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7 juni 2013

Ebba Pauli und die Veränderung des schwedischen Sozialsystems

Ebba Pauli wurde am 12. Juni 1873 als Tochter des Kanzleisekretärs Carl Gustaf Pauli und dessen Frau Emma Charlotta Swartling in Västerhaninge bei Stockholm geboren und starb am 28. Juli 1941 im Alter von 55 Jahren in Stockholm. Pauli war nie verheiratet und ist heute mehr als Verfechterin des schwedischen Sozialsystems als als Schriftstellerin bekannt.

Die ersten 23 Jahre von Ebba Pauli bleiben im Dunkeln, was unter Umständen mit einer Gebrechlichkeit zu tun hat, aber vielleicht wurden diese Jahre ihres Lebens auch als so unbedeutend genommen, dass man darüber kaum berichtete. Pauli tritt daher im Jahre 1896 erstmals an die Öffentlichkeit und zwar als Wohlfahrts-Sekretärin der Versammlung in Täby.

Ebba Pauli, Schwedisches Reichsarchiv

Vermutlich war es auch diese Versammlung, die Ebba Pauli von 1901 bis 1902 an die Universität in Lausanne in der Schweiz schickte, denn nach ihrer Rückkehr beginnt sie im Sozialamt in Stockholm zu arbeiten, wo sie erst zwei Jahre lang als Sekretärin arbeitet, anschließend in den Vorstand des Wohlfahrtsverbandes gewählt wird und sich insbesondere um das Schicksal der Armen Stockholms kümmert.

Bereits 1901, als Ebba Pauli ihr Studium in der Schweiz begonnen hatte, erschien auch ihre erste Erzählung Olika tungomål, ein politisches Werk, dem in den Folgejahren sehr viele andere politische Bücher folgen sollten, die alle eines gemeinsam hatten, sie waren ein Ruf für die Rechte der Frau und sie waren gewissermaßen Vorschläge zu einem Sozialstaat in dem es keine Armut mehr gibt. Noch heute gilt Pauli deswegen für viele als die Vorkämpferin für den sogenannten sozialen Modellstaat Schweden.

Für Ebba Pauli floss die literarische Aktivität, die von Erzählungen bis zu Sachbüchern und politischen Arbeiten reichte, mit ihrem Leben und ihrer Arbeit zusammen, zumal zahlreiche Werke ohne ihre Arbeit nicht entstanden wären. Der Grundgedanke ihres gesamten Schaffens war, dass die Sozialarbeit die Basis für eine funktionierende Gesellschaft ist und man in diesem Rahmen vor allem an Frauen und Kinder denken muss. Sicher hat sich aus dieser Idee eine andere Gesellschaft gebildet als sich Pauli dachte, denn die Schriftstellerin war noch stark von der religiösen Erweckungsbewegung geprägt, die auch davon ausging, dass die Armen und Bedürftigen zum richtigen Weg gebracht werden mussten.

In diesem Sinne schuf Ebba Pauli, gemeinsam mit Natanael Beskow, den Birkagården in Stockholm, der ein Treffpunkt für alle christlichen Kinder und Jugendlichen dervon Arbeiterfamilien wurde. Neben Spiel war vor allem Wert auf Unterricht und ausgewählte Lektüre gelegt.

Die Arbeit im Birkagården führte bei Ebba Pauli zu zwei sehr wichtigen Veröffentlichungen. Im Jahre 1919 veröffentlichte sie die Novellensammlung Eremiten och andra berättelsen, die eine Neudeutung der christlichen Legenden war und das soziale Engagement des Einzelnen ins Zentrum stellte. Die Fragen, die dem Einsiedler in den Novellen gestellt wurden, beantwortete die Autorin ein Jahr später mit dem Folgewerk Några konsekvenser för det personliga livet av en kristligt social åskådning.

Ebenfalls als Folge der Arbeit im Birkagården, in dem Ebba Pauli rund 20 Jahre lang wohnte, erschien dann das Buch, das Pauli als ihr Hauptwerk betrachtete, nämlich Våra barns moraliska fostran, ein Erziehungsbuch, das gewisse Parallelen zu Anna Wahlgrens Barnaboken zeigt, nur dass Pauli die christliche Moralerziehung in den Vordergrund setzte. Wie auch das Barnaboken, wurde Paulis Werk für einige Jahre zum Standardwerk, „veraltete“ dann jedoch als Pädagogen und Kinderpsychologen die individuelle Entwicklung eines Kindes wichtiger sahen als die moralische Erziehung.

Als Ebba Pauli im Jahre 1912 Beintuberkulose bekam, änderte sich ihr Leben nur in einem Sinn, denn sie schrieb den Bekenntnisroman Kamp eller resignation in dem sie die Bedeutung behandelt, die ihre Krankheit für sie hat. Pauli schreibt in diesem Buch, dass die Krankheit sie stärkte und ihr Leben daher einen anderen, neuen Sinn bekam. Die Schriftstellerin verbindet bei diesem Buch die Gedanken der Religion, der Medizin und der Psychologie, was vor ihr nie ein Schriftsteller wagte.

Die Veröffentlichungen von Ebba Paul können nicht nach ihrem Stil des Schreibens oder der heutigen Logik betrachtet werden, sondern nach der Bedeutung, die sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten. Pauli hat mit ihren Büchern das Sozialdenken Schwedens geändert, das bis heute noch seine Auswirkungen zeigt, denn auch wenn die Autorin den religiösen Standpunkt vertrat, so waren ihre Ideen zum großen Teil allgemeingültig.

Copyright: Herbert Kårlin

5 juni 2013

Samuel Gagnerus und die literarische Morallehre des 18. Jahrhundert

Samuel Gagnerus wurde am 21. Juni 1731 als Sohn des Priesters Matthias Gagnerus und dessen Frau Catharina Johansdotter Tillåsa in Västerås geboren und starb am 27. Oktober 1791 in Kungs-Barkarö im Västmanland. Gagnerus war ab 1772 in erster Ehe mit Margareta Elisabet Fahlstedt verheiratet und nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Maria Helena Pistolskiöld.

Über die Kindheit und die Jugend von Samuel Gagnerus ist nichts bekannt, wobei man von seiner Familienherkunft schließen kann, dass er in der bürgerlichen Schicht von Västerås aufwuchs und, wie üblich in jener Epoche, zu Hause auf den Besuch der Universität in Uppsala vorbereitet wurde. Ab 1751 studierte Gagnerus dort Philosophie, ein Studium, das er im Jahre 1758 mit einem Magister abschloss. Anschließend trat Gagnerus in den Staatsdienst.

Samuel Gagnerus, Vitterhets-Nöjen, Tryckeri Johan Georg Lange, Stockholm, 1769

Die ältesten literarischen Werke von Samuel Gagnerus erschienen in den Jahren 1767 bis 1769 im Swenska magazinet für das er, nach Carl Christoffer Gjörwell dem Älteren, auch als Herausgeber tätig war. Da bei diesem Werk jedoch die Arbeit des Bibliothekars Gagnerus in den Vordergrund dringt, sagt es wenig über die schriftstellerische Leistung des Autors und Herausgebers Gagnerus aus.

Bedeutender wurde die die literarische Leistung von Samuel Gagnerus als Mitarbeiter und Sekretär der literarischen Gesellschaft Utile Dulci in die er 1767 gewählt worden war. Bereits zwei Jahre nach seiner Wahl wurde Gagnerus für die Herausgabe des Werkes Vitterhets Nöjen beauftragt. Auch wenn der Schriftsteller nicht das gesamte Werk schrieb, so zeigt es dennoch die Denkweise und die Persönlichkeit von Gagnerus.

Im Vorwort von Vitterhets Nöjen verweist Samuel Gagnerus bereits darauf, dass er ein aufbauendes Buch für edle Herzen herausgeben will. In der Tat zeigt das Werk zwar, dass Gagnerus ungemein gebildet war, aber gleichzeitig griff er zu einer hochtrabenden Sprache und strich jede Stelle, die nur einem Scherz ähneln könnte, da diese nicht als bildend betrachtet werden können.

Schon in diesem ersten größeren Werk von Samuel Gagnerus entdeckt man auch den konservativen Sprachwissenschaftler, der sich dadurch auszeichnete, dass er die altnordische Sprache über das „moderne“ Schwedisch setzte und der Überzeugung war, dass die damals bereits toten Worte eine größeren Wortinhalt und mehr Ausdruck hatten als die zur damaligen Zeit üblichen Sprache. Gagnerus wollte diese alten Worte wieder in den gebräuchlichen Wortschatz zurückholen und begann später auch sein Werk Förteckning på gamla svenska eller göthiska ord, das jedoch in den Kinderschuhen stecken blieb.

Der bedeutendsten literarischen Einfluss von Samuel Gagnerus zeigte sich in seinem Werk Äreminne öfver G. Stjernhjelm aus dem Jahre 1776, das sehr stark von (Charles-Louis de Secondat) Montesquieu und A. L. Thomas beeinflusst war, denn mit diesem Werk führte er den Stil der französischen Literatur in Schweden ein, der nur wenige Jahre später von der Svenska Akademien als Ideal betrachtet wurde und anschließend zahlreiche Schriftsteller Schwedens beeinflusste.

Die Denkweise von Samuel Gagnerus drückt sich vor allem in seinen Werken Erinringar rörande uppfostringsverket aus dem Jahre 1774 und Tankar om menniskors sista stunder, das ein Jahr später erschien, aus, denn hier entdeckt man sehr deutlich die Lebensphilosophie des Autors für den das persönliche Leben und das Christentum eine Einheit waren bei dem das tägliche Leben einem inneren Gottesdienst glich. Diese Einstellung erklärt auch zum Teil die extrem konservative Einstellung von Gagnerus, die man auch seinen Gedichten entnehmen kann.

Samuel Gagnerus gehörte im 18. Jahrhundert zu den vielseitigsten Autoren, die zudem das Leben als eine Einheit ansahen und auch der Erziehung einen hohen Wert gaben und daher auch Lehrbücher zu diesem Thema schrieben. Für Gagnerus war es dabei wichtig zu betonen, dass Kinder lesen und denken gleichzeitig lernen müssen, damit sie den Glauben an Gott pflegen können und die Bedeutung von Wissen verstehen. Nach seiner Lehre musste ein Kind mit zwölf Jahren die gesamte moralische Lehre in sich vereinen, da sonst diese Werte für immer verloren waren.

Auch wenn Samuel Gagnerus eine sehr wichtige Rolle innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte spielte, so war er nie ein Meister der Stilistik, da für ihn die Bedeutung von Worten zu wichtig war und er immer bemüht war eine moralische Lehre weiterzugeben, die den Menschen zu einem Ideal erheben sollte.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

25 april 2013

Ellen Key und die kulturelle Frauenbewegung Schwedens

Ellen Key wurde am 11. Dezember 1849 als Tochter des Postmeisters, Politikers und Gutsbesitzers Emil Key und dessen Frau, Gräfin Sophie Ottiliana Posse, in Gladhammar im Småland geboren und starb im Alter von 76 Jahren in Strand in Västra Tollstad. Key war nie verheiratet, da alle ihre Beziehungen scheiterten.

Im Gegensatz zu ihren Brüdern, die eine strenge Erziehung erlebten, wurde Ellen Key bereits während ihrer Kindheit mit Literatur versorgt, wobei ihre Ausbildung in den ersten Jahren von Gouvernanten übernommen wurde und sie daher erst 1864 oder 1865 in die Åhlinska Skolan kam, bevor Key anschließend in Stockholm eine Ausbildung zur Lehrerin begann. Nach eigenen Schilderungen war das Elternhaus gefühlsarm, denn die Schriftstellerin erinnerte sich später daran nicht ein einziges Mal Zärtlichkeit von Seiten der Mutter erlebt zu haben.

Ellen Key, Kärleken och Äktenskapet, Albert Bonniers Färlag

Bereits als Jugendliche kam Ellen Key in engsten Kontakt mit der freikirchlichen Erweckungsbewegung, die sie sehr stark prägte und alle ihre späteren Werke beeinflusste, auch wenn sie im Alter einen gewissen Abstand von der Religion nahm.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung als Lehrerin und einer Weiterbildung an der Danska Folkhögskolan arbeitete Ellen Key erst einige Jahre als Sekretärin ihres Vaters, der um diese Zeit einer sehr aktiven politischen Arbeit nachging. Diese Arbeit erlaubte es Key die Realität der Politik zu entdecken und sich eine persönliche Meinung zur Situation des schwedischen Staates zu bilden, was die Autorin allerdings auch einen Teil an Idealismus kostete.

Ab 1880 arbeitete Ellen Key in der vor kurzem gegründeten Anna Whitlock Skola, einer modernen Mädchenschule in der die Schülerinnen ihre Themen selbst wählen konnten, einen Schülerrat hatten sowie praktische und theoretische Arbeiten sich abwechselten. Ellen Key leistete einen großen Anteil an der Entwicklung der Schule, die in großen Linien ihren eigenen Ideen entsprach.

In den Jahren in denen Ellen Key an der Schule von Anna Whitlock arbeitete, entwickelte sie sich zu einer Kämpferin, die die Situation Schwedens verändern wollte und sie hielt im ganzen Land Vorträge. Key spricht vor Arbeitern, vor den Guttemplern, kämpft für das Wahlrecht der Frauen, gründete mit Amalia Fahlstedt den Verein Tolfterna und setzt sich für eine allgemeine Volksbildung ein. Viele ihrer Vorträge erscheinen auch als Pamphlete und kleinere Bücher und werden als der Beginn des literarischen Schaffens von Ellen Key betrachtet.

Am bekanntesten aus dieser Zeit wurde ihr Werk Missbrukad kvinnokraft, das nach einem ihrer Vorträge in Kopenhagen entstand. Bei diesem Büchlein stellt sich Key vollkommen gegen die Frauenbewegung Schwedens und damit den beginnenden Feminismus des Landes, denn sie wirft den Feministinnen vor bei ihren Forderungen gegen die weiblichen natürlichen Eigenschaften zu kämpfen. Während ihre These in Dänemark positiv aufgenommen wird, zeigt sich in Schweden eine Woge des Protests, da man mit der positiven Einstellung Keys zur Ehe und der von ihr propagierten getrennten Rolle von Mann und Frau nicht einverstanden sind.

Ab dem Jahre 1900 widmet sich Ellen Key ganz der Schriftstellerei, wobei im gleichen Jahr auch ihr bekanntestes Buch Barnets århundrade erschien, das bereits wenig später in 26 Sprachen übersetzt wurde und Ellen Key weltweit bekannt machte und ein neues Schulsystem propagierte, eine antiautoritäre Erziehung, die 60 Jahre später Alexander Sutherland Neill erneut verbreitete, wenn auch in einer extremeren Weise als Key, für die der Humanismus von Goethe wichtiger war als die Psychoanalyse Wilhelm Reichs für Neill.

Die sehr eigenwillige Meinung von Ellen Key zum Feminismus Schwedens und damit die Weigerung die Frauen zu unterstützen, die die Freiheit vom Patriarchat suchten, machten Key zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Hassfigur des Landes. Nachdem dann auch noch Vitalis Norström und Carl David af Wirsén öffentlich gegen Key auftraten, beging die Schriftstellerin eine Art Landesflucht und hielt in ganz Europa Vorträge, da man dort ihre Meinung mehr akzeptierte.

