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7 juli 2013

Henrik Bernhard Palmær und die schwedische Satire

Henrik Bernhard Palmær wurde am 21. August 1801 als Sohn des Propstes Isac Magnus Palmær und dessen Frau Catharina (Karin) Maria Kinberg in Frinnaryd bei Jönkping geboren und starb am 7. Juli 1854 im Alter von 52 Jahren in Linköping. Palmær war ab 1847 mit Emilie Charlotta Schylander verheiratet.

Da die Mutter von Henrik Bernhard Palmær sehr früh starb, wurde er von einem strengen Vater erzogen, der in seinem Sohn ein Genie sah und ihn deshalb bereits 1809 in die höhere Schule in Linköping schickte. Erst zehn Jahre später legte Palmær dann jedoch seine Hochschulreife ab und begann ein Philosophiestudium an der Universität Uppsala, das er 1830 beendete.

Henrik Bernhard Palmær, Lithographi in der Zeitung Nordstjernan, 1848

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Henrik Bernhard Palmær drei Jahre lang als Adjunkt für Chemie und Pharmazie am Karolinska Institutet in Stockholm. Da er jedoch seine Aufgabe wenig ernst nahm und weitaus mehr an Literatur und dem Müßiggang interessiert war, gab er sein Amt sehr bald wieder auf.

Die literarische Karriere von Henrik Bernhard Palmær kann man bis zu seinem Studium in Uppsala zurückverfolgen, da man im Poetiska kalender des Jahres 1822 bereits vier seiner frühen Gedichte findet. Diese ersten Gedichte schrieb Palmær noch unter dem Einfluss seiner Freunde Per Daniel Amadeus Atterbom und Vilhelm Fredrik Palmblad mit denen er die neuromantischen Ideale teilte. Schon ein Jahr später näherte sich der Schriftsteller allerdings den Fosforisten und damit insbesondere dem Autor Vitalis (Erik Sjöberg).

Während seiner Zeit als Adjunkt verkehrte Henrik Bernhard Palmær insbesondere mit Autoren wie Karl August Nicander oder Gustaf Henrik Mellin ohne sich jedoch als Literat hervorzuheben. Erst als Lars Johan Hierta im Jahre 1834 einen literarischen Journalisten für das Aftonbladet suchte, taucht Palmær wieder unter der Abkürzung P auf. Auch wenn der Journalist und Schriftsteller um diese Zeit seinen romantischen Stil noch nicht abgelegt hatte, zeigte er sich 1834 mit Fyra brev till Svenska Minerava als satirischer Humorist und wurde in ganz Schweden bekannt, denn dieser Beitrag legte einige Schwächen des Nationaldichters Esaias Tegnér auf lustige und ironische Weise offen.

Sehr bald langweilte jedoch Henrik Bernhard Palmær die Arbeit beim Aftonbladet und er bewarb sich als Lehrer nach Linköping, allerdings ohne jeden Erfolg. Und erneut kommt Palmær zum Journalismus, denn 1838 gründete er den Östgöta Correspondenten, den er vor allem dadurch in die Höhe brachte, da er hier seine Feinde mit allen ihren Schwächen angriff und so dem Skandalblatt zum Erfolg verhalf.

Bereits 1841 übergab Henrik Bernhard Palmær den Östgöta Correspondenten und gründete die Monatszeitschrift Herr Lars, die der Schriftsteller jedoch wegen einer Anstellung als Lehrer für Landwirtschaftschemie aufgab. Nachdem ihn auch diese Aufgabe bald langweilte, wurde Palmær dann Buchdrucker und schließlich übte er zwei Jahre lang seinen Einfluss in der nationalen Politik aus. Aber sobald Palmær dem Erfolg nahe war, verlor er jedes Interesse und begann ein neues Projekt. Auch nach seiner Vertretung von Linköping und Vimmerby im Reichstag im Jahre 1847 und 1848 ließ er seine Freunde wieder im Stich und begann für die Zeitungen Friskytten, das Dagbladet und schließlich das damalige „Skandalblatt“ Söndagsblade zu schreiben, bis er 1853 nach Linköping zurückkehrte und dort die Östgöta-Gazetten gründete, erneut um vor allem seiner persönlichen Meinung Gehör zu verschaffen.

