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27 maj 2013

Walter Hülphers, vom sozialkritischen Autor des Nordens zur Mystik

Walter Hülphers wurde am 29. Juli 1871 als Sohn des Buchhalters Walter Sebastian Hülphers und dessen Frau Charlotta Bergöö in Styrnäs in Västernorrland geboren und starb am 7. Mai 1957 in Hagfors im Värmland. Hülphers war ab 1907 mit Oktavia Flora Grey verheiratet.

Die Kindheit und Jugend verbrachte Walter Hülphers in einem extrem konservativen religiösen Milieu aus dem er sich erst nach seiner Hochschulreife im Jahre 1890 in Hörnösand befreite, als er erst an der Universität in Uppsala und anschließend jener in Stockholm Naturwissenschaften studierte und die er 1895 beendete, ohne sich jedoch in irgendeiner Weise auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet zu haben.

Walter Hülphers, Ockulta noveller, Svenska teosofiska Bokförlaget, Stockholm, 1921

Während Walter Hülphers nach Abschluss seiner Studien erst bei der Västernorrlands Allehanda (1896 - 1898) und anschließend beim Nyaste Kristianstadsbladet (1889 - 1899) als Journalist arbeitete, begann seine literarische Karriere im Jahre 1899 mit der Novellensammlung Linier och dagar, die sehr stark von den romantischen Wildmarkserzählungen von Pelle Molin beeinflusst waren.

Bei seinen folgenden Werken blieb Walter Hülphers zwar bei Wildmarkserzählungen, die in gewisser Weise die industrielle Entwicklung des Ångermanälven als Ausgangspunkt hat, aber Hülphers entfernt sich vom Einfluss Molins und seine Bücher nehmen einen sozialen Einschlag an, was ihn zwar nicht zu einem Arbeiterschriftsteller macht, ihn aber auf die Seite der Arbeiterbewegung stellt, der in seinen Werken sehr früh die Entwicklung der Forstwirtschaft kritisiert. Am deutlichsten tritt dies bei seinem Roman Timmer aus dem Jahre 1906 hervor, der von manchem Literaturwissenschaftler auch als sein Hauptwerk bezeichnet wird.

Bei den lyrischen Werke von Walter Hülphers ab 1910 spürt man, dass diese Gedichte mit autobiographischen Zügen nicht nur von der Philosophie Friedrich Nietzsches beeinflusst wurden, sondern auch seinen ständigen Kampf mit der religiösen Erziehung, die er erhielt, und seinen Bestrebungen sich vollkommen von Religion zu lösen, ohne dass ihm dies in letzter Konsequenz gelingt. Die Werke, die Hülphers in diesen Jahren veröffentlicht, zeigen eine enorme Breite, die von der selbstgewählten Isolation bis zum revolutionären Kampf der Arbeiter reichen. Neben der Lyrik beginnt der Schriftsteller nun allerdings auch Dramen zu schreiben, die alle einen politischen Einschlag unter geschichtlichen Aspekten haben.

Während des Ersten Weltkriegs und vor allem während des Finnischen Bürgerkriegs im Jahre 1918, an dem Walter Hülphers auch als Freiwilliger teilnimmt, entwickelt sich der Schriftsteller immer mehr zu einem nationalen Fanatiker, der in seinem Roman Med svenska brigaden beschreibt, dass er ein Gewehr ebenso zärtlich behandelt wie eine geliebte Frau. Diese nationalistische Einstellung wird von seinen Freunden aus den literarischen Kreisen Schwedens allerdings kaum geschätzt und einer nach dem anderen wendet sich von Hülphers ab.

Die Isolation in der sich Walter Hülphers anschließend befand, führte ihn erst zu Gott zurück und anschließend in die Mystik und den Okkultismus. Auch hier wählt der Schriftsteller wieder die extremste Seite und in einem Brief an Carl Lindhagen bezeichnet er sich als der Führer des Geheimbundes der Rosenkreuzer im nordischen Raum. Unter diesem Einfluss entstehen dann auch die letzten Bücher Hülphers, die von der Überzeugung des Autors sprechen, dass das Leben der Menschen von unerklärlichen Kräften beeinflusst und gesteuert wird.

So unterschiedlich seine Werke mit ihren Aussagen sind, so unterschiedlich waren auch die politischen und religiösen Meinungen von Walter Hülphers im Laufe seines Lebens, denn der Schriftsteller konnte sich mit keiner der Denkweisen oder Philosophien seiner Zeit vollkommen anfreunden. Während der Hülpher innerlich ständig mit dem Zweifel kämpft, sind seine Werke eine Art Chronologie seiner Entwicklung.

Mit dem Mystizismus verlor Walter Hülphers allerdings auch einen Großteil seiner Leser, da diese der Denkweise des Autors nicht mehr folgen konnten und der Zweite Weltkrieg sie auch weit von der Mystik und dem Okkultismus entfernt hatten. Um weiterhin vom Schreiben leben zu können, war Hülphers daher nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen als Kritiker für Film und Literatur für verschiedene schwedische Zeitschriften und Zeitungen zu arbeiten, sowie für die Västmanland Läns Tidning tägliche Verse zu schreiben.

Auch wenn nahezu jeder Literaturwissenschaftler die literarischen Leistungen von Walter Hülphers beachtlich findet, wird der Autor nur in wenigen Abhandlungen zur schwedischen Literaturgeschichte behandelt, denn er kann in keiner Gruppe an Autoren untergebracht werden und er folgte keiner der offiziellen literarischen Linien. Erst in den letzten Jahren gewinnt der Autor in Nordschweden wieder einen gewissen Ruhm, da man versucht die Leistungen der Dichter und Schriftsteller des nördlichen Schwedens innerhalb der schwedischen Literatur erneut hervorzuheben.

Copyright: Herbert Kårlin

23 maj 2013

Pär Lagerkvist und ein Leben ohne Gott

Pär Lagerkvist wurde am 23. Mai 1891 als Sohn des Eisenbahnvorarbeiters Anders Johan Lagerquist und dessen Frau Johanna Blad in Växjö geboren und starb am 11. Juli 1974 in Danderyd. Lagerkvist war in erster Ehe mit der Dänin Karen Dagmar Johanne Sørensen verheiratet und in zweiter Ehe mit der Lehrerin Elin (Elaine) Luella Hallberg.

Die Kindheit von Pär Lagerkvist war von einem konservativ religiösen Elternhaus geprägt in dem es außer der Bibel und den Psalmbüchern keine Literatur gab, da diese Bücher alle Weisheiten bereits enthielten. Da der spätere Schriftsteller der Jüngste unter den sieben Geschwistern waren, war er der einzige unter ihnen denen die Eltern eine Ausbildung finanzieren konnten. Lagerkvist machte daher 1910 in Växjö die Hochschulreife und schrieb sich ein Jahr später an der Universität in Uppsala für Kunstgeschichte ein, ohne jedoch das Studium je zu Ende zu machen. Seine Jugend beschreibt der Schriftsteller später in seinem autobiographischen Werk Gäst hos verkligheten.

Pär Lagerkvist, Gäst hos verkligheten, Albert Bonnier Förlag (Serie Delfin), Stockholm, Originalausgabe 1925

Bereits am Gymnasium in Växjö machte Pär Lagerkvist die Bekanntschaft des Sozialismus und des Darwinismus, was sehr schnell dazu führte, dass er die religiöse  Lehre seiner Eltern ablehnte und Religion als Unterdrückung empfand, die die Angst vor dem freien Leben schürt. In diesen Jahren entwickelte sich Lagerkvist auch zu einem Revolutionär, der nicht mehr ohne rotes Tuch um den Hals zu sehen war und ab 1912 revolutionäre Gedichte zu veröffentlichen begann.

Schon als Jugendlicher hatte sich Pär Lagerkvist dafür entschieden Schriftsteller zu werden, was jedoch ein langer Weg werden sollte, da ihn seine Eltern nicht unterstützen konnten. Nach der Hochschulreife lebte Lagerkvist vor allem von seinem Bruder, der als Lehrer ein regelmäßiges Einkommen hatte und an die Zukunft seines Bruders als Schriftsteller glaubte. Über eine längere Epoche hinweg wohnte der Autor nahezu ausschließlich bei seinem Bruder in Vittinge.

Außer einer kurzen Anstellung als Theaterkritiker beim Svenska Dagbladet hatte Pär Lagerkvist nie ein regelmäßiges Einkommen oder eine Anstellung und nahezu zwanzig Jahre lang war es ihm nahezu unmöglich vom Schreiben zu leben, denn seine ersten Bücher waren keinerlei Verkaufserfolg. Erst während der 30er Jahre, als Lagerkvist seine zweite Ehe eingegangen war, begann sich das Blatt für den Schriftsteller zu wenden und insbesondere sein Roman Bödeln kam in mehreren kurz aufeinander folgenden Auflagen heraus. Auch wenn Lagerkvist nun halbwegs vom Schreiben leben konnte, so erschien selbst sein Roman Dvärgen in erster Auflage gerade einmal mit 7000 Exemplaren, was kaum mit dem Erfolg eines Vilhelm Moberg zu vergleichen war, der um diese Zeit sein Hauptwerk über die schwedischen Auswanderer ebenfalls noch nicht geschrieben hatte.

Auch wenn Pär Lagerkvist die Religion hinter sich gelassen hatte, so zeigte er sein Leben lang ein großes Interesse an biblischen und mythologischen Erzählungen, was sich auf seine gesamte Produktion auswirkte. Im Gegensatz zu religiösen Autoren setzt der Schriftsteller jedoch den Menschen in Situationen, die kein Gott mehr steuert und die Existenz des Menschen unter der Philosophie von C. G. Jung betrachtet wird und sozialistische Theorien die Umstände regeln.

Der literarische Aufstieg von Pär Lagerkvist nahm mit der Machtübernahme Hitlers, dem Jahr als Lagerkvist seinen Roman Bödeln veröffentlichte, einen starken Rückschlag, denn das nationalistische Schweden der Zeit steht mehrheitlich auf Hitlers Seiten und Lagerkvists antifaschistischer Kampf lässt den Autor nahezu als Feind des Landes erscheinen, was auch dazu führt, dass die Studenten des Landes verhindern, dass der Schriftsteller den Fröding-Preis erhält.

Auch wenn Pär Lagerkvist bereits 1940 in die Svenska Akademien gewählt worden war, wo er nach Verner von Heidenstam auf dem Stuhl Nummer 8 Platz nahm, kam seine Anerkennung als Schriftsteller erst mit Barabbas im Jahr 1950, als Lagerkvist nahezu 60 Jahre alt war. In Barabbas zeigt Lagerkvist das Leben ohne Gott in seiner letzten Konsequenz. Das Werk hinterlässt in Schweden einen so starken Eindruck, dass es innerhalb von zwölf Jahren zweimal verfilmt wird.

Seinem Meisterwerk Barabbas verdankte Pär Lagerkvist letztendlich auch den Nobelpreis in Literatur, was dem Autor endgültig eine internationale Anerkennung bringt. Auch in Schweden hat man mittlerweile die Tiefe seiner Werke verstanden und der Nationalismus Schwedens der 30er Jahre war mittlerweile auf dem Weg in das Sozialstaatdenken.

Die Werke von Pär Lagerkvist können als zeitlos betrachtet werden, da er die Themen, die er aus dem Zeitgeschehen nimmt so verarbeitet, dass sie allgemeingültig werden, denn die Gruben in Barabbas erinnern an die Konzentrationslager oder Guantanamo, das Dilemma der Kernphysiker in De vises sten bleibt bis heute unbeantwortet und das Böse, das der Schriftsteller in seinen Werken behandelt ist ohnehin zeitlos.

Copyright: Herbert Kårlin

6 maj 2013

Bertel Gripenberg und die finnlandschwedische politische Dichtkunst

Bertel Gripenberg wurde am 19. September 1878 als Sohn des Freiherren und Senators Johan Gripenberg und dessen Frau Sigrid Maria Aminoff in Sankt Petersburg geboren und starb am 6. Mai 1947 im Sävsjö Sanatorium im Småland. Gripenberg war ab 1915 mit Hanna Mathilda Brummer verheiratet.

Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Bertel Gripenberg im aristokratischen Milieu in Sankt Petersburg, das stark schwedisch geprägt war. Als der Vater jedoch 1889 nach S:t Michels län (Mikkelin lääni) versetzt wurde, wurde Gripenberg von seinem Vater dort in das finnischsprachige Gymnasium gesteckt und zwei Jahre später, als die Familie nach Helsingfors (Helsinki) zog, in das dortige finnische Gymnasium. Der Jugendliche empfand dies geradezu als Verrat, was sich dadurch ausdrückte, dass er ab diesem Zeitpunkt geradezu fanatisch für die schwedische Sprache und die schwedische Kultur eintrat.

Bertel Gripenberg, På Dianas vägar, Björck & Börjesson Förlag, Stockholm, 1925

Als Bertel Gripenberg 14 Jahre alt war, starb sein Vater und der Jugendliche begann eine militärische Laufbahn, die jedoch nur von relativ kurzer Dauer war, da der verweichlichte Gripenberg den Strapazen des Militärs nicht gewachsen war. Von sich selbst schwer enttäuscht und in der Meinung die Tradition der Familie geschändet zu haben, floh er 1895 von der Ausbildung zu seiner Mutter nach Helsingfors, wo er sich an einer schwedischen Privatschule auf die Hochschulreife vorbereitete, die er im Herbst 1898 ablegte. Im folgenden Jahr begann er an der Universität in Helsingfors ein Jurastudium, das er jedoch nie zu Ende führte.

Im Jahre 1903 erschien der erste Gedichtband, Dikter, von Bertel Gripenberg, der der Beginn der ersten literarischen Phase des Autors war, die Literaturwissenschaftler als die Jugendlyrik Gripenbergs bezeichnen. Die Bedeutung des Schriftstellers war jedoch gerade in dieser Phase außerordentlich hoch, da er einer der Vorreiter der modernen Zeit war und sowohl privat als auch lyrisch gegen Traditionen und jede moralische Begrenzung aufstand. Er lebte in dieser Zeit einige Jahre mit der Schauspielerin Elli Tompuri zusammen, sprach sich für freie Liebe aus und bezeichnete das Christentum als Unterdrücker des Menschen. Mit diesem Gedankengut beeinflusste Gripenberg eine bedeutende Anzahl an modernen Autoren.

Gegen 1910 begann die zweite literarische Phase von Bertel Gripenberg mit der romantischen Verherrlichung des Tavastlandes (Häma), zu dem der Dichter immer eine besondere Beziehung hatte, einer Landschaft des zentralen Finnland. Allerdings veröffentlichte Gripenberg in dieser Phase nur einige wenige Werke, da er sich auf Grund der politischen Situation des Landes immer mehr politisch engagierte und einen immer größeren Hass gegen jede linke Bewegung spürte, was sich auch dadurch ausdrückte, dass er während des ersten Weltkriegs deutlich die Position Deutschlands einnahm und verteidigte.

Als dann der finnische Bürgerkrieg ausbrach, entwickelte sich Bertel Gripenberg nicht nur zu einem Kriegsdichter mit einer Verherrlichung des Vaterlandes, sondern er nahm im Nylands Dragonregiment auch aktiv auf der weißen Seite der Auseinandersetzungen teil und führte noch 1930 die Schutzorganisation im Tavastland. Sehr deutlich wird der Dichter Gripenberg dabei in seinen Prosawerk En dröm omfolkviljan aus dem Jahre 1918, dem Gedichtband Kanonernas röst, der vier Jahre später erschien oder auch Efter striden aus dem Jahre 1923.

Der nationalistische Fanatismus, den der finnlandschwedische Autor Bertel Gripenberg ab 1914 in seinen Werken ausdrückte, führte allerdings auch dazu, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu vergessen wurde, da man seinen Einfluss und seine literarische Fähigkeit nicht separat betrachtete. Sein literarischer Untergang, trotz seiner rund 50 Bücher und dem Einfluss, den er die ersten 40 Jahre des 20. Jahrhunderts auf die kulturelle Welt Schwedens und Finnlands ausübte, begann in den 30er Jahren, als sich Bertel Gripenberg der finnischen antikommunistischen Bewegung Lapporörelse anschloss und für die rechtsradikale Wochenzeitung Svensk Botten zu schreiben begann. Während Gripenberg noch 1940 den ersten Preis der literarischen Gruppe De Nios erhielt, wurde er ab 1943, als der Schriftsteller noch ein Manifest unterzeichnete, das forderte, dass Finnland so lange auf deutscher Seite weiterkämpfen solle bis Hitlers Endsieg erreicht sei, wurde es um Gripenberg ruhig, denn sowohl Finnland als auch Schweden hatten sich in dieser Zeit vom nationalistischen Gedanken Hitlers getrennt und Gripenberg war daher mit seiner politischen Dichtung unbeliebt geworden.

Bertel Gripenberg erhielt mehrere Preise, da er ein Meister der schwedischen Sprache war und in seinen Gedichten immer die richtigen Worte an der richtigen Stelle benutzte. Der Dichter benutzte bei mehreren seiner Veröffentlichungen auch Pseudonyme, die in der Regel erst Jahre später aufgedeckt wurden.

Neben seinen eigenen Gedichten, seiner Prosa und einigen dramatischen Werken für das Theater, zeichnete sich Bertel Gripenberg auch als Übersetzer aus, wobei er insbesondere Eino Leino und Olavi Paavolainen dadurch einem schwedischen Leserkreis näher brachte. Aus dem angelsächsischen Raum übersetzte Gripenberg insbesondere Werke von Oscar Wilde und Edgar Lee Masters.

Copyright: Herbert Kårlin

16 mars 2013

Karl Gustav Ossiannilsson, nationalistisches Denken als Arbeiterliterat

Karl Gustav Ossiannilsson wurde am 30. Juli 1875 als Sohn des Orgelbauers Rasmus Nilsson und dessen Frau Elise Christina Timelin in Lund geboren und starb am 14. März 1970 im Alter von 94 Jahren in Rystad bei Linköping. Ossiannilsson war in erster Ehe mit Naëmi Sofia Mariana Amman verheiratet und in zweiter Ehe, nach dem Tod seiner ersten Frau, mit seiner Haushälterin Marta Vivi Maria Eklund.

Über die Kindheit und die Jugend von Karl Gustav Nilsson, wie er damals noch hieß, ist nichts überliefert. Seine Biografie geht daher nur bis zu seiner Zeit im Gymnasium in Malmö zurück wo er die Reifeprüfung ablegte um sich im September 1894 an der Universität Lund einzuschreiben um ein Lehrerstudium zu beginnen. Bereits im ersten Jahr in Lund erregte Ossiannilsson mit seinem Buch Förteckning på i svenska språket förekommande umbärliga främmande ord och uttryck Aufsehen, denn er forderte mit der Herausgabe dieses Buches eine Rückkehr zur reinen schwedischen Sprache ohne jedes Fremdwort.


Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1897 arbeitete Karl Gustav Ossiannilsson einige Jahre lang als Lehrer und Erzieher, begann aber nebenbei bereits kleinere Beiträge in den verschiedenen Zeitungen in Skåne zu veröffentlichen. 1901 entschied sich der Schriftsteller nicht nur dazu seinen Beruf aufzugeben um Schriftsteller zu werden, sondern verwandelte seinen Familiennamen auch in Ossian-Nilsson um einige Jahre später auch den Bindestrich wegzulassen.

Diese Entscheidung zum Schriststeller kam jedoch nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis davon, dass Karl Gustav Ossiannilsson  im Jahre 1900 einen bedeutenden Erfolg mit seiner ersten Gedichtsammlung Fem Dikter hatte und 1901 mit den beiden Lyrikwerken Masker und Hedningar, Werken, denen noch weit über 100 weitere Bücher folgen sollten, auch soviel verdiente, dass er davon leben konnte.

Sehr schnell spürte man bei den Schriften von Karl Gustav Ossiannilsson die Zeichen der sozialistischen Bewegung, auch wenn der Schriftsteller nicht bei den Ideen der Partei stehen blieb, sondern sich zum Anarchismus bekannte. Seine Gedichte zeigen dabei die Einflüsse der englischen Balladen, die in England Ende des 19. Jahrhunderts die Literatur veränderten, wobei er dabei auch dem allgemeinen Trend der Romantik folgt, die in Deutschland und Frankreich eine breite Leserschicht ansprachen.

Allerdings zeigen sich in der Persönlichkeit von Karl Gustav Ossiannilsson bereits um diese Widersprüche, denn er bewundert einige bedeutende Persönlichkeiten und zeigt sich extrem nationalistisch und nennt die Auswanderer jener Epoche Verräter, die dem Land schaden. Dies verhindert jedoch nicht, dass seine Werke vor allem von der Arbeiterschicht und den Auswanderern gelesen werden und Ossiannilsson ein Vorbild für Arbeiterdichter wie Erik Lindorm, Arnold Ljungdal oder auch Ture Nerman wird.

Unter dem Einfluss von August Strindbergs Svarta fanor schrieb Karl Gustav Ossiannilsson die bedeutendsten proletarischen Bücher, denn in seinen Romane spiegelt sich um diese Zeit deutlich der Klassenkampf, auch wenn der Schriftsteller immer wieder die Kritiker, insbesondere Bengt Lidforss, gegen sich einnimmt, da Ossiannilsson  nicht selbst aus der Arbeiterschicht kommt und daher bisweilen die Einflüsse seiner bourgeoisen Erziehung zu spüren sind, eine Kritik, die dem Schriftsteller immer mehr zu Herzen geht, jedoch bewirkt, dass er sich mehr und mehr vom Sozialismus abwendet.

Als Karl Gustav Ossiannilsson ab 1921, unter Alfred Hallberg, Mitarbeiter beim Familj-Journal wird, beginnt der Schriftsteller, außer Gedichten und Prosa für Arbeiter, auch immer häufiger historische Romane zu schreiben die eine Anknüpfung an die schwedische Geschichte haben und eine langsame Wandlung vom sozialistischen Gedanken zum rein nationalistischen einleiten.

Diese Änderung spürt man dann sehr deutlich ab 1928, als Karl Gustav Ossiannilsson bei einer Vortragsreise durch Schweden unter dem Titel I Mussolinis Italien seine Reise durch Italien schildert und sich von der nationalistischen Bewegung des Landes begeistert zeigt. Wenig später tritt der Schriftsteller auch dem schwedischen Nationella Ungdomsförbund bei und propagiert die Bewegungen unter Mussolini, Hitler und Franco. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bricht dann jedoch sein Weltbild zusammen und der Schriftsteller wird wieder zum Gegner des Nationalsozialismus, zieht sich jedoch, auch als Schriftsteller, ganz von der Politik zurück.

Karl Gustav Ossiannillson zeichnete sich während der 20er Jahre jedoch nicht nur als Literat aus, sondern will um diese Zeit auch englische und französische Literatur dem schwedischen Leser näher bringen. Seine erste bedeutende Übersetzung war die Clayhanger Trilogie von Arnold Bennett und wenig später auch Le Cid von Pierre Corneille, die jedoch beide bereits zeigen, dass sich der Schriftsteller von der Arbeiterbewegung vollkommen gelöst hat.

Bereits Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Karl Gustav Ossiannilsson an seinen Memoiren zu schreiben, die jedoch kaum als solche bezeichnet werden können, da er wenig von sich preis gibt, aber mit all seinen „Gegnern“ abrechnet und über all jene berichtet, die ihm auf dem Weg zum Erfolg geholfen haben. Da der Schriftsteller um diese Zeit jedes politische Engagement verloren hat, lassen jedoch nicht nur die Memoiren wieder den Lehrer Ossiannilsson durchdringen, sonder auch den Folgewerken fehlt jede Stärke.

Zahlreiche Gedichte von Karl Gustav Ossiannilsson wurden noch zu seiner Lebenszeit vertont und einige der Prosawerke dienten als Vorlage für Filme. Neben seinen rein literarischen Werken schrieb der Schriftsteller auch einige Filmmanuskripte, Stücke für das Theater und hunderte von Artikeln und Rezensionen in den verschiedensten Zeitschriften Schwedens.

Copyright: Herbert Kårlin

18 februari 2013

Bertil Malmberg und die göttliche Lyrik

Bertil Malmberg wurde am 13. August 1889 als Sohn des Lektors Alexander Teodor Malmberg und dessen Frau Johanna (Hanna) Amalia Roman in Härnösand geboren und starb am 11. Februar 1958 auf Lidingö. Malmberg heiratete am 17. Januar 1918 in erster Ehe Gabriele (Gaby) Josephine Marie Bürger in München, wo er um diese Zeit lebte, 1937  heiratete er in Stockholm in zweiter Ehe Greta Elvira Fredrika Hellströmer, 1941 in dritter Ehe Tyra Görel Hanna Törngren und 1947 in vierter Ehe Carin Maria Svedberg.

Seine Kindheit verachte Bertil Malmberg in einem bürgerlichen Milieu in dem Literatur sehr hoch gehalten wurde, so dass der junge Malmberg sehr früh mit der klassischen Literatur vertraut war, insbesondere mit den Werken von Zacharias Topelius und Esaias Tegnér, die im Elternhaus besonders gewürdigt wurden. Da der Vater 1903 an die Pädagogische Hochschule nach Stockholm versetzt wurde, ging Malmberg dort zur Schule und machte 1907 am Gymnasium Norra Latin seine Hochschulreife.


Nach der Hochschulreife begann Bertil Malmberg ein Studium in Uppsala, verbrachte jedoch bereits den Sommer in Berlin und kehrte im Folgejahr nach Lund an die Universität zurück um die deutsche Sprache zu studieren. Auch dieses Studium brach er ein Jahr später ab um nach Berlin zu gehen, wo er Vilhelm Ekelund kennenlernte und sich begann intensiv mit Friedrich Wilhelm Nietzsche zu beschäftigen.

Bereits während seiner Studien in Uppsala begann Bertil Malmberg Lyrik zu schreiben und noch im gleichen Jahr erschien sein erster Gedichtband Bränder, wobei die Gedichte jedoch noch stark an die Werke von Charles Baudelaire, Sven Lidman und Oscar Levertin angelehnt waren und typische Werke der literarischen Dekadenz dieser Epoche repräsentieren. Die Weichen im Schaffen  Malmbergs wurden erst bei seinem Aufenthalt im Jahre 1910 in Berlin gestellt, wo er die französischen Kultur gegen die deutsche tauschte, was 1911 zu seinem Gedichtband Uppgörelse och löfte und ein Jahr später zu Dåd och dröm führte. Aus einem Lyriker der Dekadenz entwickelte sich in kurzer Zeit ein patriotischer und konservativer Schriftsteller, der die deutsche Kultur als die höchste Form betrachtete. Allerdings konnte Malmberg auch mit diesen beiden Bänden das Publikum und die Kritiker noch nicht erobern.

In den Folgejahren entwickelt sich Bertil Malmberg zu einem deutsch geprägten Romantiker, der den Lyriker als ausgewählte Person sieht, die über allen anderen Werten der der Gesellschaft steht. Lyrische Werke sind für den Verfasser, trotz des in jener Zeit herrschenden Ersten Weltkriegs, der Ausdruck des Edlen und der Schönheit. Diese deutschgeprägte Denkweise der Lyrik jener Epoche führt dazu, dass Malmberg sich 1917 entschließt ganz nach München zu ziehen. Er fühlt sich in Schweden unverstanden und hofft in Deutschland seine Träume erfüllt zu sehen.

Die nun folgenden Werke von Bertil Malmberg lehnen sich an jene von Friedrich Hölderlin, Rainer Maria Rilke, Götz George und andere Autoren an, ohne dass Malmberg jedoch seinen eigenen literarischen Weg verlässt, denn seine Gedichte sind nun von einer Weltuntergangsstimmung gefüllt und parallel dazu nehmen seine Alkoholexzesse zu. Das Ende des Ersten Weltkriegs war für Malmberg eine Katastrophe für ein so hochstehendes Land wie Deutschland, was auch dazu führt, dass er die Ideen Hitlers begrüßte und in diesem Politiker die Rückkehr der deutschen Ideale sah.

Als Bertil Malmberg 1928 nach Stockholm zurückkehrt, muss er erst im Hospital behandelt werden, da der Alkohol und Krankheiten ihre Spuren hinterlassen haben. Der Schriftsteller hat nun jedoch seine literarische Jugend verlassen, ohne jedoch die Überzeugung verloren zu haben, dass ein Schriftsteller, insbesondere ein Lyriker, eine besondere Stellung in der Gesellschaft einnimmt, eine Einstellung, die auch dazu führt, dass Malmberg als Narzisst betrachtet wird, der sich nur in den Vordergrund stellen will.

Die literarische Arbeit von Bertil Malmberg ab den 40er Jahren verliert dann jedoch eine klare Richtung, denn in seinem Gedichtband Flöjter ur ödsligheten mischt er jede Art von Gedichten und fügt selbst Liebesgedichte ein. Etwa gleichzeitig beginnt Malmberg auch als Dramatiker zu arbeiten, wobei er bei seinem Stück Excellensen, das 1942 erstmals aufgeführt wird, eine deutliche Haltung gegen die Okkupation und den Nazismus einnimmt, da Hitler keine seiner ursprünglichen Erwartungen zur Hervorhebung des edlen Menschen stützte.

Ende der 40er Jahre tritt Bertil Malmberg in seine letzte Schaffensphase ein in der er sich den schwedischen Modernisten der 40er Jahre nähert und er sich vom Reim entfernt und überwiegend zur freien Lyrik greift. Diese Ausdrucksform wird insbesondere bei seinen letzten beiden Gedichtbänden Lek med belysningar aus dem Jahre 1953 und bei Klaviatur, das zwei Jahr später erschient, sehr deutlich zu spüren.

Während dieser letzten Phase schreibt Bertil Malmberg auch seine Memoiren, die unter den Titeln Ett stycke väg und Ett författarliv erscheinen, jedoch mehr dazu dienen dem Leser seine Entwicklung und seine Entscheidungen zu präsentieren ohne unbedingt auf den Wahrheitsgehalt zu achten. Noch am Ende seines Lebens sieht sich der Autor über die Gesellschaft erhoben und sieht sich als nahezu göttlich an.

Bertil Malmberg, der 1953 in die Svenska Akademien gewählt wurde und dort, nach Gustaf Hellström, den Stuhl Nummer 18 besetzte, war zwar überwiegend Lyriker und bringt auch in diesem Bereich die höchsten Leistungen, aber bereits ab den 30er Jahren schrieb er auch in kulturellen Seiten von Zeitungen und Zeitschriften und verfasste Essays, die jedoch bereits während seines Lebens nur eine Nebenrolle bei seinem Schaffen spielten.

Copyright: Herbert Kårlin

12 januari 2013

Erik Gustaf Geijer, der nationalistische Dichter Schwedens

Erik Gustaf Geijer wurde am 12. Januar 1783 als Sohn des Industriellen Bengt Gustaf Geijer und dessen Frau Ulrika Magdalena Geisler im Geijersgården, dem Gut Ransäter, im Värmland geboren und starb am 23. April 1847 in Stockholm. Geijer war mit Anna Lisa Lilljebjörn, einer Kusine zweiten Grades, verheiratet, hatte aber zahlreiche Liebschaften mit einigen bedeutenden Frauen jener Zeit.

Wie üblich in der gehobenen Bürgerschicht, so hatte Erik Gustaf Geijer anfangs einen Privatlehrer um später das Gymnasium in Karlstad zu besuchen, wo er 1799 auch die Hochschulreife machte. Noch im gleichen Jahr begann er ein philosophisches Studium an der Universität Uppsala, was er jedoch ohne große Motivation anging. Im vierten Studienjahr verfasste Geijer jedoch sein erstes Werk mit dem Titel Äreminne öfver riksföreståndaren Sten Sture den äldre, wofür er mit dem großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1806 machte Geijer seine Kandidatenprüfung und legte seine Disputation vor. Seine Leistungen reichten zu dieser Zeit jedoch nicht für eine Laufbahn an der Universität aus.


Ab 1808 wurde Erik Gustaf Geijer daher Privatlehrer in Stockholm, im Jahr darauf heiratete er und ging mit seinem Schüler für ein Jahr nach London. Als er 1810 zurück nach Schweden kam, wurde er als Dozent an der Universität in Uppsala zugelassen und veröffentlichte sein romantisch-philosophisches Werk Hvilka fördelar kunna vid menniskors moraliska uppfostran, dragas af deras inbillnings-gåfva m.m.? für das er erneut von der Svenska Akademien einen Preis erhielt.

Noch im gleichen Jahr gründete Erik Gustaf Geijer den nationalistischen Verband Götiska förbundet und gründete die Zeitschrift Iduna in der er erstmals auch seine Gedichte veröffentlichte. Insbesondere zu erwähnen sind hier Werke wie Vikingen, Odalbonden und Den siste kämpen, die alle eine Verbindung zur Mythologie Schwedens haben und Geijer letztendlich zur bedeutendsten Person seiner Zeit machten, die die Größe und die Errungenschaften Schwedens in den Vordergrund stellte und dabei eine nationalistische Bewegung in Gang setzte. Geijer wollte hier an die Schriften von Olof Rudbeck dem Älteren anknüpfen, der die Wiege der Götter in Schweden sah.

Bereits im folgenden Jahr stellte Erik Gustaf Geijer fest, dass eine wissenschaftliche Karriere sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, jedoch wenig einbringt. Der Schriftsteller überlegte daher in den weitaus lukrativeren Kirchendienst zu wechseln und begann diesen Weg vorzubereiten indem er das Buch Försök till psalmer schrieb, ein Werk, das die Religion in eine gemeinsame Linie mit der schwedischen Geschichte, der Sagenwelt und der Mythologie setzte und dabei ein extrem konservatives Gesellschaftsbild zeichnet.

Aber Erik Gustaf Geijer entschied sich dann doch dafür eine wissenschaftliche Karriere fortsetzen, auch wenn er seinen Geldbedarf bis 1814 durch Privatunterricht klären musste. Ab 1814 änderte sich dann das Blatt für Geijer und er bekam ein Vikariat als Professor an der Universität Uppsala, das sich zwei Jahre später in eine ordentliche Professur verwandelte. Als Professor wurde der Schriftsteller auch als Politiker aktiver und war ein Hardliner der konservativen Politik, die Schweden zur wohlverdienten Größe zurückbringen sollte.

Wenig klar ist, warum sich Erik Gustaf Geijer ab Mitte der 30er Jahre plötzlich von seiner konservativen Linie abwandte und liberale Gedanken vertrat und sich, unter anderem, für die Freilassung der schwedischen Sklaven in der schwedischen Kolonie Saint-Barthélemy einsetzte. Durch diesen plötzlichen Geisteswandel verlor er alle seine bisherigen Freunde, insbesondere auch die Freundschaft mit Per Daniel Amadeus Atterbom, und Geijer verwandelte sich in einen Einzelgänger, der das gesellschaftliche Leben plötzlich zu meiden begann. Wissenschaftler, die sich bisher intensiv mit Geijer auseinandersetzten, sehen in seinem Wandel allerdings den Wunsch sich der neuen Strömung in der Regierung anzupassen und damit seine Karriere nicht in Gefahr zu bringen.

Die literarischen Arbeiten von Erik Gustaf Geijer teilen sich, wie seine politische Karriere, in zwei Epochen, denn die Gedichte, die Geijer bis Mitte der 30er Jahre veröffentlichte zeigen den fanatischen Geist des göttlichen Reiches Schweden. Heute werden diese Werke weniger als schöngeistig betrachtet und auch nicht als besondere Leistung. Torgny Segerstedt der Jüngere ging sogar so weit zu behaupten, dass Geijer mit seinen Gedichten lediglich politische und pädagogische Interessen hatte, die den Patriotismus in Schweden stärken sollten. Aus literaturhistorischen Gründen werden einige seiner Gedichte allerdings noch heute in verschiedenen Anthologien aufgenommen. Die Svenska Akademien hat kürzlich auch seine gesammelten lyrischen Werke aufgelegt.

Während der zweiten Epoche seines Schaffens verlässt Erik Gustaf Geijer die heidnische Zeit und die Mythologie und geht auf eine romantische Lyrik über, die oft auch zum Realismus wird. Geijer schreibt nun Gedichte, die auch zum großen Teil vertont werden und zeigen, dass der Schriftsteller auch in der Lage ist schöngeistig zu schreiben ohne erzieherisch sein zu wollen.

Als wissenschaftlicher Autor ist Erik Gustaf Geijers einer der ersten sogenannten Hävdatecknare des Landes, was bedeutet, dass er geschichtliches Material, vor allem für seine Vorlesungen, sammelte und dann den Inhalt in einem Buch logisch zusammenfasste. Da Geijer seine Themen, insbesondere Monographien historischer Herrscher Schwedens, so wählte, dass er der erste war, der darüber schrieb, wurden alle seine Aussagen als Wahrheit genommen und beeinflussten die Geschichtsschreibung bis ins 20. Jahrhundert. Sein bekanntestes Werk wurde dabei das dreibändige Werk Svenska folkets historia aus den Jahren 1832 bis 1836, das auch ins Deutsche übersetzt wurde und noch heute als Referenz gilt, obwohl die Abhandlung, von der aktuellen Warte aus, mehr als nur zweifelhaft ist.

Die konservative Denkweise von Erik Gustaf Geijer, gemeinsam mit jener von Esaias Tegner, führten im 20. Jahrhundert zur Verteidigung der Rassenbiologie und stützten die historischen Rechte Hitlers, auch wenn man bei Geijer nur die erste Phase seines Schaffens heranzog und die späteren liberalen Gedanken bewusst außer Acht ließ.

Erik Gustaf Geijer wurde 1825 in die Svenska Akademien gewählt, wo er Malte Ramels auf dem Stuhl Nummer 14 folgte. 1935 wurde Geijer in die Kungliga Vetenskapsakademien aufgenommen und zwischen 1825 und 1828 ging er in die Kommission ein, die über die damalige Schulreform entschied.

Copyright: Herbert Kårlin