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8 juli 2013

Elisabeth Stierncrona, eine der frühen Autorinnen Schwedens

Elisabeth Stierncrona wurde am 9. Januar 1714 als Tochter des Freiherrn Gabriel Stierncrona und dessen Frau Antoinetta Maria Amya in Stockholm geboren und starb am 28. Juli 1769 im Alter von 55 Jahren ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Stierncrona war ab 1729, als sie 15 Jahre alt war, mit dem 16 Jahre älteren Grafen Fredrik Gyllenborg verheiratet.

Da Elisabeth Stierncrona in der gehobenen Schicht Schwedens aufwuchs, hatte sie, wie auch ihre Geschwister, einen Privatlehrer. Welches Ausbildungsniveau sie erreichte, ist unbekannt, aber da sie einen Grafen heiratet und später literarisch an die Öffentlichkeit trat, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie eine hohe Bildung hatte und einige Fremdsprachen beherrschte. Unter ihren sechs Geschwistern erreichten nur zwei das erwachsene Alter.

Elisabeth Stierncrona, Gemälde von Magnus Hallman (1745-1822), Svenska Porträttarkivet (SPA)

Als das jüngste Kind von Elisabeth Stierncrona zwölf Jahre alt war, erschien das erste Buch der Schriftstellerin unter dem Titel En swensks tankar öfwer den 22 Junii 1756 ein politisches Werk zum Staatsstreich am 22. Juni 1756, der mit dem Tod von Erik Brahe endete und zeigt, dass sich Stierncrona bedeutend für die politischen Ereignisse jener Epoche interessierte und, vermutlich über ihren Mann, ständig auf dem Laufenden gehalten wurde.

In den Jahren 1756 und 1760 erschien dann das zweiteilige Andachtsbuch Marie bästa del eller Thet ena nödwändiga, das die Autorin als Übersetzung ausgab, obwohl alles darauf hinweist, dass Elisabeth Stierncrona selbst sämtliche Texte schrieb, wobei dieses Werk, das insgesamt 1600 Seiten umfasst, nicht nur als Andachtsbuch, das auf die Bibel aufbaut, zu sehen ist, denn Stierncrona fügte auch 67 religiöse Gedichte hinzu, die der Priester Carl Oscar Roos im Jahre 1861 separat veröffentlichte.

Sowohl in ihrem politischen als auch ihrem religiösen Werk spürt man den didaktischen Gedanken den Elisabeth Stierncrona beim Schreiben verfolgt, denn sie sieht, unter anderem, das schwedische Volk als das ausgewählte Volk des Protestantismus und will daher den Lesern gewisse Verhaltensregeln näher bringen. Dies zeigte sich auch bei En swensks tankar öfwer den 22 Junii 1756 sehr deutlich, dann sie kritisiert dabei auch das Königshaus, dass sich beim versuchten Staatsstreich über den Glauben hinaus erheben will und damit den göttlichen Willen missachtet.

Als 1759 der Ehemann von Elisabeth Stierncrona stirbt, schreibt sie ihr letztes Werk, einen 274 Seiten langen Ratschlag an ihre Kinder, der eine Mischung aus Ratschlägen und einer persönlichen Beichte ist. Zum einen bekennt sich hier Stierncrona uneingeschränkt zum protestantischen Glauben, zum anderen erzählt sie von ihren Schwächen und ihren Fehlern, was man als Vorläufer eines Bekenntnisromans sehen kann.

Parallel dazu kommt ein erneut didaktischer Teil, den sie als Ratschlag an ihre mittlerweile erwachsenen Kinder mitgeben will und spricht von der idealen Erziehung, was in jener Zeit bedeutet, einer Erziehung zum richtigen Glauben und der absolute Gehorsam gegenüber seinen Eltern. Die Schriftstellerin bietet gerade mit diesem Buch ein bedeutendes Zeitdokument, das dem Leser die Denkweise jener Epoche näher bringt, insbesondere deswegen, weil Elisabeth Stierncrona hier ein persönliches Werk schreibt, das nicht zur Veröffentlichung gedacht war, sondern sich an ihre Kinder richtete.

Ob ihre Leitregeln, die sie an die Kinder richtete, nicht auch aus persönlichen Erfahrungen heraus entstanden und der Tatsache, dass sie nach dme Tod ihres Mannes entdecken musste, dass der ganze Reichtum auf merkwürdige Geschäfte aufbaute und zwei ihrer Söhne offensichtlich nicht nach ihrem Leitfaden handelten, ist ungewiss, denn Tatsache ist, dass sie 1760 entdecken musste, dass ihr Ehemann ihr nur Schulden hinterlassen hatte und die folgenden Erbstreitigkeiten und rechtlichen Auseinandersetzungen ihr die letzte Kraft nahmen.

Die literarische Leistung von Elisabeth Stierncrona ist beachtlich, obwohl sie nur zwei ihrer Werke veröffentlichte und das dritte an ihre Familie richtete, denn sie bewies eine ausgereifte Sprache und analytisches Denken. Die religiöse Betonung, die man in ihren Werken findet, muss man zeitbedingt sehen, denn das Leben im 18. Jahrhundert kreiste ausschließlich um Religion, unabhängig davon, ob es sich um Politik, Wissenschaft oder Literatur handelte.


Copyright: Herbert Kårlin

28 juni 2013

Karl Gabrielsson, der erste Arbeiterdichter Schwedens

Karl Gabrielsson wurde am 20. Juni 1861 als Sohn des Eisenbahnarbeiters Olaus Gabrielsson und dessen Frau Stina Kajsa Eriksdotter in Fredsberg geboren und starb am 31. Oktober 1901 im Alter von 40 Jahren in Stockholm. Gabrielsson war ab 1890 mit Klara Maria Karlsdotter verheiratet.

Auch wenn man über die Kindheit und die Jugend von Karl Gabrielsson nicht viel weiß, so ist sicher, dass er in sehr armen Verhältnissen aufwuchs und als Kind nur die notwendigste Schulbildung jener Zeit erhielt. Mit 17 begann Gabrielsson im Bergbau zu arbeiten, eine Tätigkeit, die er bis 1891 fortsetzte. Die letzten beiden Jahre als Bergmann war der Schriftsteller, der sich sehr früh der Gewerkschaftsbewegung anschloss, Sprecher der Grubenarbeiter.

Karl Gabrielsson (Karolus), Glömmen oss ej!, ABF Skaraborg, 1991

Durch die Gewerkschaftsarbeit wurde Karl Gabrielsson auch sehr bald klar, dass er Bildung benötigte, die er sich zwischen 1883 und 1888 beim Orden der Guttempler holte, einer Organisation, die um diese Zeit nicht nur den Alkoholkonsum bekämpfte, sondern Arbeitern auch eine breite Bildung verschaffte.

Da die Schulbildung allein den Wissensdurst von Karl Gabrielsson nicht stillen konnte, begann er in dieser Epoche so oft wie möglich Vorlesungen am Arbeiterinstitut in Stockholm zu besuchen, wo Gabrielsson auch die gebildetere Arbeiterschicht traf, die später einen bedeutenden Einfluss auf die Sozialisierung des Landes haben sollte.

In der gleichen Epoche versuchte sich Karl Gabrielsson auch als Dichter, wobei bereits seine ersten Versuche im Nya Sverige, in Kasper und im Social-Demokraten abgedruckt wurden, was den Arbeiterdichter dazu ermunterte literarisch weiterzuarbeiten, auch wenn seine politische Arbeit immer ausgedehnter wurde und Gabrielsson ab 1898 auch im sozialistischen Zentralverband in Stockholm sehr aktiv war und sowohl am Parteikongress 1894 in Göteborg als auch jenem 1897 in Stockholm teilnahm.

Karl Gabrielsson, der ein naher Freund Hjalmar Brantings war, gilt als Idealist der Arbeiterbewegung, der, vermutlich unter dem Einfluss der Guttempler, Bildung als den Schlüssel sah, der den Arbeitern den Weg in die Zukunft bieten kann, wobei der Schriftsteller dabei Viktor Rydberg als Ideal und Vorbild betrachtete.

In der Bibliothek des Arbeiterliteraten Karl Gabrielsson fand man eine große Breite an Literatur, die von William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe und Miguel de Cervantes bis Arthur Schopenhauer und Karl Marx führte, wobei Gabrielsson in seinem Bestreben den Arbeiter zu bilden, außer einem Teil der Werke von Karl Marx und Engels, auch Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ übersetzte.

Neben den Übersetzungen und dem Schreiben von eigenen Werken setzte sich Karl Gabrielsson auch dafür ein kulturelle Beiträge im Folkbladet, bei dem er seit 1894 als Redakteur arbeitete, zu veröffentlichen, denn im Gegensatz zu den Kämpfern der Arbeiterbewegung, die auf Streik und einen materiellen Kampf setzten, war es Gabrielsson wichtiger den ideellen Marxismus von Karl Marx zu verbreiten und war davon überzeugt, dass man den Arbeitern nur Wissen bieten musste, damit sie am Wohlstand teilhaben können. In diesem Punkt stand Gabrielsson Ellen Key mit ihrem positiven Denken näher als den Kämpfern der Arbeiterbewegung jener Tage.

In den wenigen Jahren, die Karl Gabrielsson zum Schreiben hatte, war er extrem produktiv, da er neben Gedichten, Novellen, Kurzbiografien, Naturschilderungen und Nachrufen auch kulturelle Artikel und soziale Reportagen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte. Leider wurden nur sehr wenige seiner Werke, die er unter dem Pseudonym Karolus veröffentlichte, später neu aufgelegt oder in Sammelwerken mit aufgenommen.

Zudem gelang es Karl Gabrielsson nie mit seiner Lyrik, die mit zur ausdrucksfähigsten seiner Epoche zählt, auch als Arbeiterdichter anerkannt zu werden, da er für die „gehobenen“ Literaten zu sehr Arbeiter war und für viele Arbeiter zu intellektuell, was ihm als Schriftsteller eine Randposition gab.

Bedauerlicherweise starb Karl Gabrielsson bereits im Jahre 1901, vermutlich an den Folgen einer Erkältung oder Lungenentzündung, die er sich bereits während der Maidemonstration 1899 zugezogen hatte. Die Arbeiterpartei Schwedens veröffentlichte im Jahre 1902 posthum die gesammelten Gedichte des Schriftstellers.

Copyright: Herbert Kårlin

2 juni 2013

Henning von Melsted und der soziale erotische Roman Schwedens

Henning von Melsted wurde am 1. Juni 1875 als Sohn des Großhändlers Theordor Finne von Melsted und dessen Frau Mathilda Thérése Lundstedt in Stockholm geboren und starb am 7. Februar 1953 ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Von Melsted war in erster Ehe (1905 - 1925) mit Thyra Giöbel verheiratet, in zweiter Ehe mit Clara Pingel (1927 - 1931) und ab 1938 in dritter Ehe mit Lilly Sofia Karlsson Kropp.

Über die Kindheit und die Jugend von Henning von Melsted ist kaum etwas bekannt. Der Jurist und Schriftsteller besuchte das Gymnasium Norra Latinläroverket in Stockholm, machte anschließend in Jönköping die Hochschulreife und schrieb sich 1892 an der Universität in Uppsala ein. Von Melsted beendete sein Studium 1897 mit einer Kandidatur und arbeitete anschließend als Notar und Rechtsanwalt.

Henning von Melsted, Noveller i dialog, Förlaget Ljus, 1904

Bis etwa 1914 hatte Henning von Melsted eine sehr radikale Einstellung, die er sowohl in öffentlichen Diskussionen als auch einigen literarischen Werken stark vertrat. Von Melsted vertrat hierbei nicht nur sozialistische Theorien, sondern er setzte sich bereits um die Jahrtausendwende für ein geeintes Europa und internationale Gerichtshöfe ein. Als er seiner Broschüre Hvad vill Sveriges Folk im Jahre 1908 die verbotene Schrift Fallet Tänk först - handla sedan! beifügte, wurde der Schriftsteller sogar zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Während die politischen Schriften Henning von Melsteds ab 1914 deutlich rechte Theorien mit aufnahm, auch wenn er sich weiter für soziale Reformen und die Bildung der Arbeiterschicht einsetzte, hatte der Schriftsteller bereits 1898 auch begonnen schöngeistige Literatur zu schreiben.

Seinem ersten Roman Georg Dahna im Jahre 1898 folgte ein Jahr später Leo Dahna, die er jedoch beide anonym veröffentlichte. Selbst wenn man am Stil noch den literarischen Anfänger Henning von Melsted spürt, so zeigt sich bereits an diesen ersten Werken, dass sich der Schriftsteller für das soziale Gefüge des Landes interessiert und gegen die herkömmlichen Moralvorstellungen des Landes wehrt. Der Autor sieht vor allem das Verhältnis zwischen Mann und Frau als überholt an, da er den Frauen Passion zugesteht und für freie Erotik eintritt. In diesem Sinne spalten seine beiden ersten Romane die geistige Welt der Schweden.

Ab 1901 und seinem Buch Noveller i dialog benutzt Henning von Melsted seinen wahren Namen für seine Veröffentlichungen, wobei der Schriftsteller die kommenden drei Jahre vor allem erotische Romane veröffentlicht, bis 1904 sein Kurzroman Nöd erscheint, der dem Autor zum Durchbruch verhilft. In Nöd schildert von Melsted das Schicksal einer Boutiqueangestellten mit ihrer Arbeit und der Ausbeutung, die sie erleidet ohne dass die Oberklasse Stockholms dies überhaupt bemerken und sehen will, da man dort die Doppelmoral der Gesellschaft nahezu als von Gott gegeben betrachtet.

Während die ersten sozialen Romane von Henning von Melsted noch Fiktion sind, geht der Autor später immer mehr dazu über tatsächliche Schicksale aufzugreifen, die er während seiner Verhandlungen vor Gericht findet, was seine Werke auch glaubhafter macht, auch wenn er unter anderen Schriftstellern und der gehobenen Gesellschaft Stockholms bisweilen stark kritisiert wird, da diese Schicht sich gegen jede soziale Veränderung wehrt und sich über die Arbeiterschicht stellt.

Henning von Melsted gehörte zu jenen Autoren, die die notwendigen Änderungen des Sozialsystems in gesamter Breite ernst nahmen und mit seinen Büchern auf Missstände aufmerksam machen wollte. Dies zeigte sich auch in seinem persönlichen Leben, denn er vertrat seine Klienten nicht nur vor Gericht, sondern interessierte sich auch später noch für ihre Werdegänge und Erfahrungen. Ein Fall war für den Juristen von Melsted nicht mit dem Urteil zu Ende, zumal er Richtern auch Korruption und Fehlurteile vorwarf.

Nicht alle Werke von Henning von Melsted haben das gleich hohe Niveau, so dass einige seiner Werke hervorstechen und allein diese Veröffentlichungen ihm einen Platz in der schwedischen Literaturgeschichte erlauben.

So unterschiedlich bereits das Niveau der Werke von Henning von Melsted ist, so unterschiedlich sind auch seine Themen, die man vor allem in drei Richtungen aufteilen kann. Zum einen verfasste der Schriftsteller politische Schriften, zum anderen soziale Romane und zum dritten schrieb er die sogenannte Flanörlitteraturen im Stil von August Strindberg, Hjalmar Söderberg und Henning Berger, denn er schildert in mehreren seiner Werke auf sehr realistische Weise das damalige Stockholm und lässt den Leser daher in ein mondänes Leben eintauchen in dem er das Stockholm der Jahrtausendwende in authentischer Weise finden kann.

Henning von Melsted war zwar aus Überzeugung Rechtsanwalt und zählte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den renommiertesten Anwälten des Strafrechts in Stockholm, aber in seiner Seele fühlte er sich als Künstler, denn von Melsted betätigte sich nicht nur als Schriftsteller, sondern trat auch als Schauspieler auf und war künstlerisch tätig, unter anderem als Skulpteur, der 1935 in Stockholm ausstellte. Zum Ausgleich betrieb der Schriftsteller zusätzlich Sport.

Copyright: Herbert Kårlin

11 mars 2013

Magnus Jacob Crusenstolpe der schreibende Revolutionär Schwedens

Magnus Jacob Crusenstolpe wurde am 11. März 1795 als Sohn des Vice-Präsidenten des Landgerichts (Hovrätt) Johan Magnus Crusenstolpe und dessen Frau Kristina Charlotta Nymansson in Jönköping geboren und starb am 18. Januar 1865 in Stockholm. Crusenstolpe war mit Sofia Palmstruch verheiratet, der Tochter des bekannten Verlegers und Rittmeisters Johan Vilhelm Palmstruch.

Die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte Magnus Jacob Crusenstolpe zu Hause in Jönköping, wo er, außer dem damals üblichen Privatunterricht, vor allem lernte immer zur Wahrheit zu stehen und für sie einzutreten, eine Eigenschaft, die ihm später bedeutende Probleme bringen sollte. Mit zwölf Jahren wurde der junge Crusenstolpe in eine Internatschule in Stockholm geschickt, wo er die folgenden vier Jahre verbrachte. Dort schrieb Crusenstolpe auf Anraten seines Lehrers Karl Ödmann seine ersten beiden Kurzromane, die den Lehrer so begeisterten, dass er in seinem Schüler einen zukünftigen  Jean de La Fontaine sah.


Bereits im Jahre 1814 legte Magnus Jacob Crusenstolpe das Examen als Jurist an der Universität Lund ab. Seine außerordentliche Karriere als Jurist dauerte jedoch nur bis 1828, als Crusenstolpe sich mit Lars Johan Hierta zusammentat und eine oppositionelle liberale Reichstagszeitung herausgab, die vom König gerade einmal geduldet war, den politischen Agitator jedoch in gewisse Schwierigkeiten brachte.

Vermutlich auf politischen Druck des Königshauses und dank eines Treffens mit Magnus Brahe, kehrte Magnus Jacob Crusenstolpe dann jedoch auf die Seite des Königs zurück und er wurde Redakteur der königlichen Zeitung Fäderneslandet, die als Gegenpol der liberalen Presse die Interessen des Königs verbreitete und die liberale Bewegung eindämmen sollte. Crusenstolpe konnte zwar schreiben, aber er hatte keinerlei Organisationsvermögen und bereits 1833 geriet Crusenstolpes Zeitung in bedeutende Schwierigkeiten, da ihm König Karl Johan die Unterstützung verweigerte. Crusenstolpe versuchte die Zeitung dann noch nahezu ein Jahr lang mit eigenen Mitteln aufrecht zu erhalten, geriet dadurch jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und wurde gebeten sein Amt als Assessor aufzugeben.

Obwohl der König seine Schulden bezahlt hatte, entwickelte sich nun Magnus Jacob Crusenstolpe zu einem unerbittlichen Gegner des Monarchen. Da dem politischen Agitator nun jedoch die Einkünfte fehlten, entschied er sich ganz dem Schreiben zu widmen, was natürlich bedeutete, dass er nur oppositionelle Schriften veröffentlichen konnte, da er sich bei seinem Auftritt im Reichstag 1834 die anderen Türen selbst verschlossen hatte indem er die Machenschaften der königlichen Seite aufdeckte, einer Schicht, die er sehr gut kannte.

Auch wenn Magnus Jacob Crusenstolpe während seiner Jugend einige schöngeistige Novellen schrieb, so begann er 1934 mit seinen zweibändigen Skildringar ur det inre av dagens historia als politischer und historischer Autor. Sein Erstlingswerk war für jene Zeit ein Bestseller und wurde allein während der ersten drei Jahre viermal aufgelegt und jeweils restlos verkauft. Vor allem der zweite Band mit den Biografien der damaligen Mitgliedern des Reichstags erregte eine bedeutende Aufmerksamkeit und zeigte Crusenstolpe als Meister der literarischen Portraits.

Vor allem der zweite Band mit den Biografien war ein Meisterwerk von Magnus Jacob Crusenstolpe, da er die Charakterzüge seiner ehemaligen Kollegen und des Königs auf ironisch satirische Weise lächerlich machte. Sicher handelte es sich mehr um eine persönliche Abrechnung als um neutrale Kurbiografien, aber gerade diese Art des Schreibens brachte dem Skandalbuch seinen Ruf und brachte Crusenstolpe die ewige Feindschaft von Erik Gustaf Geijer und Hans Hierta.

Ab 1838 veröffentlichte Magnus Jacob Crusenstolpe seine politisch-historische Zeitschrift  Ställningar och förhållanden, behandlade i brev, wobei der Schriftsteller in der zweiten Ausgabe den König angriff und behauptete, dass dieser sowohl gegen das kirchliche als auch das weltliche Recht verstoßen habe. Es kam zu einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung und Crusenstolpe wurde zu drei Jahren Haft in der Festung Vaxholm verurteilt.

Der Aufenthalt in Vaxholm machte Magnus Jacob Crusenstolpe jedoch nur noch bitterer, aber auch vorsichtiger. Noch im Gefängnis schreibt er Vidräkning och reform, betraktelser i fängelset af en svensk statsfånge, das jedoch keine Schilderung seines Aufenthalts im Gefängnis ist, sonder chronologisch alle „Fehler“ von Karl Johans Regierung aufzeichnet und eine Streitschrift gegen die Definition von Geijers Erklärung zur Bedeutung der Aristokratie in Schweden ist. Das Werk zeigt, dass Crusenstolpe sich zwar gegen den König stellt, nicht aber gegen die Stände, die er als Stützpfeiler der Gesellschaftsordnung betrachtet.

Ab 1842 erscheint dann auch wieder die Zeitschitft  Ställningar och förhållanden, die Magnus Jacob Crusenstolpe bis zu seinem Tod verlegt. Allerdings richten sich die Beitrage im Laufe der Jahre immer weniger gegen die herrschende Macht, sondern werden zu einem Gesellschaftsportrait, einer Chronik der Politik, des Gesellschaftslebens und der Literatur Schwedens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese Entwicklung führte allerdings dazu, dass der Schriftsteller in den letzten Jahres der Existenz der Zeitschrift immer mehr Leser verliert, da aus einer politischen Streitschrift ein Produkt machte, das nur noch Klatsch verbreitete.

Noch im Gefängnis hatte sich Magnus Jacob Crusenstolpe auch entschlossen historische Romane zu schreiben, die in gewisser Weise Zeitbilder darstellen sollten. Wie sehr viel später auch Olof Lagercrantz, griff Crusenstolpe jedoch nicht nur auf Dokumente zurück, sondern ergänzte alle fehlenden Puzzlestücke mit eigenen Gedanken und Erinnerungen. Um Leser besser anzusprechen, fügte er auch jedem der Werke einige romantische Züge hinzu. Obwohl die drei historischen Romane, die der Schriftsteller zwischen 1840 und 1850 veröffentlichte,  einen gewissen Einblick in Teile der schwedischen Geschichte bieten, so ist Crusenstolpe nicht in der Lage die Romane nach einer sinnvollen Linie und Logik zu komponieren. Zudem fehlt hier die Stärke, die er in seinen früheren politischen Schriften beherrschte.

Die Rolle, die man Magnus Jacob Crusenstolpe innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte gibt, umfasst bis heute die gesamte Breite zwischen Genie und Schund, je nachdem welche politische Meinung der Kritiker vertritt. Dies liegt jedoch nicht nur an der unterschiedlichen Leistung, die man bei Crusenstolpe findet, sondern auch daran, dass Crusenstolpe in kein Schema jener Zeit passt und selbst bei seinen oppositionellen Arbeiten immer die Aristokratie als die maßgebliche Schicht betrachtete und er daher in keiner der beiden Seiten „zu Hause“ war.

Copyright: Herbert Kårlin

1 mars 2013

Hans Järta, revolutionäre Schriften und die Wandlung

Hans Järta, ursprünglich Freiherr Hans Hierta, wurde am 11. Februar 1774 als Sohn des Generalleutnants Freiherrn Carl Hierta und dessen Frau Maria Charlotta von Plomgren in Husby in Dalarna geboren und starb am 6. April 1847 in Uppsala. Järta war in erster Ehe mit Maria Charlotta Lewis, die bereits vier Jahre nach der Ehe starb, und in zweiter Ehe mit Fredrika Christina Hochschild verheiratet.

Die Kindheit von Hans Järta war relativ kurz, denn bereits 1777, im Alter von fünf Jahren, begann seine militärische Laufbahn im Dalaregiment, wo er, wie üblich bei Adeligen, noch im gleichen Jahr Sergeant wurde und zwei Jahre später Fähnrich. Erst als ihn der Politiker Johan Beck-Friis als Pflegekind annahm, begann Järta im Alter von neun Jahren die Grundschule in Falun. Nach sechs Jahren Volksschule und ohne je ein Gymnasium besucht zu haben, schrieb sich Järta an der Universität Uppsala ein um dort Theologie, Geschichte und Sprachwissenschaft zu studieren. Bereits 1791 legte er das Kanzleiexamen ab, das ihm eine Zukunft als Beamter garantierte.


Obwohl aus verschiedenen Quellen hervorgeht, dass sich Hans Järta bereits am 1791 politisch und literarisch betätigte, so ist über diese Zeit wenig bekannt, nicht zuletzt auch deswegen, weil der Schriftsteller in diesen Jahren nur Pseudonyme verwendet, da er sich in den liberalen Kreisen bewegte und sich, beeinflusst von der französischen Revolution, gegen die Monarchie aussprach. Unter anderem war Järta am 16. März 1792 auch beim Maskenball anwesend bei dem Gustav III. ermordet wurde. Seine polizeilichen Aussagen zu den Vorgängen waren sicher falsch, aber er konnte nicht als Mitwisser oder Mittäter belangt werden.

Seine Haltung als Revolutionär, der sich zudem immer nur kurze Zeit für ein bestimmtes Gebiet interessieren konnte, führte im Jahre 1800 allerdings dazu, dass er vom Staatsdienst ausgeschlossen wurde. Im gleichen Jahr legte er auch seinen Titel ab und aus dem Freiherrn Hans Hierta wurde der gewöhnliche Bürger Hans Järta.

Die ältesten Prosastücke veröffentlichte  Hans Järta, wenn auch unter Pseudonym, in Gustaf Abraham Silfverstolpes Journal för svensk litteratur und in Georg Adlersparres Läsning i blandade ämnen. Offen trat Järta erstmals im Jahre 1800 mit einer politischen Schrift in die Öffentlichkeit in der er forderte die Beamten in ihren Rechten zu beschränken. Dieser öffentlichen Anklageschrift folgten dann zahlreiche politische Pamphlete, die ebenfalls überwiegend einen politischen Charakter hatten und, unter anderem, die Redefreiheit verlangten. Parallel dazu verfasste der Autor allerdings auch zahlreiche Trinksprüche.

Die tatsächliche literarische Leistung von Hans Järta zwischen 1800 und 1820 ist heute sehr schwer zu beurteilen, da der Schriftsteller um diese Zeit politisch sehr aktiv war und seine Schriften vermutlich großenteils vernichtet wurden oder auch verloren gingen, da sie überwiegend politischer Natur waren, die eine Neuordnung der Gesellschaft forderten.

Als Hans Järta sich in den 20er Jahren mit der Monarchie mehr oder weniger ausgesöhnt hatte und sich weniger mit politische Literatur beschäftigte, sondern sich mehr der Dichtung und der Verfassung von Prosatexten zuwandte, so begann dieser Wandel mit einem literarischen Streit mit der neuen Schule der romantischen Dichtung, denn Järta fand die Stilistik der Autoren übertrieben, die Aussagen oberflächlich und er hasste jedes Hervorheben der schwedischen Vorzeitromantik, die die Größe und die Bedeutung des alten schwedischen Reiches lobte und hervorhob.

Das erste längere Werk, das von Hans Järta überliefert wurde ist eine Art Führer durch das Kopparbergs Län, das 1823 unter dem Titel Underdånig berättelse om Stora Kopparbergs län erschien und dem wenige Jahre später andere kritische Bücher zum Västmanland folgten.

Im Jahre 1823 begann Hans Järta seine Zeitschrift Odalmannen herauszugeben, die jedoch nach zwei Heften und einem Anhang wieder eingestellt wurde, da er von anderen Schriftstellern kaum unterstützt wurde. Letztendlich erschienen in dieser literarischen Zeitschrift fast ausschließlich Werke von Järta selbst und einige andere von Johan Olof Wallin. Dass die Zeitschrift Odalmannen keinen Erfolg hatte, lag jedoch daran, dass sich Hans Järte überall Feinde gemacht hatte, denn er wurde vom Revolutionär zum Royalist und kritisierte gleichzeitig die Gesellschaftsordnung der Monarchie. Seine Zeitschrift sollte zudem sein eigenes Ideal bekannt manchen und war weniger als literarisches Sprachrohr für damalige Literaten gedacht.

Andererseits zeigte sich Hans Järta auch sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung seiner eigenen Werke. In den 30er und 40er Jahren findet man seine polemischen, satirischen und auch politischen Werke nahezu ausschließlich im Correspondenten in Uppsala und im Stockholmer Svenska Biet, die beide sehr konservativ eingestellt waren.

Erst Gegen Ende seines Leben war Hans Järta in der Lage die Gesellschaft mit einem gewissen Abstand zu betrachten und er begann eine mehr neutrale Literatur zu schaffen, die ihm nicht unmittelbar neue Feinde machte. In dieser Zeit widmete sich Järta vor allem dem historischen Roman, wobei er sich dabei vor allem mit der Kirchengeschichte und dem Rechtswesen beschäftigte. Da Järta die letzten Jahre seines Lebens krank war, diktierte er seinem Sekretär die Biografien über Karl XII. und Gustaf Cronhielm, die letzten beiden Werke aus seinen Federn. Ein Teil dieser Werke wurden allerdings erst lange nach seinem Tod veröffentlicht.

Hans Järta verdankt seine Bedeutung in der Literaturgeschichte Schwedens vor allem der Tatsache, dass Hans Forssell in den Jahren 1882 und 1883 die Valda skrifter des Schriftstellers veröffentlichte und ihn damit unsterblich machte. Järta war 1812 in die Lantbruksakademien gewählt worden, folgte im Jahre 1819 Gudmund Jöran Adlerbeth in der Svenska Akademien auf dem Stuhl Nummer 9 und wurde 1828 in die Vetenskapsakademien gewählt.

Copyright: Herbert Kårlin

16 februari 2013

Oscar Patric Sturzen-Becker, ein literarischer Revolutionär

Oscar Patric Sturzen-Becker (ursprünglich Sturzenbecher) wurde am 28. November 1811 als Sohn des Verwaltungsangestellten Patrik Sturzenbecher und dessen Frau Judith Maria Bachér in Stockholm geboren und starb am 16. Februar 1869 in Helsingborg. Sturzen-Becker war in erster Ehe mit Charlotta Matilda Burman verheiratet und in zweiter Ehe mit Karolina Vilhelmina Fåhraeus.

Über die Kindheit und die Jugend von Oscar Patric Sturzen-Becker ist nahezu nichts bekannt, außer dass er in Stockholm aufwuchs und nach der Hochschulreife im Jahre 1827 an der Universität Uppsala Sprachwissenschaft und moderne Literatur studierte. Das Studium schloss Sturzen-Becker 1833 mit einer Promotion ab. Anschließend kehrte der Schriftsteller nach Stockholm zurück, wo er anfangs die Beamtenlaufbahn einschlug, jedoch gleichzeitig als Literat zu arbeiten begann.


Dass Oscar Patric Sturzen-Becker an eine literarische Karriere dachte, lag allerdings nicht nur an seiner Studienwahl und seinem Abschluss, sondern auch daran, dass er 1832 für sein Gedicht Veidi Alf den zweiten Preis der Svenska Akademien errungen hatte und sich dadurch mit den besten Voraussetzungen ans Schreiben machte.

Nur zwei Jahre später begann Oscar Patric Sturzen-Becker die literarische Zeitung Arlekin herauszugeben, die allerdings nur sehr kurze Zeit überlebte, da der Schriftsteller einen Arbeitsplatz beim Aftonbladet bekam, eine Stelle, die er neun Jahre lang behielt. Für seine Veröffentlichungen griff Sturzen-Becker jedoch zum Pseudonym Orvar Odd, unter dem er letztendlich weitaus bekannter wurde als mit seinem wahren Namen.

In den Jahren 1838 und 1839 machte Oscar Patric Sturzen-Becker mehrere Reisen durch Deutschland und Frankreich, die 1842 zu seiner Reiseschilderungen En utflygt ur boet führte, ein Zeitdokument, das noch heute seine Bedeutung behalten hat und die beiden Ländern mit den Augen eines ausländischen Poeten zeigen.

Vor allem seine Arbeit als Journalist machte Oscar Patric Sturzen-Becker zu einer kritischen Person seiner Zeit, wobei nach seinen Ideen Russland der größte Feind des Landes war und Schweden die Politik Dänemark und Preußens stützen sollte. Während seine Ideen in der Presse noch eine Diskussion erweckten, so brachte die Einbettung dieser Ideen in seiner Gedichtsammlung Min fattiga sångmö ein völlig anderes Resultat, denn kaum ein Schriftsteller seiner Zeit erhielt eine so niederschlagende Kritik für eine Gedichtsammlung wie Sturzen-Becker.

Da die politischen Ideen des Schriftstellers und Journalisten immer mehr von jenen der herrschenden Schicht Schwedens abwichen, was dem Autor auch einige Probleme einbrachte, waren die Kritiken seines Min fattiga sångmö nur noch der kulminierende Punkt und der Schriftsteller entschloss sich nach Kopenhagen auszuwandern, von wo aus er weiterhin für das Aftonbladet arbeitete, aber auch für mehrere dänische Zeitungen zu schreiben begann, die von seiner antirussischen Einstellung besonders beeindruckt waren und einen Ausländer gerne über die auch in Dänemark umstrittene Politik schreiben ließen.

Als Oscar Patric Sturzen-Becker im Jahre 1847 nach Schweden zurückkehrt und sich in Helsingborg niederlässt, folgt er weiterhin seiner politischen Linie und propagiert bei all seinen Werken den neuen Skandinavismus, der sich insbesondere in seinen kürzeren satirischen Prosastücken deutlich ausdrückt. Um seiner Meinung jedoch noch besser Ausdruck verleihen zu können, gründet Sturzen-Becker nun auch die Zeitung Öresunds-Posten, die allerdings wegen seinen zur damaligen Zeit extremen, wenn auch sehr modernen, Ideen nicht sehr lange existiert, da er nicht genügend Leser finden kann.

Oscar Patric Sturzen-Becker zeigt sich bis zu seinem Lebensende ungemein produktiv und gewann in diesen Jahren die Achtung zahlreicher einflussreicher Personen, was sich auch darin zeigt, dass noch zu seiner Lebenszeit seine gesammelten Werke in sechs Bänden erschienen, die auch Zeugen davon sind wie vielfältig der Autor arbeitete, denn seine Texte gehen von der Lyrik über Feuilletons und Prosastücke bis zu politischen und literaturhistorischen Abhandlungen

Innerhalb der schwedischen Literaturgeschichte nehmen indes die Gedichte des Schriftstellers eine besondere Rolle ein, da er hier eine gerade Linie geht und seine politischen und sozialen Ideen nur streift. Als Höhepunkt seines Schaffens betrachtet man dabei die beiden Werke Stycken i små ramar und Brunt och rosenrött, die er erst in den 60er Jahren in Helsingborg verfasste.

Copyright: Herbert Kårlin

3 februari 2013

Henning Mankell und Kommissar Kurt Wallander

Henning Mankell wurde am 3. Februar 1948 als Sohn des Komponisten Ivar Henningsson Mankell und dessen Frau Ingrid Birgitta Bergström in Stockholm geboren, verbrachte jedoch seine Kindheit mit dem Vater und einer älteren Schwester in In Sveg in Härjedalen und anschließend in Borås im Västra Götaland.

Da die Mutter seinen Vater bereits verließ als Henning Mankell gerade einmal ein Jahr alt war, war das Verhältnis zu ihr als nicht existent zu betrachten. Als der Schriftsteller etwas über 20 Jahre alt war, beging seine Mutter Selbstmord. Mankell ist seit 1998 mit Eva Bergman, der Tochter des Filmregisseurs Ingmar Bergman in vierter Ehe verheiratet und hat aus seinen früheren Ehen vier Söhne.


Henning Mankell erzählt, dass seine Zeit in Sveg seine Fantasie anregte, ihn zum Lesen brachte, ihm die Liebe zu Afrika gab und er dort im Alter von sechs Jahren von seiner Großmutter väterlicherseits das Lesen und Schreiben lernte. Nach seinen eigenen Aussagen wurde er bereits in dieser Zeit Schriftsteller, auch wenn sein erstes Werk, eine Zusammenfassung des Buches Robinson Crusoe, während der Umzüge verschwunden ist.

Die vier Jugendbücher über den Jungen Joel, die Henning Mankell ab 1990 schrieb und mit Hunden som sprang mot en stjärna (Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war) beginnt und mit Resan till världens ände (Die Reise ans Ende der Welt) endet, bieten einen Einblick in die Phantasie des Schriftsteller und seine Zeit in Sveg. Seit 2007 findet man im dortigen Kulturzentrum, das nach dem Autor benannt ist, auch eine permanente Ausstellung über Mankell.

Als Henning Mankell 13 Jahre alt war, zog die Familie nach Borås und der Schriftsteller wechselte die Schule, die ihm jedoch wenig bieten konnte, so dass er mit 16 aufgab, erst für einige Zeit nach Paris ging um dann auf einem schwedischen Frachter anzuheuern, was nach dem Autor als eine Art Flucht von seinem bisherigen Leben bezeichnet werden kann. 1966 musterte er ab und ließ sich erneut in Paris nieder und erlebte dort die Zeit des Aufbruchs, die Zeit der Studentenrevolte.

Kurz nach den Unruhen in Paris ging Henning Mankell zurück nach Schweden und suchte eine Arbeit als Bühnenarbeiter. In dieser Zeit schrieb der Autor sein erstes Theaterstück Nöjesparken, das allerdings kein besonderer Erfolg war, da es das Kolonialinteresse Schwedens im 19. Jahrhundert zum Thema nahm.

Dieses Interesse des Widerstands, das Henning Mankell aus Paris mitgebracht hatte und an dem er immer aktiv teilnahm, zeigte sich nicht nur in Form seiner Theaterstücke, denn auch sein erster Roman Bergsprängaren, das dem Leser die Geschichte der schwedischen Arbeiterbewegung näher bringt. Diesen ersten Roman schrieb Mankell in Norwegen, wohin er einer Norwegerin gefolgt war und Kontakte mit der kommunistischen Partei bekommen hatte ohne jedoch Mitglied zu werden.

Vom Geld, das er für diesen Roman bekommen hatte, machte Henning Mankell seine erste Reise nach Afrika. Als er in Guinea-Bissau aus dem Flugzeug stieg, so beschreibt der Autor diesen Moment als ein Gefühl nach Hause gekommen zu sein, ein Gefühl, das man auch in seinen zahlreichen Büchern über Afrika wiederfinden kann.

Im Jahre 1984 wurde Henning Mankell der Direktor des Kronobergsteatern in Växjö, was zu einer vollkommenen Erneuerung dieses Theaters führte, da Mankell dort mit größtem Erfolg auf schwedisches Theater setzte und keinerlei Übersetzungen oder Adaptationen zuließ, jedoch einen Wert auf das kritische Theater des Landes legte. Der Nachteil dieser Aufgabe war jedoch, dass der Schriftsteller zwischen 1984 und 1990 keinerlei Romane mehr veröffentlichte.

Nahezu parallel dazu wurde Henning Mankell ab 1986 der Leiter des Theaters Teatro Aveninda in Mosambik. Seine Leben spielte sich ab dieser Zeit zur Hälfte in Schweden und zur anderen Hälfte in Afrika ab. Nach dem Dramaturgen und Schriftsteller hat ihm die Arbeit in Mosambik einen anderen Blick auf Europa und insbesondere auf Schweden gegeben, den man jedoch nicht in seinen Kriminalromanen finden kann, die zu seinem größten Erfolg wurden. Die Person Mankell ist weitaus mehr in seinen politischen Werken und den Büchern über Afrika zu finden, wo der Schriftsteller über Rassismus, Kolonialismus und Migration schreibt und der der Dritten Welt einen Platz bietet, den die offizielle Politik eines Landes nicht sehen will, als in seinen Kriminalromanen.

Auch wenn die kritischen Romane von Henning Mankell eine gewisse Aufmerksamkeit erregten, so begann seine öffentliche Karriere erst im Jahre 1991 mit seinem ersten Wallander-Roman Mördare utan ansikte und sein absoluter Durchbruch kam mit dem dritten Kriminalroman Den vita lejoninnan. Die ersten dieser Romane, die auch zeitkritische Aspekte als Hintergrund haben, überschatten, neben Erfolgsbüchern wie dem Kriminalroman Sidospär, die wahren Meisterwerke Mankells wie die Trilogie über Sofia, die der Schriftsteller mit Eldens hemlighet beginnt. Die drei Bücher des Autors haben drei für ihn wichtige Themen im Auge. Der erste Band behandelt das Problem der Landminen, der zweite Aids und der dritte die Situation der Frau in Afrika.

Henning Mankell sieht seine Kriminalromane mit Kommissar Kurt Wallander, die alle in Ystad spielen, wo der Schriftsteller in den 80er Jahren lebte und wo er bis 2012 ein Gut besaß, nicht als seine Hauptwerke, aber er hofft damit die Leser zu seinen anderen Werken führen zu können, damit sie die Probleme dieser Welt verstehen lernen. Dadurch, dass die Krimis verfilmt wurden, hofft er verstärkt seine Leser auf die sehr umfangreiche Kollektion seiner anderen Bücher aufmerksam zu machen

Aber noch heute vergessen viele Liebhaber des Kommissars Wallander, dass Henning Mankell zwischen dem Krimi Pyramiden und Den orolige mannen zwölf andere Romane und mehrere Theaterstücke geschrieben hat, die sowohl literarisch als auch inhaltlich tiefer gehen als die Kriminalserie, die Mankell mittlerweile als abgeschlossen betrachtet.

Henning Mankel ist kein Schriftsteller, der die Dritte Welt nur als Autor betrachtet, sondern er versucht auch durch persönliche Einsätze einen Beitrag zu leisten. Im Jahre 2007 schenkten Mankell und Eva Bergman 15 Millionen Kronen an das SOS-Kinderdorf in Chimoio in Mosambik und beide unterstützen auch das indische Dorf Nelvili über die Aktion „Hand in Hand“.

Copyright: Herbert Kårlin

21 januari 2013

Gunnar Mascoll Silfverstolpe, der intime Alltagsdichter Schwedens

Gunnar Mascoll Silfverstolpe wurde am 21. Januar 1893 als Sohn des Hauptmanns Carl Edvard Mascoll und dessen Frau Elsa Maria Gagge in Rytterne im Västmanland geboren und starb, unverheiratet, am 26. Juni 1942 in Stockholm.

Seine Kindheit und seine Jugend verbrachte Gunnar Mascoll Silfverstolpe mit seinen beiden Brüdern in Rytterne, einer Bucht am Mälaren, da der Vater um diese Zeit Hauptmann des Regimentes in Strömholm war. Die Schule besuchte Silfverstolpe in Västerås, wo er im Jahre 1911 auch die Hochschulreife ablegte, wofür er jedoch teilweise Privatunterricht benötigte, da er nur dem Realschulzweig gefolgt war. Nach der Hochschulreife begann der Schriftsteller ein Studium in nordischer Wissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Uppsala.


Bereits in Västgerås gehörte Gunnar Mascoll Silfverstolpe der literarischen Vereinigung des Gymnasiums an und schrieb Gedichte im Stile von Verner von Heidenstam, die er bei Festen vortrug. In Uppsala beteiligte er sich aktiv an den verschiedenen studentischen Aktivitäten und schloss sich vor allem dem Kreis der Poeten und Kunsthistorikern an mit denen er auch zahlreiche Ausflüge im Mälartal unternahm um die verschiedenen Kirchen zu besuchen.

Als Gunnar Mascoll Silfverstolpe im Jahre 1918 die Universität nach sieben Jahren verlässt, wird er Beamter und verwaltet die Kunstsammlungen Stockholms, was ihm mehrere bedeutende Aufträge in verschiedenen Kommissionen bringt und ihm den Zugang zur gehobenen Schicht der Stadt bietet. Unmittelbar nähert sich Silfverstolpe dem Kreise der Künstler, der Schriftsteller, aber vor allem den entscheidenden Personen in Wirtschaft und Verwaltung. Sein enges Verhältnis zum Stenhammarkreis um Prinz Wilhelm und seine lyrischen Präsentationen dieser Zeit werden allerdings nicht nur gelobt, sondern führen auch zur Kritik, denn David Sprengel och Agnes v Krusenstjerna bezeichneten den Dichter sogar als den „Hoflakaien Silfverstolpe“.

Nach den ersten drei Gedichtbänden Arvet, Dagsljus und Vardag von Gunnar Mascoll Silfverstolpe, unter denen vor allem Arvet aus dem Jahre 1919 Aufmerksamkeit erweckte, begann der Autor insbesondere für die Stockholms Tidningen zu arbeiten, wobei er sich anfangs auf Kunstkritiken beschränkte, jedoch sehr bald zum einflussreichsten Literaturkritiker der Zeit wurde, zum Leidwesen vieler jüngeren, modernen Schriftsteller, da Silfverstolpe vor allem auf Ästhetik, wahre Gefühle und Tradition Wert legte. Ein moderner Schriftsteller, dem Silfverstolpe jedoch maßgeblich zum Erfolg verhalf, war Gunnar Ekelöf, der in seinen Augen seine Werke mit den Augen eines Künstlers verfasste.

Die Anfangswerke von Gunnar Mascoll Silfverstolpe waren stark beeinflusst von Verner von Heidenstam, Oscar Levertin, Selma Lagerlöf und Erik Axel Karlfeldt. Erst in den 30er Jaren, als Silfverstolpe auch regelmäßiger Mitarbeiter der Bonniers månadshäften wurde, entwickelte der Lyriker einen wirklich eigenen Stil, der auch seinen politischen Widerstand zur Unterdrückung zum Ausdruck brachte.

Während der 20 Jahre in denen Gunnar Mascoll Silverstolpe literarisch aktiv war, hatte er zwar einen bedeutenden Einfluss über seine Kritiken, veröffentlichte jedoch selbst relativ wenige Lyrikbände, die zudem auch sehr schlecht verkauft wurden, obwohl einige seiner Gedichte in den bedeutendsten Anthologien aufgenommen wurden, die zwischen den beiden Weltkriegen in Schweden erschienen. Durch seinen Einfluss in der kulturellen Welt des Landes wurden mehrere der Gedichte auch von den Radioprogrammen unter dem täglichen Gedicht aufgenommen.

Die lyrischen Werke von Gunnar Mascoll Silfverstolpe zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass er in ihnen nostalgisch an seine Jugend und seine Studienjahre in Uppsala zurückfindet und die Landschaft des Mälaren als Hintergrund nimmt. Geschichte, Kultur und Tradition sind für den Lyriker die bedeutendste Werte, wobei er auch immer wieder einen Weg zur religiösen Stimmung findet. Aus diesem Grund wird der Lyriker auch oft als einer der Intimisten der schwedischen Literatur bezeichnet und als Dichter des Alltags, der über das schreibt, was man im täglichen Leben erlebt, fühlt und entdeckt.

Bei den späteren Werken von Gunnar Mascoll Silfverstolpe, Werken, die vor allem in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden, entdeckt man schließlich eine Wandlung, die nicht nur eine Angst vor der Zukunft zeigt, sondern die politische Einstellung Silfverstolpes deutlich macht. Nahezu verzweifelt spricht er sich gegen die Unterdrückungen im Nazideutschland aus und gegen die antisemitische Politik Hitlers. Bereits in einem Gedicht des Jahres 1940 drückt er den jüdischen Flüchtlingen in Schweden seine Solidarität aus und stellt Schweden als das Land der Brüderlichkeit und der Freiheit dar, was ihn allerdings von der Bewegung der antinazistischen Literaten des Landes unterscheidet, da Silfverstolpe die negativen Bewegungen Schwedens kaum zur Kenntnis zu nehmen scheint.

Bereits 1940 war Gunnar Mascoll Silfverstolpe gegen Krebs operiert worden, der jedoch 1942 erneut ausbrach und ihn dazu zwang von allen öffentlichen Aufträgen zurückzutreten. Nur wenig später starb der Dichter dann an seiner Krankheit in Stockholm.

Gunnar Mascoll Silfverstolpe, der neben seinen lyrischen Werken auch kunsthistorische Bücher wie Prins Eugensk  konst oder Det tessinska slottet veröffentlichte, wurde 1941 in die Svenska Akademien gewählt und folgte damit Albert Engström auf dem Stuhl Nummer 18.

Copyright: Herbert Kårlin

17 januari 2013

Jan Guillou, vom Sozialismus zum historischen Roman

Jan Guillou wurde am 17. Januar 1944 als Sohn des französischen Hausmeisters Charles Guillou und dessen norwegischer Frau Marianne Botolfsen in Södertälje geboren. Auf Grund seiner Herkunft war Guillou bis 1975 französischer Mitbürger und erhielt erst in diesem Jahr die schwedische Staatsbürgerschaft. Der Schriftsteller wohnt mit seiner Frau Ann-Marie Skarp überwiegend auf Östermalm in Stockholm.

Die Kindheit verbrachte Jan Guillou, von zwei Jahren abgesehen, in Saltsjöbaden und in Näsby Park bei Stockholm. Nach vier Jahren Grundschule begann Guillou in der Vasa Real in Stockholm, wo er allerdings wegen Diebstahl, Gewalt und Erpressung nur kurze Zeit verbrachte. Den Realschulabschluss machte der Autor daher in einer Internatsschule in Solbacka im Södermanland. Anschließend besuchte er die Viggbyholmsskolan, wo er die Hochschulreife machte. Daraufhin folgten noch zwei Jahre Jurastudium, das Guillou allerdings nie mit einer Prüfung abschloss.


In den 60er Jahren entschloss sich Jan Guillou Journalist zu werden und begann seine Karriere als Reporter bei der Reportagezeitschrift FIB aktuellt, von wo aus er nach einigen Jahren zu linksgerichteten Zeitungen und Zeitschriften überging und sehr viel für Folket i Bil/Kulturfront schrieb. Bereits 1973 wurde der Journalist dann in ganz Schweden bekannt, da er, gemeinsam mit Peter Bratt, aufdeckte, dass es in Schweden einen Geheimdienst gibt von dem nicht einmal das Parlament etwas weiß. Dies wurde als Spionage betrachtet und Guillou wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

In den 60er und 70er Jahren war Jan Guillou eng verbunden mit der maoistischen Organisation Clarté, aus der er allerdings ausgeschlossen wurde, weil er die Mitgliedsgebühr nicht bezahlte, unter dem Vorwand, dass er nicht in Schweden wohne. In dieser Zeit hatte der Schriftsteller auch eine enge Verbindung zum KGB, die er, nach eigenen Aussagen, 1972 abbrach ohne je wirklich ein Geheimnis verraten zu haben, auch wenn er zweimal vom KGB bezahlt worden war.

Ab 1971 schrieb Jan Guillou, neben seiner Tätigkeit als Journalist, zahlreiche Bücher mit politischem Inhalt und Reportagebücher zu teilweise brisanten Themen. Als Schriftsteller der Fiktion wurde Guillou ab 1986 durch seine Romanserie mit der Hauptfigur Carl Hamilton bekannt. In einigen dieser Werke findet man sehr deutliche Zeichen von Schlüsselromanen, die einen gewissen Einblick in Guillous Vergangenheit und seine Denkweise bieten.

Weltbekannt wurde Jan Guillou dann jedoch mit seinen drei Bänden über den Tempelritter Arn, die nicht nur als Bücher in zahlreichen Ländern auf die Bestsellerlisten kamen, sondern auch verfilmt wurden und nach einem Kinoerfolg in einigen Ländern im Fernsehen übertragen wurden und zur Meinungsbildung zum schwedischen Mittelalter beitrug.

Ab den 90er Jahren begann Jan Guillou regelmäßig Kolumnen für das Aftonbladet zu schreiben, die von kontroversen Ansichten geprägt sind, da der Journalist und Schriftsteller während seiner bisherigen Schaffensperiode immer die Neigung hatte zu provozieren oder aber gegen den Strom zu schwimmen. So hält Guillou Homosexualität für eine Modeerscheinung, die in keiner Weise mit Genen verbunden werden kann, er bezeichnet die schwedischen Terroristengesetze als Rassismus, der sich gegen die arabische Welt richtet und kommt nach einer „Untersuchung“ zum Ergebnis, dass die Führer der Sverigedemokraterna keine Rassisten sind. Es gibt keine Grenze für Guillou und kein Thema an das er sich nicht wagt. Durch die Unterstützung der Media wird er dadurch zu einem der bedeutendsten Schriftsteller, die in Schweden Meinungen bilden.

Nach dem großen Erfolg der Bücher über den Tempelritter Arn machte sich Jan Guillou an ein neues großes geschichtliches Thema mit dem Überbegriff Det stora århundradet, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts umreißen soll und der Schriftsteller im Jahre 2011 mit dem Geschichtsroman Brobyggarna einleitete und 2012 mit Dandy fortsetzte.

Auch wenn man bisher nie die literarische Fähigkeit von Jan Guillou in Frage setzte, so gilt für seine Glaubwürdigkeit nicht das gleiche Maß, denn seine Erzählung über seinen sadistischen Stiefvater im Buch Ondskan kann nicht bestätigt werden, da seine Familie, seine früheren Freunde und alle seine Lehrer das Gegenteil behaupten. Das gleiche gilt für sein Werk Ordets makt och vanmakt in dem er Peter Bratt als einzig Schuldigen für seine Gefängnisstrafe sieht oder man nimmt den Tempelritter Arn, der nie existierte und eine schwedische Geschichte erlebt, die von Geschichtswissenschaftlern nicht auf die gleiche Weise gesehen wird.

Wenn man Jan Guillous Bücher liest, so ist es sehr schwierig seine Aussagen nicht für Wahrheit, sondern für Fiktion zu nehmen, denn seine Sätze und Erklärungen  scheinen immer glaubwürdig. Dies wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Schriftsteller ein häufiger Gast im schwedischen Fernsehen ist und hervorragend argumentieren kann.

Jan Guillou, der zwei Kinder mit seiner früheren Partnerin Marina Stagh hat, verließ Ende der 90er Jahre den Verlag Norstedts und gründete, gemeinsam mit seiner späteren Frau Ann-Marie Skarp, dem Journalisten Sigge Sigfridsson und der Schriftstellerin Liza Marklund den Piratförlaget, der seit dem Jahre 2000, unter anderem, auch die Bücher von Jan Guillou und Liza Marklund veröfffentlicht.

Copyright: Herbert Kårlin

5 januari 2013

Yrsa Stenius und die Grenzen der linken Manipulation

Yrsa Stenius wurde am 7. Januar 1945 als Tochter des Architekten Olof Stenius und der Schauspielerin Dorle von Wendt in Helsingfors (Helsinki) in Finnland geboren und verbrachte bis 1978 in Finnland um anschließend, als Finnlandschwedin in die schwedische Hauptstadt Stockholm zu ziehen, wobei die Journalistin und Schriftstellerin nach wie vor Finnland als ihre wahre Heimat betrachtet.

Die Kindheit verbrachte Yrsa Stenius in einer bürgerlichen Familie der Mittelklasse, in der Kunst und Kultur wichtig waren. Nach ihrer Hochschulreife im Jahre 1964 studierte Stenius nordische Literatur und Philologie an der Universität in Helsingfors, wo sie sich auch sehr schnell den linken Kreisen der Studenten der 60er Jahre anschloss.


Bereits 1968 wurde Yrsa Stenius Chefredakteur des Studentbladet, dem Sprachrohr der extrem linken Studentenwelt, wobei der Einfluss der Zeitschrift zu jener Zeit auch weit über die Grenzen der Universität hinausreichte. Als Sozialdemokratin behielt sie die Chefredaktion jedoch nur etwa ein Jahr lang bevor sie gefeuert wurde. Noch im gleichen Jahr wurde sie dann jedoch als Radaktionssekretärin beim Svenska Demokraten eingestellt, dem Sprachrohr der finnlandschwedischen Sozialdemokraten, das bald darauf in Arbetarbladet umbenannt wurde.

Auch wenn Yrsa Stenius in erster Linie links orientierte Journalistin ist, die von Beginn an  eigene Wege ging, da sie zwar analytisch und auf intellektuelle Weise an ihre Artikel heranging, aber immer wieder die Kritik zu hören bekam, dass ihre Texte schwer zu lesen seien und oft für weniger gebildete Personen kaum begreiflich sind, was allerdings zutrifft, da Stenius zwar links denkt, aber nicht für die Arbeiter schreibt, sondern für die intellektuelle linke Schicht, die sie früher an der Universität getroffen hat.

Noch bevor Yrsa Stenius nach Schweden umzog, veröffentlichte sie im Jahre 1975 ihr erstes Buch mit dem Titel I väntan på vadå?, das die Manipulation der Gesellschaft durch den Kapitalismus relativ gut beschreibt und vor allem in Schweden eine beachtliche Auflage erreichte und im Zuge der Zeit extrem positive Kritiken bekam.

In Stockholm begann Yrsa Stenius für die Abendzeitung Aftonbladet zu arbeiten, wo sie bereits 1982 zur Chefredakteurin aufstieg und selbst die Macht und die Manipulation ausübte, die sie bis dahin angegriffen hatte. Als Stenius dies bemerkt und ihren Posten beim Aftonbladet aufgab um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, geriet sie in eine persönliche Krise, die man in ihrem Buch I makten och kvinnligheten großenteils wiederfinden kann.

Bereits neben ihrer journalistischen Arbeit schrieb Yrsa Stenius weiterhin kritische Bücher zu politischen Themen, allen voran das Buch Jag älskar mig : gåtan Albert Speer, das vom ehemaligen deutschen Rüstungsminister Albert Speer ausgeht um dann jedoch Parallelen zur finnischen Oberklassen-Gesellschaft der 70er Jahre zu suchen.

Als Thema wählt Yrsa Stenius auch nach Albert Speer starke Männer, unter anderem Olof Palme, was automatisch bedeutet, dass ihre Bücher Aufsehen erregen und eine große Lesergruppe finden. Auch wenn die Schriftstellerin ihre Leser vielleicht nicht mutwillig manipulieren will, so sieht sie jedoch Ereignisse und Personen grundsätzlich nur aus ihrem Winkel und teilt sie in gut oder böse ein. Durch ihre Reputation als ein Führer der linken Bewegung erntet sie dadurch auch entsprechend zweiseitige Kritik für ihre Arbeiten und führt den Leser zu ihren persönlichen Meinungen.

Da Yrsa Stenius keine Kompromisse kennt wenn es um ihre persönliche Meinung und Analyse geht, ist sie unbequem, selbst für einen Teil der Sozialdemokraten Schwedens und Finnlands, was sich insbesondere bemerkbar machte, als Stenius 2007 Pressombudsman wird, denn auf Grund ihrer Angriffe über die Berichtserstattung über die Affäre Jan Guillou weigern sich zahlreiche Journalisten Schwedens überhaupt mit ihr zu reden, was für eine Schiedsperson einer klaren Misstrauenserklärung entspricht.

Nie lässt sich Yrsa Stenius, weder als Journalistin noch als Schriftstellerin, von ihrer persönlichen Gratwanderung abhalten, denn sowohl ihr Buch Tills vinger brister im Jahre 2002, einer Studie der Licht- und Schattenseite von Jussi Björling als auch ihr folgendes Buch Lögnens olidliga lätthet des Jahres 2004, in dem sie vier wichtige Personen der Zeitgeschichte beleuchtet um zu analysieren wie weit diese eine Lüge zur Wirklichkeit machen konnten um ihr Gewissen zu beruhigen, zeigen, dass Yrsa Stenius eine eigene Meinung hat, die zwar eine mögliche Realität darstellen kann, aber auch Manipulation sein kann. Stenius versucht zu analysieren, indem sie sich auf eine linke intellektuelle Position stellt und jede andere Warte und Denkweise ausschließt, eine Methode, die ihr eine garantierte Leserschicht bringt, die etwa so groß ist wie jene Schicht, die ihre Bücher als tendenziell ablehnt.

In Erstaunen versetzt jedoch das letzte Buch von Ylva Stenius, denn Taxar, kärlek och sorg, das im Jahre 2007 erschien, ist ein sehr persönliches Buch der Autorin in dem sie von ihrem Verhältnis zu ihren eigenen Hunden erzählt von denen sie seit 60 Jahren begleitet wird. Das mit einem gewissen Humor geschriebene Buch zeigt keine Grenze zwischen Erinnerung, Autobiographie und der Psychologie von Hunden.

Copyright: Herbert Kårlin

20 december 2012

Ulla Trenter, zwischen Kriminalroman und Novelle

Ulla Trenter wurde am 18. Dezember 1936 als Tochter des Bürokaufmanns Lennart Anderson und dessen Frau Elisabet Kindgren in Stockholm geboren, war in erster Ehe mit dem Schriftsteller Stieg Trenter (starb 1967) verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Kanzleichef Jan Palm (starb 1999) und lebt heute in Mariefred.

Wie viele Autoren der Gegenwart, so spricht Ulla Trenter wenig über ihre Kindheit, so dass ihre Biographie im Grunde erst mit ihrer Hochschulreife im Jahre 1956 beginnt, der sie eine Ausbildung als Übersetzerin für Italienisch anschloss. Zwischen 1959, einem Jahr vor der Ehe, bis zum Tod von Stieg Trenter half sie ihrem Mann bei seiner Tätigkeit als Schriftsteller, mit dem sie auch drei Kinder bekam. Welche Rolle sie bei dieser Zusammenarbeit ist bis heute nicht bekannt.


Die literarische Karriere von Ulla Trenter begann mit dem Tod ihres Mannes, denn sie beendete sein kaum begonnenes Buch Rosenkavaljeren, das bereits 1967 erschien. Das Buch wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen und als der Verlag des Ehemannes fragte, ob sie nicht weiterhin schreiben wolle, war der Grundstein für eine reiches literarisches Schaffen gelegt.

Allerdings stand Ulla Trenter bei dieser literarischen Erbschaft auch vor einem gewissen Problem, da sie zum einen die Novelle dem Kriminalroman vorzog, sich zum anderen aber auch entscheiden musste, ob sie die Personen aus den Kriminalromanen ihres Mannes übernehmen sollte, also an den Rosenkavaljeren anknüpfen sollte. Trenter entschied sich letztendlich die Hauptpersonen zu behalten, versuchte ihnen jedoch eigene Züge zu geben, fügte andere Personen hinzu und arbeitete daran einen Unterschied zwischen der gemeinsamen Arbeit mit ihrem ersten Mann und ihren eigenen Ideen auszudrücken, was sehr gut gelang und bis 1989 dazu führte, dass die Schriftstellerin jedes Jahr ein neues Buch veröffentlichte.

Neben ihrer literarischen Tätigkeit begann Ulla Trenter sich ab Mitte der 70er Jahre auch politisch zu betätigen und trat der Zentrumspartei bei, wobei ihr in diesem Bezug insbesondere kirchliche und kulturelle Fragen wichtig war, was man auch an ihren Werken und ihren anderen Aktivitäten ab dieser Zeit feststellen kann.

Ulla Trenter beginnt in dieser Epoche ein völlig neues Leben zu führen, singt im Chor, organisiert, gemeinsam mit Kerstin Matz, Schreibkurse zum Verfassen von Kriminalromanen, geht mit dem Vortrag Bibeln i deckaren - deckaren i Bibeln (Die Bibel im Kriminalroman - der Kriminalroman in der Bibel) auf Schweden-Tournee und übersetzt Werke des britischen Autoren Peter Tremayne und des Italieners Gianrico Carofiglio.

Indem es Ulla Trenter gelingt ihren Werken ihren sehr persönlichen Stempel zu geben, der zudem im zeitnahen politischen und religiösen Trend liegt, wird die Schriftstellerin sehr bald mit heutigen Legenden des schwedischen Kriminalromans verglichen und ihre Bücher liegen neben jenen von Maria Lang und Jan Mårtenson und prägen damit maßgeblich den Krimi der 70er und 80er Jahre.

Ab den 90er Jahren nimmt die literarische Aktivität von Ulla Trenter rapide ab, denn 1991 erscheint noch ihr Kriminalroman Sköna juweler, der 1999 von der Novellensammlung Lustmord gefolgt wird, die auch Novellen von Inger Jalakas enthält und 2006 kommt das bisher letzte Werk der Schriftstellerin, der Kinderkrimi Varför dör grannarna?. In dieser Zeit engagiert sich Ulla Trenter immer mehr politisch in Mariefred und Strängnäs, sowie in gemeinnützigen Organisationen wie Rädda Barnen und Zonta.

Auch wenn Ulla Trenter neben Kriminalromanen mit Büchern wie Stieg Trenters mat, Lustmord oder Mariefred Staden Slottet Omgivningar versucht den Bann des Kriminalromans zu brechen, so ist ist ihre Stärke und ihr Erfolg der Krimi, dessen Aufbau sie meisterhaft beherrscht.

Der eigene Stil mit politischen und religiösen Einflüssen erklärt auch die Aussage Ulla Trenters, dass sie der Nachwelt ein Bild Schwedens der 70er bis 90er Jahre hinterlassen will, also eine Art Kulturgeschichte schreiben wollte. Inwieweit sie dies mit Kriminalromanen erreichen kann, ist ungewiss, auch wenn sie zu jenen Schriftstellern gehört, deren Werke , zumindest teilweise, immer wieder neu aufgelegt werden und daher nicht als simple Konsumkrimis betrachtet werden können.

Ulla Trenter ist Mitglied der Föreningen Kriminalförfattare i Stockholm und Mitglied der Svenska Deckarakademien.

Copyright: Herbert Kårlin

14 december 2012

C. H. Hermansson und der politische Kampf in der Literatur

C. H. Hermansson (Carl-Henrik Hermansson) wurde am 14. Dezember 1917 als Sohn eines Handelsvertreters in Bollnäs geboren, den er als Kind öfter auf seinen Reisen begleiten durfte. Hermansson ist trotz der Veröffentlichung von 14 Büchern mehr als Politiker als als Schriftsteller bekannt, zumal er von 1964 bis 1975 der Vorsitzende der Linken (Vänsterpaprtiet kommunisterna) Schwedens war. Hermansson lebt seit über 40 Jahren in Stockholm.

Auch wenn C. H. Hermansson in Bollnäs geboren wurde, so verbrachte er seine Kindheit und seine Jugend in Sundsvall. Da die Familie zur Mittelschicht gehörte, war es auch selbstverständlich, dass Hermannsson eine höhere Ausbildung bekam, erst in Sundsvall und anschließend als Student der Politologie an der Universität Stockholm, wobei er allerdings um diese Zeit bereits in der linken Bewegung Schwedens aktiv geworden war. Noch war allerdings eine politische Karriere in weiter Ferne, denn ursprünglich wollte der politische Schriftsteller Filmregisseur werden.



Nach eigenen Aussagen begann sich Carl-Henrik Hermansson vor allem durch den Einfluss der Schüsse in Ådalen und den nationalistischen Ideen, die sich in den 30er Jahren im Gymnasium in Sundsvall verbreiteten für die linken Ideen zu interessieren und schloss sich noch als Gymnasiast dem Jugendverband der Sozialdemokratischen Partei SSU an. Als sich Hermansson in Stockholm dann dem sozialistischen Studentenverband Clarté anschloss, musste er allerdings die sozialdemokratische Gruppe verlassen, was jedoch nur dazu führte, dass er sich der Kommunistischen Partei anschloss.

Die linke Einstellung des Journalisten, Schriftsteller und Politikers C. H. Hermansson wurde allerdings auch noch durch eine andere Tatsache gestärkt. Während seiner politischen Aktivität lernte er im Jahre 1939 seine zukünftige Frau Märta Katz kennen, die ihm als Jüdin weitaus mehr über die Verfolgungen in Deutschland erzählen konnte als viele andere Schweden wissen wollten. Da die politische Führung Schwedens die deutsche Politik stützten und verherrlichten, war es logisch, dass es für Hermansson nur eine politische Richtung im Land gab, nämlich die des Kommunismus.

Dieser Übergang zum Kommunismus sollte die gesamte Zukunft von C. H. Hermansson verändern, denn als Kommunist war er automatisch unter der Überwachung der Sicherheitspolizei Säpo und vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit den Lebensunterhalt zu verdienen, bot daher die Solidarität unter der linksextremen Gruppierung des Landes, also eine Aktivität innerhalb der Kommunistischen Partei und die Anstellung als Journalist der Zeitung Ny Dag, dessen Chefredakteur Hermansson zwischen 1959 und 1964 war, eine Aufgabe, die er erst aufgab, als er zum Vorsitzenden der Linken Schwedens gewählt wurde.

Wenn man von den Gedichten, die C. H. Hermansson in seiner Jugend schrieb, absieht, so begann seine schriftstellerische Karriere im Jahre 1943 mit dem Buch Det monopolkapitalistiska Sverige, das er bereits zu Beginn seiner Tätigkeit bei der Zeitung Ny Dag schrieb, ein Werk, das bis heute eine gewisse Aktualität behalten hat und erstmals in Schweden Fakten zusammenstellte, die belegten, dass nur „15 Familien“ das wirtschaftliche Leben Schwedens dominieren. Er erklärte in sehr einfachen Worten warum dies zu Kartellen führt, Monopole schafft und die Konkurrenzkraft schwächt. Kaum ein Autor, der heute über dieses Thema arbeitet, kommt am Werk Hermanssons vorbei, denn er schuf mit seinem Det monopolkapitalistiska Sverige das erste populärwissenschaftliche politische Buch, das das Wirtschaftsgeschehen des Landes auf kritische Weise beleuchtete.

Während seiner Zeit als Parteivorsitzender veröffentlichte C. H. Hermansson lediglich drei Bücher, da er seine Ideen während dieser Zeit öffentlich verteidigen konnte. In dieser Beziehung muss man daher seine Reden und seine Aktionen in Zusammenhang mit seinen Büchern sehen. In diesem Rahmen ist sein „Kampf“ innerhalb der eigenen Partei wichtig, da Hermansson einen schwedischen Sozialismus und Kommunismus suchte und es wagte Aktionen der Sowjetunion zu verurteilen, was eine große Schicht der Parteimitglieder nicht sehr positiv aufnahm. 1973 war Hermansson der erste und der einzige Politiker Schwedens, der eine gleichgeschlechtliche Ehe durchsetzen wollte und der Politiker Hermansson versuchte den öffentlichen Angestellten klar zu machen, dass sie nichts anderes sind als die Arbeiter, da sie nur weisungsgebundene Arbeit leisten, die andere reich macht.

Der Hauptgedanke des Schriftstellers C. H. Hermansson kreiste immer wieder um die Macht des Kapitals in Schweden, wobei ihn weniger interessierte wie viele Personen über die Mehrheit des Kapitals verfügten oder den Begriff Reichtum, sondern ihn interessierte welchen wirtschaftlichen Einfluss dieses Kapital ausübt, welche Macht dieses Kapital einer kleinen Führungsschicht verleiht. Hermansson versuchte dieses komplexe Geschehen, das sich auf die Preispolitik jedes kleineren Geschäftes, die Kreditvergabe der Banken und andere Situationen auswirkte, allgemein darstellen. Der Schriftsteller wollte dabei jedoch nie ein allgemeines Weltmodell sehen, sondern baute dabei auf die Geschichte und die Entwicklung Schwedens auf, was insbesondere seine Bücher aus den 80er Jahren sehr deutlich ausdrücken, denn 1983 erscheint Socialism på svenska, 1986 Sverige i imperialismens nät und 1989 das Werk Ägande och makt. Vad kommer efter de 15 familjerna?, das sein vorletzes Buch wurde.

Dass die Werke von C.H. Hermansson nur selten in der Literaturgeschichte Schwedens genannt werden, hat zwei grundlegende Ursachen. Zum einen will man in Schweden Politik und Wirtschaft vom literarischen Geschehen fern halten, obwohl genau dies der Ursprung des literarischen Schaffens war als katholische Lehrmeister ihre Theorien über Bücher verbreiteten. Zum anderen benutzt Hermansson einen Wortschatz, der ihn automatisch zu einem linken Autor macht, was eine große Schicht an Schweden davon abhält die Werke zu kaufen, da sie glauben beim Kauf linkes Gedankengut zu unterstützen.

Copyright: Herbert Kårlin

2 december 2012

Are Waerland, der Gesundheitsphilosoph Schwedens

Are Waerland, der ursprünglich Paul Henrik Fager hieß, wurde am 13. April 1876 als Sohn des Kaufmanns und Honorarkonsuls Henrik Nikolai Fager und dessen Frau Hilda Charlotta Fröbom in Ekenäs (Finnland) geboren und starb am 20. November 1955 an einer Herzattacke in seinem Arbeitszimmer in Alassio (Italien).

Auch wenn Are Waerland später als der sportliche Gesundheitsphilosoph bekannt wurde, so war er als Kind sehr häufig krank. Seine Umgebung beschrieb ihn bereits allerdings bereits als kleines Kind sehr intelligent und altklug, was vermutlich mit seiner Erziehung als ältestes von neun Kindern zu tun hatte. Selbst mit sechzehn war Waerland noch einmal so krank, dass er ein sogar ein Schuljahr verlor. Waerland machte die Grundschule in Ekenäs und sein Abitur in Helsingfors (Helsinki) wo er anschließend auch Philosophie studierte.


In der Jugend erlebte Are Waerland als Schwedenfinne die russische Invasion bei der die schwedischsprachige Regierung abgesetzt wurde und auch in Ekenäs die Widerstandsbewegung der dortigen schwedischen Majorität entstand. Im Jahre 1996 schloss sich Waerland der passiven Widerstandsbewegung an, die auch der Beginn seiner schriftstellerischen Aktivität war. Waerland veröffentlichte in diesen Jahren politische Schriften wie Våld och Lag in der finnisch-schwedischen Untergrundzeitung Fria Ord.

Während des Studiums begann sich Are Waerland immer mehr für Politik und Geschichte zu interessieren und da er sich zu einem ausgezeichneten Redner entwickelt hatte, begann er nach dem Studium mit Vorträgen durch das Land zu reisen. 1899 erhielt Waerland den Auftrag einen geschichtlichen Überlick über Fiskars Bruk, eine Erzgrube, zu schreiben. Minnesblad ur Fiskars Bruks historia 1649 - 1899 wurde dann seine erste bedeutendere Veröffentlichung, die ihm auch die Anerkennung als Schriftsteller brachte.

Im Jahre 1901 sollte sich das Leben von Are Waerland wegen einem geplatzten Blinddarm, der ihm fast den Tod brachte, grundsätzlich ändern. Der Arzt, der ihn operierte und rettete, war ein bedeutender Chirurg, aber er konnte nichts gegen seine ständigen Kopfschmerzen unternehmen. Waerland machte sich seine eigenen Gedanken dazu und kam zur Entscheidung, dass diese Kopfschmerzen nur mit der Lebensart zu tun haben konnten. Der bis dahin politische Agitator wollte ab diesem Moment das Land frei von Krankheiten machen.

Ende 1901 wurde Arne Waerland Rektor auf Åland, was ihm vor allem die Zeit brachte sein Buch Mjölnar Missnöjd zu veröffentlichen und zwei Theaterstücke zu schreiben. In dieser Zeit ging der Schriftsteller auch ganz zum Vegetarismus über, da er dieser Ernährung hohe Gesundheitswerte gab, die zu einem gesunden und langen Leben führen.

Bei seinem Studienaufenthalt in London im Jahre 1902 stieß er auf die Schriften Alexander Haigs in denen er die Wahrheiten des gesunden Lebens fand. Er setzte die Theorien Haigs in die Praxis um und verlor dabei seine eigenen Kopfschmerzen, die ihn immer wieder plagten. Auch wenn Arne Waerland später seine politische Agitation nicht ganz aufgab, so kann man sagen, dass der Schriftsteller ab diesem Zeitpunkt vor allem Bücher schrieb, die einen gewissen Zusammenhang mit gesundem Leben haben.

Um mehr über Gesundheit und Heilmethoden der Zeit zu erfahren, zog Arne Waerland von 1904 bis 1906 nach Frankreich um sich dort an der Sorbonne mit den Theorien und Erfahrungen von Louise Pasteur vertraut zu machen und alles über Bakterien und Viren zu erfahren.

Nachdem Arne Waerland im Jahre 1910 in über 100 Orten Schwedens Vorträge über seine Theorien zu einer gesunden Lebensführung gehalten hatte, entschied er sich in Schweden zu bleiben. Als er 1912 die schwedische Staatsbürgerschaft annahm, änderte er auch seinen Namen und aus Paul Henrik Fager wurde Arne Waerland. Im nächsten Jahr heiratete er dann in Leksand Maria (Maja) Ljunggren.

In den Folgejahren erschienen von Arne Waerland regelmäßig Bücher zu Gesundheitsfragen. 1915 veröffentlichte er Skall jag taga vara på min broder, das 1917 bereits die neunte Auflage erreicht hatte und ein Aufruf gegen den Alkoholismus war. Weitere Werke dieser Epoche waren Känn dig själv im Jahre 1917, Materia eller ande zwei Jahre später, Tankens Makt 1920 und Idealism och meterialism 1924. Auch wenn all diese Bücher vor allem um Geist und Gesundheit gehen, so stellt sie Waerland auch immer in einen politischen Hintergrund, der ihm zahlreiche Feinde einbringt.

Im Jahre 1923 verließ Arne Waerland Schweden um sich im italienischen Alassio niederzulassen, dem Ort, den er seit 1910 regelmäßig besucht hatte. Nahezu alle Bücher, die Waerland ab 1923 schrieb, entstanden in seiner Wahlheimat Alassio.

Arne Waerland verbreitete seine Lehren nicht nur über Vorträge und Literatur, sondern versuchte sie auch in die Praxis umzusetzen. 1935 gründete er den Svenska Frisksportförbundet der viel Bewegung in der frischen Luft förderte und gegen den Genuss von Alkohol war. Probleme mit anderen Mitgliedern führten dazu, dass er aus der Organisation 1938 wieder austrat um Allnordisk Folkhälsa zu gründen, das nahezu identische Ziele hatte. 1940 gründete der Autor dann die Gesundheitszeitschrift Solvikingen, die dabei helfen sollte, dass sich Geist, Bewegung und Ernährung der Bürger des Nordens verbessern.

Auch wenn Arne Waerland als Autor in mehreren Bereichen aktiv war, so spricht man heute fast nur noch von seinem Werk In the Cauldron of Disease, das 1934 in Englisch erschien und 1952, nur wenige Jahre vor dem Tod des Schriftstellers auch in Schweden auf den Markt kam. Dieses Werk drückt mit Sicherheit seine Gesundheitsideologie am besten aus, nicht jedoch den Schriftsteller Arne Waerland. Wer nach dem Schriftsteller Waerland sucht, muss seine Bücher zur Politik, Geschichte und zur Gesundheit wählen, die man als Kulturgeschichte bezeichnen kann und die Denkweise des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts zum direkten oder indirekten Thema hat.

Copyright: Herbert Kårlin

24 november 2012

Marit Paulsen, von der Arbeiterliteratur zur Politik

Marit Paulsen, geborene Bjørnerud, kam am 24. November 1939 kurz vor der deutschen Okkupation in Oslo zur Welt. Auch wenn Paulsen nur einen deutschen Großvater hatte und daher offiziell keines der verhassten „Tyskerbarn“ (Deutschkinder") war, so wurde sie dennoch vom damaligen norwegischen Hass gegen jede deutsche Herkunft betroffen, wenn auch in etwas minderem Ausmaß als so manch anderes „Tyskerbarn“, das deutsche Eltern hatte oder wo ein Elternteil deutsch war.

Nach eigenen Erzählungen arbeitete Marit Paulsen bereits als Neunjährige in der Fabrik, heiratete mit 17 und bekam drei Kinder. Bis zu ihrem Umzug nach Schweden zu Beginn der 60er Jahre hatte sie mehrere Arbeiterjobs in Norwegen. In ihrer neuen Heimat begann Paulsen im Smedjebackens Valsverk zu arbeiten bis sie von 1970 bis 1972 eine elementare Ausbildung an der Brunnsviks Volkshochschule machte.


Bereits der erste Roman von Marit Paulsen, der 1972 unter dem Titel Du, männska erschien, erregte bedeutende Aufmerksamkeit. Literarisch gesehen, ist das Buch weniger ein Werk, das durch gute Sprache oder Stilistik überzeugt, sondern eine kritische und persönliche Betrachtung der Industriearbeiter in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Marit Paulson kam mit ihrem Buch zur Hochzeit der Arbeiterliteratur und konnte damit mit ihrem „Rapport“ die gesamte linke Leserschicht gewinnen.

Ihren größten literarischen Erfolg hatte Marit Paulson dann mit ihrem autobiographischen Roman Liten Ida, der 1979 als Buch erschien und zwei Jahre später verfilmt wurde. Auch wenn sich Paulsen hier mehr einer literarischen Schreibweise nähert, ist auch dieses Werk vor allem wegen seiner Tragkraft bekannt geworden, das das Schicksal eines norwegischen Mädchens während der deutschen Okkupation in Norwegen beschreibt. Marit Paulsen sieht sich hier in Form der Hauptfigur des Buches als Opfer eines missglückten Sozialsystems und unbarmherziger Sozialarbeitern.

Bis 1990 schreibt Marit Paulsen insgesamt neun Erfahrungsbücher, die eine 30-jährige persönliche Geschichte Schwedens bieten und damit in gewisser Weise als Zeitdokumente zu sehen sind und Paulsen in ganz Schweden bekannt machen, da die Schriftstellerin immer einen Schwachpunkt oder einen Trend der Gesellschaft findet, den sie bis zum Exzess ausschlachtet.

Bereits in den 80er Jahren entwickelte sich Marit Paulsen zu einer extremen Umwelt- und Europakämpferin und suchte die Nähe politisch einflussreicher Personen, was sich Ende der 80er Jahre dadurch zeigte, dass Familie Andersson-Paulsen beim Schwung von der extrem linken Seite zu den Sozialdemokraten ohne bedeutende Sicherheiten 4,5 Millionen Kronen Unterstützung an Land ziehen konnten, aber anschließend dennoch den Konkurs beantragen musste.

Ab den 90er Jahren entwickelt sich Marit Paulsen zu einer umdiskutierten politischen Autorin, die sich zur Fachfrau für Umweltpolitik und Europapolitik wandelt, wobei Paulsen auch hier weniger auf empirische Kenntnisse und Wissenschaft zurückgreift, sondern auf ihre eigene Meinung und persönliche Einstellung, was sowohl in der Politik als auch der Literatur relativ neu war und ihr einen bedeutenden Einfluss garantierte zumal Paulsen Denkanstöße gab. Für ihren Erfolg wird nun aus der Sozialdemokratin eine Verfechterin der Volkspartei, was sich auch sehr deutlich in ihren folgenden teils sehr provokativen Büchern ausdrückt.

Bücher wie En liten bok om euron des Jahres 2003 oder Lurad av laxen : sant & falsk om maten des Jahres 2009 sind, vielleicht dank der nichtakademischen Ausbildung von Marit Paulsen, leicht lesbar und überzeugend, auch wen sie eine Mischung aus persönlichen Meinungen sind, die sie mit ausgewählten Fakten stützt. Auch hier ist ihr Erfolg weniger  die Sachlichkeit und das Wissen zum Thema, sondern ihre Eigenschaft Schwachstellen der politischen Debatte zu finden und selbst Forscher zum Zweifeln zu bringen. Ihre Überzeugungskraft liegt darin, dass sie selbst an ihre Theorien glaubt und sie überzeugend vermitteln kann. Dass sie dabei eigene Begriffe schafft und Theorien, die kaum einer der Leser wirklich nachvollziehen oder verfolgen kann, stützen noch den Erfolg.

Wer Marit Paulsens Bücher liest, darf keine grundlegende Wahrheit suchen oder stilistische und literarische Feinheiten, sondern den Ansatz zu einer anderen Denkweise, zu einer Literatur der Provokation, die jedoch Tausende von Schweden als endgültige Wahrheit nehmen, denn Paulsen ist in der Lage Meinung zu machen, da sie ihre eigene Meinung mit einfachen Worten und selbst erklärten Theorien so klar darstellen kann, dass viele Schweden ihre Bücher als Bibel nehmen, da sie dann selbst nicht mehr nachdenken müssen, sondern einfache Antworten auf ihre Fragen finden.

Copyright: Herbert Kårlin