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15 juni 2013

Edvard Evers und die religiösen Literatur des 19. Jahrhunderts

Edvard Evers wurde am 12. Mai 1853 als Sohn des Stadtkassierers Per Emil Evers und dessen Frau Mathilda Nordström in Uddevalla im Västergötland geboren und starb am 22. Oktober 1919 in Norrköping. Evers war in erster Ehe mit Sigfrida (Frida) Swartz und nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Karin Mathilda Swartling verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Edvard Evers ist nur wenig bekannt, so dass seine Biografie im Jahre 1874 beginnt, als Evers in Uppsala Theologie zu studieren beginnt und die Kritik seiner Lehrer auf sich zieht, da sich der Student nicht intensiv genug mit der Theologie beschäftigt, sondern auch zu Ästhetik und anderen humanwissenschaftlichen Fächern greift. Seine Einstellung zur Religion ist daher sehr liberal und stellt zu dieser Zeit mehr den idealisierten protestantischen Glauben dar als die offiziellen Lehrmeinungen.

Edvard Evers, Foto: K . L. Lindelöw, Norrköping, 1912

Im Jahre 1878 schließt Edvard Evers seine theologischen Studien ab und ein Jahr später wird er in Strängnäs zum Priester geweiht, wo er ein Jahr lang arbeitet bevor er der jüngste Priester Stockholms wird. Evers griff bei seinen Ideen zum Priesteramt vor allem zu jenen von Esaias Tegnér und Johan Olof Wallin, da er wie diese beiden Bischöfe der Überzeugung war, dass Worte wichtig sind und eine Predigt daher literarisch sein muss, aber gleichzeitig auch die Gefühle der Zuhörer ansprechen soll, eine Eigenschaft, die bei Evers nur bedingt zutrafen, da er zwar die Menge fesseln konnte, jedoch bei Einzelgesprächen unsicher wurde.

In Stockholm begann auch Edvard Evers literarische Karriere, auch wenn er seinen Gedichte und Aufsätzen zu Beginn noch unter dem Pseudonym Ahasverus Christianus in Vårt Land veröffentlichte und erst 1881 mit seinem historischen Drama Kristian den andre offen hervortrat. Wann Evers dieses Drama schrieb, ist nicht bekannt, sicher ist jedoch, das es am 23. Februar 1881 am Nya Teatern in Stockholm Premiere hatte. Dieses Drama wie auch Gustaf Baner, ein Drama, das der Autor im Folgejahr veröffentlichte, können jedoch nicht als Meisterwerke betrachtet werden und sie dem Aufbau und der Versform an Friedrich Schiller angelehnt sind und auch bald wieder vergessen waren.

Auch die Gedichte, die Edvard Evers schreibt kurz bevor er ab 1886 nach Norrköping kam, zeigen mehr einen angelernten Stil als die literarische Persönlichkeit des Autors. Erst als Evers in Norrköping beginnt Psalmen zu schreiben, zeigt sich die wahre Größe des Schriftstellers. Die Leistung bei seinen Psalmen ist nicht nur die literarische Qualität, sondern auch die Abwendung von der Tradition und das Schaffen moderner Psalmen, auch wenn Evers dabei weitaus weiter geht als die Befürworter einer Psalmenreform wünschen.

Auch bei der Verbreitung seiner Psalmen geht Edvard Evers einen eigenen Weg, da er das Gefühl hat, dass die Versuche der Modernisierung in den Diskussionen stecken bleiben. Bereits 1899 veröffentlicht der Autor daher seine eigene Psalmsammlung ohne sie einem Gremium unterbreitet zu haben, daher jedoch auch nicht in der Kirche verwendet wurden. 

Bereits 1892 erschien dann eine weitere Psalmsammlung, die Edvard Evers selbst verfasst hatte. Die Sammlung von 640 Psalmen legte er unter dem Titel Förslag till reviderad Psalmbok vor, da er dieses Mal ein offizielles Werk veröffentlichen wollte, das vor allem das Psalmbuch von Wallin ersetzen sollte, da Evers der Meinung war, dass Wallin zu sehr von der ursprünglichen protestantischen Lehre abwich. Evers wollte den Gedanken des 17. Jahrhunderts erneuern indem er die traditionelle Lehre mit der modernen Einstellung der Bevölkerung verbinden dachte, was bedeutete, dass er die Pietät reduzieren wollte und die Gläubigen davon abbringen wollte Untergebene der Kirche zu sein, eine Anschauung, die sehr stark kritisiert wurde.

