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9 mars 2013

Natanael Beskow, ein Dichter moderner Psalmen

Natanael Beskow wurde am 9. März 1865 als Sohn des Priesters Johan Fredrik Bernhard Beskow und dessen Frau Karin Charlotta Emerentia Dahl im Gut Rispetorp in Hallingeberg im Småland geboren und starb am 8. Oktober 1953 in Danderyd bei Stockholm. Beskow war mit Elsa Maartman verheiratet.

Über die Kindheit von Natanael Beskow ist kaum etwas bekannt, so dass sein Lebenslauf erst mit dem Besuch der von Gustaf Emanuel Beskow gegründeten Beskow-Privatschule beginnt, in der der Autor im Jahre 1883 auch die Hochschulreife ablegte. Noch im Herbst des gleichen Jahres schrieb er sich an der Universität Uppsala ein.


Foto: Beskow-Gesellschaft

Sehr früh hatte sich Natanael Beskow mit der Philosophie von Sören Kierkegaard, Carl Pontus Wikner und Waldemar Rudin beschäftigt, was ihn darin bestärkte, dass seine Lebensaufgabe die Missionierung des Volkes sei. Da er aus diesem Grunde nur Priester und Missionar als seine Berufsmöglichkeiten sah, begann er in Uppsala auch Theologie und Philosophie zu studieren.

Während des Studiums kamen ihm Zweifel an seiner Entscheidung und Natanael Beskow begann ein Studium an der Kunstakademie in Stockholm, das er jedoch nicht beendete, sondern er kehrte nach einiger Zeit zurück an die theologische Fakultät der Universität Uppsala. Dort legte er sowohl das theologische als auch das praktische Examen ab, entschied sich jedoch gegen die Priesterweihe, da seine persönliche Meinung nicht der Lehre der Svenska Kyrkan entsprach.

Diese letztere Entscheidung verhinderte jedoch, dass Natanael Beskow Missionar oder Priester werden konnte. Die Alternative war nur der Schuldienst und die Arbeit als Prediger. Sehr bald wurde Beskow Rektor an der Djursholm Samskola und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte er sich zu einer der wichtigsten Personen der schulischen und der religiösen Bildung Stockholms. Mit seiner Stiftung Birkagården gründete Beskow auch die erste Volkshochschule Schwedens.

Natanael Beskow hat seinen Wunsch der Missionierung jedoch nie verloren, was sich nicht nur in seinen Predigen zeigt, sondern auch seinen zahlreichen Schriften, die er im Laufe der Jahre verfasst. Seine große Gabe war dabei mit einfachen Worten zu arbeiten und einen einfachen Stil zu benutzen, damit sich die Zuhörer und Leser die Kernpunkte seiner Ideen leicht merken können. Diese Gabe führt auch dazu, dass Beskow im Jahre 1919 ins Komitee gewählt wird, das ein neues christliches Gesangsbuch herausgibt und sein Vorschlag zu einem Nachtrag des Psalmenbuches von 1819 ernst genommen wird und einige seiner Psalmen auch in der offiziellen Version der Svenska Kyrkan aufgenommen wurden.

Bei den Werken von Natanael Beskow handelt es sich ausschließlich um religiöse Werke, die der Denkweise der anglikanischen Kirche nahe kommen und in bedeutender Weise das religiöse Denken zu Beginn des 20. Jahrhunderts beeinflussten. Einige der Veröffentlichungen werden mehr als Literatur gewertet und weniger der Religion zugeordnet, auch wenn die Themen der christlichen Religion angehören. Einer der Gründe dafür ist sicher, dass für Beskow die Sprache und der Stil sehr wichtig waren und die Schriften von einer sehr breiten Schicht an Lesern geradezu verschlungen wurden, da er das Leben von Jesus spannend gestalten konnte und der Religion, wo immer möglich, einen zeitnahen Bezug gab.

Der Erfolg von Natanael Beskow lag jedoch auch daran, dass er sich nicht nur auf Unterricht und religiöse Schriften beschränkte, sondern gleichzeitig das Tagesgeschehen verfolgte und einzelne Gruppen von Aktivisten und fortschrittliche Ideen förderte. Beskow setzte sich für das Wahlrecht der Frauen ein und zeigte sich in gesamter Linie als Pazifist. Der Schriftsteller leistete einen bedeutenden Beitrag zur Bildung der Frauen Schwedens und er war einer der ersten Schweden, die auf die schwierige Situation und die Verfolgung der Armenier aufmerksam machte und dabei von Völkermord sprach.

Natanael Beskow gehört zu den wenigen Personen, die in jüngerer Zeit mit religiöser Literatur in die schwedische Literaturgeschichte eingingen, denn seine wenigen nicht-religiösen Gedichte sind geradezu zu vernachlässigen. Der Schriftsteller verband dadurch die konservative christliche Literatur Schwedens mit der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung zeigt sich auch darin, dass Natanael Beskow 1947 zum Friedensnobelpreis nominiert wurde. Auch wenn er den Preis letztendlich nicht erhielt, so wurden seine Ideen dadurch auf ein Niveau gesetzt, das weit über dem Gedanken einer Freikirche steht.

Bereits im Jahre 1918 war Natanael Beskow für seine Leistungen die Ehrendoktorwürde der Universität Lund verliehen worden.

Copyright: Herbert Kårlin

27 februari 2013

Frans Michael Franzén, vom modernen Dichter zum Bischof

Frans Michael Franzén wurde am 9. Februar 1772 als Sohn des Kaufmanns Zachris Frantzén und dessen Frau Helena Michaelsdotter Schulin in Uleåborg, im heutigen Finnland, geboren und starb am 14. August 1847 in Säbrå bei Härnösand. Franzén war in erster Ehe mit Margareta Elisabet (Lilly) Roos verheiratet, in zweiter Ehe mit Sophia Christina Wester und in dritter Ehe mit Christina Elisabeth Arvedsson, wobei er sich jeweils nach dem Tod seiner Frauen neu verheiratete.

Seine kurze Kindheit verbrachte Frans Michael Franzén in Uleåborg, wo er auch die Grundschule besuchte. Bereits mit 13 Jahren wurde Franzén jedoch Student an der Königlichen Akademie in Åbo (Turku). Auch wenn der Vater wünschte, dass der Junge ebenfalls die kaufmännische Laufbahn einschlägt, so entschied sich Franzén für ein Philosophiestudium unter Henrik Gabriel Porthan, unter dem er 1789 promovierte. Ein Jahr später ging Franzén an die Universität Uppsala um sich dort mit Immanuel Kant und Daniel Boëthius auseinanderzusetzen. Zurück in Åbo disputierte der Philosoph 1791 dann mit dem Werk Om språkets ursprung, was dazu führte, dass er bereits im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik wurde.


Gemälde von J. G: Sandberg, 1823
Schwedisches reichsarchiv

Das älteste erhaltene Gedicht von Frans Michael Franzén mit dem Titel Aftonen schrieb der Poet mit 14 Jahren. Auch wenn dieses Werk noch stark von der französischen Literatur der Zeit beeinflusst ist und Franzén noch die Erfahrungen des Lebens fehlen, so zeigt bereits dieses erste Gedicht seine stilistische Reife und Sicherheit, die kaum zu übertreffen ist. Während seines Studiums wendet sich der Schriftsteller dann von der französischen Literatur ab und immer mehr der germanischen Dichtung zu um schließlich die deutsche Poesie zu entdecken, die seine Hauptwerke maßgeblich beeinflussen.

Eine sehr große Bedeutung hatte für das Schaffen von Frans Michael Franzén hat auch sein erster Aufenthalt in Stockholm im Jahre 1793, denn dank eines Empfehlungsschreibens seines Professors, kam er in Kontakt mit Johan Henric Kellgren, Abraham Niclas Edelcrantz und Nils von Rosenstein, der sich vor allem für seine Rede über König Gustav III. interessierte.

Das Treffen mit Kellgren, dem Frans Michael Franzén einige seiner Gedichte zu lesen gab, öffnete dem Skalden auch die Welt der Literatur, da Kellgren dafür sorgte, dass einige der Werke von Franzén in der Stockholms-Posten veröffentlicht wurden und damit den jungen Skalden als eine der größten literarischen Hoffnungen bekannt machten. Die Gedichte, die in der Stockholms-Posten gedruckt wurden, zeigen bereits die erste Wandlung des Dichters, der hier zum freien Vers greift und sich dem vorromantischen modernen Strom anschließt bei dem Gefühl, Schönheit und der Idealismus im Zentrum stehen. Franzén zeigt bei diesen Werken jedoch auch, dass er nicht die deutsche Dichtung kopiert, sondern lediglich die Ideen übernimmt und der schwedischen Gesellschaft anpasst.

Als Frans Michael Franzén 1794 nach Åbo zurückkehrt, wird er Redakteur bei den Zeitschriften der Gesellschaft Aurora, den Vorläufern der Åbo tidningar, deren Herausgeber Henrik Gabriel Porthan war, sein Universitätsprofessor. Ab 1795 wurde der Skalde dann Erzieher von Carl Fredrik Bremer, dem Vater der Schriftstellerin Fredrika Bremer, mit dem er zahlreiche Reisen durch Europa machte. Als Franzén wieder nach Schweden kommt, schreibt er sein bekanntestes Gedicht Sång öfver grefve Gustaf Philip Creutz für das er 1797 mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde. Allerdings hatte dieser Preis eine Kehrseite, denn die Akademie forderte vom Dichter einige Änderungen, damit das Werk dem Geist der Akademie näher kommt. Diese Forderung muss bei Franzén eine gewisse Krise ausgelöst haben, denn nach diesem Gedicht verstummt er für längere Zeit.

In den Folgejahren widmete sich Frans Michael Franzén dann vor allem seiner wissenschaftlichen Karriere und 1801 wurde er Professor für Moralphilosophie. In dieser Zeit, in der verschiedene Gedichte des Dichters, jedoch ohne klare Linie, erscheinen, ändert sich seine Gedankenwelt, denn Franzén gewinnt die Einsicht, dass Philosophie nur  aus der Lehre Gottes entstanden ist. In diesem Gedanken lässt sich Franzén dann bereits 1803 zum Priester weihen um Gott näher zu kommen.

Als der Finnische Krieg ausbricht, muss sich Frans Michael Franzén entschieden, ob er in Finnland bleiben will oder nach Schweden geht. Der Schriftsteller wählt Schweden und wird 1811 Priester in Kumla, wird 1824 nach Stockholm versetzt und einige Jahre später Bischof in Härnösand, wo er nicht nur für das geistige Wohl des nahezu gesamten Norrlandes verantwortlich war, sondern auch über die Ausbildung in allen Schulen entschied.

Mit dieser geistigen Änderung von Frans Michael Franzén ändert sich auch seine literarische Arbeit, denn ab 1810 entstehen unter seiner Feder zahlreiche Psalmen von denen 13 noch im jüngsten Psalmbuch von 1986 enthalten sind und neben seinen Skaldestycken in sieben Bänden, die zwischen 1824 und 1861 erschienen, veröffentlicht er fünf Bände an Predigten, die er für besonders bedeutend hält und er veröffentlicht seine dreibändigen Memoiren.

Während man Frans Michael Franzén bis zu den 20er Jahren als einen der bedeutendsten Dichter seiner Zeit beschreiben kann, zeigt er sich danach immer konservativer und seine Werke verlieren an Stärke, was selbst dazu führt, dass Franzén von Esaias Tegnér als einfältig kritisiert wird. Der Dichter lebte jedoch weiter in seiner Vergangenheit und verschloss sich jeder Kritik, zumal er in Finnland immer noch als Nationalheld gesehen wurde.

Frans Michael Franzén wurde am 5. Mai 1808 in die Svenska Akademien gewählt, wo er nach Gustaf Fredrik Gyllenborg den Stuhl Nummer 13 einnahm.

Copyright: Herbert Kårlin

3 oktober 2012

Lina Sandell-Berg und 1700 Gedichte

Lina Sandell wurde am 3. Oktober 1832 in Fröderyd (heute Vetlanda) im Småland als Tochter des Priester Jonas Sandell und seiner Frau Fredrika geboren und starb am 28. Februar 1938 in Stockholm. Während Lina Sandell ihre Werke normalerweise nur mit L.S. unterschrieben hat, wird Carolina Wilhelmina Sandell von Autoren unterschiedlich als Lisa Sandell, Lisa Berg (wie sie nach der Ehe hieß) oder auch Lina Sandell-Berg bezeichnet. Sie selbst benutzte allerdings nie den Doppelnamen.

Die am 13. Juli 1863 geborene Schauspielerin Lina Sandell hat nichts mit der Schriftstellerin zu tun, auch wenn sie in der Öffentlichkeit den gleichen Namen trug.


Über die Kindheit und Jugend von Lina Sandell ist sehr wenig bekannt, außer dass sie sehr häufig krank war und als gebrechlich galt. In dieser Zeit begann sie auch Gedichte zu schreiben. Im Laufe ihres Lebens entstanden über 1700 Gedichte, die sie überwiegend in Kalendern veröffentlichte ohne dass diese jedoch je in Buchform veröffentlicht wurden. An diese Epoche erinnert jedoch ein kleines Museum, das im Fröderyds Pfarrhof eingerichtet ist und ihre Skulptur, die 50 Jahre nach ihrem Tod unter ihrem Lieblingsbaum aufgestellt wurde.

Lina Sandells Leben war eine einzige Prüfung, denn nicht nur, dass sie als Kind ständig krank war, ihr Vater ertrank 1858 im Vättern, die Mutter starb zwei Jahre später und das ihr einziges Kind überlebte die Geburt nicht. Die letzten Jahre ihres Lebens wurde sie zusätzlich dement und verlor ihre Sprache vollständig. Ihr Mann starb ein halbes Jahr nach ihrem Tod an Diabetes.

Die schriftstellerische Karriere begann für Lina Sandell nur zwei Jahre bevor sie 1867 den um sieben Jahre jüngeren Kaufmann und Politiker Oscar Berg heiratete und in seinem Verlag in Stockholm als Redakteurin zu arbeiten begann, denn schon 1865 hatte die Schriftstellerin für den christlichen Kalender Korsblomman Gedichte und Novellen geschrieben, eine Tätigkeit, die sie bis 1902 fortsetzte. Diese Kalender erzielen heute antiquarisch beachtliche Preise.

Für den Verlag ihres Ehemannes schrieb Lina Sandell überwiegend Texte und Lieder, die für die Sonntagsschule bestimmt waren, wobei 1874 ihr Werk Berättelser för söndagsskolan erschien und zwischen 1882 und 1892 die drei Bände Samlade sånger. Da sehr viele Gedichte, die Lina Sandell schrieb, einen christlichen Inhalt haben, wurden hunderte von ihnen zu Psalmen der Svenska Kyrkan, wobei jedoch auch einige davon die gesamte Welt eroberten. Werke wie Blott en dag oder Jag frågar ej werden nicht nur in Kirchen, sondern auch von bekannten Künstlern in Konzerthallen aufgeführt.

Da Lina Sandell ihre Arbeit, auch ihre zahlreichen Übersetzungen, nie selbst als literarische Werke betrachtete und weder sie noch ihr Ehemann an eine Vermarktung dachten, gehört die Schriftstellerin zu jenen, die in der schwedischen Literaturgeschichte nahezu vergessen ist, obwohl ein Teil ihrer Werke in Form von Psalmen und Liedern noch heute weiterleben und manchen Menschen Kraft geben. Wenig bekannt ist auch die Zensur, der die Werke der Autorin unterlagen, denn jedes „Mutterherz“, das sie schrieb und jede „Mütterlichkeit Gottes“ wurden noch in den 70er Jahren von Brüderlichkeit und Vaterherz ersetzt.

Copyright: Herbert Kårlin