moderneren Theorie.

Mit dem Werk Tant Agnetas aftonberättelser erregte Sofia Bolander, die das Buch unter dem Pseudonym „S-e-der“ veröffentlicht hatte, ein bedeutendes Aufsehen, da sie die gesamte Erziehung jener Zeit in Frage stellte, die, in ihren Augen, die Frau in ihrer freien Entwicklung nur behindert. Allerdings ging Bolander bei weitem nicht so weit wie Bremer, denn sie sah nur die innere persönliche Entwicklung der Frau, nicht das politische System. Das Ziel der Heldinnen ihrer Bücher war daher immer die Ehe und nicht die absolute Unabhängigkeit innerhalb der Gesellschaft. Diese Einstellung Bolanders führte auch dazu, dass sie weder von den Feministinnen ihrer Zeit voll anerkannt wurde, noch aber von der Gesellschaft, da ihre Ideen für die eine Seite zu revolutionär waren und für die andere Seite nicht weit genug gingen.

Bevor dann im Jahre 1845 Trolldomstecknet, der erste Roman von Sofia Bolander, erschien, schrieb die Schriftstellerin zahlreiche Artikel und Novellen für die Göteborgs handels- och sjöfartstidning, das Aftonbladet, die Post- och inrikes tidningar und andere Publikationen.

Obwohl Sofia Bolanders Roman Trolldomstecknet von literarischer Warte aus nicht unbedingt als Meisterwerk betrachtet werden kann und beim Erscheinen von den verschiedensten Seiten stark kritisiert wurde, schuf die Schriftstellerin damit den ersten Tendenzroman Schwedens. Bolander legte hier einen stark antiaristokratischen Roman vor, der auf die damalige Zeitströmung sehr deutlich eingeht, aber da die Autorin weder in literarischen Kreisen verkehrt noch eine literarische Ausbildung hinter sich hatte, bleiben ihn ihrem Buch viele Fragen offen und der Leser spürt, dass die Autorin nicht in allen Punkten zu den Tiefen der Fragestellung vordringt.

Bis 1950 schreibt Sofia Bolander weiterhin Familienromane, die alle um die Freiheiten und die Rechte der Frau kreisen und insbesondere die Frage aufwerfen warum sich die Frau nicht durch eigene Arbeit versorgen darf, was in jener Epoche nur unverheirateten Frauen möglich war, denen zudem nur sehr wenige Berufe, insbesondere die Lehrerin, offen waren.

Mit Einbruch der 50er Jahre geht Sofia Bolander dann zum Geschichtsroman über bei dem jedoch nicht die geschichtliche Epoche bedeutend ist, obwohl man deutlich sieht, dass die Autorin ein sehr ausführliches Quellenstudium betrieb, sonder die Intrigen, die Liebesgeschichten und die Entwicklungen der handelnden Personen. Sofia Bolander greift hier den Stil der beiden französischen Schriftsteller Alexandre Dumas und Eugène Sue auf und gehört damit zu den Autoren Schwedens, die den Novellenroman einführen. Bolander macht sich hierbei jedoch nicht nur als Autorin von Büchern bemerkbar, sondern schreibt auch, im Sinne von Sue, für Zeitungen und Zeitschriften in denen die Leser dann regelmäßig dem Fortschritt der Novellen folgen können.

Der Schriftstellerin Sofia Bolander war nach ihrem Tode sehr bald vergessen und folgte damit dem Schicksal ihrer Buchheldinnen, denn sie hatte unter den literarischen Kreisen Schwedens keine Unterstützung und Feministinnen wollten ihre Theorien, die immer ein etwas religiös angehauchter Mittelweg zwischen Frauenunterdrückung und Frauenbefreiung war, so schnell wie möglich vergessen und vergaßen dabei, dass Bolander gerade die unentschiedene Frau ansprach, die erst zu sich selbst finden musste bevor sie den nächsten Schritt zur Gleichberechtigung geht.

Obwohl Bolander eine wichtige Rolle innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte der weiblichen Autoren spielt, wird sie heute nur noch selten in einem der Standardwerke der schwedischen Literatur aufgenommen und muss erst neu entdeckt werden.