Während die Frauen Schwedens Ellen Key kritisierten, weil sie die Frau als das Zentrum eines Hauses und innerhalb einer Ehe sah, kritisierten Männer vor allem ihre Werke zur freien Liebe ohne Ehe, der Forderung nach einem Scheidungsrecht und nach einem neuen Ehegesetz, das den Frauen mehr Rechte geben sollte, da ihre Ideen das Patriarchat entmachten würde und die „männliche Tradition“ in Frage setzte.

Da Ellen Key sich in einer Zeit in der viele Frauen Schwedens die Unabhängigkeit suchten, mehr für die allgemeinen politischen Rechte der Frau einsetzte und auch das Recht der Frau auf Kultur und Bildung forderte, ging die Schriftstellerin einen Weg auf Messers Schneide. An ihrer klaren Meinung, die keine Abweichungen zuließ, scheiterte auch ihre Freundschaft mit August Strindberg, der sie später, wenig schmeichelhaft, als „Hanna Paj“ in seinem Buch Svarta fanor verewigte.

Erst ab 1910 begann sich die Meinung über Ellen Key auch in Schweden zu ändern, was zu einem sehr engen Verhältnis zu Schriftstellern wie Elin Wägner, Agnes von Krusenstierna, Hjalmar Bergman, Pär Lagerkvist und vielen anderen führte, die verstanden hatten, dass Key eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft der schwedischen Frau spielte, gerade weil sie den Kampf als Auseinandersetzung ablehnte und eine humanistische Vision hatte, die weit in die Zukunft reichte.

Ellen Key, die am 25. April 1926 an einer Gehirnblutung starb, war eine der meist gelesenen Autorinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Büchern einen sehr wichtigen Beitag zur Frauenbewegung Europas leistete, auch wenn ihre Meinung heute mehr aus historischer Warte betrachtet werden muss und nicht mit den Augen der heutigen Gesellschaft, da die Frau in Schweden keinerlei Rechte hatte als Key ihre Bücher schrieb und sie nur dann frei leben konnte, wenn sie nicht verheiratet war und ein eigenes Einkommen hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

Pferdesport in Göteborg

15 oktober 2012

Johan Olof Wallin, von Gedichten zu Psalmen

Johan Olof Wallin wurde am 15. Oktober 1779 als Sohn des Feldwebels im Dalaregiment Johan Abraham Wallin und Beata Charlotta Harkman in der Nähe von Stora Tuna in Dalarna geboren und starb am 30. Juni 1839 bei einem Besuch in Uppsala, wohin er wenig später als Erzbischof ziehen sollte. Seit 1810 war Wallin mit Anna Maria Dimander verheiratet, wobei jedoch aus der Ehe keine Kinder hervorgingen.

Seine Ausbildung erlangte Johan Olof Wallin erst in der Hauptschule in Falun, dann am Gymnasium in Västerås und schließlich an der Universität Uppsala. Seine Studien unterbrach Wallin jedoch immer wieder, weil er aus finanziellen Gründen jüngeren Schülern Nachhilfe erteilen musste, was ihn jedoch nicht davon abhielt dennoch mit ausgezeichneten Noten an der Universität zugelassen zu werden. Sein Philosophiestudium schloss Johan Olof Wallin im Jahr 1803 ab, jedoch nur um sich auf die Priesterweihe vorzubereiten, die dann drei Jahre später erfolgte. Sein Talent als Prediger brachte ihm einen schnellen Aufstieg, denn bereits 1809 wurde er Schlosspriester in Karlberg, dann bekam er die Gemeinde Solna und 1812 erlangte er den Doktortitel in Theologie und erhielt die Adolf Fredriks Kirchengemeinde in Stockholm und 1837 wurde er schließlich Erzbischof von Uppsala, nur zwei Jahre bevor er dort starb.


