Visar inlägg med etikett Arbeiterbewegung. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Arbeiterbewegung. Visa alla inlägg

11 juni 2013

Edvard Fredin, ein Volksdichter der Arbeiterbewegung Schwedens

Edvard Fredin wurde am 8. Juni 1857 als Sohn des Beamten Nils August Fredin und dessen Frau Margaretha Theresia Lieberath in Stockholm geboren und starb am 27. Juni 1889 in Södertälje. Fredin war nie verheiratet.

Da der Vater von Edvard Fredin starb als der Junge gerade einmal ein Jahr alt war, übernahm die Mutter, die eine literarische Bildung hatte und ein starkes Interesse für das Theater zeigte, die Erziehung Fredins und seiner Schwester Anna Maria. Bereits als Fredin im Jahre 1870 in die Grundschule kam, hatte er ein Lungenleiden, das immer wieder zur Abwesenheit vom Unterricht führte und der Grund dafür war, dass der Übersetzer und Schriftsteller bereits nach der fünften Klasse von der Nya Elementarskolan abging.

Edvard Fredin, Vår Daniel, Förlag Wilhelm Bille, Stockholm, 1889

Aber auch wenn Edvard Fredin nur wenige Jahre lang die Schule besuchte, so versuchte er anschließend ein Maximum an Bildung zu gewinnen und beschäftigte sich vor allem mit Geschichte, Literatur und modernen Sprachen und begann seine ersten Gedichte zu schreiben, die noch noch stark von Esaias Tegnér, Viktor Rydberg und Carl Snoilsky beeinflusst waren. Erst Ende der 70er Jahre spürt man, dass sich Fredins Lyrik den modernen Strömungen anschließt, die um diese Zeit vor allem von August Strindberg und Georg Brändes getragen wurden.

Seine literarische Aktivität begann Edvard Fredin ebenfalls noch in den 70er Jahren, wobei seine Werke um diese Zeit vor allem in der lokalen Presse, in Zeitschriften und den literarischen Kalendern der schwedischen Hauptstadt veröffentlicht wurden.

Zu Beginn der 80er Jahre schloss sich Edvard Fredin der Bewegung von Anton Nyström an und trug mit zahlreichen Vorlesungen an der Entwicklung des Stockholmer Arbeiterinstituts teil, wirkte in mehreren liberalen Bewegungen, wurde Mitarbeiter der Enzyklopädie Folkets bok und schrieb für mehrere radikale Zeitungen jener Zeit. Außer eigenen Gedichten zur Arbeiterbewegung übersetze Fredin in jenen Jahren auch zahlreiche politische und soziale Werke aus anderen Ländern, was der Arbeiterbewegung Schwedens eine größere Bedeutung gab und diese in eine internationale Bewegung einordnete.

Als sich Edvard Fredin im Frühjahr 1885 zu Vorträgen in Göteborg aufhielt, machte er nicht nur die Bekanntschaft der modernen journalistischen und literarischen Bewegung, sondern er entschied sich auch ein Angebot Ture Malmgrens anzunehmen und ein Jahr lang für die Zeitung Bohuslänning zu arbeiten, die unter ihm eine neue Richtung annahm, da Fredin nicht nur Artikel schrieb, sondern auch zahlreiche Rezensionen und vor allem schöngeistige Beiträge.

Im Bohuslän begann Edvard Fredin auch eine literarische Karriere vorzubereiten, sowohl als Lyriker als auch als Romanautor. Als er jedoch 1886 Bonnier eine Gedichtsammlung unter dem Titel Försommar anbot, lehnte der Verlag das Werk ab, mit dem Argument, dass junge Autoren schlecht verkäuflich seien. Da sich an der Westküste auch die Krankheit des Autors verschlechterte, war er nach einem Jahr gezwungen zu einem Freund ins Hälsingland zu ziehen, da der Süden für ihn aus finanziellen Gründen unerreichbar war.

Im Hälsingland verbesserte sich nicht nur Edvard Fredins Gesundheitszustand wieder, sondern Artur Hazelius verhalf ihm auch zu einem einem Auftrag von Seiten der Svenska Akademien zur Dialektforschung und zu folkloristischen Studien. Außer zahlreichen Übersetzungen, Forschungen und unabhängigen Gedichten entstand im Hälsingland dann auch das bedeutendste Werk des Schriftstellers, der Gedichtzyklus Vår Daniel, die Schilderung der pazifistischen Bewegung des Geistlichen Daniel Buscovius aus dem Jahre 1644. Für dieses Werk wurde Fredin mit dem Großen Preis der Svenska Akademien ausgezeichnet.

Die letzten drei Jahre des Lebens von Edvard Fredin waren nicht nur die fruchtbarsten, sondern auch die erfolgreichsten, denn sein Schauspiel Biltog wurde im Theater aufgeführt, und der höchste Preis der Svenska Akademien garantierte ihm einen Platz unter den modernen Autoren Schwedens. 1889 erhielt der Schriftsteller für seine Leistungen selbst die staatliche Autorenunterstützung verliehen. Sein Gesundheitszustand erlaubte dem Autor jedoch keine öffentlichen Auftritte mehr und noch im gleichen Jahr starb er in einer Badeanstalt.

Edvard Fredin war einer der bedeutendsten Dichter der 70er und 80er Jahre, auch wenn er, auf Grund seines kurzen Lebens, nur relativ wenige Werke veröffentlichte. Er wurde nie ein Romanautor, sondern blieb ein Dichter, der sowohl gefühlsmäßige persönliche Werke schrieb als auch engagierte politische Lyrik verfasste. Ähnlich Strindberg und Albert Ulrik Bååth schilderte Fredin in seinen Werken auch die Umgebung, die Natur und das Milieu. Fredin wurde damit der erste Dichter Schwedens, der die Stimmung Nordschwedens in die Literatur einfließen ließ, lange bevor Autoren Nordschwedens ebenfalls zu dieser Ausdrucksmöglichkeit griffen.

Copyright: Herbert Kårlin

27 maj 2013

Walter Hülphers, vom sozialkritischen Autor des Nordens zur Mystik

Walter Hülphers wurde am 29. Juli 1871 als Sohn des Buchhalters Walter Sebastian Hülphers und dessen Frau Charlotta Bergöö in Styrnäs in Västernorrland geboren und starb am 7. Mai 1957 in Hagfors im Värmland. Hülphers war ab 1907 mit Oktavia Flora Grey verheiratet.

Die Kindheit und Jugend verbrachte Walter Hülphers in einem extrem konservativen religiösen Milieu aus dem er sich erst nach seiner Hochschulreife im Jahre 1890 in Hörnösand befreite, als er erst an der Universität in Uppsala und anschließend jener in Stockholm Naturwissenschaften studierte und die er 1895 beendete, ohne sich jedoch in irgendeiner Weise auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet zu haben.

Walter Hülphers, Ockulta noveller, Svenska teosofiska Bokförlaget, Stockholm, 1921

Während Walter Hülphers nach Abschluss seiner Studien erst bei der Västernorrlands Allehanda (1896 - 1898) und anschließend beim Nyaste Kristianstadsbladet (1889 - 1899) als Journalist arbeitete, begann seine literarische Karriere im Jahre 1899 mit der Novellensammlung Linier och dagar, die sehr stark von den romantischen Wildmarkserzählungen von Pelle Molin beeinflusst waren.

Bei seinen folgenden Werken blieb Walter Hülphers zwar bei Wildmarkserzählungen, die in gewisser Weise die industrielle Entwicklung des Ångermanälven als Ausgangspunkt hat, aber Hülphers entfernt sich vom Einfluss Molins und seine Bücher nehmen einen sozialen Einschlag an, was ihn zwar nicht zu einem Arbeiterschriftsteller macht, ihn aber auf die Seite der Arbeiterbewegung stellt, der in seinen Werken sehr früh die Entwicklung der Forstwirtschaft kritisiert. Am deutlichsten tritt dies bei seinem Roman Timmer aus dem Jahre 1906 hervor, der von manchem Literaturwissenschaftler auch als sein Hauptwerk bezeichnet wird.

Bei den lyrischen Werke von Walter Hülphers ab 1910 spürt man, dass diese Gedichte mit autobiographischen Zügen nicht nur von der Philosophie Friedrich Nietzsches beeinflusst wurden, sondern auch seinen ständigen Kampf mit der religiösen Erziehung, die er erhielt, und seinen Bestrebungen sich vollkommen von Religion zu lösen, ohne dass ihm dies in letzter Konsequenz gelingt. Die Werke, die Hülphers in diesen Jahren veröffentlicht, zeigen eine enorme Breite, die von der selbstgewählten Isolation bis zum revolutionären Kampf der Arbeiter reichen. Neben der Lyrik beginnt der Schriftsteller nun allerdings auch Dramen zu schreiben, die alle einen politischen Einschlag unter geschichtlichen Aspekten haben.

Während des Ersten Weltkriegs und vor allem während des Finnischen Bürgerkriegs im Jahre 1918, an dem Walter Hülphers auch als Freiwilliger teilnimmt, entwickelt sich der Schriftsteller immer mehr zu einem nationalen Fanatiker, der in seinem Roman Med svenska brigaden beschreibt, dass er ein Gewehr ebenso zärtlich behandelt wie eine geliebte Frau. Diese nationalistische Einstellung wird von seinen Freunden aus den literarischen Kreisen Schwedens allerdings kaum geschätzt und einer nach dem anderen wendet sich von Hülphers ab.

Die Isolation in der sich Walter Hülphers anschließend befand, führte ihn erst zu Gott zurück und anschließend in die Mystik und den Okkultismus. Auch hier wählt der Schriftsteller wieder die extremste Seite und in einem Brief an Carl Lindhagen bezeichnet er sich als der Führer des Geheimbundes der Rosenkreuzer im nordischen Raum. Unter diesem Einfluss entstehen dann auch die letzten Bücher Hülphers, die von der Überzeugung des Autors sprechen, dass das Leben der Menschen von unerklärlichen Kräften beeinflusst und gesteuert wird.

So unterschiedlich seine Werke mit ihren Aussagen sind, so unterschiedlich waren auch die politischen und religiösen Meinungen von Walter Hülphers im Laufe seines Lebens, denn der Schriftsteller konnte sich mit keiner der Denkweisen oder Philosophien seiner Zeit vollkommen anfreunden. Während der Hülpher innerlich ständig mit dem Zweifel kämpft, sind seine Werke eine Art Chronologie seiner Entwicklung.

Mit dem Mystizismus verlor Walter Hülphers allerdings auch einen Großteil seiner Leser, da diese der Denkweise des Autors nicht mehr folgen konnten und der Zweite Weltkrieg sie auch weit von der Mystik und dem Okkultismus entfernt hatten. Um weiterhin vom Schreiben leben zu können, war Hülphers daher nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen als Kritiker für Film und Literatur für verschiedene schwedische Zeitschriften und Zeitungen zu arbeiten, sowie für die Västmanland Läns Tidning tägliche Verse zu schreiben.

Auch wenn nahezu jeder Literaturwissenschaftler die literarischen Leistungen von Walter Hülphers beachtlich findet, wird der Autor nur in wenigen Abhandlungen zur schwedischen Literaturgeschichte behandelt, denn er kann in keiner Gruppe an Autoren untergebracht werden und er folgte keiner der offiziellen literarischen Linien. Erst in den letzten Jahren gewinnt der Autor in Nordschweden wieder einen gewissen Ruhm, da man versucht die Leistungen der Dichter und Schriftsteller des nördlichen Schwedens innerhalb der schwedischen Literatur erneut hervorzuheben.

Copyright: Herbert Kårlin

17 maj 2013

Gustav Hedenvind-Eriksson, ein Pionier der Arbeiterliteratur

Gustav Hedenvind-Eriksson wurde am 17. Mai 1880 als Sohn des Landwirts und Händlers Erik Håkan Gustafsson und dessen Frau Juliana Mikaelsdotter in Gubbhögen bei Alanäs im nördlichen Jämtland geboren und starb am 17. April 1967 in Bromma (Stockholm). Hedenvind-Eriksson war zwischen 1928 und 1951 mit Astrid Maria Pihl verheiratet.

Als Gustav Hedenvind-Eriksson zur Welt kam, wurde er aus einem Missverständnis heraus Gustav Hedvin (statt Edvin) getauft. Da dies mit viel Spott verbunden war, begann sich der Junge sehr früh Hedenvind zu nennen. Als er dann Schriftsteller war, ließ er den zweiten und veränderten Vornamen als Teil des Familiennamens eintragen.

Gustav Hedenvind-Eriksson, Gästabudet, LTs förlag, 1966

Bereits als Kind begeisterte sich Gustav Hedenvind-Eriksson für die Sagen, die ihm der Großvater erzählte und da er die Neigung der Mutter geerbt hatte, die in der Jugend davon geträumt hatte Schriftstellerin zu werden, fühlte sich der Junge zur Literatur und zur Musik hingezogen, was zu starken Konflikten mit seinem Vater führte, der einen Spielmann oder Poeten als betrunkenen Hurensohn betrachtete. Bereits als Kind verhinderte er daher, dass sich der Sohn zu viel in der Schule sehen ließ und mit zehn zwang er ihn als Holzfäller und Knecht für ihn zu arbeiten.

Mit 15 riss dann Gustav Hedenvind-Eriksson die Geduld und es kam zu einer schlagkräftigen Auseinandersetzung mit seinem Vater. Gustav gewann den Kampf, packte seine Sachen und verließ den Hof um in den Folgejahren seinen Unterhalt als Waldarbeiter, Seemann, Bergmann und Eisenbahnarbeiter zu verdienen. Hedenvind-Eriksson bereiste bei diesen Arbeiten nicht nur den nördlichen Teil Skandinaviens, sondern auch die USA und den Kongo.

Die Wende kam für Gustav Hedenvind-Eriksson im Jahre 1903, als er gerade einmal 23 Jahre alt war, denn er bekam die Möglichkeit seine Schulbildung an der Birka Folkhögskolan bei Östersund nachzuholen. Dort hatte er, unter anderem, den Archäologen Knut Kjellmark als Lehrer, der ihn nicht nur mit zu Ausgrabungen aus der Zeit der Wikinger nahm, sondern in ihm auch das Interesse für die Archivarbeit des Jämtlands wecken konnte. Während der Schulzeit entwickelte sich Hedenvind-Eriksson zu einem überzeugten Sozialdemokraten, der wusste wie er die Rechte der Arbeiter vertreten konnte und er näherte sich der Literatur indem er an der Zeitschrift der Schule mitarbeitete.

Mit seinem Buch Ur en fallen skog trat Gustav Hedenvind-Eriksson im Jahre 1910 erstmals als Schriftsteller an die Öffentlichkeit, einem Roman, der die großen Forstbetriebe anklagt seit Ende des 19. Jahrhunderts rücksichtslos die Wälder auszubeuten und dabei den Bewohnern des Jämtland die Tradition, die Landwirtschaft und ihre gesellschaftliche Struktur zu nehmen. Auch wenn der Schriftsteller bei diesem Buch auch einen gewissen romantischen Einschlag bewahrt, so zeigt er sich dennoch als Kämpfer für die Erhaltung der Kultur und spricht sich gegen die Ausbeutung der Waldarbeiter und gegen die Unterdrückung der Bauern aus.

Eines der wichtigsten Themen für Gustav Hedenvind-Eriksson ist die Konfrontation zwischen schwedischer Landwirtschaft und Industrialisierung, wobei der Autor hierbei die Industrialisierung nicht unbedingt als Feind sieht, sondern dass diese von einer relativ kleinen Schicht in der Hand gehalten wird, was zwangsläufig dazu führt, dass der Arbeiter, und noch mehr der Landwirt, der immer mehr von seinen Gütern verdrängt wird, zum Sklaven der Industrie gemacht wird. Vieles davon ist nicht wissenschaftlich begründet, sondern Hedenvind-Eriksson holt es aus seiner Erfahrung als Arbeiter, seinen Beobachtungen und seinen Gesprächen mit der einfachsten Schicht der Bevölkerung. Aber gerade diese Tatsache gibt seinen Büchern die Stärke und verleiht ihnen Glaubwürdigkeit, wenn auch zum Nachteil seiner Karriere, denn diejenigen, die seine Bücher kaufen würden können oft nicht lesen und sind zu arm für ein anderes Werk als die Bibel und die gehobene Schicht will mit dem schreibenden Arbeiter, der sie der Ausbeutung anklagt, wenig zu tun haben.

Auch wenn die Kritiker die Bücher von Gustav Hedenvind-Eriksson lobten, so gelang es dem Schriftsteller nie davon zu leben. Aber er wurde ein Symbol für die damals junge Schicht der Arbeiterliteraten wie Ivar Lo-Johansson, Lars Ahlin und Eyvind Johnson. Lo-Johansson organisierte sogar eine Geldsammlung, damit sich Hedenvind-Eriksson zu seinem 50. Geburtstag eine kleine Landwirtschaft kaufen konnte, auf der die gesamte Familie arbeitete um sich ernähren zu können. Auf diesem kleinen Hof entstand auch sein En bondes dagbok, das im Jahre 1937 erschien und die Schaffung von Kooperativen fordert, die Chance des Überlebens für den kleinen Landwirt.

Gustav Hedenvind-Eriksson griff zur Arbeiterliteratur bevor diese literarische Gattung als solches geboren war. Er war daher ein Pionier als literarischer Sprecher der Arbeiter Schwedens, der eine ganze Schicht an Literaten beeinflusste. Sein Stil war einfach, denn der Schriftsteller hatte nie eine literarische Ausbildung erhalten, sondern er kam als Autodidakt ans Schreiben und verkehrte die erste Hälfte seines Lebens unter Arbeitern und Bauern, die sein Denken und Schaffen beeinflussten.

Literaturwissenschaftler kritisieren oft, dass Gustav Hedenvind-Eriksson ständig Stilbrüche begeht, keine klare literarische Linie geht und vergessen dabei, dass ein Teil dieser Brüche vom Autor bewusst begangen wurden, denn für ihn musste ein Gedicht nicht den Regeln der gebildeten Elite folgen und ein Buch nicht den Vorschriften der Svenska Akademien, sondern es sollte die Persönlichkeit des Autors beinhalten ohne von künstlich gesetzten Grenzen eingefangen zu werden. Hedenvind-Eriksson war ein volkstümlicher Erzähler, eine Eigenschaft, die man auch in all seinen Werken finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin

25 februari 2013

Ludvig Nordström und das Paradies in Nordschweden

Ludvig Nordström, allgemein als Lubbe Nordström bekannt, wurde am 25. Februar 1882 als Sohn des Bankkaufmanns Oscar Anshelm Nordström und dessen Frau Mary Sarah Parfitt in Härnösand geboren und starb am 15. April 1942 in Stockholm. Nordström war in erster Ehe mit Freiherrin und Schriftstellerin Marika Stiernstedt (Maria Alexandra Sofia Stiernstedt) verheiratet und in zweiter Ehe mit Gunborg Eugenia Viktoria Molin.

Die Kindheit verbrachte Ludvig Nordström in Härnösand, wobei seine Mutter 1880 als Gouvernante aus England gekommen war und als extrem pedantisch bezeichnet wird. Auch wenn die Familie zu den einflussreichsten in Härnosand gehörte, so kann man den Schriften Nordströms entnehmen, dass Gefühle innerhalb der Familie nie aufkamen, da sich alles auf das Leben in der gehobenen Schicht konzentrierte.


Nach der Hochschulreife in Härnösand schrieb sich Ludvig Nordström 1901 an der Universität Uppsala für Literaturgeschichte ein, ohne sich jedoch sonderlich für das Studium zu interessieren, sondern sich mehr dem Vergnügen hinzugeben. Bereits 1902 gab er seine Studien in Uppsala ganz auf und Nordström kehrte zurück in seine Heimatregion. Noch im gleichen Jahr fand er eine Anstellung als Journalist bei der Sundsvalls tidning.

Während seiner Arbeit bei der Sundsvalls tidning wuchs bei Ludvig Nordström das Verlangen nach einer „würdigeren“ Arbeit und er entschloss sich sehr bald Schriftsteller zu werden, wobei hier auch seine Bekanntschaft mit dem nordschwedischen Dichter Olof Högberg eine gewisse Rolle spielte und die Tatsache, dass Sundsvall zu dieser Zeit eine kulturell aufstrebende Stadt war. Bereits 1903 hatte Nordström auch sein erstes autobiographisches Manuskript Unga människor fertiggestellt, das jedoch nicht gedruckt wurde.

Die literarische Karriere von Ludvig Nordström begann im Sommer 1905, als er von Ulvön aus mehrere Reportagen für die Västernorrlands allehanda schrieb, aber auch gleichzeitig Stoff für seine ersten beiden Werke Kains land, das 1906 erschien, und die Novellensammlung Fiskarna, das 1907 veröffentlicht wurde, suchte.

Bereits im ersten Buch verarbeitete Ludvig Nordström die Motive und das Leben im Norrland, eine Thema, das er bis zum seinem Lebensende immer wieder aufnahm, wobei der Schriftsteller seinen Lesern vor allem in seinen ersten Werken einen tiefen Einblick in die industrielle Entwicklung und das bürgerliche Leben Nordschwedens bietet. Man spürt dabei, dass Nordström an die Zukunft Nordschwedens glaubt, an Unternehmer mit neuen Ideen, die der gesamten Bevölkerung Wohlstand bringen werden. Nordström setzt dabei das moderne sozialdemokratische Sundsvall dem konservativen Öbacka (Härnösand) gegenüber, das die Zukunft auf Grund der konservativen Haltung verpasst.

Ab 1920 geht Ludvig Nordström dann in seinen Büchern immer mehr zum Reportageroman über, beginnt aber gleichzeitig, als überzeugter Sozialdemokrat, sich den Arbeitgebern zu nähern und ihre Einsätze positiv hervorzuheben. Als dann Ende der 30er Jahre das Sterben der Industrie in Nordschweden beginnt, so kehrt Nordström zum Journalismus zurück, vor allem zum Radio, und klagt vor allem Stockholm an Nordschweden durch sein kapitalistisches Denken zu zerstören. Diese Theorien findet man auch in seinen Reportageromanen Planeten Markattan aus dem Jahre 1937 und vor allem im Buch Bolsjeviken Stockholm, das Nordström bereits zwei Jahre vorher veröffentlicht hatte.

Da sich Ludvig Nordström in erster Linie für die Entwicklung Nordschwedens interessiert, jedoch weder zu einer klaren Gesellschaftsschicht gehört, immer wieder unter Halluzinationen leidet und stark zum Alkohol neigte, bleibt seine Linie in seinen Werken nicht einheitlich und schon ab den 20er Jahren zeigt sich ein paradoxes Verhalten, denn als einer der wenigen linken Literaten der Zeit sieht er bei den Arbeitgebern ein vorbildliches Verhalten und er zeigt ein Misstrauen gegen revolutionäre Figuren der Arbeiterbewegung. Nordström lässt sich hierbei von der ideellen Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts leiten und sieht die Unternehmer in der Umgebung Sundsvalls eher als Wohltäter, die nur vom Süden Schwedens, vor allem Stockholm, ausgebeutet werden.

Das bedeutendsten Werk von Ludvig Nordström wird dann jedoch seine Reportage im Radio, die unter Lort-Sverige ab 1938 landesweit übertragen wird und im gleichen Jahr von Bonniers in Buchform auf den Markt kommt. Nordström ist für diese Reportage 48 Tage lang unterwegs, durchstreift 11.000 Kilometer und erstellt damit eine Sozialreportage, die mit den Arbeiten von Ivar Lo-Johansson zu vergleichen sind, auch wenn Nordström die Gesellschaft weniger neutral betrachtet als Lo-Johansson, denn Nordström sieht die Engstirnigkeit und den Betrug im Süden Schwedens und die ideale Gesellschaft nur im Norden, so dass er Kiruna mit seinen Bergwerken sogar als det nyaste Sverige hervorhebt und er die Gesellschaft Skånes nahezu als dekadent betrachtet. Dass seine Reportage zudem noch als antisemitisch betrachtet werden muss, verhinderte jedoch nicht, dass dieses Werk in ganz Schweden diskutiert wird und den Autor im ganzen Land bekannt macht.

Copyright: Herbert Kårlin

23 februari 2013

Ivar Lo-Johansson, ein Pfeiler der Arbeiterliteratur Schwedens

Ivar Lo-Johansson (eigentlich Karl Ivar Loe) wurde am 23. Februar 1901 als Sohn des landwirtschaftlichen Arbeiters Johan Gottfrid Jansson, einem sogenannten Statare, und dessen Ehefrau Anna Lovisa Andersdotter in Ösmo geboren und starb am 11. April 1990 in Stockholm. Lo-Johansson war nie verheiratet, hatte jedoch mehrere längere Liebesverhältnisse mit bedeutenden Frauen, unter anderem der Schriftstellerin Sara Lidman, der Lyrikerin Ann Smith und der Freiherrin Ingrid Stiernblad. Alle diese Verhältnisse verarbeitete der Autor in seinen Büchern.

Seine Kindheit verbracht Ivar Lo-Johansson in ärmlichen Verhältnissen an verschiedenen Orten. Nach sieben Jahren in der Volksschule schien die Ausbildung des Schriftstellers zu Ende zu sein. Seine tatsächliche Bildung erwarb er daher weitaus später an der Volkshochschule, wo er sich nicht nur für die schwedische Sprache und Geschichte interessierte, sondern auch im Privatunterricht Französisch lernte.


Auch wenn Ivar Lo-Johansson sich schon sehr früh entschieden hatte Journalist oder Schriftsteller zu werden, so musste er sich sein Geld erst als Landarbeiter verdienen und, als er mit Mitte 20 nach Stockholm zog, sich mit den unterschiedlichsten Arbeiten über Wasser halten. Der Schriftsteller arbeitete im Steinbruch, versuchte sich als Bildhauer und nahm nahezu jeden Gelegenheitsjob an, der sich bot. Parallel dazu arbeitete er jedoch an seinem ersten Buch.

Im Jahre 1927 erschien mit Vagabondliv i Frankrike das erste Buch von Ivar Lo-Johansson, eine Reiseschilderung von einer Fahrt nach Frankreich, die Lo-Johansson mit 19 oder 20 unternommen hatte. Bereits in diesem Werk findet man die Züge des Arbeiterschriftstellers, der nicht die Schönheit des Landes lobt, sondern in Form eines Reiseberichts das Leben der Bauarbeiter und Bauern Frankreichs schildert. Der Autor plant dieses Thema als Serie auszubauen und in gleicher Weise auch über alle anderen europäischen Länder zu schreiben. Letztendlich besteht diese Reihe dann jedoch nur aus fünf Büchern und endet mit Nederstigen i dödsriket, der Welt der Armen Londons, und Zigenare. En sommar på det hemlösa folkets vandringsstigar, die beide 1929 erscheinen und das Ergebnis seiner Reportagereisen nach Ungarn, Frankreich und England sind.

Nach mehreren Romanen und Novellen aus dem Arbeiterleben und dem Landleben beginnt Ivar Lo-Johansson seine bedeutendsten Werke zu schreiben, die ihn zu einem Vorbild zahlreicher Arbeiterliteraten machen und in ihrer Stärke des Ausdrucks kaum ihresgleichen finden.

Mit seinem Roman Godnatt, jord begann Ivar Lo-Johansson im Jahre 1933 über die Situation der Statarna zu schreiben, über die Landarbeiter, die vor allem im südlichen Schweden üblich waren und einen nicht geringen Teil ihres Lohnes in Form von Naturalien ausbezahlt bekamen, Verträge nur für jeweils ein Jahr erhielten und teilweise wie Leibeigene behandelt wurden. Lo-Johansson beleuchtet in diesen Büchern auch Randprobleme, denn in Kungsgatan folgt er Jugendlichen, die in Stadt entkommen wollen und dort ihr Glück machen wollen und in Bara en mor taucht man in das Leben der Ehefrauen des Statare und erlebt ihre Träumen, die bei dem harten Leben zu Bruche gehen. Bara en mor öffnete dem Schriftsteller eine breite Leserschicht, was letztendlich auch dazu führte, dass diese Art der Ausbeutung 1944 in Schweden verboten wurde.

Mit seinem Roman Geniet im Jahr 1947 geht Ivar Lo-Johansson dann dazu über aus seinem Leben zu erzählen, wobei Geniet noch ein Übergangswerk ist und vor allem von der Einsamkeit des Schreibens handelt, ein Buch das die Isolation beschreibt in die ein Arbeiter gerät wenn er sich im Bereich der literarischen Bourgeoisie bewegt und den Weg nach Oben beschreiten will, einer Welt, wo nicht Wissen und Genie entscheiden, sondern Herkunft und Beziehungen. Ohne den Begriff Mobbing zu kennen, schildert der Schriftsteller hier eine Situation, die heute als Politikum betrachtet wird.

Nur vier Jahre später beginnt Ivar Lo-Johansson mit Analfabeten einer achtbändige Reihe an Romanen, die man als Autobiographie des Schriftstellers betrachten kann und von seiner Kindheit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führt, wobei der letzte Band Proletärförfattaren kein Roman mehr wird, sondern eine Zusammenfügung verschiedener Erinnerungen, die romantechnisch keinen anderen Platz fanden. Diese Bände werden zwischen 1978 und 1985 durch die vierbändigen Memoiren ergänzt, die unter den Titeln Pubertetet, Asfalt, Tröskeln und Frihet erscheinen.

Eine Sonderstellung im literarischen Schaffen von Ivar Lo-Johansson nehmen die sieben Bände ein, die unter Passionssviten zwischen 1968 und 1972 erschienen, denn der Schriftsteller greift hier nicht zu seiner üblichen Romanform, sondern veröffentlicht 100 Novellen, die die Passionen und Laster der Menschheit schildern. Da er hier jedoch nicht nur über Machthunger und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft schreibt, sondern auch die Erotik und die erotischen Träume eine wichtige Rolle einnehmen, wird der Autor als sittenverderbend betrachtet und die Passionssuite wird nahezu verschwiegen, wodurch die schwedische Gesellschaft ihre Doppelmoral zeigt, da Lo-Johansson nur aus dem tatsächlichen Leben schöpft.

Ivar Lo-Johansson ist der typische Vertreter der schwedischen Arbeiterliteratur des 20. Jahrhunderts, dem es auf die Verbesserung der Gesellschaft ankam und der sich nicht einem Parteisystem unterordnete. So wie er erst gegen das System der Statarna kämpfte, so setzte er sich in den 50er Jahren für ältere Menschen ein, die in Altersheimen versteckt wurden und in der Misere auf den Tod warteten. Durch seine Bücher und Artikel in Zeitschriften konnte er vieles ändern indem er das Volk auf Missstände aufmerksam machte. Und Lo-Johansson war glaubwürdig, denn er er war einer unter den Arbeitern, der über das schrieb, was er selbst erlebt hatte oder mit eigenen Augen gesehen hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

6 februari 2013

Rudolf Värnlund, der unverstandene Arbeiterliterat

Rudolf Värnlund wurde am 6. Februar 1900 in sehr einfachen Verhältnissen in Stockholm geboren und starb am 16. Februar 1945 im Alter von 45 Jahren in Österskär. Värnlund wuchs im Stockholmer Schule begann der Schriftsteller vor allem im kaufmännischen Bereich zu arbeiten, verdiente seinen Lebensunterhalt jedoch auch als Arbeiter, insbesondere als Drucker.

Rudolf Värnlund war sehr früh in der jungsozialistischen Vereinigung aktiv und lernte dort im Jahre 1919 den gleichaltrigen Arbeiterschriftsteller Eyvind Johnson kennen, was für seine zukünftige Entwicklung als Schriftsteller eine maßgebliche Bedeutung hatte, auch wenn Värnlund nicht die anarchistische Stellung Johnsons einnahm, sondern an den Weg des Sozialismus glaubte, der durch Übereinkommen und Verhandlungen möglich ist.


Das gemeinsame Interesse zwischen Rudolf Värnlund und Eyvind Johnson beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Ideen zur Arbeiterbewegung des Landes, sondern sie gingen auch literarisch parallele Wege, was sich daran ausdrückte, dass sie von Beginn an und bis zum Tode Värnlunds einen regen Briefwechsel unterhielten, der als eine Mischung zwischen Briefen und einem literarischen Werk betrachtet werden kann und in die Denkweise beider Autoren einführt.

Im Jahre 1920 gaben Adolf Värnlund, Eyvind Johnson und Ragnar Holmström die Literaturzeitschrift Vår nutid heraus, die allerdings nur kurze Zeit überlebte. Während der 20er Jahre hielt sich Värnlund längere Zeit in Berlin, Paris und Barcelona auf, einer Zeit, in der er nicht nur literarisch zu arbeiten begann, sondern sich auch einen Überblick über die sozialistische Bewegung in diesen Ländern machte.

Bei seinen Reisen machte Rudolf Värnlund auch Bekanntschaft mit der Psychologie, die ihn faszinierte und bis dahin in Schweden kaum bekannt war. Die neuen Ideen, die der Autor jedoch aus anderen Ländern mitbrachte, führten zu Spannungen im sozialistischen Ungdomsklubb, den er letztendlich wegen seinem modernen Denken verlassen musste, da man dort nach einem rein schwedischen Weg suchte. Dank seines Freundes Frithiof Björkman konnte Värnlund jedoch weiterhin für die Zeitung Studiekamraten arbeiten, in der er eine bedeutende Kulturarbeit leistete.

Bereits die Novellensammlung Döda människor, das erste von 24 Büchern, die Rudolf Värnlund innerhalb von 20 Jahren schrieb, zeigt die Stärke des Autors, da er als Arbeiterliterat nicht nur die Probleme der Arbeiter und des „kleinen“ Menschen einarbeitet, sondern versucht das psychologisch Zwangsverhalten der einzelnen handelnden Personen zu integrieren. Leider war Värnlund in diesem Punkt seiner Zeit voraus, denn für die Leser waren seine ersten Bücher, aber auch seine ersten Theaterstücke vollkommen unverständlich, da niemand daran gewöhnt war sich über den Inhalt und den Ablauf eines Buches wirklich Gedanken zu machen und das Kollektivverhalten innerhalb der verschiedenen Gruppen einer Gesellschaft zu verstehen.

Ein weiteres Problem dieser ersten Werke von Rudolf Värnlund war auch, dass der normale Arbeiter nur ein Minimum an Bildung besaß und daher nicht nachvollziehen konnte welche Rolle der Einzelne innerhalb einer kollektiven Gesellschaft, die bereits bei Familie oder dem Mietshaus beginnt, spielt. Die Tragweite zahlreicher Werke des Autors wurde daher erst nach seinem Tod wirklich verstanden, was auch dazu führte, dass mehrere seiner Bücher in den 80er Jahren neu aufgelegt wurden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt mehr als Kulturgeschichte betrachtet werden mussten und die Aktualität der 30er Jahre verloren hatten.

Außer seinen 24 Büchern unter denen man auch zwei autobiografische Werke findet, schrieb Rudolf Värnlund auch zahlreiche Theaterstücke und Hörspiele. Aber auch mit seinen Theaterstücken, die sehr deutlich die Probleme zwischen entscheidender politischer Gesellschaft und unterdrücktem Arbeiter zeigen, einer Dialektik, die den Autor permanent beschäftigte, hatte der Autor erst nach seinem Tode wirklich Erfolg, denn sie wurden vor allem in den 50er Jahren auf den nicht elitären Bühnen Schwedens gespielt.

Eine Ausnahme war gewissermaßen das Drama U 39 von Rudolf Värnlund, das als eines der ersten pazifistischen Theaterstücke Schwedens bezeichnet werden kann und den Frauenwiderstand gegen Krieg im allgemeinen schildert. Natürlich musste das Dramaten das Stück im Jahr 1939 ablehnen, aber Ingmar Bergman war so davon beeindruckt, dass er es 1943 als eine seiner ersten Realisationen im Dramaten präsentierte, noch während der Zweite Weltkrieg in Gang war. Durch den Erfolg des Stückes entstand 1952 auch der Film Ubåt 39, wobei der Manuskriptschreiber Värnlund und sein Drama leider nicht verstanden hat, auch wenn der Film einen gewissen Erfolg hatte.

