7 maj 2013

Carl Israel Hallman und die schwedische Opéra Comique

Carl Israel Hallman wurde am 31. Dezember 1732 als Sohn des Priester und Poeten Johan Göstaf Hallman und dessen Frau Margareta Cornelia Cloppert in Stockholm geboren und starb am 23. April 1800 im Alter von 67 Jahren ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Hallman war nie verheiratet.

Über die Kindheit und die Jugend von Carl Israel Hallman ist nichts bekannt, wobei anzunehmen ist, dass er auf Grund seiner Herkunft zu Hause seine Bildung erhielt. Die Biographie des Schriftstellers beginnt daher mit seinem Studium an der Universität Uppsala im Jahre 1746.

Stich: Schwedisches Reichsarchiv

Bereits an der Universität in Uppsala interessierte sich Carl Israel Hallman mehr für Poesie und Literatur als für eine tatsächliche Ausbildung. Sehr früh trat er dort als Gelegenheitsdichter an die Öffentlichkeit, der sich dadurch auszeichnete, dass er sich sehr schnell einer Situation oder einer Stimmung anpassen konnte und daher spontan Verse vortragen konnte, die oft mit einem gewissen Humor versehen waren.

Carl Israel Hallman führte bereits als Student das Leben eines Bohemien und wurde, auch wenn er etwas jünger war, bald der Freund von Carl Michael Bellman und Olof Kexél, was sich nicht nur durch sein Privatleben ausdrückte, sondern auch in seiner Art zu schreiben, wobei sich Hallman nach einem kurzen Versuch als Angestellter im Bergskollegium bald ausschließlich der Literatur und dem Fest widmete.

Bereits in den 50er Jahren war Carl Israel Hallman einer der bekanntesten und berüchtigsten Skalden Stockholms, wobei Hallman bereits um diese Zeit auch seine wahre Begabung gefunden hatte, nämlich die Satire und die Parodie. In gewisser Weise wurde der Schrifsteller, da er sich spontan und mit Ironie über das Tagesgeschehen äußern konnte, der erste Standup-Künstler Schwedens.

Wirklich bekannt wurde Carl Israel Hallman jedoch als ein Meister der Opernparodien, die vor allem ab 1775 im Humlegårdsteatern aufgeführt wurden, wobei sein Casper och Dorotea vielleicht der größte Erfolg wurde. als Hallman die Oper Acis och Galathea von Lalin in ein komisches Dreiecksdrama verwandelt, das sich in einer Kneipe abspielt. Hallman schrieb hierfür sämtliche Arien um und machte aus der Oper eine volkstümliche Komödie.

Natürlich verging sich Carl Israel Hallman nicht nur an den Werken anderer, sondern er verfasste auch eigene Komödien und ein Drama für die nicht elitäre Gesellschaftsschicht, wobei er, ähnlich Bellman, seine Persönlichkeiten immer in der Umgebung von Branntwein suchte, auch wenn er sich von Bellman dadurch unterschied, dass er auf die Melancholie verzichtete, die man bei Bellman finden kann und seine Personen nur dem einfachsten Stand entstammen. Zeitweise kommen seine Stücke dadurch sogar besser an als jene Bellmans. Allerdings überschritt Hallman auch bisweilen die Grenzen der damaligen Guten Sitten und sein Stück Bousaronerna wurde wegen seiner extremen erotischen Freizügigkeit sogar verboten.

Als das Humlegårdsteatern im Jahre 1784 verschwand, begann Carl Israel Hallman Singspiele nach französischem Muster zu schreiben, wobei er hierbei ebenfalls das Leben der einfachen Leute ins Zentrum setzte und er die Handlungen so einfach wie möglich gestaltete, damit sie auch der Ungebildetste verstehen konnte. Diese Änderung führte allerdings auch dazu, dass sich Kritiker und Literaturwissenschaftler in zwei Gruppen teilten, denn die eine Gruppe hielt Hallman für ein Genie und die andere war der Meinung, dass dert Schriftsteller nur banale Stücke schreiben könne, denn sie betrachteten literarische Kunst als solche, die auch für die führende Elite des Landes verständlich ist.

Bei den späteren Werken von Carl Israel Hallman handelte es sich vor allem um Singspiele, die das Leben der einfachen Leute Stockholms zum Thema haben und daher von bedeutendem kulturhistorischem Interesse sind, da Hallman hier nicht erfinden musste, da er seine Personen im Alltag traf, der sich für viele in der Kneipe abspielte. Man kann diese Stücke als Gegenstück zu den Lustspielen von August Blanche sehen, der um die gleiche Epoche das Lustspiel für die höhere Schicht Stockholms einführte.

Noch heute sind sich Literaturwissenschaftler nicht einig welche Rolle Carl Israel Hallman für die schwedische Literaturgeschichte spielte, auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Schriftsteller die Opéra Comique in Schweden einführte und damit eine Oper für das Volk schuf.

Copyright: Herbert Kårlin

6 maj 2013

Bertel Gripenberg und die finnlandschwedische politische Dichtkunst

Bertel Gripenberg wurde am 19. September 1878 als Sohn des Freiherren und Senators Johan Gripenberg und dessen Frau Sigrid Maria Aminoff in Sankt Petersburg geboren und starb am 6. Mai 1947 im Sävsjö Sanatorium im Småland. Gripenberg war ab 1915 mit Hanna Mathilda Brummer verheiratet.

Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Bertel Gripenberg im aristokratischen Milieu in Sankt Petersburg, das stark schwedisch geprägt war. Als der Vater jedoch 1889 nach S:t Michels län (Mikkelin lääni) versetzt wurde, wurde Gripenberg von seinem Vater dort in das finnischsprachige Gymnasium gesteckt und zwei Jahre später, als die Familie nach Helsingfors (Helsinki) zog, in das dortige finnische Gymnasium. Der Jugendliche empfand dies geradezu als Verrat, was sich dadurch ausdrückte, dass er ab diesem Zeitpunkt geradezu fanatisch für die schwedische Sprache und die schwedische Kultur eintrat.

Bertel Gripenberg, På Dianas vägar, Björck & Börjesson Förlag, Stockholm, 1925

Als Bertel Gripenberg 14 Jahre alt war, starb sein Vater und der Jugendliche begann eine militärische Laufbahn, die jedoch nur von relativ kurzer Dauer war, da der verweichlichte Gripenberg den Strapazen des Militärs nicht gewachsen war. Von sich selbst schwer enttäuscht und in der Meinung die Tradition der Familie geschändet zu haben, floh er 1895 von der Ausbildung zu seiner Mutter nach Helsingfors, wo er sich an einer schwedischen Privatschule auf die Hochschulreife vorbereitete, die er im Herbst 1898 ablegte. Im folgenden Jahr begann er an der Universität in Helsingfors ein Jurastudium, das er jedoch nie zu Ende führte.

Im Jahre 1903 erschien der erste Gedichtband, Dikter, von Bertel Gripenberg, der der Beginn der ersten literarischen Phase des Autors war, die Literaturwissenschaftler als die Jugendlyrik Gripenbergs bezeichnen. Die Bedeutung des Schriftstellers war jedoch gerade in dieser Phase außerordentlich hoch, da er einer der Vorreiter der modernen Zeit war und sowohl privat als auch lyrisch gegen Traditionen und jede moralische Begrenzung aufstand. Er lebte in dieser Zeit einige Jahre mit der Schauspielerin Elli Tompuri zusammen, sprach sich für freie Liebe aus und bezeichnete das Christentum als Unterdrücker des Menschen. Mit diesem Gedankengut beeinflusste Gripenberg eine bedeutende Anzahl an modernen Autoren.

Gegen 1910 begann die zweite literarische Phase von Bertel Gripenberg mit der romantischen Verherrlichung des Tavastlandes (Häma), zu dem der Dichter immer eine besondere Beziehung hatte, einer Landschaft des zentralen Finnland. Allerdings veröffentlichte Gripenberg in dieser Phase nur einige wenige Werke, da er sich auf Grund der politischen Situation des Landes immer mehr politisch engagierte und einen immer größeren Hass gegen jede linke Bewegung spürte, was sich auch dadurch ausdrückte, dass er während des ersten Weltkriegs deutlich die Position Deutschlands einnahm und verteidigte.

Als dann der finnische Bürgerkrieg ausbrach, entwickelte sich Bertel Gripenberg nicht nur zu einem Kriegsdichter mit einer Verherrlichung des Vaterlandes, sondern er nahm im Nylands Dragonregiment auch aktiv auf der weißen Seite der Auseinandersetzungen teil und führte noch 1930 die Schutzorganisation im Tavastland. Sehr deutlich wird der Dichter Gripenberg dabei in seinen Prosawerk En dröm omfolkviljan aus dem Jahre 1918, dem Gedichtband Kanonernas röst, der vier Jahre später erschien oder auch Efter striden aus dem Jahre 1923.

Der nationalistische Fanatismus, den der finnlandschwedische Autor Bertel Gripenberg ab 1914 in seinen Werken ausdrückte, führte allerdings auch dazu, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu vergessen wurde, da man seinen Einfluss und seine literarische Fähigkeit nicht separat betrachtete. Sein literarischer Untergang, trotz seiner rund 50 Bücher und dem Einfluss, den er die ersten 40 Jahre des 20. Jahrhunderts auf die kulturelle Welt Schwedens und Finnlands ausübte, begann in den 30er Jahren, als sich Bertel Gripenberg der finnischen antikommunistischen Bewegung Lapporörelse anschloss und für die rechtsradikale Wochenzeitung Svensk Botten zu schreiben begann. Während Gripenberg noch 1940 den ersten Preis der literarischen Gruppe De Nios erhielt, wurde er ab 1943, als der Schriftsteller noch ein Manifest unterzeichnete, das forderte, dass Finnland so lange auf deutscher Seite weiterkämpfen solle bis Hitlers Endsieg erreicht sei, wurde es um Gripenberg ruhig, denn sowohl Finnland als auch Schweden hatten sich in dieser Zeit vom nationalistischen Gedanken Hitlers getrennt und Gripenberg war daher mit seiner politischen Dichtung unbeliebt geworden.

Bertel Gripenberg erhielt mehrere Preise, da er ein Meister der schwedischen Sprache war und in seinen Gedichten immer die richtigen Worte an der richtigen Stelle benutzte. Der Dichter benutzte bei mehreren seiner Veröffentlichungen auch Pseudonyme, die in der Regel erst Jahre später aufgedeckt wurden.

Neben seinen eigenen Gedichten, seiner Prosa und einigen dramatischen Werken für das Theater, zeichnete sich Bertel Gripenberg auch als Übersetzer aus, wobei er insbesondere Eino Leino und Olavi Paavolainen dadurch einem schwedischen Leserkreis näher brachte. Aus dem angelsächsischen Raum übersetzte Gripenberg insbesondere Werke von Oscar Wilde und Edgar Lee Masters.

Copyright: Herbert Kårlin

5 maj 2013

Carl August Adlersparre, vom Dichter zum politischen Schriftsteller

Carl August Adlersparre wurde am 7. Juni 1810 als Sohn des Offiziers und Schriftstellers Georg Adlersparre und dessen Frau Lovisa Magdalena Linroth in Kristinehamn geboren und starb am 5. Mai 1862 im Alter von 51 Jahren in Stockholm. Adlersparre war ab 1848 mit Charlotte Aurore Jeanette von Platen verheiratet.

Mit 13 Jahren begann Carl August Adlersparre die militärische Laufbahn und mit 18 legte er die Offiziersprüfung ab. Aber wie bereits sein Vater, so hatte Adlersparre zwar eine militärische Karriere in Erwägung gezogen, aber wie auch der Vater, so träumte er in Wirklichkeit von einer Anerkennung und Ruhm als Literat. Sein Leben kreiste bereits im Alter von 20 weitaus mehr um Literatur als um militärische Aktivitäten, auch wenn Adlersparre diese Laufbahn erst 1845, im Alter von 35 Jahren, beendete.

Carl August Adlersparre, Tidsfaflor 1809 och 1810, Nabu Press, 2012, Originalausgabe 1850

Als Carl August Adlersparre 20 Jahre alt war, veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband unter dem Titel Ungdoms-dikter, der mehr oder weniger auch nur aus Jugendgedichten bestand, die an die Werke von Esaias Tegnér und Erik Johan Stagnelius erinnern, aber kaum die Persönlichkeit von Adlersparre zum Ausdruck bringen.

Bereits ein Jahr später lobte die Svenska Akademien das Werk Albano von Carl August Adlersparre, was den Dichter dazu bewegte ab diesem Zeitpunkt unter dem Pseudonym Albano zu arbeiten. Mit einer überarbeiteten Version seines Gedichtes gelang es Adlersparre im Jahr 1834 den zweiten Preis der Akademie zu gewinnen, der von weiteren vier zweiten Preisen gefolgt war.

Carl August Adlersparre war von seinen übergreifenden Fähigkeiten als Schriftsteller überzeugt und veröffentlichte bereits 1833 seinen zweiten Gedichtband Poemer i Vinterblommor und acht Jahre später Smärre samlade dikter in dem allerdings auch einige Novellen des Autors enthalten waren. Seine Werke aus dieser Epoche wurden mit Wohlwollen aufgenommen und fanden auch ein breites Publikum, aber zur literarischen Größe von der Adlersparre träumte, fehlte die Persönlichkeit in seinen Werken. Die Dichtkunst von Adlersparre blieb auf einem technischem Niveau stehen.

Sehr früh nahm Carl August Adlersparre auch mit Dichtern wie Esaias Tegnér, Frans Michael Franzén, Erik Gustaf Geijer, Carl Adolph Agardh, Johan Henrik Thomander oder auch Frithiof Grafström Kontakt auf um deren Werke, gemischt mit seinen eigenen, in der vom Vater geerbten literarischen Zeitschrift Läsning zu veröffentlichen, ein Unternehmen, das jedoch nur geringen Erfolg zeigte, denn nach nur fünf Nummern stellte der Verlag die Herausgabe ein.

Eine Änderung im literarischen Schaffen von Carl August Adlersparre kann man nach dem Erscheinen seines Bandes Smärre samlade dikter aus dem Jahre 1841, nach dem ihn Bernhard Elis Malmström als Dilettanten bezeichnete, der keine Ahnung von Grammatik hat, was erst zu einer literarischen Auseinandersetzung zwischen Adlersparre und Malmström führte, die Adlersparre in gewisser Weise zur Aufgabe des poetischen Strebens brachte.

Nach dieser Niederlage begann Carl August Adlersparre erst einige romantische Geschichtsromane zu veröffentlichen, die jedoch kaum besser bewertet wurden als seine Gedichte und den Schriftsteller zu einem Umdenken brachten, das ihn letztendlich zu seinem eigentlichen Können führte, nämlich dem Verfassen von historisch-politischen Werken, einer Kategorie bei der er sein Wissen und seine literarische Stärke zeigen konnte und statt gefühlsmässiger Eingebung und Erfahrung Fakten zählten.

Vielleicht gerade weil Carl August Adlersparre keine klare politische Einstellung hatte, wurden seine Arbeiten der letzten 17 Lebensjahre zu bedeutenden Zeitdokumenten, denn in den fünfbändigen Tidstaflor erfährt der Leser die Situation Schwedens während und nach der Revolution des Jahres 1809, das das Land zu bedeutenden Veränderungen führte.

Das vermutliche bedeutendste Werk von Carl August Adlersparre wurde dann jedoch das dreibändige Werk Anteckningar om bortgångne samtida aus den Jahren 1859 bis 1862, denn Adlersparre war in den Besitz von zahlreichen Briefen, Manuskripten und anderen Dokumenten bedeutender schwedischer Persönlichkeiten der Epoche geraten und veröffentlichte daher eine weitaus neutrale Darstellung über die kulturelle Entwicklung Schwedens der Jahrtausendwende, eine Kulturgeschichte, die bis heute ihre Bedeutung nicht verloren hat.

Aber obwohl Carl August Adlerspanne ab 1845, als er seine militärische Laufbahn ganz aufgab, seine wahre Begabung gefunden hatte , konnte er durch seinen frühen Tod nicht mehr all die Werke veröffentlichen, die er geplant hatte. Nach seinem Tod wurden seine Aufzeichnungen und Briefe leider zerstückelt, so dass man selbst heute in den Sammlungen der Universitätsbibliotheken in Lund und in Uppsala nur noch einen Teil seiner begonnenen Arbeiten und andere Aufzeichnungen finden kann.

Copyright: Herbert Kårlin

4 maj 2013

Julia Nyberg und die philanthropischen Balladen des 19. Jahrhunderts

Julia Nyberg, geborene Svärdström, wurde am 17. November 1785 als Tochter des Grubeninspekteurs Per Svärdström und dessen Frau Beata Elisabet Almgren in Skultuna im Västmanland geboren und starb am 18. April 1854 ebenfalls in Skultuna. Nyberg war in erster Ehe mit dem Händler Henrik Johan Asping verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Grubeninspekteur Anders Wilhelm Nyberg.

Bis zum 13. Lebensjahr wuchs Julia Nyberg, die oft auch mit dem Vornamen Juliana zu finden ist, in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Da jedoch beide Elternteile früh starben, übernahm ab 1798 der Besitzer der Grube, Carl Jakob Adlerwald, die Vormundschaft, was insbesondere dazu führte, dass Nyberg nur wenige Jahre später in der Mädchenschule Dariés in Stockholm eine ausgezeichnete Ausbildung erhielt und dort auch flüssig Französisch lernte.

Julia Nyberg, Samlade dikter 1-3, Örebro 1831

Ab 1803 arbeitete Julia Nyberg wegen ihrer ausgezeichneten Kenntnisse bereits als Privatlehrerin und 1809 heiratete sie ihren ersten Mann, Henrik Johan Asping. Die Ehe war unglücklich und hielt nur einige Jahre. Nach Nybergs Aufzeichnungen war ihr erster Mann grob und ungebildet. Nyberg floh daher in die schöngeistige Literatur und las insbesondere die Werke von Madame de Staél und von Jean-Jacques Rousseau. Unter den schwedischen Dichtern begeisterte sich die spätere Dichterin vor allem für Bengt Lidner, Johan Henric Kellgren und Frans Michael Franzén. Bereits während dieser Ehe, die 1820 endete, schrieb Nyberg ihre ersten Gedichte.

Wann Julia Nyberg die Lyrik von Per Daniel Amadeus Atterbom kennenlernte, ist nicht bekannt, auch wenn dieser große Dichter dieser Epoche einen bedeutenden Einfluss auf ihre Zukunft als Lyrikerin hatte. Spätestens 1817 schickte Nyberg jedenfalls einige ihrer Gedichte an Atterbom, der vom einfachen Naturalismus, den ihre ersten Werke ausstrahlten begeistert war und einige der Gedichte im Poetisk Kalender 1817 veröffentlichte und ihr dabei das Pseudonym Euphrosyne gab, den die Lyrikerin auch für alle ihre zukünftigen Werke benutzte.

Letztendlich war es auch Atterbom, der Julia Nybergs Mentor wurde und ihr sowohl im literarischen als auch bei privaten Problemen jeder Art Rat und Hilfe bot. Der Schriftsteller riet ihr auch sich von ihrem Mann zu trennen, da dieser nicht das Recht habe sie von der Außenwelt abzuschirmen und ihr ihr Vergnügen zu nehmen, das Schreiben. Die Gelegenheit zur Scheidung kam bereits  wenige Jahre später, da ihr Mann in Konkurs ging und dies eine der wenigen Möglichkeiten für eine Frau war sich scheiden zu lassen und daher die Ehre zu behalten.

Während jedoch Asping durch den Konkurs in die Armut getrieben wurde, bedeutete dies, dass das Freundschaftsverhältnis, das Julia Nyberg bereits seit einiger Zeit zu ihrem zweiten Mann hatte, zur Ehe führte. Anders Wilhelm Nyberg hatte die gleichen Interessen wie die Dichterin und unterstützte seine Frau in jeder Weise bei ihrer literarischen Arbeit.

Während der ersten größeren Schaffungsphase waren die Gedichte von Julia Nyberg vor allem Themen aus der Natur bei der jede Blume und jeder Vogel zu einem Symbol wird, was es nicht immer einfach macht den Gedanken der Dichterin zu folgen. Einige dieser Gedichte zeigen auch den Einfluss, den Atterbom auf Nyberg ausübte, ohne dass die Lyrikerin jedoch den Sil Atterboms kopieren würde.

Parallel zu diesen Gedichten schrieb Julia Nyberg die zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebten philanthropischen Balladen unter denen Tvillingarna und Tiggargossen am bekanntesten wurden. Nyberg zeichnet hier das Bild der Armut und will mit dem Gefühl, das sie beim Leser der Balladen weckt Mitgefühl hervorrufen und damit dazu auffordern die Armen zu unterstützen, eine Bewegung, die nicht bei allen Wohlhabenden der Zeit und den entsprechenden Literaturkritikern gut ankam.

Als Julia Nyberg dann im Jahre 1842 ihren dritten Gedichtband Nya Dikter veröffentlicht, hatte sie eine bedeutende Wandlung erlebt und ging vom Naturalismus zum Realismus über. Ihre Themen holt die Lyrikerin nun überwiegend aus alten Sagen und Legenden, sowie aus dem Leben des Mittelalters. Der Einfluss Atterboms ist nun vollkommen verschwunden und Nyberg legte mit diesem Band eine Arbeit vor, die in ihr persönlich gewachsen ist. Bereits einige Jahre vorher hatte die Dichterin auch begonnen ihre Werke im Opoetisk calender för poetisk folk und im poetischen Kalender Sylfiden zu veröffentlichen, literarischen Zeitschriften, die vor allem mit Lorenzo Hammarsköld und Carl Fredric Dahlgren in Verbindung gebracht werden.

Zahlreiche Gedichte von Julia Nyberg wurden vertont und einige davon findet man noch heute in den Liedersammlungen Schwedens, auch wenn ihr Name als Dichterin kaum noch genannt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

3 maj 2013

Georg Ingelgren und die literarischen Gesellschaften Uppsalas

Georg Ingelgren, oft auch Göran Ingelgren genannt, wurde am 4. Mai 1782 als Sohn des Landarbeiters Magnus Danielsson und dessen Frau Marie Jonasdotter in Väckelsång bei Växjö geboren und starb am 19. September 1813 im Alter von 30 Jahren in Stockholm. Ingelgren war nie verheiratet.

Über die Kindheit und Jugend von Georg Ingelgren ist kaum etwas bekannt, da er unter ärmsten Verhältnissen aufwuchs und vermutlich über die Mutter, die als Schulputzfrau  arbeitete, an Gönner kam, die Ingelgren ermöglichten die Hochschulreife zu machen und ab 1904 die Universität Uppsala zu besuchen, wo er klassische Sprachen studierte.

Die Monatszeitschrift Phosphoros aus dem Jahre 1810 mit Beiträgen von Georg Ingelgren

Wann Georg Ingelgren sein Interesse für Literatur gewann, ist ebenfalls unbekannt. Sicher ist jedoch, dass er im Jahre 1807 in Uppsala die Bekanntschaft von Per Daniel Amadeus Atterbom machte und noch im selben Herbst gemeinsam mit Atterbom und drei weiteren Studenten die literarische Gesellschaft Musis amici gründete, mit der Idee die modernen Strömungen der Literatur zu verbreiten. Auch als die Gesellschaft im kommenden Jahr in den Auroraförbundet umbenannt wurde, war Ingelgren erneut Mitglied.

Nach Atterbom war der sehr ruhige Georg Ingelgren in den beiden Verbänden eine treibende Kraft, der die Aktivitäten von Musis amici und später vom Auroraförbundet vorantrieb. Unter anderem soll Ingelgren sich auch für die Mitgliedschaft des Skalden Per Elgström eingesetzt haben.

Das älteste von Georg Ingelgren bekannte Gedicht stammt aus der Zeit der Gruppe Musis amici. Es handelt sich dabei um die Ode Hoppet, die man jedoch mehr als Anfangswerk des Autors betrachten muss, da hier noch alle Elemente der Neuromantik fehlen, die später ein deutliches Zeichen von Ingelgrens Werken werden.

Die Lyrik von Georg Ingelgren, der von Kindheit an mit Krankheiten zu kämpfen hatte und auch nur wenige Jahre als Skalde aktiv war, wurde zu seiner Lebenszeit nie in Buchform veröffentlicht, sondern erschien ausschließlich im Poetisk Kalender, in Polyfem und der Zeitschrift Phosphoros, die in jener Zeit die bedeutendsten Sprachrohre der modernen Dichtkunst waren und mit Sicherheit auch eine größere Beachtung fanden als Sammlungen in Buchform, die meist nur eine sehr kleine Schicht an Literaturinteressenten erreichten.

Der Dichter Georg Ingelgren sah die lyrische Kunst geradezu als göttlich an und drückte durch seine Worte eine Art Unendlichkeit aus und schuf Traumbilder eines für die Mehrheit verborgenen Landes. Er betrachtete ein Gedicht als übernatürlich, obwohl er zu einer relativ einfachen Sprache griff, die so mancher Literaturwissenschaftler mit seiner einfachen Herkunft verbindet, auch wenn dies nur eine reine Spekulation ist.

Aus den Werken von Georg Ingelgren besonders herausragend ist vor allem sein Gedicht Maj-Sång, den Johan Erik Nordblom vertonte, und das die Lebensfreude des erwachenden Frühlings ausdrückt. Das vertonte Werk gehört bis heute zum Repertoire der Frühlingsgesänge, die vor allem Männerchöre zu Walpurgis vortragen.

Die Gedichte von Georg Ingelgren sind überwiegend der Natur gewidmet und haben auch oft eine Beziehung zum Småland, seiner Heimat. Leider werden nur einige wenige unter seinen Werken noch heute in Gedichtsammlungen aufgenommen, denn auch wenn Ingelgren zu den erfolgversprechendsten Skalden seiner Epoche zählte, so verhinderte sein früher Tod zur Gruppe der „unsterblichen“ Dichter vorzudringen.

Als Kenner der alten Sprachen, trat Georg Ingelgren auch als Übersetzer von Werken von Petrarca und Tasso an die Öffentlichkeit, neben zahlreichen anderen Übersetzungen von lyrischen Werken, die jedoch nahezu alle anonym erschienen.

Erst knapp 50 Jahre nach dem Tode von Georg Ingelgren erschien beim Verlag Per Hanselli eine gesammelte Ausgabe der Werke des Dichters. In diesem Buch, das unter dem Titel Samlade vitterhetsarbeten erschien, sind auch die gesammelten Werke von Per Elgström enthalten.

Copyright: Herbert Kårlin

2 maj 2013

Birger Mörner, vom Diplomat zum Reiseschriftsteller

Birger Mörner wurde am 3. Mai 1867 als Sohn des Apothekers Graf Carl Erik Herman Otto Mörner und dessen Frau Fanny Teodolinda Öhrvall in Nora geboren und starb am 10. März 1930 in Flen im Södermanland. Mörner wr in erster Ehe mit Anna Viktoria Sofia Elisabeth Brink verheiratet, in zweiter Ehe mit Mary Héléne Macmillan und in dritter Ehe mit Gertrud Margaret Nissvandt.

Über die Kindheit von Birger Mörner ist relativ wenig bekannt, aber da er in der gehobenen Gesellschaftsschicht aufwuchs, genoss er vermutlich eine hohe Bildung und wurde von Privatlehrern auf die Reifeprüfung vorbereitet, die er 1887 in Norrköping ablegte. Nach der Hochschulreife studierte Mörner erst an der Universität Uppsala und anschließend an der Universität Lund Rechtswissenschaft um sich auf eine Karriere in der schwedischen Verwaltung vorzubereiten.

Birger Mörner, Den Strindberg jag känt, Albert Bonniers Förlag, 1924

Als Literat trat Birger Mörner erstmals im Jahre 1888 an die Öffentlichkeit, im Jahr als er seine Studien in Uppsala begann. Sein dramatisches Gedicht Juda erweckte bereits die Aufmerksamkeit von August Strindberg, der überlegte es in seinem Experimentaltheater aufzuführen. Zwei Jahre später erschien Mörners Gedichtband Tattar-blod, das als Vorläufer der Wildmarkdichtung von Erik Axel Karlfeldt gilt und während seiner Zeit in Lund erschien dann das Schauspiel Salig friherrinnan.

Das Theaterstück Salig friherrinnan sollte ursprünglich im Stockholmer Dramaten aufgeführt werden, aber wegen dem Sprengstoff, der sich hinter dem Stück verbarg, setze es das Dramaten im letzten Moment wieder ab, so dass das Stück in Norwegen Premiere hatte, was jedoch dem Ruf von Birger Mörner nur zu Gute kam. In Salig friherrinan hatte Mörner das Problem aufgegriffen, dass sich ein Partner scheiden lassen konnte sobald sein Lebensgefährte von einer Geisteskrankheit betroffen war oder dies von einem Arzt festgestellt worden war.

Als Birger Mörner im Jahr 1910 vom diplomatischen Dienst auf eigenen Wunsch ausscheidet, ändert sich auch sein literarisches Schaffen, denn aus dem gesellschaftskritischen Autor und Dichter entwickelt sich ein Verfasser von Reiseberichten, wobei mehrere seiner Bücher den Spuren von Paul Gaugin und Pierre Loti folgen, denn auch Mörner hatte eine Vorliebe für die Südsee und die dortige Inselwelt auf der er sich längere Zeit aufhält. Obwohl auch Mörner von diesem paradiesischen Teil der Welt verführt wird, enthalten seine Bücher eine starke Kritik gegen den Kolonialismus, der dieses Paradies zerstört und er beschreibt die schwierige Situation, denen die Bewohner ausgesetzt sind. Gleichzeitig beschreibt der Autor auch wie die Tierwelt aus persönlichen Interessen und Unwissen ausgerottet wird, er beschreibt daher ein Paradies, das von den Wirtschaftsmächten zerstört wird.

Aber Birger Mörner greift auch zum Geschichtsroman, ohne sich jedoch auf allgemeine Informationen zu verlassen, denn 1914 besucht er die türkische Insel Gallipoli auf der 350.000 Soldaten während einer bedeutenden Schlacht des Ersten Weltkrieges starben und 1918 nahm er am finnischen Bürgerkrieg teil. In beiden Fällen veröffentlichte Mörner anschließend ergreifende Kriegsberichte in Romanform

Die literarische Breite von Birger Mörner war erstaunlich, dann er bewegte sich in der Geschichte Schweden, schrieb Zeitberichte, Theaterstücke, Reisereportagen und konnte ein historisches Buch, das auf Archivarbeit aufbaute ebenso spannend machen wie seinen Roman Ti Ri Ti Ri, wo er einem weißen Mann die Liebe zu einer exotischen Zwergfrau erleben lässt und zur Fantasie eines E. T. A. Hoffmann greift. So unterschiedlich die Werke des Schriftsteller auch sind, so trifft er immer auf ein breites Publikum und viele seiner Bücher werden in andere Sprachen übersetzt.

Auf Grund seiner Vielseitigkeit ist Birger Mörner in keiner literarischen Kategorie wegen herausragenden Leistungen vertreten, wobei Kritiker und Literaturwissenschaftler nicht nur seinen etwas lockeren Schreibstil kritisierten, sondern auch mit den zahlreichen Widersprüchen des Autors nicht zurecht kamen, denn Mörner war auf der einen Seite ein Träumer, ein Abenteurer und ein Erneuerer der Gesellschaft, gleichzeitig aber ein Bewunderer Napoleons und suchte die Geschcihte Schwedens teilweise in der nordischen Mythologie. Für Mörner war es auch nicht sehr bedeutend einem einheitlichen klaren literaturwissenschaftlichen Stil zu folgen, sondern er wollte in seinen Werken eine Stimmung schaffen, die es dem Leser ermöglichte am Geschehen auch emotional teilzuhaben.

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller wurde Birger Mörner auch als Übersetzer aktiv, wobei er vor allem Werke von Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Guy de Maupassant und Jack London dem schwedischen Leser näher brachte, eine Mischung, die ebensowenig eine Linie zeigt wie sein eigenes Schaffen.

Birger Mörner verfügte über eine Bibliothek von rund 8000 Büchern, darunter auch einige Werke des 15. Jahrhunderts. Die gesamte Sammlung mit zahlreichen Anmerkungen des Autors findet man heute in der Mörnersammlung der Universitätsbibliothek in Örebro.

Copyright: Herbert Kårlin

1 maj 2013

Gustaf Engzell, der konservative Modernist der schwedischen Literatur

Gustaf Engzell wurde am 25. Januar 1757 als Sohn des Schuhmachers Gustaf Gustafsson und dessen Frau Anna Hansdotter in Vika in Dalarna geboren und starb am 2. Mai 1797 in Östra Torps in Skåne. Engzell war ab 1790 mit der 13 Jahre jüngeren Gertrud Elisabet Kjellström verheiratet.

Als Kind musste Gustaf Engzell mit seinem Vater durch Schweden ziehen und ihm bei seiner Arbeit helfen. Erst als er im Alter von 14 Jahren einer unbekannten Person in Västerås durch seine Intelligenz auffiel, nahm diese ihn bei sich auf, schickte ihn in die Schule und bereitete den Jugendlichen durch zusätzlichen Privatunterricht auf die Hochschulreife vor.

