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6 april 2013

Frithiof Grafström und das Dilemma zum Skalden gezwungen zu sein

Frithiof Grafström wurde am 6. April 1827 als Sohn des Priesters und Skalden Anders Abraham Grafström und dessen erster Frau, Henriette Elisabeth Franzén, in Solna geboren und starb am 13. August 1883 in Stocksund bei Danderyd. Grafström war ab 1850 mit Heloise Desdemona Hazelius verheiratet.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Frithiof Grafström in der bürgerlichen Schicht des Vaters und Großvaters, die beide auch als Skalden hervorgetreten waren. Wie in dieser Gesellschaftsschicht üblich, wurde Grafström von Privatlehrern auf die Hochschulreife vorbereitet. Im Jahre 1845 schrieb er sich an der Universität Uppsala ein, wo er zu Beginn Philosophie studierte, ein Studium, das er 1851 mit einem Magister beendete. Vier Jahre später wechselte er in die theologische Fakultät über und 1857 wurde er in Stockholm zum Priester geweiht.


Beruflich ging Frithiof Grafström den direkten Weg vom Priester bis zum Bischof, denn nach der Priesterweihe begann er seine Laufbahn in Stockholm, kam 1858 als Legationsprediger nach Paris, übernahm 1863 den gleichen Dienst in London, wurde 1868 Professor in Theologie in Lund, anschließend Hofprediger und 1880 ernannte ihn König Oscar II. zum Bischof. Diesen schnellen Aufstieg verdankte er jedoch vor allem den exzellenten Beziehungen, die sein Geschlecht hatte und weniger seiner tatsächlichen Leistung.

Sehr früh wurde Frithiof Grafström von seinem Vater und seinen Lehrern auch in die Skaldenkunst eingeweiht, da dies als Zeichen der hohen Bildung gewertet wurde. Mit 19 begann Grafström daher auch Elegien und andere Gedichte zu schreiben, die er bei den Ausschreiben der Svenska Akademien präsentierte und dort zwar rühmlich erwähnt wurden, jedoch zu Beginn nicht mit Preisen belohnt wurden.

Erst als Frithiof Grafström 1848 eine Elegie zum Tode von Frans Michael Franzén vorlegte, erhielt er seinen ersten Preis der Akademie, dem 1852 für sein Gedicht Sångens framtid erneut ein Preis der Einrichtung folgte. Da dieses Gedicht als wichtiger Beitrag zur damaligen Debatte zum Thema „Ist die Gegenwart Poesie?“ war, las Bernhard Elis Malmström es während einer Versammlung der Akademiemitglieder laut vor.

Auch wenn Frithiof Grafström regelmäßig Gedichte verfasste, so sollte es bis 1861 dauern bis er mit seinem naturromantischen Werk Fjellappen den großen Preis der Svenska Akademien errang. Als Carl David af Wirsén dieses bekannteste Werk Grafströms zum ersten Mal gelesen hatte, lobte er es in höchsten Tönen und bezeichnet das Werk als Meisterwerk, das die goldene Zeit des Gesangs zurückbringt. Wirsén ließ es sich auch nicht nehmen ein entsprechendes Vorwort zur Gedichtsammlung Dikter, das 1883 erschien, zu verfassen.

Die überlieferte Dichtung von Frithiof Grafström ist jedoch weder sehr umfangreich, noch erreichte der Skalde je die Höhe anderer Dichter jener Zeit, was vermutlich auch damit zusammenhing, dass von allen Seiten ein immenser Druck auf ihm lag, er andererseits jedoch auch Schwierigkeiten hatte seine Gedanken schriftlich zu formulieren, was man vor allem bei seiner Arbeit als Politiker entdeckt, denn seine Anträge sind oft unklar und etwas verwirrend. Viele seiner Anträge wurden auch nur aus diesem Grund abgelehnt.

Wenn man nach wissenschaftlichen Abhandlungen von Frithiof Grafström sucht, so entdeckt man auch hier nur zwei Werke des Schriftstellers, nämlich Om krigsföretagen inom Sverige straxt efter Carl XII:s död aus dem Jahre 1851 und Om undervisning i modersmålet, das zwei Jahre später erschien. Beide Werke zeigen keine neuen Gedanken und bauen auf Erkenntnisse, die bereits vorher veröffentlicht worden waren oder auch allgemein bekannt waren. Auch wenn es sich bei Grafströms wissenschaftlichen Büchern um keine Plagiate handelt, so haben sie wissenschaftlich gesehen kaum Bedeutung und nur das zuletzt genannte Buch zeigt in etwa die Denkweise des Autors.

Der Priester-Skalde Frithiof Grafström brillierte jedoch in einem Punkt, der ihm in gewisser Weise auch einen Platz in der schwedischen Literaturgeschichte gewährte. Grafström galt als der Priester, der mit seinen Predigten mehr Gläubige anziehen konnte als jeder andere Priester Schwedens, was man vor allem in dem Rahmen sehen muss, dass er eine Gemeinde in Stockholm hatte, wo die Konkurrenz an Priestern nicht zu vernachlässigen war.

Frithiof Grafström war im Grunde ein Redner und kein Schreiber, da er seine Gefühle und seine Denkweise im freien Wort am besten ausdrücken konnte und zwar dann, wenn es um Glaubensfragen ging. Selbst im Reichstag erreichte Grafström nur mit religiösen Angelegenheiten sein Ziel, unter anderem gelang es ihm durchzusetzen, dass eine Kirchengemeinde einen Priester frei wählen konnte und dieser ihr nicht mehr zugeteilt wurde. Seine Poesie lag jedoch nur in der Zeitströmung, auch wenn einige der Gedichte einem höheren literarischen Anspruch gerecht werden.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

27 februari 2013

Frans Michael Franzén, vom modernen Dichter zum Bischof

Frans Michael Franzén wurde am 9. Februar 1772 als Sohn des Kaufmanns Zachris Frantzén und dessen Frau Helena Michaelsdotter Schulin in Uleåborg, im heutigen Finnland, geboren und starb am 14. August 1847 in Säbrå bei Härnösand. Franzén war in erster Ehe mit Margareta Elisabet (Lilly) Roos verheiratet, in zweiter Ehe mit Sophia Christina Wester und in dritter Ehe mit Christina Elisabeth Arvedsson, wobei er sich jeweils nach dem Tod seiner Frauen neu verheiratete.

Seine kurze Kindheit verbrachte Frans Michael Franzén in Uleåborg, wo er auch die Grundschule besuchte. Bereits mit 13 Jahren wurde Franzén jedoch Student an der Königlichen Akademie in Åbo (Turku). Auch wenn der Vater wünschte, dass der Junge ebenfalls die kaufmännische Laufbahn einschlägt, so entschied sich Franzén für ein Philosophiestudium unter Henrik Gabriel Porthan, unter dem er 1789 promovierte. Ein Jahr später ging Franzén an die Universität Uppsala um sich dort mit Immanuel Kant und Daniel Boëthius auseinanderzusetzen. Zurück in Åbo disputierte der Philosoph 1791 dann mit dem Werk Om språkets ursprung, was dazu führte, dass er bereits im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik wurde.


Gemälde von J. G: Sandberg, 1823
Schwedisches reichsarchiv

Das älteste erhaltene Gedicht von Frans Michael Franzén mit dem Titel Aftonen schrieb der Poet mit 14 Jahren. Auch wenn dieses Werk noch stark von der französischen Literatur der Zeit beeinflusst ist und Franzén noch die Erfahrungen des Lebens fehlen, so zeigt bereits dieses erste Gedicht seine stilistische Reife und Sicherheit, die kaum zu übertreffen ist. Während seines Studiums wendet sich der Schriftsteller dann von der französischen Literatur ab und immer mehr der germanischen Dichtung zu um schließlich die deutsche Poesie zu entdecken, die seine Hauptwerke maßgeblich beeinflussen.

Eine sehr große Bedeutung hatte für das Schaffen von Frans Michael Franzén hat auch sein erster Aufenthalt in Stockholm im Jahre 1793, denn dank eines Empfehlungsschreibens seines Professors, kam er in Kontakt mit Johan Henric Kellgren, Abraham Niclas Edelcrantz und Nils von Rosenstein, der sich vor allem für seine Rede über König Gustav III. interessierte.

Das Treffen mit Kellgren, dem Frans Michael Franzén einige seiner Gedichte zu lesen gab, öffnete dem Skalden auch die Welt der Literatur, da Kellgren dafür sorgte, dass einige der Werke von Franzén in der Stockholms-Posten veröffentlicht wurden und damit den jungen Skalden als eine der größten literarischen Hoffnungen bekannt machten. Die Gedichte, die in der Stockholms-Posten gedruckt wurden, zeigen bereits die erste Wandlung des Dichters, der hier zum freien Vers greift und sich dem vorromantischen modernen Strom anschließt bei dem Gefühl, Schönheit und der Idealismus im Zentrum stehen. Franzén zeigt bei diesen Werken jedoch auch, dass er nicht die deutsche Dichtung kopiert, sondern lediglich die Ideen übernimmt und der schwedischen Gesellschaft anpasst.

Als Frans Michael Franzén 1794 nach Åbo zurückkehrt, wird er Redakteur bei den Zeitschriften der Gesellschaft Aurora, den Vorläufern der Åbo tidningar, deren Herausgeber Henrik Gabriel Porthan war, sein Universitätsprofessor. Ab 1795 wurde der Skalde dann Erzieher von Carl Fredrik Bremer, dem Vater der Schriftstellerin Fredrika Bremer, mit dem er zahlreiche Reisen durch Europa machte. Als Franzén wieder nach Schweden kommt, schreibt er sein bekanntestes Gedicht Sång öfver grefve Gustaf Philip Creutz für das er 1797 mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet wurde. Allerdings hatte dieser Preis eine Kehrseite, denn die Akademie forderte vom Dichter einige Änderungen, damit das Werk dem Geist der Akademie näher kommt. Diese Forderung muss bei Franzén eine gewisse Krise ausgelöst haben, denn nach diesem Gedicht verstummt er für längere Zeit.

In den Folgejahren widmete sich Frans Michael Franzén dann vor allem seiner wissenschaftlichen Karriere und 1801 wurde er Professor für Moralphilosophie. In dieser Zeit, in der verschiedene Gedichte des Dichters, jedoch ohne klare Linie, erscheinen, ändert sich seine Gedankenwelt, denn Franzén gewinnt die Einsicht, dass Philosophie nur  aus der Lehre Gottes entstanden ist. In diesem Gedanken lässt sich Franzén dann bereits 1803 zum Priester weihen um Gott näher zu kommen.

Als der Finnische Krieg ausbricht, muss sich Frans Michael Franzén entschieden, ob er in Finnland bleiben will oder nach Schweden geht. Der Schriftsteller wählt Schweden und wird 1811 Priester in Kumla, wird 1824 nach Stockholm versetzt und einige Jahre später Bischof in Härnösand, wo er nicht nur für das geistige Wohl des nahezu gesamten Norrlandes verantwortlich war, sondern auch über die Ausbildung in allen Schulen entschied.

Mit dieser geistigen Änderung von Frans Michael Franzén ändert sich auch seine literarische Arbeit, denn ab 1810 entstehen unter seiner Feder zahlreiche Psalmen von denen 13 noch im jüngsten Psalmbuch von 1986 enthalten sind und neben seinen Skaldestycken in sieben Bänden, die zwischen 1824 und 1861 erschienen, veröffentlicht er fünf Bände an Predigten, die er für besonders bedeutend hält und er veröffentlicht seine dreibändigen Memoiren.

Während man Frans Michael Franzén bis zu den 20er Jahren als einen der bedeutendsten Dichter seiner Zeit beschreiben kann, zeigt er sich danach immer konservativer und seine Werke verlieren an Stärke, was selbst dazu führt, dass Franzén von Esaias Tegnér als einfältig kritisiert wird. Der Dichter lebte jedoch weiter in seiner Vergangenheit und verschloss sich jeder Kritik, zumal er in Finnland immer noch als Nationalheld gesehen wurde.

Frans Michael Franzén wurde am 5. Mai 1808 in die Svenska Akademien gewählt, wo er nach Gustaf Fredrik Gyllenborg den Stuhl Nummer 13 einnahm.

Copyright: Herbert Kårlin

15 oktober 2012

Johan Olof Wallin, von Gedichten zu Psalmen

Johan Olof Wallin wurde am 15. Oktober 1779 als Sohn des Feldwebels im Dalaregiment Johan Abraham Wallin und Beata Charlotta Harkman in der Nähe von Stora Tuna in Dalarna geboren und starb am 30. Juni 1839 bei einem Besuch in Uppsala, wohin er wenig später als Erzbischof ziehen sollte. Seit 1810 war Wallin mit Anna Maria Dimander verheiratet, wobei jedoch aus der Ehe keine Kinder hervorgingen.

Seine Ausbildung erlangte Johan Olof Wallin erst in der Hauptschule in Falun, dann am Gymnasium in Västerås und schließlich an der Universität Uppsala. Seine Studien unterbrach Wallin jedoch immer wieder, weil er aus finanziellen Gründen jüngeren Schülern Nachhilfe erteilen musste, was ihn jedoch nicht davon abhielt dennoch mit ausgezeichneten Noten an der Universität zugelassen zu werden. Sein Philosophiestudium schloss Johan Olof Wallin im Jahr 1803 ab, jedoch nur um sich auf die Priesterweihe vorzubereiten, die dann drei Jahre später erfolgte. Sein Talent als Prediger brachte ihm einen schnellen Aufstieg, denn bereits 1809 wurde er Schlosspriester in Karlberg, dann bekam er die Gemeinde Solna und 1812 erlangte er den Doktortitel in Theologie und erhielt die Adolf Fredriks Kirchengemeinde in Stockholm und 1837 wurde er schließlich Erzbischof von Uppsala, nur zwei Jahre bevor er dort starb.


Johan Olof Wallin hatte bereits während seiner Jugend begonnen im klassischen Stil Gedichte zu schreiben, die überwiegend einen erzieherischen Charakter hatten. Als Skalde errang er 1803 erstmals einen Preise der Svenska Akademien für seine Dichtkunst, 1805 wurde er mit drei Preisen der Svenska Akademien belohnt und 1808  erhielt er für Sång i anledning av Gustaf den tredjes ärestods avtäckande mit 200 Dukaten den höchsten Preis, den die Svenska Akademien je verteilte und was ihn als einen absoluten Meister der Dichtkunst auszeichnete. Die Gedichte, die Johan Olof Wallin zwischen 1794 und 1809 schrieb erschienen beim Buchverlag Bonniers zwischen 1955 und 1967 als vierbändiges Werk und zeigen wie der Autor vom herkömmlichen klassischen Gedicht zu einer eigenen Richtung findet. 1810 wurde Wallin dann auf den Stuhl Nummer 1 der Svenska Akademien gewählt.

Diese hohe Ehre und die Anerkennung seiner Dichtkunst, führten dazu, dass Johan Olof Wallin gebeten wurde in einem Komitee mitzuarbeiten, das ein neues, modernes Psalmbuch vorlegen sollte. Vom Skalden wurde Wallin in kürzester Zeit zu einem Meister der Psalmdichtung. Als das Komitee 1814 einen ersten Vorschlag für das neue Werk vorgelegt hatte, zeigte sich Wallin unzufrieden und schrieb ein neues Psalmbuch in dem er 128 Psalmen selbst verfasste und die anderen bedeutend umarbeitete. Der König akzeptierte im Jahre 1819 dieses neue Werk in unveränderter Form. Von diesem Zeitpunkt an blieb Johan Olof Wallin den Psalmen treu, da er hierbei eine ideale Ausdrucksweise gefunden hatte, denn man konnte die reine Poesie mit Musik verbinden und dabei eine ideale Einheit schaffen.

Auch wenn heute Johan Olof Wallin vor allem als der bedeutendste Verfasser von Psalmen bekannt ist, so galt er zu seiner Zeit als Priester und Bischof auch als bedeutender Redner, der seine Meinung klar und verständlich ausdrücken konnte. Im humanistischen Gedanken legte er allerdings in allen seinen Werken einen großen Wert auf Erziehung, die er für den Pfeiler der Gesellschaft hielt. Ab 1825 wurde er in mehreren Ausschüssen zu Erziehungsfragen aktiv, wobei er, vor allem zu Beginn seiner Arbeit, eine extrem konservative Haltung einnahm. Durch den Einsatz von Wallin, der sich jeder freikirchlichen Bewegung entgegenstellte und eine edle und königstreue Gesellschaft vorstellte, wurden mehrere Schulen in Schweden gegründet, darunter die Wallinska Flickskolan im Jahre 1831, die 1874 zum ersten Mädchengymnasium Schwedens wurde.

Johan Olof Wallin veröffentlichte während der letzten zehn Jahre seines Lebens auch mehrere andere Bücher zu geschichtlichen Themen der Zeit und insbesondere eine Art Lehrbuch, das Jugendlichen die guten Sitten näher bringen sollte, Werke, die zu jener Zeit eine maßgebliche Bedeutung hatten und als richtungsweisend betrachtet werden müssen.

Die Bedeutung des Autors kann man auch daran erkennen, dass nach seinem Tod zwei Bände mit einigen der wichtigsten seiner Predigten veröffentlicht wurde, da man der Meinung war, dass das Gedankengut von Johan Olof Wallin weiterleben sollte.

Innerhalb der schwedischen Literatur nimmt Wallin eine gewisse Zwischenstellung ein, da er nicht mehr in der Tradition der rein religiösen Schriftsteller gesehen werden kann, sondern bereits die neuen Wege einschlug, die von den Schriftstellern und Poeten des 19. Jahrhunderts gewählt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin