Visar inlägg med etikett Jugendbuch. Visa alla inlägg
Visar inlägg med etikett Jugendbuch. Visa alla inlägg

6 juli 2013

Karl Alfred Melin, der Dichter der Schären des Södermanlands

Karl Alfred Melin wurde am 11. März 1849 als Sohn des Volksschullehrers Carl Eric Melin und dessen Frau Catharina Berglun in Utö bei Stockholm geboren und starb im Alter von 70 Jahren in Torö auf Lidingö. Meilin war ab 1879 mit Serla Maria Ossbahr verheiratet.

Seine Kindheit verbrachte Karl Alfred Melin auf einem Hof in Österhaninge, wo er in einem bürgerlichen Elternhaus aufwuchs und die ersten Jahre auch zu Hause die grundlegende Schulbildung erhielt. Melin besuchte ab 1859 die Maria Skola in Stockholm, wechselte 1864 ins Gymnasium der selben Stadt und machte dort 1868 die Hochschulreife.


Nach der Hochschulreife schrieb sich Karl Alfred Mellin an der Universität Uppsala Philosophie, Ästhetik, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte. Im Jahre 1875 disputierte der Schriftsteller und Dichter an der gleichen Universität um anschließend erst als Lehrer und später auch als Lektor und als Bibliothekar zu arbeiten.

Auch wenn sich Karl Alfred Melin bereits in Uppsala für Dichtkunst interessierte und Mitglied der allgemeinen Gesangsvereinigung war, so entstand sein Psalm O Herre du som säger erst im Jahre 1880. Da der Schriftsteller in seiner Zeit als Lehrer nur relativ wenig Zeit für die Verfassung seiner Gedichte aufwenden konnte, erschien sein erster Gedichtband Humleplockningen erst 1882, dem später auch die beiden Bände Dikter im Jahre 1888 und 1904 folgen sollten.

Karl Alfred Melin gehörte sowohl in seiner Dichtkunst, als auch als Literaturlehrer der konservativen Schicht des romantischen Idealismus an, denn seine Poesie zeigt die Züge von Per Daniel Amadeus Atterbom, Carl David af Wirsén und Viktor Rydberg und als Lehrer wollte er August Strindberg nicht als Schriftsteller anerkennen. Seine Schülern wurden daher vor allem die Werte von Johan Olof Wallin, Georg Stiernhielm und Johan Ludvig Runeberg näher gebracht. Um diese literarischen Werte zu fördern, veröffentlichte Melin, gemeinsam mit Carl Hugo Hernlund auch ein Lesebuch für die Mittelstufe, das die nationalen Werte der schwedischen Literatur hervorhob.

Eine Veränderung in Karl Alfred Melins Dichtung stellt man bei seinem Gedichtband Skärgårdsbilder aus dem Jahre 1891 fest, denn nachdem er die Landschaft der Schären im Södermanland entdeckt hatte, begann der Schriftsteller die Natur der Schären und deren Bewohner zu schildern, allerdings nicht mehr nur in Versform, sondern er verfasste auch zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, die vor allem um das Thema Wikinger kreisten.
Dass Karl Alfred Melin jedoch nach wie vor die alten schwedischen Ideale schützen wollte, zeigt sich darin, dass er die Redaktion von etwa 30 Jugendbüchern der W. Billes Jugendbibliothek übernahm, eine Initiative, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen die sogenannte Nick Carter Literatur gerichtet war, eine Serie übersetzter amerikanischer Kriminalromane, die um diese Zeit als Schundliteratur betrachtet wurden, deren einziges Ziel es war die schwedische Jugend zu verderben.

Im jahre 1898 wurde Karl Alfred Melin auf dringende Empfehlung von Wirsén in die Svenska Akademien gewählt, wobei diese Wahl vor allem dazu diente einen zweiten schöngeistigen Schriftsteller, neben Wirsén selbst, in die Akademie aufzunehmen, auch wenn Melin um diese Zeit noch nicht sehr viele Bücher veröffentlicht hatte, da seine bedeutendste Schaffenszeit erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzte. Innerhalb der Svenska Akademien nahm Melin auch schnell eine bedeutende Rolle innerhalb des Nobelkomitees ein.

Die ersten Jahren verhielt sich Karl Alfred Melin gegenüber seinem Gönner Wirsén absolut loyal und folgte auch dessen Empfehlungen, auch wenn er eine andere Meinung als sein Gönner hatte. Der Bruch kam jedoch als Wirsén verhindern wollte, dass Henrik Schück in die Svenska Akademien gewählt wurde, da Melin nun einen persönlichen Brief zugunsten von Schück verfasste, der sowohl von M. Karlfeldt und Carl Rupert Nyblom unterschrieben wurde. Durch diese Initiative wurde die Macht Wirséns innerhalb der Akademie gebrochen.

Noch heute werden die Gedichte von Karl Alfred Melin, der zeit seines Lebens als Humleplockningens och Skärgårdsbildernas skald bezeichnet wurde, als seine bedeutendsten Werke bezeichnet, da man in der Literaturgeschichte Kinder- und Jugendbücher nach wie vor als „minderwertig“ betrachtet. Zahlreiche Gedichte Melins wurden von Norman, Åkerberg, Stenhammar und anderen vertont.

 Copyright: Herbert Kårlin

12 juni 2013

Rose Lagercrantz und das kritische Jugendbuch Schwedens

Rose Lagercrantz, geborene Schmidt, wurde am 12. Juni 1947 als Tochter des Ehepaars George und Ella Schmidt in Stockholm geboren. Seit 1966 ist die Schriftstellerin mit Professor Hugo Lagercrantz verheiratet. Das Ehepaar wohnt auf Östermalm in Stockholm.

Die Kindheit von Rose Lagercrantz war, wie sie selbst schreibt, vom Schweigen geprägt, auch wenn sie eine angenehme Kindheit verbrachte, denn die Eltern wollten nicht viel über ihre Vergangenheit sprechen. Der Vater war, nachdem er mehrmals ins Gefängnis gesteckt worden war, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs über Prag und Krakau nach Schweden geflohen und die Mutter, die in Transylvanien geboren war, überlebte Auschwitz und kam erst nach dem Krieg nach Schweden. In Stockholm lernten die beiden Verfolgten sich kennen, heirateten und Rose wurde geboren.

Rose Lagercrantz, Mitt lyckliga liv, Förlag Bonnier Carlsen, Stockholm, 2010, Umschlag: Eva Eriksson

Ihre Kindheit verbrachte Rose Lagercrantz im Stadtteil Midsommarkransen in Stockholm, wo vor allem die Mutter um die Erziehung kümmerte, da der Vater als Vertreter für mehrere schwedische Firmen oft wochenlang unterwegs war bevor er zurück in die Zweizimmerwohnung kam. Schon als Kind fand die Welt des Mädchens in Büchern und einem Hain gegenüber der Wohnung statt. Statt mit Realität wuchs Lagercrantz die ersten Jahre mit Träumen auf.

Die Realität holte Rose Lagercrantz dann jedoch ein als die Familie 1954 in den Vorort Högdalen umzog, denn hier wurde ihre Familie plötzlich als Judenteufel beschimpft und Kinder begannen das Mädchen mit „ausländischen“ Eltern zu mobben, nur in der Schule hatte Lagercrantz eine gewisse Freizone, da sich der Rassismus vor allem auf ihr Wohngebiet beschränkte.

Mit elf sah Rose Lagercratz das erste Mal ein Hakenkreuz. Obwohl die Eltern jeder Frage über ihre Vergangenheit auswichen, so wusste die Schriftstellerin was dies bedeutete, ein Zeichen, das während des Zweiten Weltkriegs ihre Eltern prägte und nun für sie selbst ein Zeichen der Verfolgung wurde, ein Hinweis, dass sie jüdische Eltern hatte und kein schwedisches Blut.  Vor allem das Schweigen der Eltern belastete die Jugendliche, da ihr damit ein Stück ihrer eigenen Geschichte gestohlen wurde und eine Aufarbeitung der Probleme nicht stattfinden konnte.

Nach Ende der Schulzeit ging das Leben für Rose Lagercrantz wie im Flug, denn mit 19 heiratete sie Hugo Lagercrantz und nur wenige Jahre später hatte sie drei Kinder und einen Haushalt. Auch wenn sich die Schriftstellerin immer noch zu Büchern hingezogen fühlte, so sollte es einige Jahre dauern bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte, denn erst arbeitete sie bei Rundfunk und Fernsehen und später leitete sie ein Kindertheater in Stockholm.

Erst als Rose Lagercrantz 26 Jahre alt war, erschien dann ihr erstes Buch Tullesommar, die Geschichte eines neunjährigen Scheidungskindes. Das Buch, das 1982 unter dem Titel Ett hjärta av guld für das schwedische Fernsehen verfilmt wurde, brachte Lagercrantz unmittelbar den Durchbruch als Jugendbuchautorin. In den Folgejahren veröffentlicht die Autoren im Schnitt jedes Jahr mindestens ein Buch, wobei sie mit der Zeit nicht nur Kinder- und Jugendbücher schreibt, sondern auch einige Romane für Erwachsene.

Die Kinder- und Jugendbücher von Rose Lagercrantz richten sich an verschiedene Altersgruppen und gehen von Sagen über Jugendromane bis zum Mystery. Erst 2007 wagt sich die Schriftstellerin dabei auch an ein Thema, das sie ihr Leben lang beschäftigt hatte, denn mit Flickan som älskade potatis schreibt sie einen Jugendroman, der das Überleben im Konzentrationslager Bergen-Belsen beschreibt und bereitet damit in gewisser Weise ihren Roman Om man ännu finns: en familjekrönikan mit dem die Autorin versucht ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern zu entdecken, auch wenn der Leser deutlich spürt, dass hierbei noch Löcher vorhanden sind.

Die Kinder- und Jugendbücher von Rose Lagercrantz sind ein Gegenpol zur heilen Welt, die Astrid Lindgren mit ihren Büchern schuf und zeigen die andere Seite Schwedens, denn die Werke von Rose Lagercrantz sprechen von Problemen, von den Schwierigkeiten des Überlebens, von Mobbing und selbst von Rassismus, obwohl ein Teil der Handlungen zur gleichen Epoche stattfinden als die Handlungen in Bullerbü.

Auch wenn Rose Lagercrantz in Schweden zu den bedeutendsten Kinderbuchautorinnen gehört, so werden ihre Kinderbücher nur sehr zögernd ins Deutsche übersetzt, weil das deutsche Publikum nur die Sonnenseite Schwedens mit roten Häuschen, der Freiheit und dem Sommerparadies sehen will und der Stockholmer Stadtteil Midsommarkransen wenig mit dem Tanz um die Mittsommerstange zu tun hat.

Welche Bedeutung Rose Lagercrantz bereits für die schwedische Literaturgeschichte hat, kann man den zahlreichen Preisen entnehmen, die sie für ihre Werke erhielt, denn Lagercrantz erhielt den Augustpriset, den Astrid Lindgren priset, die Nils Holgersson-plakette und andere Auszeichnungen. Zwischen 1989 und 1996 saß die Schriftstellerin auch auf dem Stuhl Nummer 13 der Svenska barnoksakademien.

Copyright: Herbert Kårlin

8 juni 2013

Gustaf Schröder und die Erinnerungen eines schwedischen Jägers

Gustaf Schröder wurde am 6. Juni 1824 als Sohn des Fabrikanten Johan Reinhold Schröder und dessen Frau Brita (Betty) Christina Hjelm auf dem Gut Edsvalla in Grum im Värmland geboren und starb am 2. August 1912 in Stockholm. Schröder war ab 1869 mit Alma Ericson verheiratet.

Die Kindheit verbrachte Gustaf Schröder in Arvika, wo sein Vater eine Bekleidungsfabrik mit Weberei, Färberei und Spinnerei aufgebaut hatte. Da der Vater jedoch bereits 1835 starb, als Schröder gerade einmal neun Jahre alt war, kam die Familie sehr bald in finanzielle Schwierigkeiten und mit 16 musste der spätere Schriftsteller dann die Schule abbrechen um erst als Verkäufer, später dann als Buchhalter, zu arbeiten.

Gustaf Schröder, Minnen från mitt jägarlif. Jagter och skogslif i Dalarne, Asplunds Bokförlag, Stockholm, 1889

Im Jahre 1842 verließ Gustaf Schröder Arvika und begann in den verschiedensten Fabriken der Region Värmland zu arbeiten. Ab 1847 arbeitete Schröder in Sägewerken und 1850 war er für den gesamten Einkauf von Holz für das Sägewerk Lilla Edet verantwortlich, eine Arbeit, die ihn bis 1863 durch das Värmland, Dalarna und einen Teil Norwegens führte. In den Folgejahren machte sich Schröder selbständig, pachtete zuerst Siljanfors und kaufte wenig später auch Edfors am Klarälven, wo er sich auch niederließ. Ein mäßiger Geschäftssinn und die aufkommenden Probleme der Forstwirtschaft zwangen Schröder dann jedoch dazu seine Firma aufzugeben und 1887 zog die Familie mit fünf minderjährigen Kindern nach Stockholm.

Die Arbeit in den Wäldern des Värmlands und in Dalarna führte auch auch dazu, dass Gustaf Schröder immer häufiger auf die Jagd ging und sich dabei sehr viel mit der lokalen Bevölkerung unterhielt. Schröder gilt als nahezu fanatischer Jäger, der sich mit der Zeit immer mehr auf Luchse und Bären spezialisierte, was ihn oft tagelang im Wald hielt und später auch, zumindest teilweise, für den Untergang seines Unternehmens verantwortlich war.

Die Jagd war es jedoch auch, die Gustaf Schröder zur finnischen Bevölkerung des nördlichen Värmland führte, wo er einen bedeutenden Einblick in das Leben der Waldbauern gewann, eine Erfahrung, die ihm während seiner schriftstellerischen Karriere später sehr hilfreich sein sollte.

Die ersten Schritte als Literat machte Gustaf Schröder bereits im Jahre 1853, als er die verschiedensten Jagdgeschichten in unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte. Da jedoch die Jagd sehr viel Zeit beanspruchte und er sowohl als Angestellter als auch als Selbständiger eine gewisse Arbeitsleistung bringen musste, standen diese Veröffentlichungen nur an einer sehr untergeordneten Stelle und waren selten.

Dies änderte sich als Gustaf Schröder mit seiner Familie nach Stockholm zog, denn der Schriftsteller war mittlerweile 63 Jahre alt geworden und sah als einzige Einnahmequelle nur noch die Schriftstellerei. Sein erstes Buch Minnen från skogarna im Jahre 1888 bot humoristische Erinnerungen seiner Jagdabenteuer und war unmittelbar ein Verkaufserfolg, was Schröder als Schriftsteller bestätige und ihn dazu veranlasste anschließend jedes Jahr ein weiteres Buch zu schreiben, zumindest bis zum Jahre 1909.

Auf der einen Seite veröffentlichte Gustaf Schröder eine größere Anzahl an Sachbüchern zur Jagd und zum Fischfang, neben seinen Erinnerungen an die Zeit im Wald. Auf der anderen Seite schrieb Schröder auch zahlreiche Jugendromane, die überwiegend in der finnischen Bevölkerung des Värmlands spielten. Mit diesen Büchern war der Schriftsteller der erste, der in Schweden auf literarische Weise auf diese Minorität aufmerksam machte und damit den Lesern eine völlig neue Welt zeigte.

Natürlich waren diese Jugendbücher Fiktion in denen Gustaf Schröder seinen handelnden Personen nur die edelsten Werte gab und einen idealisierten Naturmenschen darstellte, aber diese Bücher gehörten über Jahre hinweg zu den meist verkauften Jugendbüchern des Verlages Bonnier und waren eine absolute Neuerung innerhalb der schwedischen Jugendbücher. Kaum ein anderes Werk wurde so aufgelegt wie die Bücher Schröders über Örjan Kajland und Pekka Huskoinen, die in nur in den tiefsten Wäldern des Värmland zu finden waren.

Eine Sonderstellung nimmt das zweiteilige Werk En bruksbokhållares minnen von Gustaf Schröder ein, eine der realistischsten Darstellungen der industriellen Entwicklung des Värmlands während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Kein anderes Werk schildert in gleicher Härte das Leben der Arbeiter jeder Epoche. Dieses Buch, das auch heute noch ein bedeutendes kulturhistorisches Werk ist, beeinflusste unter anderem die Arbeiten von Dan Andersson und inspierierte Gustaf Fröding zum Gedicht Den gamla goda tiden.

Copyright: Herbert Kårlin

18 maj 2013

Elsa Nyblom und die pädogische Aufgabe der Literatur

Elsa Nyblom, geborene Blomberg, wurde am 18. Mai 1890 als Tochter des Hausmeisters Carl Gustaf Blomberg und dessen Frau, der Hebamme Gustava Kristina Abrahamsson in Stockholm geboren und starb am 6. Dezember 1956 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Nyblom war ab 1913 mit dem Schriftsteller und Journalisten Erik (Mac) Nyblom verheiratet.

Sehr früh entschied sich Elsa Nyblom eine künstlerische Karriere zu beschreiten, auch wenn sie in ihrer Jugend noch nicht an die Literatur dachte. Nach dem Besuch der privaten Mädchenschule Åhlinska in Stockholm studierte Nyblom ein Jahr lang Theater und Gesang. Nach dem Abschluss dieser Ausbildung ging sie mit Greta Stridsberg und Jenny Tschernichin-Larsson zwei Jahre lang auf Theatertournee, ohne sich jedoch besonders hervorzuheben.

Elsa Nyblom, Strängt Personligt, Förlag Ljus, 1945

Da Elsa Nyblom nach dieser Erfahrung selbst feststellte, dass das Theater wenig für sie geeignet war, nicht zuletzt deswegen, weil sie immer wieder ihren eigenen Willen durchsetzen wollte, und sie mittlerweile ihren späteren Ehemann kennengelernt hatte, entschloss sie sich daher Journalistin zu werden, da sie hier eine Rolle in der Meinungsbildung einnehmen konnte.

Ihre erste Sommeranstellung bei den Dagens Nyheter erhielt Elsa Nyblom 1913 über ihren Mann, der dort als Journalist arbeitete. Nyblom wurde nach dem Vikariat nicht übernommen, konnte jedoch auch in den Folgejahren immer wieder Artikel in der Zeitung unterbringen, da die Journalistin neue Wege ging und bei der Zeitung den sozialen Journalismus einführte.

Auch ohne feste Anstellung wurde Elsa Nyblom sehr aktiv im Pressegeschehen, denn sie begann bei den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften mitzuarbeiten und gründete, gemeinsam mit Tora Holm-Lundberg, sogar eine eigene Zeitung, die 1920 von Åhlen & Åkerlund aufgekauft wurde und Nyblom eine Anstellung als zweite Chefredakteurin brachte, die 1928 zur Chefredakteurin des Vecko-Journalen führte, eine Stelle, die sie bis 1943 behielt und durch die Übernahme der Zeitschrift durch Bonniers verlor, da Nyblom durch ihren starken Eigenwillen und ihr Streben nach Dominanz eine Belastung für den Verlag geworden war.

Die literarische Karriere von Elsa Nyblom begann erst als es kein zurück zum Journalismus mehr für sie gab, da man in der Zwischenzeit auch vom manipulativen Journalismus zum informativen Journalismus gewechselt hatte, eine Richtung, die Nyblom ablehnte, da für sie Schreiben damit verbunden war die Gesellschaft auf positive Weise zu verbessern.

Im Jahre 1945 erschienen, nach einem Handbuch für Hausfrauen (Varukännedom och inköpskonst) und Kvinnans hem är värld, Elsa Nybloms Memoiren in drei Bänden, die allgemein als ihr Hauptwerk betrachtet werden und mit einem Portrait des armen Teiles von Östermalm beginnen, dem Stockholmer Stadtteil in dem die Schriftstellerin aufwuchs. Einige Literaturwissenschaftler bezeichnen diese drei Bände Nybloms nahezu als Klassiker der schwedischen Literaturgeschichte, während andere die Bücher der Schriftstellerin, zu Unrecht, gar nicht erst beachten und als Beschäftigungstherapie betrachten. Selbst unter der Liste der weiblichen Schriftstellerinnen des Nordens sucht man Nyblom bisher vergebens.

Da Elsa Nyblom mit ihrer dominanten Art kaum mit anderen Menschen zurecht kam, wurde ihr literarisches Schaffen, das zwischen 1945 und ihrem Tod erschien und sowohl aus einigen Romanen und mehreren Jugendbüchern besteht, von Kritikern kaum beachtet. Nur die Literaturwissenschaftlerin Birgitta Theander vergleicht den Humor, den Nyblom bei ihren Mädchenbüchern zeigt, mit jenem von Astrid Lindgren, Ester Ringnér-Lundgren und Christina Söderling-Brydorf, nachdem sie vier Jugendbücher der Autorin näher betrachtete und analysierte.

Elsa Nyblom war als Schriftstellerin und Journalistin vor allem das Opfer ihres eigenen Charakters, da sie sich selbst im Mittelpunkt sehen wollte und sich dadurch bei anderen Schriftstellern und vor allem bei Kritikern unbeliebt machte, diese aber letztendlich entscheiden welche Stellung ein Autor innerhalb der Literaturgeschichte einnimmt und nicht die zahlreichen Leser, die Nyblom mit ihren zwölf Büchern, die im Laufe von zehn Jahren erschienen, in ihren Bann ziehen konnte. Ihre Mädchenbücher wurden auch in andere Sprachen übersetzt.

Bei ihren Memoiren zeigt sich Elsa Nyblom, trotz der einfachen Sprache, die sie benutzt, als gute Beobachterin und sie porträtiert dabei einige der Personen, die ihren Weg kreuzten mit außerordentlicher Klarheit und Schärfe. Ihre Kinderbücher richten sich an Mädchen und hatten, wie die Mehrheit der Kinderbücher jener Zeit, eine moralisch erzieherische Aufgabe, was jedoch nichts an ihrer Spannung nimmt. Ihre Romane richteten sich an ein sehr breites Publikum, da sie mit der klaren Struktur und der relativ einfachen Wortwahl auch Leser ansprach, die keine höhere Bildung hatten, aber dennoch an einer gewissen Kultur und am Lesen interessiert waren.

Copyright: Herbert Kårlin

5 april 2013

Maria Gripe und das realistische Kinderbuch Schwedens

Maria Gripe, geborene Walter, wurde am 25. Juli 1923 in Vaxholm geboren und starb am 5. April 2007 in Rönninge. Die Schriftstellerin war ab 1946 mit dem Künstler Harald Gripe verheiratet, der auch mehrere ihrer Bücher bebilderte und die Titel gestaltete, jedoch fünf Jahre vor ihr starb.

Die Schriftstellerin verbrachte die ersten sechs Jahre in Vaxholm und ihre Jugend anschließend in Örebro, wohin die Familie gezogen war. Einige Jahre später zog Maria Gripe nach Stockholm wo sie auch die Hochschulreife ablegte. Nach ihrem Abitur schrieb sich Gripe an der Universität Stockholm ein.


Auch wenn Maria Gripe bereits als Zehnjährige unterhaltsame Geschichten erfand, die sie ihren jüngeren Geschwistern erzählte und als Teenager einige Gedichte schrieb, so brach sie mit ihrem Umzug nach Stockholm mit jeder Art des Schreibens und die Erzählung von erfundenen Geschichten begann erst wieder als Maria und Harald Gripe ihre erste Tochter Camilla bekamen. In dieser Zeit begann die Schriftstellerin dann auch über das Schreiben von Büchern nachzudenken und zeichnete die ersten Geschichten, die sie für ihre Tochter erfand, auf.

Im Jahre 1954 erschien mit I vår lilla stad das erste Kinderbuch von Maria Gripe, das jedoch, ebenso wie einige der Folgebücher, kaum gekauft wurde und nahezu unbeachtet blieb. Der Durchbruch der Autorin kam erst mehrere Jahre später mit den drei Büchern Josefin aus dem Jahre 1961, Hugo och Josefin, das ein Jahr später erschien und 1966 mit den Folgeband Hugo.

Diese drei Bücher von Maria Gripe kamen vermutlich gerade deswegen so gut an, weil die Autorin hier die Situation einer Freundschaft zwischen einem Mädchen aus einem Pfarrhaus und einem Jungen aus der Natur zeigt und Josefin den Weg in eine vorurteilslose Welt geht, jedoch sehr bald die Grenzen erfährt, die die Gesellschaft dieser Ideologie setzt. Gripe greift dabei, wenn auch etwas im Hintergrund, ein universelles Thema der Frauenbewegung auf und zeigt, dass die „neutrale“ Gesellschaft der größte Feind des freien Denkens ist. Diese drei Bücher sind bis heute Klassiker der Kinderliteratur und werden regelmäßig neu aufgelegt.

Nach einem kurzen Ausflug mit einigen Büchern in die Sagenwelt kehrt Maria Gripe in den 70er Jahren mit der Serie Elvis zurück in die Wirklichkeit und schildert das Schicksal eines Jungen, der von der Mutter den Namen Elvis, nach ihrem großen Idol Elvis Presley, erhalten hat und nun den Erwartungen der Mutter nicht gerecht werden kann und einen Kampf nach innen und außen führen muss um seine Integrität und seine Personalität zu behalten.

Sämtliche Bücher, die Maria Gripe dann noch bis zu ihrem Tod schreibt, werden zu Erfolgsbüchern, die die Kritiker jedoch nicht immer positiv behandeln, denn so mancher unter ihnen wirft Gripe immer wieder vor, dass ihre Hauptfiguren immer Kinder sind, die die Welt von einer besonderen Warte aus sehen, Außenseiter sind und daher nicht der Norm entsprechen, woraufhin die Schriftstellerin grundsätzlich antwortete, dass alle Kinder die Welt auf ihre eigene Weise sehen und nicht in der gleichen Wirklichkeit leben wie die Erwachsenen.

Bei ihren späteren Werken greift Maria Gripe oft zum Übernatürlichen und Mystischen. Die Autorin benutzt nun die Methoden von Autoren wie Edgar Allan Poe, den Geschwistern Brontë und Carl Jonas Love Almqvist, übertragen auf Kinderbücher, und will damit einen Gegenpol zur Gewaltliteratur schaffen, die sich vor allem ab den 90er Jahren immer mehr in die Welt des Kinder- und des Jugendbuches eindringt und sich in allen Bereichen des täglichen Lebens ausbreitet. Maria Gripe will die Gewalt aus der Phantasie der Kinder ausschalten.

Die Bücher von Maria Gripe wurden in rund 30 Sprachen übersetzt und mehrere unter ihnen wurden für das Kino und die Fernsehanstalten verfilmt. Ihre Leistung im Bereich des Kinder- und Jugendbuches ist noch heute mit jener Astrid Lindgrens zu vergleichen, nur dass Gripe die Idylle mit Sozialkritik und Realismus getauscht hat und Kindern eine Verbindung zwischen Phantasie und Realität bietet.

Maria Gripe, für die der Respekt von einem „Andersdenken“ und die persönlichen Eigenschaften eines jeden Menschen extrem wichtig waren, was auch eine Frage der Toleranz ist, erhielt mehrere bedeuten internationale Preise für ihr Schaffen, verbrachte jedoch die letzten Jahre ihres Lebens wegen Demenz in einem Heim, wo sie im Alter von 83 Jahren starb. Ihr letztes Buch Annas blomma veröffentlichte die Schriftstellerin im Jahre 1997.

Von literaturwissenschaftlicher Seite aus gesehen, ist die Serie mit Skuggan am Interessantesten, die Maria Gripe in den 80er Jahren schrieb, da hier die angewandte Symbolik vom Leser am wenigsten durchschaut werden kann. Es gibt daher kaum ein Jahr in dem nicht ein Student oder ein Doktorand diese Bücher nicht als Basis für seine Arbeit nimmt.

Copyright: Herbert Kårlin

Billigflug.de

1 april 2013

Maj Bylock und die schwedische Geschichte für Kinder

Maj Bylock, geborene Andersson, wurde am 21. März 1931 als Tochter des Veterinärs Nils Andersson und dessen Frau Manda Möller in Visby auf Gotland geboren und lebt heute bei Karlstad im Värmland. Bylock ist seit 1952 mit Erik Olof (Olle) Sigvard Bylock verheiratet.

Da die Familie Andersson bereits 1943 ins Värmland zog, verbrachte Maj Bylock nur ihre Kindheit auf Gotland und besuchte das Gymnasiumbereits  in Karlstad, wo sie 1951 auch die Hochschulreife ablegte und anschließend ein Lehrerstudium machte, eine der wenigen Ausbildungszweige, die damals in Karlstad zur Verfügung standen. Bylock arbeitete anschließend bis 1961 als Volksschullehrerin.


Auch wenn Maj Bylock, wie so viele andere schwedische Autoren, bereits mit sieben Jahren ihre ersten Gedichte schrieb und mit zwölf mit einem ihrer Gedichte auch einen Preis errang, so ließ sich die Autorin nicht von der Lyrik fangen, sondern von den Erzählungen ihres Vaters, der ihr bereits sehr früh die Geschichte Gotlands auf spannende Weise näher gebracht hatte und ihr mit Hilfe von Legenden und historischen Plätzen eine vergangene Welt öffnete.

Nach ihrem Vorbild Selma Lagerlöf begann Maj Bylock noch als Lehrerin damit Lehrbücher in Religion und Geschichte zu schreiben mit denen sie den Unterrichtsstoff spannender gestalten wollte. Auch wenn die Schriftstellerin dabei einen gewissen Erfolg hatte und das Interesse der Schüler für eine trockene Materie wecken konnte, so kam damit kein Erfolg und ihre Werke wurden nur in einem sehr begrenzten Raum eingesetzt. Vieles benutzte die Autorin auch nur beim eigenen Unterricht als eine Art Revolte gegen den klassischen Faktaunterricht, der um diese Zeit noch üblich war.

Aber Maj Bylock gab deswegen nicht auf Bildung auf einfache Weise zu vermitteln, sondern begann ab Mitte der 60er Jahre Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, deren Themen sie sehr häufig aus der Geschichte holte. Ihr Ziel dabei war, dass sich die jungen Leser mit einer Persönlichkeit des Buches identifizieren konnten und damit Teil der Erzählungen wurden. Diese Technik verhalf unzähligen Kindern Schwedens dazu sich für die Geschichte der Wikinger, der Hexenverfolgungen oder auch für die religiöse Mythologie zu interessieren.

Eine besondere Rolle nehmen in diesem Rahmen die sieben Bücher über die Hexen Schwedens des 17. und 18. Jahrhunderts ein, die sich vor allem an junge Mädchen richten und deren Hauptfiguren auch starke Mädchen spielen. Maj Bylock gelang es mit dieser Serie, die zwischen 1989 und 1998 erschien, einen Beitrag zur Frauenbewegung Schwedens zu schaffen ohne dabei zu den typischen Mitteln der Frauenliteratur greifen zu müssen und sie lässt gleichzeitig ein Stück schwedischer Geschichte entstehen, das ohne Fakten und Zahlen auskommt, die Jugendliche ohnehin weder interessiert, noch für das Verständnis jener Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Noch bis zu  21. Jahrhunderts unterschied man bei Maj Bylock sehr deutlich die Kategorien Jugendbuch und Lehrbuch und erst in den letzten Jahren zeigen wissenschaftliche Forschungen, dass beides eine Einheit ausmacht, insbesondere, wenn man bedenkt, dass Bylock keinerlei geschichtlichen Fakten verfälschte, sondern lediglich durch fiktive Personen mit denen sich die Leser identifizieren können ergänzte und damit einen lockeren Zusatz zu vorhandenem reinem didaktischen Materials bietet.

Auch wenn Maj Bylock bisher nur einen Teil der schwedischen Geschichte in Form von Kinder- und Jugendbüchern erzählte, begann sie ab 1995 immer mehr in die Belletristik überzugehen und die weltweit wichtigsten Jugendbücher in schwedischer Sprache nachzuerzählen. Ihr erster Band war einer der Bestseller der Jugendliteratur aller Zeiten, nämlich „Onkel Toms Hütte“.

Noch heute zögern viele Literaturwissenschaftler Maj Bylock in der schwedischen Literaturgeschichte aufzunehmen, obwohl gerade Bylock immer noch sehr viel gelesen wird und ihre Bücher mehr in Bibliotheken ausgeliehen werden als jene anderer Autoren von Kinder- und Jugendbücher und damit einen wesentlichen Beitrag innerhalb der schwedischen Literatur leisten, auch dadurch, dass sie täglich weitere Kinder und Jugendliche ans Lesen bringt.

Maj Bylock erhielt im Jahre 1990 den begehrten Astrid Lindgren-Preis und wurde 2006 Ehrendoktor der Universität Karlstad. Bylocks bisher zuletzt erschienenes Buch Dimmornas ö ist der dritte Band über die Kelten im heutigen Frankreich und zeigt die Vermischung von der Geschichte der Kelten und ihrer Mythologie.

Copyright: Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

14 mars 2013

Laura Fitinghoff, Kinderbücher aus Nordschweden

Laura Fitinghoff, geborene Runsten, wurde am 14. März 1848 als Tochter des Priesters Jonas Bernhard Runsten und dessen Frau Ottilia Mathilda Catharina Löfvander in Sollefteå geboren und starb am 17. August 1908 in Stocksund bei Stockholm. Fitinghoff war mit dem um 44 Jahre älteren Gutsbesitzer Conrad Bleckert Fitinghoff verheiratet.

Da Laura Fitinghoff als Tochter eines Propstes zur bürgerlichen Schicht jener Zeit gehörte, wurde sie, gemeinsam mit ihren vier Schwestern, im Elternhaus unterrichtet. Der Unterricht erstreckte sich vor allem auf Latein, Französisch, Deutsch, Englisch, Literatur und Astronomie, aber auch Hauswirtschaft und vor allem Musik, die im Elternhaus eine wichtige Rolle spielte. Um ihre Musikkenntnisse zu verbessern, besuchte Fitinghoff auch die Musikakademie.


Die Ehe von Laura Fitinghoff war von Beginn an nicht sehr glücklich, da die Liebe einseitig vom Ehemann kam, der sieben Mal freite bevor Fitinghoff der Ehe, auf Druck des Vaters, zustimmte. Bereits 1885 lebte das Paar getrennt und die Schriftstellerin lebte von den Mieteinnahmen eines Miethauses, das sie in Stockholm gepachtet hatte. Sie wohnte, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tochter, ebenfalls in diesem Mehrfamiliengebäude. Stockholm bot Fitinghoff in den kulturellen und literarischen Salons zu verkehren, wo sie auch zahlreiche einflussreiche Personen der Epoche traf.

Laura Fitinghoff schrieb ihr erstes Buch erst nachdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt hatte, wobei ihr erstes Kinderbuch nahezu dem Zufall zugeordnet werden kann, denn die Schriftstellerin erzählte im Jahre 1884 ihrer kranken Tochter Geschichten aus dem Norden, die sie teilweise erfand, teilweise aber auch selbst erlebt hatte. Um diese Geschichten zu behalten, zeichnete sie diese jeden Abend auf und schickt das Manuskript En liten värld bland fjällen 1885 an den Hökerbergs Verlag, der es unmittelbar veröffentlichte.

Das Kinderbuch En liten värld bland fjällen, das das erste Buch wurde, das von der Künstlerin Jenny Nyström bebildert wurde, gilt als das erste moderne Kinderbuch Schwedens, da Laura Fitinghoff in diesem Werk mit der alten Tradition der Rollenteilung brach und das Buch im Einfluss der Denkweise von Ellen Key schrieb und, wenn auch auf vereinfachte Weise, die Kinder zu einem modernen Denken brachte bei dem die Frau nicht mehr hilflos dem Mann ausgeliefert ist, sondern für ihre Rechte eintreten muss und kann.

Von dieser Zeit an schrieb Laura Fitinghoff regelmäßig Romane für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, wobei sie ihre Stärke vor allem bei Erzählungen für Kinder zwischen sechs und zwölf fand. Der erste offizielle Erfolg der Schriftstellerin wurde dann Vårluft, ein Roman für den sie im Jahre 1891 den halben Literaturpreis der Zeitschrift Idun verliehen bekam.

Auch wenn Laura Fitinghoff nach der Trennung von ihrem Mann zahlreiche Reisen in ganz Europa unternahm und dadurch den unterschiedlichsten Strömungen ausgesetzt war, handeln ihre Bücher nahezu alle vom Norden Schwedens und bieten einen Einblick in das harte Leben jener Zeit, das für viele von Armut und Hunger geprägt war. Besonders hervorzuheben sind hier Fitinghoffs autobiografischen Werke wie I fjälluft aus dem Jahre 1899 oder  Vid gränsen, das 1906 erschien.

Im Jahre 1906 wurde bei Laura Fitinghoff ein Magenkrebs entdeckt, der der Schriftstellerin große Schwierigkeiten machte und sie häufig ans Bett fesselte. Trotz der Krankheit schrieb Fitinghoff zu Beginn 1907 innerhalb von nur sieben Wochen ein weiteres Buch, das ihr einen sicheren Platz in der schwedischen Literaturgeschichte bieten sollte und noch heute, über 100 Jahre nach dem Tod der Autorin, verkauft wird. In Barnen ifrån Frostmofjället erlebt man Kinder mit ihrer Ziege, die bei einer Wanderung über das nordische Gebirge eine bessere Zukunft suchen. Das Buch erschien nahezu gleichzeitig mit Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige von Selma Lagerlöf und zeigt eine Seite, die man bei Nils Holgersson vergeblich sucht, nämlich intensives Gefühl.

Barnen ifrån Frostmofjället erscheint bereits zum Weihnachtsgeschäft des Jahres 1907 und noch vor Weihnachten war die erste Auflage des Buches restlos vergriffen. Laura Fitinghoff hatte zu dieser Zeit bereits begonnen ein Folgebuch zu schreiben, das jedoch auf Grund der Krankheit und ihres Todes nicht mehr fertiggestellt wurde.

Der Erfolg von Laura Fitinghoffs Büchern liegt nicht nur an der einfachen Sprache, die sie benutzte oder den Naturschilderungen Nordschwedens, sondern insbesondere daran, dass sie Kindern auch in den schwierigsten Situationen noch eine Hoffnung gibt und ihnen zeigt wie wichtig die Natur für den Menschen ist. Sehr vieles in den Büchern von Fitinghoff ist noch heute aktuell, auch wenn sich im Laufe von 100 Jahren sehr viel in unserer Gesellschaft geändert hat. Die Schriftstellerin versuchte mit ihren Werken weniger lehrreich zu sein wie Selma Lagerlöf und viele andere Kinderbuchautoren, sondern legte ein bedeutendes Gewicht auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Glauben an die Zukunft, was viele ihrer Kritiker als religiöse Züge bezeichnen.

Laura Fitinghoff engagierte sich in mehreren Vereinen zum Tierschutz und dem Recht der Frau. Mit ihrer Tochter wanderte sie sehr viel im Gebirge Nordschwedens um ihr die Natur näher zu bringen und die Stellen zu zeigen, die in ihren Büchern eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn die Autorin in Stockholm lebte, so war ihr Gefühl in der Weite der Natur und den Bergen des Nordens zu finden. Da Fitinghoff zwar die Frauenbewegung jener Zeit als positiv betrachtete, jedoch auf militante Einsätze verzichtete, wurde sie von Elin Wägner auf die negativste Weise kritisiert, was jedoch verständlich ist, denn Wägner wollte mit der Feder kämpfen und Fitinghoff glaubte an einen sanften Übergang zur Gleichstellung der Frau. Wägner symbolisiert die Stadt und Fitinghoff die Weite des nördlichen Schweden.

Copyright: Herbert Kårlin

18 januari 2013

Kerstin Johansson i Backe, Kinderbücher aus dem hohen Norden

Kerstin Johansson i Backe, geborene Bergqvist, wurde am 23. November 1919 in einer streng methodistischen Familie in Boden geboren und starb am 18. Januar 2008 in Visby auf Gotland. Die Schriftstellerin war mit dem Lehrer und Schriftsteller Karl-Erik Johansson i Backe verheiratet. Ihr Vater war vermutlich der Freizeitmaler Oskar Bergkvist.

Auch wenn Kerstin Johansson i Backe, die, gemeinsam mit ihrem Mann, den Namensanhang „i Backe“ gegen 1960 annahm als das Ehepaar nach Backe im Ångermanland zog, in Boden geboren war, so verbrachte sie ihre Kindheit und ihre Jugend in Kiruna, wo sie auch ihren Mann kennenlernte, der in der Nachbarschaft wohnte. Im konservativen methodistischen Gedankengut der 20er und 30er Jahr war es ausgeschlossen, dass die Schriftstellerin eine höhere Bildung bekam. Sie befreite sich jedoch mit 20 Jahren von dem im Heim überall dominanten Gott, heiratete Karl-Erik Johansson und folgte ihm an die Orte in denen er als Lehrer eine Arbeitsstelle fand.


Der Weg zum ersten Kinderbuch war für Kerstin Johansson i Backe sehr lang und nicht geplant, denn mit 17 wurde sie Modistin in Kiruna, ab 1942 war sie Hausfrau und zwischen 1966 und 1975 arbeitete Johansson als Bibliothekarin. Die Idee ein Kinderbuch zu schreiben wuchs im Jahre 1960, als die dritte Tochter des Paares geboren wurde, „lilla Katta“, ein Kind, das nicht wie die anderen war, sondern entwicklungsgestört geboren wurde und die gesamte Aufmerksamkeit der Mutter forderte.

Da die Eltern das Mädchen, gegen den Rat der Ärzte und Ämter, nicht in einem Heim wegschlissen wollten, blieb Kerstin Johansson i Backe zu Hause und kümmerte sich um die Erziehung von Katta. In der freien Zeit und den Nächten in denen die Schriftstellerin nicht schlafen konnte, begann Johansson ihr erstes Kinderbuch zu schreiben, das dann 1961 unter dem Titel Holken erschien und das erste einer Reihe von 21 Kinder- und Jugendbüchern werden sollte.

Der große Erfolg von Kerstin Johansson i Backe kam, weil die Autorin aus dem hohen Norden keine Kinderbücher wie andere, damals vor allem weibliche Autoren, schrieb, sondern ihre Themen aus dem wirklichen Leben nahm und die schwierigsten Situation aus der Warte eines Kindes schildern konnte. Johansson sprach dabei alle Kinder an, die sich in irgendeiner Weise allein gelassen oder unverstanden fühlten, aber auch gemobbt wurden oder erlebten wie ungerecht die Gesellschaft Kindern gegenüber sein kann.

Während die ersten Kinderbücher von Kerstin Johansson i Backe noch sehr persönliche Bücher waren, die aus ihrer eigenen Situation entstanden und ihr dabei halfen die eigenen Probleme zu bewältigen, ging sie später mehr und mehr dazu über über Mobbing, Rassismus und Angst vor dem Unbekannten und den Änderungen in ihren Büchern zu schreiben und dabei gleichzeitig das Leben der 30er Jahre in Lappland zu schildern, das für viele Kinder mehr einer Hölle glich als einer ruhigen Kindheit, da dort täglich mehrere Kulturen gewaltsam aufeinander stießen.

Das Kinderbuch von Kerstin Johansson i Backe, das die Situation der 30er Jahre in Lappland am deutlichsten ausdrückt, in mehrere Sprachen übersetzt wurde, und 2003 verfilmt wurde, ist das Buch Som om jag inte fanns aus dem Jahre 1978, die wirkliche Geschichte von der finnisch sprechenden Elina, die in Kiruna in eine schwedische Schule muss in der die Anwendung jedes finnischen Wortes bestraft wird, aber auch kein schwedischer Lehrer bereit ist den Kindern einen verständlichen Übergang zur Zweisprachigkeit zu bieten, denn die Regierung in Stockholm will die Minoritäten des Landes zu reinen Schweden machen.

Das am häufigsten gelesene Buch von Kerstin Johansson i Backe ist allerdings die Liebesgeschichte Moa och Pelle aus dem Jahre 1981 für das die Autorin auch ein Jahr mit der Nils Holgersson Plakette ausgezeichnet wurde. Moa und Pelle können ohne Vorurteile jahrelang gemeinsam zu Hause spielen, bis zum Tag als die Schule beginnt und die beiden erfahren müssen, dass es eine Welt für Mädchen und eine für Jungen gibt, deren Grenzen auf Grund der Vorurteile der Erwachsenen nicht überschritten werden dürfen und die beiden Kinder erleben einen Schock dessen Ursache sie nicht begreifen können.

Mit Där inga prästkragar växer legte Kerstin Johansson i Backe das einzige Kinderbuch vor, das nicht von anderen Kindern berichtet, sondern autobiografische Züge trägt und das Leben eines Kindes im Bergwerkmilieu der 30er Jahre schildert und damit literarisch zur Kulturgeschichte Nordschwedens beiträgt, die hier nicht von der Seite der Industrie geschildert wird, sondern das Geschehen mit den Augen eines Kindes verfolgt.

Im Jahre 1964 erklärte sich Kerstin Johansson i Backe sich bereit im Dokumentarfilm En dag med Katarina teilzunehmen und das Leben mit einem entwicklungsgestörten Kind zu schildern, eine Situation in die jede junge Familie geraten kann. Die Schriftstellerin stellt in diesem Rahmen auch eine Schlüsselfrage: „Was wird aus unserem Kind, wenn wir einmal nicht mehr da sein werden?“

Copyright: Herbert Kårlin

5 december 2012

Peter Pohl und das düstere Jugendbuch der Probleme

Peter Pohl wurde am 5. Dezember 1940 in Hamburg mit einem deutschen Vater und einer schwedischen Mutter geboren. Nachdem der Vater während des Zweiten Weltkriegs umkam, kehrte die Mutter mit ihrem Sohn im Jahre 1945, unmittelbar nach dem Krieg, zurück nach Schweden, so dass der Schriftsteller seine Kindheit und seine Jugend bereits in Schweden verbrachte.

Im Jahre 1947 begann Peter Pohl die Grundschule, von der aus er vier Jahre später in die Södra Latin wechselte, ein Gymnasium mit sehr guter Reputation in Stockholm, das er 1959 mit der Hochschulreife abschloss. Nachdem der Schriftsteller seine Wehrpflicht abgeleistet hatte, studierte er Physik und Mathematik. Ab 1963 arbeitete Pohl dann in der militärischen Forschungsanstalt, wechselte jedoch nach einigen Jahren als Forscher zur KTH (Kungliga Tekniska Högskolan). Nach seiner Disputation wurde er Lektor am Institut NADA. Pohl lebt heute mit seiner Familie in Tyresö, südlich von Stockholm.


Als Schriftsteller führt Peter Pohl, der nach wie vor hauptberuflich als Forscher arbeitet, ein doppeltes Leben, denn zum einen veröffentlichte er bereits mehrere Lehrbücher in numerischer Analyse und zum anderen konnte er sich seit 1985 auf dem schwedischen Jugendbuchmarkt behaupten und zählt zu den beliebtesten Jugendbuchautoren der Gegenwart.

Bevor Peter Pohl jedoch zum Schreiben kam, beschäftigte er sich relativ erfolgreich mit der Fotografie und dem Film. Als er jedoch feststellte, dass er in seinen Filmen nie so viel erzählen konnte wie er erzählen wollte, nahm er 1983 an der Schriftstellerwerkstatt des Literaturverbandes Ordfront teil, was Pohl darin bestätigte, dass das Wort und der Stil seine Ausdrucksweise waren. Der Schriftsteller nahm ein Manuskript, das er bereits in den 50er Jahren geschrieben hatte, bearbeitete es und 1985 erschien sein erstes Jugendbuch Janne, min vän (Jan, mein Freund), das im Folgejahr als eine der bedeutendsten Neuerscheinung unter den Jugendbüchern bezeichnet wurde und mit einem Buchpreis und der Nils Holgersson-Plakette belohnt wurde.

Heute hat Peter Pohl nicht nur rund 30 Jugendbücher veröffentlicht, sondern kann auch auf einen Augustpriset des Jahres 1992 zurückblicken, mit dem nur die besten Schriftststeller Schwedens ausgezeichnet werden. Ausgezeichnet wurde sein Werk Jag saknar dig, jag saknar dig! (Du fehlst mir, Du fehlst mir!), das, wie schon sein Erstlingswerk, in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Wenn Peter Pohl ein neues Buch beginnt, so denkt er, nach eigenen Aussagen, nicht an ein bestimmtes Publikum, auch wenn seine Werke in der Regel als Kinderbücher oder Jugendbücher angeboten werden. In seinen Augen sind einige davon eher Erwachsenenbücher, die eben von Jugendlichen gelesen werden. Für ihn ist der Inhalt wichtig und nicht die Zielgruppe, die ein Verleger oder Buchhändler vielleicht im Auge hat.

Auch zahlreiche Kritiker sehen die Bücher von Peter Pohl mehr als Erwachsenenliteratur, da seine Geschichten sich fast alle dadurch auszeichnen, dass sie von den Schattenseiten der Jugendlichen sprechen und der Autor das Leiden und die Sorge oft sehr ausführlich schildert, möglicherweise in Erinnerung an das Södra Latins sommerhem, eine Art Sommerkolonie, wo der Schriftsteller ab seinem 15. Lebensjahr Jugendleiter war und bis 1970 mit dieser Tätigkeit fortsetzte. In diesem Punkt unterscheiden sich Peter Pohls Bücher bedeutend von anderen Jugendbücher, denn seine Werke sind düster und geradezu ein Gegenstück von Astrid Lindgrens Emil, Kalle oder Pippi Långstrump.

Vermutlich will Peter Pohl mit seinem düsteren Stil die Leser daran erinnern, dass das Leben kein Märchen ist, sondern eine harte Realität, die man immer wieder konfrontieren muss. Als Heilmittel benutzt der Schriftsteller lediglich die Freundschaft, die in manchen seiner Bücher der einzige Lichtblick ist.

Einen Schlüssel zu seiner Denkweise liefert Peter Pohl mit seinem jüngsten Buch Allt kan vara anstötligt, wo er in 32 verschiedenen Texten Kinder und Jugendlich die Schule und die gegenwärtige Gesellschaft kritisch betrachten lässt und man zum Ergebnis kommt, das sich in den letzten 40 Jahren für die kommende Generation kaum etwas geändert hat. Allt kan vara anstötligt ist das vermutlich düsterste Buch des Autors, das jedoch jeder lesen sollte, der in irgendeiner Weise mit Kindern arbeitet.


Copyright: Herbert Kårlin

3 december 2012

Gunnel Beckman, vom Kriminalroman zum Kinderbuch

Gunnel Beckman, geborene Torulf, wurde am 16. April 1910 als Tochter des Beamten John Torulf und seiner Frau Villy Wiedesheim-Paul in Falköping geboren und starb ab 3. Dezember 2003 in Solna. Gunnel war seit 1933 mit dem Schriftsteller und Verleger Birger Beckman verheiratet, der jedoch bereits im Jahre 1984 starb.

Nach eigenen Angaben wuchs Gunnel Beckman in einer gut bürgerlichen Familie auf. Nachdem sie ihre Hochschulreife in Göteborg abgelegt hatte, studierte sie an der Universität Lund an der philosophischen Fakultät. Nach ihrem Studium begann sie als Journalistin bei der Göteborger Zeitung Morgonstjärnan zu arbeiten. 1943 zog das Ehepaar Beckman nach Stockholm und Gunnel Beckman entwickelte sich zur Hausfrau mit fünf Kindern, die freiberuflich immer wieder für die Presse, insbesondere aber für das Svenska Dagbladet arbeitete.


Wann Gunnel Beckman ihr erstes Buch veröffentlichte, ist bis heute etwas umstritten, da man im schwedischen Autorenlexikon lesen kann, dass im Jahre 1945 ihr Kriminalroman Mord i månadsgillet erschien und zwei Jahre später ein weiterer Krimi. Beckman erklärte jedoch immer, dass sie zwar an den beiden Kriminalromanen mitarbeitete, die Hauptarbeit und die Idee jedoch von ihrem Mann kamen.

Dies ist auch glaubwürdig, da Gunnel Beckman Ende der 50er Jahre einen eigenen Kriminalroman an den Verlag Bonniers geschickt hatte, der mit den Worten zurückkam, dass sie alle Leichen streichen soll und das Herumschleichen in den Büschen vergessen soll, denn dann könnte ihr Manuskript ein gutes Kinderbuch werden.

Gunnel Beckman schien sich einige Gedanken über die Kritik gemacht zu haben, arbeitete das Buch um und statt einem Kriminalroman erschien 1960 ihr erstes Jugendbuch mit dem Titel Medan katten var borta. Dieses erste Buch Beckmans, das noch zu viel Idylle beinhaltete, war kein Bestseller, ebenso wenig wie ihre folgenden fünf Jugendbücher, die von mehreren Kritikern noch als Lernprozess der Autorin betrachtet wurden.

Der Durchbruch als Jugendbuchautorin kam für Gunnel Beckman mit ihrem Werk Tillträde till festen (Ich, Annika : Erlebnisse u. Begegnungen einer jungen Schwedin) im Jahre 1969, einem Briefroman, der mit großem Erfolg auch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Der Erfolg dieses Jugendbuches lag vor allem daran, dass die Autoren hier mit einem Tabu der Jugendbuchbranche brach und die Hauptfigur, ein 19-jähriger Teenager, davon informiert wird eine tödliche Krankheit haben, die ihr Leben vorn Grund auf verändern soll.

Durch diesen Erfolg blieb Gunnel Beckman bei Frauenthemen für Jugendliche in denen auch die Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter eine bedeutende Rolle spielt. Mit Tre veckor över tiden behandelt sie 1974 die Angst der jungen Mia vor einer Schwangerschaft und noch im gleichen Jahr erscheint auch Våren då allting hände, ein Jugendbuch, das die Zeitdebatte Sex der 60er Jahre aufnimmt, vom akademischen Zukunftstraum und der Abtreibung handelt. Gunnel Beckman konnte bei diesen Büchern auf die die Erfahrungen mit ihren eigenen Töchtern und deren Freundinnen aufbauen und daher realistische Situation beschreiben bei den man nie wusste, ob sie Realität waren oder dem Reich der Phantasie entstammten.

Bei sämtlichen Büchern, die Gunnel Beckman nach Tillträde till festen schrieb, blieb sie bei Themen, die nicht nur die Jugend der 70er und 80er Jahre beschäftigte, sondern die auch heute noch aktuell sind, denn die Autorin behandelt in ihren Jugendbücher das Rollenverhalten, die Gewalt innerhalb einer Partnerschaft und das permanente Generationsproblem. Gerade weil die Schriftstellerin damit in der Zeitströmung blieb und den Umbruch der Gesellschaft auf eine leicht lesbare Weise dokumentierte, erregten mehrere ihrer Werke auch außerhalb Schwedens bedeutendes Aufsehen, wo man allerdings ihre sachlichen Beschreibungen manchmal mit sexueller Freizügigkeit und einem „sündigen“ Schweden verwechselte.

Auch wenn Gunnel Beckman eine hervorragende Jugendbuchautorin war und dies 23 Jahre lang mit teilweise aufsehenerregenden Büchern bewies, so strebte sie danach Bücher für Erwachsene zu schreiben, denn nicht nur ihr erster Kriminalroman wurde abgelehnt. Auch der Durchbruchsroman Med tillträde till festen wurde 1964 von der Autorin als Roman für ein erwachsenes Publikum geschrieben und vom Verlag abgelehnt. Erst die Umarbeitung als Jugendbuch brachte drei Jahre später den Erfolg.

Im Jahre 1992, fast zehn Jahre nach ihrem letzten Jugendbuch, veröffentlichte Gunnel Beckman mit På vandring i Falköping - nu och då ihr erstes Buch für Erwachsene, aber auch dieses Werk ist heute nahezu vergessen, da sich die Sprache der Schriftstellerin immer an Jugendliche richtete.

Copyright: Herbert Kårlin

23 november 2012

Thomas Brylla, Sport im Jugendbuch und im Kriminalroman

Thomas Brylla wurde am 17. Juli 1944 in Örebro geboren und starb am 22. November 2009 nach einer längeren Krankheit in Uppsala, wo er seit 1963 lebte und als Kulturjournalist, Bibliothekar und Schriftsteller arbeitete.

Nach Uppsala kam Thomas Brylla wegen seinem Studium an der dortigen Universität. Dass er dort blieb, lag  daran, dass er in der Stadt seine Ehefrau Eva kennen lernte und 1972 schließlich auch eine Stelle als Bibliothekar an der Bibliothek in Uppsala fand.


Das erste Buch von Thomas Brylla erschien im Jahre 1987 unter dem Titel Lexikon för livet und war im Prinzip kein literarisches Werk, sondern die Zusammenstellung von alten Ausdrücken und Sprichworten der Landwirtin Anna Carlsson, die sich im Alter von 100 Jahren noch an etwa 1800 um diese Zeit teilweise vergessene Ausdrücke und Sprichworte erinnerte und die Sigvard Cederroth für ethnologische Zwecke gesammelt hatte.

Erst im Jahre 1992 erschien dann das erste Jugendbuch Sikta mot stjärnorna von Thomas Brylla, ein Roman, der im Sportmilieu Uppsalas spielt und sportliches Training mit Ausscheidungen und erste Liebe mischt. Der Autor greift hier vor allem auf seine Erfahrung als Trainer im Langlauf für junge Mädchen zurück, eine Aktivität, die beachtliche Erfolge zeigte, denn einige der von ihm trainierten Sportlerinnen wurden selbst in der Nationalmannschaft aufgenommen.

Mit dem Buch Befriande Mord veröffentlicht Thomas Brylla dann seinen ersten Kriminalroman, der ebenfalls in Uppsala spielt und bei dem der Fall vom Rechtsanwalt Peter Bromander und dem Kommissar Staffan Öhm gelöst wird. Diese beiden Figuren tauchen in weiteren vier der insgesamt sechs Kriminalromane des Schriftstellers auf, wobei man auch bei den Krimis immer wieder den Trainer Brylla spüren kann für den Uppsala mit Jugend und sportlicher Leistung verbunden wird.

Obwohl die Jugendbücher und die Kriminalromane von Thomas Brylla mit mittlerem Erfolg bei größeren schwedischen Verlagen erschienen, entscheidet sich der Autor im September 2001 den Selbstverlag Bombus zu gründen in dem er allerdings nicht nur seine eigenen Werke veröffentlichen wollte, sondern insbesondere auch jene seiner Ehefrau Eva, die als Dozentin der Universität Uppsala Namensforschung betreibt. Die Produktion blieb allerdings bescheiden. Der Verlag wurde im Jahre 2010 von Eva Brylla übernommen.

Im Jahre 2009 erscheint mit Kvävande död der letzte Kriminalroman von Thomas Brylla, da der Autor plötzlich erkrankte und sich davon nicht mehr erholen konnte. Der Rechtsanwalt Peter Bromander klärt in diesem Werk den letzten Fall des Schriftstellers und führt den Leser auch ein letztes Mal durch die Straßen Uppsalas. Der Autor, der auch mehrere Sachbücher, zahlreiche Zeitungsartikel und Rezensionen geschrieben hat, starb mit 65 Jahren in Uppsala.

Copyright: Herbert Kårlin

12 september 2012

Aurora von Qvanten, die vergessene Schriftstellerin Schwedens

Aurora von Qvanten, geborene Örnberg, wurde am 12. September 1818 in Piteå geboren und starb am 30. März 1907 in Stockholm. Aurora wuchs als Tochter des Bürgermeisters der Stadt in bürgerlichem Milieu auf und heiratete im Jahre 1857 den finnlandschwedischen Skalden Emil von Qvanten, den sie bis zu seinem Tod in seinen Arbeiten unterstützte.

Da die Mutter von Aurora von Qvanten, Helena Catharina Degerman, Bibliothekarin in Piteå war, war Aurora von Kind auf an Bücher und Literatur gewöhnt. Sehr früh begann Aurora dann Bücher ins Schwedische zu übersetzen und begann auch selbst zu schreiben. Da sie jedoch weder von ihrem gebürtigen Namen noch dem ihres Mannes profitieren wollte, zeichnete sie sowohl ihre eigenen Werke als auch ihre Übersetzungen ausschließlich mit dem Pseudonym Turdus Merula, also dem lateinischen Wort für Amsel.

Aber obwohl Aurora von Qvantens Bücher eine ausgedehnte Leserschicht fanden und sie noch heute als eine der bedeutendsten Dichterinnen des hohen Nordens betrachtet wird, gelang es ihr nie wirklich in der literarischen Welt aufgenommen werden, die im 19. Jahrhundert in Stockholm entschied was Literatur sei.

Die Bücher von Aurora von Qvanten spielen überwiegend im Norrland, wobei die Autorin in ihren Romanen auch sehr viel zum Verständnis der nordischen Mentalität beiträgt. In ihrem Roman Rosa Arntson, der 1868 erschien, bettet sie in das Romangeschehen Schilderungen der nordischen Natur ein und gibt dem Brauchtum des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, einen Stil, den sie auch bei Musikerns dotter und En roman på Landsbygden beibehält.

Aurora von Qvanten nahm aber auch das Elend und Misere jener Zeit im nördlichsten Teil Schwedens ernst, was sich am deutlichsten mit ihrem Roman En nyårsafton i Norrland deutlich ausdrückt, denn weder sie noch der Verleger nahmen das Geld, das durch den Verkauf entstand, sondern die gesamten Einnahmen gingen, auf Wunsch der Autorin, an all jene, die in Nordschweden unter Missbildungen litten oder unter der Hungersnot, die damals herrschte. Aurora wollte das Buch in Brot für Hungernde verwandeln.

Turdus Merula schrieb jedoch nicht nur Romane für Erwachsene, sondern veröffentlichte auch einige Kinderbücher unter denen När och fjerran, ein Buch für das Alter zwischen neun und vierzehn, am deutlichsten die Denkweise der Autorin ausdrückt. Dieses Buch, das 1856 bei Huldberg in Stockholm erschien, war mit vier farbigen Zeichnungen ergänzt, die die Phantasie der Kinder anregen sollten.

Copyright: Herbert Kårlin