Auch wenn Edvard Evers sehr viele Psalmen schrieb, so hatte er öffentlich wenig Erfolg damit, denn bei der folgenden Neuausgabe wurde nicht eines seiner Werke aufgenommen und erst ab den Auflagen ab 1914 gelang es dem Autor einige seiner Psalmen veröffentlicht zu sehen, wobei insgesamt nur knapp 20 seiner Schöpfungen in den offiziellen Sammlungen der Svenska Kyrkan aufgenommen wurden. Die restlichen seiner Psalmen konnte man nur in Privatauflagen finden.

Bekannt wurde Edvard Evers aber auch durch einige Weihnachtslieder, unter anderem dem Lied Jul, jul, strålande jul, das in Schweden noch heute gesungen und in zahlreichen Liedersammlungen aufgenommen wird. Auch in diesem Bereich erschienen nur wenige Werke des Autors, da sein Den svenska kyrkans sångbok nie fertiggestellt wurde.

Eine Sonderstellung in der schwedischen Literatur nimmt Edvard Evers lyrisches Werk Fosterjord. Ett folkepos ein, da der relativ konservative Autor hier eine kulturhistorische Geschichte der Jahrhundertwende des Bohuslän bietet, denn hier zeichnet der Autor die Welt der Zukunft aus der Sicht eines um diese Zeit konservativen Priesters. Evers beschreibt die Industrialisierung, die Auswanderungswelle, die Situation der Landwirtschaft und andere Bewegungen dieser Epoche in positiver Weise und vermittelt dem Leser den Eindruck, dass er an die Zukunft glaubt.

Die sichtbare Rolle von Edvard Evers innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte ist minimal, auch wenn der Schriftsteller durch seine rege literarische Aktivität die religiöse Literatur Schwedens erneuerte. Evers vertrat seine Meinung auch offen und war in Gremien aktiv, auch wenn es in einer religiösen Atmosphäre sehr lange dauert bis neue Ideen auch umgesetzt werden. Einige seiner besten Psalmen wurden sogar erst in der letzten Auflage des schwedischen Psalmbuches aufgenommen.

Copyright: Herbert Kårlin

19 december 2012

Harry Blomberg und die religiöse Literatur des 20. Jahrhunderts

Harry Blomberg wurde am 19. Dezember 1893 als Sohn des Kaufmanns Lars Henrik Blomberg und dessen Frau Ottilia Carlsson in Strängnäs geboren und starb am 1. Februar 1950 in Borlänge. Im Jahre 1918 heiratete Blomberg Anna Hagström, die Tochter eines Fabrikanten.

Der Schriftsteller und Übersetzer Harry Blomberg besuchte von 1900 bis 1907 die Grundschule in Roslagen und Stockholm und arbeitete sich anschließend zum Typographen in Stockholm hoch. 1916 setzte er seine schulische Ausbildung in der Brunnsviks Folkhögskola in Ludvika fort, die stark mit der beginnenden freikirchlichen Arbeiterbewegung Schwedens in Verbindung gebracht wird, einer Schule, an der er, unter anderem, die Bekanntschaft mit Dan Andersson und Ragnar Jändel machte.


Da die Mutter von Harry Blomberg sehr früh starb, verbrachte Harry Blomberg den wichtigsten Teil seiner Kindheit und seiner Jugend bei einer Verwandten in Stockholm, wo er sich nie richtig wohl fühlte, jedoch eng mit der freireligiösen Bewegung Schwedens in Berührung kam, die ihn faszinierte. Als er daher 1916 die Volkshochschule in Ludvika besuchte, begegnete er der Freiheit in der Natur und wanderte durch Dalarna und durchstreifte das Lappland.

Als freikirchlicher Sozialist begann Harry Blomberg seine literarische Karriere im Jahre 1917 mit seinem ersten Gedichtband Fejd och famn, dem innerhalb der kommenden drei Jahren Sjöfolk och färdemän, Stora orons män, I revolutionstid und Kap Horn folgten. Als der vierte Lyrikband erschien, hatte Blomberg bereits ein Jahr lang für die Nya Norrland in Sollefteå gearbeitet und war eben erst Redakteur des Studiekamraten geworden, einer Volksbildungszeitschrift eines Studienzirkels des Bildungsverbands der Arbeiter.

Die Gedichte dieser ersten Jahre, wie auch die Romane Det glädjerika livet aus dem Jahre 1920 und Tiden och en människa, der ein Jahr später erschien, zeugen von einem extremen positiven Denken und hüllen die Freiheit in der Natur, das Leben des fahrenden Volkes und jenes der Seeleute in ein strahlendes Licht, zeugen aber gleichzeitig von der Verantwortung, die der Mensch gegenüber Gott und der Natur zeigen muss und sind geprägt von den Wanderungen und Erlebnissen des Dichters und Schriftstellers.

Ab den Werken, die Harry Blomberg in den 30er und 40er Jahren schreibt, spürt man deutlich, dass sich der Schriftsteller immer mehr den freireligiösen Strömungen des Landes unterordnet und das Freiheitsdenken einem christlichen Glauben Platz macht, der in geordneten Bahnen verläuft, auch wenn Blomberg weiterhin durch Schweden reist und noch drei Reisebeschreibungen veröffentlicht, wobei sein letztes Werk bezeichnenderweise im Jahre 1950 eine Landschaftsschilderung Dalarnas wird, der Landschaft, die er auch als erstes durchwandert hatte.

Auch wenn Harry Blomberg sein Leben lang der Arbeiterbewegung nahe stand, so legt er bei seinen rund 20 Werken, die er in den 30er und 40er Jahren veröffentlicht einen bedeutend größeren Wert auf die christliche Entwicklung und Bildung seiner Leser als vorher, unabhängig, ob es sich um Gedichte wie im Band Vi på jorden, einen Roman wie Paradisets port oder das Schauspiel Mikaels dag handelt, das in Helsingborg uraufgeführt und dort als eines der merkwürdigsten Theaterstücke betrachtet wurde, das dort je aufgeführt wurde. Blomberg zeigt sich bei diesen Werken als einer der bedeutendsten Befürworter der Oxfordgruppenbewegung, einer „urchristlich“ religiösen Erweckungsbewegung, die sich in den 30er Jahren in Schweden verbreitete und zur Gründung der Missionsgesellschaft Wallin (Wallinsamfundet) führte.


Eine besondere Rolle nimmt in diesem Rahmen das Buch Mannen som var kyrkorgel ein, das Harry Blomberg im Jahre 1945 schrieb und vom Wallinsamfundet veröffentlicht wurde, da diese Biografie über den Erzbischof und Dichter Johan Olof Wallin nur einen Teil der Persönlichkeit Wallins darstellt, da die Missionsgesellschaft und Blomberg dadurch eine klare Linie des konservativen Erweckungsbewegung untermauern wollten.

Neben seinen sehr zahlreichen Büchern, erschienen von Harry Blomberg auch sehr viele literarische Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, insbesondere in Ord och Bild. Zusätzlich übersetze der Schriftsteller mehrere Prosawerke des norwegischen Autors Knut Hamsun.

Copyright: Herbert Kårlin

15 oktober 2012

Johan Olof Wallin, von Gedichten zu Psalmen

Johan Olof Wallin wurde am 15. Oktober 1779 als Sohn des Feldwebels im Dalaregiment Johan Abraham Wallin und Beata Charlotta Harkman in der Nähe von Stora Tuna in Dalarna geboren und starb am 30. Juni 1839 bei einem Besuch in Uppsala, wohin er wenig später als Erzbischof ziehen sollte. Seit 1810 war Wallin mit Anna Maria Dimander verheiratet, wobei jedoch aus der Ehe keine Kinder hervorgingen.

Seine Ausbildung erlangte Johan Olof Wallin erst in der Hauptschule in Falun, dann am Gymnasium in Västerås und schließlich an der Universität Uppsala. Seine Studien unterbrach Wallin jedoch immer wieder, weil er aus finanziellen Gründen jüngeren Schülern Nachhilfe erteilen musste, was ihn jedoch nicht davon abhielt dennoch mit ausgezeichneten Noten an der Universität zugelassen zu werden. Sein Philosophiestudium schloss Johan Olof Wallin im Jahr 1803 ab, jedoch nur um sich auf die Priesterweihe vorzubereiten, die dann drei Jahre später erfolgte. Sein Talent als Prediger brachte ihm einen schnellen Aufstieg, denn bereits 1809 wurde er Schlosspriester in Karlberg, dann bekam er die Gemeinde Solna und 1812 erlangte er den Doktortitel in Theologie und erhielt die Adolf Fredriks Kirchengemeinde in Stockholm und 1837 wurde er schließlich Erzbischof von Uppsala, nur zwei Jahre bevor er dort starb.


Johan Olof Wallin hatte bereits während seiner Jugend begonnen im klassischen Stil Gedichte zu schreiben, die überwiegend einen erzieherischen Charakter hatten. Als Skalde errang er 1803 erstmals einen Preise der Svenska Akademien für seine Dichtkunst, 1805 wurde er mit drei Preisen der Svenska Akademien belohnt und 1808  erhielt er für Sång i anledning av Gustaf den tredjes ärestods avtäckande mit 200 Dukaten den höchsten Preis, den die Svenska Akademien je verteilte und was ihn als einen absoluten Meister der Dichtkunst auszeichnete. Die Gedichte, die Johan Olof Wallin zwischen 1794 und 1809 schrieb erschienen beim Buchverlag Bonniers zwischen 1955 und 1967 als vierbändiges Werk und zeigen wie der Autor vom herkömmlichen klassischen Gedicht zu einer eigenen Richtung findet. 1810 wurde Wallin dann auf den Stuhl Nummer 1 der Svenska Akademien gewählt.

Diese hohe Ehre und die Anerkennung seiner Dichtkunst, führten dazu, dass Johan Olof Wallin gebeten wurde in einem Komitee mitzuarbeiten, das ein neues, modernes Psalmbuch vorlegen sollte. Vom Skalden wurde Wallin in kürzester Zeit zu einem Meister der Psalmdichtung. Als das Komitee 1814 einen ersten Vorschlag für das neue Werk vorgelegt hatte, zeigte sich Wallin unzufrieden und schrieb ein neues Psalmbuch in dem er 128 Psalmen selbst verfasste und die anderen bedeutend umarbeitete. Der König akzeptierte im Jahre 1819 dieses neue Werk in unveränderter Form. Von diesem Zeitpunkt an blieb Johan Olof Wallin den Psalmen treu, da er hierbei eine ideale Ausdrucksweise gefunden hatte, denn man konnte die reine Poesie mit Musik verbinden und dabei eine ideale Einheit schaffen.

Auch wenn heute Johan Olof Wallin vor allem als der bedeutendste Verfasser von Psalmen bekannt ist, so galt er zu seiner Zeit als Priester und Bischof auch als bedeutender Redner, der seine Meinung klar und verständlich ausdrücken konnte. Im humanistischen Gedanken legte er allerdings in allen seinen Werken einen großen Wert auf Erziehung, die er für den Pfeiler der Gesellschaft hielt. Ab 1825 wurde er in mehreren Ausschüssen zu Erziehungsfragen aktiv, wobei er, vor allem zu Beginn seiner Arbeit, eine extrem konservative Haltung einnahm. Durch den Einsatz von Wallin, der sich jeder freikirchlichen Bewegung entgegenstellte und eine edle und königstreue Gesellschaft vorstellte, wurden mehrere Schulen in Schweden gegründet, darunter die Wallinska Flickskolan im Jahre 1831, die 1874 zum ersten Mädchengymnasium Schwedens wurde.

Johan Olof Wallin veröffentlichte während der letzten zehn Jahre seines Lebens auch mehrere andere Bücher zu geschichtlichen Themen der Zeit und insbesondere eine Art Lehrbuch, das Jugendlichen die guten Sitten näher bringen sollte, Werke, die zu jener Zeit eine maßgebliche Bedeutung hatten und als richtungsweisend betrachtet werden müssen.

Die Bedeutung des Autors kann man auch daran erkennen, dass nach seinem Tod zwei Bände mit einigen der wichtigsten seiner Predigten veröffentlicht wurde, da man der Meinung war, dass das Gedankengut von Johan Olof Wallin weiterleben sollte.

Innerhalb der schwedischen Literatur nimmt Wallin eine gewisse Zwischenstellung ein, da er nicht mehr in der Tradition der rein religiösen Schriftsteller gesehen werden kann, sondern bereits die neuen Wege einschlug, die von den Schriftstellern und Poeten des 19. Jahrhunderts gewählt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin