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28 april 2013

Mathilda Roos und der Kampf für die Freiheit der Frau

Mathilda Roos wurde am 2. August 1852 als Tochter des Oberst Malte Leopold Roos und dessen Frau Mathilda (Thilda) Beata Meurk in Stockholm geboren und starb am 17. Juli 1908 in Stocksund. Roos war nie verheiratet.

Nach eigenen Erzählungen wuchs Mathilda Roos in einem glücklichen bürgerlichen Heim auf in dem Bildung eine wichtige Rolle einnahm. Die Eltern zeigten sich in Fragen der Kindererziehung als liberal, was in jener Zeit eine bedeutende Rolle spielte, da in den gehobenen Kreisen auch die ersten Jahre der schulischen Erziehung zu Hause stattfanden. Erst zwischen 1867 und 1869 besuchte Roos die private Mädchenschule Åhlinska skolan in Stockholm.

Mathilda Roos, Vit Ljung, Albert Bonniers Förlag

Nach ihrem Schulabschluss hatte Mathilda Roos, wie jede Frau der gehobenen Schicht, im Grunde nur noch die Aufgabe das gesellschaftliche Leben zu pflegen und auf einen Ehemann aus ebenfalls gutem Hause zu warten. Sehr bald war Roos dieser Müßiggang jedoch nahezu lästig und sie begann sich, gemeinsam mit ihrer Schwester Anna, weiterzubilden, Kleider zu nähen und öffnete selbst eine Nähschule für arme Kinder. Roos fand auch einen zukünftigen Ehemann, Gotthard Dahlerus, zumindest kam es bis zur Verlobung, diese wurde jedoch zu Beginn der 80er Jahre aufgehoben, da der Zukünftige vermutlich mit dem Freiheitsstreben der modernen Frau jener Zeit überfordert war.

In den Jahren des Müßiggang hatte Mathilda Roos auch begann zu schreiben, aber glücklicherweise blieben die ersten der Novellen nur in der Schublade liegen und nur die besten unter ihnen wurden im Svenska familje-journalen veröffentlicht. Aber diese Beschäftigung führte immerhin dazu, dass sich Roos mit ihrem Stil beschäftigte und an sich arbeitete.

Bereits 1881 erschien dann der erste Roman von Mathilda Roos, wobei Marianne unmittelbar ein Erfolg wurde, da die Schriftstellerin hier im Stile von August Strindbergs Röda Rummet einen realistischen Roman vorlegte, der mehr an die Literatur Dänemarks und Frankreichs denken ließ als an die schwedische Literatur dieser Epoche. Auf Grund des Erfolgs von Marianne veröffentlichte das Stockholms Dagbladet dann ihren kommenden Roman Höststormar als Feuilleton und Roos wurde in einem Zug mit Max Nordau, Eduard von Hartmann und Jens Peter Jacobsen genannt.

Das Werk Höststormar, das vermutlich auch einer der Gründe war, dass ihr „Zukünftiger“ die Verlobung auflöste, sollte der letzte Roman von Mathilda Roos werden, der unter die Gruppe des realistischen Romans fiel, denn sie entblößte hier mit einer satirischen Klarheit das Stockholmer Gesellschaftsleben, inklusive ihrem erotischen Verhalten, so dass die Schriftstellerin nahezu zu einer Person non grata in der gehobenen Schicht der Hauptstadt wurde nicht zuletzt auch deswegen, weil sie als Frau nach der geltenden Gesellschaftsnorm über diese Dinge zu schweigen hatte. Der Erfolg des Feuilletons war auch, dass Roos den Roman überarbeiten musste und er erst 1887 in revidierter Form erschien.

Die beißende Kritik an Höststormar, der Tod ihres Vaters im Jahre 1882 und die damit zusammenhängenden finanziellen Probleme, die zerbrochene Verlobung und ein beginnendes schmerzhaftes Nervenleiden führten dazu, dass Mathilda Roos davon überzeugt wurde, dass die die Religion und der Glaube die Zukunft weisen müssen. Diese Überzeugung spürt man auch in allen zukünftigen Werken der Schriftstellerin, denn sie geht von einer satirischen Kritik auf ein Gefühl der Mitmenschlichkeit über.

All diese Probleme bremsten jedoch nicht die literarische Leistung von Mathilda Roos, denn sie schrieb nun einen Roman nach dem anderen und wurde Mitglied in zahlreichen literarischen und gesellschaftskritischen Vereinen, unter anderem dem Fredrika Bremer Verband, den Gesellschaften Nya Idun und Heimdal und mehreren Künstlergilden Stockholms, auch wenn die Schriftstellerei nach wie vor ihre Hauptbeschäftigung blieb.

Als Mathilda Roos ihre literarische Richtung ändert und von der Sensation zur Gesellschaftskritik wechselt, wenden sich die Kritiker von ihr ab und stufen sie als Autorin ein, die auf Grund ihres Glaubens moralisierend wird, was jedoch mehr darauf hinzuführen ist, dass sie enttäuscht davon sind keine Skandale mehr geboten zu bekommen und die Bücher der Autorin nicht mehr lesen, denn die literarische Kursänderung führt zu einigen der bedeutendsten Werke der Schriftstellerin und beweisen eine Gesellschaftskritik und eine Weitsicht, die um diese Zeit selten war, auch wenn ihre christliche Anschauung eine gewisse Rolle für die Handlungen spielt.

Als deutliche Beispiel kann man hier die Werke Hårdt mot Hårdt sehen, ein Angriff auf die Doppelmoral der Zeit mit den sexuellen Belästigungen, die Frauen im Arbeitsleben akzeptieren müssen, Hvit ljung, in dem Mathilda Roos die harte Situation der Lehreren Ende des 19. Jahrhunderts beschreibt, Familj Verle, wo die Töchter gegen die Diktatur der väterlichen Macht revoltieren oder Den första kärleken in der sie die lesbische Liebe verteidigt, ein Buch, das später ein Standardwerk der Frauenbewegung wurde.

Mathilda Roos mischte sich mit einigen längeren Artikeln auch in die Debatte um Ellen Key ein in denen sie der Schriftstellerin ihre Einstellung zur geschlechtsspezifischen Trennung von Mann und Frau vorwarf, die die Frau in ein System steckt in dem sie nur Verliererin sein kann, da die Frau dabei ihrer Freiheit und freien Entscheidung beraubt wird, da sie das Zentrum der Familie sein muss und, nach der Theorie von Keys, für die Erziehung und den Haushalt verantwortlich zeichnen muss und der Mann im Beruf steht.

Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Mathilda Roos in ihrem Haus Furuliden in Stocksund, das sie, gemeinsam mit ihrer Schwester Anna und der Jugendfreundin Laura Fitinghoff, erbauen lassen hatte und nach ihrem Tod ein Heim für bedürftige Frauen wurde. Als sie bereits im Sterben lag, traf sie auch ihren ehemaligen Verlobten Gotthard Dahlerus wieder, der Tag für Tag an ihrem Totenbett saß.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer Göteborgs Tanz- und Theaterfestival

27 april 2013

Mia Leche-Löfgren und die autobiographische Literatur Schwedens

Mia Leche-Löfgren, geborene Leche, wurde am 10. Oktober 1878 als Tochter des Zoologen Wilhelm Leche und dessen Frau Minchen Sager in Lund geboren und starb  am 8. April 1966 im Alter von 87 Jahren in Stockholm. Leche-Löfgren war von 1900 bis 1908 in erster Ehe mit der Schreibkraft Fredrik von Friesen und ab 1909 mit dem Politiker und Rechtsanwalt Eliel Löfgren verheiratet.

Ihre Kindheit verbrachte Mia Leche-Löfgren in einem sehr bürgerlichen Elternhaus, das ihr jedoch große Freiheiten ließ und sie sehr früh mit dem kulturellen und politischen Leben der Stadt vertraut machte. Leche-Löfgren bezeichnete sich selbst als Kind des Liberalismus der 90er Jahre.

Mia Leche-Löfgren,  Ellen Key: Hennes liv och verk, Förlag Naturoch Kultur, 1930

Die Eltern schickten Mia Leche-Löfgren in die sehr progressive Whitlockska Skolan in Stockholm in der Ellen Key eine ihrer Lehrerinnen war, was einen tiefen Eindruck bei der Schriftstellerin hinterließ. An die Öffentlichkeit tritt Leche-Löfgren erstmals im Jahre 1906, als die Ehe mit ihrem ersten Mann bereits in der Krise war. Ihre erste Aufgabe bei der konservativen Zeitschrift Vårt land, wo sie sie zwei Jahre lang als Literaturkritikerin arbeitete, war Bücher zu rezensieren um die sich Carl David af Wirsén nicht kümmerte. Die Journalisten überzeugte bei ihren Kritiken mit ihrer Offenheit, auch wenn sie bald feststellte, dass die Zeitung nicht ihre Ideen vertrat.

Zwischen 1908 und 1930, nach ihren Erfahrungen mit Vårt land, erscheinen nur wenige kleinere Werke und Pamphlete von Mia Leche-Löfgren, die in dieser Zeit auch den Journalismus ziemlich ruhen lässt. Dafür ist Leche-Löfgren nun politisch sehr aktiv, denn 1914 findet man sie unter den Gründerinnen der Frisinnade kvinnor und ein Jahr später taucht ihre Name unter der Gründerinnen der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit auf. Ihre Aktivitäten für die Freiheit der Frau und die Friedensbewegung führen die Journalisten und Schriftstellerin durch mehrere Länder und sie entwickelt sich in dieser Zeit zu einer der bedeutendsten Rednerinnen der schwedischen Frauenbewegung.

Erst 1930, als Mia Leche-Löfgren bereits 52 Jahre alt war, erscheint ihr erstes Buch, eine Biographie über Ellen Key. Diesem Buch folgen in den nächsten Jahren einige autobiographische Werke, die jedoch weitaus weniger Beachtung fanden als ihr Buch über Ellen Key.

Ab 1934 kehrte Mia Leche-Löfgren auch voll zum Journalismus zurück und beginnt ihre Arbeit bei Idun. Die Mitarbeit bei dieser Zeitschrift macht die Journalistin und Schriftstellerin auf nationaler Ebene bekannt, zumal sie dort über sehr unterschiedliche Themen berichtet und mit ihrem einfachen Stil überzeugt. In dieser Zeit intensiviert sich auch ihre Arbeit mit der Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning wieder, die einzige Zeitung für die sie auch die vorhergehenden Jahre immer wieder aktiv war. Sehr bald wechselte Leche-Löfgren dann jedoch zur damals aufsteigenden Göteborgs-Posten über.

Im Verhältnis zu ihrer politischen Aktivität als Journalistin kam die literarische Aktivität von Mia Leche-Löfgren immer erst an zweiter Stelle, was sich auch in den 30er Jahren sehr deutlich zeigte, denn sie zeigte während des Aufstiegs von Adolf Hitler sowohl in ihren journalistischen Beiträgen als auch als Rednerin eine beißende Kritik gegen den Antisemitismus und macht jede Sekunde auf die Probleme Unterdrückter aufmerksam, wobei die Journalistin und Schriftstellerin sich auch an zahlreichen humanitären Einsätzen beteiligt.

Als 1940 der Ehemann von Mia Leche-Löfgren stirbt, zieht sie nach Göteborg um Torgny Segerstedt näher zu kommen und um ihn in seinem Kampf gegen den Nazismus zu unterstützen. Diese freundschaftliche Verbindung führt auch zu ihrem Buch Hård tid aus dem Jahre 1946 in dem sie Segerstedt, seine Umgebung und die Atmosphäre Göteborgs um diese Zeit auf vortreffliche Weise schildert.

Mia Leche-Löfgren versuchte bei ihrem literarischen Schaffen auf jede tiefsinnige Betrachtung und Analyse zu verzichten und wollte einen Realismus zeigen, den der Leser nachfühlen kann. Die Schriftstellerin benutzte daher bei allem was sie schrieb eine relativ einfache Sprache, die ein weiter Leserkreis verstehen konnte und leistete damit einen bedeutenden Beitrag zur Unterhaltungskultur, auch wenn Leche-Löfgren keine Neigung zur Belletristik hatte, sondern zum Reportageroman neigte.

Diese Neigung zu einer verständlichen Sprache zu greifen und auf tiefsinnige Gedanken zu verzichten, zeigt sich auch an den autobiographischen Werken der Autorin, denn für Mia Leche-Löfgren sind die Handlungen, die Geschehnisse und die einfache Sprache wichtiger als eine wirklich chronologische Darstellung oder ihre Einordnung in eine Zeitlinie. Diese Eigenart unterscheidet auch die autobiographischen Werke von Leche-Löfgren von jenen anderer Autoren, denn sie ist um diese Zeit die einzige Schriftstellerin, die autobiographische Romane zur Literatur macht.

Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Mia Leche-Löfgren wieder in Stockholm, wo sie erneut in den intellektuellen Kreisen der Stadt aufgenommen wurde und eine Art Vertrauensstellung einnahm. Noch bei ihrem letzten Buch Bokslut aus dem Jahre 1962 findet man die gleichen Ideen der Autorin, die ihr ganzes Leben formten, denn sie schrieb eine Art Protestbuch und warnte von der Infiltration kommunistischer Kräfte innerhalb der Friedensbewegung, da die Friedensbewegung unabhängig von einer Parteirichtung sein muss, wenn sie Erfolg haben soll.

Copyright: Herbert Kårlin

25 april 2013

Ellen Key und die kulturelle Frauenbewegung Schwedens

Ellen Key wurde am 11. Dezember 1849 als Tochter des Postmeisters, Politikers und Gutsbesitzers Emil Key und dessen Frau, Gräfin Sophie Ottiliana Posse, in Gladhammar im Småland geboren und starb im Alter von 76 Jahren in Strand in Västra Tollstad. Key war nie verheiratet, da alle ihre Beziehungen scheiterten.

Im Gegensatz zu ihren Brüdern, die eine strenge Erziehung erlebten, wurde Ellen Key bereits während ihrer Kindheit mit Literatur versorgt, wobei ihre Ausbildung in den ersten Jahren von Gouvernanten übernommen wurde und sie daher erst 1864 oder 1865 in die Åhlinska Skolan kam, bevor Key anschließend in Stockholm eine Ausbildung zur Lehrerin begann. Nach eigenen Schilderungen war das Elternhaus gefühlsarm, denn die Schriftstellerin erinnerte sich später daran nicht ein einziges Mal Zärtlichkeit von Seiten der Mutter erlebt zu haben.

Ellen Key, Kärleken och Äktenskapet, Albert Bonniers Färlag

Bereits als Jugendliche kam Ellen Key in engsten Kontakt mit der freikirchlichen Erweckungsbewegung, die sie sehr stark prägte und alle ihre späteren Werke beeinflusste, auch wenn sie im Alter einen gewissen Abstand von der Religion nahm.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung als Lehrerin und einer Weiterbildung an der Danska Folkhögskolan arbeitete Ellen Key erst einige Jahre als Sekretärin ihres Vaters, der um diese Zeit einer sehr aktiven politischen Arbeit nachging. Diese Arbeit erlaubte es Key die Realität der Politik zu entdecken und sich eine persönliche Meinung zur Situation des schwedischen Staates zu bilden, was die Autorin allerdings auch einen Teil an Idealismus kostete.

Ab 1880 arbeitete Ellen Key in der vor kurzem gegründeten Anna Whitlock Skola, einer modernen Mädchenschule in der die Schülerinnen ihre Themen selbst wählen konnten, einen Schülerrat hatten sowie praktische und theoretische Arbeiten sich abwechselten. Ellen Key leistete einen großen Anteil an der Entwicklung der Schule, die in großen Linien ihren eigenen Ideen entsprach.

In den Jahren in denen Ellen Key an der Schule von Anna Whitlock arbeitete, entwickelte sie sich zu einer Kämpferin, die die Situation Schwedens verändern wollte und sie hielt im ganzen Land Vorträge. Key spricht vor Arbeitern, vor den Guttemplern, kämpft für das Wahlrecht der Frauen, gründete mit Amalia Fahlstedt den Verein Tolfterna und setzt sich für eine allgemeine Volksbildung ein. Viele ihrer Vorträge erscheinen auch als Pamphlete und kleinere Bücher und werden als der Beginn des literarischen Schaffens von Ellen Key betrachtet.

Am bekanntesten aus dieser Zeit wurde ihr Werk Missbrukad kvinnokraft, das nach einem ihrer Vorträge in Kopenhagen entstand. Bei diesem Büchlein stellt sich Key vollkommen gegen die Frauenbewegung Schwedens und damit den beginnenden Feminismus des Landes, denn sie wirft den Feministinnen vor bei ihren Forderungen gegen die weiblichen natürlichen Eigenschaften zu kämpfen. Während ihre These in Dänemark positiv aufgenommen wird, zeigt sich in Schweden eine Woge des Protests, da man mit der positiven Einstellung Keys zur Ehe und der von ihr propagierten getrennten Rolle von Mann und Frau nicht einverstanden sind.

Ab dem Jahre 1900 widmet sich Ellen Key ganz der Schriftstellerei, wobei im gleichen Jahr auch ihr bekanntestes Buch Barnets århundrade erschien, das bereits wenig später in 26 Sprachen übersetzt wurde und Ellen Key weltweit bekannt machte und ein neues Schulsystem propagierte, eine antiautoritäre Erziehung, die 60 Jahre später Alexander Sutherland Neill erneut verbreitete, wenn auch in einer extremeren Weise als Key, für die der Humanismus von Goethe wichtiger war als die Psychoanalyse Wilhelm Reichs für Neill.

Die sehr eigenwillige Meinung von Ellen Key zum Feminismus Schwedens und damit die Weigerung die Frauen zu unterstützen, die die Freiheit vom Patriarchat suchten, machten Key zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Hassfigur des Landes. Nachdem dann auch noch Vitalis Norström und Carl David af Wirsén öffentlich gegen Key auftraten, beging die Schriftstellerin eine Art Landesflucht und hielt in ganz Europa Vorträge, da man dort ihre Meinung mehr akzeptierte.

Während die Frauen Schwedens Ellen Key kritisierten, weil sie die Frau als das Zentrum eines Hauses und innerhalb einer Ehe sah, kritisierten Männer vor allem ihre Werke zur freien Liebe ohne Ehe, der Forderung nach einem Scheidungsrecht und nach einem neuen Ehegesetz, das den Frauen mehr Rechte geben sollte, da ihre Ideen das Patriarchat entmachten würde und die „männliche Tradition“ in Frage setzte.

Da Ellen Key sich in einer Zeit in der viele Frauen Schwedens die Unabhängigkeit suchten, mehr für die allgemeinen politischen Rechte der Frau einsetzte und auch das Recht der Frau auf Kultur und Bildung forderte, ging die Schriftstellerin einen Weg auf Messers Schneide. An ihrer klaren Meinung, die keine Abweichungen zuließ, scheiterte auch ihre Freundschaft mit August Strindberg, der sie später, wenig schmeichelhaft, als „Hanna Paj“ in seinem Buch Svarta fanor verewigte.

Erst ab 1910 begann sich die Meinung über Ellen Key auch in Schweden zu ändern, was zu einem sehr engen Verhältnis zu Schriftstellern wie Elin Wägner, Agnes von Krusenstierna, Hjalmar Bergman, Pär Lagerkvist und vielen anderen führte, die verstanden hatten, dass Key eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft der schwedischen Frau spielte, gerade weil sie den Kampf als Auseinandersetzung ablehnte und eine humanistische Vision hatte, die weit in die Zukunft reichte.

Ellen Key, die am 25. April 1926 an einer Gehirnblutung starb, war eine der meist gelesenen Autorinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Büchern einen sehr wichtigen Beitag zur Frauenbewegung Europas leistete, auch wenn ihre Meinung heute mehr aus historischer Warte betrachtet werden muss und nicht mit den Augen der heutigen Gesellschaft, da die Frau in Schweden keinerlei Rechte hatte als Key ihre Bücher schrieb und sie nur dann frei leben konnte, wenn sie nicht verheiratet war und ein eigenes Einkommen hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

3 april 2013

Maria Sandel, die erste Arbeiterschriftstellerin Schwedens

Maria Sandel wurde am 30. April 1870 als Tochter des Knechts Carl Gustaf Sandel und dessen Frau, der Strickerin Maria Charlotta Killander, in Stockholm geboren und starb am 3. April 1927 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Sandel war nie verheiratet.

Die Kindheit von Maria Sandel war sehr kurz und die Schulbildung minimal, da sie sehr früh zu arbeiten begann um sich und die Familie über Wasser zu halten. Dank der Arbeiterbibliothek kam Sandel jedoch an Bücher, die sie sehr eifrig las, auch wenn die Bibliothek überwiegend Bücher zum Arbeiterleben, zur Bildung und später der sozialdemokratischen Bewegung und die damalige Frauenliteratur enthielt.


Mit 17 wanderte Maria Sandel in die USA aus, wo sie vier Jahre lang als Hausangestellte arbeitete. Nach diesem Aufenthalt, bei dem sie Englisch gelernt hatte und die Arbeiterbewegung der USA streifen konnte, kehrte Sandel zurück nach Stockholm und arbeitete, wie schon ihre Mutter, als Strickerin, einer Heimarbeit, die schlecht bezahlt war, aber oft die einzige Arbeit war, die man an arme Frauen vergab.

Im Alter von 25 Jahren wurde Maria Sandel taub, wie schon ihre Mutter, und einige Jahre später nahm auch das Sehvermögen immer mehr ab bis sie nur noch schemenhaft sehen konnte. In dieser Zeit öffneten die beiden Frauen einen kleinen Milchhandel, der jedoch auf diese Weise funktionierte, dass Sonderwünsche auf Zettel geschrieben wurden und die Kunden sich im Grunde selbst bedienen mussten.

Da die beiden Handikap Maria Sandel erst mit 25 Jahren trafen, war es ihr bereits vorher gelungen sehr viel zu lesen und außer Englisch auch Französisch und Deutsch zu lernen, was in jener Zeit für Frauen aus ihrer Schicht extrem selten war und einen sehr starken Willen forderte.

Ihre ersten literarischen Arbeiten veröffentlichte Maria Sandel bereits während der Jahre in Amerika in der schwedisch-amerikanischen Zeitschrift Nordstjernan, auch wenn anschließend eine mehrjährige Schreibpause eintrat bis Sandel ab 1899, insbesondere mit der Unterstützung und auf Anregung des SAK (Stockholms allmänna kvinnoklubb) in dem die Autorin seit 1896 Mitglied war, erst in Zeitungen und Zeitschriften wieder zu veröffentlichen begann und schließlich auch Novellen und Romane schrieb.

Die Schriftstellerin Amalia Fahlstedt, eine Vertraute von Ellen Key, riet Maria Sandel von der sozialistischen Kampflyrik, die sie bis dahin veröffentlicht hatte, abzusehen und über das Alltagsleben der Arbeiterfrauen Stockholms zu schreiben, einen Rat, der Sandel letztendlich zur ersten Arbeiterschriftstellerin Schwedens machen sollte, denn statt nur noch für die gewerkschaftlichen Zeitungen wie Morgonbris zu schreiben, begann sie nun an Büchern zu arbeiten.

Als 1908 die Novellensammlung Vid svältgränsen och andra berättelser erschien, in der Maria Sandel die soziale Misere in den Arbeiterquartieren Stockholms schildert und der ein Jahr später der Roman Familjen Vinge. En roman om verkstadsgossar och fabrikflickor folgt, spürt man das Engagement der Schriftstellerin, auch wenn ihr bei den ersten Werken noch die literarische Reife fehlt, die bürgerliche Autorinnen durch ihre Bildung und Erziehung bereits mitbrachten. Die Sprache der Autorin ist einfach und überzeugend und zeigt bereits den Aufbruch in ein höheres literarisches Niveau.

Auch wenn Maria Sandel immer schlechter sah, schrieb sie weiterhin Bücher, die jedoch gegen Ende ihres Lebens einen pessimistischen Zug annahmen. Gleichzeitig wie die Erzählungen zu Einzelschicksalen übergingen, wird ihr Stil und ihre Ausdrucksweise auch den Ansprüchen bürgerlicher Kritiker gerecht. Sandel greift nun auch ganz gezielt zu dialektalen Ausdrücken wenn diese einen tieferen Einblick in das Arbeitermilieu Stockholms bieten. Ihre Bücher Hexdansen aus dem Jahre 1919, Mannen som reste sig, der 1927 erschien und vor allem ihr Werk Droppar i folkhavet von 1924 zeigen ein literarisches Schaffen, das später Moa Martinson und Ivar Lo-Johansson sehr deutlich weiterentwickeln.

Auch wenn die Welt der Arbeiter Stockholms bei Maria Sandel einen positiven und etwas romantisierten Zug trägt, so zeigt sie auch die Schattenseiten dieses Daseins mit alkoholisierten Männern, Frauen, die verprügelt werden und sie spricht über Abtreibung und Homosexualität. In diesem Rahmen schafft sie auch eine starke Frau, die für das Überleben einer Familie kämpft und setzt den Mann an die zweite Position, der der Realität  durch Alkohol zu fliehen versucht.

Auch wenn einige Kritiker die Werke von Maria Sandel als realistisches Zeitbild der Jahrtausendwende Stockholms bezeichnen, so sind ihre Novellen und Romane als Literatur zu betrachten und an sehr vielen Stellen spürt man, dass Sandel die Romane von Charles Dickens kannte und auch die damalige Arbeiterliteratur sehr genau verfolgte. Sandel wollte durch eine auch von der bürgerlichen Welt anerkannten Literatur auf die Situation der Arbeiter aufmerksam machen und machte daher gewisse literarische Zugeständnisse.

Selbst wenn bei Maria Sandel die Arbeiterbewegung und die notwendige Veränderung der Gesellschaft im Zentrum standen, so gehört sie dennoch zu den Feministinnen dieser Epoche im Stil von Ellen Key und spricht vom Recht auf ein erotisches Leben der Frau und fordert mehr Rechte für die Frau, auch in finanziellen Fragen.


Copyright: Herbert Kårlin


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6 mars 2013

Victoria Benedictsson und der Weg der weiblichen Befreiung

Victoria Benedictsson, geborene Bruzelius, wurde am 6. März 1850 als Tochter des Landwirts Ture Bruzelius und dessen Frau Helena Sophia Finérius in Domme bei Trelleborg geboren und nahm sich am 21. Juli 1888 in Kopenhagen im Alter von 38 Jahren das Leben. Benedictsson war mit dem Postmeister Kristian Benedictsson verheiratet.

Die Kindheit verbrachte Victoria Benedictsson auf dem Dorf in dem das einzige Vergnügen ein kleiner Laden war. Die Ehe der Eltern wird als schlecht beschrieben und der Vater hatte keinerlei Fähigkeit mit Geld umzugehen. Diese Zeit beschreibt die Schriftstellerin in ihrem Buch Pengar, wo man auch die frühe Neigung Benedictssons zur Kunst findet, auch wenn das Mädchen damals weniger ans Schreiben als vielmehr ans Malen dachte.


Sehr früh suchte Victoria Benedictsson eine Arbeit als Gouvernante, wobei sie das verdiente Geld für ein Kunststudium in Stockholm anwenden wollte. Als der Vater ihr einen Strich durch die Rechnung machte, sah Benedictsson nur einen Ausweg, nämlich die Ehe, wobei sie hier eine falsche Entscheidung wählte, was ihr auch noch vor der Ehe klar wurde, aber die Verlobung konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Mit 21 Jahren heiratete Victoria Bendictsson daher den Postmeister Christian Benedictsson in Hörby, der seit Jahren im Hause der Eltern verkehrte und nicht nur 28 Jahre älter war als die Schriftstellerin und bereits fünf Kinder hatte, sondern damit auch jede Entscheidungsgewalt über die junge Frau bekam und sehr wenig von den modernen Strömungen und der Befreiung der Frau wissen wollte. Die Folge davon war, dass die Ehe vom ersten Tag an bereits schlecht war.

Der Traum von einer Karriere als Malerin ging mit der Ehe vollständig zu Ende und Victoria Benedictsson wandte sich in ihren freien Stunden der Schriftstellerei zu. Im Jahre 1876 erschienen dann in der Sydsvenska dagbladet Snällposten ihre ersten Novellen unter dem Pseudonym Ivar Tardif, denn ihren wahren Namen zu benutzen war undenkbar, da ihr Ehemann ihr sonst auch dieses Vergnügen genommen hätte. Auch die folgenden Veröffentlichungen in anderen Zeitungen und Zeitschriften erschienen ausschließlich unter dem Namen Ivar Tardif.

Als Victoria Benedictsson ab Ende 1881 wegen einem Knieschaden eine längere Zeit ans Bett gefesselt war, fand sie mehr Zeit für ihre literarische Karriere und bereits 1884 erschien ihr erster Roman unter dem Titel Från Skåne, dem ein Jahr später das autobiografische Werk Pengar folgte. Für die Veröffentlichung dieser Bücher änderte sie ihr Pseudonym in Ernst Ahlgren. Da Benedictson in dieser Zeit jedoch auch Kontakte zu anderen Schriftstellern aufbaute, war in literarischen Kreisen bald bekannt wer sich hinter dem Pseudonym Ahlgren verbarg.

Bedeutend für Victoria Benedictsson war im Jahre 1984 das Zusammentreffen mit dem Schriftsteller Axel Lundegård, dem verlorenen Sohn des Priesters in Hörby, dem Ort, in dem sich auch Benedictsson eingesperrt fühlte. Bei einem Aufenthalt im folgenden Jahr in Stockholm kam die Schriftstellerin über Lundegård in Kontakt mit der jungen literarischen Schicht der schwedischen Hauptstadt. Eine engere Verbindung entstand dort vor allem mit Gustav und Karl af Geijerstam, mit Sophie Adlersparre und Ellen Key, die sie alle auf ihrem Weg unterstützten, sowohl in persönlicher als auch in literarischer Hinsicht.

Die Probleme begannen für Victoria Benedictsson mit ihrem Aufenthalt in Kopenhagen, wo sie Georg Brandes kennen lernte, den bedeutendsten Literaturkritiker dieser Zeit, in den sie sich verliebte, obwohl dieser verheiratet war und neben der Ehe bereits zahlreiche allgemein bekannte Affären hatte. Noch unglücklicher war vielleicht, dass Edvard Brandes, der Bruder des berühmten Kritikers, ihr neues Buch Fru Marianne, eines der Hauptwerke, im Politiken als banalen Frauenroman abtat, der über keinerlei Tiefe verfügt. Benedictsson konnte hier nur die Kritik sehen und die Hoffnungslosigkeit als Frau literarisch wirklich anerkannt zu werden. Auf jeden Fall beging die Schriftstellerin wenig später Selbstmord in Kopenhagen ohne ihr Handlung zu erklären. Dieser Selbstmord gab August Strindberg die Idee für das Ende seines Stückes Fröken Julie.

Seit dem Tod von Victoria Benedictsson versuchen die verschiedensten Personen ihre Tat zu verstehen und zu erklären. Die erste, die sich damit beschäftigte und eine Biografie über die Schriftstellerin verfasste, war Ellen Key, die die Tat im Charakter von Benedictsson suchte und der Unterdrückung der Frau in jener Zeit die Hauptschuld gab. Andere behaupten, dass Benedictsson unter Schizophrenie litt, dass sie damit die unglückliche Liebe zu Brandes beenden wollte und die Schriftstellerin Birgitta Holm schreibt noch 2007, dass der Selbstmord die Folge eines inzestuösen Übergriffs in ihrer Kindheit sein kann. Niemand kennt jedoch die wahren Gründe, da auch die Tagebücher der Autorin viele Fragen aus ihrem Leben und vor allem ihrem Freitod offen lassen.

Die Bedeutung von Victoria Benedictsson als Schriftstellerin liegt nicht in der ausgereiften Sprache, die sie verwendet, sondern darin, dass sie eine der bedeutendsten Autorinnen ist, die die Gesellschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschreibt und die Zeit beleuchtet als die Frauenbewegung in Schweden in größerem Masse einsetzte. Benedictsson beschränkt sich dabei jedoch nicht auf die Rolle der Frau, sondern sie beschreibt auch das Verhältnis, das um diese Zeit in den ländlichen Gebieten Schwedens existierte, als eine Frau noch weniger frei war als ein Kind.

Copyright: Herbert Kårlin

11 december 2012

Frida Stéenhoff und die Revolution der Frau

Frida Stéenhoff (Helga Frideborg Maria Stéenhoff), geborene Wadström, wurde am 11. Dezember 1865 als Tochter des Priesters Carl Bernhard Wadström und seiner Frau Helga Louise Westdahl in Stockholm geboren und starb am 22. Juni 1945 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt.

Die Schriftstellerin wuchs in einem streng christlichen und wohlhabenden Haus auf, besuchte erst die Åhlinska Mädchenschule in Stockholm und verbrachte das Studienjahr 1883/84 in der Schweiz um Malerei und Französisch zu studieren. Zurück in Schweden entschied sie sich im Mädchengymnasium die Hochschulreife zu machen, ohne allerdings ein Studium anzuhängen, denn bereits 1887 heiratete sie den Arzt Gotthilf Stéenhoff.


Das Ehepaar Stéenhoff zog nach der Ehe von 1887 bis 1905 nach Sundsvall wo der Ehemann von Frida Stéenhoff als Stadtarzt zu arbeiten begann. Während die Schriftstellerin bereits in ihrer Jugend an Gott zu zweifeln begonnen hatte und sich nach dem Aufenthalt in der Schweiz nahezu ganz von der Religion abgewandt hatte, lernte sie in Sundsvall auch die extrem schwierige Situation der Arbeiter kennen, was ihr Schaffen bedeutend beeinflusste.

Die literarische Karriere von Frida Stéenhoff begann im Jahre 1896 mit dem Drama Lejonets unge, das sie unter dem Pseudonym Harold Gote veröffentlicht hatte, auch wenn sie bereits vorher einige kürzere Veröffentlichungen in Idun hinter sich hatte. Kurz vor der Premiere ein Jahr später und vor ausverkauftem Haus wurde bekannt wer sich hinter dem Pseudonym versteckte. Wenn die Autorin nicht nur Elite der Stadt angehört hätte, wäre dies sicher zu einer Katastrophe geworden, denn Frida Stéenhoff befürwortete in ihrem Stück ein Liebesverhältnis ohne Ehe und sprach im Theaterstück wie selbstverständlich von Verhütungsmitteln. In diesem Stück kam auch der Satz Nästa århundrade blir barnets århundrade vor, den Ellen Key später ihrem Buch gab, das in Deutschland unter "Das Jahrhundert der Kinder" erschien.

Nach diesem Theaterstück wurde Frida Stéenhoff nicht nur eine sehr aktive Schriftstgellerin und Verfechterin der Freiheit und der Unabhängigkeit der Frau, sondern begann ihre Theorien auch in öffentlichen Debatten zu verteidigen. Sie lehnte die Ehe als Institution ab, forderte, dass sich die Frau selbst versorgen darf und befürwortete die freie Liebe. Als Stéenhoff im Jahre 1903 das Werk Feminismens moral veröffentlichte, führte sie damit auch den Begriff Feminismus in Schweden ein, auch wenn die Forderungen der Autorin weitaus weiter gingen als jene, die die damaligen Frauenbewegungen hatten.

Sehr bedeutend für ihre weitere Arbeit als Schriftstellerin war ihr Treffen mit Ellen Key im Jahre 1888. Die Frauenrechtlerin Key hatte ihr Stück Lejonets unge, das in 20 verschiedenen Orten Schwedens gespielt wurde, gesehen und war vermutlich eine der wenigen Zuschauer, die nicht nur die Forderung nach der sexuellen Freiheit sahen, sondern die dahinter steckende Forderung Frida Stéenhoffs, die vielmehr um die Befreiung der Frau als solches ging. Key überzeugte daher die Autorin weiter zu schreiben und die Malerei, die diese bisher parallel laufen liess, aufzugeben.

Frida Stéenhoff begnügte sich jedoch nicht nur mit Theaterstücken, Novellen, Debatten und ähnlichem, sie schloss sich auch zahlreichen anderen Bewegungen an, die die medizinische Versorgung der Armen garantieren sollte, sie forderte das Stimmrecht der Frau, kämpfte gegen Alkohol und unterstützte die Bewegung der Geburtenkontrolle. Es gab kaum eine humanitäre Bewegung in Schweden an der sich Stéenhoff nicht engagierte.

Auch wenn Frida Stéenhoff grundsätzlich zu den Feministinnen Schwedens gezählt wird, so muss man dies unter der heutigen Warte sehen, denn während für die Frauenbewegung Schwedens jener Zeit der Einfluss der Frau innerhalb der Gesellschaft und das Wahlrecht am wichtigsten war, war für Stéenhoff die Gleichstellung zwischen Mann und Frau, die Infragestellung der Institution Ehe, eine andere Kindererziehung, Abtreibung, eine geregelte Prostitution und ähnliche Werte wichtig. Stéenhoff galt daher als Revolutionärin mit Werten, denen sich die Mehrheit der Frauenrechtlerinnen um diese Zeit noch nicht anschließen wollten, da diese die Ehe als solches als Grundpfeiler der Gesellschaft sahen.

Als die Familie Stéenhoff im Jahre 1908 von Sundsvall nach Oskarshamn zog, wo Gotthilf Stéenhoff zum Provinzarzt ernannt worden war, begann die aktivste literarische Zeit der Schriftstellerin. Während der Zeit in Oskarshamn veröffentlichte Frida Stéenhoff neun Bücher, darunter drei Dramen. Um diese Zeit war die Schriftstellerin bereits weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt geworden, wobei in Deutschland nahezu alle ihre Werke übersetzt wurden, da die radikalen Frauengruppen Deutschlands die gleichen Forderungen stellten wie Stéenhoff in Schweden.

Die Vielseitigkeit von Frida Stéenhoff zeigte sich auch an ihrem Schauspiel Stridbar ungdom, mit dem sie im Jahre 1907 das erste pazifistische Theaterstück Schwedens veröffentlichte. Mit über 70 engagierte sich die Schriftstellerin dann noch in antifaschistischen Gruppen um gegen Stalin und Hitler zu kämpfen. Ihr letztes Buch wurde im Jahre 1944 eine Art Biografie über die englische Feministin und Antialkoholikerin Josephine Butler.

Copyright: Herbert Kårlin