Johan Olof Wallin hatte bereits während seiner Jugend begonnen im klassischen Stil Gedichte zu schreiben, die überwiegend einen erzieherischen Charakter hatten. Als Skalde errang er 1803 erstmals einen Preise der Svenska Akademien für seine Dichtkunst, 1805 wurde er mit drei Preisen der Svenska Akademien belohnt und 1808  erhielt er für Sång i anledning av Gustaf den tredjes ärestods avtäckande mit 200 Dukaten den höchsten Preis, den die Svenska Akademien je verteilte und was ihn als einen absoluten Meister der Dichtkunst auszeichnete. Die Gedichte, die Johan Olof Wallin zwischen 1794 und 1809 schrieb erschienen beim Buchverlag Bonniers zwischen 1955 und 1967 als vierbändiges Werk und zeigen wie der Autor vom herkömmlichen klassischen Gedicht zu einer eigenen Richtung findet. 1810 wurde Wallin dann auf den Stuhl Nummer 1 der Svenska Akademien gewählt.

Diese hohe Ehre und die Anerkennung seiner Dichtkunst, führten dazu, dass Johan Olof Wallin gebeten wurde in einem Komitee mitzuarbeiten, das ein neues, modernes Psalmbuch vorlegen sollte. Vom Skalden wurde Wallin in kürzester Zeit zu einem Meister der Psalmdichtung. Als das Komitee 1814 einen ersten Vorschlag für das neue Werk vorgelegt hatte, zeigte sich Wallin unzufrieden und schrieb ein neues Psalmbuch in dem er 128 Psalmen selbst verfasste und die anderen bedeutend umarbeitete. Der König akzeptierte im Jahre 1819 dieses neue Werk in unveränderter Form. Von diesem Zeitpunkt an blieb Johan Olof Wallin den Psalmen treu, da er hierbei eine ideale Ausdrucksweise gefunden hatte, denn man konnte die reine Poesie mit Musik verbinden und dabei eine ideale Einheit schaffen.

Auch wenn heute Johan Olof Wallin vor allem als der bedeutendste Verfasser von Psalmen bekannt ist, so galt er zu seiner Zeit als Priester und Bischof auch als bedeutender Redner, der seine Meinung klar und verständlich ausdrücken konnte. Im humanistischen Gedanken legte er allerdings in allen seinen Werken einen großen Wert auf Erziehung, die er für den Pfeiler der Gesellschaft hielt. Ab 1825 wurde er in mehreren Ausschüssen zu Erziehungsfragen aktiv, wobei er, vor allem zu Beginn seiner Arbeit, eine extrem konservative Haltung einnahm. Durch den Einsatz von Wallin, der sich jeder freikirchlichen Bewegung entgegenstellte und eine edle und königstreue Gesellschaft vorstellte, wurden mehrere Schulen in Schweden gegründet, darunter die Wallinska Flickskolan im Jahre 1831, die 1874 zum ersten Mädchengymnasium Schwedens wurde.

Johan Olof Wallin veröffentlichte während der letzten zehn Jahre seines Lebens auch mehrere andere Bücher zu geschichtlichen Themen der Zeit und insbesondere eine Art Lehrbuch, das Jugendlichen die guten Sitten näher bringen sollte, Werke, die zu jener Zeit eine maßgebliche Bedeutung hatten und als richtungsweisend betrachtet werden müssen.

Die Bedeutung des Autors kann man auch daran erkennen, dass nach seinem Tod zwei Bände mit einigen der wichtigsten seiner Predigten veröffentlicht wurde, da man der Meinung war, dass das Gedankengut von Johan Olof Wallin weiterleben sollte.

Innerhalb der schwedischen Literatur nimmt Wallin eine gewisse Zwischenstellung ein, da er nicht mehr in der Tradition der rein religiösen Schriftsteller gesehen werden kann, sondern bereits die neuen Wege einschlug, die von den Schriftstellern und Poeten des 19. Jahrhunderts gewählt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin