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30 april 2013

Harald Johnsson, der Schriftsteller des Normalbürgers

Harald Johnsson wurde am 22. Juli 1886 als Sohn des Fabrikanten Olof Johnsson und dessen Frau Bengta Andersdotter in Östra Göinge in Skåne geboren und starb am 30. April 1936 in Stockholm. Johnsson war ab 1913 mit der Schriftstellerin Karin Johansson verheiratet.

Da sich bisher nur wenige Literaturwissenschaftler mit Harald Johnsson beschäftigt haben, ist über seine Kindheit und seine Jugend kaum etwas bekannt. Johnsson legte seine Hochschulreife im Jahre 1904 in Kristianstad ab und studierte anschließend von 1904 bis 1908 an der Universität Lund. Ab 1906 arbeitet er am Studentenkalender Nya Dagar mit, wobei die Gedichte und anderen kurzen Beiträge später auch als sein erstes Buch veröffentlicht werden.

Harald Johnsson, Svenska Stormän, Svenska Läratidnings förlag, 1935

Nach seinem Studium arbeitete Harald Johnsson  erst einige Jahre lang beim Lunds Dagblad, wechselte dann jedoch im Jahre 1910 mit seinem Umzug nach Stockholm zum Buchverlag Åhlen och Åkerlund bei dem er als literarischer Ratgeber arbeitete.

Während seines Studiums in Lund und die Zeit in der Harald Johnsson bei  Åhlen och Åkerlund beschäftigt war, entstand unter seiner Feder vor allem Lyrik, die starke Einflüsse von Vilhelm Ekelund, Ola Hansson und Anders Österling zeigen, auch wenn man in einem Teil seiner Lyrik persönliche Züge findet. Bevor sich der Autor jedoch in der Dichtung gefunden hat, gibt er die Lyrik auf, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass er kaum in literarischen Kreisen verkehrt und daher wenig Ansporn erhält.

Als Harald Johnsson 1913 als literarischer Ratgeber zum Verlag Dahlberg wechselt, wechselt der Autor auch seine literarische Richtung und beginnt Kriminalromane zu schreiben, die er unter dem Pseudonym Robinson Wilkins veröffentlicht. Ein Teil dieser Romane erscheint in Heftform, einige wenige in Buchform, die jedoch, obwohl sie Schnellprodukte waren, von einer verblüffenden Logik der Handlungen zeugen. Auch wenn der literarische Wert dieser Kriminalromane bis heute angezweifelt wird, lag Johnsson im Zeitstrom, denn er verkaufte über eine halbe Million Exemplare und jedes der Werke wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Seine beiden Hauptfiguren Fred Hellington und Carl Alexander Jönsson wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschätzte und allgemein bekannte Figuren.

Nach wenigen Jahren verließ jedoch Harald Johnsson auch die Welt der Kriminalromane wieder und er schrieb unter verschiedensten Pseudonymen Abenteuergeschichten, Liebesromane sowie Sagen und Kinderbücher, die beim Publikum sehr gut ankamen, aber von Kritikern unbeachtet blieben, da Unterhaltungsliteratur und einfachere Belletristik um diese Zeit nicht zur ehrenhaften Arbeit eines Schriftstellers gehörten.

In der letzten Phase seines Schaffens veröffentlichte Harald Johnsson vor allem historische „Räubergeschichten aus Skåne“ und populärwissenschaftliche, geschichtliche Romane und Biographien, die dem Leser die Vergangenheit Schwedens öffneten. Auch hier hatte er beim Publikum einen großen Erfolg, da das geschichtliche Interesse eine breite Leserschicht ansprach, aber nur die wenigsten unter ihnen die wissenschaftlichen Werke lesen konnten, sie sich aber auch nicht leisten konnten. Johnsson ließ gerade für diese Schicht die schwedische Vergangenheit von Ansgar und der Heiligen Birgitta bis zu Anführern von Aufständischen wieder auferstehen, eine Leistung, die jedoch von der etablierten literarischen Schicht kaum geschätzt wurde. Seine Leserschicht erstreckte sich dagegen von Jugendlichen bis zum höchsten Alter, da Johnsson es verstand Geschichte mit einfachen Worten zum Leben zu erwecken.

Harald Johnsson war mit seiner Prosa ein Schriftsteller der Alltagswelt, denn er schrieb über das Leben als Soldat, die Probleme der kleinen Leute, über Alkoholiker und Kleinkriminalität, die die Armut und die Unterdrückung mit sich bringen. Der Autor war dabei in der Lage durch Humor das Leben trotz der Probleme als lebenswert zu zeichnen. So manches Werk hat auch autobiographische Züge und Elemente, die der Schriftsteller aus Erzählungen holt, die er in seiner Kindheit hörte oder erlebte.

Eines der Probleme warum Harald Johnsson nicht als ernsthafter Schriftsteller anerkannt wurde, war, dass er sich immer auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellte und die Untergrundkämpfer Skånes als Helden im Kampf gegen die Übergriffe Schwedens darstellte. Johnsson wollte dabei lediglich eine andere Möglichkeit der Wahrheit aufzeigen, die jedoch gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell wenig willkommen war, da Schweden von der gehobenen Schicht immer noch als die Wiege der Welt und der Kultur gesehen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

10 februari 2013

Nils Lovén, der schreibende Priester Skånes

Nils Lovén, auch bekannt unter dem Pseudonym Nicolovius, wurde am 18. Juni 1796 als Sohn des Priesters Pehr Magnus Lovén und dessen Frau Clara Lidbeck in Räng in Skåne geboren und starb am 10. Februar 1858 in Östra Klagstorp bei Trelleborg. Lovén war von 1824 in erster Ehe mit seiner Kusine Hedvig Emilia Lovén verheiratet und nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Juliana Maria Fredrika Skytte.

Da die Vorväter von Nils Lovén seit 1729 ununterbrochen die Priester des Ortes Räng stellten, so gab es auch für den jungen Lovén im Grunde keine Wahl und seine Erziehung richtete sich vollkommen auf das zukünftige Priesteramt aus. Am 24 Dezember 1810, also mit 14 Jahren, schrieb sich Lovén an der Universität Uppsala ein und mit 21 legte er sein Examen als Magister in Ästhetik ab.


Einer der Lehren von Nils Lovén, Esaias Tegnér, hatte zwar die Fähigkeiten und die Interessen des Studenten entdeckt und ihn dazu bewegt auch Literaturgeschichte zu studieren, aber aus finanziellen Gründen konnte Lovén dieses Studium nicht abschließen und machte 1822 das Examen als Priester, dem eine erste Anstellung beim Militär folgte.

Bereits während seiner Tätigkeit als Regimentspriester kam Nils Lovén in Kontakt mit der literarischen Welt und den entsprechenden Publikationen in Stockholm, insbesondere der Stockholms-Posten. Auch wenn er in den verschiedenen Publikationen jener Zeit einige seiner eigenen Gedichte veröffentlichte, so beschäftigte er sich insbesondere mit Übersetzungen, insbesondere den Werken von Thomas Moore, Luís Vaz de Camões und Dante Alighieri. Für die Übersetzung der Lusiaden von Luís Vaz de Camões verlieh ihm die Svenska Akademien 1852 den königlichen Preise.

Wie mehrere Manuskripte des Poeten beweisen, war Nils Lovén bereits ab 1825 literarisch aktiv und wurde als der Stadtpoet von Kristianstad betrachtet, der zu allen öffentlichen Angelegenheit Gelegenheitsgedichte verfasste und Lobreden schrieb. Aus einem Brief an einen Cousin im Jahres 1827 geht allerdings hervor, dass Lovén seine schriftstellerischen Leistungen mehr als Schwäche betrachte und nicht als Stärke.

Nur wenige Jahre später muss sich jedoch die Einstellung Nils Lovéns geändert haben, denn ab der ersten Nummer der Skånska Posten am 21. Juli 1839 liest man in der Zeitung regelmäßig Beiträge des Autors, angefangen von Übersetzungen und eigenen Gedichten bis zu moralischen Beiträgen. Besonders hervorzuheben sind in diesem Rahmen seine Artikel über das Brauchtum und die Traditionen auf dem Lande, die einen tiefen Einblick in das Denken der Bauern jener Zeit bieten.

Das bedeutendste Werk von Nils Lovén wurde das Buch Folklivet i Skytts härad i Skåne, das im Jahre 1847 erschien und das einzige vollständig erhaltene Werk des Schriftstellers ist. Dieses Werk, das bereits im 19. Jahrhundert in seinem vollen Umfang anerkannt wurde, gehört zu den Romanen, die tatsächliche Ereignisse eines Dorfes in Skåne schildern und, im Unterschied zu anderen Büchern der Zeit, nicht das gehobene Leben der Priester und Lehrer ins Zentrum setzt, sondern die Bauern zum Thema hat, die in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts nur sehr wenig Platz bekamen, da man sie als ungebildete Arbeitstiere betrachtete, die der Gesellschaft nichts anderes bieten konnten als Ernährung.

Folklifvet i Skytts härad i Skåne vid början af detta århundrade: barndomsminnen wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts mehrmals aufgelegt und baut auf die Erinnerungen von Nils Lovén auf. Auch wenn der Roman nahezu chaotisch aufgebaut ist, keiner klaren Linie folgt und der Schriftsteller ständig von der Linie abweicht, ist das Werk das beste Dokument zum Landleben in Skåne zu Beginn des 19. Jahrhunderts, da sich Lovén dabei das gesamte Landleben in den Bauernhöfen beschreibt, das er als Sohn des Priesters und später als Priester erleben konnte. Der Leser erfährt wie ein Bauernhof eingerichtet war, aber auch jeden Lebenszyklus von der Geburt über die Verlobung, die Hochzeit und den Tod. Kein anderes Buch dieser Zeit beschreibt so im Detail die Denkweise der Bauern und ihre Struktur innerhalb einer Gemeinde bei der natürlich die Kirche das Zentrum des Glaubens und des Wissens ist, da der Priester in kleinen Gemeinden auch als Lehrer tätig war.

Obwohl Nils Lovén seinen Heimatort als Basis hatte, so beschreibt er nur wenige Personen des Ortes im Detail und „holt“ viele aus anderen Gemeinden, denn sein Ziel ist nicht einen Ort zu beschreiben, sondern die Lebensweise und die Denkweise der Landbevölkerung darzustellen. Nach Lovén richtete sich dieses Buch in erster Linie an die Landbevölkerung, die mit Hilfe des Werkes ihre Tradition aufrecht halten sollten. Vermutlich war Lovén bei der Verfassung dieses Buches gar nicht bewusst, dass er einen Klassiker von sehr hohem ethnologischen Wert schrieb, der noch heute gelesen wird und einen Einblick in das Bauernleben im früheren Skåne bietet.

Copyright: Herbert Kårlin

16 december 2012

Henrik Menander, der Arbeiterdichter Skånes

Henrik Menander wurde am 12. Dezember 1853 als Sohn des Maurers Anders Henriksson und seiner Frau Ingår Nilsdotter in Fuglie in Skåne geboren und starb am 12. August 1917 nach längerer Krankheit in Malmö. Menander gehört zu den ersten Sozialdemokraten Schwedens und kann als der erste schwedische Arbeiterdichter betrachtet werden. Menander kam direkt aus der Arbeiterschicht und hatte keine höhere Bildung.

Wie in jener Zeit für Arbeiter üblich, begann Henrik Menander im Alter von 12 Jahren in einer Fabrik in Malmö zu arbeiten, sattelte jedoch bald darauf um und wurde Korkschneider. Bevor er dann im Jahre 1874 seine Gesellenprüfung ablegen konnte, zog er als Wanderbursche durch mehrere Länder um den Beruf wirklich gut kennenzulernen. In dieser Zeit veröffentlichte Menander auch einige Gedichte in der liberalen Malmöer Handels- och Sjöfartstidningen.


Vor allem während seines Aufenthalts in Frankreich hatte Henrik Menander nicht nur die Feinheiten seines Berufes kennengelernt, sondern er hatte durch enge Kontakte mit Arbeitern auch vieles über die Arbeiterbewegung Frankreichs erfahren. Diese Kenntnisse führten dazu, dass Menander bereits am 14. April 1884 den Arbetarklubben i Göteborg gründete, die erste sozialdemokratische Organisation Schwedens. Dieser Kampf für die Arbeiterschicht hatte allerdings zwei Seiten, denn einerseits wurde Menander von diesem Moment an ein Führer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, zum anderen landete er aber bald auf der schwarzen Liste und damit in der Arbeitslosigkeit, da kein Unternehmer einen Arbeiterkämpfer in seinen Reihen haben wollte.

Dieses Problem und seine Kenntnisse als Vorreiter der Arbeiterbewegung Schwedens waren letztendlich auch dafür verantwortlich, dass sich Henrik Menander mehr und mehr dem Schreiben zuwandte. Bereits am August 1887 war er freiberuflich bei Arbetet tätig, neben seinen Aktivitäten als Vertrauensmann der neu gegründeten Svenska Korkarbetareförbundet (Gewerkschaft der Korkarbeiter), und 1891 wurde er hauptberuflich Journalist der Arbeiterzeitung Arbetet.

Ab 1894 schrieb Henrik Menander auch regelmäßig Gedichte für August Palms Zeitung Folkviljan. Seinen Ruf als Dichter hatte sich Menander bereits 1885 erworben als er vom Verein Föreningen for Socialismens Fremme den Auftrag erhalten hatte ein Lied für Arbeiter zu schreiben, das erstmals bei einem Ausflug gesungen werden sollte. Das Lied Arbetets söner blieb jedoch nicht unter kleinem Kreis, sondern wurde noch im gleichen Jahr von der Zeitschrift Social-Demokraten gedruckt und im ganzen Land als Flugblatt verteilt, so dass es in den 90er Jahren jeder Arbeiter Schwedens auswendig konnte und zu jedem bedeutenden Anlass gesungen wurde. Das Lied wurde mit der Melodie des Kinderliedes Vindarnas kör gesungen, das zu jener Zeit ebenfalls in ganz Schweden bekannt war und mit einem Text des renommierten Skalden Per Daniel Amadeus Atterbom veröffentlicht war. Allerdings dürfte der Akademiker wenig davon begeistert gewesen sein, dass ausgerechnet der Text Arbetets söner bekannter wurde als seine Poesie, der im romantischen Stil eines Mitglieds der Svenska Akademien geschrieben worden war.

Das bekannteste Werk von Henrik Menander ist allerdings keine reine Eigenschöpfung, sondern seine Übersetzung der französischen Internationalen, die bereits 1871 von Eugène Pottier geschrieben worden war und 1902, als Menander das Lied nach Schweden brachte, bereits in zahlreichen Ländern als der Kampfgesang der Arbeiter bekannt war. Das Lied wurde in Schweden am 1. Mai 1902 erstmals mit dem Text Menanders veröffentlicht und führte dazu, dass der Dichter für die beiden meist gesungenen Arbeiterlieder Schwedens verantwortlich ist.

Im Jahre 1902 gab Henrik Menander nahezu seine gesamte Arbeit in der Gewerkschaftsbewegung Schwedens auf um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Da die linken Gedichte und andere Werke um diese Zeit einen Dichter nicht ernähren konnten, blieb Menander bis 1915 Journalist bei Arbetet, musste dann jedoch wegen seinem schlechten Gesundheitszustand in die Rente gehen, was ihm jedoch eine regelmäßige Pensionszahlung garantierte.

Da zur Zeit als Henrik Menander noch kein offizieller Verlag Schwedens Arbeiterlitertur veröffentlichte, so sind die meisten der Werke Henrik Menanders heute verschollen, abegesehen vom Werk Socialistiska sånger och dikter, das Menander im Jahre 1915 in Malmö veröffentlicht hatte. Einige andere seiner Gedichte und Lieder wurden erst lange nach seinem Tode in Sammelwerken veröffentlicht, da Arbeiterliteratur in Schweden erst in den 20er Jahren tatsächlich an literarischem Einfluss gewann, als das Schicksal von Arbeitern auch von bürgerlichen Autoren verarbeitet wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

13 december 2012

Anders Österling, der Landschaftsdichter Skånes

Anders Österling wurde am 13. April 1884 als Sohn des Redakteurs Hans Österling und seiner Frau Ingeborg Eneberg in Helsingborg geboren und starb am 13. Dezember 1981 in Stockholm, wurde jedoch in Falsterbo in Skåne beerdigt, dem Ort an dem der Dichter sehr viele seiner Gedichte geschrieben hat und seine Frau, Greta Sjöberg, die früheren Ehefrau von Verner von Heidenstam, bereits lag.

Auch wenn Anders Österling in Helsingborg geboren war, so wuchs er in Malmö auf, wo er 1904 auch die Hochschulreife machte bevor er an der Universität Lund begann Philosophie zu studieren, ein Studium, das er 1914 mit einem Lizentiat abschloss. Bedeutend für Österling war dabei jedoch eine Studienreise nach Paris im Jahre 1909, wo er den Vorlesungen des französischen Philosophen Henri Bergson folgte, was ihn auf das Tiefste beeindruckte und beeinflusste.


Die ersten Schritte als Journalist unternahm Anders Österling noch während der Schulzeit, als er Artikel über Literatur im Svenska Dagbladet veröffentlichte. Ab 1907 begann Österling auch für die Göteborgs Handels- und Sjöfarts-Tidning zu schreiben und ab 1919 arbeitete er, insbsondere als Literaturkritiker, für das Svenska Dagladet. Im Jahre 1936 wechselte er zur Stockholms-Tidningen und war Redakteur für die Post- och Inrikes Tidningar. Ab dem letzten Jahr seines Studiums arbeitete der Schriftsteller zusätzlich in der Universitätsbibliothek in Lund.

Als Poet trat Anders Österling erstmals im Jahre 1904 in die Öffentlichkeit, dem gleichen Jahr, als er sein Studium in Lund begann. Die erste Gedichtsammlung Österlings, Preludier, machte den Dichter unmittelbar im Kreise der schwedischen Lyriker bekannt, da der Poet mit einer stimmungsreichen Romantik arbeitete und dabei auf der Suche nach dem Schönheitsideal war. Die Motive nahm er dabei vor allem aus der Landschaft Skånes. Gerade die Suche nach alten Idealen der Poesie ließen ihn aus der Menge der anderen Dichter jener Zeit hervortreten, die sich mehrheitlich bereits von den klassischen Werten der Poesie abgewandt hatten.

In sehr schnellem Rhythmus kamen im Jahre 1905 die Gedichtsammlung Offerkransar, 1906 das lyrische Drama Nattens röster, 1907 der nächste Poesieband Hälsningar und 1908 das Vers-Prosa-Werk Döden inkognito. Erst Mitte der 20er Jahre begann der Schreibrhythmus des Dichters etwas abzunehmen und die ersten Sammelwerke mit früheren Werken wurden vom Verlag neu aufgelegt.

Die einzige Zeit als Anders Österling auf eine heftige Kritik stieß, kam während des Zweiten Weltkriegs auf, denn während man in allen Werken der schwedischen Literatur zu dieser Zeit den Druck des Krieges spürte, ist dieser in den Gedichten Österlings nicht im geringsten zu finden, denn er beschreibt weiterhin ein romantisches Skåne mit einer Idylle des vorhergehenden Jahrhunderts. Er zeigte sich damit als der Skåne-Dichter, der selbst in den härtesten Zeiten noch nach seinem Ideal sucht.

Im Widerspruch dazu stand allerdings, dass sich Anders Österling, in eigenen Werken und als Literaturkritiker, ständig für neue literarische Bewegungen interessierte, was sich am deutlichsten dabei ausdrückte, dass Österling im Jahre 1970, als 85-jähriger, ein Gedicht schrieb mit dem Titel Hippies i San Francisco und in dieser Zeit auch moderne Musik der Zeit hörte. Einige Kritiker sind der Meinung, dass dies weniger mit der Modernität und Offenheit zu tun hatte, sondern zum Charakter Österlings passte, der sich immer für Erotik und ein ideales Leben interessierte, das in der Bewegung der 68er Jahre durch die Hippies ausgedrückt wurde.

Anders Österling war am 2. Oktober 1919 in die Svenska Akademien gewählt worden und war damit das jüngste Mitglied der Akademien, das je existierte und mit 62 Jahren Mitgliedschaft ist er gleichzeitig derjenige Autor, der am längsten Mitglied der Elitevereinigung war. Als Österling Karl Alfred Melin auf dem Stuhl Nummer 13 folgte und insbesondere als er von 1941 bis 1964 ständiger Sekretär der Svenska Akademien war, trat auch eine Wende in der Denkweise der Akademie ein, da in dieser Zeit auch jüngere literarische Strömungen beachtet wurden. Als Mitglied des Nobelkomitees zwischen 1921 und 1981 konnte Österling auch seinen Einfluss geltend machen und einige Preisträger präsentieren, die ohne ihn kaum eine Chance gehabt hätten. Obwohl auch Österling nicht unfehlbar war, denn als J. R. R. Tolkien im Jahre 1961 für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, lehnte ihn Österling ab, weil dessen Prosa nicht ausgereift genug war.

Auch wenn Anders Österling insgesamt über 50 Bücher veröffentlichte, die unzählige Gedichten beinhalten, so sticht sein Buch Tonen från havet aus dem Jahre 1933 besonders hervor. Dies jedoch nicht nur, weil es sich um ein romantisches, lyrisches Werk über Skåne handelt, sondern weil man in diesem Buch sein Gedicht Ales stenar findet, das mit den Worten „Där kusten stupar mellan hav och himmel har Ale rest ett jätteskepp av stenar, ...“ beginnt und wegen dem Symbolgehalt der Ale Stenar als das bedeutendste Lokalgedicht Skånes gilt, das noch heute viele Schweden auswendig aufsagen können.

Copyright: Herbert Kårlin

19 oktober 2012

Alf Åberg, ein Leben für die Geschichte Schwedens

Alf Åberg wurde am 14. Juni 1916 in Helsingborg geboren und starb am 19. Oktober 2011 in Stockholm im Alter von 95 Jahren.

Seine Jugend verbrachte Alf Åberg in seinem Heimatort Helsingborg, wo er auch die Hochschulreife erlangte. Anschließend studierte er in Lund schwedische Geschichte, wobei er sich insbesondere auf die Militärgeschichte festlegte. 1947 schloss er seine Studien mit einem Dr. phil. ab. Åberg arbeitete von 1953 bis 1982 im Kriegsarchiv der schwedischen Verteidigung und wurde 1989 in die schöngeistige Literaturakademie gewählt.


Alf Åberg begann bereits in den 40er Jahren über geschichtliche Themen in der Presse zu schreiben und begann ab 1950 in einem erstaunlichen Rhythmus Bücher zu den gleichen Themen zu veröffentlichen. Insgesamt erschienen innerhalb von nur 50 Jahren über 60 teilweise sehr umfangreiche Bücher von Åberg. Es gibt kaum ein wichtiges geschichtliches Thema, das Alf Åberg nicht bearbeitete, denn Biographien waren für ihn ebenso wichtig wie die Geschichte der Auswanderer, der Wegelagerer, der Piraten oder die historische Entwicklung Skånes.

Auch wenn es um jene Zeit sehr viele wissenschaftliche Autoren gab, die geschichtliche Themen behandelten, so war Alf Åberg der erste, der Geschichte literarisch und allgemeinverständlich behandelte und damit einen wichtigen Beitrag zur populärwissenschaftlichen Literatur Schwedens beitrug.

Da Alf Åberg der wichtigste Archivar des Kriegsarchivs war, saß er natürlich an der Quelle des geschichtlichen Wissens. Der Vorteil war daher, dass er an das gesamte geschichtliche Material ohne Probleme herankam, aber der Nachteil war gleichzeitig, dass sich der Schriftsteller blind auf offizielle Dokumente verließ und daher die geschichtliche Entwicklung Schwedens nur von der offiziellen Seite aus betrachte, also auch geschichtliche Verfälschungen der Machthaber als Tatsachen nahm, was allerdings die übliche Einstellung bis zu den 60er Jahren war und auch heute noch grossteils der Fall ist.

Ein besonderes Interesse zeigte Alf Åberg für Skåne und insbesondere Helsingborg, was sich auch in seinen Büchern När Skåne blev svenskt (1958), Kampen om Skåne under försvenskningstiden (1995) und Skånes historia (1997) sehr deutlich ausdrückt. Wer sich daher für die Geschichte Skånes interessiert, kommt an den sehr umfangreichen Werken Åbergs nicht vorbei. Åberg wird in Helsingborg noch heute nahezu als Lokalautor betrachtet, obwohl er auch einige Bücher über die irische und die schottische Geschichte schrieb.

Nach einem Schlaganfall im Jahre 2001 schrieb Alf Åberg keinerlei Artikel und keine Bücher mehr, auch wenn er nach wie vor in der Lage war dem Tagesgeschehen und den aktuell-geschichtlichen Ereignissen ohne Probleme zu folgen. 

Alf Åberg wirkte in zahlreichen populärhistorischen Sendungen in Radio und Fernsehen mit, lange bevor Herman Lindqvist oder Dick Harrison dann diese Stelle einnahmen.

Copyright: Herbert Kårlin

26 september 2012

Ola Hansson, der schwedische Schriftsteller ohne Heimat

Ola Hansson wurde am 12. November 1860 als jüngster Sohn eines wohlhabenden Landwirts in Hönsinge, Skåne, geboren und begann bereits gegen Ende seiner Schulzeit unter dem Pseudonym Runmar für die Zeitung Nya Skåne zu schreiben. Nach der Hochschulreife schrieb sich Hansson an der Universität Lund an der philosophischen Fakultät ein, wobei er in dieser Zeit auch seine ersten Gedichte schrieb und auch bald mit Schriftstellern wie Herman Bang, Axel Lundegård und Victoria Benedictsson Kontakt aufnahm und als Journalist beim Aftonbladet in Stockholm arbeitete.

Noch in Stockholm kam Ola Hanssons erste Gedichtsammlung Dikter auf den Markt, aber trotz seiner Kontakte in Stockholm, war er schon 1886 wieder zurück in Skåne, wo er Stella Kleve (Pseudonym für Mathilda Malling) kennen lernte und dieser auch einen Heiratsantrag machte, den die Schriftstellerin allerdings ablehnte. Wenig später traf er dann die deutschsprachige Schriftstellerin Laura Mohr aus Lettland mit dänischer Herkunft, die er, nach gemeinsamen Ferien, bereits im Jahre 1889 heiratete.


Die Zeit zwischen 1886 und 1889 reiste Ola Hansson sehr viel, wobei er sich  insbesondere in Deutschland, der Schweiz und Italien aufhielt. Während dieser ersten Jahre seiner Reisen veröffentlichte er sein berühmtes Buch Sensitiva amorosa, das der literarischen Welt Schwedens jahrelang Gesprächsstoff gab, da das Buch mit seiner sensuellen Dekadenz der Mittelklasse einen Skandal verursachte, was den Verkauf des Werkes nur anregen konnte.

Nach der Ehe mit Laura Mohr, die ihre Werke unter dem Pseudonym Laura Marholm veröffentlichte, begann ein unstetes Leben, denn das Paar zog nach Berlin, dann nach Paris und in die Schweiz: Als ein Jahr später der gemeinsame Sohn geboren wurde, kehrte das Ehepaar kurz nach Skåne zurück, um jedoch bald wieder aufzubrechen, wobei die Reise sie nun zuerst nach Riga und dann nach Berlin führte, das sie jedoch nach zwei Jahren wieder verließen um nach Schliersee in Bayern zu ziehen.

In diesen Jahren arbeitete Ola Hansson sehr viel für die deutsche Presse, aber auch in regelmäßigem Abstand an seinen Gedichtsbänden und dem autobiografische Werk Resan hem, das allerdings erst 1894 erschien. In Deutschland bekam Hansson den Ruf eines Fachmanns für Nietzsche, dessen Verfechter der Autor war und dort brach er auch endgültig mit August Strindberg, der einige Tage bei ihm verbracht hatte.

In Schliersee blieb das Ehepaar bis 1899, wobei dies die ruhigste und produktivste Phase von Ola Hansson war. Trotz der hohen Leistung, die beide Schriftsteller brachten, kam es jedoch zu extremen finanziellen Problemen, zu paranoiden Anfällen und einer plötzlichen  Zuwendung zum Katholizismus, zu dem beide 1898 übertraten. 1899 verließen dann beide Schliersee um nach München zu ziehen, wobei sie den Sohn zurückließen, damit er in Schliersee zur Schule gehen konnte.

In München kam zur Paranoia der beiden noch ein steigender Alholkonsum, was dazu führte, dass Laura 1905 zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Ola Hansson fand durch diese Situation wieder etwas zurück in die Realität, was ihm auch dabei half seine Frau ein Jahr später aus der Psychiatrie befreien zu können, allerdings unter der Auflage, dass beide für mindestens drei Jahre Bayern verließen. Zwischen 1905 und 1919 reiste das Ehepaar dann mehr oder weniger durch Europa, abgesehen von einigen längeren Aufenthalten bei Bern und in Meudon. Obwohl beide sehr viel schrieben und veröffentlichten, so kamen sie wegen der permanenten Reisen nicht aus den finanziellen Schwierigkeiten, die auch Stipendien der Svenska Akademien und der Fröding-Stiftung, die Ola Hansson in dieser Zeit erhielt, nicht verhindern konnten. Der Verwirrungszustand von Ola Hansson, der merkwürdiger Weise in seiner Prosa und seiner Lyrik nicht zu finden ist, erreicht seinen Höhepunkt, als er in einem Brief an Esaias Tegnér den Nobelpreis für sich und seine Frau fordert.

Von 1919 bis 1922 wohnte das Paar dann zuerst im dänischen Espergaerde, dann in Mölle in Skåne. Als jedoch die Vorbereitungen für Ola Hanssons Samlade Skrifter beendet war, verschwand das Ehepaar wieder Richtung Süden. Dieses Mal hielten sich die beiden erneut in der Schweiz auf, dann in der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Griechenland und schließlich der Türkei, wo Ola Hansson noch sein Werk Psyke och hemma beenden konnte, bevor er am 26. September 1925, vermutlich an einem geplatzten Blinddarm, in Buyukdere in der Türkei starb.

Wenn man die zahlreichen Werke von Ola Hansson liest, so spürt man in ihnen die Unruhe in der er lebte und die ihn dazu zwang nahezu von Ort zu Ort ziehen, aber man spürt auch die Einflüsse, die die verschiedensten Länder auswirkten und Hansson aus der klar zu definierenden Schicht von Schriftstellern herausragen lässt. Die Stärke seiner Arbeit liegt daher in einer Mischung aus französischer Philosophie, Heimatgefühl aus Skåne und den ständig wechselnden Gefühlseindrücken, die jeder neue Ort Ola Hansson aufdrückte.

Copyright: Herbert Kårlin