Visar inlägg med etikett Geschichte. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Geschichte. Visa alla inlägg

5 juli 2013

Carl Wilhelm Bergman und die schwedische Geschichte einer Epoche

Carl Wilhelm Bergman wurde am 18. August 1820 als Sohn des Verwalters Karl Gustav Bergman und dessen Frau Gustava Magdalena Thun auf dem Gut Lagerfors in Bällefors im Västergötland geboren und starb am 5. Juli 1857 im Alter von 36 Jahren im Kurort Ramlösa bei Helsingborg. Bergman  war ab 1856 mit Vilhelmina Johanna Katarina Munthe verheiratet.

Da Carl Wilhelm Bergman in der Bürgerschicht aufwuchs, wurde er in den ersten Jahren von einem Hauslehrer unterrichtet und kam erst im Jahre 1830 in die Schule in Skara, die er jedoch wegen einem Lungenleiden 1839 vorzeitig abbrechen musste um sich jedoch dann zu Hause auf sein Studium vorzubereiten. Von Oktober 1842 bis 1847 studierte der Schriftsteller an der Universität in Lund die Philosophie Hegels. Nach Abschluss seiner Studien entschloss sich Bergman nach Stockholm zu gehen um Schriftsteller zu werden.

Carl Wilhelm Bergman, Bleistiftzeichnung von Augusta Borg, 1859, Schwedisches Reichsarchiv

Die Idee Schriftsteller zu werden, hatte Carl Wilhelm Bergman bereits sehr früh, denn bereits während der Schulzeit hatte er romantische Poesie geschrieben, die sehr stark von Erik Johan Stagnelius und Per Daniel Amadeus Atterbom beeinflusst war. Einige dieser Gedichte erschienen im Mariestads veckoblad.

Ein Jahr bevor Carl Wilhelm Bergman sein Studium an der Universität Lund begann, hatte er einige Zeit bei seinem Onkel, dem Oberst Berndt Bergman, der geadelt den Namen von Schinkel erhielt und ihn bat seine Aufzeichnungen über die Geschichte Schwedens für eine Veröffentlichung in Form zu bringen, verbracht. Auch wenn sich Bergman unmittelbar an diese Aufgabe machte, so sollte es bis 1852 dauern bis der erste von acht Bänden des Werkes unter dem Titel Minnen ur Sveriges nyare historia erschien.

Der erste von Carl Wilhelm Bergman bearbeitete Band wurde von den Kritikern völlig zerrissen, da er sich nicht an die damals übliche nüchterne Geschichtsschreibung hielt, sondern Details ausschmückte und die Geschichte dramatisierte. Gerade wegen dieser lockeren Art des Schreibens wurde der erste Band jedoch in einer großen Auflage verbreitet. Bergman hatte sich jedoch die Kritik zu Herzen genommen und hielt sich dann bei den folgenden Bänden mehr an die geschichtlichen Tatsachen, ohne jedoch auf die ihm eigene Dramaturgie zu verzichten. Das Werk wurde daher weniger eine wissenschaftliche Arbeit, sondern glich in vielen Punkten bereits dem historischen Roman.

Noch bevor jedoch dieses Geschichtswerk erschien, hatte Carl Wilhelm Bergman bereits mit Unterstützung von Carl Jonas Love Almqvist einige Werke zu politischen und sozialen Fragen der Zeit veröffentlicht und den Sozialroman Clara Vinqvist veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen verhalfen ihm auch dazu, dass er sich unmittelbar nach dem Studium als Schriftsteller in Stockholm niederlassen konnte.

Wenn man Carl Wilhelm Bergman, der in den Jahren 1849 und 1850 auch in der sozialistischen Zeitschrift Reform mitarbeitete, innerhalb seiner Zeit betrachtet, so wurde er zwar vor allem wegen seiner populärwissenschaftlichen und teilweise unwissenschaftlichen Geschichtsschreibung kritisiert, obwohl der Bruch tiefer war, denn mit seiner Einstellung zur deutschen Philosophie, seinen humanistischen Gedanken und einer Geschichtsschreibung, die nicht die Meinung des schwedischen Monarchen und der Adelsschicht spiegelte, wurde er nahezu als Gefahr gesehen. Dass er mit seinen Werken das einfache Volk ansprach, war dabei noch eine erschwerende Tatsache. Es ist daher verständlich, dass Bergman Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl von der offiziellen Politik als auch der offiziellen Wissenschaft und Literatur abgelehnt wurde.

Betrachtet man die Arbeiten von Carl Wilhelm Bergman jedoch mit heutigen Augen, so ist er einer der wenigen Schriftsteller jener Epoche, die sich nicht an die Vorgaben der Adelsschicht hielten und daher in ihren Werken mehr die Denkweise des Volkes spiegeln und uns den Einblick in einen die „normale“ Dankweise der Gesellschaft ermöglichen.

Wenn man heute die literarische Leistung Carl Wilhelm Bergmans bewerten will, so muss man von allen gegen ihn vorgebrachten Kritiken abgehen, denn auch wenn seine Werke wissenschaftlich sehr große Lücken aufweisen und teilweise auch auf die falsche Spur führen, so gelang es ihm einen großen Leserkreis anzusprechen und damit auch zur Meinungsbildung beizutragen. Seine Werke zeugen von einem positiven Enthusiasmus, der die Ideale des Philosophen Ludwig Andreas Feuerbach ausstrahlt. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass Bergman mehr vom deutschen als vom schwedischen Gedankengut beeinflusst war und daher gezwungenermaßen in Schweden auf Widerstand und Kritik stoßen musste.

Carl Wilhelm Bergman hatte ursprünglich vor seine beiden frühen Werke Den religiösa frågan und Den sociala frågan zu überarbeiten, da er selbst die Schwächen dieser beiden Werke spürte, aber der frühe Tod des Schriftstellers ließ diese Arbeit nicht mehr zu. Als bedeutendstes Werk ist daher seine Geschichte in acht Bänden zu sehen, obwohl auch diese mit dem Jahre 1815 abbricht und von ihm durch den frühen Tod nicht mehr fortgesetzt werden konnte.

Copyright: Herbert Kårlin

30 juni 2013

Carl Grimberg und die schwedische Geschichte für Jedermann

Carl Grimberg wurde am 22. September 1875 als Sohn des Volksschullehrers Joel Grimberg und dessen Frau Charlotta Andersson in Göteborg geboren und starb am 11. Juni 1941 in Djursholm bei Stockholm. Grimberg war ab 1919 mit Freiherrin Eva Carlsdotter Sparre verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Carl Grimberg ist nichts bekannt, so dass seine Biographie im Jahre 1893 mit der Hochschulreife in Göteborg beginnt. Noch im gleichen Jahr schrieb sich Grimberg an der Universität Göteborg ein um dort Geschichte und nordische Sprachen zu studieren. Im Jahre 1896 machte er die Kandidatur in Philosophie, sechs Jahre später das Lizenziat und 1903 schloss er seine Studien endgültig mit einer Doktorarbeit ab.

Carl Grimberg, Svenska folkets underbara öden, Oscar II:s tid, Ungdomsupplaga, Norstedt, Stockholm, 1928

Wie um diese Zeit die Mehrheit der Absolventen humanistischer Studien, so wählte auch Carl Grimberg nach der Universität die Lehrerlaufbahn. Während er während seiner Studien noch in Göteborg unterrichtete, ging er nach dem Doktorat an die Lundsbergs skola, die er jedoch bereits 1906 gegen eine Dozentur in Geschichte an der Universität in Göteborg eintauschte, wobei Grimberg ab 1907 zusätzlich mit einem Lektorat in Uppsala betraut wurde. Aber schon 1908 gab er das Lehramt auf und akzeptierten das Angebot Norstedts dort als literarischer Berater zu arbeiten.

Seine literarische Aktivität begann Carl Grimberg im Jahre 1907 mit Lehrbüchern für die Grundschule, die Realschule und das Gymnasium. Während der rechte Flügel des Landes diese Werke nahezu überschwänglich lobte, zeigte sich der linke Flügel unter Hjalmar Branting eher kritisch und verurteilte die Werke als nationalistisch und als Kriegsverherrlichung. Dies ging schliesslich so weit, dass die Werke Grimbergs im Parlament diskutiert wurden, was jedoch seinen positiven Ruf nur vergrößerte. Da Grimberg sich jedoch politisch unabhängig zeigen wollte, begann er die nationalistische Tendenz der Werke abzumindern und erreichte damit eine umfassende Popularität.

Im Jahr 1910 hatte Carl Grimberg dann die Idee eine komplette Geschichte Schwedens zu schreiben, die zwischen 1913 und 1924 unter dem Titel Svenska folkets underbara öden erschien. Sein Verleger war nicht sehr leicht von der Idee zu überzeugen, aber als der Schriftsteller auf jeden Vorschuss verzichtete, wagte er im Jahr 1913 das erste Heft der Reihe.

Die Bedenken des Verlegers waren berechtigt, da um diese Zeit sehr viele Autoren eine schwedische Geschichte schrieben, aber keiner unter ihnen auch den Durchbruch erreichte. Hier zeigte sich der Vorteil von Carl Grimberg, der nicht nur extrem belesen war und die gesamte Geschichte des Landes kannte, sondern auch in der Lage war den Stoff auf eine unterhaltsame populärwissenschaftliche Weise darzustellen, was keinem seiner Konkurrenten gelungen war.

Der Erfolg von Carl Grimberg lag allerdings nicht nur an seiner Fähigkeit die schwedische Geschichte lebendig zu machen, sondern er folgte auch den Spuren von Anders Fryxell, dessen Geschichtswerk mittlerweile veraltet war, aber den gleichen Enthusiasmus spiegelte und der steigende Erfolg lag auch daran, dass Grimberg im Jahre 1919 die Verlagsfrau Eva Sparre heiratet, wodurch auch der Schriftsteller ein Mitglied des ältesten Hochadel Schwedens wurde, was ihm jede Tür öffnete.

Im Gegensatz zu Fryxell lieferte Carl Grimberg eine nahezu vollständige Geschichte Schwedens in der auch das Bergwerk, die Landarbeit, das Schulwesen oder die Hexenverfolgungen zu finden sind, was letztendlich auch dazu führte, dass das Werk in zahlreichen Auflagen veröffentlicht wurde und noch heute eines der wichtigsten kulturgeschichtlichen Werke Schwedens ist, zumal der Schriftsteller immer wieder Originaldokumente zitiert und Quellen nennt.

Natürlich darf dieses Sammelwerk nicht als moderne populärwissenschaftliche Geschichte betrachtet werden, denn Carl Grimberg schreibt im Geiste der Zeit und macht die schwedische Bevölkerung zum Übermenschen, während Dänen und Russen eher zu Gaunern und Schurken gehören. Grimberg verherrlicht natürlich auch kritiklos die Errungenschaften von Engelbrekt Engelbrektsson, Gustav Vasa oder Gustav II. Adolf und spiegelt daher die schwedische Gedankenwelt und wissenschaftliche Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Auf Grund des enormen Erfolges des Werkes Svenska folkets underbara öden erlaubte ihm Norstedt sich ab 1926 ganz dem Verfassen eines Folgewerkes zu widmen, einer Weltgeschichte. Mit diesem Sonderabkommen wurde Carl Grimberg einer der ersten schwedischen Schriftsteller, die ausschließlich vom Schreiben leben konnten und dabei auch noch gut lebten, denn einen Großteil des Werkes schrieb der Autor auf seinem Segelboot mit dem er oft im Mittelmeer unterwegs war.

Allerdings konnte Carl Grimberg seine Weltgeschichte nicht mehr zu Ende führen und kam nur noch bis zum Jahre 1715 da er dann in seinem Heim in Djursholm starb.

Copyright: Herbert Kårlin

21 maj 2013

Gudmund Jöran Adlerbeth und die gustavianische Epoche Schwedens

Gudmund Jöran Adlerbeth wurde am 21. Mai 1751 als Sohn des Hofjunkers Jakob Fredrik Adlerbeth und dessen Frau Anna Maria Spalding in Jönköping geboren und starb am 7. Oktober 1818 auf dem Gut Ramsjöholm in der Gemeinde Svarttorp bei Jönköping. Adlerbeth war ab 1781 mit Karin Ridderborg verheiratet.

Seine gesamte Kindheit und Jugend verbrachte Gudmund Jöran Adlerbeth auf dem Gut des Vaters bei Svarttorp, da sich der Vater sehr früh aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte und den Sohn selbst unterrichten wollte. Die gesamte Erziehung von Adlerbeth, zumindest bis zu seinem 17. Lebensjahr, war daher ausschließlich vom französischen Lebensstil geprägt, jedoch auf eine ländliche Situation angepasst. Diese Zeit hat den Skalden und Politiker so stark geprägt, dass er dem Gut Ramsjöholm immer eng verbunden war, was sich auch auf seine spätere Dichtkunst sehr deutlich auswirkt.

Gudmund Jöran Adlerbeth, Pastellgemälde von L. Pasch dem Jüngeren, 1780, Schwedisches Reichsarchiv

Als Gudmund Jöran Adlerbeth im April 1768 sein Studium an der Universität in Uppsala beginnt, das er 1771 mit dem Kanzleiexamen abschließt, wird die akademische Schicht nicht nur bald auf seine Intelligenz aufmerksam, sonder er zeigt sich auch bald als begabter Dichter. In dieser Zeit werden von der Gesellschaft Apollini Sacra, in die Adlerbeth gewählt wurde, vier seiner Oden an die Ordensgesellschaft Utile dulci eingereicht, die den jungen Adlerbeth auch in den gehobenen Kreisen Stockholms bekannt machen.

Nach Abschluss des Studiums beginnt Gudmund Jöran Adlerbeth in der Kriegsexpedition zu arbeiten, wird auf Grund seiner literarischen Leistungen jedoch schon zwei Jahre später zum Kopierer und Kanzleiangestellten befördert. Hier fällt er wenige Monate später, nicht zuletzt auch durch eine Empfehlung von Gustaf Fredrik Gyllenborgs, dem König Gustav III. auf, der ihn wiederholt zu seinen literarischen Zirkeln einlädt, was Adlerbeth jedoch damit bezahlen muss, dass er während dieser Zeit den altmodischen Stil annimmt, der vom König gewünscht wird und dass er französische Opernwerke bearbeitet und übersetzt.

Ab 1774 geht Gudmund Jöran Adlerbeth häufig mit dem König auf Reisen und wird sein Protokollsekretär, was letztendlich dazu führt, dass der Schriftsteller 1778 zum Reichsarchivar ernannt wird, eine Jahre später Privatsekretär wird und 1786 vom König zum Mitglied der Svenska Akademien ernannt wird. In den Folgejahren wird Adlerbeth zusätzlich in die Vitterhetsakademien und die Vetenskapsakademien gewählt, was ihm eine wichtige Stellung innerhalb der schwedischen Kultur verleiht.

Der Preis für diesen Aufstieg und die zahlreichen Ehren ist allerdings, dass Gudmund Jöran Adlerbeth nur einen kleinen Spielraum bei seinem Schaffen hat und überwiegend im Auftrag des Königs schreiben muss. In diesen Jahren entstehen das Rokokoschauspiel Birger Jarl und das lyrische Drama Cora och Alonzo, mit dem das Opernhaus des Königs im Jahre 1782 eingeweiht wird.

Privat beginnt sich Gudmund Jöran Adlerbeth jedoch immer mehr mit der englischen und vor allem auch der isländischen Literatur zu beschäftigen. Adlerbeth übersetzt Ende der 80er Jahre auch Ejvindr Skaldaspillers liksång öfver konung Håkan i Norrige, das ab 1790 in der Stockholmposten veröffentlicht wird und Adlerbeth zu einem der Vorreiter der nordischen Renaissance macht.

Neben den Auftragsarbeiten für Gustav III. und seinen eigenen Werken, war Gudmund Jöran Adlerbeth einer der bedeutendsten literarischen Übersetzer seiner Zeit, denn er übersetzte einige der wichtigsten Werke Voltaires (François-Marie Arouet) und Jean Racines, auch wenn Adlerbeth nicht wegen dieser Werke besonders gelobt wurde, sondern für seine Übersetzungen der lateinischen Klassiker. Diese Übersetzungen und vor allem die Auswahl der Werke sollten nahezu zwei Jahrhunderte lang die schwedische Einstellung und Deutung der Antike prägen.

Als Jacob Axelsson Lindblom im Jahre 1811 das Psalmbuchkomitee einsetze, so waren in der Gruppe auch die drei Freunde Gudmund Jöran Adlerbeth, Johan Gabriel Oxenstierna und Carl Gustaf af Leopold Mitglieder, mit dem Ergebnis, dass Adlerbeth nicht nur im kulturellen Bereich und in der Politik einen bedeutenden Einfluss ausübte, sondern auch im geistlichen Leben, da eine Psalmensammlung über Jahrzehnte hinweg verwendet wurde und das gesamte schwedische Volk beeinflusste.

Obwohl heute die meisten lyrischen Werke von Gudmund Jöran Adlerbeth nahezu in Vergessenheit geraten sind, so sind seine Aufzeichnungen zur Reise des Königs nach Italien und vor allem seine geschichtlichen Aufzeichnungen noch heute von größtem Interesse, da sie einen Einblick in das Schweden unter Gustav III. bieten, auch wenn der Wahrheitsgehalt in manchen Punkten mit Vorsicht angegangen werden muss, da man in dieser Epoche nicht das heutige Geschichtsverständnis hat und die Werke von Adlerbeth von der persönlichen Einstellung stark gefärbt sind, einer Person, die nie Kritik suchte, sondern im Fluss der herrschenden Gesellschaft schwamm ohne diese je in Frage zu stellen.

Copyright: Herbert Kårlin

20 maj 2013

Verner von Heidenstam und der Umbruch in eine neue Zeit

Verner von Heidenstam wurde am 6. Juli 1859 als Sohn des Ingenieurs Nils Gustaf von Heidenstam und dessen Frau Magdalena Charlotta Rütterskjöld in Hammar bei Örebro geboren und starb am 20. Mai 1940 in Ny in Östergötland. Von Heidenstam war in erster Ehe mit Emilie Uggla verheiratet, in zweiter mit Olga Mathilda Wiberg und in dritter Ehe mit Anna Margaretha (Greta) Charlotta Sjöberg. Mit seiner letzten Frau, der Dänin Kate Bang, ging der Schriftsteller nie die Ehe ein.

Während seiner Kindheit lebte Verner von Heidenstam im Winter in Stockholm und im Sommer in Olshammar, den Ort, den er auch in seinen Memoiren als Heimatort betrachtet. Olshammar gehörte dem Geschlecht seiner Mutter und von Heidensatam wurde dort von den überwiegend weiblichen Bewohnern, die alle der gehobenen Schicht Schwedens angehörten, vergöttert, was vermutlich auch seine zukünftige Einstellung zu Frauen prägte, deren Nähe er suchte. Seit Leben lang war der Schriftsteller von Frauen umgeben, was sich nicht nur durch drei Ehen ausdrückte, sondern auch an seinen zahlreichen Affären.

Verner von Heidenstam, Dikter, Albert Bonniers Förlag, Stockholm, 2007, Titel: Jenny Herrström Gemzell

In Olshammar lernte Verner von Heidenstam auch die ausländische klassische Literatur kennen, da seine Großmutter eine sehr umfangreiche Bibliothek mit diesen Werken besaß. Als von Heidenstam ab 1869 die Beskowska skolan in Stockholm besuchte, war er dort einer der ersten Schüler. Wegen mehreren Krankheiten dehnte sich seine Schulzeit immer wieder hinaus bis er die Schule 1876 wegen TBC verlassen musste. Um sich von der Krankheit zu erholen, wurde dem Schriftsteller ein Aufenthalt in Südeuropa empfohlen, was von Heidenstam in den folgenden zwei Jahren nicht nur nach Südeuropa, sondern auch nach Vorderasien führte.

Die ersten literarischen Versuche von Verner von Heidenstam sind bis in die 70er Jahre zu verfolgen, denn in diesen Jahren legte er Carl David af Wirsén erstmals ein Manuskript zur Begutachtung vor. Auf diese Weise fand er dann Zacharias Topelius als Ratgeber, der ihm auf dem Weg zum Literaten helfen sollte. Diese ersten Werke des Schriftstellers zeugen allerdings noch vom idealisierten Christentum von Heidenstams und sind daher nicht mit seinen späteren Werken zu vergleichen.

Zu Beginn der 80er Jahre überlegt Verner von Heidenstam ob er sich der Malerei oder der Schriftstellerei widmen soll, und entscheidet sich dann für die Malerei. Parallel dazu beginnt seine Revolte gegen die väterliche Linie, der bereits den Berufswunsch des Sohnes missbilligte, jedoch durch die Unterstützung von Mutter und Großmutter seine Wünsche realisieren kann. Von Heidenstam heiratet die drei Jahre ältere Emilie Uggla, zieht mit ihr nach Rom, Paris, die Schweiz und schließlich an die Riviera. Die Bilder, die in dieser Zeit entstehen zeigen Motive aus der römischen und vor allem der nordischen Mythologie.

Durch seinen Aufenthalt im Ausland wird Verner von Heidenstam von den modernen sozialen Änderungen beeinflusst und betrachtet das aristokratische Schweden jener Zeit als überholt. In diesem Sinne beginnt er 1884 einen regen Schriftwechsel mit August Strindberg, der von von Heidenstam als Visionär des zukünftigen Schweden betrachtet wird. Diese Korrespondenz sollte von Heidenstam bei all seinen zukünftigen Werken stark beeinflussen, denn Strindberg zeigte ihm den Spiegel der schwedischen Aristokratie.

Das Verhältnis von Verner von Heidenstam zu Strindberg wurde im Laufe der Jahre jedoch immer angespannter, insbesondere dadurch, dass von Heidenstam von den Kritikern mehr und mehr über Strindberg gestellt wurde, was dazu führte, dass Strindberg ab 1890 die Briefe von Heidenstams nicht mehr beantwortete. Die Ursache dieses Problems beruhte jedoch vor allen darauf, dass von Heidenstam, im Gegensatz zu Strindberg, die Gesellschaft nie schockierte, sondern sich den Wünschen der gehobenen Schicht anpasste.

Ab den 90er Jahren sah sich Verner von Heidenstam dazu berufen des kulturelle Leben Schwedens zu beeinflussen, da seiner Meinung nach in Schweden der nationale Gedanken mit der Arbeiterbewegung auf der Strecke blieb. Von Heidenstam gründete zu diesem Zweck 1893 den schwedischen Schriftstellerverband und übernahm zwei Jahre später das Svenska Dagbladet um dadurch auf die Meinungsbildung Schwedens Einfluss zu gewinnen. 1899 gründete er dann auch noch einen liberalen Verein, der sich zur Liberalen Samlingspartiet entwickelte und heute die Folkpartiet ist.

Der Erfolg von Verner von Heidenstam beruhte jedoch nicht nur auf seinen Leistungen als Schriftsteller und Dichter, sonder er war in der Lage sowohl die gebildete Schicht als auch den gehobenen Arbeiter anzusprechen, da er nie Teil der Arbeiterbewegung war, jedoch ebenfalls für das Wahlrecht der Bürger eintrat und liberales Gedankengut verbreitete, das auf breiter Ebene positiv akzeptiert wurde und nicht den Gedanken einer Revolution in sich trug.

Als Verner von Heidenstam 1909 als der schwedische Nationaldichter gehüllt wurde, hatte er eine klare Stellung zum gehobenen Bürgertum eingenommen, da seine Dichtung seit 1988 deutlich machte, dass die östliche Philosophie und Denkweise dem Ende entgegenging und er setzte die nordische Geschichte und Denkweise in den Vordergrund, was gerade um diese Zeit bei der gebildeten Schicht des Landes, aber auch beim Volk, auf fruchtbaren Boden fiel. Seine Geschichtswerke zwischen 1897 und 1908 sind ein deutliche Zeichen dafür, das von Heidenstam um diese Zeit eine Mittlerrolle zwischen gehobener Bürgerschicht und gehobener Arbeiter und Handwerkschicht einnahm und den Stolz zum Mutterland predigte, der unabhängig von der sozialen Stellung liegt.

Kurz bevor die literarische Karriere von Verner von Heidenstam zu Ende ging, wurde er 1912 nach dem Tode von Wirsén, der seine Wahl bis dahin verhindert hatte, in die Svenska Akademien gewählt, wo er, nach Wirsén auf dem Stuhl Nummer 8 gewählt wurde. Nur vier Jahre später wurde von Heidenstamm auch der Nobelpreis in Literatur vergeben. Der Schriftstelle sollte anschließend nur noch an seiner Autobiografie arbeiten, die er jedoch nie fertigstellte.

Zu Beginn der 30er Jahre zeigten sich bei Verner von Heidenstam deutliche Zeichen der Demenz, eine Situation, die sich ab 1934 sehr schnell verstärkte. Der Schriftsteller litt unter Halluzinationen, Angstzuständen und konnte bald auch nicht mehr schreiben und sprechen. Durch einen Betrug ehemaliger Freunde wurde seiner Frau Kate Bang das gesamte Erbe gestohlen um aus Övralid ein Nationalmonument für von Heidenstam zu machen.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

30 april 2013

Harald Johnsson, der Schriftsteller des Normalbürgers

Harald Johnsson wurde am 22. Juli 1886 als Sohn des Fabrikanten Olof Johnsson und dessen Frau Bengta Andersdotter in Östra Göinge in Skåne geboren und starb am 30. April 1936 in Stockholm. Johnsson war ab 1913 mit der Schriftstellerin Karin Johansson verheiratet.

Da sich bisher nur wenige Literaturwissenschaftler mit Harald Johnsson beschäftigt haben, ist über seine Kindheit und seine Jugend kaum etwas bekannt. Johnsson legte seine Hochschulreife im Jahre 1904 in Kristianstad ab und studierte anschließend von 1904 bis 1908 an der Universität Lund. Ab 1906 arbeitet er am Studentenkalender Nya Dagar mit, wobei die Gedichte und anderen kurzen Beiträge später auch als sein erstes Buch veröffentlicht werden.

Harald Johnsson, Svenska Stormän, Svenska Läratidnings förlag, 1935

Nach seinem Studium arbeitete Harald Johnsson  erst einige Jahre lang beim Lunds Dagblad, wechselte dann jedoch im Jahre 1910 mit seinem Umzug nach Stockholm zum Buchverlag Åhlen och Åkerlund bei dem er als literarischer Ratgeber arbeitete.

Während seines Studiums in Lund und die Zeit in der Harald Johnsson bei  Åhlen och Åkerlund beschäftigt war, entstand unter seiner Feder vor allem Lyrik, die starke Einflüsse von Vilhelm Ekelund, Ola Hansson und Anders Österling zeigen, auch wenn man in einem Teil seiner Lyrik persönliche Züge findet. Bevor sich der Autor jedoch in der Dichtung gefunden hat, gibt er die Lyrik auf, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass er kaum in literarischen Kreisen verkehrt und daher wenig Ansporn erhält.

Als Harald Johnsson 1913 als literarischer Ratgeber zum Verlag Dahlberg wechselt, wechselt der Autor auch seine literarische Richtung und beginnt Kriminalromane zu schreiben, die er unter dem Pseudonym Robinson Wilkins veröffentlicht. Ein Teil dieser Romane erscheint in Heftform, einige wenige in Buchform, die jedoch, obwohl sie Schnellprodukte waren, von einer verblüffenden Logik der Handlungen zeugen. Auch wenn der literarische Wert dieser Kriminalromane bis heute angezweifelt wird, lag Johnsson im Zeitstrom, denn er verkaufte über eine halbe Million Exemplare und jedes der Werke wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Seine beiden Hauptfiguren Fred Hellington und Carl Alexander Jönsson wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschätzte und allgemein bekannte Figuren.

Nach wenigen Jahren verließ jedoch Harald Johnsson auch die Welt der Kriminalromane wieder und er schrieb unter verschiedensten Pseudonymen Abenteuergeschichten, Liebesromane sowie Sagen und Kinderbücher, die beim Publikum sehr gut ankamen, aber von Kritikern unbeachtet blieben, da Unterhaltungsliteratur und einfachere Belletristik um diese Zeit nicht zur ehrenhaften Arbeit eines Schriftstellers gehörten.

In der letzten Phase seines Schaffens veröffentlichte Harald Johnsson vor allem historische „Räubergeschichten aus Skåne“ und populärwissenschaftliche, geschichtliche Romane und Biographien, die dem Leser die Vergangenheit Schwedens öffneten. Auch hier hatte er beim Publikum einen großen Erfolg, da das geschichtliche Interesse eine breite Leserschicht ansprach, aber nur die wenigsten unter ihnen die wissenschaftlichen Werke lesen konnten, sie sich aber auch nicht leisten konnten. Johnsson ließ gerade für diese Schicht die schwedische Vergangenheit von Ansgar und der Heiligen Birgitta bis zu Anführern von Aufständischen wieder auferstehen, eine Leistung, die jedoch von der etablierten literarischen Schicht kaum geschätzt wurde. Seine Leserschicht erstreckte sich dagegen von Jugendlichen bis zum höchsten Alter, da Johnsson es verstand Geschichte mit einfachen Worten zum Leben zu erwecken.

Harald Johnsson war mit seiner Prosa ein Schriftsteller der Alltagswelt, denn er schrieb über das Leben als Soldat, die Probleme der kleinen Leute, über Alkoholiker und Kleinkriminalität, die die Armut und die Unterdrückung mit sich bringen. Der Autor war dabei in der Lage durch Humor das Leben trotz der Probleme als lebenswert zu zeichnen. So manches Werk hat auch autobiographische Züge und Elemente, die der Schriftsteller aus Erzählungen holt, die er in seiner Kindheit hörte oder erlebte.

Eines der Probleme warum Harald Johnsson nicht als ernsthafter Schriftsteller anerkannt wurde, war, dass er sich immer auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellte und die Untergrundkämpfer Skånes als Helden im Kampf gegen die Übergriffe Schwedens darstellte. Johnsson wollte dabei lediglich eine andere Möglichkeit der Wahrheit aufzeigen, die jedoch gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell wenig willkommen war, da Schweden von der gehobenen Schicht immer noch als die Wiege der Welt und der Kultur gesehen wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer

4 april 2013

Peter Englund und die Geschichte Schwedens

Peter Englund wurde am 4. April 1957 als Sohn eines Fahrers einer Brauerei, der sich später zum Ingenieur ausbildete und dessen Ehefrau Gunborg in Boden geboren und ist seit 2005 mit der um 18 Jahre jüngeren Historikerin Josefin verheiratet. Das Ehepaar wohnt mit den gemeinsamen Kindern auf einem Gut bei Uppsala.

Seine Kindheit und seine Jugend verbrachte Peter Englund in Boden, wo er auch das Gymnasium besuchte, zu Beginn die Linie für Pflegeberufe, die er jedoch bald gegen die humanistische Richtung eintauschte, da in der Schule das Interesse für Geschichte die Überhand nahm. In dieser Zeit engagierte sich Englund auch in der FNL-Bewegung und beim Jugendverband der Sozialdemokraten aus dem er jedoch bald ausgeschlossen wurde, da er Verbindungen zu den Trotzkisten hatte.


Nach der Hochschulreife in Boden und seinem fünfzehnmonatigen Wehrdienst begann Peter Englund Archäologie, theoretische Philosophie und Geschichte an der Universität Uppsala zu studieren, ein Studium, das er mit einer Forscherausbildung in Geschichte, einer Doktorarbeit zur Geschichte des 17. Jahrhunderts, seinem Spezialgebiet, und im Jahre 1989 mit einer Disputation beendete.

Bereits im Jahre 1988 erschien unter dem Titel Poltava der absolute Bestseller von Peter Englund, die Geschichte einer Schlacht bei der 10.000 Menschen starben und chronologisch die gesamte Geschichte dieses Untergangs aufzeigt. Bereits bei diesem Werk zeigt sich, dass Englund in erster Linie eine Geschichtswissenschaftler ist, der sich rigoros an überliefertes Material hält, jedoch zum Schriftsteller wird um die Materie in einer einfacheren Sprache einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Nach seinem Werk Det hotade huset, das er auch für seine Disputation vorlegt und ein Jahr nach seinem Bestseller erscheint, wird Peter Englund auch immer häufiger von der Presse um seine Mitarbeit gebeten. Der historische Schriftsteller schreibt in der Folgezeit, neben seinen Geschichtswerken auch Essays für den Expressen und wird schließlich auch Kriegsreporter für die Dagens Nyheter, was bedeutet, dass der Historiker ein Zeitzeuge mehrerer Kriege unserer Zeit wird.

In den 90er Jahren beginnt Peter Englund sein Lebenswerk zu planen, eine Trilogie, die die Geschichte Schwedens von 1625 bis 1680 aus allen möglichen Winkeln beleuchten soll und damit jedes Folgewerk zu dieser Epoche überflüssig macht. Im Jahre 1993 erschien der erste Band unter dem Titel Ofredsår, der zeigt wie ein kleines Land zu einer Großmacht wird und das plötzlich eine wichtige Rolle in der europäischen Politik spielt. Für dieses Buch erhält Englund den Augustpreis für das beste Fachbuch des Jahres.

Der zweite Band der Trilogie erschien erst im Jahre 2000 unter dem Titel Den oövervinnerlige und behandelt vor allem die Krise, die Schweden nach dem Ende des 30-jährigen Krieges einholt und endet etwa 1660. Wann der dritte Band zu diesem Monumentalwerk erscheinen wird, ist ungewiss, da Peter Englund als ständiger Sekretär der Svenska Akademien mittlerweile sehr viel Zeit für andere Dinge als das Schreiben seiner Bücher aufwenden muss.

Hinzu kommt, dass Peter Englund zu Beginn des 21. Jahrhunderts an mehreren Manuskripten für Film und Fernsehen arbeitet, unter anderem an der Fernsehserie Ramona, die die Spannungen der Nachkriegszeit zwischen Schweden und der Sowjetunion beleuchtet und er gibt, gemeinsam mit Kristian Petri, den Kurzroman Jag skall dundra heraus, eine Art Geschichtskriminalroman aus dem Jahre 1706.

Peter Englund betont immer wieder, dass seine Bücher auf Fakten und Dokumente aufbauen und er diese Fakten nie ändern würde um einen literarischen Effekt zu erzielen, da dies seiner Seele als Historiker widerspricht. Auch wenn Englund dabei glaubhaft wirkt, so wurden seine beiden Bücher Ofredsår und Den oövervinnelige vom britischen Geschichtswissenschaftler Robert I. Frost, der sich ebenfalls auf das 17. Jahrhundert spezialisiert hat, sehr in Frage gesetzt und der Brite ist der Meinung, dass es selbst sinnlos wäre alle Fehler Englunds aufzuzählen, eine Meinung, die auch Peter Johnsson in seinem Buch über die polnische Geschichte teilt.

Wenn man auch die Kritiker Peter Englunds betrachtet, so entdeckt man sehr schnell, dass jeder der Forscher zu anderem Material gegriffen hat und die Dokumente auf unterschiedliche Weise gelesen und interpretiert hat. Dies reduziert in keiner Weise Englunds Leistung, aber zeigt, dass die Bücher des Autors doch mehr als Geschichtsliteratur betrachtet werden müssen statt als feststehende historische Tatsachen.

Peter Englund wurde im Jahre 2002 in die Svenska Akademien gewählt und nahm in diesem Jahr, nach Erik Lönnroth, auf dem Stuhl Nummer 10 Platz.

Copyright: Herbert Kårlin

1 april 2013

Maj Bylock und die schwedische Geschichte für Kinder

Maj Bylock, geborene Andersson, wurde am 21. März 1931 als Tochter des Veterinärs Nils Andersson und dessen Frau Manda Möller in Visby auf Gotland geboren und lebt heute bei Karlstad im Värmland. Bylock ist seit 1952 mit Erik Olof (Olle) Sigvard Bylock verheiratet.

Da die Familie Andersson bereits 1943 ins Värmland zog, verbrachte Maj Bylock nur ihre Kindheit auf Gotland und besuchte das Gymnasiumbereits  in Karlstad, wo sie 1951 auch die Hochschulreife ablegte und anschließend ein Lehrerstudium machte, eine der wenigen Ausbildungszweige, die damals in Karlstad zur Verfügung standen. Bylock arbeitete anschließend bis 1961 als Volksschullehrerin.


Auch wenn Maj Bylock, wie so viele andere schwedische Autoren, bereits mit sieben Jahren ihre ersten Gedichte schrieb und mit zwölf mit einem ihrer Gedichte auch einen Preis errang, so ließ sich die Autorin nicht von der Lyrik fangen, sondern von den Erzählungen ihres Vaters, der ihr bereits sehr früh die Geschichte Gotlands auf spannende Weise näher gebracht hatte und ihr mit Hilfe von Legenden und historischen Plätzen eine vergangene Welt öffnete.

Nach ihrem Vorbild Selma Lagerlöf begann Maj Bylock noch als Lehrerin damit Lehrbücher in Religion und Geschichte zu schreiben mit denen sie den Unterrichtsstoff spannender gestalten wollte. Auch wenn die Schriftstellerin dabei einen gewissen Erfolg hatte und das Interesse der Schüler für eine trockene Materie wecken konnte, so kam damit kein Erfolg und ihre Werke wurden nur in einem sehr begrenzten Raum eingesetzt. Vieles benutzte die Autorin auch nur beim eigenen Unterricht als eine Art Revolte gegen den klassischen Faktaunterricht, der um diese Zeit noch üblich war.

Aber Maj Bylock gab deswegen nicht auf Bildung auf einfache Weise zu vermitteln, sondern begann ab Mitte der 60er Jahre Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, deren Themen sie sehr häufig aus der Geschichte holte. Ihr Ziel dabei war, dass sich die jungen Leser mit einer Persönlichkeit des Buches identifizieren konnten und damit Teil der Erzählungen wurden. Diese Technik verhalf unzähligen Kindern Schwedens dazu sich für die Geschichte der Wikinger, der Hexenverfolgungen oder auch für die religiöse Mythologie zu interessieren.

Eine besondere Rolle nehmen in diesem Rahmen die sieben Bücher über die Hexen Schwedens des 17. und 18. Jahrhunderts ein, die sich vor allem an junge Mädchen richten und deren Hauptfiguren auch starke Mädchen spielen. Maj Bylock gelang es mit dieser Serie, die zwischen 1989 und 1998 erschien, einen Beitrag zur Frauenbewegung Schwedens zu schaffen ohne dabei zu den typischen Mitteln der Frauenliteratur greifen zu müssen und sie lässt gleichzeitig ein Stück schwedischer Geschichte entstehen, das ohne Fakten und Zahlen auskommt, die Jugendliche ohnehin weder interessiert, noch für das Verständnis jener Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Noch bis zu  21. Jahrhunderts unterschied man bei Maj Bylock sehr deutlich die Kategorien Jugendbuch und Lehrbuch und erst in den letzten Jahren zeigen wissenschaftliche Forschungen, dass beides eine Einheit ausmacht, insbesondere, wenn man bedenkt, dass Bylock keinerlei geschichtlichen Fakten verfälschte, sondern lediglich durch fiktive Personen mit denen sich die Leser identifizieren können ergänzte und damit einen lockeren Zusatz zu vorhandenem reinem didaktischen Materials bietet.

Auch wenn Maj Bylock bisher nur einen Teil der schwedischen Geschichte in Form von Kinder- und Jugendbüchern erzählte, begann sie ab 1995 immer mehr in die Belletristik überzugehen und die weltweit wichtigsten Jugendbücher in schwedischer Sprache nachzuerzählen. Ihr erster Band war einer der Bestseller der Jugendliteratur aller Zeiten, nämlich „Onkel Toms Hütte“.

Noch heute zögern viele Literaturwissenschaftler Maj Bylock in der schwedischen Literaturgeschichte aufzunehmen, obwohl gerade Bylock immer noch sehr viel gelesen wird und ihre Bücher mehr in Bibliotheken ausgeliehen werden als jene anderer Autoren von Kinder- und Jugendbücher und damit einen wesentlichen Beitrag innerhalb der schwedischen Literatur leisten, auch dadurch, dass sie täglich weitere Kinder und Jugendliche ans Lesen bringt.

Maj Bylock erhielt im Jahre 1990 den begehrten Astrid Lindgren-Preis und wurde 2006 Ehrendoktor der Universität Karlstad. Bylocks bisher zuletzt erschienenes Buch Dimmornas ö ist der dritte Band über die Kelten im heutigen Frankreich und zeigt die Vermischung von der Geschichte der Kelten und ihrer Mythologie.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

27 mars 2013

Johan Murberg und der Erfolg der schwedischen Sprache

Johan Murberg wurde am 4. Dezember 1734 als Sohn des Seefahrers Jöns Murberg und dessen Frau Magdalena Larsdotter in Gävle geboren und starb am 27. März 1805 im Alter von 70 Jahren in Stockholm. Murberg war ab 1775 mit Lovisa Catharina Menlös verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Johan Murberg ist nichts bekannt, außer dass er ab 1747 die Trivialskola (höhere Grundschule) und ab 1750 das Gymnasium in Gävle besuchte um anschließend Theologie an der Universität in Uppsala zu studieren, ein Studium, das der Pädagoge, Wissenschaftler und Schriftsteller 1761 mit einem Magisterexamen beendete. Ab 1763 arbeitete Murberg dann an der Universität Uppsala als Dozent, erst für die hebräische Sprache und später auch für Altgriechisch.


Foto: SPA (Gemälde eines unbekannten Malers)

Bald verließ jedoch Johan Murberg die universitäre Laufbahn und übernahm erst ein Lektorat an seiner früheren Schule in Gävle um später Rektor der einzigen höheren Schule Stockholms zu werden, eine Aufgabe von der er jedoch, nach zehnjähriger aktiver Tätigkeit, ab 1788 permanent freigestellt war, da er sich anderen pädagogischen und wissenschaftlichen Aufgaben zuwenden sollte.

Bereits in Gävle hatte Johan Murberg klare Ideen einer Schulreform, die er versuchte in Stockholm durchzusetzen. Einer der wichtigsten Punkte für Murberg war die schwedische Sprache der lateinischen gleichzustellen und den Unterricht überwiegend in Schwedisch abzuhalten. Hinzu kam eine Einteilung in mehrere gymnasiale Linien und die Einführung eines Pädagogen für Anfänger. Auch wenn diese Pläne nur in sehr wenigen Punkten zu seiner Lebenszeit akzeptiert wurden, so legte Murberg damit die Basis für einen modernen Schulunterricht, den seine Nachfolger dann in die Praxis umsetzen konnten und die Grundlage für die späteren Reformen bildeten.

Als Literat begann Johan Murberg im Jahre 1776, als er von König Gustaf III. damit beauftragt wurde Jean Racines Athalie zu übersetzen, nachdem er am Hof bereits vorher mit einigen seiner Gedichte und öffentlichen Reden aufgefallen war. Es war daher nahezu logisch, dass der König Murberg 1787, als er die Svenska Akademien gründete, dem Skalden und Pädagogen auch dort einen festen Platz gab. Diese Entscheidung des Königs beruhte natürlich nicht nur auf der Dichtkunst Murbergs, sondern auch auf seinem Einsatz für die schwedische Sprache, da die Akademie den Auftrag hatte ein neues schwedisches Wörterbuch zu verfassen, eine Arbeit in die Murberg weitaus mehr Energie setzte als die anderen Mitglieder der Akademie.

Mit dem Eintritt in die Svenska Akademien war Johan Murberg auch dazu verpflichtet eine wissenschaftliche Arbeit zu leisten und diese zu veröffentlichen. Auch in diesem Punkt zeigte sich Murberg extrem aktiv, wobei er sich dabei insbesondere als kulturhistorischer Forscher bewährte, der geradezu regelmäßig seine Arbeiten vorlegte. Seine Arbeiten waren wissenschaftlich sehr ausführlich und präzise, aber leider konnte Murberg keine logischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ziehen und legte daher nur aufgearbeitetes Archivmaterial vor, das später von anderen Historikern benutzt wurde um damit ein kulturgeschichtliches Bild zu schaffen.

Auch wenn die Leistung von Johan Murbergs für die schwedische Sprache und damit die zukünftige Literatur sehr bedeutend war, so ist seine Leistung innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte sehr eingeschränkt. Werke wie Anmärkningar om kläder och ylletyg, som mest nyttjades i Sverige i konung Gustaf I:s tid (1793), Historiska anmärkningar om brännvinets ålder och bruk i allmänhet och i synnerhet i Sverige (1795) oder Historiska anmärkningar om svenska mynten och myntningen under Gustaf I:s regering (1796) zeichnen sich weniger durch eine literarische Stärke aus als vielmehr durch eine gute Forschungsarbeit. Hervorzuheben ist bei den Werken Murbergs, dass er sie in schwedischer Sprache veröffentlichte und damit mit einer Tradition brach. Dieser revolutionäre Gedanke führte dazu, dass Wissenschaft und Literatur ab dieser Epiche, zumindest teilweise, auch einem Kreis zugänglich gemacht wurde, der bis dahin allein mangels Lateinkenntnissen in die ungebildete Schicht Schwedens abgeschoben wurde.

Johan Murberg wurde nicht nur im Jahre 1787 auf den Stuhl Nummer 17 der Svenska Akademien gewählt, sondern war zusätzlich Mitglied der Vitterhetsakademien und schrieb in diesem Rahmen zahlreiche Artikel zur Geschichte Schwedens, die jedoch nicht alle in Buchform erschienen und ebenfalls von einer sehr kritischen Archivarbeit zeugten. Erstaunlicherweise konnte der Autor auch hier keine Konsequenzen ziehen, sondern beschränkte sich auf nüchterne Ausführungen.

Copyright: Herbert Kårlin

21 mars 2013

Anders Fryxell und der erste Geschichtsroman Schwedens

Anders Fryxell wurde am 7. Februar 1795 als Sohn des Propstes Mathias Fryxell und dessen Frau Eva Lovisa Ekman in Edelskog im Dalsland geboren und starb am 21. März 1881 in Stockholm. Fryxell war mit seiner Cousine Juliana Lagergren verheiratet.

Da Anders Fryxell aus einem lange zurückzuverfolgenden Priestergeschlecht stammte, war es im Grunde logisch, dass auch er die Priesterlaufbahn, die um diese Zeit in der Regel mit der Tätigkeit als Lehrer verbunden war, wählte und sich nach der Hochschulreife in Karlstad im Jahre 1813 an der Universität Uppsala in der philosophischen Fakultät einschrieb. Da 1817 Fryxells Vater starb und daher das Geld ausblieb, musste er vorübergehend als Lehrer in Stockholm arbeiten, was ihn jedoch nicht davon abhielt sein Studium dennoch zu beenden und 1820 zum Priester geweiht zu werden.


Über seine Kindheit und seine Jugend wollte Anders Fryxell nie viel veröffentlichen, was man auch in seinem teilweise autobiographischen Werk Min historias historia sehr schnell feststellen kann. Mehr weiß man über den Schriftsteller erst ab seiner Studienzeit aus der zahlreiche Tagebücher und andere Aufzeichnungen erhalten sind. Bereits im Alter von etwa 20 Jahren war Fryxell ein sehr aktiver Schriftsteller, wobei er jedoch die ersten zehn Jahre vor allem romantische Gedichte und insbesondere das Singspiel Vermlands-Flickan veröffentlichte in dem man auch das bekannte Ack Värmeland du sköna findet.

Parallel zu diesem schöngeistigen Schaffen entwickelt sich Anders Fryxell in den 20er Jahren auch zu einem der wichtigsten Kritiker des Schulsystems jener Zeit, denn bereits 1823 veröffentlicht er anonym das Pamphlet Förslag till enhet och medborgerlighet i de allmänna undervisningsverken, das nahezu als Aufstand gegen das Gesellschaftssystem betrachtet wurde, da Fryxell forderte die Bildung zu verallgemeinern und nicht nur vom klassischen Unterricht abzugehen, sondern auch allen Schweden den gleichen Unterricht zu bieten, also die Bildung nach Stand abzuschaffen und Adelige neben einfachen Menschen in der Schulbank sitzen zu lassen.

Ab den 30er Jahren verwandelte sich Anders Fryxell in einen Schriftsteller, der die gesamte Geschichte Schwedens beleuchten wollte und dabei im Laufe der Zeit zum wissenschaftlichen Forscher wurde. Ein bedeutender Unterschied zwischen Fryxell und den anderen Autoren von Geschichtswerken jener Zeit war jedoch, dass der Autor bei den ersten Bände seiner schwedische Geschichte aus seiner persönlichen Warte schrieb und auf Quellmaterial vollkommen verzichtete. Die Bände waren spannend, aber kaum von den offiziellen Geschichtsschreibern anerkannt.

Nach einigen Reisen nach Deutschland und der steigenden Kritik gegen seine „unsachliche“ Schreibweise begann Anders Fryxell seine Aussagen wissenschaftlich zu untermauern, jedoch erneut nicht im Sinne der damaligen schwedischen Geschichtswissenschaft, sondern er griff zu ausländischen Quellen und diplomatischen Aufzeichnungen, da er der Meinung war, dass sich die schwedische Geschichtsschreibung zu sehr an herkömmlichen nationalen Werten ausrichtete und dadurch keine objektive Betrachtungsweise zulässt.

Natürlich bot auch Anders Fryxell keine neutrale Geschichtsschreibung, da er persönliche moralische Werte in seinen Büchern einfließen lies, die in vielen Punkten den Lehrer Fryxell zeigten, aber auch den starken religiösen Glauben des Autors ausdrückten, was Erik Gustaf Geijer extrem kritisierte, für den die Verbindung von Politik und Geschichte wichtig war.

Fryxell und Geijer gingen zwei völlig verschiedene Wege, hatten aber gemeinsam, dass sie beide davon überzeugt waren diejenigen zu sein, die die schwedische Geschichte verstanden haben und sie nun einer breiten Schicht vermitteln müssen. Während Geijer jedoch nach einer offiziellen wissenschaftlichen Anerkennung suchte, entwickelte sich Fryxell zum Schriftsteller des Volkes und kann als Vorläufer für den Geschichtsroman betrachtet werden.

Auf lange Sichte zeigte sich auch, dass Anders Fryxell mit seiner geschichtlichen Betrachtungsweise, trotz des Widerstands der damaligen Historiker, einen größeren Einfluss auf die geschichtliche Denkweise hatte als Geijer, denn August Strindberg, Viktor Rydberg und Verner von Heidenstam griffen beim Schreiben ihrer Geschichtsromane auf die Werke von Fryxell zurück und sorgte dadurch dafür, dass der Geschichtsroman eine eigene Gattung innerhalb der Literaturgeschichte wurde und den einfachen Leser anzog.

Anders Fryxell fühlte bei seinen Schriften immer einen pädagogischen Auftrag, was man sehr deutlich bei seinem Werk Berättelser ur svenska historien findet, denn er richtete sich mit seinem Stil nicht an Wissenschaftler, sondern wollte die Geschichte zu einer spannenden Materie machen, die der Leser verstehen kann. Für Fryxell sind daher die moralischen Werte und die Gefühle der handelnden Personen wichtiger als eine neutrale Darstellung der geschichtlichen Handlungen, was natürlich den Widerstand der dominanten Historiker herausforderte für die Geschichte kein Stoff für das Volk war, sondern für die höhere Schicht, die Geschichte als Handwerkzeug für ihre Entscheidungen benutzen konnte.

Anders Fryxell wurde 1840 in die Svenska Akademien aufgenommen wo er, nach Johan Olof Wallin, auf dem Stuhl Nummer 1 Platz nahm.

Copyright: Herbert Kårlin

9 februari 2013

Helmer Linderholm und der historische Roman Schwedens

Helmer Linderholm wurde am 9. Februar 1916 als Sohn des Bäckers Justus Linderholm und dessen Frau Ebba in Onsala in Halland geboren und starb am 23. Juni 1982 in Bångbro im Västmanland gestorben, dem Ort, an dem er die längste Zeit seines Lebens verbracht hatte.

Auch wenn Helmer Linderholm in Onsala geboren war, so kam er bereits im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Bångbro in Bergslagen, wo der Vater eine Bäckerei öffnete. Da die Familie aus acht Personen bestand, wuchs Linderholm in relativ einfachen Verhältnissen auf ohne jedoch je Not leiden zu müssen.


Wie üblich in jener Zeit, so sollte Helmer Linderholm so schnell wie möglich ins Berufsleben einsteigen und besuchte daher nur die Volksschule in Bångbro, bevor er 1930 in Stockholm eine Ausbildung zum Bäcker machte, auch wenn seine Interessen in der Geschichte lagen und nicht beim Beruf des Bäckers. Später holte Linderholm über eine Fernschule die Hochschulreife in Schwedisch, Englisch, Deutsch und Geschichte nach, da ihm dies die geschichtliche Forschung vereinfachte.

Zu Beginn der 40er Jahre kehrte Helmer Linderholm zurück nach Bångbro um dort bis 1962 als Bäcker zu arbeiten, erst als Angestellter seines Vaters und ab 1947 als Bäckermeister und Eigentümer der Bäckerei. Noch bevor er Stockholm verließ, hatte Linderholm zwei Bücher geschrieben, die vor allem von seiner Militärzeit und dem Zweiten Weltkrieg handelte und literarisch von geringerer Bedeutung sind.

Auch als Bäcker gab Helmer Linderholm seinen Wunsch Schriftsteller zu werden nicht auf und begann an Jugenbüchern und Geschichtsromanen zu arbeiten, die bisweilen auch längere Forschungen und Reisen verlangten. Trotz seinem Eifer sollte es bis 1962 dauern bis sich der Autor auch tatsächlich ganz dem Schreiben widmen konnte und das Brot backen aufgab. In diesen 20 Jahren waren bereits elf Bücher von ihm erschienen.

Obwohl Helmer Linderholm insbesondere an der Geschichte Bergslagens interessiert war, so umfassen seine rund 30 historischen Romane, seine Novellensammlungen, seine zehn Kinderbücher und die vier rein historischen Werke die unterschiedlichsten Aspekte, unter anderem auch die schwedischen Kolonien (Nya Sveriges historia: vårt stora indianäventyr, 1976), die Geschichte Gotlands (Kalkugnen flammar, 1971) und die Zeit der Wikinger (Sankte Olufs yxa, 1968). Linderholm wurde in den 60er und 70er Jahren zum bedeutendsten  populärwissenschaftlichen Verfasser von Geschichtsromanen in Schweden.

In seinen Geschichtsromanen legt Helmer Linderholm weniger Wert auf den rein geschichtlichen Ablauf, der selbstverständlich gestreift wird, sondern der Autor versucht die Änderungen einer Epoche zu erklären, die eine geschichtlichen Handlung begleiten, wie der Lauf der Geschichte die menschliche Bedingung verändert. Gerade diese Denkweise, die nicht die immer die dominante Geschichtswissenschaft spiegelt, macht die Werke des Schriftstellers so einmalig.

Ein typisches Zeichen der historischen Romane von Helmer Linderholm ist die Auseinandersetzung zwischen einer herrschenden Schicht und der Bewegung des Volkes, auch wenn der Schriftsteller hier nicht in die Psychologie der menschlichen Gruppen einsteigt, sondern sich auf tatsächliche Handlungen und Entwicklungen beschränkt, so lässt er den Leser den Lauf der Geschichte erleben.

Ein Thema, das Helmer Linderholm am Ende seines Lebens sehr wichtig war, war die Geschichte von sechs historischen Frauen, die zu unterschiedlicher Zeit und unter unterschiedlichen Verhältnissen gelebt haben, eine Idee, die auch Henning Mankell vor kurzem aufnahm. Da Linderholm frühzeitig an einem Herzinfarkt starb, blieb dieses Projekt leider teilweise auf der Strecke. Beeindruckend ist allerdings die Wahl der Frauen, denn er nahm nicht jene Personen mit denen sich die meisten Autoren von Monographien beschäftigen, sondern er schrieb Bücher wie Kata Dalström: hennes tid och bygd, das 1982 erschien und eine Frau schildert, die zu den wichtigsten Agitatorinnen der schwedischen Arbeiterbewegung gehörte.

Aber gerade weil Helmer Linderholm die schwedische Geschichtsschreibung nicht einfach blind übernahm und sich Gedanken darüber machte welchen Einfluss die verschiedenen Ereignisse auf die Bevölkerung haben, wurde ihm von offizieller Seite die Anerkennung verweigert und er wurde in eine kleine Nische der Literaturgeschichte Schwedens abgedrängt. Auch seine Leser fand er mehr in der Schicht des Volkes, die von seiner relativ einfachen, wenn auch etwas veraltete Sprache, die mit dialektalen Ausdrücken angereichert war, mehr gefühlsmäßig berührt wurden als von trockenen offiziellen geschichtlichen Abhandlungen.

Obwohl man in Bergslagen noch heute viel über Helmer Linderholm spricht, so gerät der Autor mittlerweile in Schweden mehr und mehr ins Vergessen und seine Bücher werden zu antiquarischen Schätzen, die von den Heimatverbänden des Västmanlands und von Sammlern von geschichtlicher Literatur gesucht werden.


Copyright: Herbert Kårlin

17 januari 2013

Jan Guillou, vom Sozialismus zum historischen Roman

Jan Guillou wurde am 17. Januar 1944 als Sohn des französischen Hausmeisters Charles Guillou und dessen norwegischer Frau Marianne Botolfsen in Södertälje geboren. Auf Grund seiner Herkunft war Guillou bis 1975 französischer Mitbürger und erhielt erst in diesem Jahr die schwedische Staatsbürgerschaft. Der Schriftsteller wohnt mit seiner Frau Ann-Marie Skarp überwiegend auf Östermalm in Stockholm.

Die Kindheit verbrachte Jan Guillou, von zwei Jahren abgesehen, in Saltsjöbaden und in Näsby Park bei Stockholm. Nach vier Jahren Grundschule begann Guillou in der Vasa Real in Stockholm, wo er allerdings wegen Diebstahl, Gewalt und Erpressung nur kurze Zeit verbrachte. Den Realschulabschluss machte der Autor daher in einer Internatsschule in Solbacka im Södermanland. Anschließend besuchte er die Viggbyholmsskolan, wo er die Hochschulreife machte. Daraufhin folgten noch zwei Jahre Jurastudium, das Guillou allerdings nie mit einer Prüfung abschloss.


In den 60er Jahren entschloss sich Jan Guillou Journalist zu werden und begann seine Karriere als Reporter bei der Reportagezeitschrift FIB aktuellt, von wo aus er nach einigen Jahren zu linksgerichteten Zeitungen und Zeitschriften überging und sehr viel für Folket i Bil/Kulturfront schrieb. Bereits 1973 wurde der Journalist dann in ganz Schweden bekannt, da er, gemeinsam mit Peter Bratt, aufdeckte, dass es in Schweden einen Geheimdienst gibt von dem nicht einmal das Parlament etwas weiß. Dies wurde als Spionage betrachtet und Guillou wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

In den 60er und 70er Jahren war Jan Guillou eng verbunden mit der maoistischen Organisation Clarté, aus der er allerdings ausgeschlossen wurde, weil er die Mitgliedsgebühr nicht bezahlte, unter dem Vorwand, dass er nicht in Schweden wohne. In dieser Zeit hatte der Schriftsteller auch eine enge Verbindung zum KGB, die er, nach eigenen Aussagen, 1972 abbrach ohne je wirklich ein Geheimnis verraten zu haben, auch wenn er zweimal vom KGB bezahlt worden war.

Ab 1971 schrieb Jan Guillou, neben seiner Tätigkeit als Journalist, zahlreiche Bücher mit politischem Inhalt und Reportagebücher zu teilweise brisanten Themen. Als Schriftsteller der Fiktion wurde Guillou ab 1986 durch seine Romanserie mit der Hauptfigur Carl Hamilton bekannt. In einigen dieser Werke findet man sehr deutliche Zeichen von Schlüsselromanen, die einen gewissen Einblick in Guillous Vergangenheit und seine Denkweise bieten.

Weltbekannt wurde Jan Guillou dann jedoch mit seinen drei Bänden über den Tempelritter Arn, die nicht nur als Bücher in zahlreichen Ländern auf die Bestsellerlisten kamen, sondern auch verfilmt wurden und nach einem Kinoerfolg in einigen Ländern im Fernsehen übertragen wurden und zur Meinungsbildung zum schwedischen Mittelalter beitrug.

Ab den 90er Jahren begann Jan Guillou regelmäßig Kolumnen für das Aftonbladet zu schreiben, die von kontroversen Ansichten geprägt sind, da der Journalist und Schriftsteller während seiner bisherigen Schaffensperiode immer die Neigung hatte zu provozieren oder aber gegen den Strom zu schwimmen. So hält Guillou Homosexualität für eine Modeerscheinung, die in keiner Weise mit Genen verbunden werden kann, er bezeichnet die schwedischen Terroristengesetze als Rassismus, der sich gegen die arabische Welt richtet und kommt nach einer „Untersuchung“ zum Ergebnis, dass die Führer der Sverigedemokraterna keine Rassisten sind. Es gibt keine Grenze für Guillou und kein Thema an das er sich nicht wagt. Durch die Unterstützung der Media wird er dadurch zu einem der bedeutendsten Schriftsteller, die in Schweden Meinungen bilden.

Nach dem großen Erfolg der Bücher über den Tempelritter Arn machte sich Jan Guillou an ein neues großes geschichtliches Thema mit dem Überbegriff Det stora århundradet, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts umreißen soll und der Schriftsteller im Jahre 2011 mit dem Geschichtsroman Brobyggarna einleitete und 2012 mit Dandy fortsetzte.

Auch wenn man bisher nie die literarische Fähigkeit von Jan Guillou in Frage setzte, so gilt für seine Glaubwürdigkeit nicht das gleiche Maß, denn seine Erzählung über seinen sadistischen Stiefvater im Buch Ondskan kann nicht bestätigt werden, da seine Familie, seine früheren Freunde und alle seine Lehrer das Gegenteil behaupten. Das gleiche gilt für sein Werk Ordets makt och vanmakt in dem er Peter Bratt als einzig Schuldigen für seine Gefängnisstrafe sieht oder man nimmt den Tempelritter Arn, der nie existierte und eine schwedische Geschichte erlebt, die von Geschichtswissenschaftlern nicht auf die gleiche Weise gesehen wird.

Wenn man Jan Guillous Bücher liest, so ist es sehr schwierig seine Aussagen nicht für Wahrheit, sondern für Fiktion zu nehmen, denn seine Sätze und Erklärungen  scheinen immer glaubwürdig. Dies wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Schriftsteller ein häufiger Gast im schwedischen Fernsehen ist und hervorragend argumentieren kann.

Jan Guillou, der zwei Kinder mit seiner früheren Partnerin Marina Stagh hat, verließ Ende der 90er Jahre den Verlag Norstedts und gründete, gemeinsam mit seiner späteren Frau Ann-Marie Skarp, dem Journalisten Sigge Sigfridsson und der Schriftstellerin Liza Marklund den Piratförlaget, der seit dem Jahre 2000, unter anderem, auch die Bücher von Jan Guillou und Liza Marklund veröfffentlicht.

Copyright: Herbert Kårlin

12 januari 2013

Erik Gustaf Geijer, der nationalistische Dichter Schwedens

Erik Gustaf Geijer wurde am 12. Januar 1783 als Sohn des Industriellen Bengt Gustaf Geijer und dessen Frau Ulrika Magdalena Geisler im Geijersgården, dem Gut Ransäter, im Värmland geboren und starb am 23. April 1847 in Stockholm. Geijer war mit Anna Lisa Lilljebjörn, einer Kusine zweiten Grades, verheiratet, hatte aber zahlreiche Liebschaften mit einigen bedeutenden Frauen jener Zeit.

Wie üblich in der gehobenen Bürgerschicht, so hatte Erik Gustaf Geijer anfangs einen Privatlehrer um später das Gymnasium in Karlstad zu besuchen, wo er 1799 auch die Hochschulreife machte. Noch im gleichen Jahr begann er ein philosophisches Studium an der Universität Uppsala, was er jedoch ohne große Motivation anging. Im vierten Studienjahr verfasste Geijer jedoch sein erstes Werk mit dem Titel Äreminne öfver riksföreståndaren Sten Sture den äldre, wofür er mit dem großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1806 machte Geijer seine Kandidatenprüfung und legte seine Disputation vor. Seine Leistungen reichten zu dieser Zeit jedoch nicht für eine Laufbahn an der Universität aus.


Ab 1808 wurde Erik Gustaf Geijer daher Privatlehrer in Stockholm, im Jahr darauf heiratete er und ging mit seinem Schüler für ein Jahr nach London. Als er 1810 zurück nach Schweden kam, wurde er als Dozent an der Universität in Uppsala zugelassen und veröffentlichte sein romantisch-philosophisches Werk Hvilka fördelar kunna vid menniskors moraliska uppfostran, dragas af deras inbillnings-gåfva m.m.? für das er erneut von der Svenska Akademien einen Preis erhielt.

Noch im gleichen Jahr gründete Erik Gustaf Geijer den nationalistischen Verband Götiska förbundet und gründete die Zeitschrift Iduna in der er erstmals auch seine Gedichte veröffentlichte. Insbesondere zu erwähnen sind hier Werke wie Vikingen, Odalbonden und Den siste kämpen, die alle eine Verbindung zur Mythologie Schwedens haben und Geijer letztendlich zur bedeutendsten Person seiner Zeit machten, die die Größe und die Errungenschaften Schwedens in den Vordergrund stellte und dabei eine nationalistische Bewegung in Gang setzte. Geijer wollte hier an die Schriften von Olof Rudbeck dem Älteren anknüpfen, der die Wiege der Götter in Schweden sah.

Bereits im folgenden Jahr stellte Erik Gustaf Geijer fest, dass eine wissenschaftliche Karriere sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, jedoch wenig einbringt. Der Schriftsteller überlegte daher in den weitaus lukrativeren Kirchendienst zu wechseln und begann diesen Weg vorzubereiten indem er das Buch Försök till psalmer schrieb, ein Werk, das die Religion in eine gemeinsame Linie mit der schwedischen Geschichte, der Sagenwelt und der Mythologie setzte und dabei ein extrem konservatives Gesellschaftsbild zeichnet.

Aber Erik Gustaf Geijer entschied sich dann doch dafür eine wissenschaftliche Karriere fortsetzen, auch wenn er seinen Geldbedarf bis 1814 durch Privatunterricht klären musste. Ab 1814 änderte sich dann das Blatt für Geijer und er bekam ein Vikariat als Professor an der Universität Uppsala, das sich zwei Jahre später in eine ordentliche Professur verwandelte. Als Professor wurde der Schriftsteller auch als Politiker aktiver und war ein Hardliner der konservativen Politik, die Schweden zur wohlverdienten Größe zurückbringen sollte.

Wenig klar ist, warum sich Erik Gustaf Geijer ab Mitte der 30er Jahre plötzlich von seiner konservativen Linie abwandte und liberale Gedanken vertrat und sich, unter anderem, für die Freilassung der schwedischen Sklaven in der schwedischen Kolonie Saint-Barthélemy einsetzte. Durch diesen plötzlichen Geisteswandel verlor er alle seine bisherigen Freunde, insbesondere auch die Freundschaft mit Per Daniel Amadeus Atterbom, und Geijer verwandelte sich in einen Einzelgänger, der das gesellschaftliche Leben plötzlich zu meiden begann. Wissenschaftler, die sich bisher intensiv mit Geijer auseinandersetzten, sehen in seinem Wandel allerdings den Wunsch sich der neuen Strömung in der Regierung anzupassen und damit seine Karriere nicht in Gefahr zu bringen.

Die literarischen Arbeiten von Erik Gustaf Geijer teilen sich, wie seine politische Karriere, in zwei Epochen, denn die Gedichte, die Geijer bis Mitte der 30er Jahre veröffentlichte zeigen den fanatischen Geist des göttlichen Reiches Schweden. Heute werden diese Werke weniger als schöngeistig betrachtet und auch nicht als besondere Leistung. Torgny Segerstedt der Jüngere ging sogar so weit zu behaupten, dass Geijer mit seinen Gedichten lediglich politische und pädagogische Interessen hatte, die den Patriotismus in Schweden stärken sollten. Aus literaturhistorischen Gründen werden einige seiner Gedichte allerdings noch heute in verschiedenen Anthologien aufgenommen. Die Svenska Akademien hat kürzlich auch seine gesammelten lyrischen Werke aufgelegt.

Während der zweiten Epoche seines Schaffens verlässt Erik Gustaf Geijer die heidnische Zeit und die Mythologie und geht auf eine romantische Lyrik über, die oft auch zum Realismus wird. Geijer schreibt nun Gedichte, die auch zum großen Teil vertont werden und zeigen, dass der Schriftsteller auch in der Lage ist schöngeistig zu schreiben ohne erzieherisch sein zu wollen.

Als wissenschaftlicher Autor ist Erik Gustaf Geijers einer der ersten sogenannten Hävdatecknare des Landes, was bedeutet, dass er geschichtliches Material, vor allem für seine Vorlesungen, sammelte und dann den Inhalt in einem Buch logisch zusammenfasste. Da Geijer seine Themen, insbesondere Monographien historischer Herrscher Schwedens, so wählte, dass er der erste war, der darüber schrieb, wurden alle seine Aussagen als Wahrheit genommen und beeinflussten die Geschichtsschreibung bis ins 20. Jahrhundert. Sein bekanntestes Werk wurde dabei das dreibändige Werk Svenska folkets historia aus den Jahren 1832 bis 1836, das auch ins Deutsche übersetzt wurde und noch heute als Referenz gilt, obwohl die Abhandlung, von der aktuellen Warte aus, mehr als nur zweifelhaft ist.

Die konservative Denkweise von Erik Gustaf Geijer, gemeinsam mit jener von Esaias Tegner, führten im 20. Jahrhundert zur Verteidigung der Rassenbiologie und stützten die historischen Rechte Hitlers, auch wenn man bei Geijer nur die erste Phase seines Schaffens heranzog und die späteren liberalen Gedanken bewusst außer Acht ließ.

Erik Gustaf Geijer wurde 1825 in die Svenska Akademien gewählt, wo er Malte Ramels auf dem Stuhl Nummer 14 folgte. 1935 wurde Geijer in die Kungliga Vetenskapsakademien aufgenommen und zwischen 1825 und 1828 ging er in die Kommission ein, die über die damalige Schulreform entschied.

Copyright: Herbert Kårlin

25 november 2012

Anders Magnus Strinnholm und die schwedische Geschichte

Anders Magnus Strinnholm wurde am 25. November 1786 als Sohn des Landvermessers Anders Magnus und seiner Frau Beata Zimmerman in Umeå geboren und starb am 18. Januar 1862 in Stockholm. Der Nachname Strinnholm kommt von seinem Großvater und ist eine Abwandlung des Dorfes Strinne in Multrå.

Seine schulische Ausbildung machte Anders Magnus Strinnholm erst in Umeå, dann in Piteå. Das Gymnasium besuchte Strinnholm dann in Härnosand und am 11. März 1808 schrieb er sich an der Universität Uppsala ein, wobei er jedoch das Studium in Geschichte und klassischen Sprachen aus Geldmangel nicht abschließen konnte. 1813 gründete der Schriftsteller dann, gemeinsam mit seinem Jugendfreund Zacharias Hæggström eine Buchdruckerei in Stockholm, die er jedoch bereits 1815 verließ um sich ganz dem Schreiben widmen zu können.


Auch wenn Anders Magnus Strinnholm keinen akademischen Abschluss besaß, so gehörte er zu den bedeutendste schwedische Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts. Seine Karriere begann er mit drei Bänden über die Geschichte des Königsgeschlechts Vasa, das Teil eines Gesamtwerkes Svenska folkets historia werden sollte. Als er drei Bände über die Vasa-Geschichte geschrieben und vier der fünf Bände „Geschichte Schwedens“ von C. F. Rühs übersetzt hatte, ging ihm das Geld aus, so dass beide Werke nicht vollendet wurden und Strinnholm erst im Statistischen Archiv und dann bei der Reichsbank als Schreiber und Archivar arbeiten musste.

Als dann im Jahre 1828 der schwedische Reichstag und die Svenska Akademien Anders Magnus Strinnholm Gelder bewilligten, damit er sein wissenschaftliches Werk fortsetzen konnte, kehrte er zur Geschichtsschreibung zurück. Allerdings setzte Strinnholm dann nicht die Geschichte des Geschlechtes Vasa fort, sondern begann mit der heidnischen Geschichte des Landes bis zum Mittelalter, die zwischen 1834 und 1854 in fünf Bänden erschien und später auch in kompakterer Form veröffentlicht wurde. Strinnholm blieb nun chronologisch, wobei die Bedeutung seines Werkes auch darin zu sehen ist, dass allein die ersten beiden Bände über die heidnische Zeit bereits 1300 Seiten umfassten.

Die Geschichtsschreibung von Anders Magnus Strinnholm darf natürlich nicht von der heutigen Warte aus gesehen werden, denn die Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts suchte nicht die Wahrheit der Geschichte, sondern wollte mit Hilfe historischer Dokumente eine logische Geschichte schreiben und erklären was theoretisch möglich war. Ein echtes Quellstudium und wissenschaftliche Beweise waren zu dieser Zeit uninteressant.

In den ersten Bänden der Svenska folkets historia werden daher von Anders Magnus Strinnholm die Sagenwelt und die Legenden als Wirklichkeit betrachtet, was uns heute die Möglichkeit bietet die schwedische Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ihre Wissenschaft und ihre Denkweise besser zu verstehen, da es bereits ein bedeutender Unterschied ist, ob man einen Riesen für Wirklichkeit hält oder ihn als Märchengestalt betrachtet. Strinnholm war daher bemüht die isländische Sagenwelt innerhalb der Geschichte als Realität zu sehen.

Dass Anders Magnus Strinnholm trotz seiner enormen Leistung im Schatten von Erik Gustaf Geijer und Anders Fryxell, den beiden anderen Geschichtsschreibern der Epoche, blieb, liegt daran, dass er so in seine Arbeit vertieft war, dass er die Zeitströmung in der Geschichtsschreibung verpasste. Während Strinnholm alle Lücken, die seine Quelldokumente aufwarfen durch Spekulation ergänzte oder die Frage offen ließ, hatten die beiden anderen Autoren bereits einen kritischeren Blick auf Quelldokumente geworfen und suchten daher die Logik indem sie auch akzeptierten, dass ein altes Dokument fehlerhaft sein kann, was für Strinnholm undenkbar war. Aber gerade diese Einstellung zeigt heute die Entwicklung der Denkweise jener Epoche.

Anders Magnus Strinnholm, der mit Anna Sofia Zimmerman, einer Kusine, verheiratet war, wurde 1834 in die Vitterhetsakademien gewählt und am 18. September 1837 auf den Stuhl 17 der Svenska Akademien, wo er Gustaf af Wetterstedt folgte. Im Jahre 1842 wurde der Schriftsteller zum Ehrendoktor der Universität Uppsala ernannt und 1945 zusätzlich in die Vetenskapsakademien aufgenommen. Letztendlich erhielt Strinnholm vom schwedischen König und dem Reichstag auch eine jährliche Pension in Höhe von 2500 Reichstalern.

Trotz der intensiven Arbeit, die Anders Magnus Strinnholm während 20 Jahren leistete, endete sein Geschichtswerk, das bis zum Jahre 1809 führen sollte, mit dem Jahre 1319 und wurde daher nie beendet.

Copyright: Herbert Kårlin

5 november 2012

Eirik Hornborg, ein Verteidiger der altschwedischen Sprache

Eirik Mikael Hornborg wurde am 29. September 1879 in Helsingfors (Helsinki) als Sohn von Albrecht und Alma Hornborg geboren und starb am 29. Dezember 1965 ebenfalls in der finnischen Hauptstadt in der er der schwedischsprachigen Minorität angehörte. Seit 1918 war Hornborg mit Ingeborg Ilmoni verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Eirik Hornborg ist wenig bekannt. Seine Biographie beginnt daher mit dem Abschluss seines Studiums im Jahre 1901. Zwischen 1900 und 1944 unterrichtete Hornborg als Lehrer an mehreren schwedischen Privatschulen Finnlands Geschichte und die schwedische Sprache, wobei er jedoch jede Neuerung des Schwedischen ablehnte und seinen Unterricht vollständig auf das ältere Schwedisch aufbaute.


Obwohl Eirik Hornborg in erster Linie Lehrer war und ein Verfechter der guten schwedischen Sprache, war er während des Ersten Weltkriegs politisch gegen Russland aktiv, kam später in den finnischen Landtag, anschließend der Reichstag und stand 1945 dem Ausschuss vor, der die finnische Außenpolitik während des Zweiten Weltkriegs untersuchte. In diesem Rahmen vertrat Hornborg eine Politik der Mitte, denn er bekämpfte auf der einen Seite die kommunistische Idee Russlands, auf der anderen Seite aber auch das extrem rechte Lapporörelse, das vor allem Mussolini als Vorbild hatte.

Die literarische Karriere Eirik Hornborgs leitete der historische Roman Under segel till antipoderna. Anteckningar från en färd till Oceanien im Jahre 1915 ein. In den Folgejahren veröffentlichte der Schriftsteller regelmäßig weitere geschichtliche Werke, die überwiegend eine Mischung aus Geschichtswissenschaft und geschichtlichem Roman waren, von zwei Biographien ausgenommen.

Auch wenn Eirik Hornborg Geschichte studiert hatte, so sah er sich nicht als Geschichtswissenschaftler und stufte daher auch keines der Werke als Fachliteratur ein, sondern teilweise als Geschichtsroman und teilweise als Sachbuch für alle, die sich für Geschichte interessieren.

Die meisten Werke Eirik Hornborgs behandeln die schwedische und die finnische Geschichte, aber unter den zahlreichen Buchveröffentlichungen findet man auch Themen zur französischen, amerikanischen und der römischen Geschichte, die zum Teil noch heute regelmäßig aufgelegt werden.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Autor von geschichtlichen Werken verfasste Eirik Hornborg auch unzählige Artikel in Zeitschriften, politische Abhandlungen und andere Werke, die nicht zur Literatur gerechnet werden. Gesamt betrachtet war Hornborg vermutlich der aktivste finnisch-schwedische Schreiber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Gesamtbibliographie umfasst insgesamt 178 Seiten.

Eirik Hornborg, der von 1934 bis 1947 der Vorsitzende der Svenska litteratursällskapet i Finland war, widersetzte sich auch in der Literatur jeder modernen Strömung und der Modernisierung der Sprache. Die Werke des finnisch-schedischen Autors Gunnar Björling (1887 - 1960), der als Modernisierer der schwedischen Literatur Finnlands gilt, kritisiert Hornborg auf eine Weise, dass der Autor weder die schwedischen Worte verstehe noch aber schwedisch schreiben könne.

Copyright: Herbert Kårlin