Copyright: Herbert Kårlin

12 maj 2013

Emilie Flygare-Carlén und der Regionalroman der Westküste

Emilie Flygare-Carlén, geborene Smith, wurde am 8. August 1807 als Tochter des Seekapitäns und Händlers Roger Smith und dessen Frau Margareta Stiegler im westschwedischen Strömstad geboren und starb am 5. Februar 1892 im Alter von 84 Jahren in Stockholm. Flygare-Carlén war in erster Ehe mit dem Arzt Axel Flygare verheiratet, nach seinem Tod mit dem Rechtsbeistand Jakob Reinhold Dalin verlobt und nach dessen Tod mit dem Schriftsteller Johan Gabriel Carlén verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Emilie Flygare-Carlén weiss man relativ wenig. Sie war die Jüngste unter 14 Geschwistern und wuchs in einem der wohlhabendsten Häusern Strömstads auf. Der Vater hatte einen Handelsbetrieb und eine Reederei, was bedeutete, dass auch die Kinder relativ früh mithelfen mussten und nur über jene Bildung verfügten, die in einem wohlhabenden Haus als absolut notwendig betrachtet wurde.

Emilie Flygare-Carlén, Rosen på Tistelön, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, Titel: Eva Lindeberg

Bereits als Emilie Flygare-Carlén zwölf Jahre alt war, folgte sie mit ihrem Vater bei den kürzeren Handelsreisen entlang dem Bohuslän und mit 17 war die junge Frau für ein eigenes Schiff verantwortlich. Diese Erfahrungen auf See und mit den Handelspartnern haben Flygare-Carlén stark geprägt. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen findet man in den Büchern, die sie über das Bohuslän geschrieben haben und eine Kulturgeschichte der Bewohner dieses Küstenstreifens darstellen.

Noch als Emilie Flygare-Carlén den Arzt Axel Flygare heiratete, mit dem sie ins Småland zog, gab es kaum ein Zeichen, dass Flygare-Carlén eine schriftstellerische Karriere anstrebte. Da jedoch die Ehe einer Katastrophe glich, da die beiden Partner gegensätzliche Interessen zeigten, begann die junge Frau viel zu lesen und suchte in den Romanfiguren ihre Zuflucht. Da der Ehemann nicht mit Geld umgehen konnte, verbrauchte er das eigene Kapital und jenes seiner Frau noch bevor er 1833 starb. Flygare-Carlén kehrte ins Bohuslän zurück, wo sie Reinhold Dahlin traf, der sie dazu ermunterte zu schreiben und nicht nur zu lesen. Dahlin starb jedoch noch kurz vor der Ehe, hatte jedoch seiner Verlobten noch den Wunsch zu schreiben vermitteln können.

Ob Emilie Flygare-Carlén bereits um diese Zeit zu Schreiben begann, ist ungewiss, denn offiziell schrieb sie ihren ersten Roman Valdemar Klein erst im Jahre 1837, der dann ein Jahr später unter dem Pseudonym Fru F. erschien und auf den Aufenthalt von Fredrika Bremer in Strömstad hinweist, die der jungen Schriftstellerin zahlreiche Ratschläge gab, auch wenn Flygare-Carlén nie die philosophischen Gedanken Bremers verstand, da die Bildung der Frauen zu unterschiedlich war und sie in zwei völlig unterschiedlichen Gesellschaftsschichten lebten.

Nach dem ersten Buch von Emilie Flygare-Carlén folgten zahlreiche weitere Bücher, die man jedoch zu Beginn mehr als Studienwerke der Schriftstellerin sehen muss, denn Flygare-Carlén versucht die ersten Jahre Bücher im Stil von Margareta von Knorring zu schreiben ohne dass sie in dieser Art der Literatur je zu Hause war. Die Ursache dazu ist mit Sicherheit ihr Umzug nach Stockholm ihm Jahre 1839, wo sie vor allem in den Kreisen liberaler Autoren verkehrt, einer Welt, die sie fasziniert und die von ihrer Art des Schreibens begeistert sind, so dass es einige Jahre dauert bis die Schriftstellerin ihren eigenen Weg findet.

Das Haus des Ehepaares Carlén wird Mitte des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten literarischen Salons Stockholms in dem Autoren wie August Blanche, Gustaf Henrik Mellin, Oscar Patric Sturzen-Becker, Wilhelm von Braun und andere bedeutende Autoren der Zeit verkehrten. Das Positive dieser Zeit war, dass Johan Gabriel Carlén ein guter Ratgeber seiner Frau war und ihre Werke daher immer weniger auf Klischees aufbauten und die Schriftstellerin ernsthaft an ihrem Stil arbeitete, was eine bedeutende Leistung war, wenn man bedenkt, dass Emilie Flygare-Carlén keinerlei literarische Bildung hatte, sondern als Autodidaktin und als Frau in die Welt der Literatur geriet, die um diese Zeit von einer hoch gebildeten Schicht geprägt wurde.

Ab 1842 begann Emilie Flygare-Carlén ihre Romane über die Schären des Bohuslän zu schreiben, aber obwohl dies das Leben war, das sie kannte und sie geprägt hatte, zögerte sie lange ihr erstes Buch zu diesem Thema, Rosen på Tistelön, zu veröffentlichen, denn sie wusste, dass dies ein Neuland der schwedischen Literatur war und nicht den literarischen Linien der Zeit folgte. Flygare-Carlén hatte Angst davor, dass dieser Roman zu provinziell sei. In gewisser Weise hatte die Schriftstellerin auch recht in ihrer Angst, denn die Kritiker konnten mit dem realistischen Regionalroman nichts anfangen, auch wenn Flygare-Carlén mit dieser Gattung des Romans, den sie bis zu ihrem Lebensende fortsetzte, den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht hatte.

Mitte des 19. Jahrhunderts galt Emilie Flygare-Carlén, dann jedoch neben Esaias Tegnér und Fredrika Bremer zu den bedeutendsten Autoren der zeitgemäßen schwedischen Literatur. Ihre Werke wurden in zwölf Sprachen übersetzt und zogen die Leser in zahlreichen Länder in ihren Bann. Einige ihrer Bücher über das Bohuslän werden noch heute regelmäßig aufgelegt.

Nach Emilie Flygare-Carléns Feuilleton Ett köpmanshus i skärgården, das ab 1858 im Aftonbladet erschien, wurden ihre Werke seltener, denn auch wenn dieses Epos des Bohuslän erneut ein Meisterwerk war, so hatten persönliche Probleme und die Kritik an ihren zu freizügigen Beschreibungen des Küstenlebens ihre Spuren gesetzt. In den Folgejahren erscheinen daher vor allem autobiografische Werke und Erinnerungen.

Emilie Flygare-Carlén, der viele Literaturwissenschaftler nur noch einige Zeilen in der Literaturgeschichte Schwedens widmen, da sie in der Sprache des Volkes schrieb und sich mit Regionalliteratur beschäftigte, starb nach dem Konkurs der Bank in der sie ihr gesamtes Vermögen angelegt hatte, verarmt und als einzige Überlebende ihrer Familie, denn ihr Ehemann starb 1875 und alle ihre Kinder waren um diese Zeit bereits tot.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

23 mars 2013

Klara Johanson und die Welt der schwedischen Frau im Umbruch

Klara Johanson wurde am 6. Oktober 1875 als Tochter des Schneiders Alexander Johanson und dessen Frau Anna Christina (Stina) Jönsdotter in Halmstad geboren und starb am 8. Oktober 1948 in Stockholm. Johanson war nie verheiratet, lebte jedoch lange Jahre mit Ellen Kleman zusammen und veröffentliche einige Werke unter dem Pseudonym Huck Leber.

Aus der Kindheit und Jugend von Klara Johanson ist relativ wenig bekannt, obwohl die Schriftstellerin die Straße in der sie aufwuchs in Artikeln der Föreningen Gamla Halmstads årsbok mehrmals beschrieb. Auf die Hochschulreife bereitet sich Johanson privat vor und 1894 legte sie dann als erster weiblicher Student Halmstads die Reifeprüfung in Göteborg ab. Zwischen September 1894 und 1897 studierte die Schriftstellerin dann humanistische Wissenschaften an der Universität Uppsala, die sie mit einer Kandidatur abschloss.


Die ältesten von Klara Johanson bekannten Werke stammen noch aus ihrer Studienzeit in Uppsala. Allerdings handelt es dabei nur um vier Parodien von denen zwei gedruckt wurden, die sie jedoch mehr zum Vergnügen geschrieben hatte und daher nur sehr eingeschränkt als Literatur bezeichnet werden können.

In Uppsala schloss sich Klara Johanson dem weiblichen Studentenverband an, wo sie auch die spätere Schriftstellerin Lydia Wahlström kennenlernte mit der sie einige Jahre lang ein Verhältnis hatte. Auch auch als die private Verbindung zerbrach, blieben die beiden Frauen enge Freundinnen die zudem beide für die Rechte der Frauen eintraten und für das Wahlrecht der Frauen kämpften.

Ob Klara Johanson von Beginn an Schriftstellerin werden wollte ist ungewiss, denn nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie erst im Kriegsarchiv und wurde 1899 Radaktionssekretärin und Literaturkritikerin für die Zeitschrift Dagny des Fredrika-Bremer-Verbandes und begann ein Jahr später auch Chroniken für das Stockholms Dagblad zu schreiben und dort auch die ersten Literaturkritiken zu veröffentlichen.

Im literarischen Kreis wurde man erstmals im Jahre 1900 auf Klara Johanson aufmerksam, allerdings nicht durch ein eigenes Buch, sonderm durch ihre Übersetzung von Henri-Frédéric Amiels intimem Journal, einem Werk, das sie 1925 in einer neuen Version vorlegte, da sie entdeckt hatte, dass ihr beim ersten Mal nicht das Original zur Verfügung stand und daher Fehler entstanden waren. Bis 1947 sollten von diesem Buch sieben Auflagen gedruckt werden.

Das erste eigene Werk von Klara Johanson erschien im Jahre 1901 mit dem Titel Oskuld och Arsenik unter dem Pseudonym Huck Leber. Dieses erste Buch der Schriftstellerin schließt im Grunde noch an die studentischen Parodien an, nur dass sie hier vor allem ihren Heimatort Halmstad ironisch auf die Schippe nimmt. Allerdings bleibt der Leserkreis dieses ersten Werkes sehr eingeschränkt.

Auch im Jahre 1907 schafft es Klara Johanson nicht ein Buch zu bieten, das das Publikum wirklich ansprach, da sie in der Novellensammlung Ligapojkens Eros, historier om barn och dårar mehr zur Journalistin als zur Buchautorin wird. Was dagegen im gleichen Jahr nahezu wie eine Bombe einschlägt, ist das Tagebuch einer kürzlich gestorbenen Prostituierten, das die Schriftstellerin unter dem Titel Den undre verlden. En lifshistoria veröffentlicht, da sie bei diesem Werk zeigt wie die Gesellschaft verhindert, dass eine Prostituierte in ein normales Leben zurückfinden kann.

Die Stärke von Klara Johanson war nie der Roman, sondern ihre Essays, ihre Beiträge in der Presse, ihre Übersetzungen und die Herausgabe von Werken anderer Autoren, insbesondere natürlich die Herausgabe der Briefe von Fredrika Bremer in vier Bänden.

Aber auch wenn man die Buchausgaben von Johanson an zwei Händen abzählen kann, so spielt sie für die Literaturgeschichte Schwedens eine wichtige Rolle, da sie nicht nur die Situation der Frau Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtete, sondern in Schweden auch die Literatur anderer Länder verbreitete und damit wichtige Denkanstöße gab. Hinzu kommt, dass Johanson nicht nur für die Rechte der Frau eintrat, sondern ihre Einstellung auch im täglichen Leben zeigte, denn während ihre Liebesaffäre mit Lydia Wahlström noch kaum an die Öffentlichkeit getragen wurde, so sog sie 1912 mit Ellen Kleman in eine Wohnung und auch ihre Affäre mit der Künstlerin Sigrid Fridman war kaum ein Geheimnis.

Den Zugang zu Klara Johanson gewinnt man allerdings nicht durch die Lektüre ihre Bücher, vom nach ihrem Tode erschienen Band Kritik abgesehen, in dem sie die Erstlingswerke junger Autoren bespricht, sonder durch Essays über Sören Kierkegaard und insbesondere ihre Briefe, die bisher nicht in Buchform erschienen sind, da Johanson in ihren Briefen völlig offen über ihre Gefühle und Gedanken schreibt und eine sehr einfühlsame Seite zeigt.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

31 december 2012

Fredrika Bremer, ein Pionier der schwedischen Frauenbewegung

Fredrika Bremer wurde am 17. August 1801 als Tochter des Großhändlers Karl Fredrik Bremer und dessen Frau Birgitta Charlotta Hollström im finnischen Pikis bei Åbo (Turku) geboren und starb am 31. Dezember 1865 auf dem Schloss Årsta in Haninge bei Stockholm.

Bereits 1805 zog die Familie Bremer nach Stockholm, wo der Vater das Schloss Årsta und den Hof Nynäs kaufte, die beiden Gebäude in denen Fredrika Bremer ihre Kindheit und ihre Jugend verbrachte. Wie damals üblich in der gehobenen bürgerlichen Schicht Schwedens hatte die Schriftstellerin Privatunterricht und musste vor allem die gesellschaftlichen Gepflogenheiten lernen, da das Ziel der Eltern war, dass die Tochter in eine möglichst angesehene Familie einheiraten kann.


Durch eine Reise nach Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Holland sollte die Ausbildung von Fredrika Bremer als gebildete Dame der Oberschicht abgeschlossen werden, was zu Beginn auch seine Früchte zeigte, denn nach der Rückkehr nach Stockholm nahm Bremer aktiv am Gesellschaftsleben der Hauptstadt teil, übte sich in der Kunst der Konversation und las ihre Gedichte vor. Da Fredrika Bremer jede berufliche Tätigkeit untersagt war, das Gesellschaftsleben sie jedoch nicht auslastete, begann sich die Schriftstellerin um Arme, Kranke und sozial Ausgestoßene zu kümmern, was auch ihrer religiösen Einstellung entsprach.

Als der Vater von Fredrika Bremer im Jahre 1830 starb, führte die Schriftstellerin ihre wohltätigen Aktivitäten fort, begann aber gleichzeitig an ihrer Trilogie Teckningar utur hvardagslifvet zu arbeiten, die sie entsprechend der englischen Briefromane jener Epoche schrieb. Das in großen Zügen autobiographische Werk in das auch die beiden Teile der Familie H*** eingehen, veröffentlichte Bremer anonym. Die Trilogie gilt als das Schlüsselwerk der Autorin. Im Jahre 1844, als längst bekannt war wer das Werk geschrieben hat, erhielt sie für dieses Werk auch den großen Preis der Svenska Akadamien.

In der gleichen Epoche hatte Fredrika Bremer einen sehr intensiven Briefwechsel mit dem Pädagogen Johan Böklin mit dem sie religiöse und philosophische Fragen diskutierte. Böklin machte der Schriftstellerin mehrere Heiratsanträge, die Fredrika jedoch alle ablehnte. Als Böklin dann eine andere Frau heiratete, zog sich Fredrika Bremer weitgehend vom gesellschaftlichen Leben zurück, ohne jedoch die briefliche Diskussion mit Böklin aufzugeben.

Nachdem sich Johan Böklin kurzfristig verheiratet hatte, verließ Fredrika Bremer Stockholm und lebte überwiegend bei Gräfin Stina Sommerhielm in Norwegen, wo 1939 auch ihr Roman Grannarne entstand, ein Roman, der erneut autobiographische Züge hat, aber mit ihren persönlichen Hoffnungen auf eine veränderte Zukunft gemischt ist. Dieser Roman ist weitaus weniger moralisierend und objektiver gehalten als ihre Trilogie, was vermutlich damit zusammenhängt, dass sich die Schriftstellerin vorher  ausführlich mit Wolfgang von Goethe beschäftigt hatte und dadurch ihren Stil verändert hatte.

Sowohl bei Grannarne als auch dem Folgeroman Hemmet spürt man sehr deutlich, dass Fredrika Bremer mit ihren Werken auch ein persönliches Ziel anstrebt und sich Gedanken über die Rolle der Frau in der Gesellschaft macht, denn sowohl die Erzählerin in ihren Werken als auch die Hauptfigur ist nun in der Regel eine unverheiratete Frau, deren Leben von den Entscheidungen des Vaters abhängt, was zu jener Zeit normal war, da eine Frau nicht mündig war.

Als Fredrika Bremer im Jahre 1840 nach Stockholm zurückkehrt, ist sie auf Grund ihrer Werke international bekannt und beginnt sich erneut für das gesellschaftliche Leben Stockholms zu interessieren, wendet sich nun jedoch mehr der intellektuellen Schicht Stockholms zu, wo sie, unter anderem, Erik Gustaf Geijer, Esaias Tegnér und Malla Silfverstolpe trifft. 1842 erscheint dann Bremers erstes Werk bei dem sie sich von der schöngeistigen Literatur abwendet. Morgon-väckter ist ihr erster Werk, das unter ihrem wirklichen Namen erscheint und ist ein religiöses Bekenntnis zur damals aktuellen Debatte zur Religion.

In den 40er Jahren beginnt sich Fredrika Brenner mehr und mehr für das politische Geschehen Schwedens und die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu interessieren und dabei zu engagieren, was ihr in großen Teilen der Gesellschaft mehr Feinde als Freunde macht, da sich die Schriftstellerin nun nicht mehr einfach der Meinung und der Dominanz der Männer beugt. In den edlen Kreisen der Stadt wird die Schriftstellerin bald sogar als streitsüchtig und uneinsichtig betrachtet.

Im Jahre 1856 erscheint dann Fredrika Bremers zukunftsweisender Roman Hertha, der den Untertitel En själs historia, teckning ur det verkliga livet trägt. In diesem Werk fordert Bremer die Anerkennung der Frau als selbständige Person mit den gleichen Rechten wie ein Mann und stellt sich dabei auch gegen die damals üblichen Zwangsehen für Frauen. Mit diesem Roman wurde Fredrika Bremer eine Symbolfigur der Frauenbewegung Schwedens und bekam über Jahrzehnte hinweg die niederschmetternde Kritik der männlichen Kritiker zu spüren, die so weit gingen, dass sie Bremer selbst als gefühlskalt bezeichneten und als eine Gefahr für die bestehenden Gesellschaft sahen. Im Gegensatz zu ihrer feministischen Vorgängerin Hedvig Charlotta Nordenflycht gelang es Bremer jedoch dadurch die politische Diskussion über die Rechte der Frau anzustacheln und erreichte, dass der Reichstag im Jahre 1858 beschloss, dass unverheiratete Frauen mit 25 Jahren mündig wurden und drei Jahre später eine Hochschule für Lehrerinnen geschaffen wurde.

Nach Erscheinen des feministischen Romans Hertha machte Fredrika Bremer eine ausgedehnte Reise durch Europa und besuchte den Orient, eine Reise, die überwiegend von der Feministin Fredrika Limnell finanziert wurde und zu Bremers ihrem Werk Lifvet i gamla världen führte. Bremer besuchte bei dieser Reise vor allem Kirchen und entwickelte die Theorie, dass man eine Zukunftskirche schaffen sollte in der die Mehrheit der Religionen der Erde vereint werden sollen. Ausgenommen waren in ihren Augen lediglich die „unverbesserlichen“ Religionen, also all jene, die nicht in ihr persönliches christliches Weltbild passten.

Zurück in Schweden setzte sich Fredrika Bremer dann für einen Zwei-Kammern-Reichstag ein dessen Entstehen sie allerdings nicht mehr erlebte, da sie 1865 nach einer kurzen Krankheit starb, ein Jahr bevor der Reichstag tatsächlich zwei Kammern bekam.

Copyright: Herbert Kårlin