Rudolf Värnlund kann als Autor auch als eine Art Visionär betrachtet werden, der gleichzeitig das Problem der heutigen Sozialdemokratischen Partei selbst erlebte. Värnlund erkannte das Problem, dass eine Parteiführung denken muss wie seine Wähler und nicht eine eigene „höhere“ Rolle spielen darf, die mit ihren Gedanken und Ausdrücken weit über den Arbeitern steht. Aber so wenig wie Värnlund diese Annäherung wirklich schaffte, so wenig können es die Sozialdemokraten, ein Problem, auf das Värnlund in den 30er Jahren bereits aufmerksam machte.


Copyright: Herbert Kårlin

30 januari 2013

Erik Lindorm, ein Anarchist wird zum Schriftsteller

Erik Lindorm wurde am 20. Juli 1889 als Sohn des Lagermeisters im Weinhandel Gustaf Jonsson und dessen Frau Edla Maria Berglund in Stockholm geboren und starb am 30. Januar 1941 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Lindorm war seit August 1910 mit Elin Marta Magdalena Berg verheiratet.

Seine Kindheit in kleinbürgerlichem Milieu verbrachte Erik Lindorm in Stockholm, in Gävle und Blekemåsa in Skåne, da sein Vater beruflich viel unterwegs war. Die Realschule besuchte besuchte Lindorm auf Norrmalm in Stockholm. Schwierigkeiten mit seinem Vater verursachten jedoch, dass Lindorm sein Elternhaus bereits 1904, im Alter von 15 Jahren, endgültig verließ um sich selbst zu versorgen.


Ab 1904 versorgte sich Erik Lindorm durch Schreiben, wobei er im ersten Jahr vor allem im Journalismus arbeitete, ab 1905 jedoch beim neu gegründeten Såningsmannen begann, wo er außer kleineren journalistischen Artikeln vor allem auch Gedichte und längere Sagen schrieb und bei dieser Gelegenheit auch den Namen Jonsson in das Pseudonym Lindorm benannte, einer Straße an der er als Kind längere Zeit gewohnt hatte. Im Jahre 1916 ließ er dann diesen Namen auch offiziell als seinen Familiennamen eintragen.

Sehr früh kam Erik Lindorm in Kontakt mit der schwedischen Arbeiterbewegung, die um diese Zeit mehr und mehr Fuß in Schweden fasste und ab 1906 schrieb er für die humoristische Zeitschrift Karbasen, dann für den Social-Demokraten und ab 1907 für das jungsozialistische Organ Brand. Vor allem in Brand zeigte sich Lindorm als Freidenker und Atheist, der im Kampf mit der bürgerlichen Gesellschaft, der Kirche und selbst der bereits etablierten Schicht der Sozialdemokraten war. In dieser Zeit tauchte ein weiteres Pseudonym des Journalisten und Schriftsteller auf, nämlich Erik Väderhatt, einen Namen, der er später wieder ablegte.

Da sich Erik Lindorm in keine rein parteisozialistische Richtung kritiklos eingliedern wollte, musste er 1911 Brand verlassen, um jedoch bereits ein Jahr später, gemeinsam mit dem Zeichner Ivar Starkenberg, eine eigene Zeitschrift unter dem Titel Naggen auf den Markt zu bringen, die bei sporadischer Erscheinungsweise bis 1922 veröffentlicht wurde und dem deutschen Simplicissimus nachempfunden war und während des ersten Weltkriegs das bekannteste Satireblatt Schwedens wurde.

Neben seinen Veröffentlichungen in den verschiedensten linken Medien Schwedens war 1908 auch der erste Gedichtband von Erik Lindorm erschienen, der den Titel Bubblor från botten hatte und eigentlich nahezu unbemerkt blieb. Erst seine Gedichtsammlung Tal till mitt hjärta aus dem Jahre 1912 wurde dann von Kritikern und Lesern entdeckt, was wegen dem Erfolg des Bandes auch dazu führt, dass sich der Verlag Bonniers um den Autor zu kümmern begann und ab diesem Band zu seinem Verleger wurde. Zahlreiche Gedichte dieses Bandes sprechen bereits von der Kürze des Lebens und zeigen, dass dem Autor die Zeit davonzurennen scheint.

Erik Lindorm teilt ab dieser Epoche seine Zeit zwischen der Arbeit eines Journalisten, eines Poeten und eines Schriftsteller, wobei er ab 1924 in der Tageszeitung SvD (Svenska Dagbladet) vor allem zu aktuellen Ereignissen Stellung nimmt und ab 1929 im Vecko-journalen als sehr konservativer Theaterkritiker Einfluss auf den Geschmack der Leser zu nehmen versucht. Dies muss man auch im Zusammenhang damit sehen, dass Lindorm in den 20er und Anfang der 30er Jahre selbst Theaterstücke wie Moloch, Rötmånad, Röda Dagen oder Domaredansen schrieb, die jedoch keinen größeren Einfluss auf die Dramaturgie Schwedens ausübte.

In den 30er Jahren entwickelte Erik Lindorm eine für Schweden völlig neue Art des Buches, den sogenannten Bokfilmen. Der Schriftsteller und Journalist verband hier verschiedenste Zeitungsartikel mit Bildern um eine Chronik der Gegenwart zu schaffen. Die vielleicht bedeutendsten Werke dieser Reihe waren die Bücher zum 75. Jahrestag von Gustav V., jenes über Selma Lagerlöf und das Buch über Oscar II.

Seine sehr umfassende publizistische Aktivität ergänzte Erik Lindorm mit der Herausgabe von Anthologien, Übersetzungen und weiterhin als Theaterkritiken, was ihm zu einem sehr gutem Einkommen verhalf, aber den Niedergang des Schriftstellers nicht verhindern konnte, denn mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus, der auch in Schweden sehr bedeutend war, gab er die Abstinenz auf und griff zum Alkohol. Lindorm sah seine Ideen der Freiheit mit der nationalistischen Bewegung verschwinden und bemerkte kaum, dass mit seiner depressiven Stimmung und dem Alkohol auch das Familienleben sehr stark auf die Probe gestellt wurde. Die politische Entwicklung und seine Ängste drückte Lindorm am deutlichsten mit seinem Gedichtband Dikter aus, das Bonniers im Jahr seines Todes veröffentlichte.

Copyright: Herbert Kårlin

25 januari 2013

Torsten Fogelqvist und die Begegnung mit der Arbeiterbewegung

Torsten Fogelqvist wurde am 25. Januar 1880 als Sohn des Priesters Johan Peter Fogelqvist und dessen Frau Teodolinda (Linda) Corona Salvén in Lidköping geboren und starb am 23. Januar 1941 in Smedjebacken (Norrbärke) in Dalarna. Fogelqvist war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Alice Carin Ringborg und in zweiter Ehe mit Jeanna Cecilia (Cissi) Gunther.

Während der Kindheit zählte für Torsten Fogelqvist nur der Ablauf des Kirchenjahres mit allen Traditionen, die damit zusammenhängen und ein streng religiöses Leben. Es war daher nicht verwunderlich, dass sich der Schriftsteller bereits ab der Zeit im Gymnasium, nicht zuletzt auch unter dem Einfluss der Bücher von Viktor Rydberg und der Diskussion um den Dreyfus-Prozess, von der Religion und dem klassischen Denken abwandte und sich dem Liberalismus öffnete.


Nach der Reifeprüfung in Norrköping im Jahre 1898 begann Torsten Fogelqvist ein Studium an der Universität Uppsala, wobei er sich dort sehr bald beim studentischen Verein Verdani engagierte, der die kulturelle Debatte an der Hochschule aufrecht hielt. In dieser Zeit näherte sich der Autor auch der Gedankenwelt von Hans Larsson und Ellen Key, deren Beiträge er geradezu verschlang.

Aus finanziellen Grünen, aber auch aus Mangel an wirklichem Engagement, schloss Torsten Fogelqvist nach seinem Studium der nordischen Sprachen, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte seine Abhandlung für eine wissenschaftliche Karriere nie ab und arbeitete ab 1905 für einige Jahre als Lehrer und begann in Ludvika eine lokale politische Karriere.

Da Torsten Fogelqvist in der neu gegründeten Volkshochschule Brunsvik angestellt wurde, der Schmiede der Arbeiterbewegung Schwedens, musste er als erstes sein bisheriges Denken neu definieren, denn seine Schüler kamen aus Arbeiterfamilien und betrachteten die Geschichte nicht auf die gleiche Weise wie die Bürgerschicht in der Fogelqvist bis dahin verkehrte. Vieles was für den Autor eine Selbstverständlichkeit war, war seinen Schülern völlig unbekannt. In dieser Zeit kam Fogelqvist auch in Kontakt mit der Tagespresse und erfuhr welche Bedeutung diese Publikationen für die Masse hatten, die in vielen Fällen, außer der Bibel, noch nie ein Buch in der Hand hatte.