Auch wenn Henrik Bernhard Palmær sehr viel schrieb, so trat er erst am 1848 als Schriftsteller hervor und veröffentlichte anschließend einige wenige Werke, die jedoch eine große Beachtung fanden. Nach seinem Tod geriet Palmær jedoch nahezu unmittelbar in Vergessenheit, denn er hatte sich vor allem durch seine spontanen Reaktionen als Journalist bekannt gemacht und Satire war um diese Zeit literarisch nicht anerkannt, da man diese nur der Presse zuordnete.

Erst ab dem 20. Jahrhundert entdeckten Literaturwissenschaftler die tatsächliche Leistung von Henrik Bernhard Palmær, man begann seine bedeutendsten Werke und Briefe zu sammeln und brachte dann mehrere Sammelwerke des Journalisten und Schriftstellers auf den Markt, der, wenn auch aus sehr persönlichen Motiven, der Satire in Schweden zum Durchbruch verholfen hat.

Copyright: Herbert Kårlin

16 juni 2013

Torgny Lindgren und die Heimatliteratur Västerbottens

Torgny Lindgren wurde am 16. Juni 1938 als Sohn des Hilfsarbeiters Konrad Andreas Lindgren und dessen Frau Helga Albertina Björk in Raggsjö in Västerbotten geboren und ist mit Stina Andersson verheiratet. Das Ehepaar wohnt heute auf einem Hof im Östergötland.

Die Kindheit von Torgny Lindgren war geprägt von der Freikirche, der die Familie anghörte, einer TBC, die ihm sehr früh Schwierigkeiten verursachte, der kleinen Landwirtschaft, die seine Eltern nebenbei betrieben und natürlich von den Erzählungen, die ihm seine Großmutter und der Prediger der Religionsgemeinschaft erzählten. Eine besondere Rolle spielte auch der Spielmann und Lokalschriftsteller Kalschon Boman, der am Rande des Dorfes wohnte und die Phantasie des jungen Lindgren anregte.

Torgny Lindgren, Hummelhonung, Norstedts Förlag, 2010

Mit 13 Jahren wurde Torgny Lindgren dann für gesund erklärt, was ihm später ein großes Misstrauen zu Ärzten einbrachte, da er die Diagnose TBC immer noch in Frage stellt. Nachdem Lindgren nur die die Volksschule und anschliessend die Realschule in Norsjö besucht hatte, jedoch nach mehr Wissen und einem sinnvollen Beruf strebte, machte er im Volksschulseminar in Umeå eine Ausbildung zum Lehrer. Während der Ausbildung lernte er auch seine Frau kennen.

Nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer zog das Ehepaar ins Småland und arbeitete, die meiste Zeit in Vimmerby, als Lehrer für Geschichte und Sozialkunde. Erst Mitte der 70er Jahre gab Torgny Lindgren seinen Beruf auf um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Während seiner Zeit als Lehrer war der Autor auch aktiv, als Mitglied der Sozialdemokraten, an der Kommunalpolitik beteiligt, eine Tätigkeit, die er später ebenfalls aufgab.

Nach den Aussagen von Torgny Lindgren führte sein Weg zur Literatur über die Schulbibliothek und insbesondere August Strindbergs Roman Röda rummet, den er mit 13 las. Im gleichen Jahr begann Lindgren die Realschule mit einer Handvoll Bücher, die seine spätere Laufbahn als Schriftsteller bedeutend prägen sollten, denn neben Kunstbüchern fand man die religiösen Werke von Selma Lagerlöf, Herman Hesse und philosophische Literatur.

Seine ersten Schritte als Schriftsteller machte Torgny Lindgren im Jahre 1965 mit seiner Gedichtsammlung Plåtsax, einem Werk, das so unbemerkt blieb wie seine folgenden Gedichtbände und seine gesellschaftskritischen Romane dieser Zeit, denn auch wenn der Schriftsteller von Beginn an seine literarische Stärke zeigte, so fehlte in den Büchern noch die Persönlichkeit des Autors.

Der Durchbruch sollte für Torgny Lindgren erst im Jahre 1982 mit dem Roman Ormens väg på hälleberget kommen, als er im gleichen Stil wie Sara Lidman und Per Olov Enquist zum Lokalroman Västerbottens findet. Der Roman spielt im 19. Jahrhundert bei dem ein Händler und sein Sohn die ärmsten Frauen der Region mit Sex bezahlen lässt, was letztendlich zu einer Katastrophe führt. Der Roman Ormens väg på hälleberget, der 1986 auch von Bo Widerberg verfilmt wird, sollte den Schriftsteller international bekannt machen, denn anschließend wurden seine Werke in über 40 Sprachen übersetzt und seinen Roman Bat Seba findet man in der Liste der 100 Bücher der Weltliteratur, die man auf jeden Fall lesen soll.