Aber obwohl sich Gustaf Engzell 1782 an der Universität in Uppsala einschrieb, belegen Dokumente aus jener Zeit, dass er sich in dieser Zeit, vermutlich um seinen Unterhalt als Lehrer zu verdienen, in Falun aufhielt und gegen 1784 nach Stockholm kam um sich dort der Literatur zu widmen. Auf Grund der Gicht, die sich bereits wenig später bei Engzell bemerkbar machte, geriet der Schriftsteller jedoch in Schulden und hatte nur noch einen Ausweg, nämlich Priester zu werden. 1787 wurde Engzell dann zum Priester geweiht und ein Jahr später trat er seinen Dienst als Regimentspriester in Dalarna an.

Als Gustaf Engzell im Jahre 1786 mit seinen ersten literarischen Werken an die Öffentlichkeit trat, geriet er in eine Zwischenphase in der die Diskussion für oder gegen den Reim bereits ausgebrochen war. Engzell stellte sich in diesen Fragen zu den modernen Autoren Bengt Lidner und vor allem Thomas Thorild und gegen Johan Henric Kellgren, der indes eine sehr bedeutende Rolle in der literarischen Welt jener Zeit spielte und als Gegner nicht zu unterschätzen war.

Auch wenn Gustaf Engzell der vermutlich literarisch gebildetste Dichter der modernen Lyriker war und sowohl die antike Dichtkunst als auch die moderne englische und französische Dichtkunst sehr gut kannte und auch mehrere Sprachen beherrschte, war er für Kellgren das bedeutendste Opfer, da Engzell in der Literatur eigenen Wegen folgte, keine bedeutenden Gönner hatte und selbst die moderne Poesie teilweise mit Ironie behandelte. Kellgren suchte daher bei Engzell alle Schwächen der modernen Literatur, die er als „neue epileptische Poesie“ bezeichnete und nannte Engzell öffentlich als verrückt.

Selbst wenn Gustaf Engzell Thorild als Lyrikern bewunderte, so teilte er nicht dessen politische Einstellung, sondern war und blieb überzeugter Royalist, der sich mit seiner Schrift Anmärkning öfver friheten gegen Thorild stellte und der Überzeugung war, dass der Schwede nicht für die Freiheit nach französischem Modell geeignet sei, sondern einen starken Führer benötigte, nämlich den König. Diese Einstellung war auch eine der Ursachen, warum er nicht unter den modernen Autoren der Zeit anerkannt wurde und daher keine Unterstützung gegen Kellgren fand.

Die literarische Leistung Kellgrens wird bis heute nicht in vollem Masse anerkannt, da die meisten Literaturwissenschaftler Gustaf Engzell immer noch unter den Vorromantikern einordnen wollen, sich der Schriftsteller jedoch in keine klare Kategorie einordnen lässt, da er zwar nach der ungereimten Lyrik strebte, jedoch die gesamte Einstellung der Klassik in sich trug und zudem als Regimentspriester täglich mit der konservativen Schicht Schwedens in Berührung kam, was man auch feststellt, wenn man sein Gedicht Natten liest, das erstmals in der Stockholms Posten zu lesen war, denn Engzell lässt sich mit diesem erotischen Werk von Ovid beeinflussen, greift aber zum modernen Stil der Lyrik, der um diese Zeit noch als revolutionär oder abartig betrachtet wurde.

Indirekt spielte Gustaf Engzell auch für die Geschichte Schwedens eine gewisse Bedeutung, denn als Priester des Regiments in Dalarna unterstütze er mit seinen Schriften und Predigten die Vorgehensweise Gustav III. gegen die Dänen und machte den König geradezu zu einem Helden für den es sich lohnt sein Blut zu vergießen. In einer Ode, die Engzell für Gustav III. schrieb, versicherte er auch diesem die Treue aller Soldaten, die für  die Freiheit Schwedens zu sterben bereit waren, eine Freiheit, die der König natürlich in seinen Händen hatte.

Nachdem Gustaf Engzell bereits im Alter von 40 Jahren starb und die letzten Jahre seines Lebens, als er eine feste Priesterstelle in Skåne erhalten hatte, kaum noch literarisch aktiv war, ist der Umfang seiner Werke relativ begrenzt. Dass ihm wenig Platz in der schwedischen Literaturgeschichte gewährt wird, liegt vor allem an seiner isolierten Stellung unter den Literaten jener Zeit und daran, dass er persönlich nach der Vergangenheit Schwedens strebte, lyrisch jedoch zur Zukunft griff. Engzell wurde daher von jeder Schicht als Außenseiter betrachtet, wobei ihm zusätzlich nachgesagt wird, dass er mit seiner direkten Offenheit sehr schnell als überheblich betrachtet wurde und daher von der gehobenen Schicht Schwedens gemieden wurde.

Copyright: Herbert Kårlin