Dies führte letztendlich auch dazu, dass Torsten Fogelqvist in der Tagespresse seine Theorien zur Volksbildung und der kulturellen Entwicklung Schwedens zuerst verbreitete. Als Fogelqvist daher gefragt wurde, ob er erst für die Afton-Tidningen und dann für die Dagens Nyheter arbeiten wollte, griff er sofort zu und entwickelte sich zu einem der ersten Journalisten, der es verstanden die Ideen der Arbeiterbewegung mit der gesellschaftlichen Entwicklung, über die die Oberschicht entschied, zu verbinden. Als liberaler Denker war Fogelqvist der Meinung, dass nicht die offizielle Wählermeinung der damaligen Zeit entscheiden durfte, sondern die Mehrheit der Bürger, was seiner Meinung nach, in einer Art kultureller Revolution geschehen musste.

Als Journalist legte Torsten Fogelqvist seinen Schwerpunkt immer auf eine literarische Diskussion und sah seine Aufgabe darin das humanistische Ideal nach Verner von Heidenstam und Erik Axel Karlfeldt an eine möglichste breite Masse zu verbreiten. Der Autor sah die Aufgabe eines Journalisten darin den Leser durch schöngeistige Literatur auf den rechten Weg zu bringen, wobei sich Fogelqvist mit den Jahren jedoch immer weiter von der Arbeiterbewegung entfernte und ab den 30er Jahren eher zu einer konservativ liberalen Meinung kam, der sich neuen Einflüssen verschloss, da diese die historischen Schönheitswerte durch einen steigenden Realismus zerstörten.

Auch wenn Torsten Fogelqvist immer wieder als Verfasser von Psalmen genannt wird, so hat er selbst nie Psalmen geschrieben, sondern lediglich an der Herausgabe des neuen Psalmbuches des Jahres 1937 aktiv mitgewirkt und einige Texte modernisiert und der Zeitströmung angepasst.

Durch seine journalistische Tätigkeit, der man eine bedeutende Aufmerksamkeit schenkte, sind die literarischen Werke von Torsten Fogelqvist nahezu untergegangen, denn während viele Schweden noch seine Werke zu aktuellen Tagesthemen kauften, so war kaum bekannt, dass Fogelqvist einige bemerkenswerte Gedichtbände wie På vaxtavla (1912) oder Sånger till den förlorade skönheten (1915) veröffentlichte und Memoiren zu seiner Kindheit und seiner Jugend herausbrachte. Auch die Essaysammlungen, die Biographien bedeutender Persönlichkeiten und die Reiseschilderungen der verschiedensten kulturellen Zentren Europas, die hervorragende Zeitdokumente des Beginns des 20. Jahrhunderts sind und durch eine sehr reiche Bildsprache überzeugen, hatten nie den verdienten Erfolg und nehmen in der schwedischen Literatur nur eine Nebenrolle ein.

Torsten Fogelqvist wurde 1927 Ehrendoktor der Universität Uppsala und 1931 in die Svenska Akademien gewählt, wo er auf dem Stuhl Nummer 11 nach Erik Axel Karlfeldt Platz nahm über den er auch ein Biografie veröffentlichte.

Copyright: Herbert Kårlin

26 december 2012

Gunnar Kieri, der historische Autor des Tornedalen

Gunnar Kieri wurde am 31. Dezember 1928 in Kuivakangas in Övertorneå geboren und lebt heute in Jämtön bei Råneå, etwa 25 Kilomter nordöstlich von Luleå. Kieri gehört zur Gruppe jener nordschwedischer Autoren, die ihre Werke in finnischer Sprache schreiben, die jedoch ins Schwedische übersetzt werden und als schwedische Autoren betrachtet werden.

Wie auch andere Gegenwartsautoren, so spricht Gunnar Kieri offiziell nicht viel über seine Kindheit und seine Jugend. Als Bewohner des nördlichsten Teil Schwedens, der nach der Schule nicht in den südlicheren Teil Schwedens zog, ging Kieri sehr verschiedenen Berufen nach. Er arbeitete als Waldarbeiter, verdiente sein Geld in der Fabrik und wurde schließlich Chauffeur, Fotograf und Techniker. Der Beruf des Schriftstellers ging ursprünglich nicht in seine Pläne ein.


Erst 1972, im Alter von 43 Jahren erschien 1:a arbetskompaniet, Storsien, das Gunnar Kieri gemeinsam mit Ivar Sundström aus Piteå schrieb, eine Dokumentation über ein Internierungslager in Nordschweden in dem schwedische Kommunisten untergebracht wurden. Dieses historische Standardwerk wurde 1985 in erweiterter und vollkommen neu bearbeiteter Form erneut veröffentlicht.

Bereits zwei Jahre nach der Koproduktion erschient Gunnar Kieris historischer Roman Vi lovar att inte svika, der die Geschichte eines des wichtigsten Arbeiterstreiks in Kalix erzählt, einem Streik, dem sich 2000 Flößer anschlossen um ihre Gehälter nicht gesenkt zu bekommen und einer der ersten Siege der Arbeiterbewegung Schwedens wurde.

Auch in den bisher 15 folgenden Werken des Schriftstellers bleibt Gunnar Kieri überwiegend bei der als Roman verarbeiteten Geschichte des Tornedalen. Der Autor verarbeitet hier die sehr unterschiedlichsten Aspekte der Geschichte und geht dabei auch weiter in der Geschichte zurück, wie sein bisher letzter historische Roman Finnmarken brinner - Ruija pallaa zeigt, denn bei diesem Werk behandelt Kieri die Auswanderungswelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als ein Großteil der Bewohner des Tornedalen in Norwegen das Glück suchten.

Kein anderer Schriftstellers Schwedens hat bisher soviel über das Tournedalen geschrieben wie Gunnar Kieri, wobei der Autor auch die Probleme der Sprache, der Arbeiterbewegung und die verschiedenen Orte unter den verschiedensten Aspekten beleuchtet und sich im Laufe seines Lebens nahezu zu einem Geschichtsforscher entwickelte, was seine Bücher bis heute aktuell erscheinen lässt.

Eine Sonderrolle im schriftstellerischen Schaffen Gunnar Kieris nehmen die vier autobiografischen Romane Av dig blir det ingenting, Jag ska ändå inte stanna, Varför skulle jag ljuga und Är han inte svensk? ein, eine Reihe in der die Probleme einer finnischsprachigen Bevölkerung von einem in Stockholm geführten Land am deutlichsten zu Tage treten, wo ein Teil der schwedischen Bevölkerung zu Ausgestoßenen erklärt wird und Stockholm die schwedische Geschichte neu schreiben will. Auch wenn die Bücher die Entwicklung der 30er und 40er Jahre beschreiben und die Geschichte der Hauptfigur Lars in den 60er Jahren endet, so haben sich bis heute nur Kleinigkeiten geändert, denn auch wenn die Minoritätensprache nun offiziell anerkannt wurde, so wird über das Land nach wie vor nur in Stockholm entschieden.

Gunnar Kieri hat während der 43 Jahre in denen er bisher als Schriftsteller aktiv ist, immer wieder Themen gewählt über die man in Schweden immer noch nicht sprechen will. Das beeindruckendste Werk in diesem Sinne ist der im Jahre 1987 erschienene Roman Var som folk, eine Erzählung, die in den Arbeitshäusern Norrbottens spielt, die erst 1978 endgültig geschlossen wurden. Kieri nennt die Organisation dieser Arbeitshäuser, die 5500 schwedische Kinder erleben mussten, als den größten organisierten Kindesmisshandlung die je in Schweden existierte, da in diesen als Schulheimen getarnten Anlagen Kinder systematisch misshandelt wurden und die Arbeit Erwachsener leisten mussten.

In den Werken von Gunnar Kieri erlebt der Leser die Entwicklung Nordschwedens vom Beginn der schwedischen Eroberung und Eingliederung des nördlichsten Teil des Landes vom 17. Jahrhundert bis heute, eine Entwicklung, die von einem freien Land zum Standardschweden führen soll. Diese Entwicklung druckt sich bei Kieri auch darin aus, dass er seine Werke in Finnisch schreibt, der ursprünglichen Sprache des Volkes des Tornedalen.

Copyright: Herbert Kårlin

19 december 2012

Harry Blomberg und die religiöse Literatur des 20. Jahrhunderts

Harry Blomberg wurde am 19. Dezember 1893 als Sohn des Kaufmanns Lars Henrik Blomberg und dessen Frau Ottilia Carlsson in Strängnäs geboren und starb am 1. Februar 1950 in Borlänge. Im Jahre 1918 heiratete Blomberg Anna Hagström, die Tochter eines Fabrikanten.

Der Schriftsteller und Übersetzer Harry Blomberg besuchte von 1900 bis 1907 die Grundschule in Roslagen und Stockholm und arbeitete sich anschließend zum Typographen in Stockholm hoch. 1916 setzte er seine schulische Ausbildung in der Brunnsviks Folkhögskola in Ludvika fort, die stark mit der beginnenden freikirchlichen Arbeiterbewegung Schwedens in Verbindung gebracht wird, einer Schule, an der er, unter anderem, die Bekanntschaft mit Dan Andersson und Ragnar Jändel machte.


Da die Mutter von Harry Blomberg sehr früh starb, verbrachte Harry Blomberg den wichtigsten Teil seiner Kindheit und seiner Jugend bei einer Verwandten in Stockholm, wo er sich nie richtig wohl fühlte, jedoch eng mit der freireligiösen Bewegung Schwedens in Berührung kam, die ihn faszinierte. Als er daher 1916 die Volkshochschule in Ludvika besuchte, begegnete er der Freiheit in der Natur und wanderte durch Dalarna und durchstreifte das Lappland.

Als freikirchlicher Sozialist begann Harry Blomberg seine literarische Karriere im Jahre 1917 mit seinem ersten Gedichtband Fejd och famn, dem innerhalb der kommenden drei Jahren Sjöfolk och färdemän, Stora orons män, I revolutionstid und Kap Horn folgten. Als der vierte Lyrikband erschien, hatte Blomberg bereits ein Jahr lang für die Nya Norrland in Sollefteå gearbeitet und war eben erst Redakteur des Studiekamraten geworden, einer Volksbildungszeitschrift eines Studienzirkels des Bildungsverbands der Arbeiter.

Die Gedichte dieser ersten Jahre, wie auch die Romane Det glädjerika livet aus dem Jahre 1920 und Tiden och en människa, der ein Jahr später erschien, zeugen von einem extremen positiven Denken und hüllen die Freiheit in der Natur, das Leben des fahrenden Volkes und jenes der Seeleute in ein strahlendes Licht, zeugen aber gleichzeitig von der Verantwortung, die der Mensch gegenüber Gott und der Natur zeigen muss und sind geprägt von den Wanderungen und Erlebnissen des Dichters und Schriftstellers.

Ab den Werken, die Harry Blomberg in den 30er und 40er Jahren schreibt, spürt man deutlich, dass sich der Schriftsteller immer mehr den freireligiösen Strömungen des Landes unterordnet und das Freiheitsdenken einem christlichen Glauben Platz macht, der in geordneten Bahnen verläuft, auch wenn Blomberg weiterhin durch Schweden reist und noch drei Reisebeschreibungen veröffentlicht, wobei sein letztes Werk bezeichnenderweise im Jahre 1950 eine Landschaftsschilderung Dalarnas wird, der Landschaft, die er auch als erstes durchwandert hatte.

Auch wenn Harry Blomberg sein Leben lang der Arbeiterbewegung nahe stand, so legt er bei seinen rund 20 Werken, die er in den 30er und 40er Jahren veröffentlicht einen bedeutend größeren Wert auf die christliche Entwicklung und Bildung seiner Leser als vorher, unabhängig, ob es sich um Gedichte wie im Band Vi på jorden, einen Roman wie Paradisets port oder das Schauspiel Mikaels dag handelt, das in Helsingborg uraufgeführt und dort als eines der merkwürdigsten Theaterstücke betrachtet wurde, das dort je aufgeführt wurde. Blomberg zeigt sich bei diesen Werken als einer der bedeutendsten Befürworter der Oxfordgruppenbewegung, einer „urchristlich“ religiösen Erweckungsbewegung, die sich in den 30er Jahren in Schweden verbreitete und zur Gründung der Missionsgesellschaft Wallin (Wallinsamfundet) führte.


Eine besondere Rolle nimmt in diesem Rahmen das Buch Mannen som var kyrkorgel ein, das Harry Blomberg im Jahre 1945 schrieb und vom Wallinsamfundet veröffentlicht wurde, da diese Biografie über den Erzbischof und Dichter Johan Olof Wallin nur einen Teil der Persönlichkeit Wallins darstellt, da die Missionsgesellschaft und Blomberg dadurch eine klare Linie des konservativen Erweckungsbewegung untermauern wollten.

Neben seinen sehr zahlreichen Büchern, erschienen von Harry Blomberg auch sehr viele literarische Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, insbesondere in Ord och Bild. Zusätzlich übersetze der Schriftsteller mehrere Prosawerke des norwegischen Autors Knut Hamsun.

Copyright: Herbert Kårlin

16 december 2012

Henrik Menander, der Arbeiterdichter Skånes

Henrik Menander wurde am 12. Dezember 1853 als Sohn des Maurers Anders Henriksson und seiner Frau Ingår Nilsdotter in Fuglie in Skåne geboren und starb am 12. August 1917 nach längerer Krankheit in Malmö. Menander gehört zu den ersten Sozialdemokraten Schwedens und kann als der erste schwedische Arbeiterdichter betrachtet werden. Menander kam direkt aus der Arbeiterschicht und hatte keine höhere Bildung.

Wie in jener Zeit für Arbeiter üblich, begann Henrik Menander im Alter von 12 Jahren in einer Fabrik in Malmö zu arbeiten, sattelte jedoch bald darauf um und wurde Korkschneider. Bevor er dann im Jahre 1874 seine Gesellenprüfung ablegen konnte, zog er als Wanderbursche durch mehrere Länder um den Beruf wirklich gut kennenzulernen. In dieser Zeit veröffentlichte Menander auch einige Gedichte in der liberalen Malmöer Handels- och Sjöfartstidningen.


Vor allem während seines Aufenthalts in Frankreich hatte Henrik Menander nicht nur die Feinheiten seines Berufes kennengelernt, sondern er hatte durch enge Kontakte mit Arbeitern auch vieles über die Arbeiterbewegung Frankreichs erfahren. Diese Kenntnisse führten dazu, dass Menander bereits am 14. April 1884 den Arbetarklubben i Göteborg gründete, die erste sozialdemokratische Organisation Schwedens. Dieser Kampf für die Arbeiterschicht hatte allerdings zwei Seiten, denn einerseits wurde Menander von diesem Moment an ein Führer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, zum anderen landete er aber bald auf der schwarzen Liste und damit in der Arbeitslosigkeit, da kein Unternehmer einen Arbeiterkämpfer in seinen Reihen haben wollte.

Dieses Problem und seine Kenntnisse als Vorreiter der Arbeiterbewegung Schwedens waren letztendlich auch dafür verantwortlich, dass sich Henrik Menander mehr und mehr dem Schreiben zuwandte. Bereits am August 1887 war er freiberuflich bei Arbetet tätig, neben seinen Aktivitäten als Vertrauensmann der neu gegründeten Svenska Korkarbetareförbundet (Gewerkschaft der Korkarbeiter), und 1891 wurde er hauptberuflich Journalist der Arbeiterzeitung Arbetet.

Ab 1894 schrieb Henrik Menander auch regelmäßig Gedichte für August Palms Zeitung Folkviljan. Seinen Ruf als Dichter hatte sich Menander bereits 1885 erworben als er vom Verein Föreningen for Socialismens Fremme den Auftrag erhalten hatte ein Lied für Arbeiter zu schreiben, das erstmals bei einem Ausflug gesungen werden sollte. Das Lied Arbetets söner blieb jedoch nicht unter kleinem Kreis, sondern wurde noch im gleichen Jahr von der Zeitschrift Social-Demokraten gedruckt und im ganzen Land als Flugblatt verteilt, so dass es in den 90er Jahren jeder Arbeiter Schwedens auswendig konnte und zu jedem bedeutenden Anlass gesungen wurde. Das Lied wurde mit der Melodie des Kinderliedes Vindarnas kör gesungen, das zu jener Zeit ebenfalls in ganz Schweden bekannt war und mit einem Text des renommierten Skalden Per Daniel Amadeus Atterbom veröffentlicht war. Allerdings dürfte der Akademiker wenig davon begeistert gewesen sein, dass ausgerechnet der Text Arbetets söner bekannter wurde als seine Poesie, der im romantischen Stil eines Mitglieds der Svenska Akademien geschrieben worden war.

Das bekannteste Werk von Henrik Menander ist allerdings keine reine Eigenschöpfung, sondern seine Übersetzung der französischen Internationalen, die bereits 1871 von Eugène Pottier geschrieben worden war und 1902, als Menander das Lied nach Schweden brachte, bereits in zahlreichen Ländern als der Kampfgesang der Arbeiter bekannt war. Das Lied wurde in Schweden am 1. Mai 1902 erstmals mit dem Text Menanders veröffentlicht und führte dazu, dass der Dichter für die beiden meist gesungenen Arbeiterlieder Schwedens verantwortlich ist.

Im Jahre 1902 gab Henrik Menander nahezu seine gesamte Arbeit in der Gewerkschaftsbewegung Schwedens auf um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Da die linken Gedichte und andere Werke um diese Zeit einen Dichter nicht ernähren konnten, blieb Menander bis 1915 Journalist bei Arbetet, musste dann jedoch wegen seinem schlechten Gesundheitszustand in die Rente gehen, was ihm jedoch eine regelmäßige Pensionszahlung garantierte.

Da zur Zeit als Henrik Menander noch kein offizieller Verlag Schwedens Arbeiterlitertur veröffentlichte, so sind die meisten der Werke Henrik Menanders heute verschollen, abegesehen vom Werk Socialistiska sånger och dikter, das Menander im Jahre 1915 in Malmö veröffentlicht hatte. Einige andere seiner Gedichte und Lieder wurden erst lange nach seinem Tode in Sammelwerken veröffentlicht, da Arbeiterliteratur in Schweden erst in den 20er Jahren tatsächlich an literarischem Einfluss gewann, als das Schicksal von Arbeitern auch von bürgerlichen Autoren verarbeitet wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

4 november 2012

Stig Dagerman, ein zerrissenes Leben bis zum Tod

Stig Dagerman wurde am 5. Oktober 1923 in Älvkarleby geboren. Der Vater, ein Sprengmeister, wollte nicht viel von ihm wissen und die Mutter, Helga Andersson, eine Telefonistin in Härnösand sah keine Möglichkeit sich um ihn zu kümmern, so dass der spätere Schriftsteller einen Teil seiner Kindheit bei den Großeltern verbringen musste.

Ursprünglich hieß Stig Dagerman nach der Mutter ebenfalls Andersson, aber als Gymnasiast nahm er dann den Namen des Vaters an, der zu dieser Zeit in Stockholm lebte. Mit neun Jahren zog Stig zu seinem Vater nach Stockholm, ohne ihm jedoch in irgendeiner Weise näher zu kommen. Die einzige Linie, die ihn mit seinem Vater verband, war die Arbeiterbewegung für die sich Stig ab seinem dreizehnten Jahr interessierte.


Als 1940 der Großvater Stig Dagermans von einem Psychopath ermordet wurde und kurz darauf auch seine Großmutter an einer Gehirnblutung starb, beging der Autor seinen ersten Selbstmordversuch, dem in den folgenden Jahren noch mehrere Versuche folgen sollten. Allerdings wurde er jedes Mal rechtzeitig gerettet, aber er überwand das Trauma mit seinen Großeltern und die Situation des verlassenen Sohnes nie.

Mit 17 schloss sich Stig Dagerman der Gewerkschaftsbewegung an und wurde Mitglied der Jugendverbandes SUF (Sveriges syndikalistiska ungdomsförbund), wo man sehr schnell seine Fähigkeiten sich schriftlich auszudrücken entdeckte. Auf diese Weise wurde er erst Redakteur der Mitgliedszeitschrift Storm und später bei der Zeitung Arbetare, wo er Chroniken schrieb und einen täglichen Vers veröffentlichte, wobei der letzte seiner Verse noch am Tag seines Tod veröffentlicht wurde.

In Stockholm traf Stig Dagerman dann seine erste Frau, Annemarie Götze, die mit ihrer Familie vom Nazideutschland über Spanien und Norwegen nach Stockholm gekommen war. Sehr bald zog der Schriftsteller bei Familie Götze ein, da die Wohnsituation mit seinem Vater sehr angespannt war und 1943 heiratete er Annemarie.

Die literarische Karriere Stig Dagermans begann 1945 mit dem Roman Ormen, einem Roman, der seinen Hintergrund im Barackenmilieu hat und von Angst und Schrecken dominiert wird. Der Roman wurde unmittelbar als das Werk eines Genies betrachtet, was sogar soweit ging, dass andere Autoren der Epoche sich ein Beispiel an Dagerman nahmen und er ein literarisches Beispiel der 40er Jahre wurde.

In den folgenden vier Jahren zeigte der Schriftsteller eine enorme Arbeitsleistung, denn er schrieb Romane, Novellen, Dramas und Artikel für die Zeitung Arbetare. Sein zweiter Roman erschien 1946 mit dem Titel De dömdas ö, ein Roman in dem sieben Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel ihrem Schicksal entgegengehen, vorher jedoch wie in einem Alptraum ihr eigenes Leben vor Augen geführt bekommen. Die symbolhafte Sprache und die langen Sätze Dagermans machen den Roman jedoch zu einem nahezu unlesbaren Meisterwerk.

Im Jahre 1947 wurde im Stockholmer Dramaten das Drama Dagermans Den dödsdömde aufgeführt, es erschien seine Novellensammlung Nattens lekar und er veröffentlichte seine gesammelten Reportagen aus dem Nachkriegsdeutschland unter dem Titel Tysk höst, die er im Laufe des Jahres 1946 im zerbombten Deutschland für den Expressen gemacht hatte. Diese Reportagen machten den Schriftsteller auch beim breiten Publikum bekannt, da er für die Zeitung eine leichter zugängliche Sprache benutzte als bei seinen anderen Werken.

Als Stig Dagermann im folgenden Jahr eine Folgereportage in Frankreich machen sollte, war er unfähig auch nur einen Artikel zu liefern, da er dem Leistungsdruck, der auf ihm lag, nicht gewachsen war. In diesem Jahr in Frankreich erschien daher lediglich sein Roman Bränt barn in dem der Autor eine komplizierte psychologische Entwicklung eines jungen Mannes beschreibt, der die neue Frau seines Vaters erst ablehnt und sich dann von ihr angezogen fühlt und ein Verhältnis mit ihr eingeht.

Auch wenn Stig Dagerman nach Brännt barn noch einige weitere Werke veröffentlichte, so blieb dieser Band der meist gelesene seiner schriftstellerischen Karriere, der ein sehr breites Publikum ansprach.

Im Jahre 1950 ließ sich Stig Dagerman von seiner ersten Frau scheiden und heiratete die Schauspielerin Anita Björk. Er ließ sich gleichzeitig einen hohen Vorschuss für seinen nächsten Roman auszahlen, aber wegen einem anhaltenden Schreibkrampf, starken Depressionen und Angstzuständen entstand ab diesem Zeitpunkt kein Buch mehr von dem als Genie bezeichneten Autor. Nach zahlreichen Depressionen, Aufenthalten im Krankenhaus und mehreren missglückten Selbstmordversuchen nahm sich Stig Dagerman am 5. November 1954 in seiner Garage in Enebyberg (Danderyd) das Leben, wobei jedoch alles darauf hindeutet, dass er es sich auch dieses Mal in der letzten Sekunde anders überlegt hatte, denn er hatte den Fuß vom Gas genommen und versuchte, wenn auch zu spät, aus seinem Fahrzeug auszusteigen.

Copyright: Herbert Kårlin

6 september 2012

Stefan Oljelund und die Arbeiterbewegung Schwedens

Stefan Oljelund wurde am 6. September 1893 in Sala geboren und starb am 4. Juli 1971 in Göteborg, wo er ab 1921 in den verschiedensten Bereichen aktiv war. Auch wenn man in Biografien zu Stefan Oljelund regelmäßig die Beifügung findet, dass er Journalist und Schriftsteller war, so trifft dies im Grunde nur die halbe Wahrheit, denn Oljelund war in erster Linie ein Verfechter der schwedischen Gewerkschaftsbewegung. Seine Arbeiten als Journalist und Schriftsteller kreisten daher immer um dieses sozialdemokratische Thema.

Stefan Oljelund wuchs in Stockholm als Sohn des Typographen Ferdinand Oljelund und Ida Pettersson auf, was in jener Zeit bedeutete, dass auch Stefan Arbeiter wurde. Mit 15 begann der daher als Metallarbeiter in Eskilstuna, wo er neun Jahre lang tätig war. Um diesem Leben zu entkommen, besuchte er neben der Arbeit die Technische Abendschule, was ihn dann jedoch vollkommen vom Leben als Arbeiter abbrachte, denn 1919 wurde Stefan als Journalist bei der sozialdemokratischen Tageszeitung Folket in Eskilstuna beschäftigt, was im Jahre 1921 wiederum das Sprungbrett zur Göteborger Ny Tid war, ebenfalls eine sozialdemokratische Tageszeitung. Unter dem Kürzel Frid arbeitete Stefan Oljelund dort bis 1961 und endete dort als stellvertretender Chefredakteur.

Aber auch wenn Stefan Oljelund sich sein Leben lang für die sozialdemokratische Bewegung und einen verstärkten Einfluss der Gewerkschaften einsetzte, so verfolgte er eine gewisse Gratwanderung, denn er suchte ab 1936 auch im politischen, im kirchlichen und im wirtschaftlichen Bereich Einfluss zu gewinnen, was natürlich zu Kompromissen führen musste und ihn zu einer etwas moderaten Kraft der schwedischen Arbeiterbewegung machte und seine Vorteile, aber auch seine Nachteile hatte.

Schweden war ab den 20er Jahren in einer Umbruchphase, was die Entwicklung der Sozialdemokratie förderte und letztendlich selbst zum Schwedischen Modell führte. In diesem Rahmen hatte Stefan Oljelund auch ein gutes Publikum für seine Bücher, wobei er hierbei die intellektuelle Lösung wählte und nicht zum Umsturz aufrief, sondern über Erklärungen der geschichtlichen Entwicklung und Fakten eine intellektuelle Schicht der Arbeiter von den Vorteilen des Sozialismus in Schweden überzeugte. Titel wie Arbetare och företagare, Fri eller kontrollerad demokrati oder Arbetarrörelse i Norden zeigen deutlich den Weg den Oljelund gehen wollte und zeichnen ihn auch als einen der bedeutendsten Schriftsteller der schwedischen Arbeiterbewegung aus. Leider war Stefan Oljelund nach dem Zweiten Weltkrieg so stark mit der praktischen politischen Arbeit in Göteborg beschäftigt, dass er ab dieser Zeit die Schriftstellerei vernachlässigte.

Stefan Oljelund heiratete 1926 Nea Olsson mit der er zwei Söhne bekam. Hannes Oljelund arbeitet heute als führende Person beim Schwedischen Fernsehen und Anders Oljelund wurde Diplomat und gilt als Kenner des Sudan.

Copyright: Herbert Kårlin