Die Bücher von Torgny Lindgren schildern das Leben und die Schicksale der Menschen in Västerbotten, sind jedoch geprägt von seinem religiösen Glauben und der Philosophie Arthur Schopenhauers, Blaise Pascals und Søren Kierkegaards für die sich der Schriftsteller bereits seit seiner Jugend interessierte. Seine Sprache ist auf ein Minimum reduziert und gefüllt mit dialektalen Ausdrucken aus Västerbotten, angereichert mit einem gewissen Galgenhumor. Die Personen über die Lindgren schreibt, findet man oft mit dem gleichen Namen in den entsprechenden Orten wieder, was nicht jeder unter ihnen sehr positiv sieht, da der Schriftsteller die Handlungen als solches erfindet und dabei sehr viel Phantasie zeigt.

Wenn man ein Werk von Torgny Lindgren liest, so weiß man nie so genau wo sich Wahrheit und Fiktion kreuzen, da dem Autor die Aussage eines Buches wichtiger ist als die Realität einer beschriebenen Handlung. Er überlässt es dabei dem Leser eine Folgerung zu ziehen ohne diesem auch nur irgendeinen Hinweis zu geben, auch nicht in Gesprächen oder während einer Lesung.

Torgny Lindgren erhielt 1986 den bedeutenden französischen Literaturpreis Femina, wurde 1990 zum Ehrendoktor der Universität Linköping ernannt, wurde 1991 in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Ture Johannisson auf dem Stuhl Nummer 9 Platz nahm und erhielt im Jahre 2000 die Ehrendoktorwürde der Universität Umeå. Sein bisher letztes Buch Minnen ut erschien im Jahre 2000, eine Art Erinnerungen an sein Leben, das er nur auf sehr nachhaltigen Druck seines Verlegers veröffentlichte und das nur einen vagen Einblick in das Leben des Schriftstellers bietet.

Copyright: Herbert Kårlin

16 mars 2013

Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat

Karl Gustav Ossiannilsson wurde am 30. Juli 1875 als Sohn des Orgelbauers Rasmus Nilsson und dessen Frau Elise Christina Timelin in Lund geboren und starb am 14. März 1970 im Alter von 94 Jahren in Rystad bei Linköping. Ossiannilsson war in erster Ehe mit Naëmi Sofia Mariana Amman verheiratet und in zweiter Ehe, nach dem Tod seiner ersten Frau, mit seiner Haushälterin Marta Vivi Maria Eklund.

Über die Kindheit und die Jugend von Karl Gustav Nilsson, wie er damals noch hieß, ist nichts überliefert. Seine Biografie geht daher nur bis zu seiner Zeit im Gymnasium in Malmö zurück wo er die Reifeprüfung ablegte um sich im September 1894 an der Universität Lund einzuschreiben um ein Lehrerstudium zu beginnen. Bereits im ersten Jahr in Lund erregte Ossiannilsson mit seinem Buch Förteckning på i svenska språket förekommande umbärliga främmande ord och uttryck Aufsehen, denn er forderte mit der Herausgabe dieses Buches eine Rückkehr zur reinen schwedischen Sprache ohne jedes Fremdwort.


Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1897 arbeitete Karl Gustav Ossiannilsson einige Jahre lang als Lehrer und Erzieher, begann aber nebenbei bereits kleinere Beiträge in den verschiedenen Zeitungen in Skåne zu veröffentlichen. 1901 entschied sich der Schriftsteller nicht nur dazu seinen Beruf aufzugeben um Schriftsteller zu werden, sondern verwandelte seinen Familiennamen auch in Ossian-Nilsson um einige Jahre später auch den Bindestrich wegzulassen.

Diese Entscheidung zum Schriststeller kam jedoch nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis davon, dass Karl Gustav Ossiannilsson  im Jahre 1900 einen bedeutenden Erfolg mit seiner ersten Gedichtsammlung Fem Dikter hatte und 1901 mit den beiden Lyrikwerken Masker und Hedningar, Werken, denen noch weit über 100 weitere Bücher folgen sollten, auch soviel verdiente, dass er davon leben konnte.

Sehr schnell spürte man bei den Schriften von Karl Gustav Ossiannilsson die Zeichen der sozialistischen Bewegung, auch wenn der Schriftsteller nicht bei den Ideen der Partei stehen blieb, sondern sich zum Anarchismus bekannte. Seine Gedichte zeigen dabei die Einflüsse der englischen Balladen, die in England Ende des 19. Jahrhunderts die Literatur veränderten, wobei er dabei auch dem allgemeinen Trend der Romantik folgt, die in Deutschland und Frankreich eine breite Leserschicht ansprachen.

Allerdings zeigen sich in der Persönlichkeit von Karl Gustav Ossiannilsson bereits um diese Widersprüche, denn er bewundert einige bedeutende Persönlichkeiten und zeigt sich extrem nationalistisch und nennt die Auswanderer jener Epoche Verräter, die dem Land schaden. Dies verhindert jedoch nicht, dass seine Werke vor allem von der Arbeiterschicht und den Auswanderern gelesen werden und Ossiannilsson ein Vorbild für Arbeiterdichter wie Erik Lindorm, Arnold Ljungdal oder auch Ture Nerman wird.

Unter dem Einfluss von August Strindbergs Svarta fanor schrieb Karl Gustav Ossiannilsson die bedeutendsten proletarischen Bücher, denn in seinen Romane spiegelt sich um diese Zeit deutlich der Klassenkampf, auch wenn der Schriftsteller immer wieder die Kritiker, insbesondere Bengt Lidforss, gegen sich einnimmt, da Ossiannilsson  nicht selbst aus der Arbeiterschicht kommt und daher bisweilen die Einflüsse seiner bourgeoisen Erziehung zu spüren sind, eine Kritik, die dem Schriftsteller immer mehr zu Herzen geht, jedoch bewirkt, dass er sich mehr und mehr vom Sozialismus abwendet.

Als Karl Gustav Ossiannilsson ab 1921, unter Alfred Hallberg, Mitarbeiter beim Familj-Journal wird, beginnt der Schriftsteller, außer Gedichten und Prosa für Arbeiter, auch immer häufiger historische Romane zu schreiben die eine Anknüpfung an die schwedische Geschichte haben und eine langsame Wandlung vom sozialistischen Gedanken zum rein nationalistischen einleiten.

Diese Änderung spürt man dann sehr deutlich ab 1928, als Karl Gustav Ossiannilsson bei einer Vortragsreise durch Schweden unter dem Titel I Mussolinis Italien seine Reise durch Italien schildert und sich von der nationalistischen Bewegung des Landes begeistert zeigt. Wenig später tritt der Schriftsteller auch dem schwedischen Nationella Ungdomsförbund bei und propagiert die Bewegungen unter Mussolini, Hitler und Franco. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bricht dann jedoch sein Weltbild zusammen und der Schriftsteller wird wieder zum Gegner des Nationalsozialismus, zieht sich jedoch, auch als Schriftsteller, ganz von der Politik zurück.

Karl Gustav Ossiannillson zeichnete sich während der 20er Jahre jedoch nicht nur als Literat aus, sondern will um diese Zeit auch englische und französische Literatur dem schwedischen Leser näher bringen. Seine erste bedeutende Übersetzung war die Clayhanger Trilogie von Arnold Bennett und wenig später auch Le Cid von Pierre Corneille, die jedoch beide bereits zeigen, dass sich der Schriftsteller von der Arbeiterbewegung vollkommen gelöst hat.

Bereits Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Karl Gustav Ossiannilsson an seinen Memoiren zu schreiben, die jedoch kaum als solche bezeichnet werden können, da er wenig von sich preis gibt, aber mit all seinen „Gegnern“ abrechnet und über all jene berichtet, die ihm auf dem Weg zum Erfolg geholfen haben. Da der Schriftsteller um diese Zeit jedes politische Engagement verloren hat, lassen jedoch nicht nur die Memoiren wieder den Lehrer Ossiannilsson durchdringen, sonder auch den Folgewerken fehlt jede Stärke.

Zahlreiche Gedichte von Karl Gustav Ossiannilsson wurden noch zu seiner Lebenszeit vertont und einige der Prosawerke dienten als Vorlage für Filme. Neben seinen rein literarischen Werken schrieb der Schriftsteller auch einige Filmmanuskripte, Stücke für das Theater und hunderte von Artikeln und Rezensionen in den verschiedensten Zeitschriften Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

21 februari 2013

Håkan Nesser, Kommissar Van Veeteren und Kommissar Barbarotti

Håkan Nesser wurde am 21. Februar 1950 als Sohn des Landwirts Sven August Nesser und dessen Frau, der Kontoristin Maria Olivia, auf einem Bauernhof in der Nähe von Kumla geboren. Der Schriftsteller war in erster Ehe mit  Anne verheiratet und in zweiter Ehe mit Elke. Nesser hatte seinen letzten Wohnsitz bei London und lebte vorher mit seiner Familie in New York.

Da sein Vater den Hof bereits 1953 verkaufte um anschließend gepachtete Felder zu bearbeiten, zog die Familie in diesem Jahr nach Kumla wo Håkan Nesser seine Kindheit und seine Jugend verbrachte. Nesser besuchte die Grundschule und die Realschule in Kumla, anschließend das Gymnasium in Hallsberg. Dort legte Nesser 1968 auch die Hochschulreife ab. Unmittelbar danach begann er ein Studium an der Universität Uppsala, wo er sich für Literaturgeschichte, Nordische Sprachen, Geschichte, Philosophie und Englisch einschrieb. Sehr bald wechselte der Schriftsteller dann jedoch auf die Hochschule für Lehrer über um Gymnasiallehrer für Schwedisch und Englisch zu werden, ein Ziel, das er 1974 mit einer Anstellung in Märsta erreicht hatte.


Das Milieu in dem Håkan Nesser aufwuchs, verewigte der Autor später in seinen beiden Romanen Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö und Piccadilly Circus ligger inte i Kumla, die beide verfilmt wurden. Nur wenige, die diese beide Filme sehen oder die Bücher lesen, denken, vor allem wegen der spannenden Erzählung, daran, dass sie dort sehr viele autobiographische Zeichen des Autors finden.

Bis 1984 deutete nichts im Leben von Håkan Nesser darauf hin, das er sich zu einem der bedeutendsten schwedischen Kriminalautoren entwickeln sollte, da er ein ruhiges Leben mit seiner Frau Anne und seinen beiden Kindern führte. Als jedoch 1984 die Ehe geschieden wurde, begann sich Nesser an die Schreibmaschine zu setzen. Bereits 1988 veröffentlichte er dann seinen ersten Roman mit dem Titel Koreografen. Aber auch wenn sein existentieller Liebesroman sehr positiv von den Kritikern angenommen wurde, so blieb das Buch bei den Buchhändlern im Regal liegen.

Der schlechte Verkauf hinderte Håkan Nesser jedoch nicht daran sich an ein neues Buch zu schreiben. Im Jahre 1993 erschien dann sein erster Kriminalroman mit Kommissar Van Veeteren, der den Titel Det grovmaskiga nätet trägt und vom ersten Moment an zu einem Verkaufserfolg wird und von der Deckarakademien zudem als das beste Erstlingswerk des Jahres ausgezeichnet wird.

Mit Van Veeteren war es Håkan Nesser gelungen einen Polizisten zu schaffen, der sich von den anderen Kriminalhelden jener Zeit unterschied, mit Handlungen, die sowohl in Schweden als auch in Deutschland oder Polen vorkommen konnten. Da Nesser auch nicht erklärte wo seine fiktive Stadt Maardam liegt, die eine Mischung aus Kumla und Örebro ist, blieb dies bis zu den ersten Verfilmungen im Jahr 2000 ein Rätsel. Aber auch nach 2000 war es mehr der Regisseur der Filme der die Umgebung nannte als der Schriftsteller selbst.

Dem ersten Krimi mit Van Veeteren folgten weitere neun Romane in denen Håkan Nesser die gleichen Hauptpersonen handeln ließ. Im Laufe der Zeit nehmen allerdings nicht nur die handelnden Hauptpersonen bestimmte Charakterzüge an, sondern auch die Umgebung wird immer deutlicher beschrieben. Die Analyse dieser zehn Bücher zeigte, dass Nesser sich einen Stadtplan für Maardam gezeichnet haben musste, denn er behält die Logik, die er bereits mit seinem ersten Krimi schuf in allen Folgebänden bei, ein Detail, das die meisten Autoren bei fiktiven Orten vernachlässigen.

Nach dem Jahre 2003 bezeichnet Håkan Nesser die Karriere des Van Veeteren für beendet und er beginnt nicht nur an einer neuen fünfbändigen Krimireihe mit Kommissar Gunnar Barbarotti, die 2012 mit dem letzten Band Styckerskan från Lilla burma endete, zu arbeiten, sondern er schreibt auch über New York, einen Experimentalroman über Londen, Novellen und andere Werke, was jedoch immer wieder beweist, dass die Stärke des Autors im Kriminalroman liegt, da diese weitaus mehr Leser finden als jedes andere Werk.

Den größten Erfolg hatte Håkan Nesser bisher mit seinen Büchern mit Kommissar Van Veeteren, einer Serie, die zu Beginn 2013 in über zehn Millionen Exemplaren verkauft worden war, in 25 Ländern gelesen wird und alle mit Sven Wollters in der Hauptrolle verfilmt wurden. Woran der Schriftsteller gegenwärtig arbeitet, will er noch nicht aufdecken, auch wenn seine bisherigen Leser darauf hoffen, dass es erneut ein Kriminalroman mit mehreren Bänden sein wird.

Copyright: Herbert Kårlin

5 november 2012

Eirik Hornborg, ein Verteidiger der altschwedischen Sprache

Eirik Mikael Hornborg wurde am 29. September 1879 in Helsingfors (Helsinki) als Sohn von Albrecht und Alma Hornborg geboren und starb am 29. Dezember 1965 ebenfalls in der finnischen Hauptstadt in der er der schwedischsprachigen Minorität angehörte. Seit 1918 war Hornborg mit Ingeborg Ilmoni verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Eirik Hornborg ist wenig bekannt. Seine Biographie beginnt daher mit dem Abschluss seines Studiums im Jahre 1901. Zwischen 1900 und 1944 unterrichtete Hornborg als Lehrer an mehreren schwedischen Privatschulen Finnlands Geschichte und die schwedische Sprache, wobei er jedoch jede Neuerung des Schwedischen ablehnte und seinen Unterricht vollständig auf das ältere Schwedisch aufbaute.


Obwohl Eirik Hornborg in erster Linie Lehrer war und ein Verfechter der guten schwedischen Sprache, war er während des Ersten Weltkriegs politisch gegen Russland aktiv, kam später in den finnischen Landtag, anschließend der Reichstag und stand 1945 dem Ausschuss vor, der die finnische Außenpolitik während des Zweiten Weltkriegs untersuchte. In diesem Rahmen vertrat Hornborg eine Politik der Mitte, denn er bekämpfte auf der einen Seite die kommunistische Idee Russlands, auf der anderen Seite aber auch das extrem rechte Lapporörelse, das vor allem Mussolini als Vorbild hatte.

Die literarische Karriere Eirik Hornborgs leitete der historische Roman Under segel till antipoderna. Anteckningar från en färd till Oceanien im Jahre 1915 ein. In den Folgejahren veröffentlichte der Schriftsteller regelmäßig weitere geschichtliche Werke, die überwiegend eine Mischung aus Geschichtswissenschaft und geschichtlichem Roman waren, von zwei Biographien ausgenommen.

Auch wenn Eirik Hornborg Geschichte studiert hatte, so sah er sich nicht als Geschichtswissenschaftler und stufte daher auch keines der Werke als Fachliteratur ein, sondern teilweise als Geschichtsroman und teilweise als Sachbuch für alle, die sich für Geschichte interessieren.

Die meisten Werke Eirik Hornborgs behandeln die schwedische und die finnische Geschichte, aber unter den zahlreichen Buchveröffentlichungen findet man auch Themen zur französischen, amerikanischen und der römischen Geschichte, die zum Teil noch heute regelmäßig aufgelegt werden.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Autor von geschichtlichen Werken verfasste Eirik Hornborg auch unzählige Artikel in Zeitschriften, politische Abhandlungen und andere Werke, die nicht zur Literatur gerechnet werden. Gesamt betrachtet war Hornborg vermutlich der aktivste finnisch-schwedische Schreiber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Gesamtbibliographie umfasst insgesamt 178 Seiten.

Eirik Hornborg, der von 1934 bis 1947 der Vorsitzende der Svenska litteratursällskapet i Finland war, widersetzte sich auch in der Literatur jeder modernen Strömung und der Modernisierung der Sprache. Die Werke des finnisch-schedischen Autors Gunnar Björling (1887 - 1960), der als Modernisierer der schwedischen Literatur Finnlands gilt, kritisiert Hornborg auf eine Weise, dass der Autor weder die schwedischen Worte verstehe noch aber schwedisch schreiben könne.

Copyright: Herbert Kårlin